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alley_cat75
08.04.2007, 11:38
Was ist mit Aufklärungsgesprächen, Prämedikation anordnen?

Dafür haben die Anästhesisten einen extra Dienst, der den ganzen Tag durch`s Haus eilt und genau diese Dinge erledigt. Von einer Kollegin weiss ich, dass sie, wenn ihr Saal vor Dienstschluss fertig ist, sie dem Kollegen noch Gespräche, Prämedikation abnimmt. Alles in allem wirklich eine Frage der Organisation.

Kathibaby
08.04.2007, 13:54
Dafür haben die Anästhesisten einen extra Dienst, der den ganzen Tag durch`s Haus eilt und genau diese Dinge erledigt. Von einer Kollegin weiss ich, dass sie, wenn ihr Saal vor Dienstschluss fertig ist, sie dem Kollegen noch Gespräche, Prämedikation abnimmt. Alles in allem wirklich eine Frage der Organisation.
Und diese Organisation hängt vom Stellenschlüssel ab. Bei uns gibt es keinen Prämedikationsdienst, es muss von dem gemacht werden, der gerade mit seinen Narkosen fertig ist. Wir sind 2 Assistenzärzte, 2 Fachärzte, 2 OÄ und der CA. Zuständig für 3000 Narkosen im Jahr und eine ITS mit 7 Betten, die unter anästhesiologischer Leitung steht. Die anderen Fachdisziplinen kommen nur in der Frühvisite hinzu, aber die Arbeit machen wir. Wer soll da noch "nur" den Prämedikationsdienst übernehmen??

alley_cat75
09.04.2007, 09:17
Schon klar, dass das bei einem derart mageren Stellenschlüssel nicht funktionieren kann. :-nix Sollte aber sein, eigentlich...

Christoph_A
16.04.2007, 18:24
Arbeite in ner großen Kardiologie in Muc. Momentan haben wir mal wieder das Problem, daß 4 Stellen unbesetzt sind ( 2 Schwangere, eine gestrichene Stelle, eine ab 01.06. wiederbesetzte ) und deshalb dezent Überstunden anfallen. Hatte jetzt in 3 Monaten 95 dokumentiert. Die kriegt man dann auch anstandslos und kann sie auch immer irgendwie abfeiern, oder auszahlen lassen, auch wenn die Verwaltung da immer gern rumheult-aber die Drohung, sie einzuklagen, wirkt Wunder, seitdem wir das das erste Mal wirklich gemacht haben.
Man darf keine Scheu haben, sich für sein Recht einzusetzen-niemand hat es nötig, Überstunden für Lau zu machen!
Hab diese Woche erstmals seit drei Wochen wieder nen Kollegen auf meiner Stationsseite-hab in den drei Wochen 77 Patienten durchgeschleust-da erschrickt man immer erst, wenn man den Briefstapel bei seinem OA abgibt :-))

Kathibaby
16.04.2007, 20:28
Also ich kriege gerade die Krise, hab meinen Dienstplan für Mai bekommen und tatsächlich jedes WE Dienst und dann auch noch 3 Samstage hintereinander und Pfingsten Samstag und Montag. Im April hab ich auch schon das letzte WE Dienst. Dafür auch nur einen läppischen Freizeitausgleich -an meinem Geburtstag, da hab ich drum betteln müssen- Ich könnte echt :-kotz . Darf man sowas überhaupt mit einem machen?!

Christoph_A
16.04.2007, 22:06
Wer macht denn bei euch die Dienstpläne? Also, ich würd austicken, wenn das einer mit mir machen würde....oder seid ihr so wenige im Mai?

Robbi702
17.04.2007, 16:17
Ich hoffe, ich darf mal eine Frage stellen, auch wenn ich kein Assistenzarzt bin.. ;) und zwar habe ich von einem EU-Gesetz gehört, das die Arbeitszeit begrenzt. Hat sich seit Einführung dieses Gesetzes irgendetwas bei den Arbeitszeiten getan?
Wenn man mal kein Assistenzarzt mehr ist, hat man dann immer noch diese horrenden Arbeitszeiten?

stuff
17.04.2007, 21:24
Bin auch kein Arzt, aber ein Bekannter von mir ist Oberarzt und der ist ganz schön viel mit seinen Hintergrund-Diensten beschäftigt. In letzter Zeit noch deutlich mehr, da momentan nur 60% der eigentlich dafür geplanten zur Verfügung stehen.

alley_cat75
17.04.2007, 21:55
... Arbeitszeit begrenzt. Hat sich seit Einführung dieses Gesetzes irgendetwas bei den Arbeitszeiten getan? ...

*dreimalaufdieschenkelklopf* Das Gesetz steht eigentlich nur auf dem Papier. Ich musste bei Einstellung unterschreiben, dass ich mit Bereitsschaftsdiensten bis zu 56 h/Woche einverstanden bin. Illegal, aber was soll man tun. Zum Glück musste bisher niemand so lange bei uns arbeiten, aber sind 2 krank oder im Urlaub, wird es spannend. Dann ist nichts mehr mit Dreischichtsystem...

tarumo
18.04.2007, 08:46
Nach dem neuen AZG ist ja eine DURCHSCHNITTLICHE Wochenarbeitszeit von 60h zulässig. Durchschnittlich heißt, dass da ohne weiteres auch der Urlaub oder die Wochenenden mit eingerechnet werden können, je nach Lust und Laune der Verwaltung.
Dann gibt es ja noch den opt-out mit 80 oder noch mehr Stunden.
Wer glaubt, der Marburger Bund hätte irgendeine Verbesserung erzielt, dem ist nicht mehr zu helfen. Es wundert auch nicht wirklich bei einer Organisation, deren Chef der nächste Präsident der Bundesärztekammer werden will und viele CA seit jeher Mitglied sind.
Ich persönlich schmeiße nach diesem Fiasko denen nicht auch noch mein sauer verdientes Geld hinterher.
Übrigens, wenn man nach 23h Dienst immer noch im OP steht und es geht was schief, dann sind Verwaltungsleiter, CA und der MB gaaanz weit weg.

Ehemaliger User 20130505
18.04.2007, 09:49
Nach dem neuen AZG ist ja eine DURCHSCHNITTLICHE Wochenarbeitszeit von 60h zulässig.
Durchschnittlich heißt, dass da ohne weiteres auch der Urlaub oder die Wochenenden mit eingerechnet werden können, je nach Lust und Laune der Verwaltung.

Dann gibt es ja noch den opt-out mit 80 oder noch mehr Stunden.

:-???

Also, nach der EU-Richtlinie sind es ohne opt-out durchschnittlich maximal 48 Wochenstunden und mit opt-out lassen die TV-Ä des MB bis zu durchschnittlich 66 Wochenstunden zu.:-stud

Ehemaliger User 20130505
18.04.2007, 10:28
Unikliniken:
http://www.marburger-bund.de/marburgerbund/bundesverband/unsere_themen/tarifpolitik/tdl/TV-Aerzte.pdf




Regelmäßige durchschnittliche Wochenarbeitszeit: 42 Stunden...


....wöchentliche Arbeitszeit bis zu maximal durchschnittlich 58 Stunden in der Bereitschaftsdienststufe I

... bis zu maximal durchschnittlich 54 Stunden in der Bereitschaftsdienststufe II

Durch Tarifvertrag auf Landesebene kann in begründeten Einzelfällen
eine durchschnittliche wöchentliche Höchstarbeitszeit von bis zu 66 Stunden vereinbart
werden.

Für die Berechnung des Durchschnitts der wöchentlichen Arbeitszeit
ist ein Zeitraum von einem Jahr zugrunde zu legen.

Kommunale Kliniken:

http://www.marburger-bund.de/marburgerbund/bundesverband/unsere_themen/tarifpolitik/vka/TV-Aerzte_VKA.pdf




Regelmäßige durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit: 40 Stunden...

Wenn in die Arbeitszeit regelmäßig und in erheblichem Umfang Bereitschaftsdienst
fällt, kann im Rahmen des § 7 Abs. 2a ArbZG und innerhalb der Grenzwerte
nach den Absätze 2 und 3 eine Verlängerung der täglichen Arbeitszeit
über acht Stunden hinaus auch ohne Ausgleich erfolgen.

Die wöchentliche Arbeitszeit
darf dabei durchschnittlich bis zu 60 Stunden betragen.

Durch Tarifvertrag
auf Landesebene kann in begründeten Einzelfällen eine durchschnittliche
wöchentliche Höchstarbeitszeit von bis zu 66 Stunden vereinbart werden.

tarumo
18.04.2007, 14:42
Bei einer durchschnittlichen Arbeitszeit von 66/h und 52 Wochen sind wir bei 3432 h/a. Rechnet man (mit Glück) fünf Wochen Urlaub weg, dann kann man völlig legal 47 Wochen lang jeweils 73h arbeiten, ohne das Gesetz zu verletzen. Bei einer Sechstagewoche sind das jeden Tag 12h, bei einer Fünftagewoche 14h. Die Nachtdienste, die nur zu 50 bzw. 70% zählen, nicht berücksichtigt, ebenso nicht „gefühlte“ Mehrarbeit im KH durch Lehre, Fortbildung, Forschung etc.
Bei diesen Zahlen würde man bei LKW-Fahrern auch nicht mehr Geld- sondern schon Freiheitsstrafen verhängen. Und die Haftpflicht könnte Vorsatz unterstellen.

Daß man mit in der Tasche geballter Faust akzeptiert, von der Politik und vermeintlichen Interessenvertretern in die Pfanne gehauen zu werden, ist die eine Sache. Daß man solche Zustände völlig normal findet bzw. schönredet, ist die andere Sache. Immerhin haben 87% zugestimmt. Oder hat sich keiner vorher informiert?

Aber es ist ja auch völlig normal, die „praktische supervidierte Ausbildungsetappe“ am Ende des Studiums für lau zu absolvieren, während jeder 15-jährige Azubi frisch von der Schule während seiner „Ausbildungsetappe“ ein paar hundert Euro einstreicht (und auch während der Berufsschulzeit, wo er überhaupt nicht im Betrieb ist)

Mirona
18.04.2007, 15:06
Tja, ;o) Mediziner haben halt ne interessante Arbeitsmoral.........;O)
Live erlebt..... PJler nachdem er all seine Tertiale absolviert hat würde rückblickend die Arbeitsmoral des Betreuers, die sich für das Blutabnehmen bedankt, ihm geholfen hat,ihm nie das Gefühl gab zu stören und sich für ihn und die Patienten Zeit genommen hat KRITISCH BEWERTEN.............;O)
Mich wunderts nicht mehr, daß es in der Medizin so läuft wie es läuft....... :-notify :-wow

Ehemaliger User 20130505
18.04.2007, 15:25
Aber es ist ja auch völlig normal, die „praktische supervidierte Ausbildungsetappe“ am Ende des Studiums für lau zu absolvieren, während jeder 15-jährige Azubi frisch von der Schule während seiner „Ausbildungsetappe“ ein paar hundert Euro einstreicht (und auch während der Berufsschulzeit, wo er überhaupt nicht im Betrieb ist)Wenn Dir das stinkt, solltst Du Dich meiner Initiative zur Abschaffung des unbezahlten PJ anschließen:

http://www.medi-learn.de/medizinstudium/foren/showpost.php?p=495741&postcount=165

Ehemaliger User 20130505
18.04.2007, 16:39
Die Nachtdienste, die nur zu 50 bzw. 70% zählen,Auch bei diesen Zahlen bist Du anscheinend nicht ganz up to date;-):

Bereitschaftsdienste an Unikliniken laut TV-Ä/TdL:

http://www.marburger-bund.de/marburgerbund/bundesverband/unsere_themen/tarifpolitik/tdl/TV-Aerzte.pdf

Bereitschaftsdienststufe I:
Arbeitsleistung: 0 bis 25 Prozent
Bewertung als Arbeitszeit: 60 Prozent

Bereitschaftsdienststufe II:
Arbeitsleistung: mehr als 25 Prozent bis 49 Prozent
Bewertung als Arbeitszeit: 95 Prozent



Bereitschaftsdienste an kommunalen Krankenhäusern laut TV-Ä/VKA:

http://www.marburger-bund.de/marburgerbund/bundesverband/unsere_themen/tarifpolitik/vka/TV-Aerzte_VKA.pdf

Bereitschaftsdienststufe I:
Arbeitsleistung: 0 bis 25 Prozent
Bewertung als Arbeitszeit: 60 Prozent

Bereitschaftsdienststufe II:
Arbeitsleistung: mehr als 25 Prozent bis 40 Prozent
Bewertung als Arbeitszeit: 75 Prozent

Bereitschaftsdienststufe III:
Arbeitsleistung: mehr als 40 Prozent bis 49 Prozent
Bewertung als Arbeitszeit: 90 Prozent


p.s.: Ich bin weder Mitglied noch Fan des MB :-angel

Kathibaby
18.04.2007, 16:55
Bereitschaftsdienste an kommunalen Krankenhäusern:

Bereitschaftsdienststufe I:
Arbeitsleistung: 0 bis 25 Prozent
Bewertung als Arbeitszeit: 60 Prozent

Bereitschaftsdienststufe II:
Arbeitsleistung: mehr als 25 Prozent bis 40 Prozent
Bewertung als Arbeitszeit: 75 Prozent

Bereitschaftsdienststufe III:
Arbeitsleistung: mehr als 40 Prozent bis 49 Prozent
Bewertung als Arbeitszeit: 90 Prozent


p.s.: Ich bin weder Mitglied noch Fan des MB :-angel
Das stimmt so leider nicht ;-) . Schon mal was vom Brandenburger Weg gehört?! Also ich muss im Jahresschnitt 54 Stunden pro Woche arbeiten und werde nach TVÖD-Ost Stufe 14 bezahlt, also nix TVÖD-Ä und schon gar nicht werden die Bereitschaftsdienste nach TVÖD-Ä bezahlt, sondern wie früher auch, nämlich fast gar nicht, da wir mit 40% Bereitschaftsdienststufe C sind :-dagegen .

Ehemaliger User 20130505
18.04.2007, 17:09
Das stimmt so leider nicht ;-) .Unter 'Unikliniken' sind das die Zahlen aus dem TV-Ä/TdL, der für Ärzte an Unikliniken gilt, die dort überwiegend in der Patientenversorgung tätig sind und beim Land angestellt sind.

Den Link zu diesem Tarifvertrag hatte ich bereits in meinem Beitrag von heute früh gepostet.

Die Zahlen zu Bereitschaftsdiensten an 'kommunalen Kliniken' stammen aus dem TV-Ä/VKA; sie gelten für Ärzte an kommunalen Kliniken, die der VKA angeschlossen sind. Den Link dazu hatte ich ebenfalls bereits heute früh gepostet.

Auch im Tarifvertrag zwischen dem MB und Helios stehen bei den BD solche Zahlen. Ich hab' jetzt keine Lust, hier die Zahlen aus allen MB-TV-Ä zu posten. Vielleicht heute Nacht :-))



Schon mal was vom Brandenburger Weg gehört?! Also ich muss im Jahresschnitt 54 Stunden pro Woche arbeiten und werde nach TVÖD-Ost Stufe 14 bezahlt, also nix TVÖD-Ä und schon gar nicht werden die Bereitschaftsdienste nach TVÖD-Ä bezahlt, sondern wie früher auch, nämlich fast gar nicht, da wir mit 40% Bereitschaftsdienststufe C sind :-dagegen .Da bin ich ebenfalls :-dagegen und ich würde mir an Deiner Stelle ganz schnell ein anders Krankenhaus suchen. Für mich käme übrigens nur eines mit einem Schichtdienstmodell infrage.:-)

Edit: Seite mit Links zu allen TV-Ä des MB (http://www.marburger-bund.de/marburgerbund/bundesverband/unsere_themen/tarifpolitik/tarifvertraege.php).

docmoechtegern
18.04.2007, 17:29
Je mehr ich hier über die Arbeitszeiten und Bezahlung der Ärzte lese, desto mehr Zweifel kommen mir, ob ich wirklich Medzin studieren sollte. Und ich frage mich, weshalb so viele bei diesen miesen Berufsaussichten jahrelang auf einen Studienplatz warten.:-nix

alley_cat75
18.04.2007, 17:33
Je mehr ich hier über die Arbeitszeiten und Bezahlung der Ärzte lese, desto mehr Zweifel kommen mir, ob ich wirklich Medzin studieren sollte. Und ich frage mich, weshalb so viele bei diesen miesen Berufsaussichten jahrelang auf einen Studienplatz warten.:-nix

Die Berufsaussichten an sich sind gar nicht mies. :-meinung Es ist ein toller Job, in dem man sich selbst viel einbringen kann und es ist wirklich ein erhebenes Gefühl, einem Patienten durch Genesung ein Lächeln ins Gesicht gezaubert zu haben. Die Bezahlung allein sollte Dich nicht abschrecken. Die Anzahl der Häuser mit vernünftiger Personalpolitik und moderaten Arbeitszeiten wächst - wenn auch langsam, aber es gibt sie. Ich komme jeden Tag pünktlich raus und nage finanziell nun wirklich nicht am Hungertuch.