Anmelden

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Eigentlich gar nichts für´s NEF oder so...



Seiten : 1 2 3 4 [5]

WackenDoc
10.10.2015, 15:08
EKG gibt weiter keinen STEMI her. Maximal etwas Senkungen in den Extremitätenableitungen- aber das ist mehr Kaffeesatzleserei als alles andere.
Pupillen sind jetzt halt eng vom Fenta, davor aber mittelweit und lichtreagibel, im Krampf der Blick nach rechts, jetzt mittig.

Achso- Ja, plötzlicher CO2-Anstieg in der Kapnometrie ist ein Zeichen für ROSC. Außerdem kann man mit der Kapnometrie die Pumpqualität überwachen.

Miss, Sebastian, Nessimoo: Was sagt ihr zur Zielklinik? Also die Entfernungen zwischen den beiden Fachabteilungen nehmen sich nichts und man könnte innerhalb der Stadt mit vergleichsweise kurzen Wegen sekundärverlegen. CT haben alle 4 in Frage kommende Häuser (also auch die beiden mit Katheter)

Miss
10.10.2015, 15:10
Die wollen gerne mal hören, dass ein Anstieg des CO2s in der Kapno ein früher Hinweis auf einen ROSC ist.
okay, Danke!

pottmed
10.10.2015, 15:13
Miss, Sebastian, Nessimoo: Was sagt ihr zur Zielklinik? Also die Entfernungen zwischen den beiden Fachabteilungen nehmen sich nichts und man könnte innerhalb der Stadt mit vergleichsweise kurzen Wegen sekundärverlegen. CT haben alle 4 in Frage kommende Häuser (also auch die beiden mit Katheter)

Dann nehme ich doch die Kardio :D

Nessiemoo
10.10.2015, 15:45
Erm, es war doch Neuro: 25 min, Kardio 40 min?

ich würde wie gesagt irgendwie lieber Neuro anfahren wollen (Es sei denn es ist ein Neuro mit so einem "Pseudo Stroke Unit", die selten jemanden beatmeten haben) - Da es kein STEMI ist, ist weiterhin keine Notfallindikation für Katheter, und falls dann doch Trop erhöht ist, kann man ja sekundär verlegen. Dafür können erfahrungsgemäß die Neurologen etwas besser unerklärte Krampfanfälle diagnostizieren als Kardiologen, und gleichzeitig auch Elektrolyte/ Kreislauf durchaus auch mittherapieren.

Miss
10.10.2015, 16:03
Bin so was gar nicht gewohnt, nicht beides in einem Haus ;-) aber muß ich mich auch dran gewöhnen.

Ich würde auch zur Klinik mit Neuro tendieren, auf jeden Fall mit ITS, da ja beatmet, und auf jeden Fall mit CT-Möglichkeit.

Ich bin ja wirklich mal gespannt auf die Auflösung (wie immer bei NEF-Patienten eigentlich).

(Auskultationsbefund: könnte ja wirklich aspirationsbedingt sein, allerdings ist es seltsam, daß anfangs alle i.O. war. Tubus zu tief, muß man auch ausschließen. Hattet Ihr mal abgesaugt, falls wirklich ein Hauptbronchus verlegt ist, hätte man es evtl. freisangen können :-nix Pneu -muß man natürlich dran denken, halte ich in dem Fall auch eher für unwahrscheinlich)

WackenDoc
10.10.2015, 19:32
Ne- wir haben 2 Städte mit jeweils Neuro und Katheter - eine Stadt 25min eine 45. Aber halt nicht Neuro und Katheter im gleichen Haus. Aber alle 4 Häuser haben ein CT. Innerhalb der beiden Städt ist die Fahrtzeit zum Verlegen vielleicht 10min max.

Also wir fahren Richtung Neuro.
Wollt ihr noch was gegen den Druck tun?

Nessiemoo
10.10.2015, 20:20
Der war letztens 80/50 oder so, richtig? ich finde die letzten Angaben dazu leider nicht mehr...

Ich würde dann zuerst etwas Volumen geben, Vollelektrolytlösung am besten, und wenn es sich nicht bessert/ausgleicht, Akrinor/ stark verdünntes Supra.

WackenDoc
10.10.2015, 21:22
Wir haben das Volumen aufgedreht und Akrinor gegeben. Hat nur kurzzeitig was geholfen.
Also haben wir noch einen Arterenolperfusor dran gebastelt. RR-Werte waren darunter stark schwankend.

So und nun die Auflösung:

Also noch ein paar Schritte zurück- ich hab mich bei der Tachykardie von 200 für eine Kardioversion entschieden. Und zwar mit folgenden Überlegungen: Krampfanfall wahrscheinlich hypoxisch bedingt durch das Flimmern. Patientin insgesamt als kritisch bewertet und kein Zugang- dafür Defi-Pads klebend.
Wir haben insges. 4x die Kardioversion versucht 120-2x150-200- ohne irgendeine Regung, dann eben das Amiodaron. Das wird wohl auch die Ursache für die Bradykardie gewesen sein.
Der Krampf ließ sich durch besagte Narkoseeinleitung problemlos durchbrechen. Und trat danach nie wieder auf.

Wir hatten sie tatsächlich primär in das Haus mit der Kardiologie gefahren, wo sie auch direkt kathetert wurde (der Plan war allerdings, sie erst auf Intensiv aufnehmen zu lassen und da mal zu schauen).
Im Herzkatheter ein bisschen Arteriosklerose und sonst nichts.
EKG weiter unauffällig, Labor unauffällig.
CT altersentsprechend unauffällig.
Die Patientin wurde am gleichen Tag zum heimatnahen Regelversorger verlegt, ist putzmunter und will so schnell wie möglich zurück in´s Heim.

Ursache war wohl wirklich eine Rhythmusstörung unklarer Genese.

Der Fall war so spannend, weil er zunächst völlig harmlos aussah, dann doch noch einige Schwierigkeiten geboten hat und wir zwischen verschiedenen Algorithmen springen mussten. Dazu noch reichlich Entscheidungen die getroffen werden mussten.

Die Zusammenarbeit im Team war super und die ACLS-Algorithmen waren hilfreich. Dazu vorausschauendes Arbeiten- frühzeitig z.B. Medikamente für die Narkoseaufrechterhaltung aufziehen lassen, vor der Narkoseeinleitung CO2-Sensor bereit stellen, Alternativen für den Atemweg etc.

par
10.10.2015, 21:35
Ist euch bekannt, wie es der Dame die nächsten Tage erging (wenn der Fall nicht allzu lange her ist)?
Ansonsten Danke Dir Wacken für den Fall! :-)
Ich habe einiges dabei gelernt und musste auch mal nachschlagen.

WackenDoc
10.10.2015, 21:37
Ja, ich hab sie noch besucht. Putzmunter, kein neurologisches Defizit. Sie wird zeitnah zurück in ihr Pflegeheim entlassen, wo sie auch so schnell wie möglich wieder hin möchte.

Nessiemoo
10.10.2015, 21:54
Wirklich sehr interessantes Fall, vielen Dank dafür!

Philip_MHH
10.10.2015, 22:02
hoch interessant. vielen Dank :)

Sebastian1
10.10.2015, 23:28
Danke, Wacken.
Nach der initialen Begutachtung (alte Patientin, GI-Infekt seit Tagen, wach, orientiert) hätte ich sie im Übrigen vermutlich ohne ärztliche Begleitung in die nächstgelegene Ambulanz fahren lassen, von daher: Glück im Unglück, dass sie die Rhythmuskarte im richtigen Moment gespielt hat...

Vincenco
11.10.2015, 00:22
Welche weitergehende Herz-Diagnostik gab es denn noch nach dem Katheter? Echo? Also um die Genese der Rhytmusstörung abzuklären. Im Labor waren ja keine Hinweise auf Infekte(Myo-Endokarditis), da bleibt dann ja nicht mehr viel bei blandem CT, Elektrolyten, kein Hinweis auf Infekt und EKG, oder?

WackenDoc
11.10.2015, 01:07
Troponin war initial leicht erhöht, aber in der ersten Kontrolle rückläufig- das wird durch die Kardioversionsversuche und die hohen Freuqenzen erklärt.
LZ-EKG ist in der Mache. Ich geh fast mal davon aus, dass ein Echo gemacht wurde. Ajmalintest ist so weit ich weiss nicht gemacht worden. Wäre die Frage ob es das Risiko wert ist genauso wie eine EPU.
Man wird überlegen müssen, ob sie nen ICD bekommen soll oder nicht.

Also bisher ist es ein Rätsel.

@Sebastian: Ich wäre wahrscheinlich mitgefahren, aber eher weil es eh "mein" Haus geworden wäre und ich das Protokoll unterwegs hätte schreiben können. Oder wegen den thorakalen Beschwerden- sicherheitshalber.
Aber ja, sie hat das wirklich genau getimed. Ne halbe Stunde früher oder ganz normal auf Station im Krankenhaus wäre doof gewesen.