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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Eigene Praxis = Schlaraffenland?



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Krokodil97
29.09.2021, 09:21
Wenn du doch BWL studiert hast, warum bist du dann nicht in der Lage, das mal konkret auszurechnen?

Ich brauch doch den zu erwartenden Gewinn nicht ausrechnen, wenn ich ihn einfach in den offiziellen Statistiken einsehen kann^^ Wenn du ein niedergelassener Arzt bist, kannst du ja auch gern mal schreiben wie hoch dein Einkommen bei welcher Arbeitszeit ist.

Feuerblick
29.09.2021, 09:38
Naja, wie du argumentierst ist halt einfach nicht logisch. Du sagst 100k sind bei 20-30h aufgrund der von dir genannten Gründe unrealistisch, obwohl laut offiziellen Statistiken der Reingewinn pro Praxisinhaber durchschnittlich 170k+ beträgt. Das lässt nur 2 Erklärungen zu, entweder die offiziellen Statistiken sind gefälscht, oder deine Argumentation stimmt halt einfach nicht.

Lg

Krokodil
Wo steht denn, dass man als Arzt, der Kassenpatienten behandelt, für 20-30 Wochenstunden 170K Reingewinn erzielt? Und von welchem FACH reden wir denn da? Von welchen Scheinzahlen? Von welcher Art der Praxis (Einzel/Gemeinschaftspraxis/BAG überörtlich?, rein konservativ, operativ oder gemischt? o.ä.)? Wo liegen diese Praxen?
Ach ja: Praxen gibt es nicht geschenkt. Die muss man bezahlen für viel Geld. Und in die Infrastruktur investieren.
Die Wahrscheinlichkeit, dass diese pauschalen Zahlen Quatsch sind, ist nicht gering. Das, was du am Ende übrig hast, ist maßgeblich nicht nur von der Art der Praxis und vom Ort abhängig sondern auch davon, welche Fachrichtung du anbietest.

Du kennst dich so überhaupt nicht mit der konkreten Materie aus, suchst dir im Internet irgendwelche Zahlen und wenn man dir erklären will, dass es so einfach eben nicht ist, dann bleibst du stur und willst es nicht glauben. Hier haben genug Niedergelassene beschrieben, wie sie arbeiten und was dabei rumkommt. Interessiert dich aber nicht, weil … da ist ja ne Statistik - die muss es doch besser wissen!

Weißt du was? Studier einfach Medizin, mach einen Facharzt und dann lasse dich nieder (wenn du da, wo du hinwillst einen Sitz bekommst…). Und dann diskutiere deine Vorstellungen mal mit der jeweiligen KV. Viel Spaß und ein schönes Leben!

Btw. @Rest: Sehr ihr - genau deshalb machen BWLer uns in den Kliniken das Leben schwer. Jenseits der Wirklichkeit, denn es gibt ja eine Statistik.

Krokodil97
29.09.2021, 09:57
Also gut Feuerblick, dann leugnest du also die offiziellen Statistiken und bist der Meinung es besser zu wissen. Bei den genannten Zahlen 170k handelt es sich um den Durchschnitt aller allgemeinärzte in Deutschland. Andere Fachärzte verdienen durchschnittlich noch mehr. Hier nochmal für dich zum nachlesen: https://www.doctari.de/aerzte/ratgeber/gehalt-niedergelassene-aerzte

Das man für 20-30h 170k bekommt habe ich auch nicht gesagt. Wer lesen kann ist klar im Vorteil. Ich habe gesagt, dass man, wenn der durchschnittliche niedergelassene Arzt mind 170k verdient (und dafür vermutlich 40-50h arbeitet) davon ausgehen kann, dass man mit 20-30h irgendwo bei 100k landet.

Du sagst quasi, du weißt es besser. Hast aber eigentlich keine Argumente vorgebracht außer paar Rahmenbedingungen zu nennen, die aber solche Reingewinne überhaupt nicht ausschließen.

crossie
29.09.2021, 09:59
Btw. @Rest: Sehr ihr - genau deshalb machen BWLer uns in den Kliniken das Leben schwer. Jenseits der Wirklichkeit, denn es gibt ja eine Statistik.

:-meinung

Feuerblick
29.09.2021, 09:59
Die von dir genannten Zahlen betreffen Ärzte, die Privatpatienten und Kassenpatienten behandeln. Ohne Differenzierung bezüglich der von mir angegebenen Punkte.
Dass du als Arzt, der Kassenpatienten behandelt, nicht nur 20 Stunden pro Woche arbeiten kannst, wurde dir sogar per Link belegt. Das ignorierst du.

Über die Quelle sollte man auch nochmal diskutieren. Die erscheint zumindest wenig differenziert bis fragwürdig.

Julian98
29.09.2021, 10:31
Sehe ich generell positiver: zum einen haben auch PE Investoren und Ketten Probleme, die vorhandenen Sitze tatsächlich zu personell zu bespielen. Insbesondere bei hohem Wachstum ist es nicht einfach, allen KV- und sonstigen Anforderungen ausreichend schnell nachzukommen, zum einen, weil es das Personal nicht gibt (sowohl auf FA Ebene, als auch bei qualifizierten MFAs etc.), zum anderen, weil die vorhandenen Kräfte die Auswahl haben -sofern Sie etwas mobil sind- wo Sie arbeiten möchten. Und da ist der Trend zur Arbeit in der Ballungsregion/ Speckgürtel ungebrochen. Für mein Fach haben wir derzeit 3 größere und mehrere Mittelgroße Akteure auf dem Markt und Sie alle haben zwar Zugang zu günstigem Kapital und Know How, aber Probleme, ihre Standorte in adäquater Zahl und Qualität zu besetzen. Bedenke: eine MFA/Optiker/Optometristengeneration kann man frühestens in 3 Jahren bekommen, Fachärzte frühestens in 11 und unbegrenzte weitere Aufnahme von ausländischen Kräften wird es auch nicht geben, wenn die Attraktivität des deutschen Gesundheitssystems in Relation zu anderen Systemen weiter nachlässt.

Was die Selbstverwaltung/ Ärztevertretungen angeht: ich sehe weniger kurzfristiges Gewinnstreben auf seiten der KV etc. (wieso auch, sind ja Aufsichtsorgane und Körperschaften des öffentlichen Rechts), sondern mehrere Faktoren. Zum einen haben sich die Werte etwas gewandelt. Es gibt einfach nicht mehr dieselbe Nachfrage nach selbständiger Tätigkeit, wie vor ein, zwei Generationen. Der "ich muss alles alleine" lösen Einzelkämpfer ist ebenfalls auf dem Rückzug. Die nachfolgenden Generationen möchten tendenziell eher in kooperativerer Form (als BAG etc.) zusammenarbeiten (hat ja auch viele fachliche und organisatorische Vorteile), sich im Job nicht zu Tode schuften, sprich: Work- Life Balance haben, etc. Medizin wird zunehmend weiblicher und muss zeitlich flexibleres arbeiten ermöglichen etc.

Praxen, die ohne einen Nachfolger zu finden, geschlossen werden müssen oder für einen symbolischen Betrag verschenkt werden, wird es in Zukunft nicht mehr nur in der Peripherie geben. Auch Praxen, die als "KV Eigenbetrieb" von der KV selbst betrieben werden, könnten zahlenmäßig zunehmen. Nicht vergessen: der Großteil der ambulanten Kollegen ist derzeit 54 Jahre alt. Ich sehe da momentan keinen Nachwuchs in adäquater Zahl nachwachsen. Sicher ist: in Zukunft wird es flexiblere Versorgungsformen als jetzt geben, mit einem steigenden Anteil an telemedizinischen Konsultationen und auch zunehmender Autonomie von paramedizinischen Hilfs- und Heilberufen, die dann ein zunehmendes Selbstbewusstsein bekommen werden. Siehe Richtung "Nurse Practitioner", "Optometrists" usw, die es ja in anderen Systemen neben dem Arzt gibt und sicher auch in Deutschland eine wichtigere Rolle spielen werden, vor allem vor dem Hintergrund, dass politische Entscheidungsträger glauben könnten, damit Kosten einsparen möchten ("billiger" als ein Arzt.).

Was tatsächlich ein Problem darstellen könnte, ist das Exit/ Buy in- Szenario in ca. 20 Jahren. Traditionellerweise würde die abgebende Generation von etablierten Großpraxen etc. an die nachwachsende Generation von Kollegen und Teilhabern ihre Anteile abgeben. Meistens jenseits des 55 Lebensjahres, weil es den Steuervorteil auf die vergünstigte Besteuerung bei Veräußerung einmalig im Leben gibt. Aber derzeit sind die Zinskonditionen so günstig für hochgehebelte PE Investoren, dass Sie einem Abgeber den Faktor 5- 7,5 auf ihren Jahresgewinn für den Verkauf der Anteile bieten können. Das macht es potentiellen interessierten Jungärzten, die selber im Unternehmen mitarbeiten, schwierig mitzuhalten wenn einer der Seniopartner ausscheidet und einen großen Anteil am Unternehmen verkaufen will. Das sollte man bei seinem Einstieg in eine BAG etc. gut verhandeln und sich mit den Seniorkollegen, die einige Jahre vor euch ausscheiden möchten, ein Vorkaufsrecht im Gesellschaftsvertrag zu fairen Konditionen zusichern lassen. Nichts ist blöder, als selbst noch Kredite bedienen zu müssen- die Gesellschaftsmehrheit wurde vom ausscheidenden Senior teuer an einen Investor verkauft- und zack, du als Junior Gesellschafter bist plötzlich nicht mehr Herr im eigenen Laden, musst aber weiterarbeiten, wie bisher, weil du noch zu hohe Verbindlichkeiten (Haus, Praxis, Familie) hast...
Andererseits ist unklar, ob die Zinslage in 15 - 20 Jahren derartige Exzesse bei den Kaufpreisen überhaupt noch zulassen wird.

Patienten schätzen eine kontinuierliche und persönliche Betreuung aus einer Hand. Ständig wechselndes Personal, das zwischen den Standorten tageweise hin- und hergeschoben wird, oft fremdsprachig, ist da nur die zweite Wahl. Zweitens: ein Angestellter, egal, wie gut bezahlt und motiviert, wird niemals denselben Einsatz einbringen, wie ein Selbständiger. Wer Kunden-, Service- und Qualitätsorientiert unterwegs ist, und unternehmerisch denkt, wird selbst in einem Umfeld mit vielen Ketten sein gutes Auskommen haben. Genauso wie es einen Kunden für einen Massenprodukt von McDonalds und Maredo gibt, gibt es ebenso einen Markt für gute Restaurants mit individuellem Service. In der Medizin ist es nicht anders.

Jedem, der Bock auf Selbständigkeit hat, kann ich nur aufmunternd zurufen: nur zu! Es ist nicht alles Gold, was glänzt- es ist ein A*sch voller Arbeit und Verantwortung, die politische und gesellschaftliche Wertschätzung nimmt ab. Aber am Ende ist es wesentlich besser, sein eigener Herr zu sein, als für jemand anders zu arbeiten (zumindest für mich).

PS: Vormittags gechillt etwas Praxis und nachmittags auf dem Golfplatz ...nun ja. Wirst du ja sehen.

Thomas24 du scheinst sehr kompetent und viel Ahnung von der Niederlassung an zu haben. Ich stehe vor einer ähnlichen Entscheidung und überlege entweder Zahnmedizin weiterzustudieren oder Medizin in Österreich (hab dazu einen Thread eröffnet). Mein Ziel ist definitiv die Selbstständigkeit. Wie siehst du die Zukunftsaussichten von Zahnmedizin in der Niederlassung (insbesondere Oralchirurgie) im Vergleich zu Humanmedizin?

hebdo
29.09.2021, 11:55
.... https://www.doctari.de/aerzte/ratgeber/gehalt-niedergelassene-aerzte
......

Die Quelle ist nicht seriös - als Angabe steht nur "statistisches Bundesamt" und nichts weiter. Die Zahlen sind nicht erklärt. Die Homepage informiert nicht neutral sondern mit dem Ziel angestellte (Fach-)Ärzte für Arbeitnehmerüberlassungen und Vermittlungen zu werben. Es ist ungefähr so als ob du deine Anlageentscheidungen anhand von Gesprächen beim Brötchenholen, Friseur oder Apothekenumschau triffst - muss ja nicht unbedingt verkehrt sein.

Bessere Zahlen bekommt man bspw. über die Reports des ZI Praxispanel der KBV. Der aktuelle Report ist leider aus 2018. Anhand den Daten wird klar dass es eine breite Streuung innerhalb der Praxen eines Fachgebietes gibt. Dort wird auch gezeigt (Hausärztl. Versorgung), dass vom Reinertrag mehr als 50% für Steuer und Versorgungsaufwendungen abgehen. Für Hausärzte beträgt die Wochenarbeitszeit bei einem Reinertrag von 168.000€ durchschnittlich 50h.

Wichtig ist wegen der Streuung immer der Unterschied von Durchschnitt und Median. Da werden aus 168.000€ gleich mal 148.000€ mit einem "monatlichen Gehalt" von 6900€ bzw. 6100€. Der Netto-Stundenlohn beträgt 38€ bzw. 33€. Das ist der Lohn für einen Unternehmer mit voller persönlicher Haftung.

Krokodil97
29.09.2021, 19:36
Die von dir genannten Zahlen betreffen Ärzte, die Privatpatienten und Kassenpatienten behandeln.

Mag ja sein, dass ein niedergelassener Arzt der nur Kassenpatienten behandelt weniger als die kolportierten 170k pro Jahr verdient. Aber wie kommst du denn darauf, dass das der Fall sein sollte? Es ist viel mehr davon auszugehen, dass ein (durchschnittlicher) niedergelassener Arzt eben auch den durchschnittlichen Anteil an Privatpatienten hat und damit eben auch den durchschnittlichen Reingewinn von 170k erzielt.

Krokodil97
29.09.2021, 19:56
Die Quelle ist nicht seriös ... Für Hausärzte beträgt die Wochenarbeitszeit bei einem Reinertrag von 168.000€ .

Erst schreibst du die Daten vom Statistischen Bundesamt sind nicht seriös, um dann mit einer Statistik um die Ecke zu kommen die von genau dem gleichen Reinertrag ausgeht. Alles klar.


Für Hausärzte beträgt die Wochenarbeitszeit bei einem Reinertrag von 168.000€ durchschnittlich 50h.

Wichtig ist wegen der Streuung immer der Unterschied von Durchschnitt und Median. Da werden aus 168.000€ gleich mal 148.000€

Mag ja sein, dass der Reinertrag beim Median etwas geringer ist als beim Durchschnitt. So wird aber auch die Arbeitszeit beim Median etwas geringer sein als beim Durchschnitt - von daher verstehe ich nicht so richtig was du mit dem Beitrag überhaupt sagen willst.


vom Reinertrag mehr als 50% für Steuer und Versorgungsaufwendungen abgehen

So eine pauschale Aussage kann man nicht treffen.
Ein niedergelassener Arzt mit 170k Reinertrag, Steuerklasse 3, 2 Kindern und gesetzlicher Krankenkasse sowie keiner Arbeitslosenversicherung bezahlt 49k Einkommenssteuer und 26k Sozialabgaben. Bleiben 95k Netto (=56%). Ein Arzt mit Reinertrag 100k, Steuerklasse 3 und 2 Kindern und gesetzlicher Krankenkasse sowie keiner Arbeitslosenversicherung bezahlt ebenfalls 26k Sozialabgaben und 19k Einkommensteuer. Bleiben 55k (=55%)

Krokodil97
29.09.2021, 20:39
Ich verstehe nicht warum sich manche so schwer damit tun sich einzugestehen, dass 100k bei 20-30h als niedergelassener Arzt vollkommen realistisch sind. Wenn man als Allgemeinmediziner 170k bei 50h verdient, kriegt man halt ziemlich genau 100k für 30h. Wenn man als Augenarzt 250k bei 50h verdient, kriegt man ziemlich genau 100k für 20h. Ganz einfache Rechnung. (Ja - diese Rechnung funktioniert nur wenn man die anfallenden Fixkosten, zb. im Rahmen einer Gemeinschaftspraxis, gegenseitig aufteilen kann) Daran ändern auch die zahlreichen Kommentare wie schlecht die Rahmenbedingungen der Krankenkasse sind und dass die Arbeitszeit zu 1/3 aus Bürokratie besteht nichts. Diese Argumente waren also leider am Thema vorbei.

Das Argument mit dem Arbeitgeberanteil an den Sozialabgaben, den niedergelassene ebenfalls tragen müssen, war als einziges richtig gut, weil es eben nicht am Thema vorbei ging. Damit entsprechen die 100k brutto als niedergelassener Arzt auf den ersten Blick tatsächlich in etwa nur dem Gehalt 87k brutto eines Angestellten. Wie gesagt hat ein selbständiger Arzt dafür aber andere Steuervorteile so dass man unterm Strich doch äquivalent zu einem Angestelltengehalt von 100k brutto verdienen sollte.

Mal unabhängig davon sind die 170k für Allgemeinmediziner in der Statistik objektiv messbar - die 50h Arbeitszeit hingegen nicht. Ich will gar nicht mal sagen, dass Ärzte vermutlich weniger arbeiten, weil dann Feuerblick & Co völlig den Verstand verlieren - aber Lehrer arbeiten laut offiziellen Statistiken auch 50h pro Woche. Mein Dad ist Lehrer und arbeitet wenn es hoch kommt 30h pro Woche.

Lg

Feuerblick
29.09.2021, 20:43
Ach Hase, um meinen Verstand musst du dir keinerlei Sorgen machen. Ich mache mir ja auch keine Sorgen um deinen… :-))

hebdo
29.09.2021, 21:34
Erst schreibst du die Daten vom Statistischen Bundesamt sind nicht seriös, um dann mit einer Statistik um die Ecke zu kommen die von genau dem gleichen Reinertrag ausgeht. Alles klar.
Weil die Zahlen kommentarlos aufgeführt werden und mache Leser - nicht alle - denken könnten, „geil ich werde Arzt, arbeite gemütlich 40h und benötige einen Geldkoffer am Frühen Nachmittag um die Tageseinnahmen auf den Golfplatz zu tragen.“ Alles klar.



Mag ja sein, dass der Reinertrag beim Median etwas geringer ist als beim Durchschnitt. So wird aber auch die Arbeitszeit beim Median etwas geringer sein als beim Durchschnitt - von daher verstehe ich nicht so richtig was du mit dem Beitrag überhaupt sagen willst.
Grundkurs Statistik: Mittelwert vs. Median bei großer Streubreite. Mediane Arbeitszeit 48h



So eine pauschale Aussage kann man nicht treffen.
Ein niedergelassener Arzt mit 170k Reinertrag, Steuerklasse 3, 2 Kindern und gesetzlicher Krankenkasse sowie keiner Arbeitslosenversicherung bezahlt 49k Einkommenssteuer und 26k Sozialabgaben. Bleiben 95k Netto (=56%). Ein Arzt mit Reinertrag 100k, Steuerklasse 3 und 2 Kindern und gesetzlicher Krankenkasse sowie keiner Arbeitslosenversicherung bezahlt ebenfalls 26k Sozialabgaben und 19k Einkommensteuer. Bleiben 55k (=55%)
Im Prinzip richtig. Ich ermutige dich Medizin zu studieren und wünsche dir, dass dein Plan aufgeht.

Krokodil97
29.09.2021, 22:12
Mediane Arbeitszeit 48h

Darf ich fragen wo du deine Daten zum Median her hast? gerne auch gleich den Link.


Ich ermutige dich Medizin zu studieren und wünsche dir, dass dein Plan aufgeht.

Vielen Dank :D Auch wenn das so klingt, als ob du es immer noch nicht für möglich hälst mit 20-30h 100k im Jahr zu verdienen. Weshalb verstehe ich nicht.


Weil die Zahlen kommentarlos aufgeführt werden und mache Leser - nicht alle - denken könnten, „geil ich werde Arzt, arbeite gemütlich 40h und benötige einen Geldkoffer am Frühen Nachmittag um die Tageseinnahmen auf den Golfplatz zu tragen.“

Naja welche Kommentare sind denn da auch groß notwendig. Was 30h für 100k bedeuten bzw. 50h für 170k kann sich ja jeder für sich selbst ausmalen. Und tatsächlich denke ich mir "Geil ich werde Arzt, arbeite gemütlich 30h für 100k und verbringe den Nachmittag mit Angeln und Golf". Wüsste nicht was dagegen spricht.

FirebirdUSA
29.09.2021, 22:38
@FirebirdUSA hat recht, dass man nicht in der gesetzl. RV sondern in einem Versorgungswerk versichert ist. War mir nicht bewusst, laut kurzer Internetrecherche ist das aber relativ irrelevant, die Beitragssätze sind wohl die gleichen wie in der gesetzl. RV.

Wenn du Angestellt bist ist bis zur Beitragsbemessungsgrenze der Beitrag identisch. Nur verlangen die VW in der Regel für Selbständige einen anderen Satz. In BW z.B. 12% der bei 500.000 Euro Einnahmen gedeckelt ist. Insofern hättest du bei 200.000 Reinertrag alleine 24.000 Euro ins VW zu zahlen. Fun fact: Wenn du als Angestellter soviel verdienst, dass die 12% > max DRV Beitrag sind ist natürlich auch der höhere Satz fällig.
Noch ein Fehler in deiner Rechnung: Es gibt viele Fixkosten wie z.B.Miete, Geräteleasing, etc die sich bei Reduktion der WAZ nicht reduzieren...

anignu
30.09.2021, 00:54
Und tatsächlich denke ich mir "Geil ich werde Arzt, arbeite gemütlich 30h für 100k und verbringe den Nachmittag mit Angeln und Golf". Wüsste nicht was dagegen spricht.
Muss diese Aussagen einfach zitieren weil sie irgendwo süß sind. Mein Sohn will auch Fußballprofi werden, meiner Tochter reicht Prinzessin. Fußballprofi ist cool. Brauchst nur so werden die der Ronaldo und kannst dir einen Bugatti kaufen. Er glaubt auch fest daran.

Ich würde es so sagen: 30h für 100k kann klappen. Muss nicht, kann. Die anfangs mal auch genannten 20h sind im Bezug auf realistisch halt weiter weg. Denn irgendwann sind die "Fixkosten" bzgl. Zeitfresser auch noch zu beachten. Es gibt genug Papierkram oder Sachen um die man sich kümmern muss und die einem Zeit kosten ohne dass man effektiv Richtung Verdienst oder Patientenbehandlung arbeitet. Und auch die genannten Fixkosten bzgl. Investitionen oder Versicherungen oder...

nie
30.09.2021, 04:56
Ich hab als angestellte Klinikärztin wenig Produktives beizutragen und lese nur aus Popcorngründen mit…

Aber… ein Geisterfahrer? Hunderte!

Mit den irgendwo erwähnten 55 k netto wird’s übrigens schon schmal wenn man mit dem Porsche zum Golfplatz will und vermutlich auch sonst den Luxus der Besserverdiener leben will….

miked
30.09.2021, 05:11
Erst schreibst du die Daten vom Statistischen Bundesamt sind nicht seriös, um dann mit einer Statistik um die Ecke zu kommen die von genau dem gleichen Reinertrag ausgeht. Alles klar.



Mag ja sein, dass der Reinertrag beim Median etwas geringer ist als beim Durchschnitt. So wird aber auch die Arbeitszeit beim Median etwas geringer sein als beim Durchschnitt - von daher verstehe ich nicht so richtig was du mit dem Beitrag überhaupt sagen willst.



So eine pauschale Aussage kann man nicht treffen.
Ein niedergelassener Arzt mit 170k Reinertrag, Steuerklasse 3, 2 Kindern und gesetzlicher Krankenkasse sowie keiner Arbeitslosenversicherung bezahlt 49k Einkommenssteuer und 26k Sozialabgaben. Bleiben 95k Netto (=56%). Ein Arzt mit Reinertrag 100k, Steuerklasse 3 und 2 Kindern und gesetzlicher Krankenkasse sowie keiner Arbeitslosenversicherung bezahlt ebenfalls 26k Sozialabgaben und 19k Einkommensteuer. Bleiben 55k (=55%)


Wenn du von steuerklasse 3 ausgehst bei der berechnung des nettogehalts, bkeibt natürlich auch beim selbständigen mehr übrig- das gleiche gilt aber eben auch beim angestelltengehalt, somit bleibt der unterschied ungefähr gleich; schau dir mal due von mir verlinkte Seite wirklich genau an, da ist gut erklärt, warum der Unterschied zwischen selbständigen- und angestelltengehalt deutlicher ist, nämlich in den von dir genannten Gehaltsbereichen ca. 30.000 Euro (ok, diese seite rechnet mit 15% altersvorsorge, das vw verlangt scheinbar "nur" 12 %, kannst also 3 % = 3000-4000 euro abziehen).... Ich verlinke dir die seite nochmal... https://steuerwelle.de/bruttonetto2017/ Diese brutto-netto-rechner haben sehr viele variablen, die man bei selbständigen genau angleichen muss... Dass man als selbständiger im gleichen maß (legal) steuerlich absetzen kann, halte ich für ein gerücht, das würde ich mir mal gerne vorrechnen lassen... Du hast recht, man kann als niedergelassener einen sehr guten stundenlohn erreichen, aber es gibt eben extrem viele variablen und durch regressgefahr, klagen etc. durchaus auch gewisse risiken.... Ich denke die vorstellung vom nur vormittags arbeiten und dann am nachmittag mit 100.000 atbeitnehmeräquivalent golfen gehen ist einfach unrealistisch, weil du nur mit fiktiven zahlen rumrechnest- ich kenne jedenfalls niemanden mit entsprechendem leben, auch nicht bei 2er BAG mit geteiltem sitz; d.h. nicht, dass es das nicht gibt, aber dann wohl doch eher die ausnahme; übrigens kam vorgestern eine interessante stern-tv sendung zum thema gehalts-gerechtigkeit; da war ein hufschmied, der mit ner 40h woche 9000 euro pro monat verdient; das fanden mehr als > 60 % der zusschauer gerecht; das durchschnittsgehalt von anwälten von 7500 euro im monat fanden dagegen die meisten zuschauer zu viel und stuften das gehalt "fiktiv" runter, am ende warens knapp über 7000- zu viel zum thema "gefühlte" gehaltsgerechtigkeit und neiddebatten.... Könnte man hufschmied werden, nur 3 jahre ausbildung, 108000/jahr und du bist (scheinbar) keinem neid ausgesetzt... Know what I mean?

Cor_magna
30.09.2021, 09:46
Oder ne Alternative: Lukrativen Fachbereich mit gefragten Skills wählen und sich im MVZ für ne 80% Stelle anstellen lassen. Könnte im richtigen Bereich auch 100k bringen. Da wirst du aber wahrscheinlich auch richtig schrubben müssen und gut Fälle durchschleusen :-))

Dogs4Life
30.09.2021, 11:25
Nein miked laut TE gibt's kaum jemand, der das selbstständig erreichen kann. Und vor allem Handwerker schaffen das auf keinen Fall!! Bitte keinen Unfug verbreiten, im Internet steht etwas anderes!

WiWi18
30.09.2021, 12:53
Wenn du von steuerklasse 3 ausgehst bei der berechnung des nettogehalts, bkeibt natürlich auch beim selbständigen mehr übrig- das gleiche gilt aber eben auch beim angestelltengehalt, somit bleibt der unterschied ungefähr gleich; schau dir mal due von mir verlinkte Seite wirklich genau an, da ist gut erklärt, warum der Unterschied zwischen selbständigen- und angestelltengehalt deutlicher ist, nämlich in den von dir genannten Gehaltsbereichen ca. 30.000 Euro (ok, diese seite rechnet mit 15% altersvorsorge, das vw verlangt scheinbar "nur" 12 %, kannst also 3 % = 3000-4000 euro abziehen).... Ich verlinke dir die seite nochmal... https://steuerwelle.de/bruttonetto2017/ Diese brutto-netto-rechner haben sehr viele variablen, die man bei selbständigen genau angleichen muss... Dass man als selbständiger im gleichen maß (legal) steuerlich absetzen kann, halte ich für ein gerücht, das würde ich mir mal gerne vorrechnen lassen... Du hast recht, man kann als niedergelassener einen sehr guten stundenlohn erreichen, aber es gibt eben extrem viele variablen und durch regressgefahr, klagen etc. durchaus auch gewisse risiken.... Ich denke die vorstellung vom nur vormittags arbeiten und dann am nachmittag mit 100.000 atbeitnehmeräquivalent golfen gehen ist einfach unrealistisch, weil du nur mit fiktiven zahlen rumrechnest- ich kenne jedenfalls niemanden mit entsprechendem leben, auch nicht bei 2er BAG mit geteiltem sitz; d.h. nicht, dass es das nicht gibt, aber dann wohl doch eher die ausnahme; übrigens kam vorgestern eine interessante stern-tv sendung zum thema gehalts-gerechtigkeit; da war ein hufschmied, der mit ner 40h woche 9000 euro pro monat verdient; das fanden mehr als > 60 % der zusschauer gerecht; das durchschnittsgehalt von anwälten von 7500 euro im monat fanden dagegen die meisten zuschauer zu viel und stuften das gehalt "fiktiv" runter, am ende warens knapp über 7000- zu viel zum thema "gefühlte" gehaltsgerechtigkeit und neiddebatten.... Könnte man hufschmied werden, nur 3 jahre ausbildung, 108000/jahr und du bist (scheinbar) keinem neid ausgesetzt... Know what I mean?

Dürfte daran liegen, dass die meisten Zuschauer sich eben mehr mit dem Hufschmied identifizieren. Anwälte (und Banker, und Manager,...) haben dagegen einen eher anrüchigen Ruf. Und als Arzt genießt man natürlich auch nur so lange Respekt, wie man kein Geld für die eigene Arbeit will.