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Hat jemand einen guten Tip, wie man die Asis-Zeit durchhält, ohne ein Burnout oder anderen psychischen Schaden zu bekommen?
Naja fang doch erstmal an und schau wie es ist. Im PJ triffst du eine tolle Klinik und fängst dann idealerweise dort an. Wenn du Allgemeinmedizin machst, ist es eine überschaubare Zeit in der Klinik und ggfs gibt es auch Rehaklinik oder Geriatrien, wo man seine Rotation bekommt. Es gibt auch diese Allgemeinmedizinverbundweiterbildung mit mehr Struktur.
Oder ein Fach, das dir zusagt ohne zu viel Klinik... Du hast die Qual der Wahl.
Christoph hat das ganz gut gesagt, wenn du merkst du es ist zu viel ist, auch auf längere Zeit, sollte man einen Wechsel anstreben. Nicht gut ist es an einem Job jahrelang zu kleben, der dich dauerhaft krank macht.
Hat jemand einen guten Tip, wie man die Asis-Zeit durchhält, ohne ein Burnout oder anderen psychischen Schaden zu bekommen?
Einfach mal mit einem normalen Mindset an das PJ und das Arbeitsleben rangehen, statt sich schon vorher vor lauter Panik in die Hose zu machen. Das wäre mal ein guter Start. Den Rest wirst du dann eh sehen.
ehem-user-12-02-2021-1343
28.01.2021, 19:36
Ich werde mir Mühe geben, und weiss, dass ich zuviel grüble. Mich ziehen so TV-Beiträge wie der oben verlinkte schon ziemlich runter, weil da ja quasi postuliert wird, dass ein KH in D flächendeckend die Hölle auf Erden ist. Es wurde von den 3 vorgestellten Ärzten ja schon sehr negativ über die Kliniken an sich gesprochen. Und viele die hier schreiben arbeiten ja laut eigener Aussage so oder so ähnlich und empfinden das als normal (u.a. auch hier im Thread)Zumal der Druck ja auch auf OÄ und vor allem dem Chef liegt. Hoffe trotzdem es wird gut, obwohl fast alle Berichte über Krankenhäuser sehr negativ sind.
Wovon lebt ein Fernsehsender? Davon, dass viele Leute zuschauen. Und wann schauen mehr Leute zu - wenn gesagt wird, dass alles ok ist, oder wenn gesagt wird, dass alles entsetzlich und unmenschlich und katastrophal ist? Na eben.
Man kann auch an Angst sterben.
Schau dir einfach in Ruhe an, wie du selbst das PJ und die Arbeit findest, und überleg dir, welche Schritte du selbst setzen kannst, um dir einen angenehmen Job zu sichern. Viel sinnvoller als sich von medialer Hysterie verängstigen zu lassen.
Naja, ich war jetzt bereits mehrfach Teil von TV-Produktionen über die Arbeit im Krankenhaus und das, was da so auf Sendung geht, spiegelt den Alltag halt auch nur begrenzt wieder. Bin auch immer wieder fasziniert, was da aus mehreren Drehtagen so zusammengeschnitten wird...
Bringt halt nichts, sich vorher schon alles zu zerdenken. Mit offenen Augen und Ohren ins PJ gehen, red flags zeitig erkennen und nicht in unmöglich Situationen verharren weil „muss ja”... Das Berufsleben ist kein Ponyhof, egal ob man Arzt oder Bürokaufmann ist. Niemand geht täglich entspannt und freudig zu Arbeit und hat niemals Stress. Man muss seine Prioritäten klar abstecken und sehen, wo man das Beste für mich rausholen kann. Und nicht immer auf die eierlegende Wollmilchsau hoffen.
Ich werde mir Mühe geben, und weiss, dass ich zuviel grüble. Mich ziehen so TV-Beiträge wie der oben verlinkte schon ziemlich runter, weil da ja quasi postuliert wird, dass ein KH in D flächendeckend die Hölle auf Erden ist. Es wurde von den 3 vorgestellten Ärzten ja schon sehr negativ über die Kliniken an sich gesprochen. Und viele die hier schreiben arbeiten ja laut eigener Aussage so oder so ähnlich und empfinden das als normal (u.a. auch hier im Thread)Zumal der Druck ja auch auf OÄ und vor allem dem Chef liegt. Hoffe trotzdem es wird gut, obwohl fast alle Berichte über Krankenhäuser sehr negativ sind.
Ja es ist sehr anstrengend und ja es gibt viele schlechte Stellen. Das kann man leider nicht schön reden oder euphemistisch darstellen. Andererseits ist es nur eine gewisse Zeit und man kann sich auch auch ein Haus suchen mit "gutem oder akzeptablen" Ruf. Nicht sowas schonmal gehört?
Letztendlich ist es wichtig, dass man mal im KH gearbeitet hat, um die Basics zu können.
Einfach auch mal ausprobieren, und schauen was auf einen zukommt. Du machst dir zuviel Sorgen.
Bringt halt nichts, sich vorher schon alles zu zerdenken. Mit offenen Augen und Ohren ins PJ gehen, red flags zeitig erkennen und nicht in unmöglich Situationen verharren weil „muss ja”... Das Berufsleben ist kein Ponyhof, egal ob man Arzt oder Bürokaufmann ist. Niemand geht täglich entspannt und freudig zu Arbeit und hat niemals Stress. Man muss seine Prioritäten klar abstecken und sehen, wo man das Beste für mich rausholen kann. Und nicht immer auf die eierlegende Wollmilchsau hoffen.
Genau
Solche Berichte müssen ja auch irgendwie zugespitzt sein, am liebsten alles nur negativ darstellen, ansonsten würde es ja keiner ansehen. Das darf man bei dem ganzen nicht vergessen - diese Sender sind genau wie Kliniken Wirtschaftsbetriebe wo es nur um eine Sache geht.
Ich habe nach wie vor die Hoffnung, dass es Techniken geben könnte wie man davon überhaupt nicht beeinträchtigt wird. Kenne eine Abteilung wo die Oberärzte auch 24h bleiben, das schien denen lieber gewesen zu sein weil die meisten weit pendeln müssen und so die Vergütung besser ist. Und sie am nächsten Tag nach Hause dürfen, anders als bei Rufbereitschaften.
Vielleicht macht es denen bei denen es so aussieht als würden sie nicht mit der Wimper zucken, selbst wenn sie 13 24h Dienste im Monat machen, doch mehr aus als man denkt. Aber man sieht es ihnen nicht an. Kenne so ein Beispiel und derjenige ist schon relativ alt. Aber auch ziemlich drahtig, und er liebt den Job. Nur das drahtig Sein allein scheint auch nicht auszureichen. Bin nach wie vor am Rätseln wie man so eine "Resistenz" hinkriegen kann. Also nicht nur in dem Sinne dass trotzdem alles funktioniert und man es einem nicht anmerkt sondern dass es einem wirklich nichts ausmacht. Und für jeden Tipp dankbar.
Solche Berichte müssen ja auch irgendwie zugespitzt sein, am liebsten alles nur negativ darstellen, ansonsten würde es ja keiner ansehen. Das darf man bei dem ganzen nicht vergessen - diese Sender sind genau wie Kliniken Wirtschaftsbetriebe wo es nur um eine Sache geht.
Es ist eine ZDF Reportage, nicht Russia Today oder RTL II. Das ist schon die richtige Richtung. Heißt aber nicht, dass es überall so ist und heißt auch nicht, dass man bis ans Lebensende mit 24h Dienste arbeiten muss. Eigentlich haben wir es doch ziemlich weitgehend diskutiert.
Einfach mal anfangen, man steckt es meistens weg für eine Zeit und dann soll man aufhören, wenn es am schönsten ist oder auch vorher.
Kenne eine Abteilung wo die Oberärzte auch 24h bleiben, das schien denen lieber gewesen zu sein weil die meisten weit pendeln müssen und so die Vergütung besser ist. Und sie am nächsten Tag nach Hause dürfen, anders als bei Rufbereitschaften.
Es wird (normalerweise) eine Analyse des Arbeitsbedarfs gemacht und danach wird dann entschieden welche Arbeitsform passend ist. Du würdest ja auch nicht in einer Bäckerei eine Rufbereitschaft einrufen für samstags morgens....wäre einfach unpassend.
Wenn ein OA beispielsweise sehr weit weg wohnt von der Klinik und länger als 45 Min Anfahrtszeit hat, muss er von der Rufbereitschaft in die Bereitschaft wechseln, weil es sonst etwas lang ist. Theoretisch darf er auch Vordergrund machen, möchten die meisten aber nicht.
Wer das gerne dauerhaft machen will, warum nicht. Einfach ausprobieren und dann mal sehen.
Ich habe nach wie vor die Hoffnung, dass es Techniken geben könnte wie man davon überhaupt
Vielleicht macht es denen bei denen es so aussieht als würden sie nicht mit der Wimper zucken, selbst wenn sie 13 24h Dienste im Monat machen, doch mehr aus als man denkt. Aber man sieht es ihnen nicht an. Kenne so ein Beispiel und derjenige ist schon relativ alt. Aber auch ziemlich drahtig, und er liebt den Job. Nur das drahtig Sein allein scheint auch nicht auszureichen. Bin nach wie vor am Rätseln wie man so eine "Resistenz" hinkriegen kann. Also nicht nur in dem Sinne dass trotzdem alles funktioniert und man es einem nicht anmerkt sondern dass es einem wirklich nichts ausmacht. Und für jeden Tipp dankbar.
Man brauch doch keine Resistenz oder Zaubertrank für sowas. Einfach ausprobieren und entweder Like oder Dislike auf die Dauer. Muss man für sich selbst entscheiden. Wichtig ist es nur, nicht "zu spät" aufzuhören.
Ein interessanter Artikel in dieser Hinsicht:
https://www.aerzteblatt.de/archiv/217520/Bewerbungsgespraeche-von-Chefaerzten-Oekonomie-hat-hohen-Stellenwert
"Mehrere Chefärzte gaben an, dass ihre variablen Gehaltsanteile an Personaleinsparung und Optimierung der Arbeitsorganisation gekoppelt seien."
Sowas gibt's in Österreich zum Glück nicht - da wird die Zahl der Facharztweiterbildungsstellen einfach je nach Zahl der Fachärzte von der Ärztekammer festgelegt.
Christoph_A
29.01.2021, 07:24
Naja, bei aller Liebe zu unseren Brüdern im Süden, Österreich ist jetzt auch nicht der Hort allein seeligmachenden Arbeitsglücks, kenne genügend Kollegen, die über den Turnus abkotzen und deshalb grenznah nach Bayern gewechselt sind. Und daß es in Ösiland keine Zusatzposten in CA Verträgen gibt, in denen Variable enthalten sind, die Kosteneinsparungen belohnen, halte ich dann doch für ein Gerücht, das kennt man z.B. aus Salzburg etwas anders.....
Was wirklich gut ist, sind die Arbeitszeiten in den meisten KH und die doch deutlich aktivere Pflege, das muß man neidlos anerkennen.
Ich denke schon, dass es Techniken gibt mit denen man sich stress-bzw "dienstresistenter" machen kann. Dass sehr viele modifizierbare Faktoren in die Dienstresistenz reinspielen. Beispielsweise die perfekte Technik was den Schlaf-Wach-Rhythmus angeht, zur richtigen Zeit schlafen gehen, schneller tief schlafen können, die Fähigkeit selbst kürzeste Zeitintervalle für tiefe und vollständige Erholung nutzen zu können. Training der psychischen Widerstandskraft, Fähigkeit sich so zu motivieren dass man auch über Grenzen hinausgehen kann, und das ohne negative Folgen wegen einer positiven Grundeinstellung - oder was auch immer. Vielleicht auch die Fähigkeit sich emotional von seiner Umwelt und seinem eigenen Zustand zu entkoppeln. Eine ansonsten extrem "gesunde" Lebensweise - worin auch immer so was im Einzelnen bestehen mag.
Klar spielt die Veranlagung eine Rolle, aber ich glaube es gäbe schon Techniken wie man seine Leistungsfähigkeit und Resistenz in Diensten optimieren kann. Leider habe ich die gefühlt noch nicht alle identifizieren können.
Aber vielleicht hat jemand von euch ja ein paar Tipps bzw. Beobachtungen zu berichten.
Hoppla-Daisy
31.01.2021, 09:40
So, und DA muss ich jetzt mal ordentlich dazwischen grätschen! Natürlich kann man versuchen, sich stress- bzw. dienstresistenter zu machen. Die vielbeschworene Achtsamkeit und damit verbundene Übungen sind mit Sicherheit adäquate Mittel, die zum Ziel führen können, um den Stresslevel etwas runter zu fahren und ggf. schneller in den häufig raren Schlaf während eines Dienstes zu kommen. Den Schlaf-Wach-Rhythmus selbst positiv zu beeinflussen, kann aus der Tatsache des schier unvorhergesehen Dienstes heraus schon nicht klappen. Man kann vorher und nachher für Schlaf und Entspannung sorgen, aber das gewiss nicht für währenddessen planen. Die Qualität des Schlafes kannst du auch nicht beeinflussen, zumal wenn du vorher richtig Action hattest. Da pinkelt dir dein Cortisol ordentlich ans Bein.
Was mir besonders sauer aufstößt, ist die Bemerkung von dir, dass man seine psychische Widerstandkraft so weit trainieren kann, sich selbst dazu motivieren kann, über Grenzen hinaus zu gehen, sich von seinem eigenen Zustand zu entkoppeln. DAS, mein lieber mbs, befördert dich geradewegs in einen Burnout mit Depression hinein, das kann ich dir versichern.
Been there, done that! Und was habe ich gelernt? Das großartige Zauberwort und Tool "Selbstfürsorge". Und auch, dass man nicht dauerhaft auf 100 oder gar 120 % gut funktionieren kann. 80 % deiner Leistungskraft müssen reichen, um dich dauerhaft gesund zu erhalten. Wer ständig 100 % gibt, gerät schnell nicht nur AN die Grenzen, sondern in Turbogeschwindigkeit darüber hinaus. Von keiner Maschine erwartet man 100 %, weil das den Verschleiss einer solchen vorantreiben würde, was betriebswirtschaftlich bedenklich wäre. Von 120 % brauchen wir in diesem Zusammenhang nicht zu sprechen. Dass es Kappes ist, immer über dem absoluten Limit (denn das sind schon 100 %!) zu arbeiten, steht glaube ich außer Frage. Arbeitet man zu 80 % seiner Leistungsfähigkeit, hat man noch Puffer nach oben für stressige Zeiten, um danach wieder auf normal runter zu fahren. Das kannst du nicht mit bereits geleisteten 100 %, geschweige denn mit 120 %. Wer allerdings das von dir so lapidar hingesagte Modell des Über-die-Grenzen-gehen favorisiert. Bitte.... kann man machen, sollte man aber nicht. Aus Gründen der Selbstfürsorge.
Selbstfürsorge beinhaltet übrigens auch Abgrenzen! Abgrenzen gegen von oben aufoktroyierten Stress durch Organisationsverschulden seitens des Arbeitgebers. Wenn dieser hinnimmt, dass wenige Kollegen viele Dienst schieben müssen, hat er schon das Grundprinzip der Mitarbeiterfürsorge nicht verstanden. Gegen den Stress IM Dienst kann man relativ wenig machen, das stimmt schon. Da muss man irgendwie klar kommen. Und da mögen Entspannungstechniken helfen. Aber eben nur situativ, und gewiss nicht auf Dauer.
Ich habe in den beiden Klinikaufenthalten, in die ich durch ständiges Geben von 100- 120 % (beruflich wie privat) geraten bin, nicht wenige Patienten aus dem medizinischen Bereich kennengelernt, die genau an dem gleichen Konzept gescheitert sind, das auch mir das Genick gebrochen hat: ständige Selbstüberforderung und fatales Ignorieren sämtlicher Alarmzeichen!
Klar spielt die Veranlagung eine Rolle, aber ich glaube es gäbe schon Techniken wie man seine Leistungsfähigkeit und Resistenz in Diensten optimieren kann. Leider habe ich die gefühlt noch nicht alle identifizieren können.
Aber vielleicht hat jemand von euch ja ein paar Tipps bzw. Beobachtungen zu berichten.
Yoga, Muskelrelaxation nach Jacobson, gesund Essen ( heißt in der Regel keine Mensa), viel Sport, kein Alkohol und keine Zigaretten, ggfs. Schlafentzugsprogramm gegen Schlafstörungen...alles begrenzt realistisch, wie wir wissen. Wer schafft es schon, dass regelmäßig nebenbei durchzuziehen. Insb. wenn man garkeine Zeit dafür hat.
Du kannst das ganze nicht einfach schönreden auf diese Art und Weise.
Wir haben das Thema hier jetzt x-Mal durchdiskutiert, man kann miserable Arbeitsbedingungen eine Zeit lang ertragen. Dann sollte man schauen, dass man da weg kommt insb. wenn man merkt, dass man es nicht mehr gut erträgt. Wenn du gerne so arbeiten möchtest, kein Problem, jeder wird dich mit Kusshand nehmen.
Ein Übermensch zu werden durch diverse Techniken und so Dienste besser aushalten zu können, sehe ich als fraglich an.
Anstatt dem Menschen immer mehr abzuverlangen, wäre es besser die Arbeitsbedingungen zu verbessern z.B. mit einem Blick nach Österreich oder ein Großteil unserer Nachbarländer.
In den industriellen Schlachthöfen gehen die Inhaber auch davon aus, dass ihre ungelernten Arbeitskräfte ca. 2-3 Jahre durchhalten. Danach schaffen sie es körperlich nicht mehr und die Arbeitgeber geben das offen zu anstatt Entspannungstechniken zu verordnen oder zu sagen: Findet Wege, wie ihr eure eigenen Grenzen überschreitet. Hört sich an wie eine Aufforderung zum Drogenkonsum.
So, und DA muss ich jetzt mal ordentlich dazwischen grätschen! Natürlich kann man versuchen, sich stress- bzw. dienstresistenter zu machen. Die vielbeschworene Achtsamkeit und damit verbundene Übungen sind mit Sicherheit adäquate Mittel, die zum Ziel führen können, um den Stresslevel etwas runter zu fahren und ggf. schneller in den häufig raren Schlaf während eines Dienstes zu kommen. Den Schlaf-Wach-Rhythmus selbst positiv zu beeinflussen, kann aus der Tatsache des schier unvorhergesehen Dienstes heraus schon nicht klappen. Man kann vorher und nachher für Schlaf und Entspannung sorgen, aber das gewiss nicht für währenddessen planen. Die Qualität des Schlafes kannst du auch nicht beeinflussen, zumal wenn du vorher richtig Action hattest. Da pinkelt dir dein Cortisol ordentlich ans Bein.
Was mir besonders sauer aufstößt, ist die Bemerkung von dir, dass man seine psychische Widerstandkraft so weit trainieren kann, sich selbst dazu motivieren kann, über Grenzen hinaus zu gehen, sich von seinem eigenen Zustand zu entkoppeln. DAS, mein lieber mbs, befördert dich geradewegs in einen Burnout mit Depression hinein, das kann ich dir versichern.
Been there, done that! Und was habe ich gelernt? Das großartige Zauberwort und Tool "Selbstfürsorge". Und auch, dass man nicht dauerhaft auf 100 oder gar 120 % gut funktionieren kann. 80 % deiner Leistungskraft müssen reichen, um dich dauerhaft gesund zu erhalten. Wer ständig 100 % gibt, gerät schnell nicht nur AN die Grenzen, sondern in Turbogeschwindigkeit darüber hinaus. Von keiner Maschine erwartet man 100 %, weil das den Verschleiss einer solchen vorantreiben würde, was betriebswirtschaftlich bedenklich wäre. Von 120 % brauchen wir in diesem Zusammenhang nicht zu sprechen. Dass es Kappes ist, immer über dem absoluten Limit (denn das sind schon 100 %!) zu arbeiten, steht glaube ich außer Frage. Arbeitet man zu 80 % seiner Leistungsfähigkeit, hat man noch Puffer nach oben für stressige Zeiten, um danach wieder auf normal runter zu fahren. Das kannst du nicht mit bereits geleisteten 100 %, geschweige denn mit 120 %. Wer allerdings das von dir so lapidar hingesagte Modell des Über-die-Grenzen-gehen favorisiert. Bitte.... kann man machen, sollte man aber nicht. Aus Gründen der Selbstfürsorge.
Selbstfürsorge beinhaltet übrigens auch Abgrenzen! Abgrenzen gegen von oben aufoktroyierten Stress durch Organisationsverschulden seitens des Arbeitgebers. Wenn dieser hinnimmt, dass wenige Kollegen viele Dienst schieben müssen, hat er schon das Grundprinzip der Mitarbeiterfürsorge nicht verstanden. Gegen den Stress IM Dienst kann man relativ wenig machen, das stimmt schon. Da muss man irgendwie klar kommen. Und da mögen Entspannungstechniken helfen. Aber eben nur situativ, und gewiss nicht auf Dauer.
Ich habe in den beiden Klinikaufenthalten, in die ich durch ständiges Geben von 100- 120 % (beruflich wie privat) geraten bin, nicht wenige Patienten aus dem medizinischen Bereich kennengelernt, die genau an dem gleichen Konzept gescheitert sind, das auch mir das Genick gebrochen hat: ständige Selbstüberforderung und fatales Ignorieren sämtlicher Alarmzeichen!
Sehr gut gesagt und deutlich realistischer als die Aussage von mbs.
Mit "Übermensch" hat das ja überhaupt nichts zu tun. Menschen sind halt unterschiedlich. Manche nehmen bestimmte Arbeitsbedingungen als sehr belastend wahr, andere nehmen exakt dieselben Arbeitsbedingungen als gut wahr. Manche haben das Gefühl, durch PMR, Essen, Schlafhygiene usw. ihre Lebensqualität deutlich steigern zu können, andere haben das Gefühl, dass ihnen das alles nichts bringt. Usw. usf.
Und natürlich schaffen es manche Menschen, ihre psychische Widerstandskraft zu steigern, ihren Schlaf auch im Dienst durch verschiedene Interventionen zu verbessern. Und andere schaffen das eben nicht - das ist völlig natürlich. Nicht jeder Mensch ist gleich, und es ist nicht besonders sinnvoll, beleidigt zu sein, wenn jemand anderer sagt, dass ihm XYZ hilft, nur weil es einem selbst nicht geholfen hat.
Es muss halt jeder selbst rausfinden, was gut für ihn ist und was/wieviel er aushält.
Wenn man regelmäßig das Gefühl hat, dass man ungern zur Arbeit geht, dass man keine Zeit und keine Energie für Hobbies, Freundschaften, Beziehung, usw. hat, dann sind das Zeichen, dass der Job nicht zu einem passt und man sollte sich frühzeitig eine Alternative suchen, bevor man unter der Last zusammenbricht. Das ist ja aber eigentlich selbstverständlich, und muss nicht extra gesagt werden.
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