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][truba][
06.07.2019, 13:10
Ich bin jetzt nach zwei Jahren von der Chirurgie in die Urologie gewechselt und bereits vor dem eigentlichen Gespräch / Hospitation hat mir der Chef am Telefon gesagt „Herr Truba, sie sind unser top kandidat“ und was habe ich gemacht? Mich höher einstufen lassen? Nein, ich hab ihm einfach nicht geglaubt weil Chefs das jedem assi erzählen. Das interessiert die doch einen dreck. Hätte ich mehr verlang wäre ich ganz schnell, ganz unten auf der Liste gewesen 🙂 wenn man was kann, kann man es mal probieren aber sonst ist man als assi bloß ne Arbeitskraft die beliebig ausgetauscht werden kann (ok, ich wohne in Berlin)

Silent1
06.07.2019, 14:23
so pauschal kann man das nicht sagen. es kommt auf die eigene Qualifikation sowie auf die stellensituation an.

WackenDoc
06.07.2019, 14:28
Du HAST keine eigene Qualifikation die dir Vorteile in der Gehaltsverhandlung bringt.
Stellensituation- das wurde ja schon thematisiert- wenn du in einem Massenfach in der hinterletzten Kleinstadt im tiefsten Sachsen was suchst- joa, dann hättest du etwas größeren Verhandlungsspielraum.

John Silver
06.07.2019, 16:41
so pauschal kann man das nicht sagen. es kommt auf die eigene Qualifikation sowie auf die stellensituation an.

Schon, aber. Aaaber: Du hast nichts davon, und vor allem überschätzt Du die Bedeutung eines Arztes in Weiterbildung im Rahmen einer Abteilung. Für Deine Vorgesetzten bist Du lediglich eine Arbeitskraft für Popelkram. Für die Klinikleitungen bist Du nur ein Kostenfaktor. Du kannst nichts; alle Deine Vorteile gegenüber einem Boris aus Bulgarien sind für die Verwaltung bedeutungslos, denn Boris‘ Defizite fängt halt die Abteilung auf, und zwar kostenlos. Bis Du mal etwas kannst, was sich in bare Münze umwandeln lässt, vergehen Jahre, und wo ist die Garantie, dass Du nicht vorher schon woanders bist? Investitionen in die Zukunft braucht man nur, wenn man absehbar sonst nichts bekommt; deshalb kriegen eben nur Fachärzte außertarifliche Angebote, denn das ist dann keine ungewisse Kiste.

Markian
06.07.2019, 17:15
Was wären denn Qualifikationen, die einen in eine bessere Verhandlungsposition brächten? (Um das Niveau der Diskussion wieder ein bisschen anzuheben :D )

Kackbratze
06.07.2019, 17:45
Facharzt, Zusatzqualifikationen wie ein PD/PhD, ausserklinische Weiterbildungen, Zweitstudienabschluss

Feuerblick
06.07.2019, 17:46
Zusatzbezeichnungen, Kenntnisse in speziellen und gesuchten Bereichen...

Muriel
06.07.2019, 18:09
Zu allererst vielleicht zumindest mal ein klitzekleines bisschen Berufserfahrung...

Cingulum123
06.07.2019, 18:10
Ich bin wirklich ein bisschen fassungslos über manche Einstellungen hier. In Zeiten wo zahlreiche Häuser mahnend Listen über den erhöhten Verbrauch von Kugeltupfern oder ähnlichem erstellen kann doch wirklich nur ein Anfänger ohne Einblick in den Alltag meinen, dass er im 1.WBJ sein Gehalt verhandeln kann.

Federgt
06.07.2019, 23:26
Ach Gott, ich habe bereits zwei Beispiele gebracht, wo Anfänger gleich mehr Geld bekommen haben. Und ich habe Argumente geliefert, die man durchaus ins Feld bringen kann.

Stattdessen wird das ignoriert, weil das nicht in die eigenen Erzählungen passt.

Ja, Silent wirkte etwas naiv bisher, aber was ihr macht ist echt unter aller Sau muss ich so festhalten. „Du kannst ja nicht mal deinen OP Kittel anziehen“ —> ist dass das Niveau hier, ja? Sachliche Kritik wie ich sehe.

@cingulum: Sind das die selben Häuser, die Stellen nicht besetzt bekommen, ja? Auch eine nicht besetzte Stelle kostet Geld. Habt ihr schonmal mit Headhunter gesprochen, wie viel diese für eine erfolgreich besetzte Assi bekommen? Ich habe es: 8000€, anteilig je nachdem ob dieser ein Jahr da bleibt.

Ich verstehe ja, dass ihr es nicht glauben wollt/ könnt, aber es wird Zeit, die Scheuklappen abzulegen. Es gibt nicht nur die Version, dass ich als Anfänger ach so dankbar sein muss, überhaupt ne Stelle zu haben. Wenn man euch so hört, könnte man denken, die Leute wären noch immer bereit, kostenlos zu Arbeiten für den FA wie zu AiP Zeiten. Die sind vorbei, es gibt heute einen Bewerbermarkt. Für jede Fachweiterbildung und je nach Lage sieht es anders aus, aber es haben sich einige Sachen gravierend verändert.

Silent hat gesagt, er bekam von einem anderen Haus 200 € mehr geboten. Wird hier so dargestellt, als ob es sowas garnicht gibt. Ich wüsste nicht, warum er das gelogen haben soll. Und seine Frage war, ob er beim anderen Haus das ansprechen kann. Kann er, es ist keine Majestätsbeleidigung.

Mann, manchmal habe ich den Eindruck, Ärzte sind die schlimmsten Feinde anderer Ärzte. Richtig enttäuschend.

Federgt
06.07.2019, 23:38
Falls jemand noch weitere Argumente als Anfänger braucht bei seinen Verhandlungen:

- (Sehr) gutes Examen
- Zusatzstudium/ Ausbildung/ Erfahrung im Nebenjob
- Sprachen bei Häuser mit vielen ausländischen Patienten
- Zusätzliche Kenntnisse: Coding (DRG), Prog-Sprache, QS, Strahlenschutz, etc.

Eher Uni:
- Anspruchsvolle Doktorarbeit/ hochrangige Publikationen/ besondere Techniken/ Arbeit auf dem gewünschten Facharztgebiet
- Signalisieren von unbedingter Bereitschaft zur weiteren Forschung
- Bereitschaft, sich Techniken anzueignen (ggf. im anderen Labor/ Auszeit nehmen)

Na klar können Anfänger noch nicht viel praktisch. Wie hat ein Professor an unserer Uni gesagt: Ich stelle nicht jemanden frisch ein, damit er bereits alles kann. Wir bringen es dem schon bei. Ich stelle denjenigen ein, wenn ich das Potential und den Willen sehe.

Und genau darum geht es. Und um etwas Glück und ein professionelles Auftreten.

Mano
07.07.2019, 00:59
Vielleicht können wir ja mal eine Umfrage starten, bei wie vielen Bewerbern auf eine 1. Stelle das mit dem außertariflichen Vetrag geklappt hat...
Ansonsten war es in den Häusern, an denen ich gearbeitet habe, nie ein Problem motivierte, deutschsprachige Assistenten direkt nach dem Studium zu bekommen. Schwierig war eher die Gewinnung von Alt-Assistenten und Fachärzten ohne Oberarztanspruch.

Feuerblick
07.07.2019, 06:11
@Federgt: Wir sagten es ja, dass es Ausnahmefälle mit Zusatzqualifikationen geben KANN. Aber nur Bereitschaft zur Forschung wird dir an der Uni kein Geld einbringen. Das setzen die in aller Regel voraus. Anspruchsvolle Doktorarbeit kann helfen... aber nur, wenn das wirklich ein Ding mit Potential für eine Forschungsgruppe ist.
Den Rest an Zusatzqualis (Sprache ist meist auch kein Argument) bringt ein Anfänger frisch von der Uni einfach nicht mit...

Milana
07.07.2019, 06:15
Als "gierig" oder "frech" wird Dich keiner hinstellen.
Wir haben letztes Jahr in akuter Unterbesetzung und mit 8+ Nächten im Monat mit 2.5 Stellen, die Dienste machen konnten (3-Schicht System) vom Chef gehört, wie dürften uns "was wünschen". Wir wollten uns kollektiv hochstufen lassen plus für jeden eingesprungenen Dienst Prämie (die Pflege bekommt aktuell pro eingesprungenen Dienst 100 Euro).
Was wir bekommen haben? Riesen Anschiss vom OA, wie man so unverschämt sein könnte, sowas zu fordern sonst nix. Aber immerhin hat die Klinik tausende von Euro in einen gut verhandelnden Honorararzt und 16k in einem Headhunter investiert ;-)

Philip_MHH
07.07.2019, 06:17
Na ihr habt ja lustige Oberärzte. Ich hätte mich in der Konsequenz dann mal Kollektiv krank gemeldet. Nur damit er mal sieht was die unverschämten Gehaltsempfänger sonst so leisten. Derartige kollegoide braucht echt keiner

Feuerblick
07.07.2019, 06:27
Ich wäre noch einen Schritt weitergegangen und hätte mir was anderes gesucht. Und hier reden wir NICHT von Anfängern...

Philip_MHH
07.07.2019, 07:01
Oder das ... wohl wahr

Silent1
07.07.2019, 12:08
und hier kommt auch schön diese Duckmäuser-mentalität rüber. übrigens: eben jene ist für die Ärzte Misere zum großen teil mitverantwortlich

WackenDoc
07.07.2019, 12:19
Sag einfach Bescheid, wenn du deinen Traumjob mit Zusatzgehalt hast.

Feuerblick
07.07.2019, 12:29
Ich find das immer toll, wenn einem Newbies die Welt erklären wollen :-))
Silent, ich wünsche dir wirklich viel Erfolg!