Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Stoiber redet Schmuh - ich wähle trotzdem die Union
Platons Vision war eine Dreiteilung in Arbeiterklasse, Militär und Philosophenkönige, wobei letztere die größte Entbehrung auf sich nehmen und in absoluter Askese leben sollten, wobei der materielle Überfluss den Arbeitern zufließen sollte, die geistige Erfüllung den Philosophen und die Liebe zur Pflicht (und damit verbundenes Lebensglück) den Soldaten.
Wenn ich mir das Geschrei um HartzIV ansehe, muss ich sagen, dass sich die Mehrheit tatsächlich hauptsächlich nach materiellen statt geistigen Werten wie Tugend, Solidarität mit der Gesellschaft oder Leistungswille lechzt.
Was die Mäßigung angeht: Natürlich gibt es gewisse Ausschweifungen und ich habe NIE behauptet, dass mein Idealbild von der jetzigen Gesellschaft reflektiiert wird (sonst würde ich das Wort "bergab" nicht verwenden).
Andererseits nimmt man als Führungskraft erhebliche Entbehrungen auf sich, nicht materieller, sondern persönlicher Art, man hat keine Freizeit, keine richtigen Freunde, überdurchschnittlich viele Scheidungen und ohnehin keine Zeit, um das Geld auszugeben. Die Triebfeder ist Macht, und da diese sehr volatil ist, wird sie durch Ausschweifung aufrechtzuerhalten versucht. Dies spiegelt auch ein Defizit in unserer Gesellschaft wider.
Außerdem finde ich es gewagt, Platon als "Anhänger" der epikureischen Schule (nicht zeitlich, sondern geistig verstanden) im Geiste Nietzsches hinzubiegen und andererseits über Ausschweifung zu klagen. Jeder Philosoph trägt Widersprüche in sich, je reichhaltiger, bedeutender und komplexer sein Werk, desto größer wird deren Anzahl und kontroverser Charakter.
Aber zurück zum Thema: Manager allein mögen bequeme Sündenböcke sein, solange aber kein Umdenken zu Eigenverantwortung und Leistungswille stattfindet, wird sich nichts ändern. Eine Rundumversorgung mit fünffach geknüpften Netzen und doppelten Böden mag angenehm sein, hält dem rauen Wind einer globalisierten Gesellschaft aber nicht stand.
Da hast du Recht. Aber man kann auch seinen Blick nach Irland richten. Deren BIP/Kopf ist mittlerweile höher als unser, der Staat erzielt einen Haushaltsüberschuss nach dem anderen und verzeichnet gute Wachstumraten. Dieser hat Irland dem enorm hohen Kapitalimport, auf Grund der extrem niedrigen Steuerquote von 15%, zu verdanken.
Wobei das Gesundheitssystem dort aber sehr zu wünschen übrig läßt.
Zwar sind die Arbeitsbedingungen für Ärzte dort ganz gut, aber Wartezeiten für elektive OPs von mindestens 1 Jahr sehen nicht sehr attraktiv aus (de facto werden aus den elektiven dann doch dringliche OPs :-)) ).
Aber zurück zum Thema: Manager allein mögen bequeme Sündenböcke sein, solange aber kein Umdenken zu Eigenverantwortung und Leistungswille stattfindet, wird sich nichts ändern. Eine Rundumversorgung mit fünffach geknüpften Netzen und doppelten Böden mag angenehm sein, hält dem rauen Wind einer globalisierten Gesellschaft aber nicht stand.
So siehts aus...
Wobei das Gesundheitssystem dort aber sehr zu wünschen übrig läßt. Zwar sind die Arbeitsbedingungen für Ärzte dort ganz gut, aber Wartezeiten für elektive OPs von mindestens 1 Jahr sehen nicht sehr attraktiv aus (de facto werden aus den elektiven dann doch dringliche OPs ).
Ja, das kann ich mir gut vorstellen. Ebenso, dass in Irland das Einkommen "ungerecht" verteilt ist, denn so ist es nunmal in einem freien System. Ob man es gut findet, führt wieder zur ideologischen Frage, ob man Freiheit oder Gleichheit besser findet ;)
denn so ist es nunmal in einem freien System. Ob man es gut findet, führt wieder zur ideologischen Frage, ob man Freiheit oder Gleichheit besser findet ;)
So ist das nunmal?? Immer warten, bis aus einer blanden Leistenhernie ein inkarzerierter Notfall wird zum Segen der Freiheit?
Sag mal, meinst Du das ernst???
Was er meint, ist, dass man irgendwann einfach einen gewissen Pragmatismus an den Tag legen muss. Es liegt im Wesen eines jeden Systems, dass irgendwo Lücke klaffen, die Frage ist nur, wer diese ausbaden soll: Die Gewinner der Gesellschaft, im Sinne von "die es am weitesten gebracht haben", die Leistungsfähigsten, oder die Schwächeren und die "Verlierer". Man mag darüber denken wie man will, aber gibt man letzteren den Zuschlag, so fördert man Trägheit und lähmt den gesellschaftlichen Fortschritt. Das Resultat ist, dass es allen in der Summe schlechter geht als hätte man es andersrum gemacht.
Trotz mieser Gesundheitssysteme überleben die meisten Menschen dort auch bis hin zu einer passablen Lebenserwartung. Dort ist man auch weniger bereit, viel Geld für Versicherungen auszugeben, aber das ist man in D langsam auch nicht mehr, eben weil es den Faktor Arbeit zu sehr belastet: Entweder man schafft eine bessere Lebensgrundlage für die Allgemeinheit oder die doppelten Böden und fünffachen Netze für Einzelfälle.
Hmm, das klingt aber jetzt schwer nach Sozial-Darwinismus... müßt Ihr immer ins Extreme gehen?
Froschkönig
24.08.2005, 19:43
...Trotz mieser Gesundheitssysteme überleben die meisten Menschen dort auch bis hin zu einer passablen Lebenserwartung....
Da stellt sich aber klar die Frage WER bitteschön sich anmaßen darf, die hinter dem Wort "passabel" versteckte Ziffer festzulegen :-notify
Daherreden kann man solche Sachen leicht, aber Entscheiden nicht! Außerdem ist es zudem sehr leicht, über diejenigen zu urteilen die am Boden liegen solange man obenauf ist...aber gerade heute kann sich das sehr sehr schnell für einen ändern und dann? Dann wären diejenigen vermutlich froh über doppelte Böden und Fangnetze, die vorher am lautesten geschriehen haben, daß die weg müssen
:-meinung
Freilich fehlt uns jetzt immernoch die LÖSUNG des ganzen Dilemmas...aber wenn wir ehrlich sind, sind wir alle ganz sicher nicht sooo viel intelligenter als so manche der Köpfe, die das Problem über die Jahre zu lösen Versucht haben.
Wenns denn so einfach wäre, wäre es schon passiert ;-)
Programm Hinweis:
Habe gerade rumgezappt. Im WDR Fernsehn stellt sich Gerhard Schröder noch bis 21:45 den Fragen der Bürger. Find ich ganz interessant. ;-)
Froschkönig
24.08.2005, 20:15
Programm Hinweis:
Habe gerade rumgezappt. Im WDR Fernsehn stellt sich Gerhard Schröder noch bis 21:45 den Fragen der Bürger. Find ich ganz interessant. ;-)
Interessant find ich sowas glaub ich erst wieder, sobald´s ein Gesetz gibt, daß die auch MACHEN müssen was sie sagen ;-)
die chondropathia
24.08.2005, 20:54
Programm Hinweis:
Habe gerade rumgezappt. Im WDR Fernsehn stellt sich Gerhard Schröder noch bis 21:45 den Fragen der Bürger. Find ich ganz interessant. ;-)
War auch ganz nett eigentlich. Wie der BK auf die Frage nach der Gleichstellung der Homosexuellenehe geantwortet hat, fand ich einerseits witzig (...nicht nur Homosexuelle, auch Frauen können gleichgeschlechtlich *lol*) andererseits angenehm ehrlich.
Und man sieht: man kann den Mann mit unerwarteten Fragen aus dem Konzept bringen... :-stud
So ist das nunmal?? Immer warten, bis aus einer blanden Leistenhernie ein inkarzerierter Notfall wird zum Segen der Freiheit?
Ja, je freier ein System ist, desto ungleicher ist es. Ihr schließlich sagt ihr doch selbst alle, dass zB in Amerika die Unterschiede zwischen arm und reich enorm sind. Dies ist auch im Gesundheitssystem so.
Okay, Neely hat es auch gut erklärt :)
Interessant find ich sowas glaub ich erst wieder, sobald´s ein Gesetz gibt, daß die auch MACHEN müssen was sie sagen
Jo, als ein Unternehmer nach der Senkung der Lohnnebenkosten gefragt und Schröder mit "Erstens, wir sind Exportweltmeister" geabtwortet hat, hab ich abgeschaltet :(
Ich werde der SPD meine Stimme schenken! Zum einen haben die sich gegen Studiengebühren ausgesprochen, zum anderen glaub ich das CDU und FDP das Problem zu einseitig bestrachten und ihre Lösung: "Wir müssen nur wirtschaftsfreundlicher werden - dann gehts allen gut" mächtig am Problem vorbeisteuern.
Ja, je freier ein System ist, desto ungleicher ist es. Ihr schließlich sagt ihr doch selbst alle, dass zB in Amerika die Unterschiede zwischen arm und reich enorm sind. Dies ist auch im Gesundheitssystem so.
Hör mal, das mit der inkarzerierten Leistenhernie hast Du wohl nicht kapiert.
Das ist eine Not-Operation mit nicht zu unterschätzender Mortalität und längerer Liegezeit nach der OP. Unterm Strich ist ein elektive Hernien-OP wesentlich kostengünstiger, weil die z.T. auch ambulant durchgeführt wird.
Das bedeutet, daß durch diese "Sparmaßnahmen" Patienten gefährdet werden und teurere Behandlung nötig ist. Wo soll da der Vorteil sein?
Zum einen haben die sich gegen Studiengebühren ausgesprochen
Studiengebühren und deren Einführung ist Sache der Länder, also stehen sie bei einer Bundestageswahl nicht zur Debatte.
zum anderen glaub ich das CDU und FDP das Problem zu einseitig bestrachten und ihre Lösung: "Wir müssen nur wirtschaftsfreundlicher werden - dann gehts allen gut" mächtig am Problem vorbeisteuern.
Was ist denn deiner Ansicht nach das "Problem" und wie würdest du es lösen? Schließlich hat Deutschland in den letzten 30-40 Jahren stetig den Sozialstaat ausgebaut. Wohin uns das geführt hat, sehen wir ja alle...
Hör mal, das mit der inkarzerierten Leistenhernie hast Du wohl nicht kapiert.
Du hast recht, ich hab das nicht verstanden, das tut mir Leid. Aber ich finde du wirst mit deinem Beispiel zu konkret. Es ging mir darum, dass eine freieres System sicherlich auch seine Nachteile hat. Aber im Großen und Ganzen ist es wesentlich besser für die Globalisierung gewappnet und im Endeffekt überwieden die Vorteile, zumal man eh keine große Wahl hat (wiedermal Stichwort Globalisierung :D)
Kackbratze
27.08.2005, 15:25
Apropos Globalisierung.
Die Firmen, die schon damals in den 70ern und 80ern sich auf die Konkurrenz im Ausland eingestellt hatten (damals gab es "Globalisierung" noch garnicht), die stehen heute super da.
und damit meine ich nicht solche Firmen-Moloche wie Karstadt oder Opel, sondern Mittelständische Unternehmen, die einfach eine clevere Führung (SChimpfwort: Familienpatriarchen) hatten...
Ich wähle die FDP, weil die ein konkretes Wahlprogramm mit Zahlen und Zielen haben. Ausserdem sieht man ja was passiert, wenn der Staat versucht für einen das Denken zu übernehmen.
Ich stehe dazu libberal zu sein!!! :-meinung
PhineasGage
27.08.2005, 16:31
Respekt, du gehörst zu den wenigen menschen, die sich nicht von einer "parteispitze" in ihrer parteipräferenz beeinflussen lassen---oder magst du westerwelle?!
Was man unter "passabel" zu verstehen hat? Eine Lebenserwartung, die mehr als doppelt so hoch ist wie noch vor ein paar hundert Jahren dürfte sich als solche qualifizieren, zumal der Mensch seither sicher keine evolutiv allzu großen Sprünge gemacht hat (um im Jargon Darwins zu bleiben ;-) )
Ich weiß nicht, ob man wirklich nach den Netzen schreien würde, wenn man sie denn braucht, ich denke, dass man dann so sehr am Boden ist und seine Selbstachtung so stark verloren hat, dass man dann von niemandem mehr irgendetwas will und sich nur noch zurückzieht, auch wenn, oder gerade weil, man eben krank ist. Zumindest ist das bei mir so, ich könnte mit einer Abhängigkeitssituation einfach nicht leben. Aber das ist sicherlich bei jedem verschieden.
Warum es mir ging war auszudrücken, dass viele Ideale und Vorrichtungen erstrebenswert und schön sind, sozial, human, "gerecht" oder was der einzelne darunter versteht, aber eben nicht realisierbar, da auf Dauer nicht finanzierbar. In der Volkswritschaftslehre löst man den Konflikt durch das Pareto-Kriterium, nach dem auf einer Kurve, auf der alle Nutzen gegeneinander aufgetragen sind, genau das Maximum in dem Sinne erreicht wird, dass eine Steigerung des Wohles von einer Person die Einbußen des anderen so gering hält. Man vergleicht also Grenzwerte oder Ableitungen. Der angestrebte Punkt muss aber auf der Kurve liegen, alles andere wäre nicht mehr pareto-optimal, sondern das Paradies, aus dem die Menschheit leider schon vor einiger Zeit rausgeworfen wurde. Also beschwert euch bei der Schlange und dem Teufel, nicht mir.
Ich mache mir schon lange über das Gesundheitssystem Gedanken, auch dass man bestimmte Dinge erst zu spät operiert, da man spart, so dass unterm Strich ein Minusgeschäft rauskommt, was Heilungschancen und -zeit angeht. Vielleicht wird darauf gesetzt, dass sich irgendwas von selbst heilen könnte und man will Opportunitätskosten sparen, aus Sicht der Kassen und Versicherungen, vielleicht schiebt man auch nur Lasten hin und her, so wie das der Staat macht, und später zahlt man mehr Zinsen als refinanziert wird. Wahrscheinlich ist der Schlüssel zu der Lösung beider Probleme der gleiche, sprich höhere Steuern, auch höhere Mehrwertsteuer.
Hellequin
27.08.2005, 17:03
Zumindest ist das bei mir so, ich könnte mit einer Abhängigkeitssituation einfach nicht leben.
Wer zahlt dir denn dein Studium?
Hello hello!
Weiß nich, ob´s schon jemand gebracht hat, aber ich find das hier ganz interessant:
www.wahl-o-mat.de
War bei Spiegel online verlinkt... Hätte nicht gedacht, dass ich sooooo weit links bin... :-))
Liebe Grüße, Denüse :-blush
Kackbratze
27.08.2005, 19:01
@phineas
Ich habe mir einfach alle Wahlprogramme zukommen lassen und gelesen.
Und das der FDP hat Zahlen und Fakten und nicht bloss geseiere, dass man alles anders/besser/schöner/sozialer und sonstwas machen will, ohne zu sagen wie und woher man das Geld dafür nehmen soll.
In vielen Wahlprogrammen steht, was die Partei gestern mal gemacht hat und in Zukunft verbieten will, ohne wirklich was explizites tun zu wollen (grüne,linke,spd,cdu).
Ich stimme nicht umbedingt mit allen Punkten im FDP Wahlprogramm überein, aber da die Mehrzahl der Sachen plausibel klingen und mir gefallen, schlucke ich gern auch n paar Kröten...es muss ja nicht immer nur die Anderen treffen, ich muss auch mein Scherflein beitragen.... :-meinung
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