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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Arbeitsbedingungen Ausland: Sprachlos



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Markian
17.07.2022, 16:38
Dieser Thread startete doch einfach nur mit einer Beschreibung der Arbeitsbedingungen in Kolumbien (wie ich finde interessante Perspektive, danke dafür) , warum muss der Thread jetzt wieder ausarten in einen "Alles ist hier so schlimm"-Thread? Es ging doch gar nicht darum Vergleiche zu ziehen oder hämische Dankbarkeit gegenüber der Krankenhausleitung zu zeigen.

Weil der Thread im Rahmen der Tarifverhandlungen doch nur darauf abzielt dich zu diskreditieren.

KetaminKyle
17.07.2022, 16:47
Also jetzt Mal halblang Leute, ich habe hier lediglich eine Realität darstellen wollen, die für manche von Interesse sein könnte. Natürlich brauchen wir bessere Arbeitsbedingungen in DE. Das eine hat doch mit dem anderen nix zu tun. Dass aktuell Tarifverhandlungen laufen ist mir bewusst, mir war aber nicht bewusst dass manche einen informativen (!) Beitrag wie meinen in den falschen Hals bekommen könnten.

Matzexc1
17.07.2022, 17:00
Also jetzt Mal halblang Leute, ich habe hier lediglich eine Realität darstellen wollen, die für manche von Interesse sein könnte. Natürlich brauchen wir bessere Arbeitsbedingungen in DE. Das eine hat doch mit dem anderen nix zu tun. Dass aktuell Tarifverhandlungen laufen ist mir bewusst, mir war aber nicht bewusst dass manche einen informativen (!) Beitrag wie meinen in den falschen Hals bekommen könnten.

Ich entschuldige mich für meinen Anteil, problematisch ist einfach das man von Politik, der Chefetage und der halben Gesellschaft nur zu hören bekommt wie toll es doch der arbeitenden Ärzteschaft geht und die Realität ist halt völlig anders.

cartablanca
17.07.2022, 17:34
Tja das ist halt die Frage, worauf ich auch keine endgültige Antwort habe. Leider kann alles mit allem koalieren, Grüne mit FDP zB und man kriegt nach der Wahl willkürlich was anderes als vorher im Wahlprogramm dargestellt. Jedenfalls wenn man die Altparteien wählt.

Eine ideale Partei würde...
- die Wehrpflicht wieder einführen
- Arbeitsplätze aus China zurück holen wie Trump es vor gemacht hat
- die Bürokratie reduzieren wie Trump es vorgemacht hat
- loyal zur EU stehen
- die AKW weiter laufen lassen
- die zwei Dutzend Kassen abbauen
- Gesetze erlassen, die es ausländischen Investoren verbieten in D zu viele Immobilien zu erwerben
- Klimaschutz ernst nehmen
- bürgerliche Freiheiten nicht weiter einschränken
- eine EU Armee aufbauen
- online Handel massiv besteuern bzw durch bürokratische Hürden unmöglich machen

Es gibt aber keine Partei, die das vor hat.
Ich hab zuletzt die Basispartei gewählt, damit die Politik direktdemokratisch bestimmt werden kann.

Es kann einfach nicht sein, dass bei jeder Wahl eine der beiden Volksparteien (oder beide gleichzeitig) an die Macht kommt, die die grösste Katastrophe in der Geschichte der Bundesrepublik herbei geführt haben. Sorry die Energiekrise und den Ukrainekrieg haben Merkel, Maas und Co. direkt selbst herbei geführt, obwohl sie ganz klar von Trump gewarnt wurden.
Die AfD und die Linke sind auch prorussisch.

Feuerblick
17.07.2022, 17:36
Also jetzt Mal halblang Leute, ich habe hier lediglich eine Realität darstellen wollen, die für manche von Interesse sein könnte. Natürlich brauchen wir bessere Arbeitsbedingungen in DE. Das eine hat doch mit dem anderen nix zu tun. Dass aktuell Tarifverhandlungen laufen ist mir bewusst, mir war aber nicht bewusst dass manche einen informativen (!) Beitrag wie meinen in den falschen Hals bekommen könnten.
Muss man auch nicht verstehen… Ich fand den Beitrag sehr interessant! Danke dafür.

Holthusen
17.07.2022, 17:50
Dieses Problem habe ich auch immer beim wählen. Es gibt keine Partei mit 100% Übereinstimmung. Es ist immer ein Kompromiss bzgl Programm wie auch Personal. Allerdings ist das nix neues.

Man kann natürlich auch seine eigene Partei gründen oder in eine Partei gehen und versuchen etwas konstruktiv mitzugestalten .

][truba][
17.07.2022, 18:09
Ich fand das auch interessant Ketamin Kyle. Danke.

Selbst habe ich inzwischen an einigen paneuropäischen Fortbildungen für Urologie teilnehmen können und habe dort Kollegen aus fast gesamt Europa getroffen. Viele der reicheren Staaten hatten insgesamt ein deutlich besseres und moderneres Umfeld. Die Arbeitsbedingungen waren aber auf keinen Fall besser. Kollegen aus Belgien zum Beispiel haben ja alles elektronisch (sprich, kommt ein Patient in Leuven in die Klinik und wurde vorher in Gent behandelt (wohnt dort) konnten sie auf sämtliche medizinische Befunde inclusive. Medikamentenplan zugreifen) aber die gehen auch nicht vor 18-19 Uhr nach Hause in der Ausbildung. Noch dazu gibt es kaum Plätze für Fachartzausbildungen, die Kollegen aus "Randeuropa" (Tunesien, Marokko etc.) verdienen gleich gar nix und wohnen fast in der Klinik (wobei man das vom Standard vermutlich nicht vergleichen kann). In Polen verdient man unglaublich schlecht als Arzt etc. pp. Bisher hab ich allerdings niemanden aus den nördlichen Ländern getroffen. Im September werd ich das aber mal nachholen.

Endoplasmatisches Reticulum
17.07.2022, 18:28
Eine ideale Partei würde...
- Niedriglohn-Zwangsarbeit wieder einführen
- bürgerliche Freiheiten nicht weiter einschränken
Eh ... ?

Markian
17.07.2022, 18:30
Eh ... ?

Wirkt schon beinahe wahnhaft

Minga30
17.07.2022, 19:11
Wirkt schon beinahe wahnhaft

Dazu "die Basis" zu wählen erhärtet den Verdacht ...

Coxy-Baby
17.07.2022, 20:29
Weil der Thread im Rahmen der Tarifverhandlungen doch nur darauf abzielt dich zu diskreditieren.
Mich diskreditieren, ein Thread im Internet.....soso....


Ganz ohne Sarkasmus: es muss Neuwahlen geben sonst geht uns allen hier bald das Licht aus.
Das meine ich wortwörtlich.

Tja das ist halt die Frage, worauf ich auch keine endgültige Antwort habe. .
Merkst du selber, oder? Und mit Leuten die ernsthaft Trump ins Feld führen oder Onlinehandel abschaffen wollen kann ich nicht ernsthaft diskutieren.... geht einfach nicht.

cartablanca
17.07.2022, 20:30
Das ist immer das Gleiche. Ich sag was Konkretes und mach mich angreifbar. Die anderen Diskussionsteilnehmer bleiben schön schwammig. Sorry, aber das ist einfach nur feige.

Die Basis ist nicht perfekt, aber was soll man sonst wählen? Was habt ihr eigentlich gegen direkte Demokratie? Warum soll man nicht digital über einzelne politische Positionen abstimmen dürfen?

cartablanca
17.07.2022, 20:34
Mich diskreditieren, ein Thread im Internet.....soso....



Merkst du selber, oder? Und mit Leuten die ernsthaft Trump ins Feld führen oder Onlinehandel abschaffen wollen kann ich nicht ernsthaft diskutieren.... geht einfach nicht.

Was soll ich genau merken. Hier

https://m.youtube.com/watch?v=D5oqNHINTOU

Heiko Maas hat auch Trump nicht ernst genommen, als Trump meinte es sei keine gute Idee, wenn sich Deutschland komplett abhängig von russischen Energieimporten macht.
Offen gestanden ist es mir relativ wurscht wen oder was du ernst nimmst.

Holthusen
17.07.2022, 21:38
Heiko Maas ist glücklicherweise weg aus der Politik. Trump hatte seine Berater, damit nicht alles aus dem Ruder lief. Twitter konnten sie ihm leider nicht wegnehmen.

Man könnte auch in die USA gehen und Trump heiraten oder zumindest wählen...das ist sinnvoller als der Irland-Plan

Der Onlinehandel ist deshalb so erfolgreich, weil der normale Handel hierzulande viele schwächen hat bei Beratung, Auswahl und Preis.
Nebenbei gibt es noch eine großen Teil der Bevölkerung, der auf dem Land lebt. Da ist Onlinebestellung eine echte Zeitersparnis. Durch Verbote wird die Qualität des normalen Handels nicht besser und auch nicht die Versorgung oder Anbindung der Landbevölkerung. Auf der einen Seite sollen Bürger mehr Freiheiten erhalten, hier forderst du Verbote.
Was man teurer machen könnte, sind die Paketpreise, verbunden mit anständigen Löhnen für die Zusteller.

Niedriglohn Zwangsarbeit? Was soll das sein. Finde dich damit ab , dass geringe Teile der Bevölkerung nicht am Arbeitsmarkt teilnehmen können. Viele auch mit psychiatrischen Erkrankungen.

Insgesamt finde ich die Diskussion aber auch sehr schwierig/realitätsfern. Und sollte es besser jetzt auch lassen.

Anne1970
17.07.2022, 22:27
Liebes Forum,

ich verbringe gerade mein chirurgisches PJ Tertial im schönen Kolumbien, genauer gesagt in Medellin, und wollte euch von den Arbeitsbedingungen erzählen. Es klingt unglaublich, allerdings muss man das mal gesehen haben um zu verstehen, warum Ärzte aus dem Ausland nach DE wollen und selbst die schlimmsten Stellen besetzten, die sonst absolut keiner will.



Das System:
Medizinstudium sind 6 Jahre, ob Studiengebühren oder nicht hängt von Uni ab, bei privaten Unis fallen wohl happige Gebühren an. Das Studium ist um einiges fordernder als bei uns mit regelmässigen „Famulaturen“ in allen Fachgebieten ab dem 3. Studienjahr (Aufgaben aber eher die eines PJlers). Nach Abschluss ist man Allgemeinarzt und muss alleine klarkommen: Man wird nämlich (per Losverfahren) für 1 Jahr auf irgendein Dorf auf dem Land geschickt und muss dann dort eigenständig alles behandeln was so anfällt: von Blutdruckeinstellung und STD-Behandlung über Knochenbrüche, Trauma-Erstversorgung (Stich/Schussverletzungen) bis zu Geburten. Das gesamte Spektrum also mit den absoluten Basics als Hilfmittel (Thoraxdrainagen werden wohl oft aus Mayonaisebehältern etc. selbst zusammengebastelt). Nach diesem Jahr arbeitet man dann als Allgemeinarzt zu einem miserablen Lohn und harten Arbeitsbedingungen, dazu gleich mehr. Die meisten Ärzte bleiben ihr Leben lang „Allgemeinarzt“ und können keine Spezialisierung machen. Es gibt nur sehr wenige Plätze und dementsprechend extreme Konkurrenz: Für Uro gibt es in Medellin (die 2. größte Stadt) pro Jahr nur 2-4 Weiterbildungsplätze. Man muss ein Examen schreiben um in die jeweilige Fachrichtung reinzukommen und viele der jungen Ärzte versuchen jahrelang dieses Examen (1 mal pro Jahr angeboten) möglichst gut zu schreiben um eine Chance zu haben. Die meisten schaffen es natürlich nicht.

Die Spezialisierung:
Die Fachweiterbildung dauert 4 Jahre und habe ich hier in der Chirurgie in verschiedenen Fachrichtungen kennengelernt (Allgemeinchirurgie, Plastische, Uro etc.):
Die Arbeitszeiten fuer die Assistenzärzte im Krankenhaus sind…unmenschlich. Ich sehe es ja mit eigenen Augen, bzw. mache es mit: 80h Wochen sind absoluter Standard, eher noch deutlich mehr, in der Allgemeinchirurgie waren es eher 100h. Nebenbei muss(!) „geforscht“ werden und am Ende der 4 Jahre wird dann eine (meist klinische) Studie als Abschluss präsentiert. Auf Nachfrage wann denn geschlafen wird waren sich alle einig, dass man als Assistenzarzt in WB nicht schläft. Die meisten meinten die 4 Jahre pro Nacht 2-4h pro Nacht zu schlafen.
Die Krönung: Bis vor 2 Jahren war die Assistenzarztweiterbildung NICHT bezahlt, im Gegenteil: man musste sogar noch happige Studiengebühren bezahlen. Ich wiederhole: 80-100h Wochen, kein Gehalt und Gebühren. Bei voller Verantwortung und purem „Learning by doing“.

Einige versuchen natürlich nach USA oder DE, das im Vergleich paradiesische Bedingungen hat, zu kommen.
Danke für diesen interessanten Beitrag, den ich zitiere, um in Erinnerung zu rufen, worum es in diesem Thread geht.
Back to topic, bitte!

Cor_magna
17.07.2022, 23:47
Ich möchte noch dazu ergänzen, dass die Bedingungen in Deutschland vor 30 Jahren als Assi teilweise auch noch viel grottiger waren, wenn auch nicht auf Kolumbien Niveau. Wenn mein Vater mir von seiner Ausbildung erzählt, läuft es mir eiskalt den Rücken runter, wobei ich mit meinen eigenen Bedingungen wohlgemerkt auch nicht zufrieden bin. Hier sollte sich noch mehr verbessern, jedoch darf man auch nicht vergessen, wie schlimm es sein könnte. Hierbei helfen solche Berichte wie der dieses Threads. Hilft auch beim Ertragen des täglichen Klinik Mühlrades. Und wenn man ehrlich ist, hat man eben manchmal nicht mehr Möglichkeiten als es einfach zu ertragen, ausser man kann/will kündigen.

cartablanca
18.07.2022, 11:57
Ich möchte noch dazu ergänzen, dass die Bedingungen in Deutschland vor 30 Jahren als Assi teilweise auch noch viel grottiger waren

Vor 30 Jahren war man als Arzt in D schnell Millionär und musste nicht fürchten den Winter an einer brennenden Mülltonne zu verbringen.

Endoplasmatisches Reticulum
18.07.2022, 12:02
Ich finde so einen Whataboutism auch nicht zielführend. Ein interkultureller Blick über den Tellerrand ist spannend. Aber gerade im Kontext von Arbeitsbedingungen bleibt tatsächlich oft nur eine Mischung aus "Früher war alles noch schlimmer" und "Die Kinder in Afrika verhungern" hängen. Interessant zu lesen, ja. Aber inhaltlich halt auch nicht viel relevanter für einen Arzt in Deutschland als das Leben eines Schamanen am Amazonas ...

Feuerblick
18.07.2022, 12:16
Und wo liegt das Problem an einem Beitrag, der nur als „inhaltlich interessant zu lesen“ gemeint war und ganz offensichtlich niemals andere Ideen verfolgt hat? Warum muss man sich da so ereifern?

Endoplasmatisches Reticulum
18.07.2022, 12:39
Problem? Mh? Nirgends. Aber der Beitrag eröffnet im ersten Absatz mit der erklärten Intention, die viel besseren Arbeitsbedingungen in Deutschland im Vergleich zum braindrain-geplagten Ausland aufzuzeigen. Das verleitet zu Diskussionen der Marke "Uns geht es noch nicht schlimm genug", also Whataboutism. Den hat es hier u.a. als Antwort gegeben und den habe ich als nicht zielführend beurteilt. Siehst du das anders?