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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Ernsthafte Frage zu Gehalt und Lebenshaltungskosten



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Endoplasmatisches Reticulum
24.04.2023, 15:09
......

Haffi
24.04.2023, 15:12
@Matzexc1: War 2005. Kurz nach AIP Abschaffung also.

Und was willst du uns jetzt damit sagen? Inflation?

Christoph_A
24.04.2023, 15:36
Und was willst du uns jetzt damit sagen? Inflation?

Ich wollte gar nichts sagen, ich habe Matzes Frage beantwortet.
P.s.: Auch inflationsbereinigt war das weniger Geld als heute....weisst Du aber auch ohne mich. Die Antwort galt der früher war alles besser Fraktion.

Christoph_A
24.04.2023, 15:42
18 Jahre und mittlere Inflation 2 %: 1.979 € * 1.02^18 = 2.826 €. Kommt doch gut hin? Das dürfte etwa dem heutigen Nettogehalt entsprechen. Mein Mitleid hält sich in Grenzen.

Dazu kommen aber noch Faktoren wie Arbeitsverdichtung, Konzentrierung des Arbeitsmarktes, Immobilienblase. Und man darf nicht vergessen, wie ich immer wieder betone, dass die Inflation eigentlich den Kaufkraftverlust unterschätzt, weil darin Kategorien verrechnet werden, die nicht gleichwertig sind. Platt vereinfacht: Kühlschrank 5 % teurer und Essen 25 % teurer ergibt eine Inflation von 15 %. Ich kaufe aber vielleicht viele Jahre lang keinen Kühlschrank, esse und trinke aber jeden Tag. Und selbst wenn ich mir den Kühlschrank irgendwann kaufe, gebe ich halt einmal 25 € mehr aus, bezahle aber jede Woche im Supermarkt 20 € mehr.

Mitleid brauche ich von dir sicher keines, für 3 Netto dreh ich mich heute nicht mal mehr im Bett um.
P.s.: Mir kam das damals unheimlich viel vor, ich hätte mich sicher nicht knapp über Sozialhilfe gesehen, wie hier manche Kollegen.
P.p.s: Wie lange gibt es jetzt eine hohe Inflationsrate, ungefähr seit Mitte der Pandemie mit Steigerung im letzten Jahr, davor war jahrelang teilweise sogar eine Deflation im Programm, da hättest Dir viele Kühlschränke kaufen und vollmachen können. Irgendwie krude Storyline, findest Du nicht auch?

Endoplasmatisches Reticulum
24.04.2023, 15:55
......

WiWi18
24.04.2023, 15:55
Mitleid brauche ich von dir sicher keines, für 3 Netto dreh ich mich heute nicht mal mehr im Bett um.
P.s.: Mir kam das damals unheimlich viel vor, ich hätte mich sicher nicht knapp über Sozialhilfe gesehen, wie hier manche Kollegen.
P.p.s: Wie lange gibt es jetzt eine hohe Inflationsrate, ungefähr seit Mitte der Pandemie mit Steigerung im letzten Jahr, davor war jahrelang teilweise sogar eine Deflation im Programm, da hättest Dir viele Kühlschränke kaufen und vollmachen können. Irgendwie krude Storyline, findest Du nicht auch?

Die Frage ist doch eher, wie viele der heutigen WBAs noch dieselben Gehaltsaussichten haben wie du. Wenige, würde ich behaupten. Damals war der "Deal" besser. Aber ich glaube, die Diskussion hatten wir schon ein paar Mal :) Bei uns gehen die Fachärzte, die nicht in der Klinik bleiben, eigentlich nur noch in MVZen oder Großpraxen und verdienen dann 80-100k im Jahr. Auch nicht mehr das, was es einmal war.

Was du übrigens vergisst: In den Großstädten lag die Inflation durch die exorbitant gestiegenen Mieten bei über 2%. Ich habe, zu Beginn meines Studiums in der ersten Hälfte der 2010er Jahre, eine Ein-Zimmer-Wohnung in einer teuren Studentenstadt für unter 400€ warm (!) bekommen. Heute zahlt man da sicher glatt das Doppelte für.

Ich fand unser Gehalt vor 1-2 Jahren noch ok - man hatte als WBA keine echten Geldsorgen, konnte sich auch mal etwas gönnen (z.B. größere Urlaube), und trotzdem jeden Monat ~1k zur Seite legen. Das geht so jetzt nicht mehr und ich nehme das schon als erheblichen Wohlstandsverlust wahr.

Aber ich denke, die Abschmelzung der Ärztegehälter ist politisch gewollt, anders bekommt man ja das Gesundheitssystem nicht saniert.

Christoph_A
24.04.2023, 16:11
Klar war das gehalt vor 1-2 Jahren noch deutlich besser, ist auch der Tatsache, der seit damals deutlich gestiegenen Inflation geschuldet, keine Diskussion. Deshalb bräuchte es ja auch jetzt einen vernünftigen Tarifabschluß.
Wer jetzt als Schwerpunkt FA in ein MVZ wechselt und 80-100 K kassiert, hat schlicht nicht gut verhandelt. Kenne kaum einen angestellten Schwerpunkt FA, der unter 100k in Vollzeit arbeitet. Hohe Inflation ist immer Wohlstandsverlust, allerdings auch eine Chance, weil sich nun auch Anlagen rentieren, was früher bei 0 zinsen nicht lukrativ war.
Für nen Immobilienkredit ist das Gift, logo, aber das wusste man schon ein paar jahre, daß die Party irgendwann mal vorbei sein wird, wir hatten fast 12 Jahre extrem niedrige Bauzinsen.
@ ER: Niemand hat was von jahrelanger Deflation gesprochen, aber PHASEN einer Nullinflation wie Deflation gab es sehr wohl die letzten Jahre. Und zwar gar nicht so kurze. Dreh mir also bitte nicht die Worte im Mund um. Ansonsten gibst Du mir mit Deinem Beispiel der Lebensmittelpreise ja Recht, daß es sich hier um ein rezentes Phänomen handelt.

Endoplasmatisches Reticulum
24.04.2023, 16:24
......

Autolyse
24.04.2023, 16:30
[...]
Für nen Immobilienkredit ist das Gift, logo, aber das wusste man schon ein paar jahre, daß die Party irgendwann mal vorbei sein wird, wir hatten fast 12 Jahre extrem niedrige Bauzinsen.[...]
Was fairerweise denen, die damals mangels Einkommen nicht kreditwürdig/-fähig waren, auch nicht wirklich hilft, sondern nur denen, die zu dem Zeitpunkt schon die Möglichkeiten hatten, was doch stark mit früherer Geburt vergesellschaftet ist.

Christoph_A
24.04.2023, 16:49
Hatte denn irgendwer behauptet, Ärzte würden seit Jahren am Hungertuch nagen? Es ging doch nie um etwas anderes als den aktuell akzelerierten Kaufkraftverlust.

Deine Aussage war "ungefähr seit Mitte der Pandemie (...), davor war jahrelang teilweise sogar eine Deflation im Programm, da hättest Dir viele Kühlschränke kaufen und vollmachen können". Ich verstehe wirklich nicht, was hier dein Punkt sein soll - das in Jahren mit positiver Jahresinflation auch mal einzelne Monate mit gering negativer Verteuerungsrate dabei waren? Was tut das zur Sache?

Das tut ziemlich viel zur Sache, ob Du übers Jahr 0,9 oder 7% Inflationsrate hast, wie gesagt, Wortklaubereien bringen einen da nicht weiter. Bis 22 wurden Dir zusätzlich Kredite nachgeworfen, sogar mein Praxiskredit ist unter 1% Verzinsung.
Jeder wusste, daß das nicht immer so weitergehen würde.
Was stimmt ist die Tatsache, daß Immobilien in Großstädten unverschämt teuer geworden sind, da rentiert sich ein Kauf nicht mehr, Mieten ist immer noch deutlich billiger. Wird sich die nächsten Jahre auch wieder einpendeln. Momentan muß man da abwarten können.

Endoplasmatisches Reticulum
24.04.2023, 16:54
......

nie
24.04.2023, 17:02
Mein Vater hat damals in den 90ern als Angestellter in einem Reisebüro gearbeitet und den Leuten Neckermann-Reisen verkauft. Mit diesem 9 to 5 Job ernährte er als Alleinverdiener eine 4-köpfige Familie, baute ein sicher nicht luxuriöses, aber dennoch kleines Eigenheim und fuhr mit uns 2-3 mal jährlich in den Urlaub. Diese goldenen Jahre sind mittlerweile vorbei, aber das betrifft ja leider die gesamte Gesellschaft und nicht nur uns Ärzte.

Mein Vater hat in den 90ern als angestellter Handwerker schon Überstunden ohne Ende gemacht, damit er seine vierköpfige Familie ernähren konnte. Wir konnten uns weder ein eigenes Haus leisten noch regelmäßig in Urlaub fahren. Ich war genau 5 Mal mit meiner Familie in Urlaub bis ich volljährig wurde. Früher war auch nicht alles besser.


Vielleicht ist es auch mein familiärer Background, der dazu führt, das mich das echt ärgert wenn Leute mit 3000 €/netto jammern, dass sie zu wenig Geld haben. Ob das jetzt ein angemessenes Gehalt ist, für den Job den wir machen, steht nochmal auf einem anderen Blatt aber man einfach immer noch deutlich mehr auf dem Konto als die meisten anderen Menschen. Vielleicht hat man einfach andere Standards wenn man bereits in einen finanziell stabilen Elternhaus aufgewachsen ist aber für als Arbeiterkind ist das echt eine Menge Geld.
Ich bin mittlerweile mit Diensten bei ca. 5000 € netto angekommen, was mehr ist als jemals jemand in meiner Familie verdienst hat. Mir wird immer noch anders wenn ich auch mein Konto gucke.

Christoph_A
24.04.2023, 17:21
??? Das war doch mein Reden ???

Nein.
Ich sagte, Du hattest genug Jahre mit relativ höherer Kaufkraft, um Deinen Kühlschrank zu kaufen und vollzumachen. War also exakt nicht Deine Rede.
Der Kaufkraftverlust schlägt erst die letzten 2 Jahre zu.
@nie: Volle Zustimmung! Genau das regt mich an dem aktuellen Gejammer auch auf.

Autolyse
24.04.2023, 17:36
[...]Vielleicht ist es auch mein familiärer Background, der dazu führt, das mich das echt ärgert wenn Leute mit 3000 €/netto jammern, dass sie zu wenig Geld haben. Ob das jetzt ein angemessenes Gehalt ist, für den Job den wir machen, steht nochmal auf einem anderen Blatt aber man einfach immer noch deutlich mehr auf dem Konto als die meisten anderen Menschen. Vielleicht hat man einfach andere Standards wenn man bereits in einen finanziell stabilen Elternhaus aufgewachsen ist aber für als Arbeiterkind ist das echt eine Menge Geld.
Ich bin mittlerweile mit Diensten bei ca. 5000 € netto angekommen, was mehr ist als jemals jemand in meiner Familie verdienst hat. Mir wird immer noch anders wenn ich auch mein Konto gucke.
Ich fand es eher desillusionierend. Verglichen mit dem Werkstudentenjob musste ich zum Berufseinstieg mehr als Doppelt so viel arbeiten, hatte aber deutlich weniger als das Doppelte an Gehalt.

Möglicherweise werden die beiden Aspekte auch vermischt. Ich war im fünften Berufsjahr erstmals knapp über 3.000€ netto und in der Eingangsstufe von R1 wären es schon einmal schlanke 600€ mehr...

Endoplasmatisches Reticulum
24.04.2023, 17:44
......

docdean
24.04.2023, 17:46
Ich habe mich bewusst gegen Kinder entschieden - aus genau dem Grund der Kosten. Hätte zwar schon gerne welche, aber wenn man sich die Kosten und die Tendenz hier in Deutschland anguckt - nein danke. Ohne Kinder/Familie alleine ernähren zu müssen finde ich unser Gehalt sehr gut. Alles was darüber hinausgeht finde ich jedoch nicht mehr feierlich. Hat man Kinder ist man im Grunde direkt auf ein Auto angewiesen, Kita Gebühren, später will das Kind am besten noch das neuste Iphone/Tablet/notebook usw... Wer soll das bitte noch bezahlen?

Auch das ist doch "Jammern auf hohem Niveau". Guck dir mal an, wie viele Kinder da draußen rumlaufen. Du glaubst doch nicht, dass deren Eltern alle mehr verdienen müssen als ein Arzt, damit sie sich die Kinder leisten können?

Man ist auch mit Kindern nicht auf ein Auto angewiesen, die kann man genauso zu Fuß, mit dem Fahrrad oder dem ÖPNV durch die Stadt bringen. Kitagebühren gibt es nicht überall, aber selbst wenn man die zahlen muss, hat man das Geld ja schnell wieder drin, wenn dadurch beide Eltern arbeiten können. Und wenn das Kind dauernd neue High-End-Geräte haben will, hat man in der Erziehung was falsch gemacht. Aber selbst wenn man ab und zu sowas kaufen muss, hat man das Geld dafür an einem Tag erarbeitet, so teuer sind die Dinger ja nicht mehr.

Die Einstellung kommt vermutlich eher daher, dass sich die Eltern lieber selbst dauernd neue Spielsachen kaufen und das Leben genießen wollen... Wie gesagt, andere Eltern versorgen ihre Kinder mit viel weniger Einkommen und das schadet denen auch nicht.

Endoplasmatisches Reticulum
24.04.2023, 18:02
......

Tom123321
24.04.2023, 18:08
Nein.
Ich sagte, Du hattest genug Jahre mit relativ höherer Kaufkraft, um Deinen Kühlschrank zu kaufen und vollzumachen. War also exakt nicht Deine Rede.
Der Kaufkraftverlust schlägt erst die letzten 2 Jahre zu.
@nie: Volle Zustimmung! Genau das regt mich an dem aktuellen Gejammer auch auf.

@Christoph_A Wenn man aber erst jetzt sein Medizinstudium beendet hat hatte man halt nicht genug Jahre um einen Kühlschrank zu kaufen und ihn vollzumachen, oder eine billige Praxis mit 1% Praxiskredit zu kaufen. Jetzt kosten viele Praxen auch schon 300k+. Du hast bestimmt "deinen Kühlschrank voll" und es kann dir jetzt scheißegal sein wie es den neuen Ärzten geht.
Diese Mentalität von @nie ist halt was zu Lohndumping führt. Nur weil man überleben kann, heißt es noch lange nicht dass man gut für seine Arbeit bezahlt wird. Man muss nur Mal nach Großbritannien gucken, die Assistenzärzte dort haben seit 2008 schon mehr als 30% ihres realen Lohns wegen Inflation verloren. Jetzt müssen sie streiken und kämpfen um so viel zu verdienen wie die Assistenzärzte von 2008.
Sich auf Dienste zu berufen macht keinen Sinn. Dann kann man ja auch sagen das man gutes Geld verdient wenn mann 3 Jobs hat. Das einzige was zählt ist der Grundgehalt für 40 Wochenstunden.

Autolyse
24.04.2023, 18:21
Auch das ist doch "Jammern auf hohem Niveau". Guck dir mal an, wie viele Kinder da draußen rumlaufen. Du glaubst doch nicht, dass deren Eltern alle mehr verdienen müssen als ein Arzt, damit sie sich die Kinder leisten können.
Kinder sind der Armutsfaktor Nummer 1 und die Anzahl der Kinder, die (mittelbar) Transferleistungsempfänger sind, ist im Verhältnis exorbitant hoch.

Christoph_A
24.04.2023, 18:46
Wenn man erst jetzt sein Medizibstudium beendet hat, verdient man trotzdem ordentliches Geld, kann ein Auto, eine Wohnung und Urlaub haben. Alles nicht so schlecht, für Berufsanfänger. Wichtig wird sein, die gestiegene Inflation in die Tarife abgebildet zu bekommen. Das geht alle Ärzte was an, mir ist das auch nicht egal, unsere WBÄ kriegen im Sommer auch eine Einmalzahlung und ab Juli dann 5% mehr Lohn.
P.s.: Wenn Du in meiner Gegend nen katdiologischen Sitz für 300k findest, gib mir Bescheid, den kauf ich sofort, auch für 5% Zinsen!