Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Probleme bei Interruptiones
Simone_th
05.12.2006, 17:09
Natürlich, er ist in den meisten Fällen (etwa 96%) rechtswidrig. Aber weshalb werden Stellen für Schwestern und sonstige OTAs in der Gynäkologie nicht direkt dafür ausgeschrieben? Etwa man sucht explizit Mitarbeiterinnen, die bereit sind, an interrruptiones mitzuwirken, sondern stellt die Leute mal ein, fragt sie am Bewerbungsgespräch, ob sie "im Prinzip" ein Problem damit hätten (was viele um die Bewerbungschancen zu verbessern, mit Nein beantworten), und dann die Probleme erst später auftauchen?
Naja, man könnte ja noch einiges sagen, wie man unter Berücksichtung der persönlichen Befindlichkeiten die Arbeitseinsätze besser planen könnte, aber dafür sind angeblich "die andern" zuständig
Nun hab ich mal eine ganz andere (hoffentlich nicht dumme) Frage dazu:
Wie ist das eigentlich, wenn man Abbrüche, außer bei eng begrenzeten Indikationen, aus ethischen Gründen ablehnt: Kann man dann den FA für Gyn. nicht machen, weil das Beherrschen der Techniken für diese Abbrüche zum Weiterbildungskatalog gehört?
Frage: Muss man als Assistenzärztin für Gynäkologie Abtreibungen vornehmen? Ich meine, gehört das zum Facharztkatalog oder kann man aus Gewissensgründen ablehnen?
Für mich bedeutet das: Man muss sich vor einer Entscheidung für die Weiterbildung zum FA für Gyn. darüber klar sein, ob man auch bereit wäre, Abbrüche zu machen.
Simone_th
05.12.2006, 17:33
Wenn keine nicht anders abzuwendende Lebensgefahr besteht, darf niemand gezwungen werden, daran mitzuwirken (bzw. den Abbruch selbst durchzuführen) - in der Praxis ist aber ein bestimmter Druck da, sich nicht zu verweigern (was m.E. genauer geregelt werden sollte)
Aber wie sieht das mit der Anerkennung als FA für Gyn. aus. Ganz konkret: Kann man diesen FA machen, ohne jemals einen Abbruch gemacht zu haben?
Wenn keine nicht anders abzuwendende Lebensgefahr besteht, darf niemand gezwungen werden, daran mitzuwirken (bzw. den Abbruch selbst durchzuführen) - in der Praxis ist aber ein bestimmter Druck da, sich nicht zu verweigern (was m.E. genauer geregelt werden sollte)
Ja, das wundert mich eigentlich. Ich meine, ich bin noch längst nicht so weit. Abtreibungen stehe ich kritisch gegenüber und akzeptiere sie nur bei Vergewaltigungen und Todesgefahr für die Mutter. Und auch dann könnte ich niemals eine Abtreibung vornehmen. Nicht dass ich jetzt unbedingt Frauenärztin werden will, aber ich frag mich halt, ob eine Ablehnung aus Gewissensgründen wie von actin angedeutet einen im Prinzip nicht gerade in die Gynäkologie führen sollte.
Simone_th
05.12.2006, 17:39
Tendenziell ist es eher schwierig, mit der Ablehnung von Abtreibung in der Gynäkologie Fuss zu fassen, aber nicht unmöglich.
Das Problem ist, dass wenn jemand aus Gewissensgründen Abtreibungen ablehnt, steht er auch kritisch zu "abtreibend" wirkenden Verhütungsmitteln (Pille danach, Spirale, Pille) gegenüber (von der kath. Kirche wird die Verhinderung einer Nidation auch als Abtreibung gesehen), was ihn als Gynäkologen früher oder später in Teufels Küche bringt.
Da hast Du recht, für einen Gynäkologen würde ein weiträumiger Tätigkeitsbereich entfallen. Aber Ablehnung muss nicht nur kirchlich begründet sein. Für mich - das muss niemand für sich übernehmen - ist das Tötung, und auch wenn das z.B. bei Gefahr für das Leben der Mutter oder Vergewaltigung gerechtfertigt ist und ich das auch toleriere - durchführen könnte ich das nicht. Das widerspricht meinem Menschenbild, meinem Selbstbild als potentielle zukünftige Ärztin und meinetwegen auch meinem religiösen Selbstverständnis.
T
Das Problem ist, dass wenn jemand aus Gewissensgründen Abtreibungen ablehnt, steht er auch kritisch zu "abtreibend" wirkenden Verhütungsmitteln (Pille danach, Spirale, Pille) gegenüber (von der kath. Kirche wird die Verhinderung einer Nidation auch als Abtreibung gesehen), Soo eng sehen das auch gläubige Katholiken nicht.
Ich habe einige sehr gläubige Katholiken unter meinen Freunden (Ehepaare mit Kindern),
die zwar Abtreibungen strikt ablehnen, aber selbstverständlich Verhütungsmittel anwenden.
Simone_th
05.12.2006, 17:50
Das sind gerade die Fälle, die mich ein wenig aufregen, wenn die Menschen sich so ihre eigene Religion zusammenbasteln. Ich persönlich sehe es gleich wie die katholische Kirche, ein 5 Tage alter Embryo hat für mich den gleichen Stellenwert wie ein 11 wochen alter Fötus - nur ziehe ich andere Konsequenzen daraus. Somit sehe ich eine interruptio moralisch gesehen gleichwertig an, wie eine bewusste "Tötung" eines Embryos im Frühstadium durch hormonelle Mittel oder die Spirale.
Aber ist leider weit verbreitet - was ich nicht weiss, macht micht nicht heiss (weil eine Frau nie wissen kann, ob es unter Pille, oder PD zu einer Befruchtung gekommen ist)
Aber Ablehnung muss nicht nur kirchlich begründet sein. Für mich - das muss niemand für sich übernehmen - ist das Tötung, und auch wenn das z.B. bei Gefahr für das Leben der Mutter oder Vergewaltigung gerechtfertigt ist und ich das auch toleriere - Ich lehne Abtreibungen zwar in vielen Fällen ab, aber auch nicht aus kirchlichen Gründen ab (bin aus der Kirche ausgetreten).
Im Falle einer Schwangerschaft nach einer Vergewaltigung halte ich es aus psychologischen Gründen mit Rücksicht auf die Frau für vertretbar, und bei bestimmten medizinischen Indikationen.
Aber nochmal: Es müsste viel mehr getan werden, dass sich Frauen, die zu einer Beratung kommen, gegen einen Abbruch entscheiden. Hilfe (psychologische und notfalls auch finanzielle) während der Schwangerschaft und danach Unterstützung bei der Kindererziehung (auch wieder psychologisch und finanziell). Man müsste den Frauen bei der Beratung akzeptable Alternativen zuum Abbruch anbieten.
Mir fällt gerade der Name nicht ein, aber es soll eine Initiative katholische Laien geben, die sich für solche Alternativen einsetzt. Ich müsste da nochmal nachfragen.
Ich finde diese Einstellung aber nicht verwerflich. Mir geht es um das aktive Geschehen, das die Abtreibung darstellt. Ob Du die Pille nimmst oder Dich aktiv dafür entscheidest, Dein Baby zu entfernen, das ist für mich schon ein Unterschied, und zwar ein gewaltiger.
@Simone: Soweit ich weiß, nehmen meine Freunde Kondome oder Pille. ;-)
Ich finde diese Einstellung aber nicht verwerflich. Welche Einstellung? Die zu Verhütungsmitteln wie die Spirale?
@actin
Volle Zustimmung, es müsste mehr Alternativen geben. Allerdings sinkt die Zahl der Abtreibungen ja kontinuierlich, ironischerweise bewirkt die allgemeine und gesetzliche Akzeptanz der Abtreibung einen Umkehrtrend.
Donum vitae hieß die Organisation, zumindest denke ich, dass Du diese meinst.
EDIT:
Mit der Aussage, dass die Frau nie wissen kann, ob es zur Befruchtung gekommen ist mit der Pille etc. pp, ich bezog mich auf Simones Beitrag. Also die Einstellung: Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß. Vielleicht nicht frei von Heuchelei, aber Nichtwissen hilft einem manchmal beim Überleben.
@Roxane: Ja das könnte die Organisation sein.
Es geht mir (und auch meinen katholischen Freunden) nicht ums Prinzip, also nicht darum, ob das Verhindern der Nidation mit der Abtreibung eines Feten vergleichbar ist.
Es geht einfach darum, neues Leben so gut wie möglich zu schützen und zu erhalten und den Frauen dabei zu helfen.
Es ist egal, um welches Prinzip es geht. Wenn man Frauen hilft und sie unterstüzt und dadurch indirekt eine Alternative zur Abtreibung anbietet, dann hat man schon viel getan - unabhängig davon, ob man Abtreibung trotzdem akzeptieren würde oder nicht.
eatpigsbarf
05.12.2006, 18:10
Mal zurück zu der einen Frage weiter oben:
ganz banal gesagt, ist eine Abruptio von ärztlicher Seite kein großer Eingriff, insofern kann man problemlos seinen FA in Gyn machen, ohne jemals eine Abruptio gemacht zu haben.
Ehrlich gesagt: je nach Gestationsalter legt man entweder ein Zäpfchen oder man macht eine Nachtastung. Mit einer Cürette muß man als Gynäkologe einfach umgehen können (und ob das Ding jetzt stumpf oder scharf ist, ist von der Technmik her erstmal relativ egal), weil man öfter mal normale Ausschabungen z. B. bei unkl. Postmenopausenblutungen durchführen muß. Und sowas muß man können, denn das ist ein ziemlich häufiger Eingriff. Auch z. B. bei einem spontanen Abortus incompletus muß man eine Nachtastung machen, auch da holt man aus deem Uterus fetale Anteile, nur eben häufig von der werdenden Mutter ungewollt. Ist somit von der Technik her also kein Unterschied.
Und vaginale Zäpfchen muß man auch legen können. Vom reinen Prinzip her ist es also komplett egal, ob ich da Vagiflor oder z. B. ein Cergem-Zäpfchen einführe.
. Allerdings sinkt die Zahl der Abtreibungen ja kontinuierlich, ironischerweise bewirkt die allgemeine und gesetzliche Akzeptanz der Abtreibung einen Umkehrtrend.
Das ist mir neu. Gibts da genauere Angaben?
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