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Merke gerade wieder wie erleichternd es ist wenn man nicht alle Verbände und Blutabnahmen selbst machen muss. An sich muss man für so was ja nicht Medizin studiert haben; jeder Idiot kann ein Pflaster neu kleben. Klar wird man für stupide Tätigkeiten auf den ersten Blick dann gut bezahlt, allerdings auch nur wenn sich dadurch keine unbezahlten Überstunden ergeben.
Das sind in 99% aller Länder auch pflegerische Aufgaben, dafür braucht es nun wirklich keinen PA
Das sind in 99% aller Länder auch pflegerische Aufgaben, dafür braucht es nun wirklich keinen PA
In DE ist es jedoch nicht so, worüber sich 99% der anderen Länder wundern. Diese Diskussion hatten wir hier bereits mehrfach.
Gerade im Dienst oder auch mitten im Patienten-Angehörigengespräch wäre es praktisch, wenn die Pflege sowas übernehmen würde. Macht/möchte sie aber nicht. Wie nun die Berufsbezeichnung für die Mithilfe (Physcian Assistent oder Phlebotomist), wäre mir egal.
GelbeKlamotten
27.03.2021, 11:38
Großkotzige Überheblichkeit im Vergleich zum US-amerikanischen Gesundheitssystem (siehe Corona-Thread) ist auf jeden Fall nicht angebracht- der typische US-Amerikaner weiß, daß er den Arztbesuch sowieso cash bezahlen muß- und da vorher keine Zwangsabgaben fällig waren, hat er , sofern nicht arbeitslos, auch genug Geld dafür oder für eine private Versicherung übrig.
In´schland heißt es blechen- und dann gibt es trotzdem keine Termine...genau mein Humor. Und daß die GKV 10 von 12 Monatsbeiträgen schon vor dem ersten Arztkontakt verbraucht hat, kommt noch dazu.
Und hat man dann einen der raren Termine ergattert, ist in der konservativen GKV- Opthalmologie nach meiner Einschätzung das Niveau eher an Venezuela als an den USA orientiert.
Naja, „Zwangsabgaben“, „sowieso genug Geld“... da stimme ich so pauschal nicht zu.
Es sollte schon zumindest jedem möglich sein, unabhängig von (unverschuldeten) Vorerkrankungen, eine ausreichende Krankenversicherung zu bekommen.
Klar, den Vorsorgetermin können die meisten Berufstätigen aus eigener Tasche zahlen. Und wenn dann bei der Vorsorge was ernsthaftes auffällt? Kann man dann mit den gesparten „Zwangsabgaben“ auch alle weiteren Behandlungen bezahlen? In vielen Fällen nicht.
Ich weiß nicht genau wie das mit den privaten Krankenversicherungen in den USA läuft. Ich glaube in einem Angestelltenverhältnis kommt man da normalerweise ohne große weitere Überprüfungen rein? Dann geht das vielleicht.
Mit unserem aktuellen System geht es nicht. Solange die privaten (Zusatz)versicherungen jeden ablehnen dürfen, der einen Pickel zu viel in seiner Krankenvorgeschichte hat, brauchen wir die GKV.
Es gibt zwar viel an der GKV zu kritisieren, aber letztlich bekommt man hierüber im Zweifelsfall meistens schon die notwendigen behandlungen. Eine Verkäuferin kann sich nämlich auch ohne Zwangsabgaben keine Traverso-OP oder CPI Behandlung aus eigener Tasche leisten.
Und auch bei einem ungünstig verlaufenden Morbus Crohn wirds schon ganz schön teuer. Selbst wenn man es selbst bezahlen kann, finde ich nicht, dass es fair ist, wenn eine chronische Erkrankung für Leute, die keine Chance auf eine Versicherung hatten/haben, bedeutet dass ihre hart verdienten Ersparnisse uU komplett dafür draufgehen.
Wenn man nun aber jedem unabhängig vom Gesundheitszustand den freiwilligen eintritt erlaubt, dann ist umgekehrt das Problem, dass sich die Leute erst dann versichern, wenn sie eine teure Erkrankung haben. Dann werden die Beiträge unbezahlbar.
An einer Pflichtversicherung führt somit kein Weg vorbei, wenn man nicht Menschen mit schweren Erkrankungen zusätzlich noch finanziell ausbluten lassen möchte.
Mir scheint da schwingt vielleicht etwas Überheblichkeit mit, weil du selbst bislang immer weitestgehend gesund warst?
Ich persönlich fände allenfalls Ausschlüsse für ganz offensichtlich selbstverschuldete Erkrankungen sinnvoll, z.B. nach japanischem Vorbild:
[japanese] NHI cannot be used in the following cases:
- Failure to follow doctor's instructions regarding treatment.
- Intentionally inflicted injury or illness resulting from a crime or suicide attempt.
- Injury or illness resulting from a fight or drunkenness.
- Treatment unrelated to illness (health examinations, preventative injections, cosmetic surgery, orthodontic work, normal child delivery/abortion for economic reasons, etc.).
- Private or semi-private room charges during your hospitalization.
- Injury during work (either covered by worker's compensation or the employer).
- When a patient themselves desired to receive treatment without using the insurance.
- Combination of insured and uninsured treatment or totally uninsured treatment in dental treatment using special materials.
- During hospitalization, members must bear a portion of the meal expense.
Naja, „Zwangsabgaben“, „sowieso genug Geld“... da stimme ich so pauschal nicht zu.
Es sollte schon zumindest jedem möglich sein, unabhängig von (unverschuldeten) Vorerkrankungen, eine ausreichende Krankenversicherung zu bekommen.
Vielen Dank für den Beitrag, das sehe ich ähnlich. Allerdings ist Tarumo nicht mehr so aktiv hier.
Das US-amerikanische System hat vor allem Vorteile für geschäftstüchtige Ärzte. Der Verdienst ist einfach besser...so mancher wünscht sich sowas auch für hier. Patienten erhalten eine mittelmäßige Medizin für einen hohen Preis. Besonders sozial ist das US amerikanische System bekanntermaßen nicht.
Der GKV Beitrag ist für Gutverdiener ohne Kinder bzw. =<2 Kinder leider etwas hoch. Da ist einfach noch sehr viel Geld im System, auch für Non-Sense (z.B. Homöopathie). Spahn meinte doch die paar Mio. machens nicht aus und es lohnt nicht darum zu streiten wegen dem bisschen Geld.
https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/106083/Spahn-will-Homoeopathie-auf-Kassenkosten-nicht-antasten
Sehr motivierend!
Sinnvoller wäre eine Basicversicherung und wer Zusatzleistungen will, wie Ein-Bett; Wahlarzt, schönes Essen, schnellen Termin bei bekannten Rückschmerzen 2/10 Pkt seit 8 Jahren, Homöopathie der zahlt etwas mehr.
GelbeKlamotten
27.03.2021, 14:00
.
Da ist einfach noch sehr viel Geld im System, auch für Non-Sense (z.B. Homöopathie). Spahn meinte doch die paar Mio. machens nicht aus und es lohnt nicht darum zu streiten wegen dem bisschen Geld.
https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/106083/Spahn-will-Homoeopathie-auf-Kassenkosten-nicht-antasten
Sehr motivierend!
Da muss ich Herrn Spahn recht geben: wenn es wirklich nur um 20 mio im Jahr geht, dann ist zum einen die Relevanz relativ gering und zum anderen bin ich mir gar nicht so sicher, ob dadurch dann überhaupt unterm Strich Mehrausgaben entstehen.
Plazebos sind an sich, wenn sie richtig eingesetzt werden, eine kostengünstige, effektive und nebenwirkungsarme Sache. Und wenn man homöopathische Arzneimittel dann auch noch vom Arzt auf Rezept bekommt, steigert das die Wirksamkeit direkt noch mal. Es braucht nur einen kleinen Teil an Patienten, der durch Homöopathie von unnötigen schulmedizinischen Behandlungen abgehalten wird, dann sind die 20 Mio wieder kompensiert.
Am Ende entstehen halt dann doch weniger Niereninsuffizienzen und Ulcera, wenn man die chronischen moderaten Rückenschmerzen homöopathisch behandelt statt mit NSAR. Und wenn der Patient darauf anspringt: wieso nicht?
Sinnvoller wäre eine Basicversicherung und wer Zusatzleistungen will, wie Ein-Bett; Wahlarzt, schönes Essen, schnellen Termin bei bekannten Rückschmerzen 2/10 Pkt seit 8 Jahren, Homöopathie der zahlt etwas mehr.
Genau das bildet doch (abgesehen von der Homöopathie) unser aktuelles System mit GKV, PKV und privaten Zusatzversicherungen ab. Dann bliebe eigentlich nur noch zu diskuteren, ob und wie man die privaten Versicherungen evtl. breiter zugänglich machen sollte.
Wäre dein Vorschlag, die GKV-Leistungen weiter zu kürzen und dafür die Beiträge zu senken? Das fände ich okay. Wie gesagt unter der Voraussetzung, dass private (Zusatz)Versicherungen unabhängig(er) von Vorerkrankungen zugänglich sind.
Thomas24
27.03.2021, 14:39
Vielen Dank für den Beitrag, das sehe ich ähnlich. Allerdings ist Tarumo nicht mehr so aktiv hier.
Das US-amerikanische System hat vor allem Vorteile für geschäftstüchtige Ärzte. Der Verdienst ist einfach besser...so mancher wünscht sich sowas auch für hier.
Ist leider nur so halb richtig, weil zu unterkomplex gedacht. Der wirkliche Zusammenhang besteht nicht zwischen "geschäftstüchtigen Ärzten" und armen, abgezockten Patienten, sondern zwischen der zur Verfügung stehenden Geldmenge und den Preisen für nicht unbegrenzt zur Verfügung stehenden Dienstleistungen. Mal ganz einfach dargestellt: Die US Fed schafft neues Fiat Geld, das Geld geht über Asset Swaps in den Banksektor, in der Hoffnung, dass das neu geschaffene Geld verliehen wird. Der durchschnittliche Amerikaner wiederum leiht sich von seiner Bank Geld für Dinge wie Waren, Assets oder Dienstleistungen, die er oder Sie nicht direkt mit Cash kaufen (kann/will). Wenn mehr Geld um eine begrenzte Menge Waren und Dienstleistungen konkurriert, dann setzt Inflation ein.
Die Preisinflation bei hochpreisigen Dienstleistungen und Waren war in den letzten Jahren in den Bereichen College Tuition, Housing und Health Care enorm. Man leiht sich Geld für "Education", dann steigen die Kosten für College Tuition an (- siehe Tuition bubble und College Debt, mittlerweile über 1 Billionen US Dollar...). Man leiht sich Geld für Immobilien = Immobilien Bubble, Man leiht sich Geld für Konsum = Credit Debt Bubble. Und für den Bereich Health Care gibt es diesen Effekt eben auch. Mehr "neu geschaffenes" Geld trifft auf eine begrenzte Anzahl von Health Care Providern = Health Care Bubble.
Das verrückte ist, je mehr Menschen für "free Stuff" und staatliche Interventionen (sprich Bail Outs für College Debts, mehr "free" Obama Care usw.) wählen, desto mehr erreichen Sie das exakte Gegenteil des von Ihnen erwünschten Effekts. Wer damals in Berlin für einen Mietendeckel demonstriert hat, musste entweder sehr zynisch sein und arme Menschen sehr hassen, oder grundlegenede Zusammenhänge nicht verstehen:-nix.
Patienten erhalten eine mittelmäßige Medizin für einen hohen Preis. Besonders sozial ist das US amerikanische System bekanntermaßen nicht.
Wieder zu pauschal. Es gibt ja nicht "die amerikanische" Medizin. Behandlung auf VA Standard, Medicare, Medicaid etc. einerseits, absolute Weltspitzenklasse Institutionen andererseits, und vieles dazwischen.
Der GKV Beitrag ist für Gutverdiener ohne Kinder bzw. =<2 Kinder leider etwas hoch. Da ist einfach noch sehr viel Geld im System, auch für Non-Sense (z.B. Homöopathie). Spahn meinte doch die paar Mio. machens nicht aus und es lohnt nicht darum zu streiten wegen dem bisschen Geld.
https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/106083/Spahn-will-Homoeopathie-auf-Kassenkosten-nicht-antasten
Sehr motivierend!
Und die Kosten werden weiter steigen, weil die Demographie unserer überalternden Bevölkerung nicht besser wird, das Verhältnis der Einzahler zu Leistungsbezieher ebenfalls nicht besser wird, unsere Volkswirtschaft keine hohen Produktivitätsgewinne über mehr Innovation und High Tech Branchen erwarten lässt, gleichzeitig auf der Kostenseite die technologischen Möglichkeiten im Bereich der Medizin weiter zunehmen werden. Das kann aber kein Politiker, der auf seine Wiederwahl wert legt, offen kommunizieren. Konsequenz: wird also mehr Rationierung durch die Hintertür geben müssen (weitere Abwertung des EBM, weiteres Einfrieren der GoÄ auf dem Stand von 1986 usw.).
Thomas24
27.03.2021, 14:46
Genau das bildet doch (abgesehen von der Homöopathie) unser aktuelles System mit GKV, PKV und privaten Zusatzversicherungen ab. Dann bliebe eigentlich nur noch zu diskuteren, ob und wie man die privaten Versicherungen evtl. breiter zugänglich machen sollte.
Wäre dein Vorschlag, die GKV-Leistungen weiter zu kürzen und dafür die Beiträge zu senken? Das fände ich okay. Wie gesagt unter der Voraussetzung, dass private (Zusatz)Versicherungen unabhängig(er) von Vorerkrankungen zugänglich sind.
Und das sehr gut bezahlte Spielfeld für verdiente Partei- und Funktionärsgenossen aus dem gesamten politischen Farbenspektrum, die sich nach ihrer politischen Tätigkeit mal in einer Kasse austoben können bevor Sie in den Ruhestand gehen, ausdünnen (Aktion Abendsonne)? No Way :-D
GelbeKlamotten
27.03.2021, 15:45
Das verrückte ist, je mehr Menschen für "free Stuff" und staatliche Interventionen (sprich Bail Outs für College Debts, mehr "free" Obama Care usw.) wählen, desto mehr erreichen Sie das exakte Gegenteil des von Ihnen erwünschten Effekts. Wer damals in Berlin für einen Mietendeckel demonstriert hat, musste entweder sehr zynisch sein und arme Menschen sehr hassen, oder grundlegenede Zusammenhänge nicht verstehen:-nix.
Bis zu diesem Absatz stimme ich zu. Und da bei uns Dinge, bei denen eine Knappheit herrscht oder entstehen kann, kaum für die Berechnung der offiziellen Inflationsrate herangezogen werden, wird die aktuelle und künftige tatsächliche Inflation vom Volk weiterhin großteils nicht bewusst wahrgenommen werden.
Bei Lebensmitteln aus Massenproduktion und Mittelklasse TV Geräten wird absehbar in den Industrieländern keine Knappheit aufkommen, daher wird dort die Inflation als letztes ankommen, was natürlich wiederum auch positive Aspekte hat. Andererseits sorgt es halt auch dafür, dass - unter zusätzlichem Einfluss von Politikern wie Hr. Scholz - die Schere zwischen „Arm und Reich“ bzw. zwischen denen mit zumindest grundlegender finanzieller Bildung und denen ohne sich weiter öffnen wird.
Wie du daraus jetzt aber ableitest, dass staatliche Interventionen zB hinsichtlich Mieten das Gegenteil ihrer eigentlichen Intention bewirken, habe ich ehrlich gesagt nicht ganz verstanden. Vielleicht kannst du das mal noch etwas detaillierter ausführen?
Der GKV Beitrag ist für Gutverdiener ohne Kinder bzw. =<2 Kinder leider etwas hoch
Das ist das Prinzip der Solidarität eines Sozialstaats.
Auch wenn der Beitrag "hoch" ist, der Gutverdiener kann es sich, wenn man mal ehrlich ist, gut leisten. Und damit werden von der GKV eben auch Leistungen für chronisch Kranke oder z.B. Sozialhilfeempfänger die keinen eigenen Beitrag leisten bezahlt.
Ist wie bei Steuern: der Gutverdiener zahlt ach so viele Steuern, der Sozialhilfeempfänger nicht.
Ist leider nur so halb richtig, weil zu unterkomplex gedacht. Der wirkliche Zusammenhang besteht nicht zwischen "geschäftstüchtigen Ärzten" und armen, abgezockten Patienten, (...) trifft auf eine begrenzte Anzahl von Health Care Providern = Health Care Bubble.
a) Würde man die Einwanderung und Anerkennung einfach machen, wäre das anders. Die Knappheit ist gewollt. Es gibt sogar Überlegungen mancher US amerikanischer Fachgesellschaften in ihren Fächern die Ausbildung zurückzufahren aus Angst vor einer Überversorgung/zu viel Personal.
b) Würde die Preise für Gesundheitsdiensleistungen staatlich (fair) reguliert, würden die Gesundheitsdienstleister trotzdem weiter machen. Oder glaubst du die wandern alle nach Canada aus? Und selbst wenn..nimmt man eben Nachschub aus Mexiko. Das wird natürlich nicht passieren. Dafür ist die Lobby dort zu stark.
c) Ja die US Amerikaner gehen aus ihrem Studium mit einem Berg schulden raus, aber kann das wirklich die Preise für Gesundheitsdienstleistungen allein rechtfertigen? Ist es sinnvoll so hohe Gebühren für ein Studium zu erheben? Kann man lange drüber diskutieren
Das verrückte ist, je mehr Menschen für "free Stuff" und staatliche Interventionen (sprich Bail Outs für College Debts, mehr "free" Obama Care usw.) wählen, desto mehr erreichen Sie das exakte Gegenteil des von Ihnen erwünschten Effekts. Wer damals in Berlin für einen Mietendeckel demonstriert hat, musste entweder sehr zynisch sein und arme Menschen sehr hassen, oder grundlegenede Zusammenhänge nicht verstehen:-nix.
Das ist verstehe ich nicht.
Insgesamt ist das auch Jammern auf hohem Niveau. In Marzahn gibts bestimmt nur Wohnung zu nem fairen Preis, ist dann nicht das beste Viertel, aber dafür ein fairer Preis.
Das ist das Prinzip der Solidarität eines Sozialstaats.
Auch wenn der Beitrag "hoch" ist, der Gutverdiener kann es sich, wenn man mal ehrlich ist, gut leisten. Und damit werden von der GKV eben auch Leistungen für chronisch Kranke oder z.B. Sozialhilfeempfänger die keinen eigenen Beitrag leisten bezahlt.
Ist wie bei Steuern: der Gutverdiener zahlt ach so viele Steuern, der Sozialhilfeempfänger nicht.
Das darfst du hier nicht zu laut sagen, hier sind die PKV Fans.
wenn es wirklich nur um 20 mio im Jahr geht, dann ist zum einen die Relevanz relativ gering und zum anderen bin ich mir gar nicht so sicher, ob dadurch dann überhaupt unterm Strich Mehrausgaben entstehen.
Genau das bildet doch (abgesehen von der Homöopathie) unser aktuelles System mit GKV, PKV und privaten Zusatzversicherungen ab. Dann bliebe eigentlich nur noch zu diskuteren, ob und wie man die privaten Versicherungen evtl. breiter zugänglich machen sollte.
Wäre dein Vorschlag, die GKV-Leistungen weiter zu kürzen und dafür die Beiträge zu senken? Das fände ich okay. Wie gesagt unter der Voraussetzung, dass private (Zusatz)Versicherungen unabhängig(er) von Vorerkrankungen zugänglich sind.
Naja man muss nicht zwischen NSAR / Homööopathie wählen. Gibt ja auch wirksame pflanzliche Mittel oder Novalgin.
Ich hätte gern eine Einheits-Basisversicherung für weniger Geld für alle. Und wer mehr möchte, soll Zusatzvericherungen buchen für Einbett, Wahlarzt, Essen usw. Kein GKV/PKV mehr bitte.
Wieder zu pauschal. Es gibt ja nicht "die amerikanische" Medizin. Behandlung auf VA Standard, Medicare, Medicaid etc. einerseits, absolute Weltspitzenklasse Institutionen andererseits, und vieles dazwischen.
Um es kurz zu machen: Lebenserwartung der US-Bevölkerung sowie Qualität der Behandlungen stehen in einem ungünstigen Verhältnis zum Preis. Denk mal an eine US amerikanische KH-Rechnung und Vergleich sie mit den gleichen Leistungen in DE/FR. Da gibt es wirkluch viel zu lesen drüber.
Und die Kosten werden weiter steigen, weil die Demographie unserer überalternden Bevölkerung nicht besser wird, das Verhältnis der Einzahler zu Leistungsbezieher ebenfalls nicht besser wird, unsere Volkswirtschaft keine hohen Produktivitätsgewinne über mehr Innovation und High Tech Branchen erwarten lässt, gleichzeitig auf der Kostenseite die technologischen Möglichkeiten im Bereich der Medizin weiter zunehmen werden. Das kann aber kein Politiker, der auf seine Wiederwahl wert legt, offen kommunizieren. Konsequenz: wird also mehr Rationierung durch die Hintertür geben müssen (weitere Abwertung des EBM, weiteres Einfrieren der GoÄ auf dem Stand von 1986 usw.).
Ja klar, eine Basisversicherung muss her, die sich weiter jeder leisten kann und für High-Tech (die noch kein Goldstandard ist), Ein-Bett Zimmer, gutes Essen, ggfs. mehr Pflege, Wahlarzt, schnellerer Termin, Behandlung abends/Offzeiten(für elektive Sachen) sollte jeder selbst zahlen.
GelbeKlamotten
27.03.2021, 17:52
Naja man muss nicht zwischen NSAR / Homööopathie wählen. Gibt ja auch wirksame pflanzliche Mittel oder Novalgin.
Ob ein Mittel nun aus einer Pflanze, einem Tier oder einem Reagenzglas stammt, ist weder für dessen Wirkung, noch für die Nebenwirkungen ausschlaggebend. Finde es immer etwas erschreckend, wenn ärztlichen Kollegen das nicht klar ist.
Und auch Novalgin hat UAWs. Wenn sich ein überwiegend psychosomatisch bedingter chronischer Schmerz genauso gut mit kleinen Zuckerkügelchen behandeln lässt wie mit Novagin, dann sollte man selbstverständlich die Zuckerkügelchen vorziehen.
Thomas24
27.03.2021, 18:06
Bis zu diesem Absatz stimme ich zu. Und da bei uns Dinge, bei denen eine Knappheit herrscht oder entstehen kann, kaum für die Berechnung der offiziellen Inflationsrate herangezogen werden, wird die aktuelle und künftige tatsächliche Inflation vom Volk weiterhin großteils nicht bewusst wahrgenommen werden.
Bei Lebensmitteln aus Massenproduktion und Mittelklasse TV Geräten wird absehbar in den Industrieländern keine Knappheit aufkommen, daher wird dort die Inflation als letztes ankommen, was natürlich wiederum auch positive Aspekte hat. Andererseits sorgt es halt auch dafür, dass - unter zusätzlichem Einfluss von Politikern wie Hr. Scholz - die Schere zwischen „Arm und Reich“ bzw. zwischen denen mit zumindest grundlegender finanzieller Bildung und denen ohne sich weiter öffnen wird.
Wie du daraus jetzt aber ableitest, dass staatliche Interventionen zB hinsichtlich Mieten das Gegenteil ihrer eigentlichen Intention bewirken, habe ich ehrlich gesagt nicht ganz verstanden. Vielleicht kannst du das mal noch etwas detaillierter ausführen?
Es gibt ja gegensätzlich wirksame Kräfte, die im offiziellen Konsumentenpreisindex landen. Die Globalisierung und Outsourcing von Produktionskapazitäten in billigere Lohnländer war deflationär, Big Tech/ technische Innovationen ebenfalls, die Demographie mit der Abnahme der Boomer Generation Nachfrage ebenfalls (immer weniger Menschen in den Industrieländern in den "peak spending years" zwischen 30 und 50 usw.), dagegen stehen inflationär wirksame Tendenzen, wie Re- Regionalisierung und Re- "Onshoring" von Lieferketten im Zeitalter von Covid, die Zunahme der Energiekosten durch politische Entscheidungen einerseits, CapEx Destruction usw. pp. Der Fernseher, das Handy usw. wurden daher günstiger. Nahrungsmittelpreise steigen derzeit hingegen durch die Decke - mit allen absehbaren Konsequenzen für die Welt und die Geopolitische Stabilität ganzer Regionen. https://www.bloomberg.com/news/articles/2021-03-01/inflation-2021-malnutrition-and-hunger-fears-rise-as-food-prices-soar-globally
http://www.fao.org/worldfoodsituation/foodpricesindex/en/
https://de.wfp.org/pressemitteilungen/neuer-un-bericht-hunger-wird-drastisch-steigen-weil-coronavirus-leben-und
Der US CPI wird bewusst "politisch opportun" gehalten durch verschiedene Maßnahmen wie Änderung von Gewichtungen im Warenkorb, Austausch von Warenkorbbestandteilen, Hedonic Indexation (https://en.wikipedia.org/wiki/Hedonic_index) usw. Bekanntes Beispiel: Rindfleisch wurde zu teuer, also wurde Rindfleisch aus dem Warenkorb entfernt und durch Hühnchen entfernt.
Wenn es dich interessiert: hier der aktulle CPI - wenn die USA nicht sechs Mal zwischendurch die Berechnungsweise geändert hätten.
http://www.shadowstats.com/alternate_data/inflation-charts
Was die Punkte Health Care und College Tuition angeht- da lag die Preisinflation jahrelang über der offiziell berichteten Inflationsrate an. Teilweise sogar deutlich über der Inflationsrate. https://www.usnews.com/education/best-colleges/paying-for-college/articles/2017-09-20/see-20-years-of-tuition-growth-at-national-universities#:~:text=However%2C%20tuition%20and%20 fees%20at,U.S.%20Bureau%20of%20Labor%20Statistics.
https://www.forbes.com/sites/zengernews/2020/08/31/college-tuition-is-rising-at-twice-the-inflation-rate-while-students-learn-at-home/?sh=287b2fe2f98c
Usw.pp.
Thomas24
27.03.2021, 18:36
Das Problem: wenn sich der Staat über Preisobergrenzen in einen Markt einmischt, wird er im Regelfall ineffizienter und es bilden sich "unintended Consequences" aus, die bis zur Ausbildung eine Schwarzmarktes gehen können. Das war schon immer und überall so- Getreidepreis Obergrenzen im römischen Reich, Brotpreis Obergrenzen in der französischen Revolution, Pegged Currency in Venezuela, Zimbabwe usw. pp. Am Ende trifft es aber immer diejenigen am stärksten, die eigentlich "geschützt" werden sollten.
Zum Mietendeckel: die ursprüngliche Intention war ja- mehr Menschen, also auch Einkommensschwächere Gruppen, sollen sich in zentralen Berliner Lagen ihre Wohnungsmiete leisten können. Der Ansatz: Einführung von Preisobergrenzen für bestimmte Arten von Wohnräumen (Alter des Wohnraums, Art der Ausstattung).
Die Konsequenz: die betroffenen Wohnungen sind im Schnitt um 7-11% in den Monatsmieten günstiger geworden. Ziel erreicht?
Aaaaber: es gibt- mal wieder- jede Menge unintended Consequences.
Betrachten wir mal ganz oberflächlich die Situation von vier Stakeholdern:
Nicht professionelle Vermieter, Mieter, Mietinteressenten und Wohnungsgenossenschaften (stellvertretend für professionelle Vermieter, die ihrerseits noch mit geringen Renditen zufrieden sind und mit geringen Margen operieren können)
Anbieter: die Anzahl der offiziell zur Vermietung stehenden Wohnungen auf Immoportalen sind ca. um 40% gefallen.
Es gibt Hinweise, dass Vermieter zunehmend dazu übergehen, ihre Wohnungen anstatt zur Miete nun auf den Markt für Eigentumswohnungen stellen (z.B. Kleinvermieter, die sich den Ärger nicht mehr geben möchten).
Darüber werden einige Vermieter kreativ und stellen ihre Vorgehensweise um. Vermieteter Wohnraum beispielsweise wird umdeklariert und es werden zwei Verträge aufgesetzt: erstens die Wohnungsmiete, zweitens eine Nutzungsgebühr für die Möblierung.
Ein Teil der nicht professionellen "Klein Vermieter" finden das Geschäftsmodell Vermietung in Berlin zunehmend mühseliger und geben das Thema auf und verkaufen ihren Bestand ebenfalls.
Betroffene Mieter: Wohnungsmieter, die in den betroffenen Wohnungen leben und von den günstigeren Konditionen profitieren gehen dazu über- in den Räumlichkeiten zu bleiben (Remanenz), die Mobilität lässt nach- und wenn Sie wegziehen, dann verlangen Sie höhere Ablösesummen von Nachmietern für ihre gebrauchten **** von potentiellen Nachmietern.
Einige der hochattraktiven Lagen, die vom Mietendeckel betroffen sind, werden traditionell von kaufkraftstarken Gruppen bewohnt- diese werden durch das Mietendeckelgesetz sogar noch begünstigt.
Neuzugezogene: die Gruppe mit der traditionell höchsten röumlichen Mobilität (zwischen 18 und 35, sowie junge Familien) werden zunehmend von betroffenen Stadtteilen ausgeschlossen, weil Sie in den betroffenen Gebieten nicht mehr reinkommen (Wohnungen werden unter der Hand vergeben, horrende Ablösesummen usw.), die Preise im -nicht vom Mietendeckel betroffenen Gebiet- steigen - unter anderem im Speckgürtel um Berlin.
Oder Sie sind eben bereit, eine Schattenmiete zu bezahlen https://taz.de/Berliner-Mietendeckel-und-die-Folgen/!5683193/
Wohnungsgenossenschaften: einige der Wohnungesgenossenschaften, die ja traditionell eher niedrige Mieten und auch nach sozialen Belangen vermieten, klagen darüber, dass die derzeitigen Mieten einen wirtschaftlichen Betrieb und Sanierungen (die ja durch politische Entscheidungen ebenfalls immer teurer werden-) ihres Bestandes nicht mehr leisten können.
https://www.wohnungsbaugenossenschaften.de/regionen/berlin/mietendeckel
Wenn Einkommensstärkere Gruppen durch die Politik noch ihre schön sanierten Wohnungen in zentraler Lage durch die Mietendeckelpolitik subventioniert billiger bekommen, während Einkommensschwächere Menschen entweder unter der Hand mehr bezahlen müssen (über Ablöse usw.), um überhaupt in Erwägung gezogen zu werden- oder halt ins Umland ausgepreist werden, und das Ganze unter dem Deckmantel einer sozialen Politik- dann sag ich mal: Rot Rot Grüner Senat, gut gemacht. Hätte niemand ahnen können.
https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/angebot-an-wohnungen-hat-sich-halbiert-mietendeckel-hat-dramatische-folgen-fuer-neu-berliner/26942216.html#:~:text=Angebot%20an%20Wohnungen%20h at%20sich%20halbiert%20Mietendeckel%20hat%20dramat ische%20Folgen,zwar%20um%20elf%20Prozent%20gesunke n.&text=Gleichzeitig%20sind%20die%20Mieten%20in,bis%2 0zu%20zw%C3%B6lf%20Prozent%20gestiegen.
Es bleibt dabei, wenn sich der Staat zu sehr in einen Marktmechanismus einmischt, dann bilden sich entweder ungewollte Konsequenzen aus, oder ein Schwarzmarkt.
Thomas24
27.03.2021, 18:56
a) Würde man die Einwanderung und Anerkennung einfach machen, wäre das anders. Die Knappheit ist gewollt. Es gibt sogar Überlegungen mancher US amerikanischer Fachgesellschaften in ihren Fächern die Ausbildung zurückzufahren aus Angst vor einer Überversorgung/zu viel Personal.
b) Würde die Preise für Gesundheitsdiensleistungen staatlich (fair) reguliert, würden die Gesundheitsdienstleister trotzdem weiter machen. Oder glaubst du die wandern alle nach Canada aus? Und selbst wenn..nimmt man eben Nachschub aus Mexiko. Das wird natürlich nicht passieren. Dafür ist die Lobby dort zu stark.
c) Ja die US Amerikaner gehen aus ihrem Studium mit einem Berg schulden raus, aber kann das wirklich die Preise für Gesundheitsdienstleistungen allein rechtfertigen? Ist es sinnvoll so hohe Gebühren für ein Studium zu erheben? Kann man lange drüber diskutieren
Zu a. Das wären ja alles valide Argumente, wenn der Großteil des Preisanstiegs auf Gehälter und Löhne von Pflege und Ärzten zurückzuführen wäre. Sind Sie aber nicht. Genau -wie in Deutschland- werden über 80% der Kosten nicht vom Personal verursacht.
(Abgesehen davon: würden wir in D unseren eigenen Arbeitsmarkt ebenfalls abschotten- wären wir massive Profiteure. Aber lieber weiter "solidarisch" sein und dafür Ost- und Mitteleuropa ausbluten lassen, während die Arbeitsbedingungen in deutschen Kliniken eher verbesserungswürdig bleiben?)
Zu b. Bereits jetzt werden über 10% der Kosten für Admin und Bürokratie verursacht. Ein staatlich noch stärker reguliertes System wird diese Quote nicht verbessern, sondern mehr Ressourcen verschwenden. Mehr Staat bedeutet nicht zwingend: fairer Preismechanismus bei besserer Qualität oder günstigere Behandlungen (ansonsten hätten Nordkorea und Venezuela die besten Gesundheitssysteme der Welt). Wir denken ja immer, die USA wären ein Raubtierkapitalismus Staat. Stimmt so natürlich nicht, auch die USA sind eine soziale Marktwirtschaft und besitzen ein soziales Sicherungsnetz, die Löcher sind nur größer als bei uns in Europa.
Medicare, Medicaid, Veterans Admin sind riesige Bereiche des Gesundheitssystems unter direkter oder indirekter staatlicher Kontrolle. Und -Überraschung, Überraschung- die Kosten laufen trotz staatlicher Kontrolle aus dem Ruder.
Das bedeutet nicht, dass das US Gesundheitssystem optimal ist, wie es ist. Aber es setzt deine Kernaussage "wenn die USA nur mehr staatlichen Einfluss im Gesundheitssystem hätten, ja dann würde es generell viel besser bei denen laufen bei der Qualität, den Kosten usw." mal in eine realistischere Perspektive. Den Zusammenhang mehr Staat = alles läuft generell besser, kann ich so nicht bestätigen.
Wenn es diesen putativen Zusammenhang geben würde, dann müssten wir in Deutschland weltweit führend in der Covid Pandemie Bekämpfung sein, weil wir einen der größten und teuersten Verwaltungsapparate der Welt besitzen. Ähem.
c. Den Zusammenhang zwischen Studienschulden und Kosten im Gesundheitsystem hab ich nicht aufgestellt. Den gibt es zwar, aber meine Aussage war nur: wenn der Staat über seine Zentralbank mehr Geld ins Bankenssystem kippt, dann sickert dieses Geld in andere Sektoren. Sowohl im Bildungssystem, als auch im Gesundheitssystem sind die Preisblasen durch verfehlte Fiskalpolitik mit angeheizt worden. Klassische "unintended Consequences" eben. Ist den betreffenden Politikern aber egal, die wollen sich durch Wahlgeschenke beliebt machen. Wenn der Gesellschaft die Folgen um die Ohren fliegen, dann ist man a. out of office und b. sucht sich einen bequemen Schuldigen aus (die Kapitalisten, die bösen Chinesen mit ihrem Virus, die Echsenmenschen usw.).
Aber genug zu Econ 101 für DaCapo. Zurück zum Topic.
Naja, das Brotgesetz in Frankreich finde ich ganz gut: kein Tiefkühl Schmarn, feste Preise, kein Glucose/Fructose/Malz/Müll, fester Preis....mal am Rande
Klar hat das Konsequenzen, wenn der Staat sich einmischt. Ist jetzt nicht ganz neu :-nix
Leider ist das auch nötig: z.B. der Unfug mit den professionellen AirBnB Wohnungen, die dem Hotelmarkt und dem Wohnungsmarkt schaden. Kann man ja machen: Aber dann offiziell mit Genehmigung. Ebenso bei UBER.
Staatliche Einmischungen und Regulierung sind wichtig, wenn es um essentielle Dinge geht wie Wohnen, Wasser, Strom, Gesundheit, Internet/Telefon/Fernsehen, Straßen/Verkehr, Bildung, die jeder braucht und die man besser nicht geschäftstüchtigen Personen und Unternehmen ganz allein überlässt.
Noch ein Beispiel für gute Regulierung war ja das Roaming: Vllt errinnern sich da noch manche, was für einen Reibach die Netzbetreiber in der EU damit betrieben haben bis zur Regulierung.
Zu a. Das wären ja alles valide Argumente, wenn der Großteil des Preisanstiegs auf Gehälter und Löhne von Pflege und Ärzten zurückzuführen wäre. Sind Sie aber nicht. Genau -wie in Deutschland- werden über 80% der Kosten nicht vom Personal verursacht.
Naja in Krankenhäusern machen die Personalkosten >60% aus, nicht gerade wenig.
https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/91828/Warum-das-US-Gesundheitssystem-so-teuer-ist
In diesem Artikel werden hohe Kosten für Medikamente (deutlich höher als hier), Personalkosten (höhere Gehälter als hier), höhere Kosten für Bildgebende Verfahren (obwohl nicht häufiger angewandt)...Es sind also die Preisschilder in den USA, die das System so teuer machen.
Wenn es einfach wäre als Arzt dort einzuwandern, wären möglicherweise die Gehälter niedriger.
Der US amerikanische Staat kann tun was er möchte, müssen die Bürger dort für sich selbst entscheiden. Hier bitte nicht so überhöhte Preise. Ist jetzt auch kein großes Geheimnis, dass das US amerikanische Gesundheitssystem kein Vorbild darstellt und auch keine direkte Nachahmer findet.
Ich habe nie gesagt, dass staatliche Regulierung und Einmischung unbedingt und immer positiv sein müssen. Das maximale Negativbeispiel waren Staaten wie die DDR (wer sie noch kennt), allerdings bzw. erschwerend auch kein Rechtsstaat, somit nur bedingt vergleichbar.
Wenn es diesen putativen Zusammenhang geben würde, dann müssten wir in Deutschland weltweit führend in der Covid Pandemie Bekämpfung sein, weil wir einen der größten und teuersten Verwaltungsapparate der Welt besitzen. Ähem.
Der NHS in GB hat ebenfalls eine große Verwaltung und ist letztendlich staatlich, trotzdem sind sie schneller mit ihrer Impfkampagne und trotz dieser staatlichen Struktur ist es eine preiswerte Krankenversicherung im internationalen Vergleich (gerade zu den USA). Klar ist da vieles auf Low-Cost ausgerichtet, dafür hat man auch keine hohen Beiträge. Wenn man da schnell einen Termin für einen elektiven Eingriff braucht oder höhere Ansprüche hat an Zimmer, Wahlarzt, Essen, gibt es auch private Kliniken, die immer Zeit haben.
(Abgesehen davon: würden wir in D unseren eigenen Arbeitsmarkt ebenfalls abschotten- wären wir massive Profiteure. Aber lieber weiter "solidarisch" sein und dafür Ost- und Mitteleuropa ausbluten lassen, während die Arbeitsbedingungen in deutschen Kliniken eher verbesserungswürdig bleiben?)
Da bin ich jetzt bei dir. Diese EU Freizügigkeit hat sicherlich auch ihre Vorteile, aber hier definitiv nicht und im Großen und Ganzen auch nicht, habe da meine Meinung geändert. Es wäre besser, wenn der Arbeitsmarkt weniger freizügig wäre. Das hätte für dich als Facharzt auch viele Vorteile, aber das wäre nur ein "Nebeneffekt" wie du sagst.
Gerade für die vielen Krankenhausärzte in den Innere Medzinmühlen gäbe es extreme Vorteile. Vllt käme es dann endlich mal zu besseren Arbeitsbedingungen in Krankenhäusern in den großen Fächern. So gibt es momentan immer Bewerbernachschub, praktisch für die Arbeitgeber.
Thomas24
27.03.2021, 19:45
Naja, das Brotgesetz in Frankreich finde ich ganz gut: kein Tiefkühl Schmarn, feste Preise, kein Glucose/Fructose/Malz/Müll, fester Preis....mal am Rande
Klar hat das Konsequenzen, wenn der Staat sich einmischt. Ist jetzt nicht ganz neu :-nix
Leider ist das auch nötig: z.B. der Unfug mit den professionellen AirBnB Wohnungen, die dem Hotelmarkt und dem Wohnungsmarkt schaden. Kann man ja machen: Aber dann offiziell mit Genehmigung. Ebenso bei UBER.
Staatliche Einmischungen und Regulierung sind wichtig, wenn es um essentielle Dinge geht wie Wohnen, Wasser, Strom, Internet, Straßen/Verkehr, Bildung, die jeder braucht und die man besser nicht geschäftstüchtigen Personen und Unternehmen ganz allein überlässt.
Noch ein Beispiel für gute Regulierung war ja das Roaming: Vllt errinnern sich da noch manche, was für einen Reibach die Netzbetreiber in der EU damit betrieben haben bis zur Regulierung.
Ich denke, wir reden hier aneinander vorbei.
Ein gewisses Maß an staatlicher Regulation in Fragen der essentiellen Infrastruktur: innere und äußere Sicherheit, Transport und essentielle Dienstleistungen wie Kommunikation und Elektrizität ist für das Funktionieren einer Gemeinschaft wichtig. Leider meistens teuer und ineffizient, und wird gerne von der Politik verwendet, um dort ehemalige Parteikader und Funktionäre usw. bis zur Rente in hochbezahlte Versorgungspöstchen abzuschieben (siehe diverse kommunale Stadtwerke, Sparkassen usw.).
Aber: generell- und hier weichen wir voneinander ab- scheinst du die Annahme zu haben, dass der Staat sich auch in andere Bereiche des öffentlichen (Wirtschafts-) Lebens einmischen darf, und das dann auch noch gesamtgesellschaftlich positive Effekte haben soll. Und da bin ich nicht bei Dir. Mehr staatliche Beteiligung bedeutet für mich weniger Effizienz, weniger Innovation und weniger Dynamik, die dann in weniger Produktivität kulminiert.
Nehmen wir mal ein aktuelles Beispiel: eine Drogeriekette bekommt es hin, innerhalb von wenigen Wochen Schnellteste flächendeckend anzubieten. Die Bundesrepublik Deutschland -wohlgemerkt (noch) ein Industriestaat mit den weltweit höchsten Steuern- und Abgaben für seine Bürger- und einem exorbitant ausgebautem Verwaltungsapparat: nicht.
Mittelständler und DAX Konzerne bekommen es innerhalb von zwei Wochen hin, ihre digitale Infrastruktur auf Home Office, Virtuelle Meetings etc. umzustellen. Unser staatliches Schulsystem hingegen... na da gibt es genügend Schulen, wo zu Anfang der Pandemie Teile der Lehrerschaft noch nicht einmal eine dienstliche E-mailadresse besaß. Nach über einem Jahr (!) Pandemie funktioniert ein flächendeckender remote Unterricht immer noch nicht gut. Eine mir bekannte Grundschule bot den Eltern an: vier Stunden Online Unterricht pro Woche (!!) für die Kinder anzubieten.
Gesundheitsämter arbeiten -nach über einem Jahr- noch immer nicht flächendeckend mit der SORMAS Software https://www.aerztezeitung.de/Politik/Warum-die-einheitliche-Corona-Kontaktnachverfolgung-holpert-416538.html, die Meldungen von Neuerkrankungen schwanken über das Wochenende (klar, ist ja auch Feierabend...). usw. pp. Die magische Inzidenzzahl von 50 leitete sich von der "durchschnittlichen Fähigkeit eines Gesundheitsamtes Kontakte nachzuverfolgen" ab. Völlig gleichgültig, ob das Gesundheitsamt Dortmund mehrere hundert Kontakte nachvollziehen kann, während andere das nicht können.
Die Politik meldet sich und will die niedergelassenen Kollegen in die Impfaktion einbeziehen. Ja, nein, doch, weiß nicht. Oh. Dann wieder ja. https://www.zdf.de/nachrichten/politik/corona-impfen-hausaerzte-april-100.html Atemberaubend schlechte Performance.
(Böse Zungen behaupten: hätten wir z.B. Amazon mit der deutschlandweiten Distribution von Impfstoffen beautragt, dann wäre es glatter gelaufen).
Ich beneide deine Fähigkeit, immer feste weiter an die grundsätzlich segensreiche Wirkung des Staates zu glauben.
Und wenn man sieht, wie wir die COVID Pandemie managen, da muss man sagen: hey, beim Berliner Flughafen ist es doch ganz solide gelaufen :-oopss
Thomas24
27.03.2021, 20:05
Der NHS in GB hat ebenfalls eine große Verwaltung und ist letztendlich staatlich, trotzdem sind sie schneller mit ihrer Impfkampagne und trotz dieser staatlichen Struktur ist es eine preiswerte Krankenversicherung im internationalen Vergleich (gerade zu den USA). Klar ist da vieles auf Low-Cost ausgerichtet, dafür hat man auch keine hohen Beiträge. Wenn man da schnell einen Termin für einen elektiven Eingriff braucht oder höhere Ansprüche hat an Zimmer, Wahlarzt, Essen, gibt es auch private Kliniken, die immer Zeit haben.
Das NHS ist -außerhalb der Vorzeigezentren- wirklich teilweise erschreckend ausgestattet, räumlich, personell und vom Equipment her. Im Moorfields Eye Hospital an der City Road- immerhin eine der renommiertesten Augenkliniken Europas- gibt es Spaltlampen, wo unter dem Tisch die Schrauben rausstehen (Bitte Tetanusschutz nicht vergessen, wenn man sich eine Schraube ins Knie rammt). Das habe ich bislang nirgendwo anders gesehen. Darauf angesprochen, meinten die Kollegen Augenzwinkernd nur "It´s the people that make this place so special...". Ich mag den britischen Humor, aber unter solchen Umständen arbeiten wollen- no thanks. Klinisch waren die Leute Tip Top ausgebildet- aber das änderte nichts daran, dass die Wartezeiten, die Organisation, das Equipment, die Röumlichkeiten usw. ähm, Verbesserungswürdig waren. Ich frage mich, was das englische System eigentlich zu leisten imstande wäre, wenn es nicht so sehr mit Bürokratie, Admin usw. ausgelastet wäre.
Das Richard Desmond Children´s Eye Centre at Moorfields Eye Hospital hingegen war absolute Spitzenklasse. Aber: das Children´s Eye Centre ist eben nicht durch staatliche Finanzierung, sondern durch eine private Spende errichtet worden (Fun fact: google mal, wer Richard Desmond war und womit er sein Geld verdient hat :-D).
Aber selber als Patient im NHS? Lieber nicht. Wird schon einen Grund geben, warum der ein oder andere Londoner seinen Consultant auf der Harley Street aufsucht, obwohl er genau den gleichen Consultant auch im NHS aufsuchen könnte (nur halt viel, viel später).
Ich beneide deine Fähigkeit, immer feste weiter an die grundsätzlich segensreiche Wirkung des Staates zu glauben.
Und wenn man sieht, wie wir die COVID Pandemie managen, da muss man sagen: hey, beim Berliner Flughafen ist es doch ganz solide gelaufen :-oopss
Die Schlampereien in Behörden sollte man nicht einfach so hinnehmen und daraus die grundsätzliche Konsequenz ziehen: die Wirtschaft kann das immer besser. In den skandinavischen Ländern kriegt man das besser hin mit digitalem Unterricht. Natürlich lassen die sich auch was kosten, das geht ja schonmal hier nicht:-nix
Wenn hier Schlampereien auffallen, dann bleibt trotzdem alles so wie es ist. Keine Konsequenzen.
Unbequeme Reformen (z.B. Kirchensteuer) werden einfach nicht angegangen, weil es unangenehm ist. Grundsätzlich habe ich nix gegen Unternehmertum, in DE schweift das ganze nur so schnell in Billigheimertum&Ausbeutung aus nach meiner Erfahrung.
Aber selber als Patient im NHS? Lieber nicht. Wird schon einen Grund geben, warum der ein oder andere Londoner seinen Consultant auf der Harley Street aufsucht, obwohl er genau den gleichen Consultant auch im NHS aufsuchen könnte (nur halt viel, viel später).
Immerhin hat man da die Faxgeräte abgeschafft und kennt schon E-Mail. Bis das hier kommt...wahrscheinlich niemals.
Ich habe bereits gesagt, dass der NHS eine Basismedizin bietet ohne viele Schnörkel.
Man zahlt auch deutlich weniger als hier dafür. Klar gibt es dann alte Gebäude, weniger Betten, weniger Krankenkassen (nur 1), weniger DRG-Codierung (garkeine), weil man nunmal weniger Geld als Bürger reinbuttert.
Man kann da auch nicht schlecht verdienen.
https://jerseyeveningpost.com/news/uk-news/2018/02/21/gender-pay-gap-among-top-nhs-doctors/
Ich würde in so mancher DE Klinik mich weder behandeln lassen, noch da arbeiten. Meinen Hausarzt nutze ich nur für die Grundversorgung, bei was Ernstem würde ich wahrscheinlich noch woanders hin. Die Qualität der Allgemeinmedizinausbildung in DE lässt ja zu wünschen übrig, schau dir mal die Weiterbildung der GPs in GB an: Da heißt es nicht: Stell dir mal was zusammen, mal hier mal dort, Fächer halb egal oder werde erstmal FA für XY und dann Quereinstieg in 2 Jahren.
Ich beneide deine Fähigkeit, immer feste weiter an die grundsätzlich segensreiche Wirkung des Staates zu glauben.
Und wenn man sieht, wie wir die COVID Pandemie managen, da muss man sagen: hey, beim Berliner Flughafen ist es doch ganz solide gelaufen :-oopss
Also du kannst es drehen und wenden wie du möchtest: In GB war es der NHS mit der Impfkampagne und nicht Amazon. Es geht also mit staatlichen Institutionen, man muss nur "Wollen".
Amazon DE kann auch nicht etwas verteilen, wenn das nicht vorhanden ist und nur mit politischem Einfluss bestellbar ist.
Letztendlich ist es die Schuld von Merkel, Spahn und Co, die typisch für unser Land (Schlafender Michel) eben geschlafen haben, während halb-seriöse Leute wie Boris Johnson es besser hinbekommen. Mit den entsprechenden Engagement, Finanzen und Beziehungen hätte man jetzt nicht die Situation.
Aber nein: erst noch warten auf Behörden, Zulassung statt im Dezember anzufangen. 1000x Zettel unterschreiben bei der Impfung. Ich habe bisher NIE etwas unterschrieben für alle anderen Impfungen, die ich je bekommen habe. Das Arztgespräch muss man schriftlich ablehnen. Alles so albern und von gestern. Lieber etwas Impfstoff horten....wir haben ja hier die Zeit, und in Deutschland wartet man gerne. Chinesische und russische Impfstoffe schonmal garnicht und die eigenen Impfstoffe exportieren:-oopss
Also ich gebe dir Recht: Die Impfkampagne in DE ist von der Beschaffung bis zur Verteilung etwas halbherzig und vor allem langsam, sehr formal und unpragmatisch/unflexibel. Die Verantwortlichen müssten ausgetauscht werden.
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