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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Novalgin - Kurzinfusion oder "Langinfusion"?



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WackenDoc
27.03.2015, 05:05
Finde ich gut, dass unsere Daisy als Fachfrau das auch so macht:
BS plus Novalgin und wenn das nicht fruchtet noch Dipi hinterher. Mein letzter Patient mit dem Krankheitsbild hat dann aber noch was Dormicum und nen Hubschrauberflug bekommen.

Hoppla-Daisy
27.03.2015, 05:19
Da die meisten Patienten ja dann auch noch Übelkeit aufweisen und meist auch schlaflose Nächte hinter sich haben, bekommen Sie gerne anschließend von mir auch noch ne Ampulle Vomex als KI, damit die endlich mal ruhig schlafen können ;-)

gnuff
27.03.2015, 16:47
Ist Novalgin in Schweden nicht schon länger vom Markt? Und dann könnte man es ja auch nicht bei anderen Indikationen einsetzen oder?

Skandinavien und Schweden ist nicht das Gleiche...

LasseReinböng
30.03.2015, 22:20
Bei uns baden die Patienten in Metamizol. Das ganze gibts als KI über 30 min, 1g in 100 ml NaCl alle 6h..bei stärker schmerzhaften Geschichten auch mal gleich die 2,5g Ampulle über 30 min in 100 ml NaCl. In der aktuellen S3 Leitlinie "Analgesie, Sedierung und Delirmanagement in der Intensivmedizin" ist Metamizol jedenfalls drin.

Ältere FÄ bei uns spritzen so eine Ampulle gerne mal pur aber fraktioniert über den 3-Wege-Hahn...ein bisschen Spritzen, wieder etwas Ringer laufen lassen, dann wieder Metamizol usw. usf.

Ich weiß auch nicht, was man unter den Nichtopioiden sonst i.v. geben könnte im perioperativen Bereich. Paracetamol ist nach der Meinung fast aller OÄ bei uns für den perioperativen Bereich völlig ungeeignet, allenfalls als Antipyretikum auf der ITS noch einsetzbar. Bleiben nur noch die selektiven COX2 Hemmer, oder ?

LasseReinböng
30.03.2015, 22:30
Wir bekommen recht viele Koliken mit 2,5 g Novalgin (gepaart mit 1 Ampulle BS) in den Griff. .

Was ist BS ?

Gesocks
30.03.2015, 22:35
Butylscopolamin, würd ich sagen

FirebirdUSA
30.03.2015, 23:08
Rein pharmakologisch finde ich die Dauerinfusion über 24h nach einem Bolus sinniger als 4x Kurzinfusionen alle 6h... oder hab ich da einen gedanklichen Fehler?

LasseReinböng
31.03.2015, 09:32
Perfusorenmangel ?

Grombühlerin
31.03.2015, 09:54
Ältere FÄ bei uns spritzen so eine Ampulle gerne mal pur aber fraktioniert über den 3-Wege-Hahn...ein bisschen Spritzen, wieder etwas Ringer laufen lassen, dann wieder Metamizol usw. usf.



Bin weder älter noch FA aber so mache ich das auch. Ist halt die Kurzinfusion für faule oder sparsame Hausfrauen.... Allerdings nehme ich beim Normpatienten nur 1,5g.

In meiner alten Klinik war das so üblich. In der neuen Klinik tun die meisten das Novalgin zum OP-Ende in eine Kurzinfusion. Ich hab aber mein gewohntes System beibehalten und es hat sich noch keiner beschwert.

Novalgin als Perfusor kenne ich von Intensivstation.

el suenio
03.04.2015, 20:02
. Paracetamol ist nach der Meinung fast aller OÄ bei uns für den perioperativen Bereich völlig ungeeignet, allenfalls als Antipyretikum auf der ITS noch einsetzbar.
Warum eigentlich? Ich habe auch noch nie erlebt, dass Perfalgan als Analgetikum zur Anwendung kam, lediglich bei Fieber wird es bei uns sehr schnell angehängt. Nur, warum denn eigentlich? Ist da die lebertoxische Wirkung größer als der Nutzen in der Schmerztherapie bei längerer Anwendung oder wirken andere Analgetika einfach effektiver? So richtig leuchtet mir das nicht ein.

Absolute Arrhythmie
03.04.2015, 23:23
Hmm, auf Intensiv haben wir schon standard-mäßig Perfalgan gegeben bei Schmerzen, allerdings zusätzlich (!) zu 5-15mg Dipidolor.

el suenio
05.04.2015, 11:05
Also ich hab das noch nie irgendwo gesehen, dass Perfalgan bei Schmerzen angehängt wurde, als Antipyretikum ist es bei uns erste Wahl. Bei uns gibt es bei Schmerzen meist Novamintropfen, ab und an auch als KI, Palladon 2,6 oder auch Dipidolor s.c.. Mich würde halt mal interessieren, ob es irgendeine Erklärung dafür gibt? Aber wenn bei euch auch Perfalgan bei Schmerzen verabreicht wird, dann ist es vllt. nur eine Frage des perönlichen Beliebens?

mary-09
05.04.2015, 11:53
Letztendlich würde ich das so sehen: Wissenschaftlich erwiesen hat PCM ja nun mal sowohl eine analgetische als auch antipyretische Wirkungsweise. Natürlich kann PCM also sowohl bei Schmerzen als auch bei Fieber indiziert sein und wirken. Perfalgan wird also durchaus auch bei Schmerzen angehängt.
Was nun wirklich gegeben wird, hängt meist von hausinternen Standards ab und natürlich v.a. davon, was der Patient überhaupt für Schmerzen hat. Einer Kolik braucht man nun nicht mit Perfalgan kommen und auch bei Tumorschmerzen wird es nicht ausreichend sein (kann aber natürlich im Rahmen des WHO-Stufenschemas zur Anwendung kommen). Sicher ist Perfalgan ein vergleichsweise schwaches Analgetikum und man kann darüber streiten, ob z.B. das postoperativ angehängte Perfalgan-Fläschchen jetzt sinniger ist als Novalgin. Abhängig von den Vorlieben des Chefs habe ich beides gesehen und irgendwie hat auch beides funktinoiert ;-) Es führen eben verschiedene Wege nach Rom. Die Lebertoxizität von Perfalgan spielt hier mE keine Rolle. In leitliniengerechten Dosen macht PCM ja nun nicht gleich die Leber kaputt und auch alle anderen Analgetika haben relevante UAWs.

Fazit: Über PCM kann man sich streiten und die Patienten sprechen unterschiedlich darauf an. Bei mir persönlich wirkt PCM im Vergleich zu Ibu deutlich schlechter, aber es gibt auch Patienten, bei denen das nicht so oder eher umgekehrt ist. Bleibt also nur ausprobieren bzw. Kontraindikationen beachten. Verteufeln würde ich PCM nicht. Schon gar nicht wegen der Leber und auch deshalb nicht, weil es in manchen Situationen quasi das einzige ist, was einem bleibt: 3. Trimenon, Neugeborene etc.

Meine studentische Sicht der Dinge :-stud

Kandra
05.04.2015, 12:30
Bei uns wird Paracetamol angehängt, wenn die Patienten eine Novalginallergie haben.

Brutus
15.04.2015, 18:42
http://www.medscapemedizin.de/artikelansicht/4903393?nlid=79603_3141
Kernaussagen:


In Abhängigkeit von der Dosis steigert Paracetamol das Risiko für kardiovaskuläre, gastrointestinale und renale Nebenwirkungen. Sogar das Mortalitätsrisiko ist bei langfristiger Einnahme hoher Dosen erhöht.[...]
Das Forscherteam um Dr. Emmert Roberts vom Maudsley Hospital in London hat nun für seine Analyse insgesamt 8 Studien ausgewertet. In einer davon fand sich eine eindeutige Dosis-Wirkungsbeziehung zwischen Mortalität und Menge des eingenommenen Paracetamol: Während bei wiederholter Einnahme von Paracetamol in niedriger Dosierung die relative Sterberate nicht erhöht war, lag sie bei langanhaltendem Gebrauch hoher Dosen bei 1,63 (95%-Konfidenz-IntervalI: 1,58-1,68) – war damit also um 63% erhöht.[...]
„Paracetamol ist ein veraltetes Medikament. Das Verhältnis zwischen Wirkung und Risiko fällt zuungunsten des Patienten aus, denn Paracetamol hat nachweislich gesundheitliche Risiken bei keiner bis marginaler Wirkung. Das Sprichwort ‚Hilft nicht, schadet nicht’ stimmt hier also nicht.“[...]
Dies gelte vor allem für Patienten mit häufigem Alkoholkonsum oder Fettleibigkeit. Zudem sei gerade die tägliche Einnahme über einen längeren Zeitraum gefährlich. „Auch bei Schwangeren ist von der Einnahme abzuraten, da Paracetamol das Ungeborene schädigen kann – um nur einige Risikogruppen zu nennen“, warnt Brune.[...]

Soviel zum Thema Paracetamol und Schmerztherapie. Warum ein ineffektives Medikament nehmen, wenn ich gute und potente Alternativen habe? :-nix

Miss_H
15.04.2015, 19:33
Soviel zum Thema Paracetamol und Schmerztherapie. Warum ein ineffektives Medikament nehmen, wenn ich gute und potente Alternativen habe? :-nix
Aber gerade in der Schwangerschaft (letztes Drittel) kann man doch quasi nix anderes mehr nehmen (oder erinnere ich mich da falsch)?

Bille11
16.04.2015, 10:22
Mein Chef sagt auf die Anfrage, dass mehr als 1g Novalgin überdosiert seien. 15mg/kgKG. Bei grossen, schweren Patienten mal 1,5-2g aber ansonsten reiche der Bolus 1g. Ich war in dem Augenblick nicht bereit, drüber zu diskutieren, werde das aber evtl. nochmal ansprechen.

FirebirdUSA
16.04.2015, 10:30
Aber gerade in der Schwangerschaft (letztes Drittel) kann man doch quasi nix anderes mehr nehmen (oder erinnere ich mich da falsch)?

Es kommt darauf für was du ein Schmerzmittel willst. Gegen alltägliche Kopfschmerzen ist tatsächlich Paracetamol das am besten untersuchte und empfohlene Medikament. Wenn du wirklich starke Schmerzen hast kannst du aber natürlich auch Fentanyl nehmen. Diese wirken natürlich auch auf den Fetus, so dass nach Entbindung eine Atemdepression möglich ist oder bei langfristiger Einnahme natürlich auch eine kindliche Abhängigkeit. Aber im Notfall geht das schon (siehe auch Infos für z.B. Fentanyl auf Embryotox)

Brutus
16.04.2015, 19:08
^^ Das erinnert mich immer an den NA-Einsatz bei der Schwangeren in der 37. SSW, die sich den US offen frakturiert hatte. Schmerzbedingt war an ein Einladen und Abfahren nicht zu denken. Da habe ich auch lange überlegt, was ich machen soll. Letztendlich habe ich dann langsam titrierend 0,2mg Fentanyl gegeben. Meine damalige OÄ sagte später in der Klinik: "War genau richtig. Geht's der Mama gut, geht's dem Kind gut." ;-)
Operiert haben wir sie dann trotzdem im SPA...
Zum Ende der Schwangerschaft: m.E. geht doch auch Ibu ganz gut, oder irre ich mich jetzt?

Rhiannon
16.04.2015, 19:15
Zum Ende der Schwangerschaft: m.E. geht doch auch Ibu ganz gut, oder irre ich mich jetzt?

Ich dachte, Ibu nicht mehr im letzten Trimenon wg möglichem vorzeitigem Ductus-Verschluss.