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funny
27.03.2008, 13:47
Sag ich doch: Die Tendenz, dass es schlimmer ist als wir denken, ist da.

Apropos Medien und ihre Macht. Was Stern da gerade mit Lidl macht ist auch nicht so astrein. Stern hat etwas aufgedeckt. Wow, stimmt´s diesmal? Was Medien an Rufschädigung und Desinformation begehen, ist wirklich schlimm.

synosoph
27.03.2008, 13:51
Sag ich doch: Die Tendenz, dass es schlimmer ist als wir denken, ist da.
Ist mir jetzt echt schleierhaft, wie du einen eher ausgewogenen Bericht, der auch darauf hinweist, dass es eine andere Sicht auf die Ausschreitungen gibt, dermaßen verdreht wahrnehmen kannst. :-?

Hier ist übrigens noch ein interessantes Blog von einem Augenzeugen in Tibet. Weder Bilder noch Bericht sprechen von den allseits unterstellten Exzessen der chinesischen Sicherheitskräfte.
http://kadfly.blogspot.com/2008/03/lhasa-burning.html

funny
27.03.2008, 13:53
Ist mir jetzt echt schleierhaft, wie du einen eher ausgewogenen Bericht, der auch darauf hinweist, dass es eine andere Sicht auf die Ausschreitungen gibt, dermaßen verdreht wahrnehmen kannst. :-?

Hier ist übrigens noch ein interessantes Blog von einem Augenzeugen in Tibet. Weder Bilder noch Bericht sprechen von den allseits unterstellten Exzessen der chinesischen Sicherheitskräfte.
http://kadfly.blogspot.com/2008/03/lhasa-burning.html


Augenzeugen sagen IMMER die Wahrheit und sind eine vertrauliche Quelle. :-peng Keine Quelle ist 100 % vertraulich. Das weiß ich schon lange! Brauchst du mir nicht zu sagen.

synosoph
27.03.2008, 13:55
Augenzeugen sagen IMMER die Wahrheit und sind eine vertrauliche Quelle. :-peng Keine Quelle ist 100 % vertraulich. Das weiß ich schon lange! Brauchst du mir nicht zu sagen.
Wo hab ich das behauptet?

synosoph
03.04.2008, 15:18
Aus der Wochenzeitung "Freitag 14":


Klischees schauen sich an

TIBET. Falsche Tibeter und wahre Mönche - über den Umgang mit den Bildern im Tibet-Konflikt

Über die aktuelle Situation in Tibet weiß man so gut wie nichts. Und will gerade deswegen möglichst alles darüber erfahren, die Zeitungsartikel wie Fragen häufen sich mit jedem Tag. Fliegen Steine, sausen Knüppel, fliegen Kugeln? Aus wessen Händen, wessen Gewehren? Wer hat diesmal damit angefangen? Und wer ist hier überhaupt - wie man so schön sagt: im Recht? [...]

Der ganze Artikel hier: http://www.freitag.de/2008/14/08140102.php

Aus dem Feuilliton der FAZ vom 3.4.08:


Tibet
Vom Fluch des Phantasmas

Von Mark Siemons, Peking

03. April 2008 Die Unruhen in Tibet haben der Weltöffentlichkeit auch einen Konflikt innerhalb des tibetischen Exils zu Bewusstsein gebracht: Teile des „Tibetischen Jugendkongresses“ geben sich, vor allem unter dem Einfluss von Landsleuten aus Amerika, seit Jahren nicht mehr mit dem „mittleren Weg“ des Dalai Lama zufrieden. Sie verlangen nicht bloß kulturelle Autonomie, sondern nationale Unabhängigkeit, und sie schließen das Mittel der Gewalt ausdrücklich nicht aus. [...]

Zum ganzen Artikel (http://www.faz.net/s/RubCF3AEB154CE64960822FA5429A182360/Doc~E68ACE93365E049EFB963B1A5903903DF~ATpl~Ecommon ~Scontent.html)

Im übrigen lege ich jedem ans Herz, sich einmal den Bericht von CCTV anzuschauen. Wenn wir uns ein Urteil bilden wollen über das, was wirklich passiert ist, dann sollten wir so fair sein und beide Seiten anhören. Der Bericht zeigt Bilder, die wir nicht zu sehen bekamen: Brandstiftungen, Angriffe auf Zivilisten, ein Mob der sogar Polizisten in Bedrängnis bringt. Wenn unsere "freien" Medien nur an der Wahrheit interessiert sind, wäre es dann nicht das Mindeste die Ereignisse genau zu recherchieren, zu rekonstruieren oder zumindest das zu zeigen, was verfügbar ist?

Und noch einmal: Kritik an der westlichen Medienkampagne rechtfertigt nicht die chinesische Politik in Tibet. Das muss man schon auseinander halten.

http://www.youtube.com/watch?v=4Z_prFMROC8

Simone_th
09.04.2008, 18:31
Wenn man die Entwicklung der letzten Tage sieht, kommen ja wieder ganz andere Fragen auf. Erstens das Beharren auf Menschenrechte, geplante Aktionen von Sportlern, auf Menschenrechte in China aufmerksam zu machen. Weshalb kommen die Menschenrechte erst jetzt nach den Unruhen in Tibet so ins Gespräch? Wo waren all die Gutmenschen, als man Firmenchefs applaudierte, wenn sie wieder mal einige Hundert Arbeitsplätze nach China verlagert haben, und von der Unterdrückung der Menschenrechte (=senkt die Kosten der menschlichen Arbeitskraft) profitiert haben? Weshalb jetzt in der Tibetfrage?

Zweitens, was wollen die Tibeter? "Menschenrechte"? Autonomie? Ein unabhängiges Tibet? Ein mit dem Westen verbündetes Tibet? Einen Staat Tibet, der auch Teile anderer chinesischen Provinzen beinhaltet? Wer sind "DIE Tibeter", die demonstrieren? Das Volk? Eine Kaste buddhistischer Mönche? Vertreten sie wirklich das Ansinnen der Mehrheit der in Tibet lebenden Menschen?

Drittens die Macht der Bilder. Die armen unterdrückten Tibeter... aber sorry, als ich gesehen habe wie sie in Paris eine im Rollstuhl sitzende Fackelträgerin attackiert haben, ging mir wohl noch der letzte Rest an Sympathie für die Demonstranten verloren. Wie kann jemand Menschenrechte fordern, der nicht einmal Halt vor Angriffen gegen die schwächsten Glieder der Gesellschaft Halt macht?

funny
10.04.2008, 11:07
Wenn man die Entwicklung der letzten Tage sieht, kommen ja wieder ganz andere Fragen auf. Erstens das Beharren auf Menschenrechte, geplante Aktionen von Sportlern, auf Menschenrechte in China aufmerksam zu machen. Weshalb kommen die Menschenrechte erst jetzt nach den Unruhen in Tibet so ins Gespräch? Wo waren all die Gutmenschen, als man Firmenchefs applaudierte, wenn sie wieder mal einige Hundert Arbeitsplätze nach China verlagert haben, und von der Unterdrückung der Menschenrechte (=senkt die Kosten der menschlichen Arbeitskraft) profitiert haben? Weshalb jetzt in der Tibetfrage?

Zweitens, was wollen die Tibeter? "Menschenrechte"? Autonomie? Ein unabhängiges Tibet? Ein mit dem Westen verbündetes Tibet? Einen Staat Tibet, der auch Teile anderer chinesischen Provinzen beinhaltet? Wer sind "DIE Tibeter", die demonstrieren? Das Volk? Eine Kaste buddhistischer Mönche? Vertreten sie wirklich das Ansinnen der Mehrheit der in Tibet lebenden Menschen?

Drittens die Macht der Bilder. Die armen unterdrückten Tibeter... aber sorry, als ich gesehen habe wie sie in Paris eine im Rollstuhl sitzende Fackelträgerin attackiert haben, ging mir wohl noch der letzte Rest an Sympathie für die Demonstranten verloren. Wie kann jemand Menschenrechte fordern, der nicht einmal Halt vor Angriffen gegen die schwächsten Glieder der Gesellschaft Halt macht?

1. Du gibst dir die Antwort eigentlich selbst auf deine Frage, wo die "Gutmenschen" (was ist da eigentlich und warum klingt das Wort so abwertend?) vorher waren. Nicht in der öffentlichen Wahrnehmung nämlich, weil die Medien ihre Kameras nicht draufhielten. Die Macht der Bilder, wie du schon sagst. Und die Tibeter sind jetzt viel aktiver als früher, weil sie wissen, dass die Kameras nun wegen Olympia draufhalten werden. Menschenrechte wurden in China doch immer schon eingefordert und FREE TIBET ist doch schon seit Jahrzehnten eine Forderung. Es ist halt einfach jetzt aktueller, aktiver als noch bis vor einigen Monaten. Aber diese Proteste gab es schon immer von verschiedensten Gruppen, Gemeinschaften und Staaten (inklusive Hollywood-Stars)

2. Wo die "Gutmenschen" alle waren, als man Firmenchefs applaudierte? Sie haben das gemacht, was sie immer machen - demonstriert. Ist nur mal wieder nicht die Kamera so sehr draufgehalten worden wie momentan. Deshalb hast du es nicht gesehen. Aber warum denn keine Arbeitsplätze in China schaffen? Verstehe es doch bitte so, wie es die meisten verstehen: a) Mit China ist gut Geschäft zu machen (ca. 5 Millionen deutsche Arbeitsplätze hängen direkt oder indirekt mit dem Export/Import nach China zusammen) und b) wirtschaftliche Öffnung ist IMMERHIN schon eine Öffnung. Es ist nicht völlig naiv anzunehmen, dass eine politische Öffnung zeitverzögert folgt. China einfach völlig isolieren? Wirtschaftlich und politisch? Völlig ausschließen? Wäre das deine Strategie?

3.Dass einige Tibeter gewaltbereit sind - wundert dich das? Es gibt immer gewaltbereite, aggressive Menschen. Das ist zu verurteilen, aber es kommt wohl in den friedlichsten Völkern vor. Der Dalai Lama hat das Verhalten dieser Tibeter auch verurteilt. Aber HERRJEH: Dass man nach Jahren der Unterdrückung ebenfalls mal gewaltbereit ist, ist das nicht menschlich verständlich? Entschuldige bitte, aber nicht jeder hält beim ersten Schlag auch noch die zweite Wange hin.

4. Was Tibet will: Soweit ich informiert bin, will der Dalai Lama keinen eigenständigen Staat, sondern das Ende der Unterdrückung, Demütigung etc. Er ist auch mit einer chinesisch gelenkten Wirtschaftsstrategie Tibets einverstanden. Stand im dieswöchigen Spiegel. Kaufen und lesen und am besten noch weitere Quellen hinzuziehen.

China hat Paranoia, dass andere Regionen die ähnlich unzufrieden (und unterdrückt) sind ebenfalls nach Eigenständigkeit streben, wenn China bzgl. Tibet "die Zügel lockerer lässt". Deshalb diese mittelalterliche Härte.

Und nun erkläre mir doch bitte, was ein Gutmensch ist?

Avalanche
10.04.2008, 23:59
Das Argument zieht nicht, weil es bei den olympischen Spielen in China nicht nur um den Sport geht und man bei einem Boykott die Politik ins Spiel würde, sondern es geht China in erster Linie darum, ein gutes Bild abzugeben, die weltoffene und fortschrittliche asiatische Supermacht, die im Gegensatz zu sagen wir den USA auf Kooperation und friedliche Konfliktlösungen aus ist. Das wäre die Botschaft, die die chinesische Führung gern in der Welt verbreitet sehen möchte. Und daher ist das Argument "kein Boykott, sonst wirds politisch", sehr kurzsichtig.

Naja, dass China dies alles nicht ist, bestätigt es schon seit mehr als 50 Jahren und hat es in den letzten Wochen erst wieder bestätigt.
Wer meint, dass er dort - wozu eigentlich? - protestieren müsste, soll das tun, die chinesische Führung wird das so viel beeindrucken, wie der berühmte Sack Reis ...

Aber dann hat der Protestierer seinem demokratischen Gewissen genüge getan, für die Menschen in China ändert sich dadurch exact null und kaum sind wir wieder zuhause, dürfen wir uns mit Vorratsdatenspeicherung, wildem einscannen unserer Kfz Kennzeichen und ähnlichen Scherzen amüsieren.

Mir scheint manchmal, dass bei dem ganzen China Getöse eine ganz andere Sau durch die Gassen getrieben werden soll und es ist keine chinesische.
Eine tibetische isses auch nicht, denn wo wurde bis vor Kurzem denn gross von Tibet geredet? Wo waren sie denn die ganzen plötzlich aus dem westlichen Boden geschossenen Demokraten und Freiheitskämpfer für Tibet?

Ich war in den letzten 10 Jahren 5mal in Tibet. Soweit ich das irgend beurteilen konnte, war die chin Besetzung für manche Tibeter - nämlich die wenigen, die davon profitieren, die gibts ja auch - ok, für die meisten sehr schwierig, für einige maximal grausig. Hat hier nur immer keine Sau interessiert. Nur wenn der Dalai Lama mal wieder auf Tour war, gabs Betroffenheit gratis. Ist ja nicht so, dass Tibet erst seit gestern unter der Knute ist ...

Also, wer meint, für ein "besseres China" demonstrieren zu müssen soll das tun, besser wird es erst ganz genau dann, wenn die Chinesen das selbst in die Hand nehmen - wie auch nicht anders zu erwarten und möglich.

Ich glaube das ganze Geschrei ist mehr oder weniger proportional zur Angst oder narzisstischen Kränkung, die uns diese ganzen aufstrebenden asiatischen Nationen zufügen und im besonderen China: Vor kurzem noch "unterentwickelt" rollen die nun das Feld auf und machen das ganz genau so wie sie es für richtig halten und kümmern sich einen feuchten Dreck darum was wir davon halten oder denken. Und die haben recht damit. Denn ganz genau so, haben wir, der "Westen", es sehr lange Zeit mit dem Rest der Welt gemacht und uns vor allem einen extrem feuchten Lehm um "Menschenrechte" und "Würde" und all diese komischen Dinge, die angeblich so wertvoll sind, gekümmert.
Fazit: Ich glaube nicht, dass es viele Lektionen gibt, die China da von uns zu lernen hätte, geschweige dies überhaupt wollte, das letztere ist das wichtigere.

Im übrigen schliesse ich mich den Foristen an die weiter vorne schon angemerkt hatten, dass man all dies über China und Tibet schon lange vor den jetzigen Ereignissen wusste und sich jetzt über nix zu wundern braucht.

Das einzige was *mich* eines ums andere mal wundert ist dieser stocknaive Westen, der immer noch davon träumt, seine Errungenschaften (oder das was er dafür hält) - diesmal die Demokratie - irgendwie "exportieren" zu müssen. Es ist fast zum Lachen.

ciao, Avalanche

synosoph
11.04.2008, 14:11
Menschenrechte? Leute, es geht hier um Geopolitik! Menschenrechte sind doch nur die Verpackung. Auf der Welt gibt es schlimmere Unterdrückung, darauf wird aber der Fokus nur dann gerichtet, wenn es sich in einem Machtkampf instrumentalisieren läßt. Ist euch schon mal aufgefallen, dass die westlichen Medien - so wie die chinesischen natürlich auch - jede Unparteilichkeit und Gerechtigkeit beseite gelegt haben? Es wird gar nicht mehr beobachtet, dokumentiert, sachlich abgewogen, sondern nur noch (vor-)verurteilt, Stimmung gemacht, emotionalisiert.

Man könnte fast meinen, wir haben vergessen, was 1914 passierte.

funny
11.04.2008, 15:18
Menschenrechte? Leute, es geht hier um Geopolitik! Menschenrechte sind doch nur die Verpackung. Auf der Welt gibt es schlimmere Unterdrückung, darauf wird aber der Fokus nur dann gerichtet, wenn es sich in einem Machtkampf instrumentalisieren läßt. Ist euch schon mal aufgefallen, dass die westlichen Medien - so wie die chinesischen natürlich auch - jede Unparteilichkeit und Gerechtigkeit beseite gelegt haben? Es wird gar nicht mehr beobachtet, dokumentiert, sachlich abgewogen, sondern nur noch (vor-)verurteilt, Stimmung gemacht, emotionalisiert.

Man könnte fast meinen, wir haben vergessen, was 1914 passierte.

Falsch. Die westlichen Medien auf eine Stufe mit den chinesischen Medien zu stellen, ist schlichtweg falsch und auch gemein. Ja, auch im Westen bekommen wir interpretierte Versionen der Gegenwart zusammengeschnitten von Journalisten geliefert. Westliche Medien unterliegen hingegen keiner staatliche verordenteten Pressezensur so wie dies bei den chinesischen Medien der Fall ist, die schlicht und ergreifend ihr chinesisches Publikum NICHT über die Ausschreitungen informieren und Bildschirme schwarz werden lassen..

Und wer hier Stimmung macht, vorverurteilt, unsachlich berichtet und hysterische emotionalisiert - das sind ja wohl die Chinesen. Wenn jetzt ein paar Freiheitsberauschte Tibeter (unterstützt von Millionen westlichen Sympathisanten) ähnlich emotional sind - ein Ventikel eben.

Und entschuldige bitte. Wenn vor mir eine Mutter ein Kind zusammenprügelt, werde ich auch emotional, gehe hin, verteidige das Kind, MISCHE mich ein, zeige die Mutter je nach möglicher Diskussion mit ihr eventuell der Kindesmißhandlung an und bin nicht sachlich-rational wie bei der Lösung einer Kurvendiskussion im Mathe-LK. Ich kann verstehen, dass Hysterie in den Medienbildern immer Skeptizismus ( zu Recht) hervorruft, aber prügelnde chinesische Militärs sehen wir ja nicht erst jetzt beim Fackellauf für Olympia. Übrigens sollene einige Sportveranstaltungen auf Plätzen stattfinden, in denen früher staatlich verordnete Massenexekutionen von Systemkritikern stattgefunden haben.

Es gibt in Diskussionen immer die Tendenz, 100 % auf Seiten der "Guten" (in diesem Fall Tibeter) zu sein oder mit den Chinesen zu sympathisieren und dem Westen vorzuwerfen, China zu dämonisieren. Doch Vorsicht. China dämonisiert den Dalai Lama fast schon in pathologischer Schwarz-weiß Malerei. Die Tibeter SIND die Unterdrückten und die Chinesen die Unterdrücker. Das ist keine Meinung, sondern FAKT. Mit gewaltbereiten zu verurteilenden SChlägern auf beiden Seiten. Aber nachdem Tibet so viel zu erleiden hatte, verstehe ich das Verständnis für das harsche, harte und brutale Eingreifen der Chinesen nicht.

Wenn man China ein Zeugnis schreiben müsste, sehe dies meiner Meinung so aus:

Wirtschaft bzw. der Weg dahin: 1-2 (inklusive roher, menschenverachtender Ausbeutung der eigenen Han-Chinesen)
Achtung der Menschenrechte: 5-6
Demokratische Strukturen: 5
Tourisumus: 3
Liebe zu den Menschen: 5-6 (falls uneffizienter Mensch) und 1-2 bei den junge, reichen Investmentbankern, die der Wirtschaft zum Aufschwung verhelfen und sich schön brav aus allem raushalten.

ERGO: China hat noch eine lange Entwicklung vor sich, die es schmerzhaft zurücklegen muss. Inklusive der Aufarbeitung seiner Diktaturen, Massenmorde und Mao als Ober-Dikatur mit Millionen verhungerten auf seinem Konto. Deutschland konnte diesen Weg auch gehen und hat es geschafft. Also warum sollten das andere (China) nicht auch schaffen :-top

Da bin ich Optimist. Nur die Prügel mit Holzstöcken auf tibetische Köpfe müssen aufhören. Will uns China eigentlich verarschen? Glauben Sie wir bestauenen nur die tollen Bauten und Architekturen und Louis Vuition und Gucci Einkaufsmeilen und vergessen Menschenrechte? Offensichtlich haben sie damit gerechnet. Milchmädchenrechnung, liebe chinesiche "Führung", richtige Milchmädchen.



:peace: TIBET!!!!!

synosoph
11.04.2008, 15:36
@funny: Du machst meiner Ansicht nach einen Fehler: Du gehst mit einer Prämisse an die Sache. Und die lautet: Weil chinesische Medien staatlich zensiert werden, westliche Medien, aber nicht, müssen jene in der konkreten Sache falsch, diese aber richtig liegen. Das kann aber nicht die Herangehensweise sein. Es geht um die Sache, um die Hintergründe, um die Tatsachen. Leider ist das etwas komplexer, als einfach nur zu sagen, die einen sind strukurell böse, deshalb sind sie es auch in jedem Einzelfall. So kommen wir nicht weiter.

Wir brauchen hier nicht über Glaubensfragen bzgl. medialer Berichterstattung diskutieren. Da sind auch unsere Medien keine Engel. Und wer einmal lügt dem glaubt man nicht, könnte zu einem Bumerang werden.

Schauen wir doch besser auf das, was tatsächlich auf der Welt passiert. Weißt du was ich gemein finde? Pauschalisierungen und Vereinfachungen. Und einer Seite hier den schwarzen Peter zuschreiben - das ist genau so eine verkürzte Wahrnehmung.

Safa
11.04.2008, 15:41
synosoph hat recht!

funny
11.04.2008, 16:45
@funny: Du machst meiner Ansicht nach einen Fehler: Du gehst mit einer Prämisse an die Sache. Und die lautet: Weil chinesische Medien staatlich zensiert werden, westliche Medien, aber nicht, müssen jene in der konkreten Sache falsch, diese aber richtig liegen. Das kann aber nicht die Herangehensweise sein. Es geht um die Sache, um die Hintergründe, um die Tatsachen. Leider ist das etwas komplexer, als einfach nur zu sagen, die einen sind strukurell böse, deshalb sind sie es auch in jedem Einzelfall. So kommen wir nicht weiter.

Wir brauchen hier nicht über Glaubensfragen bzgl. medialer Berichterstattung diskutieren. Da sind auch unsere Medien keine Engel. Und wer einmal lügt dem glaubt man nicht, könnte zu einem Bumerang werden.

Schauen wir doch besser auf das, was tatsächlich auf der Welt passiert. Weißt du was ich gemein finde? Pauschalisierungen und Vereinfachungen. Und einer Seite hier den schwarzen Peter zuschreiben - das ist genau so eine verkürzte Wahrnehmung.

Na na na, so schwarz-weiß habe ich das nicht gesagt. Siehe mein vorheriges posting. Aber du willst es halt so gelesen haben, um deine Argumente zu untermauern.Obwohl ich müde werde, dies immer und immer zu wiederholen: Ich gebe weder den westlichen Medien einen Freifahrtschein hinsichtlich ausgewogener, umfassender Berichterstattung, noch glaube ich alles, was über die "bösen " Chinesen geprochen wird. Hallo? Eine meiner besten Freundinnen Yimeng ist Peking-Chinesin.

Aber staatlich verordnete Medienzensur ist einfach ein starkes Stück Menschenrechts- und Freiheitsbeschneidung. DAS TUT PEKING. In westlichen Zeitungen gibt es Gegendarstellungen, davon ist Peking himmelweit entfernt. DAS ist ein Fakt.

Wer glaubt, dem brachialen Vorgehen der Chinesen gegen Alles und Jeden, das sich ihnen in den Weg stellt, auch noch Verständnis entgegenzubringen, bleibt mir unverständlich. China hat den peinlichen Fackellauf und die Spiele verdient. Die Menschheit ist schlauer geworden (auch dank der nicht immer BÖSEN, MAnipulierenden Medien) und lässt sich so eine Verarsche einfach nicht bieten.

:peace: for the world!!! For Tibet and North Korea and Chinese People und :peace: für die lustvoll von ihren Eltern geprügelten und ungeliebten Kinder. Klingt etwas pathetisch, hat aber einen gemeinsamen Kern: Haß in der Welt und die Unfähigkeit, den anderen Ruhe, Friede und Wohlbefinden zu können. Gilt für Personene und Staaten.

Vielleicht sind Diktatoren auch einfach ein Auslaufmodell. Ich hoffe es. Alberne, grausame, deformierte Gestalten sind es ja schon immer gewesen.

Und synoposh: Falle nicht auf deine eigene Argumentation herein. Du sagst diese hehren Satz: "Schauen wir doch besser auf das, was tatsächlich auf der Welt passiert." Ein toller Satz. Aber durch was schaust du dir die Welt an? Hast du 3 Monate unter Tibeter gelebt? Praktikum im Kosovo gemacht? Hast du mal in Peking gelebt? Praktikum in der UNO gemacht. An einer Reportage über die ärmsten und unterdrücktestesen Staaten mitgewirkt? Mit Schwersttraumatisierten gesprochen - falls sie dir das gestattet haben?

Ach nö, glaube ich nicht, du liest auch einfach nur halbherzig (online-)Zeitungen und willst mich dann darüber belehren, dass das nicht alles stimmt, was da drin steht. ACH ECHT??? :-sleppy Schnarch, schnarch, schnarch.

Es gab Zeiten, da hätte die Menschheit mal schneller Prozess machen sollen mit Diktatoren, aber da gab es wohl auch die üblichen Beschwichtiger, Bagatellisierer, Desinteressierten und Halbherzigen und die niemandem den schwarzen Peter zuschieben wollen. Der schwarze Peter hat sich totgelacht - meistens. Synoposh - du unterschätz die zähe und brachiale Energie von Macht und Aufstieg. Gegen solche Leute kommt man fast nicht an. Die lächeln noch, wenn sie deine Sätze hören. That´s history so far. ...

Letztens war ich übrigens in einem Münchner chinesischen Restaurant - schick, edel alles toll und an der Wand hing ein riesiges Konterfei vom Massenmörder Mao Tse-Tung - in pink. Meine Freundin und ich habe das Lokal wieder verlassen. Nur so nebenbei. ... Wissen ist Macht. Wahrscheinlich die beste Macht.

Evil
11.04.2008, 18:39
Aber staatlich verordnete Medienzensur ist einfach ein starkes Stück Menschenrechts- und Freiheitsbeschneidung.
Ich warte auf Deinen Anti-Rußland-Thread :-))

Davon ab: Du beurteilst nicht nur, sondern verurteilst auch gleich, und das auf unzureichender Informationsbasis. Das find ich schlichtweg überheblich.

Wer sagt Dir denn, daß nicht ein Großteil der Demonstranten in Tibet (nach der zunächst friedlichen Mönchs-Demo) tatsächlich aus militanten Gewalttätern bestand, die mit der pazifistischen Einstellung des Dalai Lama nix am Hut haben?
Merke: nicht jeder Tibeter ist Friedensnobelpreisträger, und nur, weil das offizielle China alles vertuscht, müssen sich darunter nicht zwangsläufig übelste Grausamkeiten verbergen. ;-)

Safa
12.04.2008, 10:37
Die ganze Sitaution ist ziemlich kompliziert und es ist bei der Berichterstattung auch ziemlich schwer wirklich 100%ige Infos zu bekommen um alles zu überblicken.
Ich habe immer das Gefühl, dass für den Westen, dass es ein gefundes Fressen ist China vor Olympia so richtig fertig zu machen und dieses Problem in Tibet, die vielen von dem Westen verursachten, extrem schrecklichen Probleme verdecken.

synosoph
12.04.2008, 12:59
Was hier stand interessiert heute noch nur Germanistikstudenten. ;-)

Dafür zum Thema umso interessanter der Auftritt von Willi Lemke, UN-Sportbotschafter, gestern abend im ZDF-Sportstudio.

Solche ausgewogenen Stimme wünscht man sich häufiger.

http://www.zdf.de/ZDFmediathek/content/Spiele_in_China_Sport_ist_ueberfordert/474594?inPopup=true

funny
14.04.2008, 13:22
Ich warte auf Deinen Anti-Rußland-Thread :-))

Davon ab: Du beurteilst nicht nur, sondern verurteilst auch gleich, und das auf unzureichender Informationsbasis. Das find ich schlichtweg überheblich.

Wer sagt Dir denn, daß nicht ein Großteil der Demonstranten in Tibet (nach der zunächst friedlichen Mönchs-Demo) tatsächlich aus militanten Gewalttätern bestand, die mit der pazifistischen Einstellung des Dalai Lama nix am Hut haben?
Merke: nicht jeder Tibeter ist Friedensnobelpreisträger, und nur, weil das offizielle China alles vertuscht, müssen sich darunter nicht zwangsläufig übelste Grausamkeiten verbergen. ;-)


Da magst du mit deinem letzten Satz Recht haben. Wir sollten also tendenziell diktatorische Staaten freundlicher und tendenziell unterdrückten Staaten etwas kritischer entgegentreten.

synosoph
14.04.2008, 15:58
Wir sollten also tendenziell diktatorische Staaten freundlicher und tendenziell unterdrückten Staaten etwas kritischer entgegentreten.
Wer ist "wir"?

Und "ich" trete überhaupt keinen Staaten entgegen, sondern begegne vor allem Menschen. Und da stelle ich leider fest, dass die letzten Wochen wohl eher ein kommunikatives Desaster zwischen Ost und West waren.

Der Nationalismus, der jetzt in China wieder verstärkt auftaucht, ist dabei nur das Spiegelbild der teilweise selbstgerechten und undifferenzierten Verurteilung hierzulande. Kaum ein Land war in den letzten Jahren dermaßen offen, neugierig und interessiert an "Neuem". Das spürt man in China jeden Tag, an jedem Ort. So eine Rezeptivität findet sich sonst nur selten. Aber es ist ein Zeitfenster der Geschichte, dadurch geöffnet, dass dieses Land sich jahrzehntelang selbst eingemauert hatte. Ein große Chance!

Nur, das was jetzt passiert, konterkariert diese Entwicklung, reißt sogar neue Gräben auf, bietet Scharfmachern eine Bühne, drängt gemäßigte, ausgleichende Stimme an die Seite. Davon profitiert niemand, weder Tibet, weder China, weder Europa, schon gar nicht der Weltfrieden.

Ich sehe jetzt schon die tausendfachen Missverständnisse, wenn überengagierte Sportler mit provokanten oder hilflosen Aktionen, in China "mal so richtig Farbe bekennen wollen". Als Antwort werden sie dann im günstigsten Fall jenes beschämt-höfliche Lächeln erhalten, das alle ratlos zurückläßt.

Zum Thema Nationalismus in China ein interessanter Hintergrundartikel aus dem Feuilliton der FAZ von heute:
Link (http://www.faz.net/s/RubCF3AEB154CE64960822FA5429A182360/Doc~EA6710D1F80AB4AD691F733DB840B6FCC~ATpl~Ecommon ~Scontent.html)

funny
14.04.2008, 16:49
Wer ist "wir"?

Und "ich" trete überhaupt keinen Staaten entgegen, sondern begegne vor allem Menschen. Und da stelle ich leider fest, dass die letzten Wochen wohl eher ein kommunikatives Desaster zwischen Ost und West waren.

Der Nationalismus, der jetzt in China wieder verstärkt auftaucht, ist dabei nur das Spiegelbild der teilweise selbstgerechten und undifferenzierten Verurteilung hierzulande. Kaum ein Land war in den letzten Jahren dermaßen offen, neugierig und interessiert an "Neuem". Das spürt man in China jeden Tag, an jedem Ort. So eine Rezeptivität findet sich sonst nur selten. Aber es ist ein Zeitfenster der Geschichte, dadurch geöffnet, dass dieses Land sich jahrzehntelang selbst eingemauert hatte. Ein große Chance!

Nur, das was jetzt passiert, konterkariert diese Entwicklung, reißt sogar neue Gräben auf, bietet Scharfmachern eine Bühne, drängt gemäßigte, ausgleichende Stimme an die Seite. Davon profitiert niemand, weder Tibet, weder China, weder Europa, schon gar nicht der Weltfrieden.

Ich sehe jetzt schon die tausendfachen Missverständnisse, wenn überengagierte Sportler mit provokanten oder hilflosen Aktionen, in China "mal so richtig Farbe bekennen wollen". Als Antwort werden sie dann im günstigsten Fall jenes beschämt-höfliche Lächeln erhalten, das alle ratlos zurückläßt.

Zum Thema Nationalismus in China ein interessanter Hintergrundartikel aus dem Feuilliton der FAZ von heute:
Link (http://www.faz.net/s/RubCF3AEB154CE64960822FA5429A182360/Doc~EA6710D1F80AB4AD691F733DB840B6FCC~ATpl~Ecommon ~Scontent.html)

Ich finde deine Kommentare meist klug und interessant.

Prinzipiell werde ich in diesem thread (und auch bei dir) jedoch das Gefühl nicht los / der Unterton schwingt mit á la: Das arme China, das so falsch von der westlichen Presse interpretiert wird. Das mißverstandene China, das manipuliert dargestellte China. Nervt mich ehrlich gesagt ein wenig. Ich bin nun wirklich kein China Gegner; habe sogar vor, nächstes Jahr meine Freundin Yimeng in Peking zu besuchen.

Fakt ist jedoch bei allem hier aufflammenden, fast weinerlichen China-Mitgefühl: Es wurden Tibeter geschlagen, gedemüdigt und eingesperrt. Und nicht nur Tibeter. Und das mit einer körperlichen Brutalität, die uns so fremd ist, dass wir sie vielleicht lieber nicht glauben wollen. Menschenrechte in China sind unterste Schublade. Bei Amnesty International kann man sich auch entsprechende Informationen einholen (nicht nur über China) und die Vorsitzende von AI, Irene Khan, scheint mir eine sehr seriöse und differenzierte Person zu sein.

Und jetzt warte ich darauf, dass jemand sagt: AI kann sich auch täuschen. GÄHH...

Die Niere
14.04.2008, 18:52
Und jetzt warte ich darauf, dass jemand sagt: AI kann sich auch täuschen. GÄHH...Hier spricht doch niemand davon, dass in China alles gut ist.

Wir sollten nur - wie bei vielen Themen (z.B. auch die Berichterstattung über Klimawandel) - differenzierter schauen. Nicht alles glauben, was Medien (westlich wie östlich) erzählen oder zeigen und erst dann mitdiskutieren, wenn wir uns eine ehrliche Meinung bilden konnten. Ich bin mir sicher, dass China in weiten Teilen die Menschenrechte mit Füssen tritt und auch Gewalt gegen Tibet eingesetzt hat, aber diese China-gegen-Tibet-Dynamik wurde von den Medien eingenommen und instumentalisiert, womit sie sich (wieder einmal) in weiten Teilen als unzuverlässig, reisserisch und populistisch darstellen. Das ist schade, aber in der heutigen Medienwelt anscheinend nötig um überhaupt noch wahr genommen zu werden.

gruesse, die niere