Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Eigene Praxis = Schlaraffenland?
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Ich denke auch, hier wird mit Begriffen hantiert, die sehr subjektiv definiert sind.
Das Beispiel mit den 90+ Wochenarbeitsstunden (und vermutlich noch weiteren "Überlegungsstunden") finde ich persönlich grausam; ich bin - in meiner aktuellen Lebenssituation - nicht sicher, ob ich überhaupt einen Monat unter diesen Bedingungen vollmachen würde.
Aber auch eine "normale" 40 Stunden-Woche hat für mich nur bedingt etwas mit "guter" Work-Life-Balance zu tun. (Auch wenn ich derzeit 40 Stunden Vollzeit arbeite). Dazu kommen dann noch die Fahrtzeiten, die Gedanken, die man sich im Feierabend macht, ...
Ich beschwere mich nicht über meinen Job, mein Gehalt, meine Arbeitsbedingungen - aber ganz ehrlich, unter guter Work-Life-Balance verstehe ich doch etwas anderes, als 5 Tage die Woche die Mehrzahl meiner wachen Stunden mit Arbeit zu verbringen.
Ich kriege dafür gutes Geld, ja; aber ein Schlaraffenland ist was anderes.
Inwiefern wird die Situation deiner Meinung nach eine ganz andere sein?
Ich meine vor allem die Apparatemedizin. Hier wird sich die Vergütung auf diesem Niveau nicht halten. Habe ich 2011/12 im Bereich Dialyse am Rand mitbekommen. Aktuell wird im Hintergrund unglaublich viel Aufwand von den Interessensvertretern bei den Verhandlungen für die Pauschalen betrieben.
Und dann bin ich mal auf das Wahlergebnis gleich gespannt. Bürgerversicherung, Versorgungswerke, Privatisierung ….
Kann mir irgendwie nicht vorstellen, dass die Vergütung steigt und die Arbeitsdichte abnimmt.
Krokodil97
26.09.2021, 23:12
Sagt der Bachelorabsolvent?? :-)) Na dann: nur zu. Ab an die fetten Fleischtöpfe :-))
Wir sehen uns dann frühestens in 11 Jahren an der Front- nach deinen 6 Jahren Studium und deinen 5 Jahren FA Weiterbildung. Wenn du noch ne Subspezialisierung dranhängst, oder beispielsweise in einem operativen Fach als OA noch mehr operative Expertise bekommen möchtest, gerne auch erst in 15 Jahren. 2036 wirst du dann staunend auf deinen Post von 2021 zurückblicken, den dein 22/23 jähriges Ich ohne großartig relevante Berufserfahrung innerhalb (und außerhalb?) der Medizin mit einem erstaunlichen Maß an Selbstgewissheit verfasst hat :-wow Könnte mir vorstellen, dass du mit 38 über einige Dinge anders denken wirst.
Also Thomas24, deiner Meinung nach ist eine eigene Praxis also kein Schlaraffenland. Gründe dafür wurden auch schon genannt:
es macht für einen Betrieb eben doch einen klitzekleinen Unterschied, ob man für eine erbrachte Leistung bezahlt wird- und zwar in Euro und Cent, oder eben ein halbes Jahr später- und zwar in Punkten. Und zu einem Punktwert, dessen Wert zum Zeitpunkt der Leistungserbringung noch nicht bekannt ist und erst im Nachhinein feststeht
-> Die intransparente und pauschale Vergütung mag nicht optimal sein und sicher ist es ärgerlich wenn man Leistungen erbringt und für diese im Nachhinein nicht angemessen oder gar nicht bezahlt wird. Unterm Strich verdient man doch aber trotzdem stolze 170k+ bei einer 40h Woche, egal wie diese sich zusammensetzen.
2)
Bürokratieaufwand (mindestens 30% der Arbeit)
-> sicherlich macht der Bürokratieaufwand keinen großen Spaß, aber der Bürokratieaufwand ist ja auch in den 40h berücksichtigt und dementsprechend gut bezahlt.
Ich erkenne ja an, dass niedergelassene Ärzte wichtige und verantwortungsvolle Arbeit leisten, aber man kann nicht leugnen, dass sie dafür eben auch sehr gut verdienen. Gemessen an anderen Jobs sogar so gut, dass man durchaus von einem Schlaraffenland sprechen kann.
Definiere doch mal „Work-Life-Balance“. Findest du 40-50 Stunden Arbeit als Niedergelassener wirklich gut? Oder verstehst du unter Work-Life-Balance eher Work-Money-Balance?
Die Work Life Balance eines niedergelassenen Arztes ist doch mit der Work Money Balance gleich zu setzen, weil ein niedergelassener Arzt selbst entscheiden kann wieviel er arbeitet. Wenn dir 40-50h für 200k zu nicht zusagen, kannst du dein persönliches Schlaraffenland auch bei 25h für 100k haben :-)
Krokodil97
26.09.2021, 23:24
Die bisherigen Argumente überzeugen mich schlichtweg nicht davon, dass eine eigene Praxis, gemessen an andern Berufen, kein Schlaraffenland sein soll. Ich bestreite nicht, dass es hinsichtlich Bürokratie, pauschaler Vergütung etc Verbesserungspotential gibt, aber gemessen an fast allen anderen Berufen bekommt man entweder viel mehr Geld (zb 40h für 170k) oder hat viel mehr Freizeit ( zb. 25h für 100k).
Notar, Bundestagsabgeordneter, Schauspieler, Profifußballer sind Ausnahmen und keine Regel.
Neben der überdurchschnittlichen Work Life Balance, hat man auch einen sicheren, krisensicheren Arbeitsplatz. Egal wo.
Worauf genau basiert denn Dein umfangreicher Erfahrungsschatz, dass Du sowas behaupten kannst? In welchen Branchen und Positionen hast Du denn SELBST bisher schon gearbeitet?
Ich belese mich. Gern kannst du mich mit hard facts korrigieren.
cartablanca
27.09.2021, 00:25
Krisensicher ist der Job allemal. Nur wirfst du anderen vor nicht über den Tellerrand zu schauen. Ich habe einige Unternehmer im Bekannten- und Verwandtenkreis.
https://www.impulse.de/recht-steuern/steuertipps/geschaeftsfuehrer-gehalt-gmbh/7307883.html
Branchengruppe Umsatz < 2,5 Mio. Euro
Mitarbeiter: < 20
Industrie/Produktion 170.000 – 220.000 Euro
Großhandel 194.000 – 239.900 Euro
Einzelhandel 148.000 – 183.000 Euro
Freiberufler 192.000 – 275.000 Euro
Sonstige Dienstleistungen 164.000 – 220.000 Euro
Handwerk 123.000 – 175.000 Euro
Man muss noch berücksichtigen was da alles nebenbei schwarz läuft.
cartablanca
27.09.2021, 00:25
Krisensicher ist der Job allemal. Nur wirfst du anderen vor nicht über den Tellerrand zu schauen. Ich habe einige Unternehmer im Bekannten- und Verwandtenkreis.
https://www.impulse.de/recht-steuern/steuertipps/geschaeftsfuehrer-gehalt-gmbh/7307883.html
Branchengruppe Umsatz < 2,5 Mio. Euro
Mitarbeiter: < 20
Industrie/Produktion 170.000 – 220.000 Euro
Großhandel 194.000 – 239.900 Euro
Einzelhandel 148.000 – 183.000 Euro
Freiberufler 192.000 – 275.000 Euro
Sonstige Dienstleistungen 164.000 – 220.000 Euro
Handwerk 123.000 – 175.000 Euro
Umsatz ist was ganz anderes
Aeonflux
27.09.2021, 05:49
Die bisherigen Argumente überzeugen mich schlichtweg nicht davon, dass eine eigene Praxis, gemessen an andern Berufen, kein Schlaraffenland sein soll. Ich bestreite nicht, dass es hinsichtlich Bürokratie, pauschaler Vergütung etc Verbesserungspotential gibt, aber gemessen an fast allen anderen Berufen bekommt man entweder viel mehr Geld (zb 40h für 170k) oder hat viel mehr Freizeit ( zb. 25h für 100k).
Notar, Bundestagsabgeordneter, Schauspieler, Profifußballer sind Ausnahmen und keine Regel.
Neben der überdurchschnittlichen Work Life Balance, hat man auch einen sicheren, krisensicheren Arbeitsplatz. Egal wo.
Ich stimme Krokodil zu.
In der Ärzteschaft wird derartig viel gejammert wie nirgendwo sonst. Das hat definitiv System. Sonst wollen zu viele was vom Kuchen abhaben. Blöd nur, wenn man sich damit Nachwuchssorgen generiert. Fakt ist, dass man als Facharzt in der Klinik so nicht verdient. Und wenn ich immer von dem achso großen Risiko lese, die Konkursrate von Arztpraxen ist verschwindend gering. Es ist ja auch keine echte Selbstständigkeit, wenn man nicht grad nur privat arbeitet. Arbeiten muss man für sein Geld immer und auch die oben genannten Industrieberufe verdienen weder alle so viel noch wirft man es ihnen hinterher. Aber niedergelassen lebt es sich sicherlich komfortabel. Und jeder, der hier jetzt Protest erhebt, möge doch mal erklären, warum er dann nicht zurück in die Klinik geht.
Feuerblick
27.09.2021, 07:48
Ich frage nochmal, lieber TE: Definiere mir Work-Life-Balance. Was ist das für dich?
Dogs4Life
27.09.2021, 09:58
Umsatz ist was ganz anderes
Da geht es ja auch um den Branchenumsatz und die Einteilung der Selbstständigen in respektive Umsatzgruppen.
Die Gehälter sollten, denke ich, selbstverständlich nicht als Umsatz gesehen werden, sondern als die Bruttogehälter der einzelnen Branchenunternehmer.
Es ist ja auch keine echte Selbstständigkeit, wenn man nicht grad nur privat arbeitet. Arbeiten muss man für sein Geld immer und auch die oben genannten Industrieberufe verdienen weder alle so viel noch wirft man es ihnen hinterher. Aber niedergelassen lebt es sich sicherlich komfortabel. Und jeder, der hier jetzt Protest erhebt, möge doch mal erklären, warum er dann nicht zurück in die Klinik geht.
Natürlich ist es eine echte Selbstständigkeit. Nur, weil man in vielen Fachbereichen (Allgemeinmedizin, Uro, etc.) den Luxus hat, dass genug Patienten da sind und man selbst als halbwegs kompetenter Arzt die Praxis immer voll hat (auch aufgrund des distributiven Ärztemangels), bedeutet nicht, dass es keine echte Selbstständigkeit ist. Die ganzen Probleme der Selbstständigkeit - die ja von med1, Evil, Thomas, etc. aufgelistet worden sind - bestehen auch.
Mir kommt es so vor, dass gerade diejenigen so vehement davon schwärmen, die nicht mal selbstständig sind und sich einfach Internetwissen aneignen. Bin mal gespannt, wieviele es dann wirklich aufbringen eine Praxis zu eröffnen und alles zu managen.
@TE
In meiner Nachbarschaft ist ein Dachdecker, mit dem ich gut befreundet bin, der jenseits der 200k brutto liegt und das bei einer 35h Woche. Weiterhin habe ich ein paar Freunde, die alle Meister im Handwerk sind (Maurer, Fliesenleger, etc.), die mit ihren 30-35 Jahren jetzt frisch Millionäre geworden sind.
Das sind jetzt nur ein paar Beispiele aus dem Handwerk, da ich da Bekannte habe. Potential zum gut verdienen gibt es in vielen Bereichen und dafür braucht man nicht zum Teil mehr als 11 Jahre Ausbildungszeit.
Und außerdem ist Work-Money-Balance nicht äquivalent zu Work-Life-Balance zu sehen. Kannst ja auch direkt nach der Approbation eine private ästhetische Praxis aufmachen und lediglich Botox, Filler, etc. anbieten. Da wirst du sicherlich auch gut verdienen bei wenig Arbeitszeit, aber, ob das dein Leben bereichert und dich in deiner Freizeit auch glücklich werden lässt, ist eine andere Frage.
Einige Menschen wird es glücklich machen, andere werden es hassen.
med_in_1
27.09.2021, 11:21
Und jeder, der hier jetzt Protest erhebt, möge doch mal erklären, warum er dann nicht zurück in die Klinik geht.
ich habe eine Wertgutachten durch die KV erstellen lassen und werde den Rückweg in die Klinik (in Teilzeit) antreten und nebenher ein paar KV-Dienste fahren.
Ich stimme Krokodil zu.
In der Ärzteschaft wird derartig viel gejammert wie nirgendwo sonst. Das hat definitiv System. Sonst wollen zu viele was vom Kuchen abhaben. Blöd nur, wenn man sich damit Nachwuchssorgen generiert. Fakt ist, dass man als Facharzt in der Klinik so nicht verdient. Und wenn ich immer von dem achso großen Risiko lese, die Konkursrate von Arztpraxen ist verschwindend gering. Es ist ja auch keine echte Selbstständigkeit, wenn man nicht grad nur privat arbeitet. Arbeiten muss man für sein Geld immer und auch die oben genannten Industrieberufe verdienen weder alle so viel noch wirft man es ihnen hinterher. Aber niedergelassen lebt es sich sicherlich komfortabel. Und jeder, der hier jetzt Protest erhebt, möge doch mal erklären, warum er dann nicht zurück in die Klinik geht.
Sorry das so deutlich zu formulieren, aber wenn Du die Niederlassung als komfortabel bezeichnest, hast Du schlicht keine Ahnung.
Wäre ja nicht weiter schlimm, aber daß jemand, der mit Niederlassung überhaupt keine Erfahrung hat und seine Einschätzung nur aus theoretischen Überlegungen und Informationen 2. Hand bezieht, dann die Ansicht tatsächlich Niedergelassener einfach negiert, ist nicht nur etwas lächerlich.
Christoph_A
27.09.2021, 13:06
Was regst Du Dich auf @Evil, der ganze Thread ist ja eine pure, provokante Trollerei, einfach nicht darauf eingehen. Der TE hat offensichtlich keine Ahnung vom Arbeitsalltag von uns Niedergelassenen und will einfach nur durch eine banale Neiddebatte Unfrieden stiften.
Anne1970
27.09.2021, 13:46
Fraglich, wieviel Erfahrungen bisher mit Arbeit generell gemacht wurden. :grins:
Cor_magna
27.09.2021, 14:36
Was regst Du Dich auf @Evil, der ganze Thread ist ja eine pure, provokante Trollerei, einfach nicht darauf eingehen. Der TE hat offensichtlich keine Ahnung vom Arbeitsalltag von uns Niedergelassenen und will einfach nur durch eine banale Neiddebatte Unfrieden stiften.
Seh ich genauso. Ich warte auf die Erfahrungen aus dem Schlaraffenland in 12 Jahren :-))
ich habe eine Wertgutachten durch die KV erstellen lassen und werde den Rückweg in die Klinik (in Teilzeit) antreten und nebenher ein paar KV-Dienste fahren.
Mich würde interessieren, wie deine Rückkehr in die Klinik aussieht. Doch nicht etwa Station schrubben in der Inneren? Hast du eine OA- oder Ambulanzstelle gefunden?
Krokodil97
27.09.2021, 15:47
Warum ist es "Provokation" wenn man sich in einem Online Forum zu einem Thema austauscht. Dazu ist es doch da? Ich werde selbst ein Medizinstudium anfangen, warum sollte ich denn dann missgünstig gegenüber den Gehältern von Ärzten sein? Im Gegenteil, ich will mich halt zu meinem zukünftigen Job informieren bevor ich blind ein Studium beginne.
Nur ist es halt wie gesagt so, dass (für mich) bis jetzt keine triftigen Gründe genannt wurden, weshalb die Arbeit als niedergelassener Arzt nicht weit überdurchschnittlich attraktiv sein soll. In Deutschland verdienen gerade mal 3,5% aller Einkommenspflichtigen über 100k. Als Mediziner verdient man das schon bei einer 25h Stunden Woche. Arbeitszeit und Gehalt sind also außerordentlich gut. Weshalb konkret soll es denn aber eurer Meinung nach trotzdem kein Schlaraffenland sein? Macht euch die Arbeit keinen Spaß? (weil zu eintönig, zu viel Bürokratie, zu viel Leistungsdruck) -> Das wäre ja die einzig logische Erklärung.
Nur mal so am Rande: Wenn Fixkosten eine Rolle spielen, bedeutet eine Halbierung des Umsatzes nicht eine Halbierung des Gewinns ;-)
cartablanca
27.09.2021, 17:43
Umsatz ist was ganz anderes
Du hast den Link nicht geklickt
Das sind die Gehälter der Geschäftsführer.
med_in_1
27.09.2021, 18:59
Mich würde interessieren, wie deine Rückkehr in die Klinik aussieht. Doch nicht etwa Station schrubben in der Inneren? Hast du eine OA- oder Ambulanzstelle gefunden?
Ich wechsel als Facharzt, allerdings in die passende Erfahrungsstufe in eine mittlere Klinik um meine Subspezialisierung zu machen. Wenn ich in der Niederlassung eines gelernt habe: In der 2. Reihe lebt es sich besser, als an vorderster Front. Und: Wer viel verdient braucht auch viel.
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