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Dummie
03.03.2016, 23:44
Wie groß ist eigentlich die (reale) Gefahr, dass sich beim Anspülen ein Thrombus ablöst?

*milkakuh*
04.03.2016, 14:12
Wie groß ist eigentlich die (reale) Gefahr, dass sich beim Anspülen ein Thrombus ablöst?

Mit 100%iger Sicherheit wird dir das niemand sagen können. Meiner Meinung nach ist die Gefahr bei einem Patienten ohne erhöhte Gerinnungsneigung und mit normaler thrombolytische Aktivität der Lunge damit eine Lungenembolie auszulösen ziemlich gering. In den Kliniken wird das täglich so häufig gemacht, dass da eigentlich meiner Meinung nach keine reale Gefahr von ausgehen kann. Vorm Anspülen sollte man aber auf jeden Fall versuchen zu aspirieren und wenn man die periphere Venenverweilkanüle anspült natürlich nicht mit übermäßigem Druck (aber das wird wohl auch keiner machen). Und Venenverweilkanülen die schon sehr lange unbenutzt in der Vene liegen würde ich auch nicht mehr anspülen.

EKT
04.03.2016, 22:27
nicht mit übermäßigem Druck (aber das wird wohl auch keiner machen).

oh doch....

roxolana
05.03.2016, 12:49
In meiner Famulatur habe ich gesehen, wie die Pflege die Infusionsschläuche knickt, um den Thrombus abzulösen. Auf meine Frage hin wurde mir gesagt, das sei gängige Praxis. Außerdem wurde mir vom Assi mitgeteilt, ich soll bei nem zuthrombosierten ZVK mal kräftig spülen, dann würde sich das Problem erledigen... Man könnte ja schließlich nicht permanent neue ZVKs legen.

Grombühlerin
05.03.2016, 18:22
Ich hab (in der Krankenpflegeausbildung) auch mal gelernt, das Anspülen gaaaanz böse ist.
Aber meine heutige Meinung ist: Wenn man eine Viggo zieht statt sie anzuspülen bleibt ein größerer Thrombus doch auch im Gefäß. Und ein kleiner, der nur innen im Schlauch ist, wird schon keinen Schaden anrichten.
Fazit: ich spüle alles an!

konstantin
06.03.2016, 12:04
Also bevor ich versuche, mit aller Kraft was freizuspülen, insb. bei ZVK, würde ich vorher vielleicht noch andere Sachen probieren, z.B. Kopftieflage oder mit Heparin anspülen...

Brutus
06.03.2016, 14:50
Was bringt Dir denn die Kopftieflage? Wenn das Teil dicht ist, ist es dicht.
Was man noch probieren kann ist Vitamin C oder ACC. Heparin oder ASS ist ja teilweise nicht so wirklich erwünscht. ;-)

FirebirdUSA
06.03.2016, 16:28
Ich hab (in der Krankenpflegeausbildung) auch mal gelernt, das Anspülen gaaaanz böse ist.
Aber meine heutige Meinung ist: Wenn man eine Viggo zieht statt sie anzuspülen bleibt ein größerer Thrombus doch auch im Gefäß. Und ein kleiner, der nur innen im Schlauch ist, wird schon keinen Schaden anrichten.
Fazit: ich spüle alles an!

Peripher halte ich rein pathophysiologisch die Gefahr auch für gering. Wenn wirklich die Vene langstreckig bis zur Subclavia zu thrombosiert ist wird man es nicht weg gespült bekommen und kleine Thromben sind für die Lunge jetzt mal i.d.R. kein Problem.
Bei ZVK finde ich es gefährlich mit gewalt anzuspülen, da können manchmal schon große Thromben dran hängen und wenn die dann abgehen... ich kenne es eigentlich so, dass hier dann mit Heparin gearbeitet wird.

Brutus
06.03.2016, 21:24
Ich gebe zu, dass ich auch ZVK gerne mal mit mehr oder weniger viel Druck anspüle. Auch mit ACC / Vitamin C oder ASS / Heparin, wenn keine KI. Aber man sollte eben auch im Hinterkopf behalten, dass nicht nur Thromben abgehen können... (die i.d.R. ja von gerinnungskompetenten Patienten weggesteckt werden. Aber so ein geplatzter ZVK ist unlustig! :-nix

FirebirdUSA
06.03.2016, 22:55
ZVKs vertragen i.d.R. relativ viel Druck bevor sie platzen. Was soll eigentlich ACC/Vit. C bringen bzw. wie wirkt das thrombolytisch?

Brutus
06.03.2016, 23:29
Wobei Du mit einer 2ml Spritze schnell viel Druck aufbauen kannst. ;-)
Wie genau das wirkt keine Ahnung. Aber es funktioniert. Hab ich von meinem damaligen OA gelernt. ;-)

][truba][
08.03.2016, 21:03
Kenn ich auch von der ITS. Also Vit.C. Weit verbreiteter Tipp unter Pflegekräften bei uns.

VaniNessi
14.03.2016, 23:59
Noch einmal zurück zu meiner Eingangsfrage: Wenn sie nach der Händedesinfektion nun aber noch Dinge wie Tupfer u.ä. bzw. ja auch die Infusion selber angefasst hat- wie sieht es dann mit der Keimarmut aus?

Und eine andere Frage: was haltet ihr davon, wenn die "Deckel" von Viggos offen stehen- also nicht das Infosionsende, sondern das Deckelchen obendrauf...? Sieht man ja ebenfalls häufig...

WackenDoc
15.03.2016, 17:59
Selbst wenn man vorher nen Tupfer angefasst hat oder die Infusion an sich ist es keimarm.

Die "Deckel" sollten immer verschlossen werden. Wenn sie kurz mal aufstehen ist das kein Problem, vor allem so lange nichts rein gespritzt wird und der Patient immunkompetent ist.
Längere Zeit sollte das allerdings nicht passieren. Je länger umso größer die Gefahr einer Keimbesiedelung und Verschleppung in die Blutbahn.

Also eigentlich ganz einfach- je länger die Viggo genutzt wird, umso besser aufpassen und je immunsupprimierter der Patient, umso sorgfältiger arbeiten.

Da ist die allgemeine Händehygiene viel wichtiger. Dann bleibt am anderen Ende auch mehr Fehlertoleranz über.

Bei Mandrins- nur einmal verwenden und wenn sie irgendwo dran gekommen sind, verwerfen. Sie sollen halt den Vorteil haben, dass sich die Thromben im Schlauch nicht bilden. Gefühlt funktioniert das auch ganz gut, ist aber ne Friemelei.

Freispülen mit ner 2 oder 5ml-Spritze kristallioder Flüssigkeit geht ganz gut. Ob der Thrombus im ungünstigen Fall Probleme macht- theoretisch ja, ich kenne aber weder Berichte noch Studien dazu.