Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : abtreibung bei behinderung?
Smartinchen
14.08.2005, 20:18
Mein Senf zum Thema:
- Die Angst vor einer Behinderung eines Kindes ist ein Grund (von mehreren), warum ich ernsthaft über Adoption nachdenke, wenn ich mal Kinder will. Ich habe Abtreibung immer scharf kritisiert und als egoistisch abgelehnt, kann aber die Gedanken, die für eine Abtreibung sprechen nachvollziehen. Für mich ist das ein großer Konflikt, dem ich anders nicht ausweichen könnte (auch wenn es statistisch unwahrscheinlich ist, ein behindertes Kind zu bekommen, muss man sich ja immer die "Was ist, wenn...?-Frage" stellen).
- Ich selbst würde keinen Schwangerschaftsabbruch vornehmen. Ich dachte auch eigentlich, dass das als Gynäkologe kein Problem sei, ich kenne selbst einen, der das für sich ablehnt und auch - soweit ich weiß - noch keinen Abbruch vorgenommen hat.
Kennt ihr wirklich Fälle, in denen das zu Problemen geführt hat, wenn sich jemand geweigert hat? Ich dachte immer, Schwangerschaftsabbrüche seien heute zumindest noch nicht soooo sehr Normalität und Selbstverständlichkeit, dass das nicht jedem Arzt selbst überlassen bliebe. Ist ja schließlich nicht so, als ob sich jemand weigert, Blut abzunehmen.
aus leider gegebenen anlass wollte ich hier mal in die runde fragen, wie ihr zu abtreibungen aufgrund einer behinderung des feten steht...
Ich hoffe, deine Familie kann die für sie richtige Entscheidung treffen! Alles Gute dafür!
Zur Pränataldiagnostik:
Ich sehe es gerade an der eigenen Familie, wie bspw. eine simple Nackenfaltenmessung Angst und Schrecken auslösen kann - wobei grad diese "Untersuchung" ja nicht wirklich aussagekräftig ist!
Fruchtwasseruntersuchung wäre mir persönlich viel zu risikoreich, ein doch vielleicht gesundes Kind zu verlieren!
Ein Kind mit Trisomie 21 wäre wohl kein Problem für mich, ähnliche, "leichte" Handicaps wohl ebensowenig!
Bei schwereren Beeinträchtigungen würde ich vermutlich auch einen Abbruch vornehmen lassen!
Gerade, weil alles an der Mutter hängenbleiben würde ... welcher von euch Jungs würde denn den Job aufgeben um ein stark pflegebedürftiges Kind zu umsorgen rund um die Uhr??!?
Wenn Geschwister da sind, würde die Entscheidung gleich nochmal so schwer fallen; das bisherige "normale" Leben der Kleinen von Grund auf zu verändern, ihnen nie mehr die komplette Aufmerksamkeit schenken zu können, wie bisher ??
Alle Aussagen beziehen sich natürlich nur auf Handicaps, die pränatal feststellbar sind, Krankheiten wie SMA etc, die erst in den ersten Lebensmonaten feststellbar sind, würden natürlich nicht dazu führen, das ich ein Kind "abschieben" würde, genauso wenig ein Unfall etc.
Trotzdem, wenn man selbst vor dieser Entscheidung steht, stellen sich doch wieder ganz andere Fragen ... hoffentlich wird das von uns nicht abverlangt!
Also ich finde den Vergleich Doktor Ws von ungeborenen Leben und geborenen Leben gar nicht so weit hergeholt.
Man tötet bei der Abtreibung behindertes Leben, meinetwegen mit dem Argument, der Familie und dem Kind Leid zu ersparen. Und weil es möglich ist.
Wenn ein Kind während/nach der Geburt erst "behindert" wird, ist es ganauso möglich es zu töten, weil man als Mutter nicht damit leben kann oder warum auch immer.
Aber dann ist es auf einmal Mord und ethisch verboten. Der Zeitpunkt der Geburt ist auf jedenfall willkürlich, ich sehe den riesigen Unterschied, wie die meisten hier, nicht.
Wenn man behinderte Kinder vor der Geburt umbringen kann, kann man sie auch nach der Geburt umbringen. Der einzige Unterschied ist, dass früher die pränatal-diagnostik nicht möglich war. Der Mord bleibt der gleiche, auch wenn er einem nicht so bewusst wird.
Ich stimme DocW auf jedem Fall zu.
Klar, ich provoziere. Und ich schreibe über Grundsätze, die an der Situation meilenweit vorbeigehen.
Ich weiss nicht, ob ich ein Kind haben möchte, dass nur wenige Jahre mit Apparaten und Schmerzen überleben kann.
Und irgendwie sollte jede Familie selber darüber entscheiden dürfen, wie sie handelt.
Aber auch das ist nicht die Lösung. Was ist, wenn manche Familien Kinder mit leichten handicaps ablehnt? Bis zur welcher Grenze "darf" sie darüber entscheiden?
Tja, ist wohl so wie bei allem: Es gibt keine Antwort, auch ethische Prinzipien sind leicht hinterfragbar.
Es ist sicherlich nicht möglich, eine klare Grenze zu ziehen.
Es ist aber auf jeden Fall ein Unterschied, ob ich einen Fetus in der 20. SSW oder ein Neugeborenes töte. Rein biologisch gesehen ist das NG neurologisch weiter entwickelt, besitzt also eher ein Bewußtsein als der Fetus.
Es gibt auch Behinderte, welche wahrscheinlich kein Bewusstsein haben.
Und: Du nimmst dem Fetus ja die Möglichkeit, eines zu entwickeln, bzw die neuronalen Voraussetzungen.
Trotzdem ist es ein Unterschied, was ich da töte... so gesehen müßte man ja jede Eizelle und jedes Spermium konservieren :-D
Und daß ein Behinderter ein Bewußtsein hat, würde ich zunächst einmal vorraussetzen.
Und: Du nimmst dem Fetus ja die Möglichkeit, eines zu entwickeln, bzw die neuronalen Voraussetzungen.
Und da sind wir wieder beim Papst, dem Kondom und der Abtreibung. Es ist beides das gleiche zu einem anderen Zeitpunkt. Die Potenz ein Mensch zu werden wird zu einem unterschiedlichen Zeitpunkt und unterschiedlichen Stadium zerstört. Aber es gibt schon einen Unterschied. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Fetus ein Mensch wird steigt mit zumehmender SS-Dauer und nach Geburt ohnehin. Ebenso wird die aufgebaute Beziehung zwischen potenziellem neuem Mensch und Mutter grösser. Das beides spricht für einen möglichst frühen Zeitpunkt zur Abtreibung.-
Aber jegliche Grenze ist willkürlich, das ist richtig. Aber kein Grund gegen Abtreibung zu sein!!
surfsmurf
15.08.2005, 21:16
Nachdem ich die Diskussion ein bißchen verfolgt habe, kommt jetzt mein Senf dazu:
1. Ich erlaube mir, über Frauen zu urteilen, die abtreiben. Und zwar über genau jene, die ich als Zivi in einer Privatklinik mit täglich 2-3 Abtreibungen gesehen habe: Fünf Stunden nach dem Eingriff standen die im Schwesternzimmer und wollten nach Hause, weil gleich der Aerobic-Kurs anfing. Oder die, die sich zweimal im Jahr die Abtreibung vom Sozialamt haben bezahlen lassen, weil sie das Geld für Verhütung nicht ausgeben wollten. Natürlich gab es die anderen, die die ganze Sache nicht leicht und sich zu Herzen genommen haben. Aber Frauen sollten sich da nicht so sehr auf ein Podest des moralischen Anspruchs stellen, das mit der Realität nichts zu tun hat.
2. Die Frage Abtreibung ja oder nein läuft imho immer darauf hinaus, wann eigentlich Leben beginnt, wann man aufhört Zellhaufen zu sein, und wann man anfängt Mensch zu werden. Dass die Geburt da keine Trennlinie darstellen kann, sieht man daran, dass wohl niemand guten Gewissens im neunten Monat abtreiben könnte (bis auf oben erwähnte Aerobictante vielleicht). Die Entscheidung über oben gestellte Frage ist genauso intim und privat wie die Frage nach Sterben und Tod; deswegen auch nicht pauschal beantwortbar. Trotzdem muss es gesetzlich geregelt sein; und so finde ich die 12. Woche einen guten Kompromiss. Auch wenn die "Zellhaufen" dann schon am Daumen nuckeln...
3. Jede Entscheidung, ob nun für oder gegen Abtreibung, ist letztendlich eine Bewertung. Und die Abtreibungsbefürworter müssen sich schon den Vorwurf gefallen lassen, behindertes Leben als generell nicht ganz so lebenswert zu beurteilen. Und sich auch fragen lassen, inwieweit die Entscheidung nicht auch darauf beruht, ob ein behindertes Kind einfach nicht in die heile Welt und Zukunft passt, die man sich so gerne vorstellt.
4. Natürlich stellt sich auch wieder die Frage der Grenzziehung, Stichwort "slippery slope": Wenn man sagt, "mit der und der Behinderung darf man abtreiben, mit der anderen aber nicht", muss man damit in Kauf nehmen, dass es irgendwann vielleicht Menschen geben wird, die ihr Kind wegen einer falschen Augenfarbe abtreiben lassen wollen.
5. Meine eigene Meinung: Die Gesetzeslage ist im Moment in Ordnung. Abtreibung sollte persönliche Entscheidung sein (übrigens nicht NUR der Frau!), muß aber auch gesellschaftlich diskutiert werden. Denn eine so schwerwiegende Entscheidung ist nicht einfach nur eine Persönliche.
Weicht jetzt vielleicht etwas vom Thema ab, aber weiß jemand welche Möglichkeiten es überhaupt für Mütter mit behinderten Kindern gibt, die diese zur Welt bringen aber nicht großziehen wollen/können? Ich meine, Müttern gesunder Kinder kann man da zur Adoption raten, aber diese Kinder werden wohl nicht soo tolle Vermittlungschancen haben? Wie leicht bekommt man so etwas wie Heim-Plätze, zahlen das die Eltern bzw. kriegen sie finanzielle Hilfe über die übliche Pflegestufe hinaus...?
Und die Abtreibungsbefürworter müssen sich schon den Vorwurf gefallen lassen, behindertes Leben als generell nicht ganz so lebenswert zu beurteilen. (von surfsmurf)
das ist ja nicht unbedingt erstmal ein vorwurf, sondern aus sicht derer, die so eine bewertung vornehmen durchaus legitim. die frage, die sich da stellt wirfst du ja ein paar zeilen spaeter auch selber auf: wo zieht man wann und aus welchen gruenden die grenzlinie?
das eine ende der skala betrachtet schon ein kondom als widernatuerlich, gibt strikte religioes motivierte verhaltensweisen vor und entlaesst den einzelnen somit aus seiner verantwortung, am anderen ende findet man sich in der naehe auch der postnatalen euthanasie wieder. das von surfsmurf angesprochene abtreiben aufgrund der augenfarbe ist uebrigens schon realitaet: in china z.b. werden nicht wenige feten abgetrieben, nur weil sie weiblichen geschlechts sind.
das "schwierige" an der ganzen sache ist ja auch, dass sich hier persoenliches selbstbestimmungsrecht der frau (und des dazugehoerigen mannes), das recht auf leben eines meinetwegen auch erst prospektiven menschen und die aufgabe des staates oder der gesellschaft, eben diese rechte unter einen hut zu bringen beruehren. wie ja aus der vorangegangenen diskussion ersichtlich ist hat jeder seine ganz eigene meinung zu diesem thema, genauso wie jeder seine ganz eigene vorstellung von seinem leben und seinem sterben hat - trotzdem muss hier dem selbstbestimmungsrecht der frau eine grenze gesetzt werden, ohne sie dem fortpflanzungsdiktat schutzlos vorzuwerfen. ich denke, dass das hier in deutschland mit der beschraenkung auf die 12. ssw zusammen mit der moeglichkeit des aborts aus medizinischer oder psychologischer indikation ganz gut geregelt ist. trotzdem ist das kein konflikt, den man mit hilfe von gesetzen oder verhaltensanweisungen aus der welt schaffen kann. jeder einzelne fall muss vor dem hintergrund einer verlaesslichen gesetzlichen regelung fuer sich selbst beurteilt werden, sowohl vom behandelten arzt als auch von der betroffenen frau selber. und es geht hier nicht nur um das leben des kindes, sondern auch um das der frau. die frage,
ob ein behindertes Kind einfach nicht in die heile Welt und Zukunft passt, die man sich so gerne vorstellt. gehoert genauso dazu.
tja. schwieriges thema. trotzdem: ich finde, das wird hier auf eine sehr angenehme art und weise diskutiert, ohne stammtischgeprolle und ohne persoenliche angriffe. und sehr ehrlich. danke!
Leelaacoo
16.08.2005, 21:04
Jetzt mal eine andere Frage: Angenommen, man lässt sich darauf ein, zu sagen, Abtreibung eines behinderten Kindes wäre "Mord" (auch eines unbehinderten natürlich, aber ich geh jetzt von diesem Fall aus)...man handelt also im Glauben, ethisch vollkommen auf der sicheren Seite zu sein. Und dann wird das Kind geboren und muss, um überhaupt eine gewisse Zeit zu leben medizinischen Maßnahmen zugeführt werden, sei es die Herz-OP, die Magensonde, der Brutkasten etc. etc. ...denn ohne dies würde es versterben, was ja ein "gesundes", unbehindertes Kind nicht täte.
Und man steht als Elternteil vor der Entscheidung, eventuelle Maßnahmen NICHT zuzulassen...wäre das ethischer als die Abtreibung. Es wiederspricht jedenfalls nicht der religiösen Lehre, maximalmedizinische Anstrengungen zu unterlassen...die gab es ja schließlich zur Zeit der Bibelverfassung ja auch nicht...man könnte argumentieren, das wäre eben der natürliche Lauf der Dinge, ebenso wie die SS und Geburt. (Achtung, ich STELLE diese Frage, was nicht impliziert, daß ich es so machen würde). Wäre das viel ethischer? Wäre es nicht eher viel brutaler? Für das Kind und für die Eltern?
Also MUSS man alles in seiner Macht stehende tun, um das Kind, das von alleine nicht lebensfähig gewesen wäre, am Leben zu halten???
Das ist die gleiche schwierige Fage wie bei Sterbehilfe allegemein...aber oft ein fall, den Abtreibungsgegner nicht bedenken...was ist danach?
Würdet ihr Eltern verurteilen, die sagen "Ich will nicht, dass mein Kleiner/meine Kleine 20 OPs hat und leidet."???
Bin gespannt,
LG Lee
Ihr habt euch so auf die Abtreibung von Ungeborenen mit Behinderungen eingeschossen.
Sind nicht die meisten abgetriebenen Kinder gesund, aber ungewollt?
Froschkönig
16.08.2005, 23:45
Ihr habt euch so auf die Abtreibung von Ungeborenen mit Behinderungen eingeschossen.
Sind nicht die meisten abgetriebenen Kinder gesund, aber ungewollt?Mag sein aber darum ging es ja HIER nicht. Die Frage in diesem Thread war mehr oder weniger, ob man ein WUNSCHKIND wegen einer Behinderung abtreiben würde. Die andere Thematik ist sicher auch diskussionswürdig aber gehört nicht HIER her ;-) Denn dabei stellt sich die Frage nach einer Behinderung ja nicht erst wenn sowieso aus sozialen/familiären/finanziellen Gründen abgetrieben werden soll....
Binamaus
17.08.2005, 00:53
Also ich finde es nicht gut, ein schwerbehindertes Kind erstmal ein paar Jahre lang mit Krankenhäusern und Behandlungen aller Art zu traktieren und letztendlich soweit zu sein, dass das Kind womöglich nie ein normales Leben führen kann. Sind es minimale Eingriffe (wenn man das so nennen kann) wie Brutkasten oder sowas...dann lasse ich mir das ja noch eingehen bzw. bin dafür, das Kind zu bekommen, wenn sonst nichts dagegen spricht und ich denke auch nicht, dass die Bibel da was dagegen hätte bzw. der Glaube. Ich sehe nur keinen Sinn darin, ein Kind zu bekommen nur um des Nicht-Abtreibens-Willen und es dann sein ganzes Leben vor sich hin vegetieren zu lassen...ich denke, dass das Kind dann vom Leben vielleicht auch nicht so wirklich viel hat. Ich habe schon viele behinderte Kinder gesehen, die sehr, sehr glücklich waren, vielleicht sogar glücklicher als unsereins, aber es gibt auch genügend, die im Alter von 12 Jahren noch ähnlich aussehen wie ein Embryo und wirklich nichts vom Leben haben...Gliedmasen sind verstümmelt, sie können Speichelfluss und ähnliches nicht kontrollieren und sowas weiß ich nicht, ob es gut ist, so ein Kind wirklich auszutragen. Ich denke, dass es da für beide Seiten besser ist, abzutreiben...obwohl ich auch nicht dafür bin, ein Kind abtreiben zu lassen, das gezeugt wurde, weil die beiden Geschlechtspartner mal unvorsichtig waren oder meinen, es als "Verhütungsmethode nachher" anwenden zu können.
Froschkönig
17.08.2005, 06:05
Also ich finde es nicht gut, ein schwerbehindertes Kind erstmal ein paar Jahre lang mit Krankenhäusern und Behandlungen aller Art zu traktieren und letztendlich soweit zu sein, dass das Kind womöglich nie ein normales Leben führen kann.
Naja, ich denke mal hier soll es um Fälle gehen, in denen außer Frage steht, daß das Kind jemals ein normales Leben führen wird. Ich denke nicht daß der Urheber des Themas dabei an vorrübergehende Geburtstraumata oder nur 4 Finger an einer Hand etc. gedacht hatte ;-)
Binamaus
17.08.2005, 10:51
Naja, ich denke mal hier soll es um Fälle gehen, in denen außer Frage steht, daß das Kind jemals ein normales Leben führen wird. Ich denke nicht daß der Urheber des Themas dabei an vorrübergehende Geburtstraumata oder nur 4 Finger an einer Hand etc. gedacht hatte ;-)
An sowas wie nur 4 Finger haben und so hab ich dabei gar nicht gedacht...Ich dachte dabei eher an andere Dinge...mit 4 Fingern lässt sich glaube ich ganz gut leben (eine Freundin kommt damit zumindest relativ gut klar)...aber wenn z.B. einige Gliedmaßen nicht vollständig ausgebildet sind, z.B. ein Bein, das nur bis Knie ausgebildet ist und für den Rest braucht das Kind dann erstmal Operationen, dass man ihm eine Prothese anlegen kann und letztendlich kann es mit der Prothese nie ein völlig normales Leben führen...sowas finde ich schwachsinnig...oder Kinder mit schweren Herzfehlern, die operiert werden und dann ihr Leben lang doch nicht Sport treiben dürfen wie ein normaler Mensch oder die auf gerät angewiesen sind...sowas finde ich nicht gut...Kinder, die aussehen wie Embryos (Entschuldigung, aber das Beispiel fällt mir da immer sofort ein), die vielleicht operiert werden, dass z.B. Mund nach einem Wolfsrachen oder einer Hasenscharte ganz geschlossen sind und das Kind essen kann, aber körperlich bleibt das Kind ein schwerer Pflegefall...Ich weiß nicht, wie du das siehst, aber sowas würde ich meinem Kind gerne ersparen. Ich weiß, dass das jetzt extreme Beispiele sind, aber eben solche habe ich gesehen in einem katholischen Behindertenheim...wo viele Eltern eben gegen Abreibung sind...und ihr Kind dann in ein Heim geben, weil die Kinder bis sie alt sind, schwere Pflegefälle sind und eine fachkompetente Betreuung brauchen.
fuer mich persoenlich bleibt die grenze bei eben den behinderungen, mit denen ich mir eine erfuelltes leben auch nicht mehr vorstellen kann:
geistige behinderung
schwerste koerperliche versehrtheit; darunter faellt nicht das fehlen einzelner gliedmassen, sondern eher erkrankungen, die mit einem erheblichen verlust an selbststaendigkeit verbunden sind.
fuer mich gilt wie fuer die meisten hier wohl auch: wenn ich mir vorstellen kann mit einer (erworbenen) behinderung leben zu koennen, wuerde ich auch mir zutrauen mein kind so aufzuziehen, dass es mit derselben ein wuerdiges und selbstbewusstes leben fuehrt.
ehec.
Simone_th
16.08.2007, 17:56
Interessanter find ich die Frage:
Würdet ihr als zukünftige Ärztinnen/Ärzte Abtreibungen durchführen?
Mich interessiert dieses Thema sehr!
Zu pauschal die Frage, da nicht fragst, wann und bei welchen Entwicklungen.
- Beispiel SSW 9: würde auf jeden Fall eine interruptio durchführen, ohne Begründung der Frau, also egal ob dies auf "Wunsch" der Frau geschieht oder eben weil das Kind evtl. behindert wäre.
- Beispiel SSW 16: Bei Behinderungen wie Trisomie 21 würde ich so etwas durchführen wollen und können, wenn es für die Betroffe es wollen würde.
Beispiel SSW 25: Bei Trisomie 18 auf jeden Fall. Mit Trisomie 21 hätte ich eher Mühe. Ist bei uns im Klinikalltag aber schon passiert, einmal Diagnose Trisomie 21, Abbruch, "Geburtsgewicht" etwas über 600g.
lost_in_lynch
16.08.2007, 20:13
Ist bei uns im Klinikalltag aber schon passiert, einmal Diagnose Trisomie 21, Abbruch, "Geburtsgewicht" etwas über 600g.
Oh mein Gott. Wie grauenvoll. Ich werde solche Entscheidungen nie verstehen können. Wie läuft das in der Klinik ab, wenn ich mich weigern würde? Oder sollte ich mit meiner Einstellung einfach die Gyn meiden?!
Simone_th
16.08.2007, 20:17
Sind natürlich nur Einzelfälle. Aber ein Spätabbruch ist mit entsprechendem Gutachten theoretisch jederzeit möglich.
Hättest du persönlich ein Problem mit Spätabbrüchen oder Abbrüchen allgemein?
Ist schwierig. Ein Spätabbruch wird häufig sehr kurzfristig angesetzt, also unvorhersehbar. Leider erfahren teilweise die Betroffenen, auch Hebammen, erst kurz zuvor, um was es geht. Theoretisch hat jeder das Recht, seine Mitwirkung zu verweigern. Ist jedoch kein anderes Personal vor Ort, dann wird das sicher nicht gerne aufgenommen... Wenn dem aus dem Weg gehen willst, dann ist es vielleicht ratsam, sich eher bei christlichen Krankenhäusern zu bewerben, die so etwas nicht machen.
Das Thema Spätabtreibungen ist sehr heikel. Diese gibt es nun einmal. Und ich fände es besser, würde man diese an spezialisierte Abteilungen delegieren, da für die Mitwirkenden es sehr schwierig ist.
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