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Mr. Pink online
17.01.2022, 08:52
Zum Grundthema: ihr werdet nicht die ersten und nicht die letzten sein, die der Medizin irgendwann den Rücken kehren und in einer anderen Branche (glücklich) tätig werden. In meinem Bekanntenkreis gibt es davon einige. Alle entweder in der Pharma oder Unternehmensberatung. Der Wechsel war wohl gewöhnungsbedürftig, aber Stellen findet man offensichtlich, wenn man will. Bestimmt gibt es auch noch andere Tätigkeitsfelder, z. B. bei der Krankenkasse oder öffentlicher Gesundheitsdienst. Ist natürlich immer noch irgendwie "Medizin", aber trotzdem weit weg von der Klinik und dem echten Patienten. Wer was komplett anderes will wird wohl nicht um eine neue Ausbildung rumkommen. Dass man als Mediziner nicht als Architekt, Ingenieur oder Mediendesigner eingestellt wird ist ja logisch.

Grundsätzlich kann man euch aber dazu gratulieren, dass ihr das Studium zumindest durchgezogen und einen Abschluss habt. Hier im Forum gibt es genug gruselige Stories wie Leute im 5. Jahr die Sinnkrise bekommen und abbrechen wollen. Bevor die Gesundheit leidet, sollte man natürlich die Reißleine ziehen. Eigentlich ist es doch eine komfortable Situation einen sicheren Job zu haben und währenddessen einfach mal zu schauen "was sonst noch so geht".

Wünsche euch viel Erfolg!

Leucovorin
17.01.2022, 15:46
Und ich versteh nicht warum mbs Chirurgie nicht fertig macht. Wenn man irgendwann im WBJ 5+ ist, sollte es irgendwie funktionieren dass man die letzten verbleibenden Eingriffe bekommt um sein Zeug irgendwie abzuschließen...

Ja klar wäre das super. Er hat es ja bekanntlich lange versucht und ist sehr frustriert. :-nix

roxolana
17.01.2022, 18:30
Kann man einen Teil der chirurgischen Weiterbildung nicht auch in einer Praxis absolvieren?

xyl15
17.01.2022, 18:37
Zumindest kann man es in einer orthopädischen Rehaklinik, da haben häufig die Chefs eine WB.Berechtigung.

mbs
17.01.2022, 20:39
Für den FA in VC bräuchte ich noch in etwa ein Jahr - laut jetzigem Chef. Und laut den Arbeitgebern die mich interessieren (hatte schon ein paar Telefongespräche) bringt für die Stellen die ich avisiere der FA für Viszeralchirurgie null Mehrwert. Wenn ich internistischer Facharzt wäre sei das ein geringer Vorteil, aber Bauchchirurgie könne ich mir sparen, das habe ja gar nichts mit dem zu tun was ich jetzt machen will.
Wenn es mir absolut nichts bringt, weshalb sollte ich mich noch ein Jahr quälen? Vor allem da ich auch keine Garantie habe dass ich mich dann wirklich anmelden dürfte? Der Chef muss das Gefühl haben "dass ich die wesentlichen Dinge kann" - und zwar nicht nur irgendwie, sondern auf die Art und Weise wie er es sich vorstellt. Genauen Termin wollte er mir nicht nennen, wir würden in ein paar Monaten nochmal sprechen. Etwa Ende des Jahres, vielleicht Anfang nächsten Jahres.
Vertrag läuft aber im Herbst aus. Und es ist ein privater Träger - wo ja nicht nur der Chefarzt über Verlängerungen entscheidet.
Je nachdem wie die Bilanz ausfällt kannst ja auch mal sein dass nichts verlängert wird und vorerst keine Neueinstellungen erfolgen - bis sich die wirtschaftliche Lage wieder gebessert hat. Und so viel Geld fährt die Abteilung in Zeiten wo es viel weniger elektive Eingriffe gibt auch nicht soo viel Geld ein...

_calendula_
17.01.2022, 23:24
Gibt es nicht auch irgendein Problem mit der Weiterbildungsermächtigung deines Chefs?
Gibt es wirklich keine Stelle an einem "netten kleinen Haus" auf der du den FA VC abschließen kannst?
Etwas gefällt dir doch an Chirurgie/VC? Nach dem FA kannst du dich immer noch umorientieren.

Kackbratze
17.01.2022, 23:38
Vertrag läuft aber im Herbst aus. Und es ist ein privater Träger - wo ja nicht nur der Chefarzt über Verlängerungen entscheidet.

Und das glaubst Du ehrlich? Wie lange machst Du den Job schon? Der Letzte, der über Verlängerungen entscheidet ist der Chefarzt.


Nur zur Info:
zwischen Stellenanzeige und endgültigem Vertrag in der "freien Wirtschaft" existieren gewissen Unterschiede, die dann spontan und unerwartet beim Gehalt oder der Zukunftsprognose auftauchen.
Da sind Projekte plötzlich doch befristet, die geplanten Stellen doch eher in China oder woauchimmer bei weiterhin bestehendem deutschen Pseudo-Tarif (LOL).
Man kann problemlos sich bewerben, den Vertrag sollte man genau anschauen.
Und ohne Facharzt ist das Gehalt deutlich niedriger.

Pflaume
18.01.2022, 03:24
Ich mbs würde auch raten, den Facharzt zuende zu machen, wenn es geht. Man schafft für sich selbst zusätzliche Alternativen. MDK nur mal als die Offensichtlichste genannt, kann aber auch immer sein, dass sich was anderes ergibt und man z.B. irgendwann tageweise in einer chirurg. Ambulanz mitarbeiten will oder so etwas. Gleichzeitig hat man als man überall eine bessere Verhandlungsposition, schon deshalb, weil das Gegenüber weiß, dass man das zuende gebracht hat und dass man - wie oben genannt - Alternativen hat, aber auch deshalb, weil es einfach besser klingt, Facharzt zu sein, als kein Facharzt zu sein.

Wenn man paar Monate vor dem Facharzt doch keinen Facharzt mehr macht, weiß jeder, dass man es entweder nicht mehr ausgehalten hat oder der Chef zu einem gesagt hat, dass man so unfähig ist, dass das mit dem Facharzt nie was wird.

Leucovorin
18.01.2022, 17:49
Ich würde auch dazuraten ihn zu Ende zu machen, und dann ggfs. Quereinstieg Allgemeinmedizin. Kenne einige Chirurgen aus der Uniklinik, die diesen Weg gegangen sind.
Und ja die Vorredner haben Recht: Mit dem Titel hat man insgesamt bessere Chancen, egal wo. Du machst lange Weiterbildung und am Ende möchte man und sollte man das Ganze auch mal abschließen:-nix

EustassKid
19.01.2022, 23:41
Ich bin einer ähnlichen Situation, würde mein aber als objektiv schlimmer betrachten.
Ich bin 28 Jahre alt und habe jetzt fast 11 Monate KJP auf einer Kriseninterventionsstation gemacht.

Zur Vorgeschichte, ich habe das Studium nach Schule mit 20 begonnen aus Interesse an Naturwissenschaften und dem Beruf, hatte ein 1,1 Abi und deswegen keine Wartezeit. Ich habe allerdings im Studium schon angefangen oft unter Versagensängsten und Inkompetenzgefühlen zu leiden, so dass ich bis zum Ende insgesamt ca. 12 Prüfungen verschoben hatte (tatsächlich geschrieben immer am Ende des jeweiligen Jahres in den "Ferien"), ohne jemals irgendwo durchgefallen zu sein, ich habe das Studium nach 7 Jahren auch eigentlich gut abgeschlossen mit Note 2 in allen 3 Abschnitten. Das extra Jahr kam durch eine versuchte, aber ebenfalls aus Ängsten gescheiterten experimentellen Doktorarbeit hinzu, diese war zwar schlecht betreut aber gescheitert ist sie an meinen mangelnden Fähigkeiten. Nach diesem Abbruch Anfang 2018 ging es mir immer schlechter. M2 Prüfung und das PJ ebenfalls, war ein Kampf. Im Mai 2020 war ich dann durch und bin aus Angst davor wie es weitergehen kann mit mir in eine 9 monatige ängstlich, depressive Vermeidungsphase gerutscht. Ich war davon 6 Monate arbeitslos gemeldet (Davon hatte die zuständige Mitarbeiterin auch noch nie gehört, ein Arzt der sich direkt nach dem Studium arbeitslos meldet).
Ab 2021 habe ich dann mit letzten Kräfte es doch noch geschafft mich zu bewerben in KJP Kliniken, die Wahl fiel auf das Fach nach einer Famulatur (PJ war allerdings Radio), hier kann man in 99% der Fälle keine Patienten durch fehlendes Wissen umbringen und die Arbeitsbelastung ist eigentlich nicht so hoch wie in der Somatik oder der Erwachenenpsychiatrie.

Und zum Ist-Stand, ich bin dennoch ständig überfordert und es gelingt mir nicht mich richtig zu strukturieren, dass ich meine ca. 5-7 Patienten richtig versorgen kann. Ich verfalle in Paralyse-artige Zustände in denen ich einfach nicht die Aufgaben für die Fallklärung zeitnahe schaffe. In mir hat sich eine große Ablehnung und Angst gegenüber dem Beruf gebildet. Ich fühle mich ihm nicht gewachsen und kann mir parallel zur Arbeit kaum Wissen aneignen. Ich liege einfach nur erschöpft Zuhause rum. Ich habe schon seit 2021 im Grunde alle Sozialkontakte und meine Beziehung beendet, weil ich mich nur noch geschämt habe der zu sein, der scheitert. Dabei würde ich dem Ganzen auch so viel opfern, der Mangel an echtem Privatleben stört mich nicht mal. Es ist nur der verdammte Beruf, für den man eigentlich brennen muss, damit er gelingt. Als einziges Erfolgserlebnis des letzten Jahres ist es mir gelungen in der Zeit 20k € zu sparen und daraus im Cryptomarkt 35k zu machen.

Meine Gedanken kreisen jetzt immer wieder darum was ich tun kann? Weitermachen im jetzigen Haus und in den nächsten Monaten in eine Burnout Depression geraten? Es in einer anderen KJP Klinik probieren? (gibt leider nicht so viele) Das Fach wechseln, obwohl KJP schon nach Ausschlußprinzip eines der wenigen war, wo ich Interesse hatte und nicht so massive Ängste wie in Chirurgie und Innere. Mich jetzt schon krankschreiben lassen, selbst eine Therapie machen und dann durch entstellten Lebenslauf nie wieder einen Job bekommen bzw. mir auch viele Alternativen zum Arztberuf sprengen? Ein kompletten Neuanfang mit 28 in einem Beruf mit mehr Struktur und weniger Kontakt mit Menschen und der Verantwortung über das Leben dieser? Ich hätte Interesse an Informatik, leider auch ohne großes Vorwissen, oder am Bereich Steuern/Finanzen, vielleicht auch bei einer KK, aber hier gilt auch das ich mich und meine Probleme dort auch mitnehme, selbst wenn mein Motivation dann wieder großer wäre?

Wollte das mal so als mein Input zum Thema geben, warum ich keine Lust mehr auf den Arztberuf habe, mich haben das Studium und der Beruf die letzten 8 Jahre eigentlich krank gemacht und mir Lebensfreude und Qualität genommen. Musste das mal wem mitteilen.

cartablanca
20.01.2022, 01:26
Meine Gedanken kreisen jetzt immer wieder darum was ich tun kann? Weitermachen im jetzigen Haus und in den nächsten Monaten in eine Burnout Depression geraten? Es in einer anderen KJP Klinik probieren? (gibt leider nicht so viele) Das Fach wechseln, obwohl KJP schon nach Ausschlußprinzip eines der wenigen war, wo ich Interesse hatte ....

Du wirst hier keine ausreichende Hilfe erhalten. Da solltest du dich an jemanden Professionelles wenden. Ohne dich angreifen zu wollen - es wird schon seinen Grund haben, warum du dich für KJP interessierst. Paralyse und "Angst haben scheitern zu können" kann mit überhöhten Ansprüchen an dich selbst zusammen hängen. Auch dieses extreme Schamgefühl weswegen du soziale Kontakte abgebrochen hast. Extremes Schamgefühl findet man vor Allem bei einer bestimmten Persönlichkeitsstruktur.

Feuerblick
20.01.2022, 05:33
Man könnte auch kurz sagen: Bevor du Entscheidungen über deine Zukunft triffst, such dir professionelle Hilfe deine psychischen Probleme betreffend. Es klingt nicht so, als lägen die nur im Job begründet.
Und: NEIN! Für seinen Job muss man nicht brennen - sonst brennt man früher oder später aus.

Markian
20.01.2022, 11:41
Klingt für mich als wärst du längst in der Depression. Auch nach einer Psychotherapie findet man selbstverständlich wieder einen Job.

Ja panisch
20.01.2022, 18:24
ich hätte mir kein psychiatrisches Fach ausgesucht, wenn ich selbst Probleme habe. Ich könnte da auch niemanden therapieren. Ich denke das baut noch mehr Druck auf, wie du eh schon hast. Zumal die Patienten in der KJP ja nicht einfach sind. Ich würde das Fach wechseln.

rafiki
20.01.2022, 18:30
ich hätte mir kein psychiatrisches Fach ausgesucht, wenn ich selbst Probleme habe.

Aber das ist doch Eingangsvoraussetzung...

Ja panisch
20.01.2022, 20:08
Aber das ist doch Eingangsvoraussetzung...

Du meinst: wer selbst akut psychisch belastet ist sollte ein Fach wählen, das psychisch sehr stark belastend ist?

EustassKid
20.01.2022, 21:32
Ja vielen Dank erstmal für eure Antworten. Mein Problem sehe ich selbst ja auch ähnlich wie ihr, ich brauch aktuell tatsächlich professionelle Hilfe. Die ich mir auch jetzt hohlen werde. Mit dem Brennen für ein Fach meinte ich Spaß an der Arbeit, die ich nicht mehr habe, vielleicht auch nie entwickeln konnte.

KJP war eine Art Notlösung, weil man weniger reale Fehler machen kann, so ist auch ein eher unstrukturiertes Gespräch besser als keins. Die meisten Patienten haben keine Vorerkrankungen und der Fließbanddruck ist nicht wie in der Somatik oder so eine raue Situation wie im Erwachsenenbereich. Ich hätte gern Radiologie gemacht, dann aber dort doch massiv an meinen Fähigkeiten gezweifelt. In Radiologie war ich ja 3 Monate zum PJ in einer Uniklinik. Die ganzen Kollegen kamen mir so dermaßen viel besser vor als ich, dass ich es gar nicht erst probiert habe. Ich habe einfach ja auch schon alle Fachärzte durchdacht, nur Radio, Strahlentherapie und KJP sind am Ende geblieben. Hygiene und Umweltmedizin konnte ich mir zu wenig darunter vorstellen. Ich brauche einfach einen mit keiner so hohen Arbeitsdichte und Stress, wenn ich mit meinen Problemen dem Alltag schaffen will.

Über ein kompletten Neustart habe ich ja auch schon länger nachgedacht, nur schreibt ihr das so leicht, aber wenn man mit 28 nochmal von vorne beginnt, mit der Ungewissheit wie man in diesem Studiengang oder Ausbildungsberuf sein wird, bzw. viel wichtiger noch dann im auszuübenden Beruf, ist das extrem belastend. Duales Studium bei einer KK wäre eine Option, wenn die mich noch nehmen würden. Informatik könnte mir mit meiner Art liegen, leider habe ich da nur rudimentäres Vorwissen.

Ich stehe einfach an dem Punkt wo ich ein Sozialfall werden könnte, es geht mir auch nicht um das Prestige eines Berufe oder den Wunsch einer Karriere, davon habe ich mich schon 2018 verabschiedet. Meine Eltern stehen auch uneingeschränkt hinter mir, die sehen ja wie sehr ich leide, die wollen mir unbedingt helfen wieder ein glückliches Leben zu führen. Nur ich bin jetzt einfach auch richtig erschöpft, bei jedem Weg den ich weiter gehe fehlt mir die Kraft die man eigentlich bräuchte, ob Neustart oder nur Richtungswechsel.

][truba][
20.01.2022, 22:13
Hallo mein Lieber,

es tut mir leid zu lesen, wie schwer dir das Leben aktuell fällt. Glaub mir, du bist nicht allein damit und es geht vielen Leuten so. Auch Ärzten, denn auch Ärzte sind nur Menschen. Auch wenn ich weiß, dass die Motivation mit der schwerste Teil ist, ist es wichtig zu einem Therapeuten zu gehen. Damit haben all die Kollegen hier recht. Denn es ist nicht das Haus und auch nicht der Job, der dich in diese Lage gebracht hat. Was es genau war, dass dich an diesen Punkt gebracht hat, findest du mit der professionellen Hilfe heraus und anschließend kannst du daran arbeiten. Nur wichtig ist es auch zu tun und es nicht nur zu sagen.

Ich wünsche dir viel Kraft. Der erste Schritt in diese Richtung ist der schwerste Schritt.

Viele Grüße Thomas

tipsy
21.01.2022, 11:10
rafiki's Beiträge sind doch der beste Beweis dafür 😉

tipsy
21.01.2022, 11:14
rafiki's Beiträge sind doch der beste Beweis dafür 😉
Wie soll er denn sonst die Patienten verstehen wenn er nicht selbst einen Weg hat 🤔🤗