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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Erhöhen die "Dienste" das Krebs- und Diabetesrisiko?



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nie
22.01.2021, 11:00
Ich hatte beim Rettungsdienst viele Kollegen, die 20-30 Jahre Schicht gearbeitet haben. Es gibt bei meinem damaligen Arbeitgeber die Möglichkeit ab die 50 in den reinen Tagdienst umzusteigen und nur noch gelegentlich Früh-und Spätdienst zu machen.

Da gab es Kollegen, die ihrem 50. Geburtstag entgegengefiebert haben und keinen Tag länger Schicht gearbeitet haben. Einige haben noch ein paar Jahre normal weitergearbeitet und sind dann irgendwann doch ausgestiegen weil sie gemerkt haben, dass es nicht mehr geht und manche haben bis zur Rente Schicht gearbeitet ohne den Wunsch, das jemals zu ändern. Da sind Menschen eben individuell. Hatte auch Kollegen, die nach 1-3 Jahren schon ausgestiegen sind weil sie gesundheitliche Probleme bekommen haben.

Ich arbeite jetzt mit kurzer Unterbrechung seit einem Jahrzehnt Schichtdienst und komme damit weiterhin sehr gut klar. In der kurzen Phase mit „normalen“ Arbeitszeiten von 8-17 Uhr plus 2-3 Diensten im Monat ging es mir dagegen wesentlich schlechter, ich hatte gefühlt deutlich weniger Freizeit und vor allem nach (und auch während) der 24 h Dienste hab ich mich immer echt mies gefühlt. Bin auch absolut nicht traurig drum, dass mir diese Dienste weitere 1 1/2 Jahre erspart bleiben.

daCapo
22.01.2021, 11:01
Dass das "[n]ur wenige" jahrzehntelang machen können, halte ich für übertrieben pessimistisch. Ich kenne nur wenige, denen die Dienste nachhaltig Probleme gemacht haben.(..) wie eben z.B. bei dir, Daisy, sollte man sich tatsächlich nach gangbaren Alternativen umsehen. Der Betriebsarzt hat das zwar recht brutal und wenig sensibel gesagt, und vielleicht auch zu negativ, aber die grundsätzliche Botschaft des Betriebsarztes würde ich schon unterschreiben. Man trifft ja immer wieder den einen oder anderen Arzt, der aus gesundheitlichen Gründen z.B. Vollzeit in einer Ambulanz arbeitet o.ä.

a) ich habe keine gesundheitlichen Probleme durch Dienste, müde danach, aber dann erholt man sich wieder. Auf Dauer möchte ich es nicht machen.
Manch junger Kollege streitet ja teilweise darum möglichst viele Dienste zu machen aus monetären Gründen, was sich im Laufe der Zeit irgendwie immer legt.
b) Also in allen Kliniken, in denen ich war, waren einige erfahrene, schon länger berufstätige Kollegen "angeschlagen" bzw. von außen sichtbar gesundheitlich beeinträchtigt. Meist haben die Leute angepasste Modelle bekommen: z.B. 50% Reduktion der Stelle oder nur Intensiv-Nachtdienst, oder kaum Dienste. Eine Kollegin wollte sogar unbedingt in der Inneren Klinik bleiben, jedoch ohne Dienste wegen ihrer Familie--> war nicht möglich. Wenn ganz junge Kollegen Probleme mit Diensten haben, wechseln die meist frühzeitig und bleiben garnicht erst lange.
c) Ja der Betriebsarzt hat die Fakten auf den Tisch gelegt und nicht viel drum rum geredet. Es schien für ihn ein häufiges Phänomen zu sein, dadurch vllt schon abgestumpft. Klar kann man sowas auch empathischer rüberbringen.

Melina93
22.01.2021, 11:02
Dienste sind für die Gesundheit sehr belastend. Je nach Konstitution natürlich. Ich habe in meiner Klinikzeit zugenommen, Rauchen angefangen, bruxismus bis zum geht nicht mehr, Schlafstörungen, etc. Dankt einem keiner. Man hat nur eine gesundheit, daher: ich würde es nie wieder tun.

In der Praxis ist wieder Menschenwürdiges arbeiten angesagt... Kliniken sind Kranke Häuser, oft nicht nicht gut(bzw nicht optimal) für die Patienten und meistens nicht gut für die Beschäftigten.

Das klingt eher so als hättest du enorme Schwierigkeiten gehabt mit dem Stress fertig zu werden bzw keine Copingstrategien gehabt.
Ich bin auch so gar kein Nachtmensch und sehe mich das sicher auch nicht bis zur Rente machen. Aber als ich merkte es wird mir "alles zu viel" hab ich reagiert- Ernährung überdacht und verändert, mehr Sport gemacht und aktiv nach Copingstrategien gesucht. Das ändert erst einmal nichts daran, dass der Biorhythmus unter Schichtarbeit massiv leidet, federt aber etwaige Folgen durchaus ab.

ehem-user-12-02-2021-1343
22.01.2021, 11:40
Bin auch absolut nicht traurig drum, dass mir diese Dienste weitere 1 1/2 Jahre erspart bleiben.

Hast du dich von den Diensten befreien lassen oder machst du einen Teil ambulant? 2-3 Dienste im Monat ist natürlich ein Traum. Kenne Leute die machen 6-8

davo
22.01.2021, 11:46
Lass dir keine Angst machen. Du hast ja noch nicht mal das PJ angefangen. Mein Tipp: Mach dir nicht immer so viele Sorgen bezüglich Dingen, die du noch nicht mal selbst erlebt hast.

Vielleicht werden dir die Dienste überhaupt keine Probleme bereiten.

Ich mag die Dienste - man lernt viel mehr als in der langweiligen Vormittagsroutine, kann/muss selbständiger denken/handeln, usw. usf. Und finanziell lohnen sie sich auch noch. Dass sie auf Dauer nicht gesund sind, vermute ich schon, aber für die nächsten fünf, zehn Jahre hab ich echt kein Problem damit.

Und wenn du Pech hast und du gehörst zu denen, denen die Dienste ernsthafte gesundheitliche Probleme bereiten, wird sich auch irgendeine Lösung finden lassen.

Jukka666
22.01.2021, 11:48
Gerade als Frau findet man außerdem immer jemanden, der Dienste für einen übernimmt. Habe schon desöfteren so viele Dienste weg“getauscht“, dass ich monatelang alle Wochenenden frei hatte.

„Kannst du bitte den Dienst am Samstag für mich übernehmen? Ich nehme dir dafür ein andermal einen ab“...

Wirst du eigentlich nicht müde, permanent bei nahezu jedem Post das Geschlechter-Thema anzubringen? Würde mich echt interessieren, warum bei dir der Beissreflex "Frau" so rasch von den Fingern bzw. den Lippen geht...:-notify

davo
22.01.2021, 11:49
Dasselbe könnte man über die anderen Forenteilnehmer sagen, die dann immer sofort brav zuschnappen, genau wie vorgesehen :-p

GelbeKlamotten
22.01.2021, 11:53
Lass dir keine Angst machen. Du hast ja noch nicht mal das PJ angefangen. Mein Tipp: Mach dir nicht immer so viele Sorgen bezüglich Dingen, die du noch nicht mal selbst erlebt hast.

Vielleicht werden dir die Dienste überhaupt keine Probleme bereiten.

Ich mag die Dienste - man lernt viel mehr als in der langweiligen Vormittagsroutine, kann/muss selbständiger denken/handeln, usw. usf. Und finanziell lohnen sie sich auch noch. Dass sie auf Dauer nicht gesund sind, vermute ich schon, aber für die nächsten fünf, zehn Jahre hab ich echt kein Problem damit.

Und wenn du Pech hast und du gehörst zu denen, denen die Dienste ernsthafte gesundheitliche Probleme bereiten, wird sich auch irgendeine Lösung finden lassen.

Das mit dem "mal lernt viel mehr" legt sich irgendwann wieder. Anfangs lernt man natürlich viel dazu, wenn man auf sich allein gestellt ist. Gegen Ende der Weiterbildung profitierst du dann aber wieder mehr von den komplizierteren Untersuchungen und Eingriffen, die nachts in der Regel nicht gemacht werden.

Rein für die Lernkurve denke ich, dass es das Beste wäre, in der ersten Hälfte der Weiterbildung viele Dienste zu machen und in der zweiten Hälfte Dienste eher zu meiden, um mehr im Regelbetrieb lernen zu können und mehr Zeit zu haben, vielleicht sogar mal was zu Hause nachzulesen.

Finanziell lohnen tut es sich hinten und vorne nicht. 250 Euro netto für einen durchgearbeiteten Sonntag? Nein danke. Da ist es nun wirklich nicht schwer, eine wesentlich lukrativere Wocheneendbeschäftigung zu finden.

Hoppla-Daisy
22.01.2021, 12:01
Naja, gerade als Frau......dass ich nicht lache! Das ist den Kollegen scheissegal, ob Frau oder nicht, ob Kind zuhause oder nicht. Klar, der eine möchte mehr Dienste machen und bekommt die dann auch. Aber das bedeutet für die anderen trotzdem noch mindestens 5 x 24h, meist aber 6, weil irgendwie immer einer im Urlaub oder mal krank ist. Ich habe sogar mal in einer Sbteilung gearbeitet, in der es hieß: „Wir sind x dienstende Assis, es sind 365 Tage und 52 Wochenenden aufzuteilen. Wer jetzt meint, er wolle mal nur ein Wochenende arbeiten über längere Zeit, der hat dann halt die Arschkarte ab Mitte oder am Ende des Jahres. Denn dann darf er die nämlich alle nachholen, während die anderen sich die Hände reiben und frei haben, weil sie ihren Soll wohl schon erfüllt haben“.

SO sieht die Realität aus! Und ich glaube, dass das nicht so selten ist.

Und dass man GANZ von den Diensten wegkommt, dass die anderen die eigenen Dienste komplett übernehmen..... vergiss es! Und der Chef hat sehr deutlich gemacht, dass er das nicht wünscht.

GelbeKlamotten
22.01.2021, 12:07
Ich habe sogar mal in einer Sbteilung gearbeitet, in der es hieß: „Wir sind x dienstende Assis, es sind 365 Tage und 52 Wochenenden aufzuteilen. Wer jetzt meint, er wolle mal nur ein Wochenende arbeiten über längere Zeit, der hat dann halt die Arschkarte ab Mitte oder am Ende des Jahres. Denn dann darf er die nämlich alle nachholen, während die anderen sich die Hände reiben und frei haben, weil sie ihren Soll wohl schon erfüllt haben“.

Ist doch nicht ungewöhnlich, dass es für jeden Assistenzarzt einen festen Soll an Diensten pro Monat, Quartal oder Jahr gibt. Der Trick besteht daher nicht darin, sich der primären Zuteilung zu entziehen, sondern darin, die schon zugeteilten Dienste unter der Hand wieder loszuwerden. Den meisten fehlt es dafür nur an der nötigen Dreistigkeit.

Auf diese Weise komplett ganz von allen Diensten wegzukommen ist schwierig bis unmöglich, da stimme ich dir zu.

daCapo
22.01.2021, 12:07
Lass dir keine Angst machen. Du hast ja noch nicht mal das PJ angefangen. Mein Tipp: Mach dir nicht immer so viele Sorgen bezüglich Dingen, die du noch nicht mal selbst erlebt hast.

Vielleicht werden dir die Dienste überhaupt keine Probleme bereiten.

Ich mag die Dienste - man lernt viel mehr als in der langweiligen Vormittagsroutine, kann/muss selbständiger denken/handeln, usw. usf. Und finanziell lohnen sie sich auch noch. Dass sie auf Dauer nicht gesund sind, vermute ich schon, aber für die nächsten fünf, zehn Jahre hab ich echt kein Problem damit.

Und wenn du Pech hast und du gehörst zu denen, denen die Dienste ernsthafte gesundheitliche Probleme bereiten, wird sich auch irgendeine Lösung finden lassen.

Nee Angst sollte man auf keinen Fall davor haben, wie bereits jetzt mehrfach gesagt, eine Zeit lang (also paar Jahre) kann man das machen. Man freut sich über das Einkommen eine Zeit. Das macht einem nix aus in jungen Jahren. Die "langweilige" Vormittagsroutine hat man natürlich On-Top...wir reden hier über 24h Dienste, nicht nach 16h. Eine Zeit lang lernt man bei den Diensten ganz gut, die Probleme/Fälle wiederholen sich und es wird größtenteils Routine, man kriegt einen guten "klinischen" Blick mit der Zeit. Kenne jedoch niemand, der sowas gerne dauerhaft macht. Schädlich für die Gesundheit ist es offensichtlich auf die Dauer.


Das mit dem "mal lernt viel mehr" legt sich irgendwann wieder. Anfangs lernt man natürlich viel dazu, wenn man auf sich allein gestellt ist. Gegen Ende der Weiterbildung profitierst du dann aber wieder mehr von den komplizierteren Untersuchungen und Eingriffen, die nachts in der Regel nicht gemacht werden.

Rein für die Lernkurve denke ich, dass es das Beste wäre, in der ersten Hälfte der Weiterbildung viele Dienste zu machen und in der zweiten Hälfte Dienste eher zu meiden, um mehr im Regelbetrieb lernen zu können und mehr Zeit zu haben, vielleicht sogar mal was zu Hause nachzulesen.

Finanziell lohnen tut es sich hinten und vorne nicht. 250 Euro netto für einen durchgearbeiteten Sonntag? Nein danke. Da ist es nun wirklich nicht schwer, eine wesentlich lukrativere Wocheneendbeschäftigung zu finden.

Yup, so ist es. Da hast du Recht.
Das ganze Tauschen usw. auch nervig.

Christoph_A
22.01.2021, 12:26
Zumal man den Faktor Alter nicht unterschätzen darf. Bis 35 haben mir Nachtdienste (egal ob Schichten, 24 oder 12h) nix ausgemacht, ich kann mich erinnern, daß ich oft morgens heim bin, ein Schlummerbierchen getrunken habe und nach nem Nickerchen nachmittags dann zum Sport gegangen bin, aber irgendwann merkst Du, daß Du die Nächte nicht mehr so einfach wegsteckst. Und das ist der Zeitpunkt, aus dem Nachtdienstsystem rauszukommen, sonst streikt irgendwann der Körper. Einfach ein bisschen in sich hineinhören hilft. Dieser Zeitpunkt ist natürlich biologisch bei jedem verschieden, zumeist jedoch irgendwann in den mittleren/späten 30ern erreicht.

ehem-user-12-02-2021-1343
22.01.2021, 12:32
Zumal man den Faktor Alter nicht unterschätzen darf. Bis 35 haben mir Nachtdienste (egal ob Schichten, 24 oder 12h) nix ausgemacht, ich kann mich erinnern, daß ich oft morgens heim bin, ein Schlummerbierchen getrunken habe und nach nem Nickerchen nachmittags dann zum Sport gegangen bin, aber irgendwann merkst Du, daß Du die Nächte nicht mehr so einfach wegsteckst. Und das ist der Zeitpunkt, aus dem Nachtdienstsystem rauszukommen, sonst streikt irgendwann der Körper. Einfach ein bisschen in sich hineinhören hilft. Dieser Zeitpunkt ist natürlich biologisch bei jedem verschieden, zumeist jedoch irgendwann in den mittleren/späten 30ern erreicht.

Ich bin jetzt in diesem Alter, da ich vor meinem Studium in einem anderen Bereich tätig war und sozusagen zu den "Spätberufenen" zähle.
Letztlich muss man doch in Fächern, wo man sich ohne lange Wartezeit niederlassen oder ambulant anstellen lassen kann, nur 2-3 Jahre Dienste machen, da man einen Teil der Weiterbildung ja auch ambulant machen kann. Z.B: Allgemeinmedizin

davo
22.01.2021, 12:39
Ich bin auch Ende 30. Ich überleb es trotzdem. Jeder Mensch ist anders.

Es gibt auch, das wird einem im Krankenhausalltag auch regelmäßig demonstriert, einfach Menschen, die sich eher auf die negativen Aspekte ihres Jobs fokussieren, und andere, die sich eher auf die positiven Aspekte fokussieren.

Deshalb noch einmal: Mach dir nicht so große Sorgen über Dinge, von denen du noch gar nicht weißt, wie sie für dich sind.

daCapo
22.01.2021, 12:59
Zumal man den Faktor Alter nicht unterschätzen darf. Bis 35 haben mir Nachtdienste (egal ob Schichten, 24 oder 12h) nix ausgemacht, ich kann mich erinnern, daß ich oft morgens heim bin, ein Schlummerbierchen getrunken habe und nach nem Nickerchen nachmittags dann zum Sport gegangen bin, aber irgendwann merkst Du, daß Du die Nächte nicht mehr so einfach wegsteckst. Und das ist der Zeitpunkt, aus dem Nachtdienstsystem rauszukommen, sonst streikt irgendwann der Körper. Einfach ein bisschen in sich hineinhören hilft. Dieser Zeitpunkt ist natürlich biologisch bei jedem verschieden, zumeist jedoch irgendwann in den mittleren/späten 30ern erreicht.

Yup, kann das nur so bestätigen. Außer das Schlummerbier, eine bayrische Kultureinrichtung.


Ich bin auch Ende 30. Ich überleb es trotzdem. Jeder Mensch ist anders.
Es gibt auch, das wird einem im Krankenhausalltag auch regelmäßig demonstriert, einfach Menschen, die sich eher auf die negativen Aspekte ihres Jobs fokussieren, und andere, die sich eher auf die positiven Aspekte fokussieren.
Deshalb noch einmal: Mach dir nicht so große Sorgen über Dinge, von denen du noch gar nicht weißt, wie sie für dich sind.


Wie gesagt, keine Angst, manchmal muss man Sachen ausprobieren bzw. wagen.

ehem-user-12-02-2021-1343
22.01.2021, 13:03
Ich bin auch Ende 30. Ich überleb es trotzdem. Jeder Mensch ist anders.

Es gibt auch, das wird einem im Krankenhausalltag auch regelmäßig demonstriert, einfach Menschen, die sich eher auf die negativen Aspekte ihres Jobs fokussieren, und andere, die sich eher auf die positiven Aspekte fokussieren.

Deshalb noch einmal: Mach dir nicht so große Sorgen über Dinge, von denen du noch gar nicht weißt, wie sie für dich sind.

Ich werde es auf jeden Fall durchziehen. Vielleicht klappt es gut. Bin ja nicht der Einzige "Spätberufene"

davo
22.01.2021, 13:27
Definitiv nicht. Und es gibt auch genug Oberärzte Mitte, Ende 50, die weiter Monat für Monat vier, fünf Dienste machen.

daCapo
22.01.2021, 14:00
Definitiv nicht. Und es gibt auch genug Oberärzte Mitte, Ende 50, die weiter Monat für Monat vier, fünf Dienste machen.

Wir hatten jetzt über den klassischen Vordergrunddienst im KH gesprochen.
Oberärzte machen in der Regel Hintergrunddienste als Rufbereitschaft, sprich wenn der Vordergrund nicht zu Recht kommen, werden sie kontaktiert. Das allermeiste können sie telefonisch regeln bzw. wenn nur Standardfälle auftreten+erfahrener Vordergrund gibt es nicht mal Telefonanrufe.
Je nach Fach und Klinik ist die Belastung in den Off-Zeiten unterschiedlich ausgeprägt. z.B. Innere/Chirurgie im Vergleich zu Derma beispielsweise, in der Derma gibt es einfach fachbedingt weniger Notfälle und Dringliches. Auch in einer Rehaklinik wird es weniger akute Fälle geben als in einem Akutkrankenhaus. Überhaupt gibt es die unterschiedlichsten Dienstmodelle je nach Arbeitsbelastung.

z.B. Regelarbeitszeit bis 17 Uhr, dann Bereitschaft bis zum nächsten Tag 08:00-->der Klassiker für Vordergrunddienst, nächster Tag frei
z.B. 12h Schichten bei Intensivmedizin
z.B. Arbeitsbeginn&Bereitschaftsdienstbeginn erst ab 16 Uhr bis 08:00 nächster Tag frei
z.B. Regelarbeitszeit bis 17 Uhr, dann Bereitschaft bis 22:00, dann Rufbereitschaft bis zum nächsten Morgen 08:00-->als 1 Dienst; nächster Tag nicht frei
z.B. Regelarbeitszeit bis 17 Uhr, dann Rufbereitschaft bis 08:00-->eher das Hintergrunddienstmodell, für Vordergrund bei geringer Belastung-->nächster Tag nicht frei
Die freien Tage werden natürlich wieder abgezogen/verrechnet mit ÜS.


Ich werde es auf jeden Fall durchziehen. Vielleicht klappt es gut. Bin ja nicht der Einzige "Spätberufene"

Genau, nicht zu viel Sorgen machen.

davo
22.01.2021, 14:09
Klar. Ich bin jetzt von meinem persönlichen Arbeitsumfeld ausgegangen (Psychiatrie, Österreich), da hat der Facharzt stets Vordergrunddienste, und im Dienst in der Regel ähnlich viel oder mehr zu tun als der Assistenzarzt (wegen der Konsile und der Unterbringungen).

Dass es enorme Unterschiede je nach Land, Fach, Klinik, Erfahrung des Assistenzarztes, etc. gibt, ist ohnehin klar. Aber man hat ja durch Famulatur und PJ genug Möglichkeiten, sich da näher zu informieren. Und es gibt ja auch bei fortgeschrittener Karriere noch viele Möglichkeiten, etwas zu ändern. Dann macht der Unfallchirurg eben keine Dienste mehr, sondern Vollzeit Ambulanz. Der Psychiater lässt sich nieder. Der Gastroenterologe macht Endoskopien im MVZ. Der Gyn-OA macht zwei Jahre Quereinstieg zum Hausarzt. Etc.

mbs
22.01.2021, 21:12
Was die genannten Erkrankungen angeht spielen viele Faktoren eine Rolle, zu viele als dass man im Einzelfall konkret sagen könnte was nun den Ausschlag gab. Jede Noxe erhöht das Risiko, so dass das kumulative Risiko für eine negative Folge wächst - dennoch gibt es da keinen linearen Zusammenhang. Immerhin handelt es sich um ein binäres Ereignis, entweder es tritt ein oder nicht, dazwischen gibt es nichts, so dass das auch keine stetige Funktion ist wo man sagen könnte je mehr von diesem und jenem Risikofaktor vorliegt desto eher bekäme man Krebs oder ähnliches.

Gesundheitlich würde es sich auch nicht auswirken wenn man den ganzen Tag einen langweiligen Job macht den man hasst. Dann schläft man zwar regelmäßig und ist nie nachtaktiv, hat vielleicht auch keinen Stress außer dem der aus Langeweile und Unterforderung entsteht, dennoch kann es sein dass ein anderer psychischer Stress dadurch entsteht der sich negativ auf die Gesundheit auswirkt, auch eine Noxe darstellt die das Risiko für Folgeerkrankungen erhöht.

Mitunter kann es sein dass jegliche Form von Stress über Cortisolspitzen zu Krankheitserscheinungen führt. Sei es Über-oder Unterforderung, zu viel oder zu wenig an Anforderungen, zu wenig Feedback in welcher Form auch immer, schlechtes Klima unter den Kollegen, "Spaß" an der Tätigkeit (wie auch immer man das definieren mag), "Dankbarkeit" beziehungsweise positive soziale Bestätigung - all das spielt sicher in das Gesamtbild hinein.

Letztlich wird es sich darauf hinauslaufen dass es das Beste ist sich möglichst gut zu fühlen mit seinem Leben. Stresst einen Schicht-oder Bereitschaftsdienst so arg dass man das Gefühl hat dass die Lebensqualität dadurch signifikant leidet dann sollte man versuchen aus der Klinik rauszukommen. Findet man es nur unangenehm und hat nur wenige Dienste die einem wirklich zusetzen dann relativiert sich das vielleicht - vor allem wenn man aus anderen Gründen mit einer Tätigkeit in der Industrie oder einer Praxis unzufrieden wäre. Denke dass das höchst individuell ist.