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Aktive Benutzer in diesem Thema

  1. #1
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    Ich habe eine Frage zur Diagnostik und Therapie eines in der Präklinik extrem häufig anzutreffenden Krankheitsbildes: Krampfanfällen.

    Wie ich lernen durfte gibt es neben "echten" auch so genannte "psychogene" Krampfanfälle - wobei mir nach wie vor unklar ist, wie man das eine vom anderen unterscheiden will, vor allem präklinisch. In den wenigsten Fällen kann nämlich während eines Anfalls ein EEG abgeleitet werden, und von dessen Ergebnis scheint es ja abzuhängen ob ein Krampfanfall "echt" oder "psychogen" ist.

    Auch sollen bei psychogenen Krampfanfällen keine retrograde Amnesie oder postiktalen Dämmerzustände auftreten. Kann man es daran festmachen? Werden die Patienten bei psychogenen Krampfanfällen schneller wieder wach und voll orientiert und können sich an alles erinnern? Und wie würde man einen vermeintlich psychogen bedingten Krampfanfall behandeln? Sind Benzodiazepine kontraindiziert? Wüsste andererseits vor allem präklinisch auch nicht was man da "psychologisch" therapieren oder sagen sollte. Und irgendwas muss ja gemacht werden.

    Eigentlich ging ich immer davon aus, dass Krampfanfälle in der Regel sekundär auf bestimmte organische Ursachen zurückzuführen sind - bis ich eben von "psychogenen" oder "dissoziativen" Anfallsmustern gehört habe. Spezifische Handlungsempfehlungen konnte ich dazu bislang jedenfalls noch nicht finden - außer kurze Sätze wie "Psychotherapie", was für das Handling aber natürlich erstmal wenig hilfreich ist. Vor allem präklinisch wenn eben kein Neurologe oder Psychiater zur Verfügung steht.

    Mich würde auch interessieren wie man diese Patienten zu "bewerten" oder einzuschätzen hat. Sind die bei Bewusstsein? Kriegen die das mit? Was geht in dem Moment in diesen vor, was "denken" die sich dabei? Wie nehmen die das wahr? Vergleichbar mit jemandem der einen "normalen" Krampfanfall hat?

    Habt ihr irgendwelche weiterführenden Informationen oder Handlungsempfehlungen dazu? Oder auch eigene Erfahrungen zu berichten?



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  2. #2
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    Guter Übersichtsartikel zum Thema:

    https://www.aerzteblatt.de/archiv/13...chotherapeuten

    Zu deiner eigentlichen Frage des präklinischen bzw. akuten Vorgehens:

    https://aepi.biomedcentral.com/artic...94-020-00016-y

    Aus meiner Sicht als Psychiatrie-Anfänger:

    Wenn jemand nicht intoxikiert/sediert ist, keine schwere Lungenfunktionsstörung hat, keine Schlafapnoe hat, keine Myasthenia gravis hat, kann man mit einem Benzo eigentlich nicht groß was falsch machen.

    Auch ein schnell durchgeführtes postiktales EEG kann informativ sein. Und wiederholte postiktale/interiktale EEGs erreichen eine ziemlich hohe Sensitivität. Wenn das EEG trotz Provokation wiederholt keine ETP zeigt, ist eine Epilepsie also zumindest wenig wahrscheinlich. Wenn es hingegen ETP zeigt, ist eine Epilepsie fast sicher (Spezifität sehr hoch).

    Bin schon gespannt, was die Experten dazu sagen
    Geändert von davo (03.01.2021 um 06:51 Uhr)



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  3. #3
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    Hab erlebt dass einmal diese Diagnose gestellt wurde ohne dass man überhaupt ein EEG gemacht hat, weil der Anfall zu schnell wieder vorbei war. Der Patient hatte aber eine retrograde Amnesie und einen postiktalen Dämmerzustand, zumindest hätte man als Nicht-Neurologie den Eindruck gehabt dass so was vorliegt, alles an dem schien irgendwie verlangsamt.

    Für mich hat es ja keine Relevanz, aber interessant wäre es schon zu wissen wie man in dem Fall dann auf so eine Diagnose kommt. Sieht das jemand der sich damit auskennt auf den ersten Blick?

    Und wäre es präklinisch wenn man aus irgendeinem Grund den Verdacht hat dass es "nur" psychogen ist vertretbar kein Benzodiazepin zu geben, auch auf das Risiko hin dass ein echter Krampfanfall nicht adäquat behandelt bliebe? Vor allem wenn jemand krampft ist die Applikation ja auch nicht trivial, weil dann ja nicht eben mal schnell ein Zugang etabliert werden kann.

    Rein aus Interesse würde ich auch gern wissen wie sich das für die Patienten anfühlt - wie eine Art Nervenzusammenbruch? Oder wie eine akute Psychose? Das Bewusstsein scheint ja nicht verloren zu gehen.



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  4. #4
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    All deine Fragen werden eigentlich in den von mir verlinkten Artikeln diskutiert. Hast du sie gelesen?



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  5. #5
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    Zitat Zitat von mbs Beitrag anzeigen

    Und wäre es präklinisch wenn man aus irgendeinem Grund den Verdacht hat dass es "nur" psychogen ist vertretbar kein Benzodiazepin zu geben, auch auf das Risiko hin dass ein echter Krampfanfall nicht adäquat behandelt bliebe? Vor allem wenn jemand krampft ist die Applikation ja auch nicht trivial, weil dann ja nicht eben mal schnell ein Zugang etabliert werden kann.
    Du musst keinen Zugang legen um jemandem ein Benzo zu verabreichen.



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