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  1. #1
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    Hallo,

    ich hab mich hier mal registriert um mir vielleicht ein wenig Rat mit meiner jetzigen Situation zu holen und vielleicht ein Paar Fragen beantwortet zu bekommen. Das wird ein etwas längerer Text und mag sich alles nach Luxusproblemen anhören aber irgendwie lastet mir das ganze schon länger auf der Seele. Vielleicht hat ja jemand ähnliche Erfahrungen gemacht und kann mir weiterhelfen

    Zu mir:
    Ich bin 22 Jahre alt, zur Zeit im 5. Semester Humanmedizin eingeschrieben und trage seit einiger Zeit (vielleicht schon seit Beginn des Studiums) eine gewisse Unzufriedenheit mit mir herum. Ich war nie die Person, die seit klein her wusste, dass sie Arzt werden wollte, sondern war eher orientierungslos.
    Warum Medizin? Das frage ich mich in letzter Zeit immer öfter. Ich hatte mich ursprünglich für das Studium entschieden, da ich in Bio gut war, und ich es mir eigentlich auch ganz gut vorstellen konnte, mit Patienten zu arbeiten und nach ihren Krankheitsursachen zu forschen. Die Tatsache, dass man einen sicheren Arbeitsplatz hat spielte wahrscheinlich auch mit hinein. Ich bin kein Karrieremensch und will eigentlich nur "vor mich hin" arbeiten und dabei zufrieden sein.
    Eigentlich komme ich mit dem Studium und den Ansprüchen gut klar. Klar, die Vorklinik war hart und im Nachhinein stressig, aber mir hat es trotzdem Spaß gemacht und ich habe mir selber nicht allzuviel Stress gemacht. Die Klinik ist deutlich entspannter und flexibler geworden, wenn auch die Lehre bei uns eher Mau ist. Aber in letzter Zeit mache ich mir immer mehr Gedanken um die Zukunft- will ich mein ganzes leben als Arzt arbeiten? Kann ich gut mit Patienten umgehen oder bin ich dafür eher nicht geeignet? Die fünf Jahre Assistenzarztzeit, meine „besten“ Jahre im Krankenhaus verbringen, mich stressen und Überstunden schieben- selbst wenn ich später evtl nicht im Krankenhaus arbeiten werde. Klar, das muss nicht überall so sein, aber ich mache mir dennoch Gedanken. Dazu kommt, dass es mir nach dem Physikum und eigentlich auch während der Lernphase einfach echt schlecht ging, ich war dauernd am weinen, warum das weiss ich auch nicht so genau, der oben genannte Punkt spielte da sicher auch hinein. Meine Motivation war echt weg und ich habe mich gefragt was das ganze denn soll. Mittlerweile hat sich mein Alltag wieder einigermaßen eingependelt, aber mich lässt dieser Gedanke nicht los, dass es vielleicht doch nicht das richtige ist.

    Was könnte ich mir sonst noch vorstellen mit meinem Leben anzufangen? Ich könnte mir vorstellen, irgendwann noch mal eine Ausbildung zum Tischler zu machen, weil ich es echt mag herumzuwerkeln, mit Holz zu bauen, oder am Fahrrad herumzuschrauben - mit den Händen arbeiten. Dafür kann ich echt viel Motivation und Freude aufbringen, das kann ich aber auch alles immer noch als Hobby machen. Oder vielleicht in einer Einrichtung mit Menschen mit Behinderungen zu arbeiten. Ich hatte nach dem Abi schon ein Jahr einen Freiwilligendienst in einer solchen Einrichtung gemacht, wo ich auch viel draußen in der Natur gearbeitet hatte und mich kreativ einbringen konnte. Bei der Arbeit hatte ich das Gefühl, dass ich richtig in meinen Aufgaben aufgehe und ich war richtig glücklich dort. Aber ob ich das auch auf längere Zeit machen will? Allerdings hat der Arztberuf schon echt gute Zukunftsperspektive, im Gegensatz zu diesen Optionen.

    Ich bin nun am überlegen, nach dem 6. Semester eine Auszeit von einem Jahr einzulegen, und danach das Studium zu Ende zu machen. Was verspreche ich mir von dieser Auszeit? Ich will am Anfang meine Famulaturen machen (oder einen Großteil davon), um mir das ganze als Urlaubssemester von der Uni genehmigen zu lassen, und danach ein Paar Monate auf einer Farm (u.a. mit Menschen mit Behinderungen) in Skandinavien arbeiten. Seit ich studiere, habe ich das Gefühl, irgendwie „gefangen“ zu sein. Ich würde einfach noch mal gerne raus aus dem Alltagstrott, raus in die Natur und körperlich arbeiten, mal was ganz anderes als das Stadtleben kennenlernen und eine neue Sprache lernen. Außerdem hätte ich dann den Rest des Studium zumindest die Semesterferien frei- entweder um zu Jobben oder auch mal Urlaub zu machen und zu reisen.
    Das löst aber auch nicht mein Problem, dass ich mich irgendwie nicht so ganz Wohl bei dem Gedanken an meine Zukunft fühle.

    Dazu kommt noch, dass ich von Seiten meiner Mutter viel Druck bekomme, das Studium so schnell wie möglich zu beenden und anfangen zu arbeiten soll. Das ist eigentlich auch das was mir am meisten zusetzt .Sie verdient eigentlich echt gut (so weit ich das mitkriege), geht aber in ein Paar Jahren in Rente und sie ist diejenige die mir das Studium finanziert (ich kriege kein Bafög).Mit meinem Vater kann ich auch echt offen über meine Wünsche und Sorgen reden, meine Eltern sind getrennt. Bei meiner Mutter kapsele ich mich irgendwie ab und will ihr so wenig wie möglich über mein Studium und meine Pläne erzählen. Ich finde das echt schade und habe wenn ich mit ihr telefoniere immer ein Angstgefühl im Bauch und habe das Gefühl dass ich sie enttäusche. Von ihr kommt auch immer Druck, ob es auch in der Uni läuft, wann ich denn meine Famulaturen plane, wann ich fertig bin...ich weiss nicht so recht weiter. Das Leben läuft halt nicht immer so geradlinig mit Regelstudienzeit und Job danach finde ich- vielleicht bin ich auch ein bisschen naiv was das angeht.
    Ich wüsste auch nicht, in wie fern mir ein Jahr „Pause“, ein Jahr länger bis zum Abschluss schaden würde. Gerade in Medizin brauchen so viele ein Jahr länger vor dem Physikum- ich habe mich abgeackert und das ganze in zwei Jahren geschafft. Vom Geld her würde ich mir das Jahr komplett selber finanzieren, das Geld das sie dort spart würde ich dann am Ende des Studiums dranhängen. Zur Not würde mir mein Vater in dem Jahr auch Geld geben. Ich könnte mir in den letzten zwei Jahren Studium auch einen Nebenjob suchen, und während des PJ verdient man ja auch ein wenig Geld, je nach Krankenhaus.

    Ich bin jetzt an dem Punkt, wo ich mit meiner Mutter reden müsste, und ihr klarmachen müsste, dass ich im nächsten Jahr nicht zur Uni gehe, sondern noch mal was anderes machen will. Einerseits will ich sie nicht enttäuschen, andererseits ist es mein Leben und ich habe halt andere Vorstellungen von der Arbeit (sie lebt im Prinzip für ihre Arbeit).

    Ich schwanke immer wieder zwischen dem Gedanken, dass ich dieses Jahr unbedingt machen will, und dem, dass das vielleicht alles eine Schnapsidee ist und ich einfach zu Ende studieren sollte.

    Hat hier vielleicht jemand schon mal eine ähnliche Erfahrung gemacht? In Bezug auf die Zweifel und das Urlaubssemester? Ich weiss im Moment nicht so recht weiter und fühle mich ziemlich alleine damit.

    Ich hoffe irgendwer hat sich diesen Berg von Text durchgelesen und kann mir vielleicht ein bisschen Licht in meine Zweifel bringen. Liebe Grüße!



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  2. #2
    Registrierter Benutzer
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    06.12.2017
    Semester:
    OA Psychiatrie/Psychosomatik
    Beiträge
    190
    Hallo Ratsuchende,

    was die äußeren Gegebenheiten betrifft, hast du ja alles selbst beantwortet. Es gibt keine Hindernisse. Also, losgehen und machen!

    Das einzige, was auffällt, ist deine Angst vor Enttäuschung deiner Mutter, sogar mit körperlicher Reaktion. Das ist eine innere Geschichte, für die du dich selbst auf die Suche begeben darfst, wenn sie dich nicht weiter verfolgen und dich behindern soll.



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  3. #3
    Flacharzt
    Mitglied seit
    20.04.2003
    Semester:
    jenseits von gut und böse
    Beiträge
    2.694
    Es gibt viele alternative und teilsweise patientenferne Berufsfelder als Arzt. Ich selbst wollte auch nicht in die Klinik und bin nun glücklicher Pathologe mit geregelten Arbeitszeiten. Der Arbeitsmarkt ist auch günstig wie nie. Daher würde ich es durchziehen. Es hört sich aber auch so an, als könntest du psychologische Hilfe gebrauchen, es müsste z.B. entsprechende Beratungsstellen an deiner Uni geben.



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  4. #4
    Registrierter Benutzer Avatar von Haematopoesie
    Mitglied seit
    18.04.2014
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    5
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    315
    ...also wenn du wirklich lieber Schreiner werden willst - das ist keinesfalls ein Job ohne gute Perspektive. Ich habe einen Schreiner in der Familie und das Geschäft boomt. Handwerker können sich im Moment nicht vor Aufträgen retten, da ist die Arbeitsbelastung also auch recht hoch.

    Edit: Außerdem: arbeiten ist arbeiten. Wenn du dann halt nicht als Arzt im Krankenhaus stehst, dann stehst du halt in der Werkstatt/im Büro/im Klassenzimmer und hast mit anderen Problemen zu kämpfen. Jeder Beruf hat seine Vor- und Nachteile und auf der anderen Seite ist das Gras nicht immer grüner. Ich denke, dir fehlt da einfach der Vergleich.



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  5. #5
    Endgegner besiegt Avatar von WackenDoc
    Mitglied seit
    24.01.2009
    Semester:
    Bauschamane
    Beiträge
    14.845
    Hört sich eher danach an, als ob das Studium und später das Arztsein nicht das Grundproblem ist. da steckt eher etwas ganz anderes hinter.
    This above all: to thine own self be true,
    And it must follow, as the night the day,
    Thou canst not then be false to any man.
    Hamlet, Act I, Scene 3



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