Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : "Lohnt" sich ein Medizinstudium?
habichnicht
06.01.2010, 12:10
Wenn also jemand einen sehr guten Abschluss hat (sagen wir unter den top 10%) und sich einigermaßen zu verkaufen weiß, dann legen diese Zaheln für mich nahe, dass ein Gehalt von 53000€ nicht die Ausnahme ist sondern durchaus eher der Regelfall.
Für Bewerber, die diese Bedingungen erfüllen, aber nicht für alle Bewerber.
Ich hatte ja bereits auf die große Bandbreite der Gehälter in der Industrie hingewiesen.
Du kannst nicht das Spitzengehalt der einen Branche mit dem Median einer anderen Branche vergleichen.
Das ist eben einer der gravierenden Unterschiede zur Medizin:
Da hat die HEX-Note, die Dauer des Studiums und weiß-der-Geier-was-sonst-noch kaum einen Einfluss auf das Gehalt. Wenn man an einer kommunalen Klinik - egal ob in Buxtehude oder in München - angestellt und nach TV-Ä/VKA bezahlt wird, fängt man mit 44 000 Euro/a Grundgehalt an, egal, ob man 25 oder 35 ist; egal, ob man eine 1 oder eine 4 hatte und egal, ob man promoviert ist oder nicht. Bei einem Elektroingenieur sieht das anders aus.
habichnicht
06.01.2010, 12:22
Ok, da kenn ich mich nicht aus. Ich hab keine Ahnung welche Tarifvertrag für welche Arztphase gilt (Praxisjahr, Assi, ....). Ich habe nur ein paar Foren abgeklappert und dort haben sich junge Ärzte über ihr Gehalt mit ungefähr 3000 Grundgehalt aufgeregt (kann durchaus ´sein, dass die Einträge aus dem Jahr 2002 waren ... da habe ich nicht drauf geachtet).
Wenn Du Deine Infos bisher nur aus Foren bezogen hast, kann ich Deine Zweifel und die Befürchtung, man müsse zum Altruisten geboren sein, um sich ein Medizinstudium anzutun, allerdings verstehen. ;-)
Falls Du an validen Zahlen interessiert bist: Klick mal das an (http://www.marburger-bund.de/marburgerbund/bundesverband/unsere_themen/tarifpolitik/tarifvertraege.php)
Edit.:
Es nimmt mir viel Druck zu wissen, dass ich jederzeit etwas "in der Hand" habe, falls bei dem langen Medizinstudium etwas schiefgeht (12 Sem ... wer weiß was da passieren kann).
Und ich persönlich finde, dass mir ein abgeschl. Bwl Studium mehr für eine Karriere in der Medizin bringen kann, als ein z.b. eine abgeschlossene Rettungssanitäterausbildung oder Ähnliches (das würde vllt. die Anfangszeit des Studiums deutlich erleichtern, aber nach dem Arzttitel ist die Ausbildung wohl eher irrelevant, glaube ich).
Das finde ich ganz vernünftig.
putonghua
06.01.2010, 12:26
Für Bewerber, die diese Bedingungen erfüllen, aber nicht für alle Bewerber.
Ich hatte ja bereits auf die große Bandbreite der Gehälter in der Industrie hingewiesen.
Du kannst nicht das Spitzengehalt der einen Branche mit dem Median einer anderen Branche vergleichen.
Das ist eben einer der gravierenden Unterschiede zur Medizin:
Da hat die HEX-Note, die Dauer des Studiums und weiß-der-Geier-was-sonst-noch kaum einen Einfluss auf das Gehalt. Wenn man an einer kommunalen Klinik - egal ob in Buxtehude oder in München - angestellt und nach TV-Ä/VKA bezahlt wird, fängt man mit 44 000 Euro/a Grundgehalt an, egal, ob man 25 oder 35 ist; egal, ob man eine 1 oder eine 4 hatte und egal, ob man promoviert ist oder nicht. Bei einem Elektroingenieur sieht das anders aus.
da hast du wohl recht. ob das ein vorteil oder ein nachteil ist muss jeder für sich selbst entscheiden. zumindest verhindert es vielleicht während dem studium, dass bücher in der unibib versteckt werden und seminararbeiten von unbeaufsichtigten laptops gelöscht werden um die konkurrenz zu schwächen wie das bei mir im studiengang teilweise vorkommt^^
DocEmmetBrown
06.01.2010, 14:20
Ich möchte kurz einige Bemerkungen abgeben, da ich selbst in der Bekanntschaft Personen habe, die bei besagtem Konzern arbeiten. Ausser über Duale Ausbildungen stellt selbiger Konzern, wie vollkommen üblich in der Wirtschaft, kaum Bachelor-Absolventen unbefristet ein. Die Gehaltsangaben wären eher für einen Diplom/Master Absolventen realistisch. Das spricht in meinen Augen eher für einen gefaketen Beitrag. Ausnahmen will ich nicht ausschließen, aber selbst aus den Privatunis für BWL werden fast nie Bachelor, sondern nur Masterabsolventen für längere Arbeitsverträge abgeworben.
Ganz allgemein muss man zudem beachten, dass Assistenzärzte für eine 40h Woche eingestellt werden. Ein Unternehmensberater bei McKinsey wird für eine variable Arbeitszeit eingestellt und arbeitet 80h pro Woche. Bekommt der AA die Überstunden fair nach Tarifvertrag bezahlt und hat auch eine 80h-Woche, kommt er auch auf Jahresgehälter, die sich von denen des Unternehmensberaters kaum noch unterscheiden. Problem ist also eher die faire Vergütung nach Tarifvertrag zu erhalten, anstatt der Tarifvertrag an sich.
habichnicht
06.01.2010, 14:27
Ich möchte kurz einige Bemerkungen abgeben, da ich selbst in der Bekanntschaft Personen habe, die bei besagtem Konzern arbeiten. [.......]
Ich habe ein paar Ingenieure in meiner näheren Umgebung und dadurch auch einige Insiderkenntnisse über Sitten und Gebräuche in der Industrie; u. a. auch auch bei global playern. ;-)
DocEmmetBrown
06.01.2010, 15:05
Deine Beiträge, habichnicht, habe ich doch gar nicht kritisiert?! Die Aussage über Bekannte war einfach so gemeint, dass ich so natürlich in etwa weis, welche Gehälter dort gezahlt werden und wie die Bewerbersituation ausschaut. Mir ging es nun darum auszudrücken, dass es mir komisch erscheint, dass hier von einem Job für einen Bachelorabsolventen gesprochen wird, der ein solch hohes Gehalt bekommen soll, wie jemand mit Diplom oder Master oft nicht erhält. Meine Erfahrungen aus dem Bekanntenkreis, sowohl bei Ingenieuren als auch Betriebswirten, ist, dass unabhängig von der Note Bachelorabsolventen eigentlich nie unbefristete Arbeitsverträge, geschweige denn solche mit besagten Gehältern bekommen. Meist werden sie überhaupt nicht eingestellt oder in selteneren Fällen kurz beschäftigt und dann auf die Uni zurückgeschickt, um den Master zu machen. Liest man in den Medien scheint dieser Eindruck auch kein Einzelfall zu sein. Auch ein Freund, der bei BMW arbeitet, erwähnt in Diskussionen über die Bologna Reform immer, dass ein Absolvent mit Bachelor auf den Arbeitsmarkt, aber insbesondere natürlich bei besagtem Autobauer, eigentlich keine Chance auf einen ordentlichen Job hat, wenn er keinen Master hat bzw. macht, jedenfalls anhand dem, wie bei BMW und vermutlich dann auch anderen Konzernen, eingestellt wird.
Dass ein Bachelorabsolvent nun unbefristet bei einem Großkonzern angestellt wird, ein Gehalt von 53k € erhält und kein Wort darüber verliert, noch einen Masterstudiengang anzuhängen, macht in meinen Augen den Beitrag des TE relativ unglaubwürdig. Passend wäre das alles sicherlich, wäre der TE zwei Jahre älter und hätte einen Master.
sodbrennen
06.01.2010, 15:20
Heute habe ich übrigens folgende Meldung (http://de.news.yahoo.com/1/20100106/tde-viele-bundesbrger-verdienen-unterm-s-3fc80be.html) im Radio gehört:
"Viele Bundesbürger verdienen unterm Strich weniger als 1990
Hamburg (APD) Das Arbeitseinkommen vieler Bundesbürger ist unter dem Strich gegenüber 1990 zurückgegangen. Das geht aus dem «Stern»-Gehalts-Check hervor, den das Magazin am Mittwoch vorab veröffentlichte. Demnach verfügten die Beschäftigten 2008 in jedem zweiten der 100 gängigsten Berufe letztendlich über weniger Geld als 18 Jahre zuvor.
Das Hamburger Institut Statista errechnete im «Stern»-Auftrag den Einkommensvergleich. Berücksichtigt wurden der Bruttoverdienst von vollbeschäftigten Arbeitern, Angestellten, Beamten und Selbstständigen aus dem Jahr 1990 gegenüber dem Jahr 2008. Eingerechnet wurde auch die Inflation, die im Vergleichszeitraum insgesamt 47 Prozent betrug, wie das Magazin weiter berichtet.
Das Einkommen von Werbefachleuten, Informatikern und Zahntechnikern sei beispielsweise um mehr als 30 Prozent gesunken. «Besonders dramatisch ist der Verlust aber bei Ärzten: Mit einem monatlichen Durchschnittseinkommen von 6.400 Euro im Jahr 2008 sind sie zwar immer die Top-Verdiener.» Doch die Gesundheitsreform und niedrige Einstiegsgehälter hätten ihnen gegenüber 1990 ein reales Minus von 50 Prozent beschert."
Fazit: Ärzte haben früher einfach zu viel verdient. ;-)
putonghua
06.01.2010, 15:26
Ist ja super, dass ihr so umfassende Insiderkenntsnisse habt :-keks
Ich frage mich nur, wieso es überhaupt sinn macht hier lang und breit zu diskutieren ob der threadersteller ein fake sein könnte. Irgendeinen Grund wird er schon gehabt haben diesen Thread zu erstellen und ich frage mich, wieso er sich so eine Geschichte einfach mal ausdenken sollte?
Und nochmal: 53k Einstiegsgehalt ist auf keinen Fall unrealistisch für einen sehr guten Uni-Absolventen. Auch bei einem Bachelorabschluss.
habichnicht
06.01.2010, 15:31
Deine Beiträge, habichnicht, habe ich doch gar nicht kritisiert?! Die Aussage über Bekannte war einfach so gemeint, dass ich so natürlich in etwa weiß, welche Gehälter dort gezahlt werden und wie die Bewerbersituation ausschaut.
Mein Beitrag war auch nicht als Kritik an Deinem Beitrag gemeint, sondern als Zustimmung in allen Punkten.:-top Ist wohl falsch angekommen. Sorry.:-blush
Problem ist also eher die faire Vergütung nach Tarifvertrag zu erhalten, anstatt der Tarifvertrag an sich.
Auch in diesem Punkt stimme ich Dir zu!
Ein weiterer Vorteil der Medizin gegenüber der Industrie ist übrigens auch die bereits in anderen Beiträgen angsprochene geringere Konjunkturabhängigkeit. Z. B. in der Automobilindustrie sieht es für junge Ingenieure heute auch nicht mehr so rosig wie vor einem Jahr aus.
Edit.:
Ich frage mich nur, wieso es überhaupt sinn macht hier lang und breit zu diskutieren ob der threadersteller ein fake sein könnte. Irgendeinen Grund wird er schon gehabt haben diesen Thread zu erstellen...
Da bin ich mir sogar ziemlich sicher. :-)
..und ich frage mich, wieso er sich so eine Geschichte einfach mal ausdenken sollte?
Och, dazu fallen mir schon einige schöne Hypothesen ein. ;-)
Tobi1987
06.01.2010, 16:29
Hmpf ....
ich habe keine Ahnung wieso dieser Thread immer wieder vom Hauptthema abweicht und die ganze Zeit als Fake dahingestellt wird? :-nix
Ich kann nur sagen, dass mir meine Zeit beileibe zu schade wäre mir irgendwelchen hypothetischen Forumgeschichten einfallen zu lassen.
Weder Gehalt noch unbefristeter Vertrag sind ungewöhnlich, auch wenn vielleicht der Onkel oder Papa, der auch bei Siemens ist, was anderes erzählt. Immerhin hat Siemens 3 vollkommen unterschiedliche Sparten und der einen geht es viel besser als der anderen. Weiterhin gibt es so viele verschiedene Jobs mit unterschiedlicher Nachfrage nach Absolventen, dass pauschalisierte Aussagen wie
"Dass ein Bachelorabsolvent nun unbefristet bei einem Großkonzern angestellt wird, ein Gehalt von 53k € erhält und kein Wort darüber verliert, noch einen Masterstudiengang anzuhängen, macht in meinen Augen den Beitrag des TE relativ unglaubwürdig."
keinen Sinn machen.
Und weiterhin ist das Gehalt ein Tarifgehalt und somit einfach nachvollziehbar:
Uni-Bachelorabsolventen werden laut bayerischem ERA-Tarifvertrag in die Entgeltgruppe 9 oder 10 eingestuft (je nach Jobanforderungen und Zusatzqualifikationen). Weiter wird eine Leistungszulage von 1%-25% des Grundgehaltes bezahlt. Wobei sich der durchschnittliche Wert auf 11% beläuft. Da es ein Einsteigerjob ist nehmen wir einfach mal 8% als anfängliche Leistungszulage an. Der Jahresfaktor beträgt 13,25 um vom Monats- auf das Jahresgehalt zu kommen (wegen Urlaubs+Weihnachtsgeld).
Das egibt bei 40 Stunden:
Entgeltgruppe 9:
Monatsgehalt: 3717 * 1,08= 4014 Euro
Jahresgehalt:4014 * 13,25 = 53.190 Euro
Entgeltgruppe 10:
Monatsgehalt: 4110 * 1,08 = 4439 Euro
Jahresgehalt: 4439 * 13,25 = 58.814 Euro
Das sind im Tarifvertrag festgeschriebene Gehälter und die kann jeder nachprüfen, wenn er sich den ERA Vertrag der bayerischen Industrie anschaut. Solche (Einsteiger)Gehälter sind in der Wirtschaft/Industrie zwar nicht für jeden Absolventen (mit einem 3,7 Bachelorabschluss der Fh in Wanne-Eickel, welcher nur gebrochen deutsch spricht und beim Vorstellungsgespräch im Blaumann auftaucht: übertrieben gesagt) möglich, aber doch erreichbar und absolut kein Hexenwerk.
Darum ging der Thread aber gar nicht .... ich habe diese Rechnung auch nur aufgeführt, damit diese Unterstellungen endlich mal aufhören.
Ehrlich gesagt, weiß ich auch nicht woher diese kritische Grundstimmung herkommt. Ich habe auch keine genaue Kenntnis vom Verdienst eines Arztes (was ich ja auch offen geschrieben habe) und glaube jemandem, der mehr Ahnung als ich auf diesem Gebiet hat und mir konkrete Zahlen nennen kann, anstatt irgendwelche Verschwörungs- und "Das kann doch nicht sein"-Theorien aufzustellen.
Und ich hoffe dieses sinnlose Gerede über Fake oder nicht hört damit auf!
P.S.: Und: korrekt, ich habe neben meinem Unistudium bei Siemens noch eine Ausbildung nebenher absolviert (duales Studium). Daher die Kontakte, daher das Gehalt, daher der unbefristete Vertrag....
Hm.... also ich glaube nicht, dass mir mein Job mehr Spaß machen würde, wenn ich mehr Geld dafür bekäme. OK, ich bin froh über jeden einzelnen Euro, den ich verdiene und freue mich ach über jeden zusätzlichen Euro.
Aber die Arbeitsbelastung bleibt doch die selbe!!!! Ob ich jetzt 2000€ netto verdiene oder 3000... irgendwie muss man schon dafür gemacht sein, nachts total besoffene Bekloppte zusammenzuflicken. Manchmal ist die Arbeit derartig beschissen, dass kein Geld der Welt das wett machen kann. Man muss seine Motivation dann aus anderen Quellen schöpfen. :-meinung
Feuerblick
06.01.2010, 17:04
Ich würde mir an deiner Stelle ganz andere Fragen stellen:
Was erwartest du von einem Medizinstudium und dem, was danach kommt? Wie wichtig ist dir das Geld? Und welche Vorstellungen hast du vom Beruf eines Arztes? Man stellt sich das nämlich gerne viel netter vor, als es wirklich ist. Auch der Arztberuf ist viel Routine, noch mehr Papierkram und häufig einfach nur Frust. Weil die Krankenkassen, die Verwaltung oder wer auch immer nicht mitspielt. Weil du mehr Zettel ausfüllst als medizinisch tätig bist. Weil die Ausbildung schlecht ist. Weil deine Nächte und Wochenenden durch Dienste "verschönert" werden. Könntest du dir das alles vorstellen bei dem, was man dir hier als Gehalt genannt hat? Könntest du dir vorstellen, "Underdog" zu bleiben, weil das mit der Chefarztstelle oder das Abbiegen in die Wirtschafts-Nische nicht geklappt hat?
Ich sags dir ganz ehrlich: Ich würde an den meisten Tagen lieber jetzt als später alles hinschmeissen und lieber in einem Job ohne Dienste und mit geregelten Arbeitszeiten arbeiten - auch wenn ich dafür deutlich weniger Gehalt bekäme.:-nix
Wenn dir also die Kohle wichtig ist (und so klingt dein Eingangsposting), dann bleib lieber da, wo du dich bisher schon hochgearbeitet hast und ein Aufstieg möglich ist.
Wenn du der Meinung bist, dass dich eine Tätigkeit in der Medizin mehr erfüllt auch wenn das Gehalt vermutlich niedriger bleiben wird, dann studiere...
habichnicht
06.01.2010, 17:41
Und weiterhin ist das Gehalt ein Tarifgehalt und somit einfach nachvollziehbar:
Uni-Bachelorabsolventen werden laut bayerischem ERA-Tarifvertrag in die Entgeltgruppe 9 oder 10 eingestuft (je nach Jobanforderungen und Zusatzqualifikationen). Weiter wird eine Leistungszulage von 1%-25% des Grundgehaltes bezahlt. Wobei sich der durchschnittliche Wert auf 11% beläuft. Da es ein Einsteigerjob ist nehmen wir einfach mal 8% als anfängliche Leistungszulage an. Der Jahresfaktor beträgt 13,25 um vom Monats- auf das Jahresgehalt zu kommen (wegen Urlaubs+Weihnachtsgeld).
Das egibt bei 40 Stunden:
Entgeltgruppe 9:
Monatsgehalt: 3717 * 1,08= 4014 Euro
Jahresgehalt:4014 * 13,25 = 53.190 Euro
Entgeltgruppe 10:
Monatsgehalt: 4110 * 1,08 = 4439 Euro
Jahresgehalt: 4439 * 13,25 = 58.814 Euro
Das sind im Tarifvertrag festgeschriebene Gehälter und die kann jeder nachprüfen, wenn er sich den ERA Vertrag der bayerischen Industrie anschaut.
Ich habe dort die ERA-Monatsentgelte der Metall- und Elektroindustrie gültig ab 1.Mai 2009 gefunden:
http://www.igmetall.de/cps/rde/xbcr/SID-0A456501-209B330F/internet/docs_ig_metall_xcms_143363__2.pdf
Für Bayern stehen da aber wesentlich niedrigere Monatsgrundentgelte als die, die Du gennnt hast:
Monatsentgelt laut igmatall bei EG 9:
Stufe A: 3252 Euro; Stufe B: 3412 Euro
(bei Dir:EG 9: 3717€)
Monatsentgelt laut igmetall bei EG 10:
Stufe A: 3596 Euro; Stufe B: 3779Euro
(bei Dir: EG 10: 4110 €)
Wie kommt diese Diskrepanz zustande? Könntest Du bitte einen Link zu der Quelle posten, aus der Deine Zahlen stammen?
... irgendwie muss man schon dafür gemacht sein, nachts total besoffene Bekloppte zusammenzuflicken. Manchmal ist die Arbeit derartig beschissen, dass kein Geld der Welt das wett machen kann.
Deshalb betrachte ich mein Gehalt eher als Schmerzensgeld....
Das beläuft sich übrigens mit Diensten, Überstunden und Poolbeteiligung mir Ende 20 auf über 65.000€, meine Frau (Abteilung mit anderem Dienstmodell und mehr Pool) kommt auf fast 75.000€.
Und im Gegensatz zu meinen Freunden in Industrie und Ingeniuerstum muss ich mich auch nicht mit Kurzarbeit und Wirtschaftskrise rumärgern...
Tobi1987
06.01.2010, 17:57
IGM Gehaltstabellen gehen grundsätzlich von der tariflich vereinbarten Arbeitszeit von 35 Stunden aus. Demnach hast du auch nur die Gehälter für einen 35 Std-Vertrag nachgeschaut, welche natürlich von dem Gehalt eines 40 StundenVertrags abweichen.
Ich habe keine Ahnung wo bei der IGM die 40 Std Werte zu finden sind, hab aber einen anderen Link mit korrekten Werten:
http://www.ain-mchh.net/pdf/Info_Nr41c_02-09_IA01.pdf
Soviel dazu.
__________________________________________________ __________________________________________________ _____________________________________________
Aber nach den bisherigen Diskussionen scheint es mir so, als ob der Arztberuf doch lohnender ist, als man aufgrund von manchen Pressemeldungen annimmt.
Ricos Gehalt oder das seiner Freundin kann sich zum Beispiel mit Ende 20 durchaus sehen lassen und ist weit über dem Durchschnitt was andere Akademiker mit Ende 20 verdienen. In der Industrie würde man vielleicht mehr oder auch weniger bekommen, hängt aber wesentlich von der Karriere ab (und die hängt wiederum zu großen Teilen von Kontakten, Glück und Konjunktur ab).
So wie ich das aber mitbekommen habe ist ein Unterschied zur Industrie, dass ein Arzt einen eher "vorgefertigten" Karriereweg gehen muss (Assi, Facharzt,Oberarzt,...), wenn man praktizierender Arzt bleiben will.
In der Industrie gibt es keinen solchen "vorgeschriebenen" Weg mit Pflichtstationen und daher auch öfter mal Möglichkeiten einen Sprung auf Stellen mit völlig anderem Inhalt zu machen (vom Controller zum Vertriebskaufmann, vom Personalberater zum InhouseConsultant). Kann ein Arzt schneller Karriere machen, wenn er sich anstrent oder sind gewisse Mindestgrenzen vorgegeben (Oberarzt => leitender Oberarzt: dauert min. 4/5/6 Jahre)?
Auch denke ich, dass es in der Wirtschaft öfter vorkommt als in der Medizin, dass fähige Leute von fremden Firmen abgeworben werden (von Kunden oder Lieferanten). Oder gibt es dass bei Unikliniken usw auch (meine jetzt keine Prof. die einen Ruf an eine andere Uni bekommen oder Ähnliches)?
Auch denke ich, dass es in der Wirtschaft öfter vorkommt als in der Medizin, dass fähige Leute von fremden Firmen abgeworben werden (von Kunden oder Lieferanten). Oder gibt es dass bei Unikliniken usw auch (meine jetzt keine Prof. die einen Ruf an eine andere Uni bekommen oder Ähnliches)?
Das kommt vor. Insbesondere, wenn ein OA weggeht, um irgendwo chef zu werden, nimmt er gern mal den ein oder anderen Assistenten mit.
habichnicht
06.01.2010, 18:25
@Tobi:
Dort gibt es eine Tabelle der IGM mit Einstiegsgehältern (Stand 3. Quartal 2009):
http://www.igmetall4you.de/fileadmin/user_upload/Dokumente/Studierende_-_Ingenieure/Flyer_Einstiegsgehaelter_fuer_Absolventen_2010.pdf
Tabelle Nr. 2 „Typische Einstiegsgehälter für Absolventen
im Bereich Automobil, Elektro, IT, Maschinenbau, Stahl
und Telekommunikation“
Komplette Jahresgehälter (einschließlich Überstunden, Sonderzahlungen, etc.)
Absolventen mit Uni-Abschluss in BWL:
Median:
Diplom : 47 000 Euro
Master: 48 000 Euro
Bachelor: 45 000 Euro
Oberes Dezil:
Diplom: 51 620 Euro
Master: 52 170 Euro
Bachelor: 47 920 Euro
Mit 53 000 Euro liegst Du demnach im oberen Bereich des oberen Dezils der Bachelor.
Um auf Deinen Eingangsbeitrag zurückzukommen: Anhand der Tarifverträge des MB kannst Du jetzt abschätzen, in welcher Größenordnung das Gehalt läge, das Dich als Arzt erwartete, und mit dem Gehalt vergleichen, das Du möglicherweise erreichen könntest, wenn Du BWLer bliebst.
Die Frage, ob Dir der Gedanke an die Differenz dann täglich Bauchschmerzen bereiten würde, musst Du nun selbst beantworten. :-)
Zur Differenz der ERA-Werte: Ich hab mal nachgerechnet: Wenn man die Tabellenwerte auf 35h/Woche bezieht und auf 40 h/Woche umrechnet, kommt man auf Deine Zahlen.
Edit.:
IGM Gehaltstabellen gehen grundsätzlich von der tariflich vereinbarten Arbeitszeit von 35 Stunden aus. Demnach hast du auch nur die Gehälter für einen 35 Std-Vertrag nachgeschaut, welche natürlich von dem Gehalt eines 40 StundenVertrags abweichen.
Siehe oben. Dieser Gedanke war mir inzwisachen auch gekommen.
Ricos Gehalt oder das seiner Freundin... Frau... ;-)
... kann sich zum Beispiel mit Ende 20 durchaus sehen lassen und ist weit über dem Durchschnitt was andere Akademiker mit Ende 20 verdienen. Wobei vielleicht auch angemerkt sei, dass die Arbeitszeiten entsprechend hoch sind.
Das ist meistens der Knackpunkt beim Vergleich...
Industriegehälter im unteren Bereich sind meistens mit einer 38-40h Woche in einem nine-to-five-Job vergesellschaftet, wer in der Industrie Gehälter von 65k+ Euro bezieht, der muss dafür in der Regel auch mehr als einen Acht-Stundentag an fünf Tagen die Woche investieren und hat auch oft Beeinträchtigungen der Freizeit (z.B. Arbeit am Wochenende oder Dienstreisen die das Wochenende einschließen).
habichnicht
06.01.2010, 19:16
.. wer in der Industrie Gehälter von 65k+ Euro bezieht, der muss dafür in der Regel auch mehr als einen Acht-Stundentag an fünf Tagen die Woche investieren und hat auch oft Beeinträchtigungen der Freizeit (z.B. Arbeit am Wochenende oder Dienstreisen die das Wochenende einschließen).
....oder mehrwöchige Dienstreisen ins weit entfernte Ausland, während der der beruflichlich ortsgebundene Ehepartner mit den Kindern allein in Deutschland zurück bleibt.
putonghua
06.01.2010, 19:23
....oder mehrwöchige Dienstreisen ins weit entfernte Ausland, während der der beruflichlich ortsgebundene Ehepartner mit den Kindern allein in Deutschland zurück bleibt.
was dann auch wieder von manchen als nachteil, von manchen aber auch als vorteil angesehen wird :-))
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