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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Warnstreik am 4. Februar



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tarumo
11.03.2020, 12:30
Bin seit kurzem MB Mitglied und seit einiger Zeit auch berufspolitisch engagiert. Wenn man versucht Kollegen für den Streik zu mobilisieren und in den chirurgischen Disziplinen nur Sorge um die eigene Weiterbildung und unterm Strich keine Teilnahme erntet. ����*♂️

Wenn die Unikliniken im Gegenzug für mangelndes berufspolitisches Engagement und fehlende Streikfreudigkeit ihrer Ärzte dann auch deutlich schlechtere Tarifverträge bekommen würden, wäre es ja ok. Und vermutlich wäre es dann recht schnell vorbei mit dem Nichtengagement, sobald es an den eigenen Geldbeutel geht.
Nur die (rein subjektiv) streikfreudigeren VKA-Ärzte bekommen pi mal Daumen den selben Tarifvertrag, ebenso via "angelehnte" Verträge dann auch Personal aus kirchlichen "Christlichen" Häusern, die zwar gerne streiken würden, aber nicht dürfen.

Insofern kann ich den Standpunkt, daß Streikmaßnahmen oder Engagement letztendlich kaum was bringen, schon nachvollziehen.


und ja ich kann die fehlende Begeisterung nachvollziehen wenn man Revolutionen erwartet und Babysteps bekommt.

Zwei Punkte dazu:
1) geht es nun ja schon ~15 Jahre mit den Babysteps. Irgendwann sollten sich dann vielleicht auch MESSBARE Erfolge einstellen. Zu messen z.B. mit weitgehendem Rückgang der Ärzte-Auswanderung.
2) Die "Revolution" wurde bzw. wird ja immer noch vom MB angekündigt (einfach die Mitteilungen auf der homepage lesen) und nicht von den Mitgliedern erwartet. Nach zig Jahren Berufserfahrung liegt, denke ich mal, die Erwartungsschwelle eh schon niedrig, und klar gibt es Entäuschung, wenn jedesmal nur Wischwaschiregelungen herauskommen, deren Einhaltung nicht kontrolliert und auch nicht sanktioniert wird.

Zumindest würde ich mir ein paar klärende Worte wünschen, z.B. daß mit den aktuellen Strukturen und Interessen im deutschen Gesundheitswesen derzeit keine anderen Abschlüsse zu erreichen sind.

Stattdessen stimmt der (bis Ende 2019) MB-Chef Henke im Bundestag FÜR ein Fachkräfte-Einwanderungsgesetz, in dem der Mindestverdienst für Ärzte gegenüber anderen Berufsgruppen , und auch gegenüber den aktuellen Tarifverträgen HERUNTERgesetzt wird und somit noch mehr Druck auf das Lohnniveau ausgeübt wird.


Waren alle Streiken die jetzt den Mund aufreissen?

Falls ich gemeint war- nein. Mangels Tätigkeit im MB-Einflußbereich. Und mangels Tätigkeit an einer Uniklinik. Und was mein MB-Engagement angeht, das habe ich schon vor geraumer Zeit eingestellt. Umgekehrt hatte ich schon im letzten Jahr der Weiterbildung keine MB-Vertrag mehr- und die Konditionen waren besser als zuvor. Kann man auch "abstimmen mit den Füßen" nennen.

Matzexc1
11.03.2020, 14:06
Bin seit kurzem MB Mitglied und seit einiger Zeit auch berufspolitisch engagiert. Wenn man versucht Kollegen für den Streik zu mobilisieren und in den chirurgischen Disziplinen nur Sorge um die eigene Weiterbildung und unterm Strich keine Teilnahme erntet. ����*♂️
Meckern und Kotzen sind ärztliche Paradedisziplin, aber die persönlichen Konsequenzen werden in Hinblick auf die eigene Karriere auch bei desolaten Personallagen nicht gezogen. Das ein Großteil der Arbeitszeitanwendung einfach Illegal ist scheint für viele ein reines Kavaliersdelikt zu sein. Auf dieser Basis ist es auch für einen MB schwierig hier wirklich harte Fortschritte in Verhandlungen zu erreichen. Insgesamt bringt der TVÖD-Uniklinik bzgl. der Arbeitsbedingungen die ersten Fortschritte, und ja ich kann die fehlende Begeisterung nachvollziehen wenn man Revolutionen erwartet und Babysteps bekommt. Aber Dienstplän für 6 Wochen vorab (sonst 10% Aufschlag, 10% Aufschlag für kurzfristig übernommene Dienste, 2 Wochenenden frei, maximal 4 Dienste (12h Dienst am WE zählen als 0,5) und die Sicherung der Tarifautonomie sind ein erster Aufschlag. In Zukunft muss es darum gehen die Bezahlung von Nachtarbeit zu pushen, jetzt gibt es immerhin zusätzlichen Urlaub.

Volle Zustimmung

Gendra
11.03.2020, 14:18
Also ich kann die ständige Kritik an dem "mirkigen Inflationsausgleich" nicht so ganz nachvollziehen.
Zumindest bei mir und meinen Kollegen die mit nach Hannover gefahren sind, war die Gehaltserhöhung einer der unwichtigsten Punkte bei den ganzen Verhandlungen. Selbst wenn eine Nullrunde rausgekommen wäre, wäre es kein Drama gewesen.

Viele relevanter und IHMO tatsächlich einer Revolution gleich kommend, finde ich den Punkt der manipulationsfreien Arbeitszeiterfassung. Wenn dieser tatsächlich so wie gefordert in der Praxis umgesetzt wird, sprich eine Stechuhr eingeführt wird, dann sind in der Realität Gehaltssteigerungen von 30% bis teilweise fast 100% drinnen (80+ Stunden-Woche) oder das ganze Kliniksystem muss massiv umgebaut werden und in machen Bereichen die Stellen fast verdoppelt werden.

freak1
11.03.2020, 14:31
Wird nicht kommen. Bei uns ist scheinbar die Rechtsauffassung das SP-Expert ausreichend ist und das ist eben keine Stechuhr. ;-)

Matzexc1
11.03.2020, 15:49
Wird nicht kommen. Bei uns ist scheinbar die Rechtsauffassung das SP-Expert ausreichend ist und das ist eben keine Stechuhr. ;-)

Im Bedarfsfall, mal eine anonyme Nachricht an das Gewerbeaufsichtsamt. Ein Besuch von denen soll etwa so schlimm wie die Steuerfahndung sein.:luigi:;-)

Dogs4Life
11.03.2020, 15:53
Hmm..wenn vor allem die ordnungsgemäßige Zeiterfassung das größte Problem darstellt, wieso ist man da nicht noch härter rangegangen und hat Formulieren wie "Arbeitszeiten der Ärztinnen und Ärzte sind vom 1. Juli 2020 an vollständig durch elektronische oder andere ebenso genaue Verfahren zu erfassen." zugelassen?
Und warum schafft es jedes mittelständische Unternehmen ein System aufzubauen, bei dem sich jeder Mitarbeiter direkt bei Dienstantritt mit seinem Ausweis einstempelt und ein viel größerer Arbeitgeber wie ein KH das nicht schafft?

Das soll jetzt nicht als irgendein Vorwurf ausgelegt werden, sondern interessiert mich wirklich. Das sind Grundarbeitsbedingungen, die mMn gar nicht verhandelt werden sollten.

Gendra
11.03.2020, 15:56
Der interessante Part ist dabei auch die Festlegung, dass Anwesenheit = Arbeitszeit sein soll.
Aktuell könnte eder von uns seine Überstunden aufschreiben, sie würden halt einfach nicht vom CA genehmigt werden. Mit der neuen Regelung ging das nicht mehr und selbst wenn sie dann im Zeiterfassungssystem unterschlagen werden, anhand der Login-Zeiten oder unserere elektronischen Dokumentation (mit Zeitstempel) dürfte es einfach sein entsprechende Verstöße nachzuweisen.


Im Bedarfsfall, mal eine anonyme Nachricht an das Gewerbeaufsichtsamt. Ein Besuch von denen soll etwa so schlimm wie die Steuerfahndung sein.:luigi:;-)
Man darf hierbei nicht auch vergessen, dass unterschlagene Überstunden nicht nur ein Einkommensverlust für uns sinnd, sondern automatisch auch ein Sozialversicherungsbetrug des Arbeitgebers darstellen. Auch dort dürften die Prüfer sehr schnell hellhörig werden.

tragezwerg
11.03.2020, 16:01
"Überstunden genehmigen" ist auch etwas, das juristisch gar nicht existiert. Es lassen nur alle mit sich machen. Hoffentlich hilft da der neue Tarifvertrag, bessere Strukturen zu schaffen.
In unserer Abteilung schreibt jeder Mitarbeiter selbst seine Stunden auf, da muss nix gegengeprüft oder "genehmigt" werden. Wäre es anders, würde ich da nicht mehr arbeiten.

Gendra
11.03.2020, 16:01
Hmm..wenn vor allem die ordnungsgemäßige Zeiterfassung das größte Problem darstellt, wieso ist man da nicht noch härter rangegangen und hat Formulieren wie "Arbeitszeiten der Ärztinnen und Ärzte sind vom 1. Juli 2020 an vollständig durch elektronische oder andere ebenso genaue Verfahren zu erfassen." zugelassen?
Und warum schafft es jedes mittelständische Unternehmen ein System aufzubauen, bei dem sich jeder Mitarbeiter direkt bei Dienstantritt mit seinem Ausweis einstempelt und ein viel größerer Arbeitgeber wie ein KH das nicht schafft?

Das soll jetzt nicht als irgendein Vorwurf ausgelegt werden, sondern interessiert mich wirklich. Das sind Grundarbeitsbedingungen, die mMn gar nicht verhandelt werden sollten.

Was heißt denn, dass ein KH das nicht schafft?
Bei uns existieren z.b. überall Terminals zum Ein- und Ausstemplen mittels Mitarbeiterausweis. Genutzt werden die z.B. von allen Verwaltungsangestellten sowie von vielen mit Hilftätigkeiten (Reinungs-, Versorgungs- und Transportpersonal).
Ich tippe mal, dass alle stempeln müssen bei denen die Chefetage vermutet, sie könnten sonst weniger Arbeiten.
Ausgenommen sind davon natürlich alle, bei denen klar ist, dass diese eher Plusstunden machen würden (Ärzte, Pflege etc.).
Das hat also nicht mit "nicht schaffen" sondern aktiv mit "nicht wollen" zu tun.

Salatsultan
11.03.2020, 21:10
Wir dokumentieren in SP-Expert und ich schreib meine Arbeitszeit so auf wie sie ist, inkl. Begründung für Überstunden. In anderen Abteilungen wird die Arbeitszeit nur soweit dokumentiert wie es keine Verstöße gegen das Arbeitszeitgesetz produziert und weil man sonst eine Verschlechterung der Weiterbildung befürchtet. Da schneidet man sich ins eigene Fleisch, wenn sich da alle miteinander in der Abteilung solidarisieren wäre es damit nach einem Monat vorbei aber dafür sind wir alle zu egoistisch. Hilfreich wäre natürlich auch wenn es eine deutlichere Verpflichtung zur Weiterbildung und auch entsprechend OP-Einsätzen gebe - dann wäre diese alte Laier in der Chirugie vorbei.

tarumo
12.03.2020, 08:41
Im Bedarfsfall, mal eine anonyme Nachricht an das Gewerbeaufsichtsamt. Ein Besuch von denen soll etwa so schlimm wie die Steuerfahndung sein.:luigi:;-)

Es hat mal ein Klinikdirektor mir gegenüber geäußert, daß die Strafzahlungen quasi schon eingepreist sind. Die sind moderat, nicht vom GF persönlich zu bezahlen und in jedem Fall billiger als zusätzliches Personal (selbst wenn man welches bekommen würde).

Dabei wäre es so einfach: die paar Millionen elektronische Überwachungskarten für Kraftfahrer in abgewandelter Form auch an die 100 000 Krankenhausärzte ausgeben. Die können fein säuberlich zwischen Arbeitszeit, Anwesenheit ohne Arbeit und Abwesenheit differenzieren.

Natürlich lassen sich diese auch mit PC und Kartenleser manipulieren. Der entscheidende Unterschied liegt darin, daß wir dann eine "Manipulation technischer Aufzeichung" haben und sofort der Staatsanwalt tätig wird. Bei wissentlichen (und unwissentlichen!) Falscheingaben bzgl. nachträglicher Veränderung muß die Strafe vom jeweiligen Täter persönlich bezahlt werden, was hinreichend abschrecken dürfte, zumal in die Geldstrafen auch die hinterzogenen Lohn- und Sozialkosten quasi als Gewinnabschöpfung eingepreist werden. Ist, wie gesagt, im Kraftfahrwesen so geregelt. Mit dem AZG gäbe es auch einen rechtlichen Rahmen für Mediziner....

Matzexc1
12.03.2020, 10:55
Ich weiss ja nicht ob ich dem Klinikdirektor da vertrauen würde.

tarumo
12.03.2020, 11:03
Ich weiss ja nicht ob ich dem Klinikdirektor da vertrauen würde.

Soll das ironisch gemeint sein?
Genau, von Führungskraft zu externer Führungskraft zugeben, bewußt gegen Regelungen zu verstoßen und Strafe zahlen zu müssen, ist ja gar nicht peinlich. In Wirklichkeit läuft es natürlich vorbildlich korrrrrekt und man tätigt diese Äußerungen nur, damit der Gesprächspartner 5 Jahre später irreführende Aussagen in einem Internetforum tätigt.
Ich würde eher Leuten nicht vertrauen, die behaupten, das AZG jederzeit einzuhalten.

FirebirdUSA
12.03.2020, 15:10
Also die Abteilungsleiter die ich kenne, die so eine Strafe persönlich zahlen mussten sind davon sicher nicht arm geworden aber sie waren danach persönlich sehr dahinter eine erneute Strafzahlung zu vermeiden.
Dem Klinikdirektor kann es genauso wie GF egal sein, die Strafe zahlt der für die Planung verantwortliche ÄD.

tarumo
12.03.2020, 15:23
Ich habe mich unpräzise ausgedrückt- es ging um den eigentlichen Krankenhauschef. Kaufmann. Kein Arzt. Also die maßgebliche Instanz für die Personalplanung (es gibt ja nicht nur Ärzte, auch die Pflege, und auch in der "Etappe" kann man gegen das AZG verstoßen). Ich glaube auch nicht, daß Geldbußen wg. "simplen" Dingen wie Überschreitung der tgl. Höchstarbeitszeit, keine Gewährung von Pausen, etc... gleich an die CA abgedrückt werden- sonst gäbe es ja irgendwann keinen mehr, der den Job machen will.

Feuerblick
12.03.2020, 17:37
Nun... ich kenne auch einen CA, an den die Zahlungsaufforderung DIREKT ging und der nach Zahlung nicht mehr der Meinung war, dass Überstunden in seiner Abteilung wichtig und notwendig sind. Soviel zum Thema...

FirebirdUSA
12.03.2020, 18:22
Ich habe mich unpräzise ausgedrückt- es ging um den eigentlichen Krankenhauschef. Kaufmann. Kein Arzt. Also die maßgebliche Instanz für die Personalplanung (es gibt ja nicht nur Ärzte, auch die Pflege, und auch in der "Etappe" kann man gegen das AZG verstoßen). Ich glaube auch nicht, daß Geldbußen wg. "simplen" Dingen wie Überschreitung der tgl. Höchstarbeitszeit, keine Gewährung von Pausen, etc... gleich an die CA abgedrückt werden- sonst gäbe es ja irgendwann keinen mehr, der den Job machen will.
Doch der Gebührenbescheid geht an den direkt Personalverantwortlichen und das ist für die tatsächlichen Einsätze in seiner Abteilung der CA... der Personalchef entscheidet vielleicht über neue Stellen. Aber nicht wer für welche OP o.ä. eingesetzt wird.

Matzexc1
12.03.2020, 18:47
Soll das ironisch gemeint sein?
Genau, von Führungskraft zu externer Führungskraft zugeben, bewußt gegen Regelungen zu verstoßen und Strafe zahlen zu müssen, ist ja gar nicht peinlich. In Wirklichkeit läuft es natürlich vorbildlich korrrrrekt und man tätigt diese Äußerungen nur, damit der Gesprächspartner 5 Jahre später irreführende Aussagen in einem Internetforum tätigt.
Ich würde eher Leuten nicht vertrauen, die behaupten, das AZG jederzeit einzuhalten.

Woher soll ich bitteschön wissen mit wem du dich zum Kaffee triffst und was du für einen Job hast? Das war weder eine persönliche Attacke oder Abwertung.

nie
12.03.2020, 19:16
Wir haben seit knapp 6 Wochen elektronische Zeiterfassung und da ist natürlich direkt mal aufgefallen, dass kaum Pausen gemacht werden. Seitdem ist der Chef extrem hinterher, dass wir unsere Pausenzeiten einhalten weil es sonst teuer für ihn wird. Eine nicht gemacht Pause muss man sehr gut begründen können.
Ebenso wie Überstunden. Unser Dienst hat von 16 bis 22 Uhr Vollarbeitszeit und alles, was nicht Reamination o.ä. ist, muss laut Chef an den Dienst übergeben werden oder kann bis zum nächsten Tag liegen. Manchmal schleicht er auch nach Feierabend noch in den Abteilungen rum und guckt ob man noch da ist und wenn er jemanden antrifft, will er auch wissen warum man noch da ist. Das hat er allerdings auch schon vorher gemacht.

JumpRopeQueen
12.03.2020, 19:21
Wir haben seit knapp 6 Wochen elektronische Zeiterfassung und da ist natürlich direkt mal aufgefallen, dass kaum Pausen gemacht werden. Seitdem ist der Chef extrem hinterher, dass wir unsere Pausenzeiten einhalten weil es sonst teuer für ihn wird. Eine nicht gemacht Pause muss man sehr gut begründen können.
Ebenso wie Überstunden. Unser Dienst hat von 16 bis 22 Uhr Vollarbeitszeit und alles, was nicht Reamination o.ä. ist, muss laut Chef an den Dienst übergeben werden oder kann bis zum nächsten Tag liegen. Manchmal schleicht er auch nach Feierabend noch in den Abteilungen rum und guckt ob man noch da ist und wenn er jemanden antrifft, will er auch wissen warum man noch da ist. Das hat er allerdings auch schon vorher gemacht.

Klingt nach einer Traumabteilung!