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Teevee
06.07.2023, 18:25
Hallo zusammen,

Ich denke, beim Lesen des Titels dieses Beitrags wissen alle (potentiell) Betroffen direkt, worum es geht. Viele Paare, bei denen beide Partner in etwa gleich viel verdienen runzelt sich bei der Ansage mit der 150k Grenze die Stirn..
Gerade in unseren Berufskreisen sind da bestimmt viele betroffen.

Das ganze ist zwar noch nicht 100% fix (erst im Herbst, wenn bis dahin keine Alternative auf dem Tisch liegt), aber man macht sich da schon so seine Gedanken, wie man der Sache entgehen kann.

Habt ihr, die ihr auch betroffen seid (bzw in Zukunft potentiell betroffen seid) vor, etwas zu unternehmen, um unter die Grenze zu kommen? Außer zu reduzieren könnte man noch Sonderzahlungen ans Versorgungswerk leisten oder für entsprechendes Geld Fortbildungen machen, um die absetzbaren Werbungskosten zu erhöhen. Gibt es sonst noch Möglichkeiten?

Je nach personeller Situation am jeweiligen Arbeitsplatz wäre auch ein mehr oder weniger langer unbezahlter Sonderurlaub denkbar, um das Einkommen zu reduzieren, ohne mit Teilzeit rummachen zu müssen. Oder zählt so etwas vielleicht nicht, da es sich um eine „einmalige“ Sache handelt?

Wenn vielleicht ohnehin ein Arbeitsplatzwechsel ansteht, könnte man auch kündigen und nach der 12wöchigen Sperrfrist ALG1 anstatt Elterngeld beziehen. Bei begründeter Eigenkündigung (zB zur Pflege eines Angehörigen) entfällt sogar die Sperrfrist. Weiß jemand, ob die Betreuung eines Säuglings hier eine hinreichende Begründung darstellt?

Und bezüglich der Arbeitszeitreduktion: Die Einkommensgrenze beim Elterngeld bezieht sich auf den „letzten abgeschlossenen Veranlagungszeitraum“. Ist das das der Geburt vorausgehende abgeschlossene Kalenderjahr? Dh bei Geburt in zB 2024 würde der Steuerbescheid von 2025 zählen oder ist damit etwas anderes gemeint?

So viele Fragen.. Ich freue mich auf einen produktiven Austausch :-stud

Liebe Grüße!

freak1
06.07.2023, 19:11
Deutschland tut halt alles was es kann um hochqualifizierte am Kinder kriegen zu hindern bzw. sie zum Auswandern zu bewegen. FA machen, weg hier.

Miss_H
06.07.2023, 19:32
Deutschland tut halt alles was es kann um hochqualifizierte am Kinder kriegen zu hindern bzw. sie zum Auswandern zu bewegen. FA machen, weg hier.
Zum Beispiel in die Schweiz?! Da hat man ab Geburt 14 Wochen 80% des Gehalts + weitere 14 Tage unbezahlt. Der Vater erhält 14 Tage bezahlten Urlaub, der innerhalb von 6 Monaten genommen werden muss. Spricht echt dafür auszuwandern....

Relaxometrie
06.07.2023, 20:08
Deutschland tut halt alles was es kann um hochqualifizierte am Kinder kriegen zu hindern bzw. sie zum Auswandern zu bewegen. FA machen, weg hier.
Du bist ja FA. Wohin wanderst Du jetzt aus?

OhDaeSu
06.07.2023, 22:13
Zum Beispiel in die Schweiz?! Da hat man ab Geburt 14 Wochen 80% des Gehalts + weitere 14 Tage unbezahlt. Der Vater erhält 14 Tage bezahlten Urlaub, der innerhalb von 6 Monaten genommen werden muss. Spricht echt dafür auszuwandern....

Dafür konntest du in der Schweiz bis dahin ein deutsches Netto pro Monat sparen. Aber bis Juli für den Staat arbeiten und dann so gar keine Gegenleistung dafür zu bekommen wird sich nicht als tragfähiges Konzept erweisen.

anignu
06.07.2023, 23:10
@teevee: du willst also Gehaltseinbußen in Höhe von mehreren tausend Euro hinnehmen um dann Elterngeld in Höhe von mehreren tausend Euro zu bekommen? Der Funken, dass das eine Top-Idee ist, ist bei mir noch nicht übergesprungen...

Und ist dir klar dass das Elterngeld unter dem Progressionsvorbehalt liegen? In der Regel führt dies daher im Jahr drauf zu einer Steuernachzahlung... Just sayin'.
Oder stell dir vor du reduzierst/ kündigst/ machst Sonderurlaub und dann klappt das doch nicht mit Schwangerschaft etc...

Haffi
07.07.2023, 06:31
Als Selbständiger hat man sicher noch andere Möglichkeiten. Als Angestellter würde ich auch reduzieren. Leider liegt man als Ärztepaar oftmals in dieser sozialpolitisch desaströsen Einkommensregion. Spitzensteuersatz, Höchstsätze in der Sozialversicherung, Unterhaltszahlungen für die eigenen Eltern sofern diese nicht vermögend sind, in vielen Kommunen Höchst-Kita-Sätze. An vielen Stellen zahlt man insofern zumindest prozentual, oftmals auch absolut genauso viel wie ein Millionär oder Milliardär.

Qwert1133
07.07.2023, 11:26
@teevee: du willst also Gehaltseinbußen in Höhe von mehreren tausend Euro hinnehmen um dann Elterngeld in Höhe von mehreren tausend Euro zu bekommen? Der Funken, dass das eine Top-Idee ist, ist bei mir noch nicht übergesprungen...

Und ist dir klar dass das Elterngeld unter dem Progressionsvorbehalt liegen? In der Regel führt dies daher im Jahr drauf zu einer Steuernachzahlung... Just sayin'.
Oder stell dir vor du reduzierst/ kündigst/ machst Sonderurlaub und dann klappt das doch nicht mit Schwangerschaft etc...

Ja klar, er arbeitet dafür dann immerhin auch weniger weil in Teilzeit. Ist dann halt ein Plus an Lebenszeit/Freizeit. Falls es bei mir wirklich eng werden sollte (man braucht ja zugegebenermaßen schon 2xOA KH Gehalt oder FA Praxis um die Grenze zu knacken) habe ich vor die kleine Wohnung, die ich gekauft habe, zu renovieren/möblieren um unser zu versteuerndes Einkommen zu senken.

Insgesamt finde ich das einen katastrophalen politischen Akt mit wirklich schlimmer Signalwirkung.

Teevee
07.07.2023, 11:41
Also wir haben 2x KH Gehalt, wohlgemerkt nicht als OA. Da muss man kein OA sein, um mit Diensten die Grenze knapp zu knacken…

@anignu: 14x1.8k macht gut 25k. Da muss man viel nachzahlen, damit sich das nicht mehr lohnt… und wieso nachzahlen, Elterngeld muss doch nicht versteuert werden? Es braucht quasi nur den Freibetrag im Jahr auf. Und wenn man unterjährig wieder zu arbeiten anfängt, wird der Monatslohn doch trotzdem so besteuert, als würde man ihn 12x/Jahr bekommen. Unterm Strich müsste man doch mindestens auf 0 rauskommen, oder?

Achja, den GKV Beitrag dürfte man auch ohne Elterngeld trotzdem zahlen, wenn man davor freiwillig gesetzlich versichert war. Echt fair und famiiienfreundlich.

Haffi
07.07.2023, 13:20
Ich frag mich, was aus den Fällen wird, wo die Frau einen Großteil des Einkommens erwirtschaftet und zumindest ein bisschen bei ihrem Kind bleiben will. Scheint ja für die Politik ein ziemlich unrealistisches Szenario zu sein.

remix_
07.07.2023, 14:43
Ich frag mich, was aus den Fällen wird, wo die Frau einen Großteil des Einkommens erwirtschaftet und zumindest ein bisschen bei ihrem Kind bleiben will. Scheint ja für die Politik ein ziemlich unrealistisches Szenario zu sein.

ist es dann so, dass wenn beide 75k verdienen und damit kein elterngeld bekommen, eine/r dann seinen job aufgibt/reduziert trotzdem kein elterngeld gezahlt wird, weil die bemessung im vorjahr liegt?

Teevee
07.07.2023, 14:58
ist es dann so, dass wenn beide 75k verdienen und damit kein elterngeld bekommen, eine/r dann seinen job aufgibt/reduziert trotzdem kein elterngeld gezahlt wird, weil die bemessung im vorjahr liegt?
Genau so ist es

Stuntman Mike
07.07.2023, 15:08
Dieser Plan ist einfach nur asozial, Entschuldigung. Leistung wird hierzulande mehr und mehr bestraft. Und wie immer zählt nur das Einkommen, wer Vermögen hat, ist fein raus. Kann gar nicht so viel essen…
Der Ausweg für mich wird eine Reduzierung der Arbeitszeit sein, um unter der Schwelle zu bleiben. Bin da bestimmt nicht der Einzige… so verstärkt sich der Fachkräftemangel natürlich noch mehr, aber wie gesagt: wer ranklotzt ist am Ende der Dumme, von daher wie bestellt, so geliefert.

rafiki
08.07.2023, 06:10
wie bestellt, so geliefert.

Genau das ist der Punkt. Also nicht jammern. (nicht du persönlich StuntmanMike)

Reflex
08.07.2023, 08:43
Also wir haben 2x KH Gehalt, wohlgemerkt nicht als OA. Da muss man kein OA sein, um mit Diensten die Grenze knapp zu knacken…

Ihr kommt kommt mit zwei Assistenzarztgehältern auf über 180 000€ Brutto zusammen? Denn das ist ja schlussendlich ungefähr die reele Einkommensgrenze des zuversteuernden Einkommens nach Abzug aller Freibeträge etc. und damit gehört man aber unweigerlich zu den reichsten 5% der Bevölkerung (auch wenn der durchschnittliche Arzt sich vermutlich nicht dazugehörig fühlt) Und um die popeligen 22000€ pro Jahr bekommen zu können, würde ich garantiert aktuell nicht auf Gehalt verzichten. Denn das würde sich weder für meinen Mann noch für mich finanziell lohnen, weil wir mehr Verlust machen würden… Schlussendlich ist Elterngeld eine Lohnersatzleistung und wenn ich eh schon viel verdiene, ist das in der Regel kein wirklicher Ersatz, weil mein Lebensstandard oft weit darüber liegt, was der „Ersatz“ dann gar nicht leisten kann. Das würde mich aber eh nicht daran hindern, ob ich noch weitere Kinder bekommen möchte oder nicht. Denn das ist eine persönliche Lebenstilentscheidung.

DrSkywalker
08.07.2023, 18:37
Hier mal eine Berechnung, die in einem anderen forum gepostet wurde, sehr interessant, es geht um die Situation in Bayern:


Ganz grob über den Daumen pro Monat bei 2 Kindern:

Familiengeld +500€
gesparte hohe Kitagebühren inkl. Verpflegung: +600€
Wohngeld: +200€
Anspruch auf Sozialwohnung zu 9€/qm statt 18€/qm bei 80qm = +720€
Kinderzuschlag +500€
Bildung und Teilhabe: +100€


Da kommen wir auf grob 2.600€ netto zusätzliche Sozialleistungen für Geringverdiener (neben dem geringen Verdienst) mit 2 Kindern, Elterngeld noch gar nicht berücksichtigt.

Diesen Unterschied muss man erstmal netto als „Gutverdiener“ mehr verdienen. Und mit jedem Kind mehr wird der Abstand größer.

Läuft im Endeffekt darauf hinaus dann alle mit mehreren Kindern einfach einen Einheitslohn beziehen, nicht meine Vorstellung von sozialer und gerechter Leistungsgesellschaft

Teevee
08.07.2023, 19:41
Ihr kommt kommt mit zwei Assistenzarztgehältern auf über 180 000€ Brutto zusammen? Denn das ist ja schlussendlich ungefähr die reele Einkommensgrenze des zuversteuernden Einkommens nach Abzug aller Freibeträge etc. und damit gehört man aber unweigerlich zu den reichsten 5% der Bevölkerung (auch wenn der durchschnittliche Arzt sich vermutlich nicht dazugehörig fühlt) Und um die popeligen 22000€ pro Jahr bekommen zu können, würde ich garantiert aktuell nicht auf Gehalt verzichten. Denn das würde sich weder für meinen Mann noch für mich finanziell lohnen, weil wir mehr Verlust machen würden… Schlussendlich ist Elterngeld eine Lohnersatzleistung und wenn ich eh schon viel verdiene, ist das in der Regel kein wirklicher Ersatz, weil mein Lebensstandard oft weit darüber liegt, was der „Ersatz“ dann gar nicht leisten kann. Das würde mich aber eh nicht daran hindern, ob ich noch weitere Kinder bekommen möchte oder nicht. Denn das ist eine persönliche Lebenstilentscheidung.

Keine Assistenten, sondern 2 frischgebackene FÄ. Dann noch die eine oder andere zusätzliche Notarztschicht, weil man ja fleißig ist und sich für seine Lebensprojekte (zB Hausbau) was ansparen will und schon sind wir knapp drüber..

Über die Runden kommen wir freilich irgendwie, auch ein Paar mit 100k Jahreseinkommen kommt irgendwie über die Runden. Das Elterngeld ist aber auch nicht als soziales Instrument gedacht, sondern als ein familienpolitisches, um sozusagen „finanzielle Lastspitzen“ durch den Wegfall eines Einkommens abzumildern und dadurch die Familienplanung niederschwelliger zu machen und Paaren letztendlich den Weg zu vereinfachen, frühzeitig Kinder bekommen zu können.

Gerade, wenn man fix mit der Unterstützung gerechnet hat, ist so eine Kürzung von jetzt auf gleich ein harter Treffer. Von denjenigen, die Mitte des Jahres Schwanger geworden sind und fest damit kalkuliert haben, will ich gar nicht sprechen..

Und abgesehen von der Bedeutung für den Einzelnen: Die eigentliche Kernfrage ist, wie wichtig ist es der Gesellschaft und dem Land, das Kinderkriegen und die Familienplanung zu fördern? Gerade in Zeiten des demografischen Wandels mit Überalterung, Fachkräftemangel und zunehmender Problematik bei der Rentenfinanzierung sind mehr Kinder wichtiger denn je.

Und insbesondere für eben die sog obere Mittelschicht, die mit all ihrem Abgaben und Steuern viel Geld in die Staatskasse spült, ohne dabei von Förderungen oder sonstigen Programmen zu profitieren, wäre eine Förderung Im Bereich der Familienplanung sehr im Interesse des Staates und eine Investition, die sich auf lange Sicht allemal rentiert (und auch leistbar ist, va wenn man bedenkt, an welchen Stellen überall staatliches Geld aus dem Fenster geworfen wird. Aber das Fass will ich hier nicht aufmachen, sonst ommt mN ja ganz vom Thema ab..).

Endoplasmatisches Reticulum
08.07.2023, 20:45
Alles richtig. Bloß unsere Politiker sind ja bekanntlich der Auffassung, sämtliche sich durch den Populationsverfall anbahnende Kollateralschäden wie den Kollaps aller umlagefinanzierter Sozialsysteme einfach durch Fleischimporte aus Drittländern in Luft und Wonne auflösen zu können. Da brauchst du doch nicht damit kommen, dass man den Einheimischen das Rammeln und Schuften wieder schmackhafter machen sollte. Pfui! :)

agouti_lilac
09.07.2023, 07:16
Deine Ausdrucksweise ist ganz schön entwertend.

Endoplasmatisches Reticulum
09.07.2023, 08:46
Eine offensichtliche Karikatur als solche einordnen zu können, setze ich in einem Akademikerforum voraus ...