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WiWi18
01.03.2022, 14:30
Mit einer deutschen Approbation kannst du jederzeit wieder in die Medizin einsteigen. Das ist vielleicht ein böser Fall gehaltstechnisch von der Beratungsfirma zum AA 1. Jahr, aber möglich ist das immer.

Wer stellt denn bitte jemanden ein, der 3-5 Jahre aus der Medizin draußen war?

tragezwerg
01.03.2022, 14:38
Wer stellt denn bitte jemanden ein, der 3-5 Jahre aus der Medizin draußen war?

Beim aktuellen Personalmangel? So ziemlich jede Klinik.
So lange ne Approbation vorliegt, ist der Rest (Sprachkenntnisse, Eignung etc. pp.) egal. (Wenn man nicht gerade ein Nischenfach wählt zumindest)

freak1
01.03.2022, 15:28
Ob du frisch von der Uni kommst oder 5 Jahre nach dem Studienabschluss was außerhalb der Medizin gemacht hast, ist vom Aufwand zur Einarbeitung ziemlich gleichwertig. Wahrscheinlich bist du mit 5 Jahren Tätigkeit in einem großen Unternehmen sogar noch interessanter, weil du schon mal richtig gearbeitet hast.

hebdo
01.03.2022, 17:40
Es gibt viele klinische Stellenanzeigen, die explizit Wiedereinsteiger adressieren. Ob 3 Jahre Elternzeit, Weltumsegelung oder Unternehmensberatung ist eigentlich egal.

Ich finde man sollte sich auch nicht nur auf die großen UB beschränken. Es gibt auch viele kleine innovative und spezialisierte Beratungsfirmen.

Hier noch eine Idee für eine alternative Beschäftigungsmöglichkeit: Patentanwalt. Es gibt viele Stellen, unendliche viele Themenbereich, Komplexe Sachverhalte, Training on the Job mit guter Bezahlung (6stellig bereits während der Ausbildung möglich).

Nachteil die „Ausbildungszeit“ von 3-8 Jahren und nochmal die Prüfungen zum deutschen und europäischem Patentanwalt. Ist nur halb so schlimm wie es sich anhört.

mbs
01.03.2022, 19:24
1.
Welche kleineren Beratungsfirmen meinst du genau?
Ehrlicherweise würde ich bei McKinsey zumindest einen Bewerbungsversuch starten, allerdings weiß ich nicht auf welche Position - zählt eine Kliniktätigkeit als "relevante Berufserfahrung"? Reicht eine medizinische Promotion, oder wollen die eine naturwissenschaftliche? Wie viele Stellenwechsel und Leerzeiten (zwischen zwei Stellen) in der Vita werden akzeptiert?
Wenn man sich die Biografien von deren Beratern ansieht dann scheinen das perfekte Menschen zu sein. Klar werden auch selektiv positive Einzelmerkmale herausgehoben, und es kommen wahrscheinlich auch nur die auf die Internetseite die wirklich herausragend sind, aber McKinsey hat schon einen Ruf der einen in die Richtung denken lässt bzw. gewisse Befürchtungen provoziert.

2.
Braucht man um Patentanwalt zu sein nicht ein komplettes Jurastudium? Klar ginge das an der Fernuni Hagen, aber falls man akut aus der Patientenversorgung rauswill ist das zu langwierig. Und das berufsbegleitend durchzuziehen wäre schon ein enormer Stress, wahrscheinlich auch nicht mit dem Aufwand für einen postgraduellen Master oder MBA vergleichbar. Oder könnte man dort direkt einsteigen? Wo sind solche Stellen ausgeschrieben? Hast du zufällig vielleicht einen Link? Das wäre wirklich toll - vielen Dank im Voraus!

WiWi18
01.03.2022, 20:07
1.
Welche kleineren Beratungsfirmen meinst du genau?
Ehrlicherweise würde ich bei McKinsey zumindest einen Bewerbungsversuch starten, allerdings weiß ich nicht auf welche Position - zählt eine Kliniktätigkeit als "relevante Berufserfahrung"? Reicht eine medizinische Promotion, oder wollen die eine naturwissenschaftliche? Wie viele Stellenwechsel und Leerzeiten (zwischen zwei Stellen) in der Vita werden akzeptiert?
Wenn man sich die Biografien von deren Beratern ansieht dann scheinen das perfekte Menschen zu sein. Klar werden auch selektiv positive Einzelmerkmale herausgehoben, und es kommen wahrscheinlich auch nur die auf die Internetseite die wirklich herausragend sind, aber McKinsey hat schon einen Ruf der einen in die Richtung denken lässt bzw. gewisse Befürchtungen provoziert.

Es gibt nicht nur McKinsey. Du solltest dich schon etwas breiter aufstellen (und in der Lage sein, auch rauszufinden). McKinsey, BCG, Bain, Roland Berger...das sind Namen, die hat man schnell ergoogelt.



2.
Braucht man um Patentanwalt zu sein nicht ein komplettes Jurastudium? Klar ginge das an der Fernuni Hagen, aber falls man akut aus der Patientenversorgung rauswill ist das zu langwierig. Und das berufsbegleitend durchzuziehen wäre schon ein enormer Stress, wahrscheinlich auch nicht mit dem Aufwand für einen postgraduellen Master oder MBA vergleichbar. Oder könnte man dort direkt einsteigen? Wo sind solche Stellen ausgeschrieben? Hast du zufällig vielleicht einen Link? Das wäre wirklich toll - vielen Dank im Voraus!

Nein, braucht man nicht. Auch das findet man nach zwei Minuten Google raus :)

OhDaeSu
01.03.2022, 20:15
Nimm es mir nicht übel, aber wenn du weder "life science consulting" googlen kannst, noch herausfindest, dass ein Patentanwalt kein Volljurist ist, dann wird McK unabhängig von deinem bisherigen Werdegang nichts. Wenn du spezifische Fragen hast, kannst du mir privat schreiben, aber versuch bitte erstmal deine Gedanken etwas zu ordnen.
________________________


Das Haupt-Argument gegen die Beratung ist: Einer von zehn schafft es zum Partner, der Rest bleibt auf der Strecke.

Wobei "auf der Strecke" regelmäßig zumindest den Exit auf eine meist außertarifliche Anstellung in einem großen Konzern meint. Aber ansonsten auch hier Zustimmung.

hebdo
01.03.2022, 20:59
@mbs
ich denke du bist in einer negativen Gedankenspirale gefangen. Es ist schon verständllich in deiner Situation. Ein Teil des Problems ist eigentlich auch, dass man als Arzt zu viele Möglichkeiten hat und erstmal eine Richtung und ein Ziel definieren sollte. Ich habe dir schon direkt Stellenanzeigen für ärztliche Berater in Consultingunternehmen geschickt.


https://www.patentanwalt.de/de/patentanwaelte/ausbildung.html

Grob zur Orientierung: Für den Patentanwalt gibt es zwei verschiedene Zugangswege die mit einer Prüfung enden. Vorraussetzung ist ein naturwissenschaftliches Studium. Das berufsbegleitende Jurastudium, z.B. über die Fernuni Hagen ist eine Kleinigkeit. Während der "Ausbildung" kann man ohne Probleme bereits um die €120.000 verdienen.

OhDaeSu
01.03.2022, 21:12
Medizin fällt mW nicht unter "naturwissenschaftliches Studium" wie es für die deutsche Patentanwaltschaft nötig ist.

hebdo
01.03.2022, 22:03
das stimmt. Das Medizinstudium ist nicht naturwissenschaftlich genug. Aber mbs hat glaube ich einen passenden zusätzlichen Abschluss. Ich habe mich davor nicht genau genug ausgedrückt.

mbs
02.03.2022, 20:09
Danke für den Link und eure Rückmeldungen.

Welche Unternehmensberatungen es gibt habe ich recherchiert und weiß ich - meine Frage zielte eher darauf ab, bei welchen von denen man als Mediziner mit mehreren Berufsjahren in der Klinik am meisten Chancen hat. Bekanntermaßen haben die ja alle unterschiedliche Präferenzen, aber die werden normalerweise nicht öffentlich kommuniziert. Niemand würde beispielsweise sagen, dass ihm Menschen Mitte dreißig zu alt sind, das wäre ja Diskriminierung. Außerdem könnte man kritisch bemerken, dass das was man in der Klinik macht mit dem Consultinggeschäft wenig zu tun hat. Das sehen die einen vielleicht weniger eng, für die anderen ist es aber ein Ausschlusskriterium.

Ich kann verstehen, dass viele meiner Gedankengänge vielleicht etwas komisch wirken - die meisten von euch denken sich vermutlich, dass ich es einfach versuchen sollte, dann sieht man es schon, anders wird man es nicht rausfinden. Da meine Resilienz was Ablehnungen angeht aber extrem gering ist momentan möchte ich im Vorfeld einfach so viele Informationen haben die ich irgendwie kriegen kann. Dass ich für meine Bewerbungen als Assistenz der Geschäftsführung mit immer demselben Standardtext schon nach wenigen Tagen abgefertigt wurde hat mich heftiger getroffen und irgendwie mental blockiert als ich es vorher gedacht hätte. Je mehr man abgelehnt wird desto weniger selbstsicher geht man auch an weitere Bewerbungen, das ist einfach eine Art Teufelskreis. So viel zum Hintergrund. Vielleicht hatte der ein oder andere von euch ja mal ein ähnliches Problem und kann das nachvollziehen.

Bonnerin
02.03.2022, 20:31
Aber mal ehrlich...wtf. Assistenz der Geshäftsführung, das ist im Regelfall eine Stelle, die von Personen mit Z.n. Ausbildung besetzt wird (oder eventuell B.A.), warum zur Hölle bewirbst du dich auf sowas, wo im Vorhinein klar ist, dass du nicht die gewünschten Voraussetzungen hast?

Bei niedriger Frustrationstoleranz ist sicher auch die Unternehmensberatung eine sehr schlechte Idee, in der freien Wirtschaft sollte man schon ein dickes Fell mitbringen.

Und ja, sorry, es ist alles sehr konfus und wird nicht besser.
Du bist halt kurz vor dem FA - zieh es durch. Besorg dir psychotherapeutische Hilfe, wenns sein muss. Aber dir entgeht langfristig so viel Geld - entweder schauen, dass dein CA dir den fehlenden Kram für VCH unterschreibt oder FA Arbeitsmedizin und dann eben raus. Aktuell ist halt auch AA im 6. WBJ eben nicht attraktiv - das schreit schon danach, dass man eben nix zu Ende bringt, so kurz vor knapp zu gehen...

davo
02.03.2022, 21:44
Da meine Resilienz was Ablehnungen angeht aber extrem gering ist momentan möchte ich im Vorfeld einfach so viele Informationen haben die ich irgendwie kriegen kann.

Dann ist der Einstieg in die Unternehmensberatung bestimmt eine hervorragende Idee.

dissection
03.03.2022, 09:23
@mbs: Unternehmensberatung ist nicht nur MBB (McK, BCG, Bain), es gibt auch in den niedrigeren Tiers Jobs die deutlich bessere Work-Life-Balance bieten als der Arztberuf. Ein entfernter Bekannter (Master Wirtschaftsingenieur) ist z.B. bei Capgemini Invent als Manager, verdient mit Anfang 30 100k brutto aus dem Home Office bei überschaubarer Reisetätigkeit (WFH/Home Office wo man in der Arbeitszeit auch einfach mal die Netflix-Serie durchbingen kann in der Downtime) und da man ihm die Senior Manager Position nicht schnell genug gegeben hat macht er nun den Exit in ein DAX-Unternehmen für 130k. Also nach Bewerbung bei MBB kannst du dich immer noch bei diesen anderen Geschichten wie Cap oder Accenture oä bewerben.

Nicht alle Arbeitnehmer sind so ungeschickt und masochistisch wie Ärzte und dementsprechend lassen sich in anderen Bereichen deutlich bessere Bedingungen vorfinden.

Autolyse
03.03.2022, 10:25
[...]Grob zur Orientierung: Für den Patentanwalt gibt es zwei verschiedene Zugangswege die mit einer Prüfung enden. Vorraussetzung ist ein naturwissenschaftliches Studium. Das berufsbegleitende Jurastudium, z.B. über die Fernuni Hagen ist eine Kleinigkeit. Während der "Ausbildung" kann man ohne Probleme bereits um die €120.000 verdienen.
Ich kenne keinen Patentanwaltskandidaten der 120.000€ p.a. verdient hat. Wenn da 50.000€ brutto zusammenkamen, dann war das schon gut und immer bedenken, dass das nur für die zwei Jahre beim Patentanwalt sind, das Amtsjahr muss man sich selbst finanzieren und freiberuflich über die alte Kanzlei gibt es meistens Pauschalhonorar: Wenn der Mandant für eine Anmeldung 1000€ springen lässt, dann kommen davon 600€ beim Kandidaten an, der dafür aber auch regelhaft 20 Stunden Arbeit hat. Das Land in dem Milch und Honig fließen ist das nicht in der Ausbildung. Mit Examen und Facharzt für klinische Pharmakologie sieht das natürlich ganz anders aus.

GP1001
03.03.2022, 11:40
Bei niedriger Frustrationstoleranz ist sicher auch die Unternehmensberatung eine sehr schlechte Idee, in der freien Wirtschaft sollte man schon ein dickes Fell mitbringen.

Und ja, sorry, es ist alles sehr konfus und wird nicht besser.
Du bist halt kurz vor dem FA - zieh es durch. Besorg dir psychotherapeutische Hilfe, wenns sein muss. Aber dir entgeht langfristig so viel Geld - entweder schauen, dass dein CA dir den fehlenden Kram für VCH unterschreibt oder FA Arbeitsmedizin und dann eben raus. Aktuell ist halt auch AA im 6. WBJ eben nicht attraktiv - das schreit schon danach, dass man eben nix zu Ende bringt, so kurz vor knapp zu gehen...

Dito. Ich meine mbs wiederholt sich auch hier öfters. Dadurch wirds leider auch nicht besser. Tut mir auch leid mit dem ausstehenden FA und der Weiterbildung, die nicht läuft.
:-keks

Maldotick
03.03.2022, 20:21
War bei den Kolleginnen und Kollegen mit dem Wunsch einer Exit-Strategie auch mal das Thema Verlage o.Ä. im Raum? Ich stelle mir die Arbeit bei Thieme oder Elsevier & Co auch nicht als die allerschlechteste Möglichkeit vor, sofern schreiben, sich-rein-fuchsen usw. einem liegt. Was da vom Gehalt möglich ist, keine Ahnung, aber wollte es mal in den Raum werfen (nicht dass ich Erfahrung hätte)...

Feuerblick
03.03.2022, 20:23
Schwer zu bekommen (es sei denn, als freier Mitarbeiter), schlecht bezahlt und angesichts der zunehmenden Online-Medien eher ein Schleudersitz. :-nix

WiWi18
03.03.2022, 20:41
@mbs: Unternehmensberatung ist nicht nur MBB (McK, BCG, Bain), es gibt auch in den niedrigeren Tiers Jobs die deutlich bessere Work-Life-Balance bieten als der Arztberuf. Ein entfernter Bekannter (Master Wirtschaftsingenieur) ist z.B. bei Capgemini Invent als Manager, verdient mit Anfang 30 100k brutto aus dem Home Office bei überschaubarer Reisetätigkeit (WFH/Home Office wo man in der Arbeitszeit auch einfach mal die Netflix-Serie durchbingen kann in der Downtime) und da man ihm die Senior Manager Position nicht schnell genug gegeben hat macht er nun den Exit in ein DAX-Unternehmen für 130k. Also nach Bewerbung bei MBB kannst du dich immer noch bei diesen anderen Geschichten wie Cap oder Accenture oä bewerben.

Nicht alle Arbeitnehmer sind so ungeschickt und masochistisch wie Ärzte und dementsprechend lassen sich in anderen Bereichen deutlich bessere Bedingungen vorfinden.

Gerade MBB bieten vieles, aber sicher keine gute Work-Life-Balance...

dissection
04.03.2022, 09:54
Gerade MBB bieten vieles, aber sicher keine gute Work-Life-Balance...


"Unternehmensberatung ist nicht nur MBB"