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Mirona
19.09.2007, 13:36
@annekii

Soweit ich es hier verstanden habe, wurde nach der persönlichen Meinung des Einzelnen gefragt und nicht nach einer gesellschaftlichen Richtlinie...... ;-) Es steht jedem frei eine andere Meinung zu haben oder zu leben.

Simone_th
20.07.2008, 11:40
Was haltet Ihr von den Vorschlägen, vor allem aus den Reihen der CDU, für Abtreibungen aus medizinischer Indikation, eine Beratungspflicht einzuführen? Sei es als eine Pflichtberatung mit vorgeschriebener Wartezeit oder aber einer Pflicht für die Ärzte, die Frauen eingehender zu untersuchen?

Persönlich würde ich, wenn wir uns schon einmal mit der Tatsache von Abtreibungen wegen einer zu erwartenden Behinderung des Kindes anfreunden müssen, für eine Beratungspflicht plädieren. Dies nicht nur um etwa die Hemmschwelle zu erhöhen, sondern auch um eine Verbesserung der Infomation der betroffenen Frau sicherzustellen - mit allen Konsequenzen.
Heute werden Frauen mehr oder weniger davon überzeugt, alle möglichen Untersuchungen durchführen zu lassen, bei einem entsprechenden Befund geht dann alles schnell, ohne dass sich die meisten der Konsequenzen bewusst sind. Es kommt ja tatsächlich vor, dass Frauen aus diesem Grund eingeliefert werden, und erst in der Klinik erfahren, wie der Abbruch durchgeführt wird. Es kann doch nicht sein, dass eine Frau wegen des Verdachts auf Turner Syndrom in der 23. SSW weder über die Art der Behinderung des Kindes noch über die Art der Durchführung des Abbruchs richtig informiert wird und erst in der absoluten Stresssituation in der Klinik innert kürzerster Zeit sich überlegen soll, ob sie den Abbruch will oder nicht. Diese Situationen sind dann für alle Beteiligten extrem stressig.
Auch werden die Frauen nicht über Alternativen des Abbruchs informiert. Nach der 14. SSW in der Mehrheit der Kliniken per Geburtseinleitung, dass es einige wenige Kliniken und Ärzte gibt, die auch in Deutschland eine Kürrettage unter Vollnarkose bis in die 16-18. SSW durchführen, erfahren die wenigsten. Ja, es entsteht ja mittlerweile sogar ein neuer Abtreibungstourismus, Frauen mit medizinischer Indikation, die dennoch in die Niederlande fahren, weil sie es, selbst über der 20. SSW als schonender für sich empfinden, den Abbruch in Vollnarkose druchführen zu lassen, was in Deutschland nicht möglich ist. Kaum ein Arzt informiert über das genaue Vorgehen, häufig sind solche Panikreaktionen die Folge von fehlender Information.

Ich würde es für sinnvoll halten, eine Pflichtberatung durch besondere Stellen, welche diese Informationen zur Verfügung haben, einzuführen, in allen Fällen, ausgenommen bei unmittelbarer Gefahr für die Gesundheit der Frau.

Kackbratze
20.07.2008, 12:26
Die Pflichtberatung soll dafür sorgen, dass weniger Abtreibungen durchgeführt werden, es soll nicht darum gehen, dass die Frauen über Möglichkeiten und Arten der Abtreibung informiert werden.
Diese "Pflichtberatung" soll vorallem die 200 (!) Spätabtreibungen im Jahr verringern bis verhindern.

Sowas empfinde ich als absolute Frechheit vom Staat.
1. Es sind nur 200 Einzelfälle jedes Jahr bei 81Mio Einwohnern...warum sind diese 200 Leute für den Staat wichtiger als die restliche Bevölkerung, die in wesentlich größeren Gruppen mit wesentlich existenzielleren Problemen betroffen sind
2. Eine Pflichtberatung, die schon in der Vorgabe zeigen soll, dass man "eigentlich nicht Abtreiben soll" ist keine Beratung mehr, sondern eher ein Propaganda-Gepräch mit einem festen Ziel.
3. Es sollen wieder "die Ärzte" das Thema richten ohne wirklichen Schutz zu geniessen, ich wette, es gibt Repressalien, wenn ein Beamter feststellt, dass trotz Beratung die anzahl der Spätabbrüche konstant bleibt.


Und was den "Abtreibungstourismus" anbetrifft. Erst wird in Deutschland der Abbruch streng reglementiert, kaum ein KH ist noch in der Lage einen Abbruch schonend für die Patientin (und mit schonend meine ich für die Seele) durchzuführen und danach beschwerden sich alle, dass die Patienten ins Ausland abwandern, wo modernere und bessere Verfahren angewendet werden.
Eigentlich typisch...

Simone_th
20.07.2008, 12:55
Die Pflichtberatung soll dafür sorgen, dass weniger Abtreibungen durchgeführt werden, es soll nicht darum gehen, dass die Frauen über Möglichkeiten und Arten der Abtreibung informiert werden.
Diese "Pflichtberatung" soll vorallem die 200 (!) Spätabtreibungen im Jahr verringern bis verhindern.

Sowas empfinde ich als absolute Frechheit vom Staat.
1. Es sind nur 200 Einzelfälle jedes Jahr bei 81Mio Einwohnern...warum sind diese 200 Leute für den Staat wichtiger als die restliche Bevölkerung, die in wesentlich größeren Gruppen mit wesentlich existenzielleren Problemen betroffen sind
2. Eine Pflichtberatung, die schon in der Vorgabe zeigen soll, dass man "eigentlich nicht Abtreiben soll" ist keine Beratung mehr, sondern eher ein Propaganda-Gepräch mit einem festen Ziel.
3. Es sollen wieder "die Ärzte" das Thema richten ohne wirklichen Schutz zu geniessen, ich wette, es gibt Repressalien, wenn ein Beamter feststellt, dass trotz Beratung die anzahl der Spätabbrüche konstant bleibt.


Und was den "Abtreibungstourismus" anbetrifft. Erst wird in Deutschland der Abbruch streng reglementiert, kaum ein KH ist noch in der Lage einen Abbruch schonend für die Patientin (und mit schonend meine ich für die Seele) durchzuführen und danach beschwerden sich alle, dass die Patienten ins Ausland abwandern, wo modernere und bessere Verfahren angewendet werden.
Eigentlich typisch...

Hängt von der Definition Spätabtreibung ab. Die genannten 200, es dürften mehr sein, sind Abbrüche nach der 24. SSW. Definiert man eine Spätabtreibung als einen Abbruch nach SSW 13+6 (Ende der Fristenregelung mit Beratung), beträgt es ein zigfaches. Das Problem ist: Eine Frau, die eine Indikation bekommt, egal ob aus embryopathaologischen Gründe (diese Indikation gibt es so direkt ja nicht mehr) oder aus anderen medizinischen Gründen, hat keine Wartezeit, keine weiteren Beratungen zu absolvieren. Dabei sind gerade diese Abbrüche sehr belastend.
Das Problem ist auch: Es gibt keine wirklich brauchbaren Zahlen, zur weiteren Aufteilung der medizinischen Indikation, verbunden mit dem Zeitpunkt des Abbruchs der Schwangerschaft. Die jeweils publizierten Zahlen besagen nicht, in wieviel Fällen es sich um die Abtreibung eines nicht lebensfähigen Fötus handelt, in wieviel Fällen wegen einer Behinderung, welche ein langjähriges Leben ermöglicht, und auch nicht, wieviele dieser Spätabtreibungen aus anderen Gründen erfolgen, zu nennen wäre die Gefährhung der seelischen Gesundheit der Frau.

Kackbratze
20.07.2008, 14:12
Dabei sind gerade diese Abbrüche sehr belastend.


Alle Arten von Abbrüchen sind belastend. Die absurde Vorstellung die manchen Abtreibungsgegner und Politiker umtreibt, dass Frauen lustige Lieder singend in die Abtreibungskliniken fahren sind doch infame Unterstellungen.

Das Absurde ist eigentlich, dass selbst die "schonende" Form des Abbruches in Deutschland nicht durchgeführt werden kann und darf.
Und das Frauen die sich, aus welchem Grund auch immer, sich für so einen Eingriff entschieden haben, automatisch stigmatisiert und "ausgestossen" werden.
Für Sexualstraftäter und Co gibt es Programme, Therapie, Gesprächsrunden...eine Frau die einen Schwangerschaftsabbruch hinter sich hat, muss sich dafür rechtfertigen und bekommt nur in seltenen Fällen professionelle Hilfe angeboten.

Simone_th
20.07.2008, 14:20
Es gibt keine schonendere Methode...das ist individuell... Viele meinen, und deshalb fahren sie in die Niederlande, ein instrumenteller Abbruch in der Vollnarkose (ich rede jetzt von Spätabtreibungen) sei schonender als die Einleitung einer Fehlgeburt. Das Komplikationsrisiko ist geringer, gerade bei der Anwendung von Mifegyne im zweiten Trimenon. Nur im Falle von Frauen, die wirklich aus psychischen Gründen den eigentlich Abbruch nicht aktiv miterleben wollen, ist davon abzuraten. Persönlich würde ich die Grenze etwa in der 18. Woche ziehen, danach ist ein instrumenteller Abbruch mit zu hohen Risiken verbunden.

Kackbratze
20.07.2008, 17:33
Ich persönlich würde allen Frauen die Freiheit geben zu Tun und zu Lassen mit ihrem Körper was sier persönlich wollen und am Besten finden.

Was soll ich meine moralischen und ethischen Grundsätze anderen Leuten aufzwingen, die aus anderen Verhältnissen kommen, andere Vorstellungen und Ansichten zum Leben haben und in grundverschiedenen Situationen im Leben stehen?