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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Was darf man von Berufsanfängern erwarten, was müssen Altassis machen? (Meckerei)



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anignu
24.07.2023, 22:37
Oh man, ich wollte hier wirklich keine Debatte über "Ausländer" in Gange treten...
Du vielleicht nicht. Es gibt aber manche Leute hier im Forum die es tatsächlich schaffen in jeder Debatte irgendwie die Rassismus-Keule zu schwingen. Ganz egal um was es geht.
Das erinnert mich an den Grünen-Bashing-Überleitungsgenerator vom Postillon. Kennt ihr den? https://www.der-postillon.com/2023/07/gruenen-bashing-ueberleitungsgenerator.html Einfach irgendein x-beliebiges Thema eingeben und sofort kommt ein Grünen-Bashing-Text raus. Und genauso verhalten sich manche Leute hier im Forum. Thema egal, Hauptsache irgendwas Rassistisches raushauen.

Dass die Medizin ein Bereich mit vielen Problem ist, ist uns allen klar. Ein System in dem die Preise fix vorgegeben sind. In dem Weiterbildung und Ausbildung nichts zählt bzw. erstattet wird. In dem es auf der einen Seite Rosinenpicker und auf der anderen Seite die Resterampe gibt. In dem die Kliniken und Fächer, die vor allem sich um die Notfallversorgung der Bevölkerung vor Ort kümmern, extrem unbeliebt sind aufgrund der dadurch resultierenden vielen Dienste die noch dazu extrem mies bezahlt werden. So dass in vielen Fachrichtungen und Kliniken die Leute weglaufen weil man für die miese Dienstbezahlung sich das nicht antun will. Dass Altassis die Neuen ausbilden sollen, denn die Oberärzte wiederum haben genug zu tun die eigene Arbeit zu machen und dann die Altassis auszubilden. Denn ganz ehrlich: wenn ich die Neuen ausbilden soll, gern. Dann bleiben dafür halt die Altassis auf der Strecke weil ich einfach nur eine gewisse Menge an Stunden schaffe am Tag. Usw... auf der anderen Seite hab ich keine echte Lösung. Ich fände es gut wenn man für WBAs eine gewisse Erstattung bekommt, dafür denen aber auch gewisse Mindestsachen beibringen muss. Und das dann auch entsprechend überprüft wird. Ich fände es gut wenn man die Fortbildungspflicht so regelt dass der Arbeitgeber einem gewisse Kurse auch zahlen muss. Ich fände es gut wenn Dienste deutlich besser bezahlt werden würden, so dass manche Bereiche zumindest finanziell ein wenig attraktiver werden... schau mer mal was sich tut in nächster Zeit.

rafiki
25.07.2023, 06:38
z.B. noch nie was vom Krankheitsbild gutartiger Lagerungsschwindel gehört habe (in diesem Fall hat das vielleicht tatsächlich was mit dem Studium in einem anderen Land zu tun)

Wieso? Gibt es außerhalb Deutschlands keinen benignen Lagerungschwindel?

Thomas24
25.07.2023, 07:09
Dass die Medizin ein Bereich mit vielen Problem ist, ist uns allen klar. Ein System in dem die Preise fix vorgegeben sind. In dem Weiterbildung und Ausbildung nichts zählt bzw. erstattet wird.

Es ist sogar noch besser. Nicht nur die Preise, sondern auch die Mengen und die Qualität sind fix vorgegeben.
Wobei letzteres methodisch nicht sauber dargestellt werden kann und daher über allerlei bürokratische Surrogatparameter gesteuert wird und ersteres im EBM auch nicht fair dargestellt wird (in Euro und Cent), sondern über einen floatenden "Punktwert", wobei erst sechs Monate *nach* der Leistungserbringung feststeht, wie viel Cent der einzelne Punkt denn *tatsächlich* wert war... Je nachdem, ob man bereits Patienten oberhalb des Regelleistungsvolumens behandelt hat, wird die Erstattung darauf nämlich nochmal gerne gekürzt. Genial. Die GKV Feuerwehr hat zu viel Wasser verbraucht, also bekommt Sie -rückwirkend- ab einem Cut- Off Wert einfach weniger für das Wasser erstattet, aber die Kosten bleiben dieselben :-D Aber die für PrIvAtPatienTEN BeSTEHt eiNE unSoliDarIsCHE ZWeiKlASSenMedIzIn. Ne, is klar. Die GoÄ ist zwar seit über 30 Jahren in den wesentlichen Teilen unverändert geblieben (nix mit Inflationsausgleich...), aber wenigstens kann man betriebswirtschaftlich in Euros kalkulieren und nicht in "Punkten", von denen man zum Leistungszeitpunkt nicht mal weiß, was der einzelne Punkt einmal wert sein wird :-keks
Und im stationären Bereich wird DRG "Optimierung/Upcoding" betrieben, wo es nur geht, was wiederum Ressourcen frisst (Leistungserbringer auf der einen Seite codieren, was die DRG hergibt, Leistungsträger kürzen und streichen was das System hergibt- und die Regeln ändern sich gerne mehrfach im Jahr...), die der Patientenversorgung fehlen. Ganze Berufe wie "Med. Codierer" sollte es in einem dysfunktionalen System gar nicht erst geben. Es gibt Sie aber.




In dem es auf der einen Seite Rosinenpicker und auf der anderen Seite die Resterampe gibt. In dem die Kliniken und Fächer, die vor allem sich um die Notfallversorgung der Bevölkerung vor Ort kümmern, extrem unbeliebt sind aufgrund der dadurch resultierenden vielen Dienste die noch dazu extrem mies bezahlt werden. So dass in vielen Fachrichtungen und Kliniken die Leute weglaufen weil man für die miese Dienstbezahlung sich das nicht antun will.

Unser Berufsverband hatte man den Vorschlag eingebracht, dass ein gewisses Maß an den "Rosinenpickerleistungen" eben vom Niedergelassenen Sektor an den stationären Sektor abgetreten wird, damit bei letzteren a) ein gewisser Erlös stattfindet und b) nicht nur die Sch**ßarbeit/komplexen Sch**fälle in der Klinik aufschlagen, sondern ab und zu auch ein netter Standardfall/ Standardsitus mal in der Klinik landet, an dem man den eigenen klinischen Nachwuchs ausbilden kann, der dann graduell langsam an die komplexeren Fälle herangeführt werden kann.

Meines Erachtens not going to happen- es gibt einfach zu viele Zielkonflikte. Zum einen ist es sogar politische Vorgabe, dass immer mehr Leistungen ambulant bzw. tagesklinisch erbracht werden sollen (angesichts der demographisch bedingt zunehmend schwierigeren Situation der sozialen Sicherungssysteme auch verständlich, dass dort Kosten eingespart werden sollen), zudem ist es sogar das erklärte Ziel von Herrn Lauterbach und co, dass Klinikbetten/ Kapazitäten abgebaut werden sollen- gerne auch in der Fläche. Davon abgesehen gibt viele Niedergelassene, die es sich einfach von der Kostenstruktur nicht leisten können, einfach mal so mir nichts, dir nichts, eine gewisse Prozentzahl X an wenig aufwändigen Patienten an den stationären Sektor abzutreten, weil dass einnahmeseitig deren Mischkalkulation völlig sprengen würde- und am anderen Ende die Kapazitäten der Kliniken (personelle Ressourcen im ärztlichen und pflegerischen Dienst usw.) eh oft schon am Rande des ertragbaren ausgepresst sind.

Es gibt IMHO im bestehenden System keine gute Lösung- nur workarounds, die mehr oder weniger gut funktionieren.

cicely
25.07.2023, 19:17
Btw. Auch negative Äußerungen eines ausländischen Mitbürgers gegen Deutsche (so wie deine ewige Leier hier) sind Rassismus. Sagten wir dir ja schon.


Auch wenn es in dieser konkreten Diskussion off topic ist, möchte ich diese Aussage in diesem vielgelesenen öffentlichen Forum nicht so stehen lassen. Negative Äußerungen gegenüber (Weißen) Deutschen sind einfach negative Äußerungen, oder eventuell Vorurteile, oder eine Beleidigung, oder Herabwürdigung, oder was auch immer, aber definitionsgemäß kein Rassismus. Rassismus gegen Weiße gibt es nicht, da Weiße keine strukturelle Diskriminierung erfahren. (Bin sonst echt nicht für Wortklauberei, aber in diesem Zusammenhang bagatellisiert die fälschliche Verwendung des Begriffs Rassismus das sehr reale Problem.)
https://www.quarks.de/gesellschaft/gibt-es-rassismus-gegen-weisse/

Feuerblick
25.07.2023, 19:45
Waren wir nicht schon weg von diesem Thema? Danke!

Miss_H
25.07.2023, 19:50
Waren wir nicht schon weg von diesem Thema? Danke!
Das ist aber so auch nicht richtig. Man darf auf inhaltliche falsche Aussagen, auch von Mods, hinweisen. Du kannst schreiben "Das war mir so nicht klar. Danke für die Darstellung. Allerdings sollten wir trotzdem beim Hauptthema des Threads bleiben." So wirkt es doch sehr unreflektiert und uneinsichtig (und befeuert damit nur Vorurteile).

Feuerblick
25.07.2023, 20:03
Vielen Dank für deine Belehrung über korrektes Posten, Miss_H!
Btw. war das kein Einwurf als Moderator (leicht erkennbar daran, dass es nicht mit „Moderator“ unterschrieben wurde). Ob meine ganz private Anmerkung jetzt unreflektiert und uneinsichtig wirkt, ist mir, mit Verlaub, (nicht nur) in einem Internetforum einigermaßen egal.

Damit wir aber zum Thema zurückkehren können und der Vollständigkeit halber: Danke, cicely, für diese Ausführungen.

LoveDoctor
01.02.2024, 22:26
Ich krame den Thread aus aktuellem Anlass mal wieder raus. Insgesamt ist es leider so, dass die Situation sich bei uns nicht wesentlich gebessert hat. Von den neuen aus dem letzten Jahr machen sich drei sehr gut und haben auch eine Lernkurve gezeigt (bzw. waren von Anfang an fit), aber mittlerweile gibt es drei Leute, die so im Strom mitschwimmen. Die eine ist dauerkrank aus fadenscheinigen Gründen (und immer sehr kurzfristig), einer lässt pünktlich den Stift fallen und alles an Arbeit liegen, die dritte stellt jetzt absurde Forderungen beim Chef à la keine Dienste mehr und erwartet permanent, dass wir ihr hinterherarbeiten. Der Großteil der Sachen bleibt nach wie vor an uns drei "Altassis" hängen, auch wenn wir mittlerweile einiges nicht mehr hinnehmen, z.B. permanent Langlieger-Briefe zu schreiben etc. Der Chef verspricht uns zwar, mit entsprechenden Kollegen/Kolleginnen zu reden, aber getan hat sich nichts. Dazu kommt eine Teilzeit-Neueinstellung, die schon von vorneherein als Berufsanfängerin mit Studium außerhalb Deutschlands extrem unflexibel ist. Unser Chef und OÄ beteuern, der Bewerbermarkt sei leergefegt und man muss nehmen, was man kriegen kann. Ist das bei euch auch so?
Insgesamt ist durch das alles natürlich auch die Stimmung bei der Pflege schlecht, permanent wird man um Dinge gebeten, die der vorherige Diensthabende nicht gemacht hat, wenn man dann nicht sofort springt, ist man auch wieder der/die Böse. Von außen betrachtet spricht natürlich alles für eine Kündigung. Andererseits habe ich schon in der Funktionsdiagnostik recht viel investiert und habe Angst, da jetzt anderswo wieder hintenanzustehen. Was würdet ihr tun?

mbs
02.02.2024, 18:07
Das hört man eigentlich von allen Medizinern die man kennt, dass die Standards an Personal aufgrund eines Bewerbermangels überall drastisch heruntergeschraubt wurden und werden, weil man sonst teilweise gar niemanden mehr finden würde.
Das geht zu Lasten der paar wenigen Leistungsfähigen und Kompetenten.
Nur eins darf man dabei nie vergessen: Wenn Leistung bestraft wird, warum Überengagement zeigen? Formal hast du nicht mehr oder weniger Pflicht als deine Kollegen, ihr seid alle in Weiterbildung. Du fühlst dich vielleicht stärker in die Pflicht genommen weil du mehr kannst, was dich ehrt, aber verlangen kann man das von dir nicht. Warum also nicht einen Gang zurückschalten? Kontra geben? DIenst nach Vorschrift so wie die anderen? So dass die Oberärzte, die solche Zustände tolerieren, das Problem, weil am Ende die Verantwortung, haben?

Klar genügt das unter Umständen nicht deinem Selbstanspruch, aber Schuldgefühle sind fehl am Platze, wenn man in diesem System dauerhaft überleben will. Keinesfalls sollte die Gesundheit oder das Privatleben darunter leiden.

rafiki
02.02.2024, 19:17
Unser Chef und OÄ beteuern, der Bewerbermarkt sei leergefegt und man muss nehmen, was man kriegen kann. Ist das bei euch auch so?


So ist das nicht richtig. Es gibt sehr wohl ausreichend Bewerber. Die Qualifizierten unter ihnen wollen sich aber nicht mehr zum Dumpinglohn des Tarifs abspeisen lassen, egal auf welcher Ebene. Daher behauptet man dann, der Markt sei leergefegt und hält sich zunehmend schadlos an Fremdländischen, die noch keine Arbeitserlaubnis bzw. Berufserlaubnis haben. Die laufen dann als Praktikanten (vor der Berufserlaubnis) bzw. in einer Art PJ-Status (vor Anlegung der Gleichwertigkeitsprüfung) und werden entweder gar nicht oder minimal bezahlt, aber mehr oder weniger wie Assis eingesetzt. Sehr lukratives Geschäft für expandierende Klinikkonzerne.

Diese Entwicklung wird sich fortsetzen. Die aus der Ferne Kommenden und die Physician Assistents und ähnliche werden zufrieden sein mit Elendslöhnen, Qualität geht insgesamt mit runter (reicht fürs gemeine Volk ja auch). Und dann gibt es die Ärzte, die sich durch exzellente Weiterbildung, zusätzliche Qualifikationen und Fleiß Können und Wissen geschaffen haben. Die setzen für sich selbst (!) angemessene Löhne durch und behandeln die, die sich Qualität leisten können und wollen.

Erlkönigin
02.02.2024, 19:26
Also meine (radiologische) Abteilung hat auch Probleme "ordentliche" Bewerber zu finden. Und wir sind eine recht benigne Abteilung mit nettem Chef und Stufe III Diensten.

Tramaldol
03.02.2024, 07:14
In der Neurologie stelle ich es mir auch wirklich schwierig vor Bewerber zu finden, was vor allem am Fach liegt.
Eine Woche Blockpraktikum und für mich war klar "Nein Danke" obwohl dort zumindest etwas Teaching gemacht wurde.

Man wird Abteilungen zusammenlegen müssen und auf PAs zurückgreifen und seit 20 Jahren überfällige Reformen vllt mal durchziehen. Es ist zum Beispiel in unserem Krankenhaus der Fall, dass 95% der Abteilungen die Arztbriefe selbst schreiben und die Arztbriefe auch viel zu lang sind. Da geht massiv viel Zeit drauf. Ebenso wie für Blutabnahmen und Zugänge.
Den regionalen Fachärzten/Allgemeinmedizinern müsste man erlauben auf die Patientenakte im Krankenhaus zuzugreifen. Kein Wunder, dass alle fliehen wegen überbordernder bürokratischer Aufgaben.

Nefazodon
03.02.2024, 11:07
@Tramadol:


In der Neurologie stelle ich es mir auch wirklich schwierig vor Bewerber zu finden, was vor allem am Fach liegt.
Eine Woche Blockpraktikum und für mich war klar "Nein Danke"

Warum denkst Du, dass es gerade in der Neurologie schwierig ist? Dir hat dein Blockpraktikum also nicht gefallen....mich hat meine Famulatur damals sofort gecatcht...
Als wenn Innere oder Chirurgie besser wären was Arbeitsbelastung und Multimorbidität angehen...
In welchem Fach arbeitest Du nochmal?


Den regionalen Fachärzten/Allgemeinmedizinern müsste man erlauben auf die Patientenakte im Krankenhaus zuzugreifen.

Wie stellst Du dir *das* denn vor datenschutzrechtlich? Und allgemein von den Abläufen - in einer Akte stehen auch so manche Interna.
Außerdem: Als wenn die Niedergelassenen, sei es Fach- oder Hausärzte überhaupt die Zeit hätten, Akten durchzublättern und nach relevanten Informationen zu *suchen*
Das ist ziemlich illusorisch.
Wir können froh sein, wenn die EPA kommt....aber selbst da ist in Datenschutz-Deutschland der Nutzen mehr als fraglich.
Und befüllt werden muss die Akte dann weiterhin von den Assistenzärzten. Was den Druck eventuell sogar noch erhöhen wird - vorläufige Briefe schicken und nacharbeiten funktioniert dann eventuell nicht mehr.


und seit 20 Jahren überfällige Reformen vllt mal durchziehen.

Und welche Reform glaubst Du, wird da der große Wurf sein, der alles zum Guten wendet?

Nefazodon
03.02.2024, 11:21
@LoveDoctor: Das hört sich alles nicht gut an....

Ich würde vorschlagen, von Assistentenseite aus ein Treffen aller Assistenzärzte zu organisieren.
Da könnt ihr dann untereinander Dinge besprechen, die nicht richtig laufen und Regelungen treffen, wie es zu laufen hat:
z.B.
-Aufgaben des aufnehmenden Arztes (Medikamentenanordnung, erstes Labor sichten etc.)
-Aufgaben des Dienstarztes
-Wer schreibt Briefe von z.B. Langliegern? Muss der Brief kontinuierlich befüllt werden?

Treffen natürlich vorher mit OA/Chef besprechen und ankündigen. Kollegen Zeit zum Sammeln von Anliegen geben. Ergebnisse protokollieren und verbindlich machen.
So würde ich versuchen vorzugehen.....

Thema neue Kollegin mit begrenzten Kenntnissen: Wie sieht denn die Einarbeitung bei euch aus? Gibt es da ein festes Curriculum? Das wäre eventuell nützlich um Kollegen schnell fit zu kriegen.

Wenn das alles nicht möglich ist, oder nicht hilft....Nun....dann bleibt nur weiterziehen....
Wie lange musst Du denn noch bis zum Facharzt?

piandorable
03.02.2024, 11:59
Vielleicht mal eine Frage aus Studentensicht: Wie wird man denn fit, um als Berufseinsteiger nicht über Gebühr zur Last zu fallen? Ich weiß z.B. noch nicht, wo ich später sein möchte, denke aktuell über Kinderchirurgie, Gynäkologie und Nephrologie nach, also noch ziemlich weites Feld. Teilweise decke ich das durch Famulaturen ab, aber das hilft mir unter Umständen nicht viel, wenn es mich später doch woanders hin verschlägt.
Aktuell merke ich in der Klinik, dass ich viele Fächer zwar mit Interesse lerne, aber dennoch feststellen muss, dass ich dabei immer nur an der Oberfläche kratze und auch schnell speziellere Dinge schnell wieder vergesse (heute z.B. festgestellt bei Sonderformen der Rheumatoiden Arthritis).

drdrdr.
03.02.2024, 12:26
Vielleicht mal eine Frage aus Studentensicht: Wie wird man denn fit, um als Berufseinsteiger nicht über Gebühr zur Last zu fallen? Ich weiß z.B. noch nicht, wo ich später sein möchte, denke aktuell über Kinderchirurgie, Gynäkologie und Nephrologie nach, also noch ziemlich weites Feld. Teilweise decke ich das durch Famulaturen ab, aber das hilft mir unter Umständen nicht viel, wenn es mich später doch woanders hin verschlägt.
Aktuell merke ich in der Klinik, dass ich viele Fächer zwar mit Interesse lerne, aber dennoch feststellen muss, dass ich dabei immer nur an der Oberfläche kratze und auch schnell speziellere Dinge schnell wieder vergesse (heute z.B. festgestellt bei Sonderformen der Rheumatoiden Arthritis).


Es ist vollkommen normal, Dinge zu vergessen bzw. nicht zu behalten, die man in Büchern liest und zu denen man nur theoretischen Zugang hat.


Kinderchirurgie, Gynäkologie und nephrologie, sowie viele weitere Fächer , sind nicht einfach und können gerne schnell extrem detailreich in die Tiefe gehen. Deswegen ist die Ausbildung auch dementsprechend langwierig( Studium+ assistenzzeit+ subspezialisierungen etc).


Lehrbücher auswendig zu lernen, und die im besten Fall noch im Kopf zu behalten, ist die Basis und hilfreich, den praktischen klinischen Alltag können die aber niemals ersetzen.



Es ist normal wenn man am ersten Tag auf Station vollkommen planlos ist. Es ist deine Aufgabe , Fleiß an den Tag zu legen und interessiert sein, und der Abteilung, dich vernünftig heranzuleiten und dich in der Anfangszeit besonders zu unterstützen.


Auf einen Anfänger draufzuhauen(im schlimmsten Fall bis mobbing) , nur weil er eine Approbation hat, und ihn mit Aufgaben zu überladen , denen er nicht gewachsen ist, ist nicht nur unkollegial, sondern kann auch gemeingefährlich sein und (unschuldigen) menschen schädigen, im Extremfall.

davo
03.02.2024, 12:45
Vielleicht mal eine Frage aus Studentensicht: Wie wird man denn fit, um als Berufseinsteiger nicht über Gebühr zur Last zu fallen? Ich weiß z.B. noch nicht, wo ich später sein möchte, denke aktuell über Kinderchirurgie, Gynäkologie und Nephrologie nach, also noch ziemlich weites Feld. Teilweise decke ich das durch Famulaturen ab, aber das hilft mir unter Umständen nicht viel, wenn es mich später doch woanders hin verschlägt.
Aktuell merke ich in der Klinik, dass ich viele Fächer zwar mit Interesse lerne, aber dennoch feststellen muss, dass ich dabei immer nur an der Oberfläche kratze und auch schnell speziellere Dinge schnell wieder vergesse (heute z.B. festgestellt bei Sonderformen der Rheumatoiden Arthritis).

Alles völlig normal.

Frag mal einen Chirurgen, wieviel er zu dir den Sonderformen der Rheumatoiden Arthritis sagen kann ;-)

Nur jenes Wissen, das man regelmäßig aktiv benutzt, kann man dauerhaft abspeichern und erweitern... erwarte also nicht zu viel von dir selbst.

Dass man nach dem Studium erst mal einige Monate Einarbeitung braucht, ist völlig selbstverständlich. Wer das als "zur Last fallen" interpretiert, hat nicht kapiert, was das Medizinstudium leistet und was nicht.

S.Pearce
03.02.2024, 12:48
Mein Tipp aus dem PJ:
Versuch dir schnellstmöglich eigene Patienten zu organisieren und daran zu lernen, was zum managen einer Station / Patientin dazu gehört. Von Anfang bis Ende und nicht nur die coolen Untersuchungen. Klar ist das nice, hilft dir aber in den ersten Monaten nicht.
Ich bin für Innere in einer kleinen Klinik und habe hier sehr viel dazu gelernt, ob fachlich oder organisatorisch. Fachliches kann man gut nachlesen/einfordern wenn man nicht mehr mit dem "drumrum" überfordert ist. Und leider nimmt das "drumrum" easy 50-60% des Arbeitsalltags ein.

Wenn man die AÄ von außen beobachtet, mangelt es weniger am fachlichen, sondern genau daran. Da kommt morgens Stress auf, weil der Patient der 3 wochen auf station war (in der eigenen betreuung!!!) heute endlich gehen soll aber noch keinen Brief hat. Oder einem dann auffällt, das noch Untersuchung XY fehlt.. oder oder oder. Versuch dir in Famus und PJ also eher strategien für die tägliche Arbeit abzugucken, dazu hat im Alltag nämlich keiner zeit oder nerv..

Trenn
03.02.2024, 17:20
Mein Tipp aus dem PJ:
Versuch dir schnellstmöglich eigene Patienten zu organisieren und daran zu lernen, was zum managen einer Station / Patientin dazu gehört. Von Anfang bis Ende und nicht nur die coolen Untersuchungen. Klar ist das nice, hilft dir aber in den ersten Monaten nicht.
Ich bin für Innere in einer kleinen Klinik und habe hier sehr viel dazu gelernt, ob fachlich oder organisatorisch. Fachliches kann man gut nachlesen/einfordern wenn man nicht mehr mit dem "drumrum" überfordert ist. Und leider nimmt das "drumrum" easy 50-60% des Arbeitsalltags ein.

Wenn man die AÄ von außen beobachtet, mangelt es weniger am fachlichen, sondern genau daran. Da kommt morgens Stress auf, weil der Patient der 3 wochen auf station war (in der eigenen betreuung!!!) heute endlich gehen soll aber noch keinen Brief hat. Oder einem dann auffällt, das noch Untersuchung XY fehlt.. oder oder oder. Versuch dir in Famus und PJ also eher strategien für die tägliche Arbeit abzugucken, dazu hat im Alltag nämlich keiner zeit oder nerv..

Gerade wenn man in einem kleinen Haus anfängt, soll man doch im PJ sich die seltenen Sachen anschauen. Routine kriegt man auch während dem Arbeiten rein und muss es nicht schon während dem PJ lernen. Man verschenkt sich dann die Möglichkeit cooles zu sehen. Basics wie Zugänge legen sollte man aber können. Ansonsten während der Einarbeitung die praktische Abläufe gut aufschreiben, wenn man es erklärt bekommt. Es gibt nix nervigeres, als dass man dem gleichen Kollegen 10 mal das gleiche erzählen muss, weil er sich es nicht aufschreibt oder bei der Hilfe die Aufgabe übernehmen lässt. Es gibt Hausstandards, die man kennen sollte. Man ist erstmal jungassi und sollte nicht von den Vorgaben vom Chef oder OA abweichen. Die Orga guckt man sich von einem guten Assi ab, wenn die Abläufe in der eigenen Klinik anders sind als in den Häusern vom PJ, kann man sein Schema nicht uebers Knie brechen Und akzeptieren, dass es am Anfang etwas länger dauern kann, bis man die Programme etc. blind und ohne nachschauen beherrscht. Meine Überstunden waren konstant nach dem ersten Monat bis zum Ende der Weiterbildung an meiner ersten Stelle (natürlich hat man hier und da paar Stunden abgefeiert, aber so viele Überstunden wie im ersten Monat habe ich nie mehr gemacht).

Speranza100
03.02.2024, 18:33
Mir hat es enorm geholfen, dass ich im PJ "gezwungen" war, Diktieren zu lernen. Ein Assistenzarzt in der Inneren hat mich einen Brief nach dem nächsten diktieren lassen, in dem Moment nicht sonderlich toll (nicht zu Lehrzwecken, sondern weil er selber viel zu langsam war, Viggos, BEs gingen natürlich auch alle an mich ;-)). Aber ich muss sagen im Nachhinein hat es mir den Arbeitsablauf auf Station überall erleichtert, egal welches Fach, weil Diktieren einfach so viel schneller geht... Zu üben, ein Textgerüst vor Augen zu haben und die Hemmung zu verlieren einfach ins Gerät zu sprechen, auch im Beisein von Kollegen die nebenan diktieren oder reden und mit im Raum sind, das hat mich sehr trainiert... Aber wohl mittlerweile etwas Off Topic...