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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : HPV-Impfung und Sozialstatus



Differenzialdiagnose
03.06.2016, 19:39
Ich lese gerade etwas über's Impfen und im Rahmen der HPF-Impfung stieß ich auf die Aussage, dass Mädchen mit höherem Sozialstatus seltener geimpft sind als die mit niedrigem oder mittlerem.

Das RKI gibt das auch nochmal speziell an:

"Mädchen mit niedrigem oder mittlerem Sozialstatus sind häufiger gegen HPV geimpft worden
als Mädchen mit hohem Sozialstatus. Dies zeigt sich in der Lebenszeitprävalenz mit mindestens
einer Impfgabe sowie in der vollständigen Impfung. Bei der Lebenszeitprävalenz sind es die
Mädchen der mittleren Statusgruppe, die am häufigsten gegen HPV geimpft wurden"

https://www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/Gesundheitsberichterstattung/GBEDownloadsF/KiGGS_W1/kiggs1_fakten_impfen_hpv.pdf?__blob=publicationFil e


Es wird sich nur darauf bezogen, dass die Durchimpfrate insgesamt in Deutschland zu wünschen übrig lässt. Aber nicht warum das gerade bei dem höheren Sozialstatus schlechter ist. Vorurteilsbehaftet hätte ich es eher andersrum gedacht.
Hat da jemand Ahnung woran das hier liegen könnte?

WackenDoc
03.06.2016, 19:48
Mehr Impfgegner in den höheren Bildungsschichten?

mireau
04.06.2016, 12:09
Weniger Promiskuität in den höheren Schichten, daher weniger Impfnotwendigkeit.

Trianna
04.06.2016, 12:12
Weniger Promiskuität in den höheren Schichten, daher weniger Impfnotwendigkeit.

Ist klar ^^

Kackbratze
04.06.2016, 14:57
Das Prekariat macht meist das, was der Hausarzt empfiehlt. Unsere superschlauen Profi-Akademiker stellen gerne alles in Frage und wenn ihnen google auch noch dabei hilft...wird eben nicht geimpft. Und wenn es dann doch schief geht der Arzt verklagt.
Jeder kann Arzt...mit google.

Hoppla-Daisy
04.06.2016, 15:07
Meine Tochter hat sich damals im zarten Alter von 13 Jahren schlicht geweigert, die zweite Impfung entgegen zu nehmen. Da konnte ich mit Engelszungen auf sie einreden, sie wollte das nicht. Sie hatte damals allerhand zu Gardasil & Co gelesen und sich bewusst gegen die zweite Impfung entschieden. Und ich hatte nicht vor, sie zu zwingen (hätte eh nicht geklappt....).

Moorhühnchen
04.06.2016, 22:29
Was waren die Hauptgründe, warum sie nicht wollte?

Hoppla-Daisy
05.06.2016, 17:38
Ihr ging es nach der Impfung nicht gut, und sie hatte Berichte gelesen hinsichtlich Risiken, die ich zu dem Zeitpunkt nicht entkräften könnte. Dann gab es noch diese fraglichen Todesfälle und andere negative Reaktionen, die bei ihr dazu führten zu sagen "ich will das nicht!"

annekii
05.06.2016, 19:13
Ich würde das auf Anhieb bestätigen aus der Praxis. Die einfachen Familien impfen, was die StIKo vorgibt, sofern sie die Termine wahrnehmen. Bei den Familien mit hohem Sozialstatus gibt es viel mehr Ablehnung und auch die Mädchen selbst sind informiert und lehnen es ab. Das ist nur bei dieser Impfung so. Insbesondere werden bleibende Lähmungen befürchtet und das POTS, wobei letzteres bei jugendlichen Mädchen auch gar nicht selten ohne Impfung vorkommt.
Mittlerweile ist das Impfalter ja auf 9 Jahre vorgezogen worden, aber da impft bei mir kaum einer, weil der Geschlechtsverkehr noch so weit weg ist. Mit 12 dann einige, viele aber erst zur J1 mit 13-14 Jahren. Wobei es halt unter 14 Jahren schöner ist, weil man dann nur 2 Impfungen braucht.

Hoppla-Daisy
05.06.2016, 19:42
Meine Motte hatte aber auch echt lange widerliche Schmerzen am Oberarm, die ihr bis heute sehr prägend im Gedächtnis geblieben sind. Daher zum Teil wohl auch die Ablehnung. Bei keiner anderen Impfung hatte sie das so angegeben.

annekii
05.06.2016, 20:09
Als ich 2011 in der Praxis gearbeitet habe, hatten wir ganz oft heftige Lokalreaktionen. Das war jetzt besser. Aber mit der Gardasil 9 wird es wieder schlimmer.

Differenzialdiagnose
07.06.2016, 12:54
Ich würde das auf Anhieb bestätigen aus der Praxis. Die einfachen Familien impfen, was die StIKo vorgibt, sofern sie die Termine wahrnehmen. Bei den Familien mit hohem Sozialstatus gibt es viel mehr Ablehnung und auch die Mädchen selbst sind informiert und lehnen es ab. Das ist nur bei dieser Impfung so. Insbesondere werden bleibende Lähmungen befürchtet und das POTS, wobei letzteres bei jugendlichen Mädchen auch gar nicht selten ohne Impfung vorkommt.
Mittlerweile ist das Impfalter ja auf 9 Jahre vorgezogen worden, aber da impft bei mir kaum einer, weil der Geschlechtsverkehr noch so weit weg ist. Mit 12 dann einige, viele aber erst zur J1 mit 13-14 Jahren. Wobei es halt unter 14 Jahren schöner ist, weil man dann nur 2 Impfungen braucht.

Ist die Impfablehnung mit höherem Status dann wirklich nur bei HPV oder auch bei anderen Erregern?

Kackbratze
07.06.2016, 21:03
Meiner Beobachtung nach bei allen Impfungen.
"Sind nur Kinderkrankheiten" "ist ja lt Internet gefährlich" "die Pharma verdient an unserem Leid" "zu viele Kombinationen auf einmal können nur schlechte sein" "in anderen Ländern wird weniger geimpft" "macht ja auch Autismus/Homosexualität/Krebs"

Ausnahmen sind Tetanus, da muss schon ein extremer Impfgegner unterwegs sein. Der Rest wird gerne wegdiskutiert.

annekii
07.06.2016, 22:15
Prozentual würde ich sagen, bei HPV höher. Aber die Impfgegner sind bei uns fast nur gebildete Eltern. Also die, die alles oder fast alles ablehnen. Ich meine nicht die, die keine Rotaviren oder Windpocken impfen lassen.

Christoph_A
08.06.2016, 12:06
Naja, normalerweise sind Impfgegner ja mein natürlicher Feind, allerdings ist mir die Datenlage, insbesondere bzgl. Langzeitreduktion von Karzinomfällen, bei HPV in der Tat etwas dünn, da kann ich eine Abneigung durchaus verstehen.
Und wenn man sich den Quatsch ansieht, der z.B. jedes Jahr mit Grippeimpfungen veranstaltet wird, dann sollte man sich als Arzt auch ein bisschen an die eigene Nase fassen, was zu umfassende Impfbereitschaft angeht.
Trotzdem-absolut pro Impfplicht für MMR/Polio/Tetanus/Diphterie etc!

Differenzialdiagnose
09.06.2016, 17:58
Prozentual würde ich sagen, bei HPV höher. Aber die Impfgegner sind bei uns fast nur gebildete Eltern. Also die, die alles oder fast alles ablehnen. Ich meine nicht die, die keine Rotaviren oder Windpocken impfen lassen.

Finde ich überraschend, dass das wirklich gebildete Eltern sind. Ich kann mich nur wiederholen, dass ich es echt andersrum gedacht hätte.

Kackbratze
10.06.2016, 06:08
Nicht denken; wissen.