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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Tarifvertrag zustande gekommen....Streik zu Ende???



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test
17.06.2006, 13:10
Auf der Seite vom Marburger Bund steht was das der Kampf um Urlaubs und Weihnachtsgeld gewonnen wurde, doch finde ich in dem Tarifvertrag der dort auch gepostet wurde überhaupt nichts darüber.
Hat jemand von euch da was gefunden?

Hoffentlich wird das Ding abgelehnt, und irgendwie sehe ich schon schwarz für die Verhandlungen mit dem VKA.

Das Weihnachtsgeld soll in der Erhöhung des monatlichen Gehalts integriert sein..... :-oopss

Michi5880
18.06.2006, 19:36
Sehr aussagekräftige Analyse der größten Verarschung dieses Jahrzehnts:

>> HIER << (http://www.aerzte-uniklinik-ulm.de/9.html)

Bier
18.06.2006, 20:54
"An den Universitätskrankenhäusern sind die Ärzte von diesem Mittwoch an aufgerufen, bei einer Urabstimmung über die Annahme oder Ablehnung des Tarifergebnisses zu entscheiden. Wenn mehr als 50 Prozent dafür stimmen, wird der Arbeitskampf beendet"

aus der FAZ - Link (http://www.faz.net/s/Rub6B15D93102534C72B5CF6E7956148562/Doc~E94E6B1297B7B443894E31D72165DC059~ATpl~Ecommon ~Scontent.html)

falls das stimmt (?), besteht ja doch noch Hoffnung!

Michi5880
19.06.2006, 17:25
Hallo liebe Leute,
hier meine Bewertung des Tarifangebots der TdL an den Marburger Bund:

Aus meiner Sicht handelt es sich vielleicht formell, aber nicht inhaltlich um ein Angebot für einen ärztespezifischen Tarifvertrag.
Beiderseitig aus sachfremden Gründen,
von Seiten der TdL, weil der Marburger Bund nicht eingelenkt hat,
von Seiten von ver.di, weil der Marburger Bund es gewagt hat, sich von ihr zu lösen,
haben beide eine Tarifvertragsanlage Nr. 5 des TV-L vereinbart, die ärztefeindlicher nicht sein kann!
Aus reiner Schwachheit will der Marburger Bund nun diese Anlage 5 nahezu wortgleich übernehmen. Bezeichnend ist, dass der Marburger Bund nicht einmal in der Lage war, die fehlerhafte Formulierung "Ärzte, Zahnärzte und Psychiater" zu ändern.
Hier die Punkte, die dieses Tarifangebot so ärztefeindlich erscheinen
lassen, dass selbst der alte BAT in hellem Licht erstrahlt:

* bisher saßen alle Ärzte an einem Tisch, jetzt werden die Nichtkliniker
auf den Hundeplatz verwiesen, mit sage und schreibe monatlich mehr als
€ 1.000 brutto weniger als sie die klinischen Kollegen bekommen
* weiterhin sollen die ebenso landesangestellten Ärzte in den Zentren für
Psychiatrie kurzerhand ausgebootet werden
* die Berufseinsteiger hatten unter Beachtung der jetzigen Arbeitszeit-
erhöhung nach altem BAT ein höheres Jahresbruttoeinkommen als sie
jetzt haben werden, dafür bekommen Oberärzte und leitende Oberärzte
deutlich mehr, die Ärzteschaft entfernt sich also auch im Altersaufbau
deutlich voneinander
* bislang saßen alle Fachärzte in einem Boot, spätestens wenn sie 5
Jahre in BAT IIa verbracht hatten, hatten alle nämlich BAT Ib, jetzt
hängt es vom Wohlwollen der Arbeitgeber ab, wer als Facharzt bezahlt
wird und wer nicht, die Facharztanerkennung der Ärztekammern
verkommt zur Bedeutungslosigkeit
* das Gefälle zwischen West und Ost wird deutlich erhöht
* man kann sich seines neuen Gehalts nicht sicher sein, in wirtschaftlich
schwachen Kliniken droht ein Abschlag von 10 %
* man ist sich auch nicht zu schade, offen Rechtwidriges in einen
Tarifvertrag hineinzuschreiben, die vorgeschlagenen
Zwangs-24-Stunden-Dienste entsprechen einer Ruhezeitverkürzung auf
Null, was ohne opt-out (neben dem Arbeitsvertrag getroffene
Vereinbarung auf Wunsch des Arztes) weder nach dem Arbeitszeitgesetz
noch nach der Europäischen Arbeitszeitrichtlinie möglich ist.

Dass ver.di so etwas unterschreibt, könnte ich aus den vorgenannten Gründen verstehen.
Dass der Marburger Bund wegen einer Gehaltserhöhung für unverheiratete und kinderlose Oberärzte aber die Grundprinzipien der Einheit der angestellten Ärzteschaft über Bord werfen will, halte ich für sehr bedenklich.
Ver.di wird allerdings die marginalen Verbesserungen, wie den Bereitschaftsdienstzuschlag von 25 % an Feiertagen (Sonntage zählen da nicht dazu), auch zur Unterschrift vorgelegt bekommen, so dass wir uns nach Auslaufen dieses Tarifvertrags sicher wieder darüber streiten dürfen, wer nun abschließt.

Wenn sich irgendwelche Wirklichen Vorteile in diesem TV gegenüber der jetzigen Situation finden lassen, wüssten wir gerne Wo?



Euer

Frank J. Reuther

Rugger
19.06.2006, 21:38
Was mich wundert, ist, wie wenig Beachtung der Tarifvertrag heute in den Medien findet. Habe nach ein paar Kommentaren zur Bewertung des Ganzen gesucht und schier gar nichts gefunden... Überraschend!

R.

DocScarpetta
20.06.2006, 09:01
Was mich wundert, ist, wie wenig Beachtung der Tarifvertrag heute in den Medien findet. Habe nach ein paar Kommentaren zur Bewertung des Ganzen gesucht und schier gar nichts gefunden... Überraschend!

R.Weil der Ball rund, und nach dem Spiel vor dem Spiel ist?

DocExitus
19.07.2006, 12:29
Wirklich ein "ganz großer Wurf", dieser sog. arztspezifische Vertrag. Wie sieht das in der Realität aus? Bislang wurde man als Einsteiger an der Uni nach BAT IIa bezahlt. Das sind etwa 3091 Euro brutto im Monat, macht netto Pi mal Daumen 1700 Euro. Dies bei einer 40h-Woche, in einem Monat = etwa 4 Wochen sind das 160 Stunden. Das heißt, man arbeitete für einen Nettostundenlohn von 10,63 Euro.

Nun bekommt man 3600 Euro brutto im Monat, macht Pi mal Daumen 1915 Euro netto, allerdings bei 42h pro Woche, macht im Monat 168 Stunden zu einem Nettostundenlohn von sage und schreibe 11,40 Euro.

Mit anderen Worten: Der Nettostundenlohn wurde um ganze 0,77 Euro angehoben. Wenn man sogar schon von der Ärzte-Gewerkschaft so dermaßen verarscht und im wahrsten Sinne des Wortes an ausbeutende Arbeitgeber verkauft wird, kann man eigentlich nur noch seine Sachen packen und aus Deutschland irgendwohin verschwinden, wo Akademiker mehr geschätzt werden... Man sollte der Politik vielleicht einmal sagen, daß es einfach nicht reicht, sich einen Wissensstandort immer nur herbeizuwünschen, wenn man ihn völlig umsonst haben will...

Doktor_No
19.07.2006, 12:45
und weil ich so überragend bezahlt werde sitze ich jetzt mal grade hier am rechner, leg meine beine hoch und rauch erstmal ne kippe, bevor mich wieder nervende schwestern, anghörige, schreibkram und launische oberärzte um meine akademischen hilfstätigkeiten bitten ;-)
realverarsche ist das alles!

alex1
19.07.2006, 17:45
Wirklich ein "ganz großer Wurf", dieser sog. arztspezifische Vertrag. Wie sieht das in der Realität aus? Bislang wurde man als Einsteiger an der Uni nach BAT IIa bezahlt. Das sind etwa 3091 Euro brutto im Monat, macht netto Pi mal Daumen 1700 Euro. Dies bei einer 40h-Woche, in einem Monat = etwa 4 Wochen sind das 160 Stunden. Das heißt, man arbeitete für einen Nettostundenlohn von 10,63 Euro.

Nun bekommt man 3600 Euro brutto im Monat, macht Pi mal Daumen 1915 Euro netto, allerdings bei 42h pro Woche, macht im Monat 168 Stunden zu einem Nettostundenlohn von sage und schreibe 11,40 Euro.

Mit anderen Worten: Der Nettostundenlohn wurde um ganze 0,77 Euroangehoben. Wenn man sogar schon von der Ärzte-Gewerkschaft so dermaßen verarscht und im wahrsten Sinne des Wortes an ausbeutende Arbeitgeber verkauft wird, kann man eigentlich nur noch seine Sachen packen und aus Deutschland irgendwohin verschwinden, wo Akademiker mehr geschätzt werden... Man sollte der Politik vielleicht einmal sagen, daß es einfach nicht reicht, sich einen Wissensstandort immer nur herbeizuwünschen, wenn man ihn völlig umsonst haben will...


Das ist aber nur deine Rechnung.

Ich bekomme als Assistent im zweiten Jahr:
2299,53 Euro Grundvergütung +
565,28 Euro Ortszuschlag +
114,60 Allgemeine Zulage.
Das macht 2979,41 Euro brutto. Und das bei 42 Stunden pro Woche.
Das heißt: 17,73 Euro pro Stunde brutto.

Nun soll ich 3800 Euro im Monat bei immer noch 42 Stunden bekommen.
Das heißt: 22,61 Euro pro Stunde brutto.

Das ist eine Gehaltssteigerung um 25% für mich.

Außerdem werden meine Stufe A Dienste, die bis jetzt nur mit 40% vergütet wurden demnächst mit 60% vergütet.
Das heißt wiederum 50% mehr Gehalt für meine Dienste.

Jeder muß das Ganze für sich berechnen und schauen inwiefern das Vorteile oder (sogar) Nachteile bringt. Ich gebe zu, daß ich ein Extremfall bin und im Vergleich zu meinen Kollegen, viel mehr Geld durch den neuen Vertrag bekommen werde.

actin
19.07.2006, 18:35
Ich bekomme als Assistent im zweiten Jahr:
2299,53 Euro Grundvergütung +
565,28 Euro Ortszuschlag +
114,60 Allgemeine Zulage.
Das macht 2979,41 Euro brutto.
Und was ist mit dem Weihnachtsgeld?

Mini-Doc
19.07.2006, 18:49
Hmm also für mich wird dieser Vertrag auch ne gewaltige Verarsche sein ....3260 brutto für ne 40 Stunden Woche....macht 39120+ 60v100 Wg=41076 brutto / Jahr........oder 21,39 € pro Stunde incl WG...... ( die 10-20 Überstunden pro Woche lass ich mal untern Tisch fallen, da sie " freiwillig" sind)
der neue Vertrag bietet mir 3600 pro Monat/ 43200 pro Jahr also 21,42 € pro Stunde .... also wo ist die Verbesserung ?

Oder man kann auch rechnen 2124€ mehr im Jahr und dafür 12 Tage mehr arbeiten/weniger Urlaub was etwa 22€ Stundenlohn entspricht....also alles in allem kein realer Lohzuwachs nur die Erlaubnis zu bezahlte Mehrarbeit.

Ich muß weiterhin 24h Dienste kloppen ,
bekommem immernoch kein Zuschlag sondern Abzüge für Nachtdienst, bekomme keine Überstunden bezahlt,
Rufdienste werden wegfallen, dafür dann Bereitschaft und dumm in der KLinik hocken weil sich keine Klinik mehr Ruf leisten kann,
bekomme immernoch keinen SA/SO Zuschlag sondern nur Feiertag......
habe nen schlechten Ruf weil jeder Prolet denkt ich bekomm 30%mehr
2008 wieder nur Inflationsausgleich oder ?

Alles in allem : Danke Marburger Bund für nix.... ich tret da glaub ich bald nach all den Jahren aus .....dafür ist mir meine Kohle zu schade..... :-kotz

Festus
19.07.2006, 22:18
Das Forscher ausgeklammert wurden finde ich eine Sauerei.

Offensichtlicher kann man doch sein Desinteresse an der Wissenschafts-Förderung nicht mehr zeigen. :-kotz

Und das heisst der Standort D geht weiter bergab. Wer macht den jetzt noch ein Jahr forschungsfrei :-nix

anna77
25.07.2006, 17:26
wollte mal ganz dumm nachfragen :-blush :
Gilt der neue Tarifvertrag jetzt ueberall und in allen Hausern in Deutschland, oder haben die privaten Hauser oder Unikliniken weiterhin ihre eigenen Vertraege?

Evil
25.07.2006, 17:40
Bisher gilt dieser Tarifvertrag einzig und allein für Unikliniken, weder für kommunale noch für kirchliche Häuser.

eatpigsbarf
25.07.2006, 18:57
Jo, und so steht da nun dieser neue Tarifvertrag ab dem 01.07 und in der Klinik steht nichtmal fest, ab wann wir Assistenten denn ueberhautp mit diesem erhoehten Satz bezahlt werden koennen. Fruehestens ab November... :-kotz

Davon mal abgesehen, dass der Klinikvorstand verlangt, dass das alles Budget-neutral vonstatten geht...

Ich glaub der ganzen Sache erst, wenn ich irgendwann mal (wahrscheinlich nicht vor Dez. diesen Jahres) die Abrechnung nach den Regeln des neuen Vertrags bei mir auf dem Konto vorfinde.

Tombow
25.07.2006, 23:01
Ihr seid mir lustig...in Zeiten einer Ärzteschwemme nen Job innehaben und dann noch übers Gehalt lästern...

Aber wenn Ihr schon am Ast sägen wollt, auf dem Ihr sitzt, viel Spaß beim runterfallen :-meinung

Evil
25.07.2006, 23:05
Wo... welche Ärzteschwemme? Allenfalls in Kinder und Augen, aber sonst...

Tombow
25.07.2006, 23:08
Evil, lebst du auf dem Mond?

Wenn der Chefarzt eines KHs im tiiiiiiiefsten Niederrhein in einem Fach, was weder Kinder noch Auge noch HNO heißt auf eine ausgeschriebene Stelle >20 Bewerbungen bekommt, kann man wohl schwer vom Ärztemangel sprechen.....oder darf ich dich daran erinnern, was aus deiner Stelle in der CHirurgie wurde?

Evil
25.07.2006, 23:14
Ich habe immer noch mehrere Häuser zur Auswahl, da mache ich mir überhaupt keine Sorgen.

Und was die von Dir erwähnte Stelle angeht, so haben besagte Bewerber bestimmt auch noch mindestens 20 weitere Bewerbungen geschrieben, außerdem werden momentan die meisten offenen Stellen gar nicht ausgeschrieben.

Tombow
25.07.2006, 23:15
Na gut, mit jemandem, der ne ellenlange Latte Publikationen in PNAS, JAMA, NEJM, The Lancet und Co. hat und daher mit links jede Stelle, die er haben will, mit links kriegt (es sei denn, da kommt EIN konkurrent, der ein Paper mehr hat oder 0,00001% bessere qualifikation), will ich mich nicht vergleichen.