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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Wechsel Neuro -> Radio



querfeldein
11.09.2016, 16:03
Hallo zusammen!

Das 1. WBJ Neuro neigt sich dem Ende zu und inzwischen bin ich mir ziemlich sicher, dass ich in dem Fach nicht alt werden möchte. Das Thema Neuro finde ich zwar super spannend, aber der Arbeitsalltag sagt mir einfach nicht zu. Bin zur Zeit mega frustriert und kann mich kaum noch zur Arbeit, geschweige denn zum Lernen motivieren.

Darum möchte ich gern in die Radiologie wechseln, lieber früher als später :-)) Da ein Fachwechsel aber auch ein großer Schritt ist, habe ich ein bisschen Angst mich falsch zu entscheiden... Darum möchte ich euch gern um Rat bitten.

Zu meiner Lage: Naturgemäß fasziniert mich (bisher) die Neuroradiologie ganz besonders. Als FÄ sehe ich mich eher in der Praxis. Schnittbildgebung gefiel mir im PJ-Tertial Radio gut. Gegen Interventionen hab ich nicht per se was, aber mich schreckt die Strahlenbelastung ab und Stress/Action brauche ich für mein Wohlbefinden nicht zwingend.

1. Wie schätzt ihr die Chancen zum Direkteinstieg in die Neuroradiologie ein? Haltet ihr den Weg überhaupt für sinnvoll?
Habe hier im Forum gelesen, dass das theoretisch möglich sein sollte. Alle Stellenanzeigen wünschen aber natürlich Vorerfahrung und Dienstfertigkeit. Bzgl. Bewerbung, wende ich mich da direkt an den OA der Neuroradio oder läuft eine Anstellung normalweise über die Allgemeine Radiologie?

2. Würdet ihr auch grundsätzlich zu einem großen Haus raten?
Dort gibt es sicherlich mehr und vor allem speziellere Untersuchungen. Ich wünsche mir natürlich eine solide Ausbildung, gerade bzgl. Neuroradio. Andererseits sehne ich mich nicht unbedingt nach Action, Notfällen, (Nacht-)Diensten. Da muss man durch, keine Frage, aber Quell meiner Glückseligkeit ist es nicht. Ist ein kleines Haus oder gar eine Praxis zum Einstieg eine unterschätzte Alternative?

3. Ab wann macht man typischerweise Dienste? Ist es tatsächlich üblich, Dienst ohne Hintergrund zu haben?? :-oopss (Bei uns im Haus so.)

4. Worauf sollte ich noch achten bei der Stellensuche? Gibt es irgendwelche "Mindeststandards", die ihr von einer Stelle erwarten würdet? Was wäre ein guter Schlüssel OA - ASS in der Radio?

Bin für jede Rückmeldung sehr, sehr dankbar, gerne auch nur Teilantworten!!
Ganz liebe Grüße!

flopipop
11.09.2016, 17:07
Wie schätzt ihr die Chancen zum Direkteinstieg in die Neuroradiologie ein? Haltet ihr den Weg überhaupt für sinnvoll?
Habe hier im Forum gelesen, dass das theoretisch möglich sein sollte. Alle Stellenanzeigen wünschen aber natürlich Vorerfahrung und Dienstfertigkeit. Bzgl. Bewerbung, wende ich mich da direkt an den OA der Neuroradio oder läuft eine Anstellung normalweise über die Allgemeine Radiologie?

Neuroradiologie sind in den meisten Fällen separate Abteilungen mit eigener Leitung.
Zuerst muss man den FA Radiologie machen (5 Jahre), danach als Spezialisierung noch 3 Jahre Neuroradio. Falls man während der Weiterbildung 1 Jahr Neuroradio gemacht hat, muss man später entsprechend nur 2 Jahre Spezialisierung machen. Das Jahr in der Neurologie, das du bereits absolviert hast, wird übrigens als klinisches Jahr anerkannt. Man kann natürlich direkt in die Neuroradiologie einsteigen und 1 Jahr absolvieren, muss dann aber trotzdem noch für den Rest der Weiterbildung in die allgemeine Radiologie, um den FA zu machen.



2. Würdet ihr auch grundsätzlich zu einem großen Haus raten?
Dort gibt es sicherlich mehr und vor allem speziellere Untersuchungen. Ich wünsche mir natürlich eine solide Ausbildung, gerade bzgl. Neuroradio. Andererseits sehne ich mich nicht unbedingt nach Action, Notfällen, (Nacht-)Diensten. Da muss man durch, keine Frage, aber Quell meiner Glückseligkeit ist es nicht. Ist ein kleines Haus oder gar eine Praxis zum Einstieg eine unterschätzte Alternative?

Jedes Haus ist unterschiedlich. Klar, in größeren Häusern sieht man mehr - aber es heißt nicht, dass man nicht auch an einem kleinen Haus gut ausgebildet werden kann. Die Qualität der Ausbildung hängt von vielen anderen, v.a. organisatorischen und menschlichen Faktoren ab. Um Action, Notfälle und Nachtdieste kommt man während der Weiterbildung meistens nicht herum, auch ein radiologischer Dienst ist mit Stress verbunden und das nicht zu knapp.



3. Ab wann macht man typischerweise Dienste? Ist es tatsächlich üblich, Dienst ohne Hintergrund zu haben??

Je nach Haus unterschiedlich. Vordergrunddienste macht man bei uns nach ca 9 Monaten, immer mit Hintergrund OA.


Worauf sollte ich noch achten bei der Stellensuche? Gibt es irgendwelche "Mindeststandards", die ihr von einer Stelle erwarten würdet?

Wichtig ist u.a., dass es keine Probleme mit den Rotationen gibt. Was nützt dir ein großes Haus oder eine Uniklinik, wenn du z.B. nicht ins MRT reinroutierst o.ä.

querfeldein
11.09.2016, 18:06
@flopipop: Vielen Dank für deine ausführliche Antwort! Ja, ich weiß, dass man nur ein Jahr Neuroradiologie für den FA anrechnen lassen kann. Auf die allgemeine Radiologie bin ich ja auch gespannt :) Ich dachte mir, es ist vielleicht leichter für mich das erste Jahr in der Neuroradiologie zu verbringen, weil ich da jetzt natürlich die meisten Vorkenntnisse habe. Andererseits, wenn das die Ausbildung unnötig in die Länge zieht, ist das ja auch blöd. Wenn das Haus eine eigene Neuroradiologie hat, sieht man im Dienst (aus der allgemeinen Radio) auch ein paar Schädelbilder, oder wird das dann komplett separat behandelt?

flopipop
11.09.2016, 19:45
Es zieht die Ausbildung nicht in die Länge, denn das Neuroradiojahr wird als Weiterbildungszeit angerechnet. Es ist wurst, ob man das Jahr am Anfang oder Ende der Weiterbildung macht. In der Regel sind Radio und Neuroradio separate Abteilungen.

FirebirdUSA
11.09.2016, 19:59
Du musst halt nach einem Jahr direkt wieder wechseln, es sei denn die Abteilung hat Rotationsstellen in drr Allrad. Neurorad als seperate Abteilung gibt es eigentlich nur in großen Häusern. In den meisten Kliniken wird das alltägliche Geschäft von den "normalen" Radiologen gemacht.

flopipop
11.09.2016, 20:50
Du musst halt nach einem Jahr direkt wieder wechseln, es sei denn die Abteilung hat Rotationsstellen in drr Allrad. Neurorad als seperate Abteilung gibt es eigentlich nur in großen Häusern. In den meisten Kliniken wird das alltägliche Geschäft von den "normalen" Radiologen gemacht.

...wobei man dann natürlich schauen muss, ob in einem solchen fall auch für neuroradio eine weiterbildungsermächtigung vorliegt

FirebirdUSA
11.09.2016, 22:26
...wobei man dann natürlich schauen muss, ob in einem solchen fall auch für neuroradio eine weiterbildungsermächtigung vorliegt

Erst drei Jahre AllRad machen und dann in Neurorad wechseln fände ich sinnvoller

querfeldein
21.09.2016, 12:38
Vielen Dank für eure Einschätzungen, @Firebird und @flopipop!! :-top Inzwischen denke ich auch, ich werde es doch erst mal über die allgemeine Radiologie probieren! Habt ihr auch Erfahrung mit der Arbeit in Praxen? Auf lange Sicht sehe ich mich auf jeden Fall in einer Praxis und nicht in der Klinik. Seht ihr da Fallstricke (bei Einstieg über Praxis)?

SynC
22.09.2016, 19:00
Bevor man in die Radiologie einsteigt, sollte man sich meiner Meinung nach aber auch bewusst machen, dass es aktuell unabsehbar ist, wie sich diese Fachrichtung in den nächsten 10-20 Jahren entwickeln wird. Natürlich gilt dies auch für andere Fachrichtungen, aber meiner Meinung nach in einem deutlich geringerem Ausmaß.
Radiologie steht in extrem starker Abhängigkeit zum technologischen Fortschritt. Hier gibt es zur Zeit rasante Fortschritte im Bereich Deep Learning / Machine Learning; es ist sehr gut möglich, dass hier in nicht allzu ferner Zukunft ein großer Teil der Arbeit eines Radiologen durch entsprechende Software / AI zumindest bei Routineaufgaben übernommen wird. Natürlich werden Radiologen die Ergebnisse, die solche Tools auswerfen, noch kontrollieren / freigeben müssen. Aber unter dem starken Marginalisierungsdruck im Gesundheitswesen werden sich Klinikketten & firmengeleitete Praxisverbünde es sich sicherlich nicht nehmen lassen, einen starken Stellenabbau voranzutreiben. Außerdem merkt man immer mehr, wie andere Fachrichtungen (z.B. Kardiologie und Gefäßchirurgie) versuchen der Radiologie gewisse attraktive Untersuchungen / Interventionen (z.B. Herz-MRT / Herz-CT) komplett abzunehmen. Insbesondere für niedergelassene Radiologen könnte es dramatische Folgen haben, wenn die Bildgebung im ambulanten Sektor nicht mehr auf die Radiologie beschränkt ist. Eine weitere Frage ist, inwieweit Deutschland es schafft sich auch in Zukunft gegen den Einzug kommerzialisierter Teleradiologieverbünde (siehe USA) bzw. gar Outsourcing von Teleradiologie in Billiglohnländer zu erwehren.
Stark auf interventionelle Radiologie spezialisierte Radiologen wären von solchen Problemen natürlich eher ausgenommen, aber insgesamt sehe ich die zukünftige Entwicklung dieses Faches als sehr unvorhersagbar ab.
Für mich persönlich spielt es keine Rolle, da ich die Fachrichtung liebe und trotz dieser Unsicherheiten nicht auf sie verzichten möchte. Aber für manche Personen könnten diese Überlegungen durchaus von Wichtigkeit sein.

querfeldein
25.09.2016, 17:36
Hallo SynC, ja, das ist nochmal ein ganz anderer Blickwinkel. Danke für deinen Input.
- Was ist das Problem mit den Teleradiologieverbünden (so ganz naiv gefragt)?
- Klar, Outsourcing in Billiglohnländer ist denkbar, ich persönlich glaube aber, dass man auch in Zukunft noch gut ausgebildete Ärzte mit Kenntnis der regional typischen Fragestellungen / Krankheiten wertschätzen wird. Meinst du nicht?
- Leider ist mein Frust mit der direkten Patientenversorgung so groß, dass mich da alles momentan nicht abschreckt. Die Zukunft ist ungewiss, und wie du sagt, in der Radio allemal, aber es kann ja auch gut ausgehen.
Liebe Grüße!

Rudiologe
11.01.2017, 12:58
Ich bin gerade in einer ähnlichen Situation wie der Threadersteller. Wollte ursprünglich immer Radiologie machen, hab mich dann aber aus verschiedenen Gründen dagegen entschieden. Jetzt arbeite ich seit Kurzem in einer neurologischen Rehaklinik. Die Klinik selbst war meine Wunschstelle, da ich örtlich gebunden war und auf Akutneurologie erstmal keine Lust hatte, vor allem nicht auf die Abteilungen in den Häusern meines Wohnortes. An und für sich gefällt es mir hier auch ganz gut. Das Team ist nett und da wir eine Frühreha haben lernt man auch eine ganze Menge. Eine ruhige Kugel schiebt man hier jedenfalls nicht :) . Trotzdem ist vom "Bauchgefühl" her Radiologie immer noch mein Traumfach. Eine Option wäre ja, ein Jahr voll zu machen und sich dann mit einem Jahr klinischer Erfahrung in der Radio zu bewerben. Normalerweise sehen Chefs klinische Erfahrung ja gerne. Hab nur ein bisschen Bedenken, dass ein Jahr Rehaklinik nicht so gut ankommt. Wie seht ihr das?

Locutus001
11.01.2017, 14:02
Ich bin gerade in einer ähnlichen Situation wie der Threadersteller. Wollte ursprünglich immer Radiologie machen, hab mich dann aber aus verschiedenen Gründen dagegen entschieden. Jetzt arbeite ich seit Kurzem in einer neurologischen Rehaklinik. Die Klinik selbst war meine Wunschstelle, da ich örtlich gebunden war und auf Akutneurologie erstmal keine Lust hatte, vor allem nicht auf die Abteilungen in den Häusern meines Wohnortes. An und für sich gefällt es mir hier auch ganz gut. Das Team ist nett und da wir eine Frühreha haben lernt man auch eine ganze Menge. Eine ruhige Kugel schiebt man hier jedenfalls nicht :) . Trotzdem ist vom "Bauchgefühl" her Radiologie immer noch mein Traumfach. Eine Option wäre ja, ein Jahr voll zu machen und sich dann mit einem Jahr klinischer Erfahrung in der Radio zu bewerben. Normalerweise sehen Chefs klinische Erfahrung ja gerne. Hab nur ein bisschen Bedenken, dass ein Jahr Rehaklinik nicht so gut ankommt. Wie seht ihr das?

Hab mein eines Jahr in der Neuro Frühreha jetzt auch durch.
Der Radiologe hat da genauso viel von wie von einem Jahr in einem anderen Fach. Dürfte den meisten egal sein. Erfahrung in Radiologie hast Du dadurch jedenfalls nicht mehr und nicht weniger als in anderen Fächern.
Wenn es also ne Klinik gibt, die Berufsanfänger ohne Radiologievorerfahrung nehmen und nicht nur WB-Assistenten im 30sten Jahr mit allen Scheinen, Promotion und Habilitation, DANN wird es keinen großen Unterschied machen ;-)

In NRW als größtem und tollstem Bundesland gibt es bspw. mehrere Häuser wo auch immer wieder gesucht wird. Dein eines Jahr Klinik macht dich eher wertvoller. In der Reha hast Du ja zumindest die Grundfertigkeiten gelernt, hast vielleicht sogar ein bisschen speziellere Erfahrung bzgl. cCT gesammelt, nen Röntgen hast Du auch schonmal gesehen.
Wenn es jetzt unbedingt Berlin sein muss bspw. oder München oder Hamburg, dann wird es vielleicht eher nichts. Aber da bringen dir auch andere Fächer nicht unbedingt so viel mehr. Die wollen halt schnell einen der eigentlich schon fast alles kann.

Radiologie ist aber auch nicht stressfrei. War auch mein Ziel ursprünglich und aus persönlichen Gründen dann eben doch ortabhängig nicht möglich gewesen. Ne Bekannte macht das jetzt und klingt auch nicht alles nur schön. Ich denke ist wie überall. Aber wenn Du es machen willst, dann bewirb Dich doch einfach und leg los. Schaden wird Dir Deine Vorerfahrung nicht!

Und selbst wenn es jetzt Chefs gibt die sagen "OH REHA das geht garnicht!", das ist nunmal das womit Du jetzt angefangen hast wa? Kann man jetzt wohl nichts dran ändern. Versuch macht kluch.

hbl58
11.01.2017, 22:45
Das Jahr Neurologie kannst du dir auch für den Neuroradiologen anrechnen lassen, sodass du auch da Zeit sparen würdest, wenn dich das denn interessieren sollte.

querfeldein
11.01.2017, 22:59
Rudologie, für mich steht der Wechsel in die Radio jetzt fest :-)) Hatte ein paar Bewerbungsgespräche, da wurde die Zeit in der Neuro nie negativ bemerkt. Wenige haben es eher mit Interesse gesehen, die meisten haben zu Fachwahl und Fachwechsel gar nichts gefragt. Bevor ich angefangen hab zu arbeiten hatten einige Ärzte mir geraten, zuerst etwas klinische Arbeit kennenzulernen, ziemlich egal welches Fach. So wie ich verstanden habe einfach um zu verstehen, aus welchem Hintergrund heraus Bilder angefordert werden, was die Fragen und Konsequenzen der Befunde sind. Ich glaube nicht, dass Frühreha ein Karrierehindernis sein sollte.

Rudiologe
12.01.2017, 09:59
Ah, Du bist ja sogar der ursprüngliche TE! Richtig gut, toll, dass es geklappt hat bei dir! Habe auch schon gesehen, dass in der Radio immer mal Stellen ausgeschrieben sind. Vielleicht bin ich ja in einem Jahr etwas flexibler was die Ortswahl angeht. Hängt von meiner Freundin ab. Neuroradiologie fände ich eigentlich prima, aber ich interessiere mich eigentlich eher für den diagnostischen Teil. Zu den Interventionen, die bei NRAD ja eine große Rolle spielen, fühle ich mich nicht so hingezogen. Möchtest Du denn Neuroradio machen?