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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Anstellungsmöglichkeiten in einigen Jahren - Zukunftsprognosen



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SineNomine
30.09.2017, 17:08
Auf eine Beschwerde dass wir zu viele Wochenenddienste machen müssen (während einer Kündigungswelle waren es einfach mal ALLE Wochenenden eines Monats) war sein Kommentar: "Ich erwarte schon, dass man sich als Arzt auch in seinem Beruf und das auch am Wochenende engagiert". Bäm. Ich war einfach nur sprachlos. Ein BWLler der nicht mal die leiseste Ahnung davon hat was es heißt 4 Wochenenden im Monat zu arbeiten bringt so einen Satz. Was willst da sagen?

Ganz ehrlich, warum sollte er das nicht sagen? Die Leute arbeiten trotzdem weiter und lassen vieles mit sich machen und wenn das nicht mehr der Fall ist, werden halt Ärzte aus dem Ausland geholt.
Ich komme ja ursprünglich aus der BWL und hab da auch mehrere Jahre gearbeitet und natürlich versucht man seine Resourcen optimal einzusetzen. Und eigentlich gibt es in Deutschland kein Argument oder keinen Druckfaktor, der mich veranlassen müsste, die Arbeitsbedingungen anzupassen.
Und warum sollte ein Unternehmen freiwillig mehr Geld ausgeben, als es muß? Mitarbeiterzufriedenheit erhöht eine Rendite auch nur, wenn ich eine Leistung marktwirtschaftlich anbieten kann. Und das kann ich dank DRG ohnehin nicht, zumindest nicht von der Erlösseite her. Ich kann als Krankenhaus mit besserer Qualität keine höheren Entgelte verlangen. Der einzige Hebel, der da ist, sind die Kosten. Und dann wundert man sich, dass das System krankt ...

pottmed
30.09.2017, 18:55
Ganz ehrlich, warum sollte er das nicht sagen? Die Leute arbeiten trotzdem weiter und lassen vieles mit sich machen und wenn das nicht mehr der Fall ist, werden halt Ärzte aus dem Ausland geholt.
Ich komme ja ursprünglich aus der BWL und hab da auch mehrere Jahre gearbeitet und natürlich versucht man seine Resourcen optimal einzusetzen. Und eigentlich gibt es in Deutschland kein Argument oder keinen Druckfaktor, der mich veranlassen müsste, die Arbeitsbedingungen anzupassen.
Und warum sollte ein Unternehmen freiwillig mehr Geld ausgeben, als es muß? Mitarbeiterzufriedenheit erhöht eine Rendite auch nur, wenn ich eine Leistung marktwirtschaftlich anbieten kann. Und das kann ich dank DRG ohnehin nicht, zumindest nicht von der Erlösseite her. Ich kann als Krankenhaus mit besserer Qualität keine höheren Entgelte verlangen. Der einzige Hebel, der da ist, sind die Kosten. Und dann wundert man sich, dass das System krankt ...

Sehr schöne Zusammenfassung des absoluten kranken Zustandes unseres Systems.

Nach meinem Wechsel in die Innere bin ich ja noch überraschter, was Kollegen mit sich machen lassen. Überstunden werden systematisch nicht erfasst, Nachtdienste haben hohen Anteil von Bereitschafszeiten obwohl in einer internistischen ZNA einer Großstadt garantiert keine Bereitschaftszeit statt findet. Wenn man sich mal aufregt, sagen alle nur, dass es woanders auch nicht besser sei :-nix

Nur einen Punkt will ich nicht so stehen lassen, ich denke nicht, dass man deutschen Ärzte so einfach gegen ausländische ersetzen kann. In Patientenferneren Bereichen wie Patho, Radio (wenn man einen hat der dann die Befunde auf Deutsch schreibt) oder auch Anästhesie mag das noch gehen, wenn der Kollege der deutschen Sprache nur rudimentär mächtig ist.
In allen anderen Fächern funktioniert und führt zu extremer Unzufriedenheit auf "Kundenseite", die im Zweifel dann halt woanders hingehen und das ist dem BWLer dann doch nicht ganz egal, denn Fallzahlen muss er schon bringen. Vor allem wenn man die ganzen tollen "Zentren" ala Darmkrebs, Perinatal LVL x, Pankreas und whatever behalten will.
Also völlig machtlos ist auch der kleine Assistent nicht, man muss nur mit den Füßen abstimmen. Leider haben die meisten keinen Ar*** in der Hose und nehmen alles hin, wovor die Leute Angst haben, erschliesst sich mir allerdings nicht. Gerade am nicht-universitären Haus hängt weder Diss noch Habil von den Gnaden eines Chefs.

anignu
30.09.2017, 23:57
Also völlig machtlos ist auch der kleine Assistent nicht, man muss nur mit den Füßen abstimmen. Leider haben die meisten keinen Ar*** in der Hose und nehmen alles hin, wovor die Leute Angst haben, erschliesst sich mir allerdings nicht.
Also selbst entweder nicht durch Familie gebunden oder in einem sowas von Allerweltsfach, dass eh schon alles Sch...egal ist. Durch Kommentare über andere Leute offenbart man auch einiges über sich selbst. Vor allem wenn man Leuten Vorwürfe macht die man nicht kennt und deren Motivation man nicht versteht.

Ganz ehrlich, warum sollte er das nicht sagen? Die Leute arbeiten trotzdem weiter und lassen vieles mit sich machen und wenn das nicht mehr der Fall ist, werden halt Ärzte aus dem Ausland geholt.
Ich komme ja ursprünglich aus der BWL und hab da auch mehrere Jahre gearbeitet und natürlich versucht man seine Resourcen optimal einzusetzen. Und eigentlich gibt es in Deutschland kein Argument oder keinen Druckfaktor, der mich veranlassen müsste, die Arbeitsbedingungen anzupassen.
Und warum sollte ein Unternehmen freiwillig mehr Geld ausgeben, als es muß? Mitarbeiterzufriedenheit erhöht eine Rendite auch nur, wenn ich eine Leistung marktwirtschaftlich anbieten kann. Und das kann ich dank DRG ohnehin nicht, zumindest nicht von der Erlösseite her. Ich kann als Krankenhaus mit besserer Qualität keine höheren Entgelte verlangen. Der einzige Hebel, der da ist, sind die Kosten. Und dann wundert man sich, dass das System krankt ...
Das ist eine aus streng BWLler-Sicht legitime, aber trotzdem falsche Aussage. Man kann vor allem in der Chirurgie auch sagen "die nächste OP überzieht sicher, die machen wir lieber morgen statt heute" und damit verschiebt sich am nächsten Tag das OP-Programm was wiederum das am übernächsten Tag verschiebt etc. und insgesamt werden weniger Leute behandelt. Insofern hängt Mitarbeiter Motivation schon mit den Erlösen zusammen... und auch der kleine Assistenzarzt kann die Leute in der Notaufnahme darauf primen sich im Haus operieren zu lassen oder das irgendwo anders vornehmen zu lassen. Letzteres ist dann fürs Haus die Vollkatastrophe. Diagnostik im Notfall zur Unzeit und das Lukrative machen dann andere nach erfolgter Diagnostik.

Wie gesagt: man kann das aus BWLler-Sicht schon extrem beschränkt sehen und ausschließlich Zahlen und Kosten im Blick haben. Aber wenn man zusätzlich zu Zahlen und Kosten auch noch an die Menschen denkt, kann evtl. auch mehr rauskommen.

nie
01.10.2017, 12:30
Nur einen Punkt will ich nicht so stehen lassen, ich denke nicht, dass man deutschen Ärzte so einfach gegen ausländische ersetzen kann. In Patientenferneren Bereichen wie Patho, Radio (wenn man einen hat der dann die Befunde auf Deutsch schreibt) oder auch Anästhesie mag das noch gehen, wenn der Kollege der deutschen Sprache nur rudimentär mächtig ist.

Ich kenne mehrere internistische sowie eine neurologische Abteilung in der wenig bis keine Ärzte arbeiten, die in Deutschland studiert haben. Sprachlich sind die teilweise auf unterirdischem Niveau und verstehen maximal die Hälfte von dem was man ihnen erzählt. Und das sind keine Häuser irgendwo in der ostdeutschen Pampa sondern ganze normale mittelgroße Häuser in Groß- bzw. größeren Kleinstädten.
Funktionieren tut das schon. Irgendwie. Nicht gut aber es funktioniert. Und die Leute gehen trotzdem hin. Wo sollen sie auch sonst hin? So viele Krankenhäuser stehen hier dann doch wieder nicht rum.

Kackbratze
01.10.2017, 12:56
In unserem Einzugsbereich wird dann dire Fahrstrecke zum nächsten KH verlängert. Aktuell ist unser Einzugsbereich bis zu 80km. Unter Umgehung von 2 Krankenhäusern auf dem Weg.

SineNomine
01.10.2017, 20:55
Das ist eine aus streng BWLler-Sicht legitime, aber trotzdem falsche Aussage. Man kann vor allem in der Chirurgie auch sagen "die nächste OP überzieht sicher, die machen wir lieber morgen statt heute" und damit verschiebt sich am nächsten Tag das OP-Programm was wiederum das am übernächsten Tag verschiebt etc.

Jein, durch das verschieben und Entzerren von OP-Plänen würden ja bspw. bessere Arbeitsbedingungen rauskommen. Diese verbesserten Arbeitsbedingungen greifen die Erlösseite an, also wird der Chefarzt der Abteilung an diesen nicht interessiert sein. Man kann argumentieren, daß durch weniger Zeitdruck ggf. bessere Diagnostik oder Intervention erfolgt. Nur kann ich eine schönere Narbe oder eine sauberer abgesetztes Organ oder ein Patientengespräch mehr nicht abrechnen. DRG heißt eben, daß für Eingriff X das Entgelt Y fließt, egal, was man macht. Solange ich nicht zu komplikationsträchtig arbeite (und dadurch bspw. viele Relaparotomien habe) geht dann betriebswirtschaftlich faktisch Schnelligkeit vor überbordender Gründlichkeit oder größerer Patientenzuwendung. Die besseren Arbeitsbedingungen, die bspw. mehr Patientengespräche oder einen entzerrteren OP-Plan produzieren könnten, bedeuten wirtschaftlich erstmal das sinken relevanter Kennziffern.

Ironischerweise werden die DRGs aber maßgeblich nach den Durchschnittswerten von Krankenhäusern festgelegt. Will heißen, wenn ausreichend Krankenhäuser die Assistenten noch mehr knechten, sinken die Kosten des Krankenhauses, weil man für die gleiche Fallzahl weniger Assistenten braucht. Damit ergeben sich erneut niedrigere DRG-Sätze und das Hamsterrennen beginnt von vorne.

Und was die den anderen Post mir der Austauschbarkeit angeht ... freilich sind die Ärzte austauschbar, auch gegen sprachlich nur halbfitte Ausländer. Ob Dein Patient Dich nun versteht oder nicht, der DRG-Satz ist derselbe. Und bei Nicht-elektiven Eingriffen hast Du nicht mehr groß Wahlmöglichkeiten, in der Psych hast Du sowieso Einzugsgebiete und auch bezüglich elektiver Eingriffe herrscht nur in den wenigsten Krankenhäusern ein Mangel.

Mittlerweile bin ich auf der anderen Seite, aber der Betriebswirt in mir findet im bestehenden Rahmen kaum einen Grund, die Arbeitsbedingungen ohne Not zu verbessern. Und wenn ich denn einen suchen würde: Der Patient kann die ärztliche Behandlungsqualität in der Regel nicht sonderlich gut einschätzen. Wohl aber den Geschmack des Essens, das Ambiente und die Sauberkeit. Von daher müsste ich mir auch dann überlegen, ob ich vorhandenes Kapital in Ärzte investiere, so dumm das jetzt angesichts der Tatsache, das wir letztlich die Berufsträger sind, klingt.

Eigentlich krankt das System aus der ungesunden Mischung von Staat und Privat. Die öffentliche Hand könnte ärztliche Leistungen nach eigenen Maßstäben bemessen und hätte den Kostendruck per se nicht zu fürchten. Bei vollständiger Privatisierung könnte man auch über Qualität, Sprachkompetenz o.ä. punkten, da man die Erlöse flexibel verhandeln könnte.

Wir habens letztlich irgendwo geschafft, die schlechten Seiten beider Modelle zusammenzuführen. -Durch das letztlich staatlich implementierte DRG-System sind Optimierungen der Erlössituation sind nur durch Kostensenkung, nicht durch Qualitätssteigerung möglich. Gleichzeitig besteht aber durch den privaten Einfluss der Druck, genau an dieser Schraube immer schön weiter zu drehen, da sich diese durch das Nachjustieren der einzelnen Krankenhäuser auch immer schön von selbst verschärft.
In den ganzen Mix werfe man noch die Arbeitsnehmerfreizügigkeit und relativ leichte Anerkennung ausländischer Abschlüsse.

Und auf dieser Basis soll es verbesserte Arbeitsbedingungen geben? Ernsthaft? Und der Marburger Bund, dessen Einfluss nach Tarifeinheitsgesetz nun ohnehin zu schwinden droht, kümmert sich auch lieber um 3% mehr Gehalt, das der Arzt dann aus Zeitmangel eh nicht mehr ausgeben kann ;)

anignu
02.10.2017, 10:18
Jein, durch das verschieben und Entzerren von OP-Plänen würden ja bspw. bessere Arbeitsbedingungen rauskommen. Diese verbesserten Arbeitsbedingungen greifen die Erlösseite an, also wird der Chefarzt der Abteilung an diesen nicht interessiert sein.
Und auch von meiner Seite her "jein". Ein Entzerren von OP-Plänen aufgrund von Frust und mangelnder Motivation der Mitarbeiter mit dem damit verbundenen Verschieben von OPs führt ja dann letztlich nicht zu glücklicheren Mitarbeitern. Eben weil es ständig ein Kampf ist und man das Ganze ja aus einem Frust heraus macht. Daher werden nicht die Arbeitsbedingungen verbessert, es schafft nur mehr Zeit sich über die schlechten Bedingungen aufzuregen und mit dem Chef zu streiten...

Mano
03.10.2017, 13:36
Jein, durch das verschieben und Entzerren von OP-Plänen würden ja bspw. bessere Arbeitsbedingungen rauskommen.

Sehr schön zusammengefasst.
Bei uns wird sich regelmäßig über (semi-) elektive OPs im Bereitschaftsdienst aufgeregt. Für den Arbeitnehmer natürlich ausgesprochen unglücklich und unverständlich und für den Patienten tendenziell gefährlich (wer operiert nach 10 Stunden Regelarbeit schon so gut wie frisch nach dem Frühstück?). Betriebswirtschaftlich jedoch absolut vernünftig: Die Arbeitskräft sind eh vor Ort und müssen bezahlt werden (Notfallversorgung) und die Bezahlung beträgt dabei nur 60-95% des regulären Stundenlohns. Eine elektive OP im Bereitschaftsdienst ist also de facto wirtschaftlicher als eine OP im Regeldienst...

Brutus
03.10.2017, 14:12
Was natürlich Bullshit ist! Im BD darfst Du max. 50% Arbeitszeit haben, sonst ist es kein BD mehr, sondern ist muss Schichtdienst angeordnet werden. Definition BD: Anwesenheitsbereitschaft: es fällt erwartungsgemäß Arbeit an, aber eben nicht mehr als 50% der BD-Zeit. Wenn Du nun regelhaft Elektiveingriffe im BD machst, hast Du halt weniger Zeit für Notfälle und die restliche Arbeit, die noch anfällt. Wenn der BD dazu noch in Rufbereitschaft fällt, zahlst Du drauf: denn die Rufbereitschaft kostet beim kürzesten Einsatz mindestens 3 Stunden, jeder weitere dann Minutengenau. Dazu darfst Du keine RB anmelden, wenn erwartungsgemäß Arbeit anfällt. Ganz zu schweigen, dass das Haus für Notfälle keine Kapazitäten mehr hat.
Von den rechtlichen Problemen mal ganz zu schweigen. Wer kommt denn für Regresse auf, wenn jemand nachweisen kann, dass die OP nicht dem Standard entspricht, den sie im Regelprogramm gehabt hätte?

Autolyse
03.10.2017, 14:33
Da Arbeitszeiten nicht systematisch von der Aufsichtsbehörde kontrolliert werden, ist das scheißegal, ob das rechtmäßig ist oder nicht. Es ist betriebswirtschaftlich sinnvoller mit der einen Kontrolle in ~50 Jahren zu rechnen und dann die Bußgelder zu bezahlen als Schichtdienst anzuordnen oder sogar nur zusätzliches Personal einzustellen um den Bereitschaftsdienstanteil zu verkürzen.
Außerdem ist es ja keine Elektivprogramm mehr. Die ganzen heruntergefallenen kleinen Elektivpunkte werden dann ja pünktlich zum Ende der Regelarbeitszeit dringlich. Die macht man dann bis 21 oder 22 Uhr und danach kommen dann die Notfälle des Tages dran.

Mano
03.10.2017, 14:50
Was natürlich Bullshit ist! Im BD darfst Du max. 50% Arbeitszeit haben, sonst ist es kein BD mehr, sondern ist muss Schichtdienst angeordnet werden. Definition BD: Anwesenheitsbereitschaft: es fällt erwartungsgemäß Arbeit an, aber eben nicht mehr als 50% der BD-Zeit. Wenn Du nun regelhaft Elektiveingriffe im BD machst, hast Du halt weniger Zeit für Notfälle und die restliche Arbeit, die noch anfällt. Wenn der BD dazu noch in Rufbereitschaft fällt, zahlst Du drauf: denn die Rufbereitschaft kostet beim kürzesten Einsatz mindestens 3 Stunden, jeder weitere dann Minutengenau. Dazu darfst Du keine RB anmelden, wenn erwartungsgemäß Arbeit anfällt. Ganz zu schweigen, dass das Haus für Notfälle keine Kapazitäten mehr hat.
Von den rechtlichen Problemen mal ganz zu schweigen. Wer kommt denn für Regresse auf, wenn jemand nachweisen kann, dass die OP nicht dem Standard entspricht, den sie im Regelprogramm gehabt hätte?

Du kannst gerne versuchen diese Diskussion mit unserer Geschäftsführung zu führen. Die wird dir sagen, dass das natürlich nur Notfälle sind, die dann operiert werden (Wer definiert nochmal gleich, was ein Notfall ist? Und was ist mit dem Notfall, der mittags ins Krankenhaus kommt, aber eben erst nach Ende des Elektivprogramms als OP angemeldet wird?).
Sie wird feststellen, dass die Verantwortung für das AZG bei den Chefärzten liegt und eine Arbeitszeitanalyse vor ungefähr 23 Jahren festgestellt hat, dass wir im BD nur zu 40% arbeiten - es also sowieso noch 10% Luft nach oben gibt.
Und sie wird dir vorhalten, dass jeder Arzt natürlich zu jeder Zeit sorgfältig zu arbeiten hat. Wenn dann um 01:30 Uhr nachts ein vermeidbarer Fehler passiert ist, dann ist das natürlich Individualversagen das mit aller Härte von Seiten der Klinik geahndet wird (M&M-Konfernz, Abmahnung, Kündigung und Regressforderungen gegenüber den Beteiligten).

SineNomine
03.10.2017, 17:46
Was natürlich Bullshit ist! Im BD darfst Du max. 50% Arbeitszeit haben, sonst ist es kein BD mehr, sondern ist muss Schichtdienst angeordnet werden. Definition BD: Anwesenheitsbereitschaft: es fällt erwartungsgemäß Arbeit an, aber eben nicht mehr als 50% der BD-Zeit. Wenn Du nun regelhaft Elektiveingriffe im BD machst, hast Du halt weniger Zeit für Notfälle und die restliche Arbeit, die noch anfällt. Wenn der BD dazu noch in Rufbereitschaft fällt, zahlst Du drauf: denn die Rufbereitschaft kostet beim kürzesten Einsatz mindestens 3 Stunden, jeder weitere dann Minutengenau. Dazu darfst Du keine RB anmelden, wenn erwartungsgemäß Arbeit anfällt. Ganz zu schweigen, dass das Haus für Notfälle keine Kapazitäten mehr hat.
Von den rechtlichen Problemen mal ganz zu schweigen. Wer kommt denn für Regresse auf, wenn jemand nachweisen kann, dass die OP nicht dem Standard entspricht, den sie im Regelprogramm gehabt hätte?

Faktisch hast Du recht. In der Praxis wirds nach dem Prinzip "wo kein Kläger..." gehandhabt, daher gibts dann die unbezahlten, nicht aufgeschriebenen Überstunden, semielektive OPs im Bereitschaftsdienst u.v.m. Und auf jeder Baustelle wird sauberer kontrolliert als in Krankenhäusern, was die diversen Gesetze zu Arbeit und Arbeitszeit angeht.

Wenn alle Arbeitszeitgesetze strikt eingehalten würden, hätten wir entweder ein ausgewachsenes Versorgungsproblem oder bräuchten geschätzt noch 30% Arztstellen zusätzlich.

OhDaeSu
03.10.2017, 17:51
Du kannst gerne versuchen diese Diskussion mit unserer Geschäftsführung zu führen. Die wird dir sagen, dass das natürlich nur Notfälle sind, die dann operiert werden (Wer definiert nochmal gleich, was ein Notfall ist? Und was ist mit dem Notfall, der mittags ins Krankenhaus kommt, aber eben erst nach Ende des Elektivprogramms als OP angemeldet wird?).
Sie wird feststellen, dass die Verantwortung für das AZG bei den Chefärzten liegt und eine Arbeitszeitanalyse vor ungefähr 23 Jahren festgestellt hat, dass wir im BD nur zu 40% arbeiten - es also sowieso noch 10% Luft nach oben gibt.

Selbst schuld, wer sich so eine Scheiße gibt.

Kackbratze
03.10.2017, 19:26
Die Alternative ist Schichtdienst, das will auch nicht jeder.

Autolyse
03.10.2017, 20:41
Man könnte den Dienst auch einfach mit weniger als 24 Stunden bemessen...

John Silver
03.10.2017, 21:12
Was ein Notfall ist, ist recht sauber definiert: Ein Notfall ist ein Eingriff, welcher innerhalb einer bestimmten Zeit nach Diagnosestellung ausgeführt werden muss, da ansonsten Gefahr für Leib und Leben des Patienten besteht. Selbstverständlich lassen sich bestimmte Indikationen auf Notfall trimmen: aus einer symptomatischen wird eine akute Galle, aus einer blanden wird eine eingeklemmte, nicht reponible Hernie etc. Dennoch gibt es keinen Grund, dieses Spielchen mitzuspielen. Man kann als verantwortlicher Oberarzt auch entgegen dem Druck des Chefarztes und der Geschäftsführung die Indikation zur OP im Dienst streichen (was wir regelmäßig auch machen).
Die Ausführung eines elektiven Eingriffs (also einer Routinetätigkeit, die in die Regelarbeitszeit gehört) im Dienst ist gesetzwidrig, da es nicht nur die 50%-Regel vorschreibt, sondern auch, dass nur die Arbeit zu erledigen ist, welche notfallmäßig anfällt; Bereitschftsdienst ist kein Schichtdienst mit Ruhezeit.
Eine Belastungsanalyse im Bereitschaftsdienst lässt sich jederzeit wiederholen. Dafür benötigt man keine Erlaubnis der Geschäftsführung; man nimmt einfach einen Zettel und schreibt die Einsatzzeiten penibel auf, sowie die Tätigkeiten, die man in dieser Zeit ausgeführt hat. Wirkt Wunder, weiß ich aus Erfahrung.
Grundsätzlich muss man nicht immer das Gewerbeaufsichtsamt bemühen; es reicht meistens, offiziell den Betriebsrat zu informieren. Man kann sich immer wehren, man muss es nur wollen.

Und eines ist ganz klar: Wer weiß, wie Geschäftsführungen drauf sind (und die sind alle so drauf), der kann nicht ernsthaft glauben, die Einführung solcher Berufe wie „physician assistant“ oder „chirurgisch-technischer Assistent“ samt „Anästhesieassistenten“ sei zu einem anderen Zweck, als zur langfristigen Substitution der ärztlichen Weiterbildungsstellen gedacht. „Entlastung der Ärzte“ ist bestenfalls einen kurzen Lacher wert.

FirebirdUSA
04.10.2017, 08:37
Sie wird feststellen, dass die Verantwortung für das AZG bei den Chefärzten liegt

Genau richtig! Deswegen ist der GL das prinzipiell egal. Die Strafen falls mal eine Kontrolle kommt muss der CA persönlich tragen. Eine Übernahme durch die Klinik ist nicht möglich.

Autolyse
04.10.2017, 17:37
Was ein Notfall ist, ist recht sauber definiert: Ein Notfall ist ein Eingriff, welcher innerhalb einer bestimmten Zeit nach Diagnosestellung ausgeführt werden muss, da ansonsten Gefahr für Leib und Leben des Patienten besteht. Selbstverständlich lassen sich bestimmte Indikationen auf Notfall trimmen: aus einer symptomatischen wird eine akute Galle, aus einer blanden wird eine eingeklemmte, nicht reponible Hernie etc. Dennoch gibt es keinen Grund, dieses Spielchen mitzuspielen. Man kann als verantwortlicher Oberarzt auch entgegen dem Druck des Chefarztes und der Geschäftsführung die Indikation zur OP im Dienst streichen (was wir regelmäßig auch machen).
Aber Landauf-Landab dürfte das die Ausnahme sein...der Normalfall ist doch, dass alles über den Tisch gezogen wird, was geht, damit der Plan des nächsten Tages unangetastet bleibt.

Die Ausführung eines elektiven Eingriffs (also einer Routinetätigkeit, die in die Regelarbeitszeit gehört) im Dienst ist gesetzwidrig, da es nicht nur die 50%-Regel vorschreibt, sondern auch, dass nur die Arbeit zu erledigen ist, welche notfallmäßig anfällt; Bereitschftsdienst ist kein Schichtdienst mit Ruhezeit.
Die 49% Auslastung dürfen auch mit Routineaufgaben gefüllt werden. Da gibt es keine Beschränkungen, es muss nur die Zeit der Nichtinanspruchnahme überwiegen.

Eine Belastungsanalyse im Bereitschaftsdienst lässt sich jederzeit wiederholen. Dafür benötigt man keine Erlaubnis der Geschäftsführung; man nimmt einfach einen Zettel und schreibt die Einsatzzeiten penibel auf, sowie die Tätigkeiten, die man in dieser Zeit ausgeführt hat. Wirkt Wunder, weiß ich aus Erfahrung. [...]
Dann müsste aber die gesamte Abteilung mitziehen und das wird nicht passieren. Denn was man als Einzelner oder mit wenigen dokumentiert, ist ja nur ein nicht repräsentativer Einzelfall.

LasseReinböng
05.10.2017, 18:32
Ich habe an meiner Klinik noch keine sog. "Arztassistenten" kennengelernt. Dafür weiß ich, daß es in der Echokardiographie eine MTA gibt, die täglich TTEs macht. Kardiologische Funktionsdiagnostik ist bei uns zeitnah nur sehr schwer zu kriegen. Bei ca. 800 Betten gibt es einen einzigen Kardiologen, der im Tagesgeschäft Echos macht. Und eben eine MTA. In den Diensten ist dann auch niemand im Haus, der schallen kann, es gibt diesbezüglich auch keine Ausbildung der internistischen Assistenten.

John Silver
07.10.2017, 20:10
Es ist mir neu, dass im Dienst Routineaufgaben zu erledigen seien. Im Bereitschaftsdienst wird nur Arbeit aufgenommen, wenn sie notfallmäßig anfällt. Siehe Tarifvertrag.