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Christoph_A
17.04.2015, 06:28
Um mal einen anderen medizinischen Werdegang darzustellen.
Würde auch wieder Medizin studieren, definitiv. Arbeite als angestellter Kardiologe an einem MVZ mit komplettem Spektrum ( EPU, Katheter, Schrittmacherimplantationen).
Wie jeder Niedergelassene muß ich KV Dienst machen, den man aber gut abgeben kann, offiziell 2 Tage im Quartal, inoffiziell mach ich max 1 pro Jahr selber.
Verdienst mit Gewinnbeteiligung ca. 130k.
Die freien Mi und Fr Nachmittage und die praktisch nicht vorhandenen Dienste machens einem doch sehr angenehm.
Hab zwar keine weißen Nächte im Angebot, dafür weiße Berge in Griffweite und eine der schönsten Städte der Republik als Wohnort.

Rudiologe
17.04.2015, 11:27
@Christoph: Großartig, genau so eine Art der Anstellung, inkl. Arbeitszeiten und Gehalt, schwebt mir vor. Das müsste ja in der Radiologie hoffentlich funktionieren...

JPT
17.04.2015, 20:04
Verdienst mit Gewinnbeteiligung ca. 130k.
Die freien Mi und Fr Nachmittage und die praktisch nicht vorhandenen Dienste machens einem doch sehr angenehm.
Hab zwar keine weißen Nächte im Angebot, dafür weiße Berge in Griffweite und eine der schönsten Städte der Republik als Wohnort.


An deinen freien Nachmittagen musst du auch keine Bürokratie abarbeiten oder? In nem MVZ habt ihr dafür auch Angestellte.?

Wie viele klinische Erfahrung hast du denn mitgebracht (Spezialfertigkeiten...)? Ich meine, man steigt wohl nicht als frisch gebackener FA so hoch ein...

Christoph_A
24.04.2015, 08:07
Habe an freien Nachmittagen frei, deshalb heißen die ja so.
Bin mit insgesamt 8,5 Jahren Berufserfahrung in die Praxis eingestiegen, habe den "normalen" Kardiologen, zusätzlich den FA internistische Intensivmedizin( was ja für die Praxis nun keine Relevanz hat) plus die üblichen Zusätze (Sportmedizin, Notfallmedizin). Spezialfertigkeiten? In erster Linie Kaffee trinken und Bild Zeitung vom Lehrmädel bringen lassen, nebenbei mach ich ab und zu ein paar Schrittmacher wo rein :-blush

MAP74
24.04.2015, 20:47
Spezialfertigkeiten? In erster Linie Kaffee trinken und Bild Zeitung vom Lehrmädel bringen lassen, nebenbei mach ich ab und zu ein paar Schrittmacher wo rein :-blush

In den kardiologischen Stationen, in denen ich war (Pflege + Famulatur), waren sicher nicht alle Kardiologen zum Einsetzen von Herzschrittmacher ausgebildet (auch der Chef war nicht sonderlich versiert darin, brauchte einen Vertreter als der Schrittmacher-Spezi in Elternzeit ging), braucht man dafür noch eine Subspezialisierung nach dem FA (sozusagen Spezialfertigkeit)?

Ich nehme aber an, dass dein Gehalt in "Triplesiegerhausen" nicht vergleichbar mit dem woanders in Deutschland ist. Hier verdient wsl auch ein Ingenieur oder BWLer das doppelte wie anderso :D

Nastja8
26.04.2015, 20:14
Es ist einiges was mir stört. Wir sind sehr knapp besetzt und ich habe dass Gefühl 2-3 Überstunden sind bei JEDEM Teammitglied eingeplant. Wir arbeiten 60-80 Stunden wöchentlich je nach Besetzung...Und ich versuche eigentlich mein bestes zu tun. Dennoch sind die MENSCHEN so MEGA-UNZUFRIEDEN. In meinem Studium habe ich als Kellnerin gearbeitet, menschlich war ich so viel glücklicher....
Als Kellnerin habe ich nur das Essen gebracht und die leeren Teller geräumt, und fast jeder sagte " Danke", es gab Trinkgeld
Als Arzt macht man Sonos, ECHOs, Briefe, Aufnahmen, Nachtdienste, schreibt Konsile...Aber es reicht nicht aus, alles ist Scheisse....Mein Freund arbeitet als "Nicht-Mediziner" nur 40 Stunden pro Woche und verdient nur 600 euro weniger.

Diese 600 euro sind es nicht wert....
Ich bin burn-outed

JPT
27.04.2015, 21:08
@nastja: das klingt ja krass, tut mir leid.
darf ich fragen, in welchem Fachgebiet du arbeitest und welche Art Krankenhaus (Uniklinik, Maximalversorgung,
ländliches KH)?

Christoph_A
29.04.2015, 08:16
@ MAP: Klar gibt's Gehaltsunterschiede in D, aber so gravierend wie in anderen Berufen ist das in der Medizin nicht. Die FA Gehälter sind bundesweit doch ganz gut vergleichbar.
@ Nastja: Kleiner Tip, laß Dich nicht so ausnutzen und die Patienten v.a. nicht an Dich rankommen, sonst gehst Du wirklich in den burn out!

MAP74
29.04.2015, 16:57
@ MAP: Klar gibt's Gehaltsunterschiede in D, aber so gravierend wie in anderen Berufen ist das in der Medizin nicht. Die FA Gehälter sind bundesweit doch ganz gut vergleichbar.


Im Krankenhaus würde ich das auch so unterschreiben, da gibt's nen bundesweiten Tarif. Aber gerade bei Gehaltsverhandlungen mit Niedergelassenen (ja fast wie "freie Wirtschaft" in der Medizin) ist man doch gar nicht an irgendwelche Tarife gebunden - gerade als Facharzt - da sind die Unterschiede schon größer oder nicht? Klar sind die Unterschiede nicht vergleichbar mit anderen Berufen, aber ich denke man kann in Mecklenburg-Vorpommern nicht annähernd das erwarten was man im Herzen Münchens bekommt (schon wegen unterschiedlicher Lebenshaltungskosten). :-)

Jule-Aline
29.04.2015, 18:33
Es ist einiges was mir stört. Wir sind sehr knapp besetzt und ich habe dass Gefühl 2-3 Überstunden sind bei JEDEM Teammitglied eingeplant. Wir arbeiten 60-80 Stunden wöchentlich je nach Besetzung...Und ich versuche eigentlich mein bestes zu tun. Dennoch sind die MENSCHEN so MEGA-UNZUFRIEDEN. In meinem Studium habe ich als Kellnerin gearbeitet, menschlich war ich so viel glücklicher....
Als Kellnerin habe ich nur das Essen gebracht und die leeren Teller geräumt, und fast jeder sagte " Danke", es gab Trinkgeld
Als Arzt macht man Sonos, ECHOs, Briefe, Aufnahmen, Nachtdienste, schreibt Konsile...Aber es reicht nicht aus, alles ist Scheisse....Mein Freund arbeitet als "Nicht-Mediziner" nur 40 Stunden pro Woche und verdient nur 600 euro weniger.

Diese 600 euro sind es nicht wert....
Ich bin burn-outed

Sag mal,du bist doch schwanger,wenn ich mich an deine alten Threads erinnere.Warum lässt du dir nicht ein BV ausstellen?
Ich hatte auch eins,auch wenn ich anfangs damit gehadert habe.Im Nachhinein war es das Beste.Es ging auch ohne mich .Klar die Personaldecke ist sehr dünn,aber mein Kind ist auch sehr wertvoll.Ich hätte mir bei einem Abort bitterste Vorwürfe gemacht.

test
29.04.2015, 20:34
Im Krankenhaus würde ich das auch so unterschreiben, da gibt's nen bundesweiten Tarif. Aber gerade bei Gehaltsverhandlungen mit Niedergelassenen (ja fast wie "freie Wirtschaft" in der Medizin) ist man doch gar nicht an irgendwelche Tarife gebunden - gerade als Facharzt - da sind die Unterschiede schon größer oder nicht? Klar sind die Unterschiede nicht vergleichbar mit anderen Berufen, aber ich denke man kann in Mecklenburg-Vorpommern nicht annähernd das erwarten was man im Herzen Münchens bekommt (schon wegen unterschiedlicher Lebenshaltungskosten). :-)

Ich glaube ehrlich gesagt, dass die Region und Lebenshaltungskosten bei den Gehaltsverhandlungen im NIedergelassenen Bereich eine untergeordnete Rolle spielen. Es kommt vor allem auf die Qualifikation und Einsatzmöglichkeiten und daraus resultierenden Einnahmemöglichkeiten an. In bestimmten Fällen, bei denen dann die Einnahmen von den PRivatpatienten dominiert werden (sind aber eher weniger lukrative Fächer) mag dann die Region und das Attrahieren von PP/Igel auch im Gehalt sich dann widerspiegeln.

Ich hätte aber gedacht, dass man als Kardiologe eher mehr verdienen würde als 130k brutto, oder sind die 130k netto? :-nix Wäre da nicht die eigene NIederlassung deutlich lukrativer uund vielleicht auch nicht so viel stressiger?

MAP74
29.04.2015, 21:33
Ich glaube ehrlich gesagt, dass die Region und Lebenshaltungskosten bei den Gehaltsverhandlungen im NIedergelassenen Bereich eine untergeordnete Rolle spielen. Es kommt vor allem auf die Qualifikation und Einsatzmöglichkeiten und daraus resultierenden Einnahmemöglichkeiten an. In bestimmten Fällen, bei denen dann die Einnahmen von den PRivatpatienten dominiert werden (sind aber eher weniger lukrative Fächer) mag dann die Region und das Attrahieren von PP/Igel auch im Gehalt sich dann widerspiegeln.

Ich hätte aber gedacht, dass man als Kardiologe eher mehr verdienen würde als 130k brutto, oder sind die 130k netto? :-nix Wäre da nicht die eigene NIederlassung deutlich lukrativer uund vielleicht auch nicht so viel stressiger?

130k netto?? jetzt bin ich aber verblüfft o.O wenn niedergelassene Ärzte mich fragen, was ich so mache und ich dann mit "auf dem Weg zum Arzt" antworte, kommen immer völlig entrüstende Aussagen wie "lass dich aber niemals nieder!" oder "die goldenen Zeiten sind vorbei". (als nicht-Ärzte-Kind würde ich sowas schon als reich bezeichnen.)
Dass eine Niederlassung "auch nicht so viel stressiger" ist, habe ich auch wirklich noch nicht gehört. Mein HNO Arzt in ner Gemeinschaftspraxis sitzt regelmäßig bis 2uhr nachts an der Bürokratie. Ähnliches habe ich von meiner Augenärztin und meinem Zahnarzt gehört, die sich alle nach ihrem Oberarztjob in der Klinik oder dem Ausland (zurück-)sehnen.

Ich persönlich weiß nicht, ob die Niederlassung gerade als fachärztlicher Internist noch in Zukunft so abläuft wie heute. Nach dem VSG sollen allein in Bayern 50 % der Sitze für diese Fachärzte abgebaut werden. (Klar haben Nephrologen riesen Umsätze; aber auch die sind ja meist nur bei Konzernen angestellt, die daran verdienen.)

@ test: Kannst du vielleicht etwas über deine Arbeitssituation sagen als Facharzt? würde mich freuen :-)

denkstdu
30.04.2015, 05:54
Also meine alten Chefs in einer chirurgischen Praxis würden nicht mehr zurück in die Klinik zu ihren OA Stellen gehen. Zwar arbeiten sie unter der Woche länger als im KH aber die Dienstbelastung an der Uni war für sie sehr hoch und das Privatleben blieb auf der Strecke.

MAP74
30.04.2015, 16:38
Ja das mit der Chirurgie an der Uni glaub ich dir, das ist wirklich pure Massenabfertigung. Die Niedergelassenen, mit denen ich mich unterhalten hab, waren ja GOUDAH Fächer an kommunalen Kliniken...

test
30.04.2015, 17:36
Hallo,

also ich will meine persönlichen Verhältnisse nicht unbedingt in der Öffentlichkeit ausbreiten.
Man kann diese Infos doch auch in Tabellen finden. Oberärzte verdienen ca. 110-130k € brutto pro Jahr im Schnitt, manche mehr, manche weniger. Die Spitze dürfte bei ca. 180 000 liegen, ist aber echt selten.
Chefärzte verdienen im Schnitt sowas um 270 000. Wobei es auch hier Ausreißer nach oben und unten gibt. In manchen Klitschen in Schieflage werden sogar nur 120 - 140 000 geboten. Das sind dann aber meist recht kleine Abteilungen. Andere kommen auch auf 300 - 500 000

Die Dienstbelastung hängt vom Fach ab. Ich kenne genug Fächer inkl meinem in denen man ab Oberarzt nur noch Hintergrunddienste hat in denen man sehr selten rein muss und ab und zu angerufen wird.

Ich kenne sehr viele Oberärzte, die in die Niederlassung gegangen. Keiner hat es bereut. Finanziell stehen alle wohl deutlich besser da. Es ist sogar so, dass man in bestimmten Spezialisierungen finanziell auch deutlich besser in der Niederlassung dasteht als als Chefarzt.
Stress ist natürlich immer relativ, aber im Vergleich zu nem Oberarzt oder Chefarzt an ner Uniklinik ist eine Praxis meist doch etwas ruhiger. Je nach dem wie organisiert und groß man das Ganze aufziehen will. Aber letzendlich ist es wie immer. Jeder Mensch ist anders. Der eine ist halt mit etwas zufrieden und der andere eben nicht. Das sind subjektive Wahrnehmungen, ob man "genug" verdient oder "zu viel" arbeitet. Die Frage, ob MEdizin das Richtige für dich ist, wird dir hier niemand beantworten können. Ich persönlich würde es wieder studieren. :-nix

MAP74
03.05.2015, 01:07
Vielen Dank für die ausführliche Antwort.



Die Frage, ob MEdizin das Richtige für dich ist, wird dir hier niemand beantworten können. Ich persönlich würde es wieder studieren. :-nix

Da hast du recht, ist aber nicht so einfach... Ich bin auf jeden Fall froh über eure Antworten. Sie motivieren mich sehr im Vgl. zu den ständigen "studier was anständiges"-Diskussionen mit wohl eher frustrierten Medizinern. Und "ausgebeutet" wird man wohl auch nicht mehr (kann natürlich nicht beurteilen, was da für Arbeit dahintersteckt). Das mit der vielzitierten Work-Life-Balance wird schon hoff. klappen ;)

Dr. Jekyll
03.05.2015, 05:05
Vielen Dank für die ausführliche Antwort.



Da hast du recht, ist aber nicht so einfach... Ich bin auf jeden Fall froh über eure Antworten. Sie motivieren mich sehr im Vgl. zu den ständigen "studier was anständiges"-Diskussionen mit wohl eher frustrierten Medizinern. Und "ausgebeutet" wird man wohl auch nicht mehr (kann natürlich nicht beurteilen, was da für Arbeit dahintersteckt). Das mit der vielzitierten Work-Life-Balance wird schon hoff. klappen ;)

Klappern gehört zum Handwerk:-))
Man darf sich bloß nicht ausnutzen lassen und seinen Tarifvertrag kennen (und auch darauf bestehen) Ich lebe nach dem Motto
"wenn es mir gut geht, geht es auch meinen Patienten gut" Oder würdest du dir gerne einen Stent von einem Arzt legen lassen,
der schon 24 Stunden durchgearbeitet hat? Oder die 30. Kolo macht. Ich nicht:-oopss

Teilweise ist es verwunderlich, was manche ehemaligen Kommilitonen so alles mitmachen. Es wird immer noch viel ausgenutzt.
Aber daran sind die Assistenzärzte selbst schuld.

Ausserdem kommen die peripheren Kliniken so langsam auf den Trichter, daß das beste Lockmittel nunmal Geld ist.
(Wer hätte das gedacht im Kapitalismus?)

Es fängt schon bei der Jobsuche an. Wie, sie bezahlen nicht alle Überstunden? Dann geht man gar nicht erst zum Vorstellungsgespräch. Viele Ärzte meinen, sie müssen ihr Helfersyndrom nicht nur beim Patienten, sondern auch beim
Arbeigeber ausleben :-meinung "wenn ich Überstunden aufschreibe oder mal Arbeit liegenlasse, ist es moralisch verwerflich,
schließlich geht es um Menschen".

anignu
03.05.2015, 05:16
Das mit der vielzitierten Work-Life-Balance wird schon hoff. klappen ;)
Das kommt auch immer ein bissl auf die eigene Flexibilität an.

Ich finds nicht so schlimm nicht genau zu wissen wann ich rauskomm. Ich mach halt Überstunden und hab dann dafür wann anders wieder freie Tage. Andere finden es extrem wichtig täglich die Arbeit pünktlich um 4 zu verlassen. Unsere Sekretärin sperrt um 15:50 die Tür zu, immerhin muss sie ja noch zusammenpacken etc. und wenn sie da nicht schon die Tür zusperren würde dann würde sie es nicht schaffen um exakt 16 Uhr komplett zusammengepackt vor dem Stempelautomaten zu stehen und auszustempeln (ggf. 2 min zu warten bis es 16 Uhr ist)...

Nastja8
04.05.2015, 17:45
Ja bin ich...und spätestens jetzt gehe ich rechtzeitig heim

Jule-Aline
04.05.2015, 18:21
Da bin ich schon längst zuhause und habe mein Kind abgeholt.Und man schaut mit Kind viel mehr auf die Uhr,dass man es abholen kann.Nein danke,um 18.45 bin ich selbst als Nichtschwangere nicht nach Hause gegangen.