KetaminKyle
16.07.2022, 17:41
Liebes Forum,
ich verbringe gerade mein chirurgisches PJ Tertial im schönen Kolumbien, genauer gesagt in Medellin, und wollte euch von den Arbeitsbedingungen erzählen. Es klingt unglaublich, allerdings muss man das mal gesehen haben um zu verstehen, warum Ärzte aus dem Ausland nach DE wollen und selbst die schlimmsten Stellen besetzten, die sonst absolut keiner will.
Das System:
Medizinstudium sind 6 Jahre, ob Studiengebühren oder nicht hängt von Uni ab, bei privaten Unis fallen wohl happige Gebühren an. Das Studium ist um einiges fordernder als bei uns mit regelmässigen „Famulaturen“ in allen Fachgebieten ab dem 3. Studienjahr (Aufgaben aber eher die eines PJlers). Nach Abschluss ist man Allgemeinarzt und muss alleine klarkommen: Man wird nämlich (per Losverfahren) für 1 Jahr auf irgendein Dorf auf dem Land geschickt und muss dann dort eigenständig alles behandeln was so anfällt: von Blutdruckeinstellung und STD-Behandlung über Knochenbrüche, Trauma-Erstversorgung (Stich/Schussverletzungen) bis zu Geburten. Das gesamte Spektrum also mit den absoluten Basics als Hilfmittel (Thoraxdrainagen werden wohl oft aus Mayonaisebehältern etc. selbst zusammengebastelt). Nach diesem Jahr arbeitet man dann als Allgemeinarzt zu einem miserablen Lohn und harten Arbeitsbedingungen, dazu gleich mehr. Die meisten Ärzte bleiben ihr Leben lang „Allgemeinarzt“ und können keine Spezialisierung machen. Es gibt nur sehr wenige Plätze und dementsprechend extreme Konkurrenz: Für Uro gibt es in Medellin (die 2. größte Stadt) pro Jahr nur 2-4 Weiterbildungsplätze. Man muss ein Examen schreiben um in die jeweilige Fachrichtung reinzukommen und viele der jungen Ärzte versuchen jahrelang dieses Examen (1 mal pro Jahr angeboten) möglichst gut zu schreiben um eine Chance zu haben. Die meisten schaffen es natürlich nicht.
Die Spezialisierung:
Die Fachweiterbildung dauert 4 Jahre und habe ich hier in der Chirurgie in verschiedenen Fachrichtungen kennengelernt (Allgemeinchirurgie, Plastische, Uro etc.):
Die Arbeitszeiten fuer die Assistenzärzte im Krankenhaus sind…unmenschlich. Ich sehe es ja mit eigenen Augen, bzw. mache es mit: 80h Wochen sind absoluter Standard, eher noch deutlich mehr, in der Allgemeinchirurgie waren es eher 100h. Nebenbei muss(!) „geforscht“ werden und am Ende der 4 Jahre wird dann eine (meist klinische) Studie als Abschluss präsentiert. Auf Nachfrage wann denn geschlafen wird waren sich alle einig, dass man als Assistenzarzt in WB nicht schläft. Die meisten meinten die 4 Jahre pro Nacht 2-4h pro Nacht zu schlafen.
Die Krönung: Bis vor 2 Jahren war die Assistenzarztweiterbildung NICHT bezahlt, im Gegenteil: man musste sogar noch happige Studiengebühren bezahlen. Ich wiederhole: 80-100h Wochen, kein Gehalt und Gebühren. Bei voller Verantwortung und purem „Learning by doing“.
Einige versuchen natürlich nach USA oder DE, das im Vergleich paradiesische Bedingungen hat, zu kommen.
ich verbringe gerade mein chirurgisches PJ Tertial im schönen Kolumbien, genauer gesagt in Medellin, und wollte euch von den Arbeitsbedingungen erzählen. Es klingt unglaublich, allerdings muss man das mal gesehen haben um zu verstehen, warum Ärzte aus dem Ausland nach DE wollen und selbst die schlimmsten Stellen besetzten, die sonst absolut keiner will.
Das System:
Medizinstudium sind 6 Jahre, ob Studiengebühren oder nicht hängt von Uni ab, bei privaten Unis fallen wohl happige Gebühren an. Das Studium ist um einiges fordernder als bei uns mit regelmässigen „Famulaturen“ in allen Fachgebieten ab dem 3. Studienjahr (Aufgaben aber eher die eines PJlers). Nach Abschluss ist man Allgemeinarzt und muss alleine klarkommen: Man wird nämlich (per Losverfahren) für 1 Jahr auf irgendein Dorf auf dem Land geschickt und muss dann dort eigenständig alles behandeln was so anfällt: von Blutdruckeinstellung und STD-Behandlung über Knochenbrüche, Trauma-Erstversorgung (Stich/Schussverletzungen) bis zu Geburten. Das gesamte Spektrum also mit den absoluten Basics als Hilfmittel (Thoraxdrainagen werden wohl oft aus Mayonaisebehältern etc. selbst zusammengebastelt). Nach diesem Jahr arbeitet man dann als Allgemeinarzt zu einem miserablen Lohn und harten Arbeitsbedingungen, dazu gleich mehr. Die meisten Ärzte bleiben ihr Leben lang „Allgemeinarzt“ und können keine Spezialisierung machen. Es gibt nur sehr wenige Plätze und dementsprechend extreme Konkurrenz: Für Uro gibt es in Medellin (die 2. größte Stadt) pro Jahr nur 2-4 Weiterbildungsplätze. Man muss ein Examen schreiben um in die jeweilige Fachrichtung reinzukommen und viele der jungen Ärzte versuchen jahrelang dieses Examen (1 mal pro Jahr angeboten) möglichst gut zu schreiben um eine Chance zu haben. Die meisten schaffen es natürlich nicht.
Die Spezialisierung:
Die Fachweiterbildung dauert 4 Jahre und habe ich hier in der Chirurgie in verschiedenen Fachrichtungen kennengelernt (Allgemeinchirurgie, Plastische, Uro etc.):
Die Arbeitszeiten fuer die Assistenzärzte im Krankenhaus sind…unmenschlich. Ich sehe es ja mit eigenen Augen, bzw. mache es mit: 80h Wochen sind absoluter Standard, eher noch deutlich mehr, in der Allgemeinchirurgie waren es eher 100h. Nebenbei muss(!) „geforscht“ werden und am Ende der 4 Jahre wird dann eine (meist klinische) Studie als Abschluss präsentiert. Auf Nachfrage wann denn geschlafen wird waren sich alle einig, dass man als Assistenzarzt in WB nicht schläft. Die meisten meinten die 4 Jahre pro Nacht 2-4h pro Nacht zu schlafen.
Die Krönung: Bis vor 2 Jahren war die Assistenzarztweiterbildung NICHT bezahlt, im Gegenteil: man musste sogar noch happige Studiengebühren bezahlen. Ich wiederhole: 80-100h Wochen, kein Gehalt und Gebühren. Bei voller Verantwortung und purem „Learning by doing“.
Einige versuchen natürlich nach USA oder DE, das im Vergleich paradiesische Bedingungen hat, zu kommen.