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Aktive Benutzer in diesem Thema

  1. #1
    Registrierter Benutzer
    Mitglied seit
    21.07.2021
    Beiträge
    1
    Hey Community,

    Ich bin 18, und träume eigentlich seit ich sehr klein war Medizin zu machen, der Klinikalltag und Medizin als Wissenschaft haben mich schon immer fasziniert - habe auch schon 3 bis 4 Praktika gemacht in versch. Abteilungen, die ich ziemlich interessant fand und mein Interesse bestätigt haben. Glücklicherweise habe ich ein 1,0 Abitur und ein TMS Ergebnis von 100, also sollte ich ohne Probleme an meiner Wunsch-Uni reinkommen

    Jedoch kamen mir in den letzten Wochen extreme Bedenken bezüglich den Arbeitszeiten als Arzt - mir ist Sport und eine gesunde Beziehung zu meiner (zukünftlichen) Lebenspartnerin sehr wichtig, und im Internet liest man sehr oft von gestressten Ärzten, die deutlich mehr als 40 Stunden pro Woche unbezahlt arbeiten und gefühlt kaum Freizeit haben (z.B. 7am- 6pm geschichten). Stimmen solche Zahlen wirklich, und gibt es in DE auch gute Möglichkeiten Teilzeit zu arbeiten? Wie sieht es nach der Facharztausbildung mit den Möglichkeiten aus, z.B. in den Niederlanden oder Skandinavien zu arbeiten, wo Work-/Lifeblanace deutlich besser sein soll? Ich habe einfach Angst dass mir das Studium und Fach richtig gefällt aber mich danach das Arbeitsleben so konsumiert dass ich es bereue und was anderes machen muss - und aus monetären Gründen lohnt sich das Medizinstudium in Deutschland nicht soo, ich fand die Tarifverträge ehrlich gesagt ernüchternd.

    - alternativen müsste ich mir überlegen weil ich immer von Med ausgegangen bin, da ich ansonsten an einer intl. Uni wahrscheinlich gehen würde und die Fristen für WiSe verpasst habe, würde entweder in die richtung Informatik z.B. ETHZ oder eine Mischung aus Business und Life Sciences.



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  2. #2
    Gold Mitglied
    Mitglied seit
    31.08.2018
    Beiträge
    343
    Hallo MedMango und Willkommen im Forum!

    Zu deinen Fragen: Die Arbeitszeiten in der Medizin sind tatsächlich *hust* oft nicht optimal. Es ist eben kein 9 to 5 Job. Zu der Regelarbeitszeit kommen noch die Nacht- und Wochenenddienste und Überstunden, die oft leider an der Tagesordnung sind hinzu.
    50 Stunden Wochen sind keine Seltenheit.
    Teilzeit ist natürlich auch in Deutschland möglich, jedoch verlängert sich dadurch deine Weiterbildungszeit bis zum Facharzt, sodass viele Assistenzärzte die ersten Jahre nicht in Teilzeit gehen. Außerdem müsstest Du sehr wahrscheinlich trotzdem noch nachts und am Wochende arbeiten, nur seltener. Davon bleibt leider keiner verschont.
    Natürlich kann man sich eine Arbeit im Ausland suchen, wo die Arbeitsbedingungen teilweise besser sind. Allerdings: gearbeitet wird auch dort. Und: man sollte die Schwierigkeiten, eine fremde Sprache zu lernen und sich in einer fremden Kultur einzuleben, nicht unterschätzen. Hier im Forum klingt es oft so, als wäre es kein Unterschied ob man in Hamburg arbeitet, wenn man aus München kommt, oder in Basel oder Kopenhagen...ist es aber. Wenn Du hier eine Freundin hast, dürfte sie auch nicht unbedingt begeistert sein, mit dir ins Ausland zu ziehen. Man sollte auch nicht vergessen, dass die Familie dann weit weg ist. Und gerade Corona hat gezeigt, dass Reisen auch mal schwierig sein kann.

    Also der Workload ist in der Medizin relativ hoch, die Arbeitsbedingungen sind als Assistenzarzt oft mäßig bis schlecht (nicht immer). Dessen sollte man sich vorher bewusst sein.
    Andererseits: Man muss das machen, was einen interessiert. Nichts ist schlimmer als 30-40 Jahre in einem Bereich zu arbeiten, der einen anödet, nur weil der Job (vermeintlich) sicher war bzw. die Arbeitsbedingungen gut.
    Die Arbeitsbedingungenn in den Life-Sciences sind übrigens auch nicht unbedingt paradiesisch. Die Arbeitszeiten mögen besser sein, ja, aber es gibt andere Nachteile: Die Bezahlung ist schlechter. Um eine Stelle zu finden, die einen interessiert, muss man viel mobiler sein, als als Arzt. Oft sind die Stellen befristet, die Arbeitssituation prekär. Ob Du später eine feste Stelle bekommst oder vielleicht Professor wirst, kann dir niemand sagen. Es ist in den Life Sciences schwer planbar.

    Wenn Du schon seit deiner Kindheit vom Medizinstudium träumst, wie Du schreibst, und wenn Du auch schon Praktika gemacht hast, dann würde ich dazu tendieren zu sagen: mach es. Alles kann man sowieso nicht planen und Du weißt nicht, was das Leben für dich in 6 Jahren bereithält.
    Also solltest Du meiner Meinung nach, was das Studium angeht, nach Interesse entscheiden.
    Aber es ist gut, dass Du dir vorher über die Arbeitsbedingungen Gedanken machst.

    CAVE: Es ist immer schwer, als Außenstehender bei soetwas einen Rat zu geben. Entscheiden musst Du letztlich selbst
    Wobei Du unbedingt auch mit deiner Familie und Freunden über das Thema reden soltest. Die kennen dich besser als wir.
    Geändert von Nefazodon (21.07.2021 um 15:50 Uhr)



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  3. #3
    Diamanten Mitglied Avatar von Heerestorte
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    Ist natürlich schwierig jetzt schon zu wissen, aber es gibt auch genug Fachrichtungen, in denen man ein entspannteres Leben hat und in die Niederlassung kann man auch i vielen Fächern, da hat man dann auch geregeltere Arbeitszeiten. Und zur Not kann man auch Dinge wie den MDK, öffentliches Gesundheitswesen auswählen etc.

    Gibt auch genug Abteilungen, in denen man regelmäßig pünktlich raus kommt. Nur allein deswegen würde ich den Traum, sofern es einer ist, nicht an den Nagel hängen. Und bis du fertig bist, ändert sich sicherlich auch noch ein wenig



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  4. #4
    Gold Mitglied
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    31.08.2018
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    Obwohl ich Heerestorte prinzipiell Recht gebe, muss ich aber doch noch erwähnen, dass die meisten Alternativen zur Klinik erst nach dem Facharzt möglich sind. D.h. 5-6 Jahre muss man schon als Assistenzarzt in einer Klinik arbeiten.
    Das sei nicht verschwiegen.

    Dennoch, wie schon gesagt, sollte dich das nicht von einem Lebenstraum abhalten.



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  5. #5
    Diamanten Mitglied
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    @TE, du hast gute Noten, scheinst ein abgeklärter Kopf zu sein. Du musst dir überlegen, was dir später wichtig ist. Geld? Freizeit? Abwechslungsreicher Beruf? Ich würde behaupten letzteres trifft auf Medizin zu. Freizeit eher nicht, Geld eigentlich auch nicht (du hast die Tarife gesehen, dazu kommt die liderlich bezahlte Mehrarbeit). Du wirst hier viele finden, die versuchen dir was anderes zu erzählen, aber es ist besser reinen Wein einzuschänken. Du bist jung und hast vermutlich das Potential einen Beruf zu erlernen, der mit mehr Geld und mehr Lebensqualität einhergeht. Familienkompatibel finde ich meinen Job eigentlich auch nicht. Außer ich würde reduzieren und in einen weniger interessanten Bereich wechseln. Das hieße dann wiederum noch weniger Geld. Vorteile sind, dass du deutschlandweit ziemlich easy Jobs findest und die Bezahlung ist geregelt. Ich finde meinen Job geil, mein Leben aber eigentlich nicht mehr. In meinem Privatleben muss ich zunehmend Kompromisse machen, die ich eigentlich so niemandem wünsche. Die Bezahlung spiegelt die Belastungen nicht wider. Hobbies wie normale Menschen haben, kannst du im Prinzip auch vergessen. Und das ist ein eher generelles Medizinerproblem und bestimmt kein individuelles. Ich will mein Studium und meine Fachkenntnisse in Medizin eigentlich nicht missen, aber ich glaube ich würde meinem 18 jährigen Ich nicht nochmal dazu raten.



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