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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : "Wenn ein Arzt oder Sanitäter an Bord ist, bitte melden Sie sich..."



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Hellequin
10.08.2004, 07:25
Im übrigen sind in vielen Flugzeugen Notfallkoffer und Automatische externe Defibrillatoren.
Irgendwo hab ich mal gelesen, das die die Notfallkoffer nur rausrücken, wenn du nachweisen kannst, das du vollabrobierter Arzt bist ?!

DoktorW
10.08.2004, 07:30
Irgendwo hab ich mal gelesen, das die die Notfallkoffer nur rausrücken, wenn du nachweisen kannst, das du vollabrobierter Arzt bist ?!

das habe ich von der Lufthansa auch mal gelesen. Aber Du kannst Dir sicher sein, dass die ne Klage von mir bekommen, wenn ich den Koffer nicht bekomme! Als staatlich geprüfter RettAss kann ich auch mit Notfallequipment umgehen. Und nein, ich spiele da nicht mit Medis rum!
Wie das als MedStudi dann aussieht, steht auf nem anderen Blatt. Aber nen Ambu können die dir nicht verwehren...

Rico
10.08.2004, 12:00
@Rico: Die Einstellung "mal warten, ob sie die Ansage mehrfach wiederholen" halte ich für total daneben. Entweder oder! Die wollen einen Arzt oder Sani haben. Ich bin weder das eine noch das andere.
Also lasse ich jemanden ran, der das (richtig gut) kann.

Erst wenn keiner da ist, dann komm ich.

Und reanimieren kann auch nicht "jeder". Der MedStudi kanns sicher besser, denn er hat fürs Physikum nen EH Kurs gemacht und danach sicherlich mindestens einmal MegaCode Training gemacht.Wie gesagt, geht es in solchen Fällen eher selten um Reanimationen. Und bei den meisten Dingen "unterhalb" der Reanimation ist das notfallmedizinische Repertoire des durchschnittlichen Medizinstudenten schnell erschöpft.

Und an Bauchschmerzen und dergleichen würde ich sowieso erstmal nix machen, bis nicht sicher ist, dass definitiv KEIN Arzt zur Stelle ist. Oder würdest Du dann schon fleissig auf dem schmerzhaften Bauch rumdrücken und wenn dann doch ein Arzt kommt, dann macht der das gleiche nochmal mit dem armen Patienten?

Also komme ich da angelaufen, verkünde, dass ich halbfertiger Arzt bin und mache erstmal nix... tolle Darbietung! Da fühl ich mich doch als Patient richtig wohl und als Flug-/Zugbegleiter auch gar nicht verscheissert.

Da warte ich doch lieber den zweiten Aufruf ab und frage dann, ob's ein Student auch tut. Bis dahin ist dann auch nicht viel passiert, was meine Anwesenheit geändert hätte.

Und zur Reanimation: Klar kann ich das vielleicht besser als die meisten, die auf der Straße rumlaufen. Aber es ist ja nicht so, daß ein Laie es jetzt gar nicht könnte. Zumindest alle Führerscheininhaber sollten es einigermaßen können. Und gerade Flugbegleiter machen öfters EH-Kurse als ein Medizinstudent (AFAIK alle 2 Jahre z.B. bei der Lufthansa).

DoktorW
10.08.2004, 13:25
Das ist wieder mal die klassische, typische Darstellung eines deutschen Otto-normal-Bürgers.
Erst mal warten, ob nicht jemand anderes hilft. Irgendjemand tut es bestimmt!
Diese Einstellung kann ich weder verstehen, noch nachvollziehen. Du kannst etwas, also hilf. Das ist weder aufdringlich, noch wichtigtuerisch sondern sozial!!
Klar lasse ich einem fertigen Arzt den Vortritt, wenn einer kommt. Keine Frage. Aber es ist doch besser, es bieten sich mehrere Leute an als erst jemand, wenn der dritte Aufruf kommt. Dann kann auch schon so manches zu spät sein.
Auch Leute mit regelmässigen Aus- und Weiterbildungen in EH haben eine große Hemmschwelle zu reanimieren, weil sie Angst haben, etwas falsch zu machen. Ihnen fehlt die medizinische Fachkenntnis, eine Situation einschäzten zu können.
In 8 Jahren Rettungsdienst ist es mir einmal passiert, dass schon jemand reanimiert hat, bis ich mit dem RTW ankam. Und stell Dir vor: Es war ein Medizinstudent! Bravo, kann ich dazu nur sagen!
Es erwartet keiner, dass Du großartige Medizin machst. Aber Du hast den klinischen Abschnitt des Studiums hinter dich gebracht. Somit solltest Du auch eine Situation in etwa einschätzen können, ob sie lebensgefährlich ist, oder ob es sich um eine Lapalie handelt. Diagnosen erwartet niemand! Nur Hilfe! Und das ist nicht zu viel verlangt...
Würdest Du auch wenn jemand auf der Straße vergewaltigt wird und nach der Polizei ruft warten ob ein Polizist in der Nähe ist? Du bist ja schließlich keiner!
Das erinnert mich immer alles sehr stark an die Tests die von etwas unseriösen Fernsehsendern auf öffentlicher Straße gemacht werden. Lieber mal wegschauen, dann hat man nix damit zu tun!

Dr.Nemo
10.08.2004, 13:50
Nur Hilfe! Und das ist nicht zu viel verlangt...
Würdest Du auch wenn jemand auf der Straße vergewaltigt wird und nach der Polizei ruft warten ob ein Polizist in der Nähe ist? Du bist ja schließlich keiner!
Das erinnert mich immer alles sehr stark an die Tests die von etwas unseriösen Fernsehsendern auf öffentlicher Straße gemacht werden. Lieber mal wegschauen, dann hat man nix damit zu tun!

:-dafür

Schön gesagt..
Kann mich gut daran erinner, das ich auf dem Weg zum Frühdienst mal derbe belästigt wurde, und junge Männer von der Bundeswehr im selben Abteil weggeguckt und anschließend weggeGANGEN sind.. Vielleicht dachten sie genauso? Sie seien nicht voll ausgebildet.. Ich kam mir sehr verloren vor.. Egal weche Person, aber irgendeine Hilfe hätte ich mir gewünscht.. :-???

Müssen wir uns auf derselben unsozialen Schiene herablassen?
Ist es nicht unser Wunsch, wenn wir in diesen Beruf gehen, Menschen und Leidenden zu HELFEN? Und wenn wir nur die Hand halten, bis uns jemand ablöst.. Was muß das für ein Gefühl sein, dort in Not zu liegen und die x-maligen Rufe zu hören, ob jemand helfen kann...???
Was würdet ihr euch wünschen, wenn ihr in Not seit, und keiner wäre da????
Mit dieser Frage im Hinterkopf, mit dieser Empathie sollte man an die Sache rangehen..
Ein bißchen Sozialvermögen halt..
Ich weiß, Mut und Risiko und Zweifel an seinen Fähigkeiten hindert.. Aber man wächst mit seinen Herausforderungen..

Wo ist das Problem?? :-nix

Froschkönig
10.08.2004, 14:05
Wo ist das Problem?? :-nixna Da ;-) :


Ich weiß, Mut und Risiko und Zweifel an seinen Fähigkeiten hindert..
Man muß nicht nur medizinisches Fachwissen pauken...auch selbstüberwindung muß man nunmal erst lernen !
Natürlich nicht wie man andere Dinge lernt sondern im obigen Kontext von "..man wächst mit der Herausforderung". Aber wachsen stellt einen stufenartigen Prozess dar, man fängt als Bergsteiger ja nicht mit dem Mount Everest an ;-)
Und dabei "lernt" der eine schneller, der andere langsamer und so mancher nie !

Wenn manche durch diesen Thread dazu gebracht werden, beim nächstenmal etwas mutiger zu sein, dann haben wir doch auch schon was gewonnen ! Aber dauernd auf Prinzipien rumzureiten hilft uns hier nicht weiter.

:-meinung

Der Frosch

Dr.Nemo
10.08.2004, 14:18
Wenn manche durch diesen Thread dazu gebracht werden, beim nächstenmal etwas mutiger zu sein, dann haben wir doch auch schon was gewonnen ! Aber dauernd auf Prinzipien rumzureiten hilft uns hier nicht weiter.


Ja das klingt gut..
:-top

Grüßchen

amnesty
10.08.2004, 15:38
Moin moin,

Was nicht unterschätzt werden darf, ist die Hilfe die man dem Patienten allein durch die freundliche Anwesenheit verbunden mit einem sicheren Auftreten leistet (wie wohl jeder weiß, der selbst mal irgendwo verunfallt ist). Mit dieser "psychischen ersten Hilfe" kann ich oft sogar den Krankheitsverlauf beeinflussen (man denke z.B. an Hyperventilationstetanie).

Außerdem: Auch ohne Defi im Rucksack kann ich schon mal eine grundlegende Anamnese machen (lernt man an guten UNis schon im ersten Semester). Stellen wir uns mal vor der Patient erzählt uns über seine Schilddrüsenprobleme oder über irgendein seltenes Erbleiden, bevor er bewusstlos wird - unsere Information kann für die Therapie entscheident sein!

Und beides können sogar juristophobe Erstis in amerikanischen Flugzeugen machen!!!

Lava
10.08.2004, 16:24
Das stimmt allerdings, auch wenn ich praktisch nix drauf habe, kann ich zumindest mal ein paar Fragen stellen und vielleicht auch mal untersuchen, sofern das möglich ist.

Aber noch mal zu W's Aussage vorhin: das war ja mein Problem!!! Gibt kein erstes Stex mehr und folglich habe ich auch keine Ahnung von Notfallmedizin. Wie gesagt: ich habe diesen Kurs freiwillig gemacht, aber was ich da gelernt habe, sind nicht unbedingt lebensrettende erste Maßnahmen. Reanimieren haben wir noch mal geübt und das würde ich mir auch zutrauen. Aber diese tausend verschiedenen Lagerngen bei diesem und jenem Problem? Null Ahnung. OK, ich habe halt auch grad erst 2 klinische Semester hinter mir und der richtige Notfallkurs mit Praktikum, Vorlesung, hospitieren und Prüfung kommt erst noch. Aber nach dem Erlebnis in dem Zug finde ich, dass er nicht erst im letzten klinischen Semester kommen sollte...

Rugger
10.08.2004, 17:35
Aber Du kannst Dir sicher sein, dass die ne Klage von mir bekommen, wenn ich den Koffer nicht bekomme!Wenn da jemand ernsthaft erkrankt oder gar reanimationspflichtig ist, wird den zuständigen Personen herzlich egal sein, was auf dem Papier steht! Kann mir nicht vorstellen, daß es da Probleme gibt, an den Koffer zu kommen, wenn man einen halbwegs kompetenten Eindruck macht!
Ansonsten bin ich natürlich auch dafür, daß man als Medizinstudent zumindestens mal hingeht und schaut, was man tun kann. Allerdings kann ich auch verstehen, daß man gewisse Ängste hat. Diese sind allerdings unbegründet (und sollten ggfs. Anlaß für eine Nachschulung in EH sein!), Studien haben zB. gezeigt, daß Reanimationen ohne adäquate Beatmung trotzdem defintiv einen Benefit für den Patienten darstellen!

Rugger,
der es leider im Dienst auch noch nie erlebt hat, daß jemand eine Laienreanimation durchgeführt hat...

amnesty
10.08.2004, 17:37
Moin,
An unserer Uni (Lübeck) wird aus den genannten Gründen gerade "Erste Hilfe" (nicht bloß der 12h Kurs) als Pflichtfach in der Vorklinik eingeführt. Reg das doch mal bei eurem Studiendekan (ggf. über Fachschaft) an! Einige Unis verfügen außerdem über Megacodetrainingsräume, die man nutzen kann, (leider oft ohne groß darauf aufmerksam zu machen). Frag am besten mal in der Anästhesie bei euch nach. Bei der Feuerwehr oder den HiOrgs kann man überdies an vielen Orten als dritter Mann mitfahren, was einem vor allem hilft, ruhiger an Notfälle heranzugehen (außerdem ist es interessant zu sehen, wie die Patienten so leben, die man sonst nur frei Haus geliefert bekommt). Ich habe in der Vorklinik gleich meinen RS gemacht, was ich als ausgleich zur vielen Theorie nur empfehlen kann.

Love&Peace,
amnesty

Froschkönig
10.08.2004, 21:26
Moin,
An unserer Uni (Lübeck) wird aus den genannten Gründen gerade "Erste Hilfe" (nicht bloß der 12h Kurs) als Pflichtfach in der Vorklinik eingeführt. Reg das doch mal bei eurem Studiendekan (ggf. über Fachschaft) an! Einige Unis verfügen außerdem über Megacodetrainingsräume, die man nutzen kann, (leider oft ohne groß darauf aufmerksam zu machen). Frag am besten mal in der Anästhesie bei euch nach. Bei der Feuerwehr oder den HiOrgs kann man überdies an vielen Orten als dritter Mann mitfahren, was einem vor allem hilft, ruhiger an Notfälle heranzugehen (außerdem ist es interessant zu sehen, wie die Patienten so leben, die man sonst nur frei Haus geliefert bekommt). Ich habe in der Vorklinik gleich meinen RS gemacht, was ich als ausgleich zur vielen Theorie nur empfehlen kann.

Love&Peace,
amnesty
Solch enthusiastische Texte lese ich hier ja nicht zum ersten mal, aber ich hab auch den Luxus, daß ich den "Otto-normal-Notfallkram" im Sinne von RS und Co. bereits vor dem Studium lernen konnte.
Es ist richtig, daß viele Uni´s Mega-Code-Training im Repertoire haben, auch wenn viele leider nicht damit prahlen. Es ist auch richtig, daß man vielerorts bei diversen Hilfsorgas als Dritter mitfahren kann....
UND es ist ja durchaus lobenswert, wenn man sich da engagiert und weiterbildet und schon während des Studium sin der Lage ist, in Notfällen das eine oder andere zu unternehmen !
ABER ich kann durchaus AUCH nachvollziehen, daß das viele Studenten nicht erreicht ! Ich weiß ja nicht, wie es woanders zu geht aber ich studiere in München, da sind die meisten damit beschäftigt, in Ihrer Freizeit Geld ranzuschaffen für die Lebenshaltungskosten (und da ist der RD keine Option, zahlt zu wenig, höchstens noch die privaten sind da lukrativ und dann mußt Du bereits RA sein um nen guten Schnitt zu machen) und außerdem will man ja auch irgendwann mal seine Ruhe haben und nicht permanent in Uni und RD rumgeistern !!!!

So kann ich es schon gut verstehen, daß jemand sogar gegen Ende des Studiums noch nicht besonders mit Notfällen beleckt ist abseits der vorgeschriebenen Praktika....das Gegenteil wäre vielleicht wünschenswert aber seien wir doch mal ehrlich :

Das Idealbild der ärztlichen Ausbildung divergiert doch noch in viel mehr Punkten von der Realität als in der Notfallkompetenz :-(

Der Frosch

Neujahrsrakete
10.08.2004, 22:43
Das Idealbild der ärztlichen Ausbildung divergiert doch noch in viel mehr Punkten von der Realität als in der Notfallkompetenz :-(

So isses leider.
Die Unis bringen einem ein paar Grundlagen und viel theoretisches Getue bei. Man verschwendet seine Zeit mit Terminchaos und schlechten Pflichtveranstaltungen. Für Eigeninitiative bleibt dann nicht immer viel Zeit.
Ich kann z.B. etwas über die Exon-11-Mutation im c-kit-Rezeptor sagen, habe aber noch nie i.m. gespritzt.
Ich weiß, daß es im Gehirn das Vicq-dAzur-Bündel gibt, weiß aber nicht, was ich mit einer verdreckten Wunde mache.
Ich kannte mal die Verdampfungstemperaturen der volatilen Anästhetika, kann aber nur mäßig gut intubieren und Zugänge legen.
Ich weiß, was die Morgagni-Hydatide ist, kann aber keinen Blasenkatheter legen (die Theorie dazu ist natürlich gelernt, und am Modell haben wir es im Hygienekurs einmal geübt).
Ich kenne die Theorie zur medialen und lateralen Halszyste, beherrsche aber die Kehlkopfspiegelung nicht.
Ich kannte mal die 5 (?) Schichten der Hornhaut des Auges (einschließlich Epithelart beidseits), kann aber nicht anständig den Augenhintergrund spiegeln.
u.s.w. u.s.w. u.s.w.
Um ein paar Mängel meiner Ausbildung zu beseitigen, habe ich jetzt eine "Stelle" als kostenlose Aushilfe (Jobs mit Bezahlung und Lerneffekt scheint es kaum noch zu geben) in der chirurgischen Ambulanz ergattert. Wie lange die mich dort ertragen, weiß ich natürlich nicht :-)).
Aber die Zeit für so luxuriöse Eigeninitiative ist begrenzt....jetzt stehen erstmal Urlaub und dann eine Famulatur an.

Die Niere
11.08.2004, 08:21
Dieses und Raketes Beitrag sind leider so nah an der Wahrheit, dass es wehtut (auch wenn ich persönlich das Vicq-dAzur-Bündel nicht kenne :-)) ). Eine radikale Veränderung wäre nötig und Fächer wie Hygiene, Sozialmed, Statistik und weitere dürften nur noch eine Randerscheinung mit freiwilligen Vorlesungen ohne Klausuren darstellen. Dafür sehr gerne mehr Praxis in den anderen Fächern...aber solche Umbrüche sind an Uni nicht üblich und nicht durchzuboxen. Jedes Fach hat Anrecht und Lehrzeit, aber nicht jedes darf verlangen Pflichteil eines Stuiums zu sein, wenn dafür wichtige andere Fähigkeiten auf der Strecke bleiben. Natürlich liegt es nicht nur an den "unwichtigen" Fächern, die uns die Zeit wegnehmen, sondern auch an den schlecht gelehrten wichtigen Fächern.

gruesse, die niere

Rico
11.08.2004, 09:07
Daß die klinsiche Ausbildung was die Vermittlung von praktischen Fähigkeiten angeht nicht so der Hammer ist, ist ja nicht unbedingt neu - damit muß man leider derzeit Leben, denn ändern kann man's eh nicht wirklich (Fachschaft hin oder her).

Deshalb muß man da als Student sich ein bisserl selber helfen.
Ich hab mir nach dem Physikum so ein Büchlein ("Medical Skills" oder so) besorgt und hab mir aus dem eine Liste gemacht, welche Skills ich bis zum Ende meines Studiums gerne besitzen möchte. Und dannach hab ich dann geplant, z.B. Famulaturen, Wahlpflichtfächer und Doktorarbeit.
Hab dann Anästhesie gemacht für's Intubieren, Augen für's Augenspiegeln, Chirurgie für's Nähen, Gipsen und Verbände machen, einen Phantom-Kurs Laparoskopie, Gefäß-Sono bei der Doktorarbeit, u.s.w.
Bei den Famulaturen & Co. hab ich dann auch konsequent gequengelt bis ich die Sachen dann machen durfte, die ich wollte - hat auch fast immer geklappt und gab meistens auch positives Feedback.

So hab ich jetzt bis zum Anfang meines PJ fast die ganze Liste voll (Abdomen Sono fehlt noch ;-) ) und hab jetzt zumindest einen relativ soliden Grundstock an praktischen Fähigkeiten.
Kostet halt einiges mehr an Aufwand und Zeit, gibt einem aber auch die Möglichkeit sich ein bisserl von der Masse abzuheben. :-top

airmaria
11.08.2004, 10:30
Naja, man kann das alles auch ein wenig anders betrachten.
Wie hoch ist denn die Chance, irgendwo tatsächlich mal zufällig einen Notfall anzutreffen, der zudem soviel Sachverstand benötigt, daß ein üblicher Ersthelfer die Zeit nicht so lange überbrücken kann, bis der Rettungsprofi mit entsprechendem notwendigen Gerät vor Ort ist?
Irgendwo weiter oben steht, daß man auch als Rettungssani oft privat "retten" mußte.
Wie oft ist es denn tatsächlich der Fall?

Also ich laufe schon einige Jahre auf dieser Kugel rum und halte mich verdammt viel an gefährlichen Orten auf (Turnhallen und Sportplätze, Straßenverkehr, Dorfparty...).
Mein Sachverstand und mein praktisches Können (welches im Übrigen, was die akute Situation betrifft nun wahrlich nicht im Studium, sondern viel mehr unter halbwegs realistisch nachempfunden akuten Situationen regelmässig bei der Bundeswehr trainiert wurde, ohne daß ich dort als Sani war!) wurden eigentlich über das normale Maß des Ersthelfers hinaus noch nie benötigt.
Für was denn?

Die Kreuzbänder beim Basketball? den Schienbeinbruch? die OSG-Frakturen? die Schnittverletzungen mit gebrochenem Bierglas oder durch kleinere Messerspielereien? die C2-Intox-Leute? Die collabierte Oma am Straßenrand?
Nein!
Selbst als ich mal morgens um 6 auf dem Weg zum Krankenhaus (PJ) als einer der Ersten zu einem recht häßlichen Frontalzusammenstoß auf einer Bundesstraße gekommen bin, konnte ich nicht viel tun. Die beiden Fahrer waren eingeklemmt, ansprechbar, anscheinend diverse Frakturen der unteren Extremitäten bei möglichen zusätzlichen Inneren Verletzungen...
Was konnte ich tun? Überblick verschaffen, Leute einteilen usw.,
aber keinen Zugang geschweige denn eine Infusion auf Tasche, an die möglicherweise offenen Verletzungen nicht heranzukommen...
warten auf Schere und Co, dann Orientieren des Einsatzleiters, dann ab zum Dienst... und den einen Fahrer habe ich dann später zufälligerweise mitgenagelt und verschraubt.
Aber ich wurde in der akuten Situation ebenfalls nicht gebraucht.

Manchmal habe ich das Gefühl, es wird privat von den Rettungsleuten "gerettet", wo nichts zu retten ist.
Manche scheinen sich diese Situationen zu wünschen, ich nicht!

Es ist sicherlich notwendig und gut, daß die breite Masse für die Grundmaßnahmen vernünftig und regelmäßig ausgebildet wird, denn so erhöht sich die Chance, daß jemand zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist.
Und selbstverständlich sollte man als Arzt ein besonders guter Ersthelfer sein und dementsprechend intensiv diesbezüglich ausgebildet werden, bereits während des Studiums.

"Mary" airmaria

Vystup
11.08.2004, 12:28
mir ist sowas noch nicht passiert, allerdings habe ich dank sani-nebentaetigkeit auch weniger angst vor einer solchen situation. auf einem laengeren linienflug waere sowas doch sogar mal eine willkommene abwechslung zu dem ganzen gesitze...

allerdings hab ich es als arztkind schon haeufiger mal mitbekommen, dass mein vater helfen musste. verkehrsunfall, epileptischer anfall im flugzeug, ...

letzterer hatte den grossen vorteil einer flasche champagner zu weihnachten und einem business-class freiflug von der lufthansa o_O

allerdings kann ich jeden medizinstudenten verstehen, der angst vor solchen situationen hat. denn egal wie gut die theoretische ausbildung (meinetwegen auch die ausbildung in der puppenstube) sein mag - ein wirklicher mensch ist einfach anders. ich kann nur ein paar tage praktikum (auch wenn es nicht bezahlt wird) auf dem NEF empfehlen, einfach mal anfragen, ist meistens kein grosses problem.

DoktorW
11.08.2004, 13:24
@mary: ich musste es schon erstaunlich oft tun. In den 8 Jahren, in denen ich jetzt im Rettungsdienst tätig bin, war ich sicher shcon mehr als 10 mal in einer Situation wo ich helfen musste. Und ich war immer ohne Equipment, konnte trotzdem aber etwas tun! Das fängt beim Notruf absetzen an, geht über stabile Seitenlagerung zu Anamnesen und psychischer Betreuung, bis der Rettungsdienst da ist.
Du kannst Dir gar nicht vorstellen, wie hilfreich es für einen Leitstellendisponenten ist, wenn man einen qualifizierten Notruf absetzt. Und wie ich schon sagte, man kann auch als MedStudi immerhin eine Situation eher als gefährlich oder nicht einschätzen als Frau Müller aus Buxtehude.
Und stabile Seitenlage gehört zu den Dingen, die jeder beherrschen sollte. Hat schon so manchem das Leben gerettet! Und man braucht nichts anderes, als seine Hände!
Ich wünsche mir solche Situationen nicht. Ich kann mir schöneres vorstellen, als privat "rumzuretten". Dennoch tu ich es, wenn ich sehe, dass jemand Hilfe benötigt.
Überblick verschaffen, Ruhe bewahren, und Vorarbeit leisten bis das Fachpersonal da ist.

Die Niere
11.08.2004, 14:26
Ich muss Mary zustimmen...in meinem 6 Jahren Studium ist mir noch nie etwas passiert, bei dem ich helfen musste. 10 mal in 8 Jahren als Privatmann ist ja verdammt viel...wo hälst Du dich auf??? Im Altenheimausflug ins Kino, wenn der neue Freddy Kruger angelaufen ist :-D oder bei der filmischen Umsetzung jugendlicher Träume mal so zu sein wie Jimmy Knoxville :-))

gruesse, die niere

DoktorW
11.08.2004, 14:45
Ich hab mich das auch schon oft gefragt. Keine Ahnung woran das liegt. Meine Mutter meint immer, dass ich mit offeneren Augen rumlaufen würde. Sie würde so etwas gar nicht bemerken.
Mir wärs auch lieber wenn es anders wäre. Aber an nem Unfall vorbeifahren kann ich nicht. Das lässt mein Gewissen nicht zu. Abgesehen davon hab ich auch ne Garantenstellung. Blöd, is aber so.