Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Novalgin - Kurzinfusion oder "Langinfusion"?
Ibu ist im letzten Schwangerschaftsdrittel kontraindiziert wegen des möglichen vorzeitigen Verschlusses des Ductus botalli.
Stimmt, da war was... ;-)
Wobei ich die Aussage auf Embryotox auch lustig finde:
Besser erprobte Alternativen: keine
Im ersten und zweiten Trimenon ist Ibu dem PCM deutlich überlegen, im letzten eben wegen des Ductus nicht empfohlen.
Wobei man eben auch diskutiert, ob man Schwangeren überhaupt Ibu empfehlen soll. Grund ist, dass man u.U. nicht dran denkt, dass man ab der 28. SSW es nicht mehr nehmen soll...
Auf der anderen Seite ist eben PCM auch nicht wirklich eine Alternative, Opiate auch nicht... :-nix
Moorhühnchen
18.04.2015, 14:10
Mein Chef sagt auf die Anfrage, dass mehr als 1g Novalgin überdosiert seien. 15mg/kgKG. Bei grossen, schweren Patienten mal 1,5-2g aber ansonsten reiche der Bolus 1g. Ich war in dem Augenblick nicht bereit, drüber zu diskutieren, werde das aber evtl. nochmal ansprechen.
Dein Chef sollte mal mit meinem diskutieren, das würde ich gerne hören... ;-)
Das ist ja quasi genau das Gegenteil von dem, was hier so praktiziert wird!
lasset die Fetzen fliegen :-))
Jule-Aline
30.04.2015, 19:24
Sehr interessante Diskussion.In meinem ersten Haus wurde in der Notaufnahme Novalgin unverdünnt gespritzt.Im Rettungsdienst wurde eine Ampulle Novalgin auf 20ml mit NaCl aufgezogen und langsam gegeben.Im aktuellen Haus wird 1Amp Novalgin in eine 500ml oder 1000ml Stero getan.
auf Intensiv: standardmäßig 4x1g Novalgin i.v.
im OP: zum Ende hin 2,5g in die laufende Infusion/Infusionsrest mit rein, manche (Chef z.B.) gebens auch fraktioniert i.v., manchmal mach ich auch 1g i.v. und 1,5g dann in die Infusion (bezieht sich natürlich auf den erwachsenen Durchschnittspatienten ohne Kontraindikationen, bei Kindern oder Leichtgewichten natürlich weniger).
Mein Chef hält übrigens auch nix von Paracetamol als Schmerzmittel^^
WackenDoc
03.05.2015, 11:24
Aus einem Artikel in "Der Notarzt": Buscopan ist bei Harnleiterkolik obsolet. Keine ausreichende Wirkung, auch nicht zusammen mit Novalgin, nur Nebenwirkungen.
Mittel der Wahl: Diclo- was aber der RD meist nicht dabei hat. Alternativ Novalgin, wenn keine Wirkung, dann Dipi. Das Vorgehen mit 1/2 Ampulle (=1,25g) direkt i.v. und den Rest in die laufende Infusion scheint ein übliches und bewährtes Vorgehen zu sein.
firstdayofwinter
15.05.2015, 18:39
Interessante Frage... Also während meiner Studienzeiten (noch nicht sooo lange her) kannte ich Novalgin als "längere" Infusion, zumindest in 250ml oder eher in 500ml, dabei mit Tropfenzähler besonders langsam gegeben (genaue Zeit weiß ich nicht mehr), da man den Patienten "umbringen kann", wenn man Novalgin zu schnell gebe (??? Anaphylaxie?)
In meinem jetzigen Hause wird das häufig als 100ml Kurzinfusion im Schuss gegeben, da kriege ich manchmal auch etwas Bauchschmerzen, lieber ist mir 1g in 250ml "mittelschnell" oder wegen mir auch im Schuss, weil manche Leute ja doch mit Blutdruckabfall reagieren (oder bin ich da zu sensibel?). Im Bolus finde ich das gewagt, habe in der Ambulanz schon mal ein junges Mädel gesehen mit RD gebracht von der HA-Praxis weil HA 2g Novalgin im Bolus gegeben hatte und das Mädel präkollaptisch geworden ist... Tja, so kann das gehen...
WackenDoc
15.05.2015, 18:50
Der Hintergrund, warum man es langsam geben soll, sind die sog. Schockfragmente -also im Wesentlichen Blutdruckabfall.
In der Praxis ist das aber nicht das riesige Problem. Ok, 2g bei nem jungen Mädel (gerne dann auch mit fehlendem Körpergewicht) schnell gespritzt, kann natürlich Blutdruckprobleme machen. Aber normalerweise nichts, was man nicht mit einfachen Maßnahmen wieder hin bekommen würde.
Also mit meiner Methode (1/2 Ampulle aus der Hand, 1/2 Ampulle in 500ml Flüssigkeit- das kann man aber auch zügig laufen lassen) hab ich rein praktisch wirklich gute Erfahrungen gemacht. Geht auch sehr gut als Mischung mit ner Ampulle Tramal und ner Ampulle "irgendwas gegen Übelkeit"- Hexenschuss ist bei uns die typische Indikation dafür.
Moorhühnchen
04.07.2016, 21:24
Habe als DGAI-Mitglied per Mail den Link zu einer online-Umfrage geschickt bekommen. Ich nehme an, daß nicht nur explizit DGAI-Mitglieder angesprochen sind, vielleicht mag ja noch jemand teilnehmen oder zumindest reinschauen. :-)
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
Mit der nachfolgenden Befragung wollen wir aus der täglichen klinischen Praxis ein repräsentatives Bild zur Anwendung von Nichtopioidanalgetika und Komplikationen unter Metamizol gewinnen, vor allem, weil es kaum Studien zu diesem sehr „alten“ Medikament gibt.
Die Befragung erfolgt in Kooperation mit der Deutschen Schmerzgesellschaft ("Arbeitskreis Akutschmerz") und der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin ("Wiss. Arbeitskreise "Kinderanästhesie" und "Schmerzmedizin").
Es werden Fragen zu drei Themenfeldern mit fast identische Fragen gestellt ("Perioperative Versorgung von Erwachsenen", "Perioperative Versorgung von Kindern" und "Chronische Schmerztherapie bei Erwachsenen"). Wenn Sie nicht alle drei Patientengruppen behandeln, werden Sie entsprechend weitergeleitet und überspringen die für Sie nichtzutreffenden Fragen automatisch. Die Beantwortung der Fragen zu allen Themenfeldern benötigt maximal 15 Minuten.
Unter den Rücksendern, die eine Kontaktadresse angeben (z.B. Email; freiwillig), verlosen wir zweimal die Teilnahme am Akutschmerzkurs der Deutschen Schmerzgesellschaft e.V. (http://www.akutschmerzkurs.de) in Göttingen (Februar 2017, Wert jeweils 300,- Euro, ohne Fahrt- und Übernachtungskosten).
Die Ergebnisse der Befragung werden wir Ihnen auf den folgenden Kongressen vorstellen und veröffentlichen.
https://de.surveymonkey.com/r/Survey_Metamizol
Vielleicht kommt ja dann in absehbarer Zeit ein guter Artikel über die Anwendung von Novalgin.... der wäre dann sicher interessant! :-lesen
Ich habe mich im Verlauf des letzten Jahres dann übrigens doch an meinen Chef und die Kollegen angepaßt und bin auf die 2,5g in 500 ml Stero zum OP-Ende umgestiegen, ggf. noch plus weitere 2,5g in 1000 ml Stero im post-op Tagesverlauf (Reduzierung bei <60kg Körpergewicht). So lautet quasi der "Hausstandard".
Auf Intensiv würde ich manchmal aber lieber bei den 4x 1g bleiben, aber die Diskussionen sind einfach never-ending...
Thunderstorm
07.07.2016, 11:29
Ich finde die Diskussion hier sehr interessant!
Bei mir im Haus sind 3-4 x 500 mg Novalgin als Tbl. oder 3x 1g als KI (100 ml NaCl) Standard.
In diesem Zusammenhang möchte ich aber gleich noch eine Frage anschließen: was wäre denn eine geeignete Alternative für Novalgin für Normalstation bei chronischen Schmerzen und gleichzeitig alten Patienten mit kardiologischen Krankheitsbildern und meist schlechter Nierenleistung? NSARs sind in dieser Konstellation ja kontraindiziert oder irre ich mich da?
Zu Perfalgan: bei uns wird es so gut wie nie gegeben, da es wohl im Vergleich zu anderen Medis recht teuer ist.
3-4*500mg finde ich persönlich unterdosiert. Der normalverteilte Sauerländer wiegt ja nicht 75kg, sondern eher >100kg, und selbst bei 75kg wären 500mg zu wenig: => 15mg/kg * 75kg = 1125mg, der Einfachheit halber: 1g, und das 4/tgl.
Perfalgan: zu teuer und dabei keine Wirkung. ;-)
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