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  1. #1
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    Hallo,

    ich befinde mich derzeit in der Weiterbildung zum Nephrologen im ersten Jahr. Ich wählte das Fach weil ich primär immunologisch-rheumatologisch interessiert war, ich mir nicht sicher war ob ich permanent an der Uni bleiben wollte und mir eine Niederlassung als Rheumatologe zu unsicher erschien.
    Nun bin ich im kleinen Fach der Nephrologie gelandet in dem man ja auch allerlei Autoimmun-Patienten mitbetreut, was meinen Neigungen entspricht. Da ich mir allerdings überlege in wenigen Jahren in die Niederlassung zu gehen nun einige Fragen, von denen ich mir erhoffe dass sie hier anwesende Nephrologen (oder Rheumatologen) beantworten können.

    1. Wie sind die typischen Niederlassungsmöglichkeiten für Nephrologen heute? Klar wird die ambulante Dialyse zunehmend durch die Industrie und KfHs übernommen, so dass an nephrologischen Kernkompetenzen für den niederlassungsgeneigten Assi weniger übrigbleibt. Ausserdem sind für Einzelinhaber die Investitionskosten für den Gerätepark sicherlich eine große Einschränkung.
    Alternativen sind natürlich ein reines Angestelltenverhältnis im KfH, von dem ich mir unsicher bin ob ich es will. Ferner kann man natürlich noch Zusatzqualifikationen wie den Diabetologen erwerben um so seinen Fuß in die Tür der "eigenen" Niederlassung zu bekommen.

    2. Wie empfindet ihr die Arbeit im KfH, gibt's da auch noch ein paar spannende Aspekte oder ist das primär Düse-Management, Blutdruck-Einstellung und prä-/post-NTx-Betreuung etc. pp.? Der Kardiologie, der 24/7 kathetert wollte ich dabei ja eher nie werden..

    3. Wie sind die "Aufstiegsmöglichkeiten" in der ambulanten Nephrologie, z.B. zur Assoziation, zum Teilhaber oder ärztlichem Direktor im KfH? Wie sind die Verdienstmöglichkeiten, wie ist die Nachfrage nach Fachärzten für Nephrologie? Die Dialysepatienten nehmen ja rein metabolisch bedingt aktuell deutlich zu. Wie sieht es mit dem europäischen Umland aus, falls es hier zu weiterer Arbeitsverdichtung kommt?

    3. Gibt es Erfahrungen zu Rheumatologie in der Niederlassung?

    4. Die Gretchenfrage: Würdet ihr angesichts der gesundheitspolitischen Entwicklungen und der Leistungsreglementierung für Dialyse wieder Nephrologen werden?

    Arigato



  2. #2
    head & shoulders Avatar von tarumo
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    Zur Nephrologie:
    - wie Du schon angedeutet hast, ist Dialyse ein Zukunftsmarkt. Der wird aktuell und wohl zunehmend von "Ketten" bzw. Zusammenschlüssen oder gleich von der Industrie bedient (Namen sind Dir sicher geläufig). Zusätzlich hat man das Kunststück geschafft, sich von der allgemeinen Abwärtsentwicklung der Kassenvergütungen weitgehend zu entkoppeln. Ja, es werden sehr gute Gehälter gezahlt, dann wachsen Nephrologen auch nicht auf Bäumen. Teilhaberschaft könnte schwierig werden (es sei denn, Du willst Aktien kaufen) und Chef wird am am besten, wenn man zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort ist. Eine "Chef-Karriere" ist eher schlecht planbar.
    Zur Rheumatologie:
    -extrem gesucht und eine Zulassung sehr leicht zu realisieren. Wartezeit für Patienten im KV-System bis fast ein Jahr. Allerdings ein wirtschaftlich undankbares Fach in ´schland (und daher auch an MVZ selten zu finden). In der Niederlassung hat man neben den immensen Nachfrage und damit dem Risiko der Budgetüberschreitung auch noch diverse teure regressaffine Medikamente "an der Backe" und somit gegenüber anderen Internisten gleich zwei wirtschaftliche Damoklesschwerter über sich hängen. Wohl mit ein Grund, warum es immer weniger Rheumatologen gibt.

    Was die Gretchenfrage angeht: die Tätigkeit als Nephrologe muß man aus wirtschaftlichen Gründen gegenüber dem Rheumatologen somit eindeutig bejahen. Da der dahinterstehende Wirtschaftszweig politisch bestens vernetzt ist, braucht man IMHO nicht zu befürchten, daß sich das ändert.
    Geändert von tarumo (07.12.2019 um 03:47 Uhr)
    "An allem Unfug, der geschieht, sind nicht nur diejenigen schuld, die ihn begehen, sondern auch die, die ihn nicht verhindern"
    Erich Kästner, "Das fliegende Klassenzimmer"



  3. #3
    gamo lefuzi nibe
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    Bei den Dialyseanbietern muss man auch differenzieren. Ich habe mich mal mit einem KfH-Nephrologen unterhalten und er meinte, dass die KfH-Praxen weniger wirtschaftlichen Zwängen unterliegen, da das KfH als eingetragener Verein nicht profitorientiert arbeitet. Dadurch können die Ärzte z.B. deutlich liberaler Laboruntersuchungen anordnen. Auf der anderen Seite ist das KfH ein ziemliches Bürokratiemonster und was sich die Zentrale ausdenkt geht oft an der Realität der Praxen vorbei. Nephrologen werden gesucht, wenn auch (wie überall) eher im ländlichen Raum. Zu Rheuma kann ich nix sagen.



  4. #4
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    Ich arbeite in einem nephrologischem, ärztegeführten MVZ mit mehreren Standorten. Es ist auf jeden Fall ein Fach mit Zukunft, Stellen gibt es viele. Durch den Generationswechsel und den Nachwuchsmangel sind Assoziation auf jeden Fall möglich. Die Anfangsinvestition ist relativ hoch, aber bei dem Wachstum immer noch lohnend. Auch als Angestellter ist der Lohn im Vergleich mit anderen Fachrichtungen eher überdurchschnittlich. Den klassischen Ein-Arzt Betrieb gibt es meines Wissens nicht.

    Die Industrie drängt massiv in den Markt bzw. hat bereits einen großen Marktanteil und bietet für Übernahmen hohe Summen.
    Nephrocare von Fresenius
    Via medis von B Braun
    Davita von united healthcare, haben auch Gambro übernommen
    Das KfH nimmt als gemeinnütziger Verein eine Sonderstellung ein

    Die Arbeitsbedingungen sind je nach Unternehmen sehr unterschiedlich, müssen aber nicht schlecht sein. Der Gestaltungsspielraum der eigenen Ausrichtung ist hier sicher beschränkt. Es gibt Zentren, die keine Ambulanz haben oder PD anbieten. Manche betreuen auch keine Kliniken.

    Eigentlich haben die meisten Dialysezentrum wenig Budgetprobleme - außer man muss eben gewisse monetären Ziele erfüllen. Ca. 90 Prozent vom Umsatz läuft über die Dialyse.

    Die Ambulanz ist sehr spannend. Wir bekommen viele unklare Fälle von anderen Praxen überwiesen. Auch viele Autoimmunerkrankungen bekommen wir zu sehen. Wir haben ein gutes Verhältnis zu der rheumatologischen Klinik in unserer Nähe und bekommen viele Vaskulitis Patienten zur Weiterbetreuung.

    Die niedergelassene Rheumatologie ist wie die anderen internistischen Bereiche eher ein Fließbandfach - der Umsatz geht über Fallzahlen. Ein Labor ist schon sehr wichtig. Im Südwesten ist die Niederlassungsbeschränkung aufgehoben worden. Der Bedarf ist immens.



  5. #5
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    Ich habe neulich einen (frischgebackenen) Nephrologen auf einer Fortbildung getroffen. Tenor seiner Aussagen war das, was die anderen hier auch sagen. An einen Kassensitz zu kommen ist für einen Einzelnen quasi unbezahlbar, da man mit den großen Ketten konkurriert. Gutbezahlte Anstellung oder flexible Arbeit über Arbeitnehmer-Überlassung zu finden ist kein Problem. Bezahlung wohl in ähnlicher Größenordnung wie bei Anästhesisten.

    Der Nephrologe, mit dem ich mich unterhalten habe, wirkte sehr zufrieden. Er sah das ganze allerdings sehr pragmatisch ohne jegliche idealistische Verzerrungen, d.h. er will nur Geld verdienen und pünktlich Feierabend, nix mit autoimmunologische Herausforderungen bewältigen oder so. Aber vielleicht ändert sich das bei dir ja auch noch, bis du fertig bist.



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