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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Arbeitszeiten der verschiedenen Fachrichtungen



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Yersinia I.
02.08.2007, 13:51
An MatzeXXL:

Oja, Patho macht enorm Spaß. Und nein, ich betrachte nicht den ganzen Tag nur Gewebeproben unterm Mikroskop, obwohl das ein wesentlicher Bestandteil ist. Ich erzähl einfach mal :-) :

Bei uns ist der dienstjüngste Assi mit den Obduktionen gut beschäftigt und erhält je nach aktuellen Sektionszahlen auch noch Eingangmaterial zur Miktoskopie. Die beiden nächstjüngsten (das schließt mich ein) sind zur Hälfte im Labor und bearbeiten eingegangenes Gewebe ("Zuschnitt") - heißt, wenn ich zB eine Niere mit Karzinom habe, schneide ich gezielt Proben raus, an denen sich ein Tumorstadium festlegen lässt und ob der Resektionsrand tumorfrei ist. Das ist schon sehr spannend, wir haben ziemlich vielfältiges OP-Material hier. Zur anderen Hälfte kriegen wir das, was wir zuschneiden, auch zur Mikroskopie. Und am Ende des Tages oder am Folgemorgen besprechen wir unsere Befunde mit einem Fach-/Oberarzt, bevor wir sie diktieren.
Ältere Assis machen, im Team mit einem Oberarzt, die intraoperative Schnellschnittdiagnostik. Der dienstälteste Assi ist Prosektor, d. h. verantwortlich für alle Obduktionen und für alle Probleme, die sonst noch mit den Leichen anfallen: 2. Leichenschau, Beschlagnahmungen etc.

Weiterhin werden unsere Arbeitstage aufgelockert durch Konferenzen mit den Klinikern, die entweder sehr informativ, gähnend langweilig oder schlichtweg schrecklich sind - je nach klinischer Fachabteilung ;)
Und dann innerhalb des Semesters noch die Studis - an 2 Nachmittagen pro Woche je 3 Stunden Kurs, und das betrifft jeden vom jüngsten Assistenten bis zum Chef.

Fachärzte/Oberärzte sind deshalb so überlastet, weil sie nicht nur ihre eigenen Fälle bearbeiten müssen, sondern auch noch Assistenten ausbilden sollen, d. h. deren Eingangsfälle verantworten müssen. Sie sollen sich weiterhin in der Forschung engagieren und müssen im Semester Vorlesungen halten. Ich glaube, am schwersten wiegt die Verantwortung.

Also naja, ich hoffe, das hat Dich jetzt nicht gelangweilt :-D Um es kurz zu machen, Patho macht Spaß :-)

MatzeXXL
02.08.2007, 19:09
Nein, garnicht! Ich finde es toll, das so detailliert zu lesen, vielen Dank.

Tut mir leid, wenn die Diskussionen, die ich anfange, immer in die gleiche Richtung gehen, aber ich kann es mir immer noch nicht beim besten Willen vorstellen, 1-2 mal die Woche 24h auf einer Station zu arbeiten (eher 2 mal, wie ich so lese).....und dann während des nächtlichen Dösens im Arztzimmer immer mit dem Gedanken im Hinterkopf, daß jederzeit was schwieriges reinkommen könnte.
Oder einen grösseren Teil meiner Wochenenden aufgeben. Oder 10-12 h am Tag (im Schnitt) zu arbeiten. Klar, in anderen Berufen arbeitet man auch teils länger als 8 h, aber da ists dann oft mit 9 h getan, und dann geht man vielleicht Freitag schon um halb 4.

Ich weiß nicht, wer das nachvollziehen kann, vielleicht sind die Medizinstudenten/Ärzte ja wirklich von der inneren Struktur her eher so beschaffen, für andere einzustehen, sehr hohe Verantwortung zu übernehmen und viel eigene Zeit zu opfern, aber vielleicht sollte man sich selbst (also ich mir) nicht alles zumuten.

Wenn zu den normalen 42 Wochenstunden die Dienste einfach noch so dazukommen und garnicht in den 42 h enthalten sind, verstehe ich, wie man auf 60-70h kommt. Ihr lacht vielleicht, daß mir das nicht klar ist, aber ich kenne das System ja nicht.
Ich finde diese Arbeitsbelastung unglaublich.
Ich kann mir diesen Alltag so nicht vorstellen
Und ich würde nicht für alternative Berufsfelder studieren oder für Transfusions-oder Labormedizin (nichts gegen diese Fächer!).
Praxis aufmachen/miteinsteigen heisst für mich eher Massenabfertigung mit Zeitdruck (schöne Seiten gibts hier natürlich auch).

Ist ärgerlich, weil es wirklich das ist, was mich am meisten interessiert, aber dieser Alltag entspricht nicht meinen Lebensvorstellungen. Ich selbst wäre glaube ich nur noch gestresst und genervt. Da würde auch ein freundlicher Blick eines geheilten Patienten nur ein Tropfen auf den heissen Stein sein....

psycho1899
02.08.2007, 20:01
Nein, garnicht! Ich finde es toll, das so detailliert zu lesen, vielen Dank.

Tut mir leid, wenn die Diskussionen, die ich anfange, immer in die gleiche Richtung gehen, aber ich kann es mir immer noch nicht beim besten Willen vorstellen, 1-2 mal die Woche 24h auf einer Station zu arbeiten (eher 2 mal, wie ich so lese).....und dann während des nächtlichen Dösens im Arztzimmer immer mit dem Gedanken im Hinterkopf, daß jederzeit was schwieriges reinkommen könnte.
Oder einen grösseren Teil meiner Wochenenden aufgeben. Oder 10-12 h am Tag (im Schnitt) zu arbeiten. Klar, in anderen Berufen arbeitet man auch teils länger als 8 h, aber da ists dann oft mit 9 h getan, und dann geht man vielleicht Freitag schon um halb 4.

Ich weiß nicht, wer das nachvollziehen kann, vielleicht sind die Medizinstudenten/Ärzte ja wirklich von der inneren Struktur her eher so beschaffen, für andere einzustehen, sehr hohe Verantwortung zu übernehmen und viel eigene Zeit zu opfern, aber vielleicht sollte man sich selbst (also ich mir) nicht alles zumuten.

Wenn zu den normalen 42 Wochenstunden die Dienste einfach noch so dazukommen und garnicht in den 42 h enthalten sind, verstehe ich, wie man auf 60-70h kommt. Ihr lacht vielleicht, daß mir das nicht klar ist, aber ich kenne das System ja nicht.
Ich finde diese Arbeitsbelastung unglaublich.



Prinzipiell 'ne gesunde Einstellung...




Da würde auch ein freundlicher Blick eines geheilten Patienten nur ein Tropfen auf den heissen Stein sein....

... unterschätze das nicht. Ein dankbarer und zufriedener Patient kann einen wirklich motivieren, hätte ich selber nicht so erwartet :-)

Lava
02.08.2007, 20:21
Und die Arbeit an sich muss einem eben Befriedigung geben. Bei meinem Chirurgietertial hatte ich die längsten Arbeitstage in der Herz Chirurgie. Weil sie unterbesetzt waren und dazu noch Urlaubszeit herrschte, war ich wirklich mehrmals 12h dort. Hat mich ziemlich angekotzt. In der Unfallchirurgie dagegen hat's mir gar nichts ausgemacht, wenn ich mal 12h da war! :-)

Yersinia I.
03.08.2007, 12:50
Was ich am frustrierendsten fand an der klinischen Tätigkeit war die Unvernunft, mit der die Menschen zum Teil mit ihrer Gesundheit umgehen. Ganz vorn steht natürlich das Rauchen! Kaum aus der Dormicumnarkose vom Herzkatheter aufgewacht - schon die nächste Kippe angesteckt. Da fragt man sich doch als Arzt ganz ernsthaft, Wozu mache ich das alles hier eigentlich? Oder das Essverhalten (Diabetiker!!)... Nichtwahrnehmen von Vorsorgeuntersuchungen... Noncompliance bei Medikamenteneinnahme...

Das alles hat mir die klinische Medizin doch sehr, sehr verleidet, obwohl ich sie schön und spannend fand.

Natürlich sollen wir nicht alle von heute auf morgen zum biomüsli-essenden Leichtathleten werden. Aber eine gewisse Mitverantwortung für seine Gesundheit müsste man doch auch dem Patienten zugestehen. Die Möglichkeiten, sich über gesunde Lebensweise zu informieren, waren schließlich noch nie so gut wie heute.

MatzeXXL
03.08.2007, 20:37
Ja, das kann ich nachvollziehen. Wenn man sieht, wie unvernünftig die Leute sind und man soll dann das selbstverschuldete Leiden wieder geradebiegen....das kann schon nerven. Stichworte Diabetes oder Gefäßverkalkungen oder Lungenkrebs oder ähnliches.
Aber es gibt auch viele Patienten, die können nicht so viel für ihre Krankheit.

Und zu den Zeiten: Ich persönlich fände es einfach am schönsten, maximal 9-10 (aber auch wirklich maximal 10) Stunden irgendwo zu arbeiten, wo ichs interessant finde. Nicht 12! Ihr denkt euch "dann werd nicht Arzt"....ok.
Naja aber die Diskussion führt zu nix. Man kann wohl als angehender Arzt nur darauf hoffen, einen Job in einer gut besetzten Station zu finden...wenn man nicht forschen will, eben an einem Krankenhaus ausserhalb der Uniklinik.

@ Muriel und Feuerblick: Wie siehts in der Augenheilkunde so mit Wochenarbeitszeit und Diensten aus?

M.Cushing
03.08.2007, 21:05
hey matze keine panik.

die meisten ärzte, die ich kenne, sind pünktlich zuhause.

10h arbeit am Tag sind schon sehr viel. Wer 12h am Tag arbeitet, wird mit seiner Arbeit nicht fertig und macht doch irgendwas falsch. Ist doch krass unphysiologisch. Klar kann das mal passieren - aber doch nicht "täglich". Viele versuchen sich durch das "viel-" arbeiten auch wichtig zu machen. Am krassesten habe ichs mal bei nem Praktikum an der Uni gesehen: junge Assistentin, den ganzen tag nix zu tun (arztbriefe schreiben studis, aufnahmen machen studis, sonos etc machen OA), aber immer erst um 20 uhr zuhause (war sogar glaube ich auf ner 3/4 stelle). Ihr Kollege, im übrigen der bessere mediziner, hat regelmässig seine kinder um 17 uhr aus dem kindergarten geholt...

MatzeXXL
03.08.2007, 21:09
Ich schieb Panik, das stimmt.... :-((

Aber danke für dein Posting! Kannst du ein bissl genauer berichten, was du so für Klinikärzte kennst? An was für ner Klinik arbeiten die, welche Fachrichtung und wie würdest du ihre Arbeitszeit einschätzen (regulärer Tag und Dienst getrennt)?
Wäre super, wenn du ein paar Infos hättest.

condorito
03.08.2007, 21:54
hey matze keine panik.

die meisten ärzte, die ich kenne, sind pünktlich zuhause.

10h arbeit am Tag sind schon sehr viel. Wer 12h am Tag arbeitet, wird mit seiner Arbeit nicht fertig und macht doch irgendwas falsch. Ist doch krass unphysiologisch. Klar kann das mal passieren - aber doch nicht "täglich".

Soweit ich mich erinnere,sind 24h Dienst am Stück auch nicht krass physiologisch

MatzeXXL
03.08.2007, 22:10
Und um diese 24h-Dienste kommt ja, von ein paar Fachrichtungen abgesehen, keiner rum, wie mans auch dreht und wendet.

Jense
04.08.2007, 18:29
.....

M.Cushing
04.08.2007, 22:21
[ ] Du weisst wovon Du sprichst.
Jense

unsachliche Antwort.

Ich gehe mit offenen augen durch meine ZAHLREICHEN praktika und habe mir immer ganz genau angeschaut, wann wer nach hause geht.

das war bei allen abteilungen zu 90% vor 18 uhr oder ganz kurz danach. Das sind (bei Dienstbeginn um 8 uhr) 10 stunden arbeit, mit 1h mittagspause rechnerisch nur 9h. das empfinde ich als viel arbeit, aber schon machbar. Und nicht selten, sondern häufig, sind die ärzte sogar um ca. 17 uhr weg, auch mal früher. (ausser halt der diensthabende). Besonders nett fand ichs in der Chir, da hat man so schön früh feierabend, weil man so früh anfängt. Am schlimmsten wars eigentlich in der Uni-Kardiologie. Aber auch da machten viele immer wieder recht früh feierabend.

Am besten wars vielleicht in der gyn, da war ca. 16.15 nachmittagsbrsprechnung und dann verlor sich der laden so langsam...

also ich finde, es wird alles nicht so heiß gegessen, wie es gekocht wird. manche stellen sind natürlich horror. da muss man halt weg. aber grundsätzlich geben alle menschen ihre arbeitsbelastung höher an, als sie ist (oder hast du schonmal irgend jemanden gesehen, der dir erzählt hat, er hätte einen laschen job? jeder stöhnt doch, ob lehrer, postbeamter oder die solitär-spielende uni-sekretärin)

Jense
05.08.2007, 10:05
.....

hottentotte
05.08.2007, 11:13
1 h Mittagspause?!?!
Ich kenne genug Ärzte(Internisten), die froh sind wenn sie ne Viertelstunde haben zum Essen, bzw sich nicht das Essen während dem Briefe schreiben reinfegen müssen...
/totte

alley_cat75
06.08.2007, 21:45
...ich kann es mir immer noch nicht beim besten Willen vorstellen, 1-2 mal die Woche 24h auf einer Station zu arbeiten (eher 2 mal, wie ich so lese)...

Dann musst Du das einfach mal mitgemacht haben, um zu sehen, dass man nicht 24 h in action ist. Sicher kommt das vor, auch in Abhängigkeit von der Fachrichtung, aber das ist eher die Ausnahme. 24 h in einem kleinen Lehrkrankenhaus sieht für mich folgendermaßen aus:

8 Uhr - Übergabe, Frühstück mit den Schwestern (sehr anstrengend)
9 - 12 Uhr KurzVisite auf 6 internistischen Stationen (à 30 Patienten) - nur fragen, ob alles in Ordnung, Befunde durchsehen
danach bin ich nur noch für Rettungsstelle zuständig und Nachfragen von den Stationen (das meiste klärt sich schon am Telefon)
in der Regel ist bei uns von mittags bis 18 Uhr echt tote Hose = faulenzen, TV gucken, surfen, Sonne auf den Bauch scheinen lassen
18 - Mitternacht Rettungsstelle, was mir persönlich aber wirklich Spaß macht
dann gehe ich immer noch mal auf den Stationen vorbei (man lernt, sich unnötige, nächtliche Anrufe gezielt vom Hals zu halten)
1 - 7 Uhr Nachtruhe; klar, muss man auch mal raus, aber man arbeitet nicht die Nacht durch wie das Pflegepersonal
7 - 8 Uhr duschen, frühstücken ;o) i.v.-Medikamente geben

Was die Dienste betrifft, wird meiner Meinung nach, heißer gekocht als gegessen. :-))

Evil
07.08.2007, 16:59
*g* Alley, wenn Du das jetzt als repräsentative Situation des internistischen Arbeitsalltages in Deutschland verkaufen möchtest, hast Du Dich endgültig als Troll geoutet :-D

condorito
07.08.2007, 17:16
*sträusschenfürevilbindet*

MatzeXXL
07.08.2007, 18:47
Naja sie meinte ja auch "in einem kleinen Lehrkrankenhaus" und nicht "in der Charité"....

alley_cat75
08.08.2007, 09:40
Natürlich weiß ich, dass ich nicht Bestandteil des gängigen deutschen Krankenhausalltags bin. Aber ich bin ein Beispiel dafür, dass es auch anders geht. Klar habe auch ich Dienste, in denen ich 24 h nur am Laufen und Leben retten ;-) bin, aber das ist nicht usus bei uns. Und weil ich das nicht oft haben muss, habe ich der Charité den Rücken gekehrt. :-dafür Kleines Krankenhaus :-dafür

Beste Grüße vom Troll

Raphefrau
09.08.2007, 09:27
Assi in der Rechtsmedizin (tollstes Fach der Medizin :-love , Uniklinik). In den Semesterferien oft um die 50 Stunden/pro Woche (vertraglich 42-Stunden), 8 Wochen Dienst im Jahr (immer 1 Woche durchgängig von Montag 8 Uhr bis Montag 8 Uhr). Dienstaufkommen sehr unterschiedlich. Mal 1 Woche fast nix, dann auch mal eine Woche mit 1 Leiche pro Nacht (hatte ich letzte Woche, bin immer noch nicht wieder ausgeschlafen. Dafür außer in den Dienstwochen alle WEs frei :-dafür !!!!
Im Semester dann locker 60-Stunden Wochen wegen Nachmittags- und Abendkursen.
Forschung nebenher.

@ MCushing: Überstunden im Semester nicht durch langsames Arbeiten, sondern durch späten Unterricht bis 19 Uhr. Da aber um 8 Uhr "Schnittbeginn" im Saal ist es nicht möglich, Überstunden zu vermeiden.