Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Im Amt bleiben oder in die Klinik?
In beiden Bereichen gibt es reichliche freie Stellen. Ich würde immer eher den FA Hygiene empfehlen (das auch nochmal an die ursprüngliche TE). Damit hat man deutlich mehr Möglichkeiten, sollte man dem öffentlichen Dienst doch mal den Rücken kehren wollen. Übrigens noch ein Gedanke: der FA für Hygiene ist generell ein Facharzt, der einem viele Jobmöglichkeiten und auch sehr gute Gehaltsaussichten biete. Und unter solch paradiesischen Bedingungen muss man den auch erstmal machen dürfen.
Ich habe den Einstiegspost gerade nochmal gelesen und erblasse schon wieder vor Neid.
Kathy234
06.02.2022, 21:08
Hallo zusammen,
Ich habe im 2021 Studium & Promotion abgeschlossen und habe meine erste Stelle in einem Gesundheitsamt zur Unterstützung während der Corona-Pandemie als „Corona-Arzt“ angenommen. Die Stelle war auf 6 Monate befristet.
Als es im Sommer noch relativ langweilig war, wurde das Arbeitsaufkommen zum Winter (wie wahrscheinlich bekannt) immer heftiger. Aber genau in dieser Zeit konnte ich glänzen, sodass ich sehr schnell einen unbefristeten Vertrag für die Abteilung Hygiene, Infektionsschutz und Umweltmedizin auf TVöD E14 bekommen habe. Die ärztliche Leitung versicherte mir zusätzlich auch schon die Verbeamtung nach 1-2 Jahren Berufserfahrung. Ich mag das gesamte Team und auch ich erfahre sehr viel Lob und Wertschätzung von allen Mitarbeiter*innen, unabhängig von der Hierarchiestufe.
Aktuell fühle ich mich wirklich wohl im Amt. Ich nehme aktuell zwar nur COVID-Aufgaben wahr, könnte aber prinzipiell schon in die anderen Bereiche der Abteilung hineinschnuppern. Leider ist dies aufgrund der Omikron-Welle nicht wirklich möglich.
Ich habe diese Stelle angetreten, um das lokale Gesundheitsamt kurzfristig zu unterstützen. Ich hätte zuvor nie gedacht, dass ich mal in einem Amt arbeiten werde. Eigentlich wollte ich unmittelbar nach dem Examen zwei Jahre Innere hinter mich bringen um anschließend den Facharzt für Allgemeinmedizin zu absolvieren. Doch durch den nun unterschriebenen, unbefristeten Vertrag bin ich mir nicht mehr so sicher, ob ich mein „gemachtes Nest“ aufgeben soll. Ich habe keine Wochenenddienste, keine Nachtschichten, Freitag mache ich meistens zwischen 12-13 Uhr Feierabend. 2-3 Tage die Woche arbeite ich aus dem Homeoffice. Gleitzeit mit Arbeitsbeginn zwischen 6-10 Uhr. Überstunden kann ich ohne Diskussion entweder in Freizeitausgleich oder Auszahlung abbauen. Im Endeffekt kann ich kommen und gehen wann ich will. Ich mag das Team und das Team mag mich.
Ich bin echt unschlüssig, ob ich das Amt kurz- oder langfristig verlassen soll. Rein theoretisch habe ich hier nach wenigen Monaten Berufserfahrung einen Job bis zur Rente erhalten. Ich bin gehaltstechnisch sowie Work-Life-Balance-technisch zufrieden. Prinzipiell könnte ich hier den Facharzt für Hygiene und Umweltmedizin oder fürs öffentliche Gesundheitswesen anstreben. Zeitliche befristete Abordnungen in die nächstgelegene Uniklinik zur Erlangung der Facharztreife wurden mir auch schon angeboten.
Wahrscheinlich gibt es hier im Forum nicht so viele Ärzt*innen die im Amt arbeiten, aber die Frage die ich mir hier tatsächlich stelle ist: Lohnt es sich bei diesen Bedingungen überhaupt noch in die Klinik zu gehen und sich als Assistenzarzt arbeitskrafttechnisch „ausbeuten“ zu lassen? Ich könnte in 1-2 Jahren verbeamtet sein, ich weiß nicht ob ich mir diese Chance entgehen lassen soll… Ich würde wirklich gerne ein paar Meinungen dazu hören.
Vielen Dank euch! :)
eine Sache habe ich nicht genau verstanden, also du arbeitest im Amt und kannst später Facharzt für Hygiene und Umweltmedizin oder öffent. Gesundheitswesen, aber was machst du jetzt offiziell? Weil man macht ja als Assistenzarzt irgendeine Weiterbildung, also was steht in deinem Logbuch?
Und haben dir von dir keinerlei Erfahrung der unmittelbaren Patientenversorgung verlangt?
Musst du für den FA nicht irgendwann mindestens ein Jahr innere Medizin/Chirurgie leisten?
Autolyse
06.02.2022, 22:33
@silver-sk: Um mal auf deine Eingangsfrage zurückzukommen:
Du hast einen Job mit traumhaften Arbeitsbedingungen/-zeiten. Du fühlst dich wohl. Du verdienst zumindest ordentlich (abseits aller Diskussionen- man kann gut davon leben). Man bietet dir Entwicklungsmöglichkeiten (FA Hygiene und Umweltmedizin) und es winkt die Verbeamtung.
Ich an deiner Stelle würde dort bleiben. Was hoffst Du auf einer Stelle als Assistenzarzt in einer Klinik zu finden, was besser wäre?
Wenn Du dort, wo Du jetzt bist zufrieden bist, dann bleib. Man kann nie alle Möglichkeiten austesten. Und diesen Job aus FOMO aufzugeben, hielte ich für eine Dummheit. Du kannst als Anfänger in der Klinik demgegenüber glaub ich nichts gewinnen.
Ich bin auch fürs Bleiben. Du hast traumhafte Arbeitsbedingungen, der Dienstherr sichert Dir eine Weiterbildung zu und unterstützt Dich dabei nach Kräften und mit Erhalt der Ernennungsurkunde bist Du gegen viele Unbillen des Lebens gewappnet (der Rock des öffentlichen Dienstes ist eng aber warm).
Bonnerin
07.02.2022, 07:49
eine Sache habe ich nicht genau verstanden, also du arbeitest im Amt und kannst später Facharzt für Hygiene und Umweltmedizin oder öffent. Gesundheitswesen, aber was machst du jetzt offiziell? Weil man macht ja als Assistenzarzt irgendeine Weiterbildung, also was steht in deinem Logbuch?
Und haben dir von dir keinerlei Erfahrung der unmittelbaren Patientenversorgung verlangt?
Musst du für den FA nicht irgendwann mindestens ein Jahr innere Medizin/Chirurgie leisten?
Also: TE hat sich für eine befristete Aushilfsstelle beworben in Zuge von Covid. Da wurde eben nix gefordert, außer einer Approbation. Aber weil TE sich gut angestellt hat, wurde eben ne Festanstellung draus. Das Gleiche kenne ich von einer Kommilitonin, die hat im März 2020 bei einem lokalen GA angefangen und ist immer noch da.
Die werden halt hingehen und (sollte TE sich für einen FA entscheiden) dann eben den Zeitraum im entsprechenden Logbuch vermerken. Gibt ja auch keinen Grund, warum nicht, wenn der Chef die Ermächtigung hat. Infektionsmanagement gehört zu dazu, und das lernt der TE.
Bezüglich dem Jahr Patientenversorgung (Hygiene) oder 2+ Jahre (Öffentliches Gesundheitswesen) meinte TE ja schon, dass ihm/ihr gesagt wurde, dass er/sie dafür in die Uniklinik vor Ort geschickt wird...
HenrikNL
07.02.2022, 09:40
Und sollte man den gleichen Weg gehen wollen, aber zB keine Stelle vor Ort finden, sollte man sich einfach um Stellen woanders bewerben, also auch weit entfernte Gesundheitsämter anschreiben oder zB erstmal ein Jahr Innere machen, weil man das sowieso braucht?
Feuerblick
07.02.2022, 10:53
Wenn man eine Fachrichtung oder eine spezielle Arbeitsstätte (hier: Gesundheitsamt) gerne haben möchte, dann macht es IMMER Sinn, sich weiträumig zu bewerben. Es sei denn, man wäre ortsgebunden.
Und es macht auch Sinn sich dort zu bewerben wo man hin will und nicht erst irgendwo anders in dem Glauben dass man dann wiederum bei der eigentlich gewünschten Stelle leichter reinkommen würde...
Tatsache ist: es gibt eine gewisse Anzahl an Stellen und wenn die voll sind sind sie voll. Wenn man einen Umweg nimmt kann es sein dass es zu dem Zeitpunkt zu dem man dann eine Stelle haben will einfach keine gibt und dann schaut man blöd aus der Wäsche. Andersrum kann man, wie in diesem Beispiel, ich kenn aber auch andere Beispiele, sich für Fremdmonate/-jahre auch freistellen lassen oder unbezahlt Urlaub nehmen oder einen Vertrag aufsetzen dass man wieder kommt etc.
runningMan18
18.09.2023, 09:39
Weiß jemand, ob er jetzt beim Amt geblieben ist und wie seine Weiterbildung weitergelaufen ist? Interessiert mich gerade sehr.
Tja, einfach auf’s Benutzerprofil klicken und sehen, dass er/sie zuletzt am 04.02.22 aktiv war. Frage beantwortet.
Dr.Optimus
21.09.2023, 07:44
Vielleicht liest er/sie die Antworten im Threat nur via Mails - unwahrscheinlich, aber möglich.
Weiß jemand, ob er jetzt beim Amt geblieben ist und wie seine Weiterbildung weitergelaufen ist? Interessiert mich gerade sehr.
Schreib doch eine Privatnachricht, mich würde es auch interessieren ;)
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