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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : "Lohnt" sich ein Medizinstudium?



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gnuff
21.01.2010, 07:59
Gesundheit und schönheit sind nunmal die dinge, die den meisten leuten am wertvollsten sind in ihrem leben. Deswegen sind wir auch bereit dafür viel Geld auszugeben, in Form von Versicherungen und auch teilweise indem Behandlungen aus der eigenen Tasche bezahlt werden. Und das mit Dienstleistungen heutzutage weit mehr Geld gemacht wird als mit materiellen Waren solltest du eigentlich auch als nicht-bwler schonmal gehört haben.

Was Du als Noch-Nicht-Mediziner eventuell schon mal gehört haben solltest, ist, dass da draussen, also in der wirklichen Welt, die meisten Menschen froh sind wenn sie mit ihrem Geld zurechtkommen. Fahr mal eine Woche Notarzt in einer x-beliebigen deutschen Grossstadt, das wird Deine etwas naive Vorstellung von "Gesundheit und Schönheit sind nunmal die Dinge, die den meisten Leuten am wertvollsten sind in ihrem Leben." ziemlich schnell kurieren.
Umgekehrt wird ein Schuh draus: Viele Ärzte (und auch Apotheker oder Versicherungsvertreter) sind gerne bereit auf Grund der in den letzten Jahren zurueckgegangenen "medizinischen Konjunktur" gnadenlos aus den Ängsten der Menschen Kapital zu schlagen und sie mit IGeL-Dreck und sinnlosen Präparaten oder Versicherungen zu bombadieren. Das hat aber nichts mit Medizin zu tun, das ist Abzocke.

putonghua
21.01.2010, 22:12
Umgekehrt wird ein Schuh draus: Viele Ärzte (und auch Apotheker oder Versicherungsvertreter) sind gerne bereit auf Grund der in den letzten Jahren zurueckgegangenen "medizinischen Konjunktur" gnadenlos aus den Ängsten der Menschen Kapital zu schlagen und sie mit IGeL-Dreck und sinnlosen Präparaten oder Versicherungen zu bombadieren. Das hat aber nichts mit Medizin zu tun, das ist Abzocke.

Und warum funktioniert diese Abzocke? Genau: weil den Menschen ihre gesundheit letzendlich doch viel wert ist, auch wenn das geld knapp ist. ob das was sie angedreht bekommen dann medizinisch sinnvoll ist oder nicht is ja ne andere frage.

gnuff
21.01.2010, 23:43
Und warum funktioniert diese Abzocke? Genau: weil den Menschen ihre gesundheit letzendlich doch viel wert ist, auch wenn das geld knapp ist...
Nein. Das funktioniert, weil ihnen von skrupelosen Arschlöchern Angst gemacht wird. Diesen Scharlatanen ist es völlig gleichgueltig ob der Mist den sie da verscherbeln Sinn macht oder nicht, Hauptsache er wird bezahlt. Allein wenn ich IGeL lese könnte ich schon kotzen...

Relaxometrie
21.01.2010, 23:58
weil den Menschen ihre gesundheit letzendlich doch viel wert ist
Wieviel Kontakt zur tatsächlichen Medizin hattest Du schon?
Wenn Du einen Blick auf jede x-beliebige Station wirfst, wirst Du leider einige Patienten sehen, denen ihre Gesundheit lange völlig egal war. Irgendwann werden sie krank und stellen Forderungen. Den Spruch "die Gesundheit ist das Kostbarste, was wir haben" kannst Du für eine nicht unbeträchtliche Anzahl von Leuten in die Tonne kloppen. "Ich betreibe Raubbau an meinem Körper und irgendwann muß die Gemeinschaft bezahlen" trifft es in einigen Fällen leider eher.

Dann gibt es noch die Gruppe derer, die grundsätzlich alles besser wissen, als der Arzt. Dieses Klientel läuft dann gerne zu IGel-Anbietern über. Für alternativmedizinische Methoden wird gerne mal 'n Euro mehr ausgegeben. Über 10€ Praxisgebühr (obwohl ich die Praxisgebühr aus anderen Gründen auch ablehne) redet man sich den Mund aber fransig.

Es gibt selbstverständlich auch genug Menschen, die sorgsam mit ihrem Körper umgehen und im Krankheitsfall nicht fordernd sind.
Aber die Klientel, die ich oben beschrieben habe, bringt einen schon manchmal ins Grübeln.

Leelaacoo
22.01.2010, 09:09
Und warum funktioniert diese Abzocke? Genau: weil den Menschen ihre gesundheit letzendlich doch viel wert ist, auch wenn das geld knapp ist. ob das was sie angedreht bekommen dann medizinisch sinnvoll ist oder nicht is ja ne andere frage.

Fast jedem ist finanziell das eigne Auto viel mehr wert...das was du beschreibst gibt nicht die tatsächliche Lage wieder. Aber dazu hab ich ja schon was geschrieben.

Was würde z.B. der BWLer sagen, wenn man in ein ruinöses Geschäft mit schon großen angehäuften Schulden jeden Tag noch mehr Geld reinsteckt, man aber weiß, dass man dieses nie wieder rausbekommt? Richtig, jeder würde sagen, mach den Laden zu, schluß aus.

So...und nun nimm den 85jährigen multimorbiden Patienten mit einem malignen Grundleiden und der Pneumonie, zusätzlich diabetisches Fußsyndrom und Anämie...was sagt da der BWLer? Richtig...was sagt der Arzt...natürlich will ihn behandeln, jedenfalls soweit ich das kann und es keine unnötige Leidensverlängerung für den Patienten bedeutet. Das fördert natürlich ein (noch) längeres Leben und wahrscheinlich nochmehr Kosten und Krankheiten...Sicher, er hat auch man in die KK eingezahlt...aber diese +/- - Rechnerei wie in der Wirtschaft kann man in der Medizin nicht machen...und genau DESHALB sage ich, dass man eine profitorientierte Medizin nicht mit "anderen Geschäften" vergleichen kann... denn bei konsequenter Umsetzung wären wir bei Verhältnissen, die ich nicht mittragen wollen würde...und deshalb ist es eine gesellschaftliche Aufgabe...basta.

LG Lee

Ulle
03.02.2010, 07:14
So...und nun nimm den 85jährigen multimorbiden Patienten mit einem malignen Grundleiden und der Pneumonie, zusätzlich diabetisches Fußsyndrom und Anämie...was sagt da der BWLer? Richtig...was sagt der Arzt...natürlich will ihn behandeln, jedenfalls soweit ich das kann und es keine unnötige Leidensverlängerung für den Patienten bedeutet. Das fördert natürlich ein (noch) längeres Leben und wahrscheinlich nochmehr Kosten und Krankheiten...Sicher, er hat auch man in die KK eingezahlt...aber diese +/- - Rechnerei wie in der Wirtschaft kann man in der Medizin nicht machen...und genau DESHALB sage ich, dass man eine profitorientierte Medizin nicht mit "anderen Geschäften" vergleichen kann... denn bei konsequenter Umsetzung wären wir bei Verhältnissen, die ich nicht mittragen wollen würde...und deshalb ist es eine gesellschaftliche Aufgabe...basta.

LG LeeIch finde diesen Vergleich ziemlich hinkend, denn nicht der Arzt entscheidet über Art und Umfang der Behandlung, sondern der Patient (bzw. die Angehörigen) nach Beratung und Festlegung der Optionen - und letztendlich zahlen sie dafür (wenn auch aus einer Solidargemeinschaft heraus - da geht das große Thema der Krankenkassen auf).

Natürlich kann ein Krankenhaus rentabel geführt werden, das würde allerdings voraussetzen, dass man die erbrachten Leistungen auch angemessen an die Krankenkasse übertragen kann (da gehören sie hin und da muss auch die Kosten/Nutzen-Abschätzung erfolgen). Ich jedenfalls finde es zum kotzen, wenn ein privates Krankenhaus (elektive) Eingriffe im Hotelstil (auch bei Kassenpatienten) durchführt, ein paar Straßen weiter im öffentlichen Haus auf der Inneren vier Patienten in einem total runtergekommenen Zimmer hausen und jedes Jahr im Winter die Rotaviren durch das Haus ziehen. Wenn multimorbide Kranke im Krankenhaus behandelt werden, dann sollte das Krankenhaus dafür auch entsprechend bezahlt werden.

Relaxometrie
03.02.2010, 13:00
Ich finde diesen Vergleich ziemlich hinkend, denn nicht der Arzt entscheidet über Art und Umfang der Behandlung, sondern der Patient
Du unterstellst Lee, daß sie sich als selbstherrlich und Halbgott in Weiß sieht. Aus ihren Beiträgen spricht meiner Meinung nach allerdings genau das Gegenteil davon. Ich finde, daß sie die Situation im Krankenhaus sehr patientennah schildert und ich kann aus keinem ihrer Beiträge herauslesen, daß sie sich einer Patientenmeinung, die auf Therapieabbruch pocht, nicht anschließen würde.

fatman
03.02.2010, 14:24
Natürlich kann ein Krankenhaus rentabel geführt werden, das würde allerdings voraussetzen, dass man die erbrachten Leistungen auch angemessen an die Krankenkasse übertragen kann (da gehören sie hin und da muss auch die Kosten/Nutzen-Abschätzung erfolgen). Ich jedenfalls finde es zum kotzen, wenn ein privates Krankenhaus (elektive) Eingriffe im Hotelstil (auch bei Kassenpatienten) durchführt, ein paar Straßen weiter im öffentlichen Haus auf der Inneren vier Patienten in einem total runtergekommenen Zimmer hausen und jedes Jahr im Winter die Rotaviren durch das Haus ziehen. Wenn multimorbide Kranke im Krankenhaus behandelt werden, dann sollte das Krankenhaus dafür auch entsprechend bezahlt werden.

Absolute Zustimmung!

Thomas24
03.02.2010, 17:58
Natürlich kann ein Krankenhaus rentabel geführt werden, das würde allerdings voraussetzen, dass man die erbrachten Leistungen auch angemessen an die Krankenkasse übertragen kann (da gehören sie hin und da muss auch die Kosten/Nutzen-Abschätzung erfolgen). Ich jedenfalls finde es zum kotzen, wenn ein privates Krankenhaus (elektive) Eingriffe im Hotelstil (auch bei Kassenpatienten) durchführt, ein paar Straßen weiter im öffentlichen Haus auf der Inneren vier Patienten in einem total runtergekommenen Zimmer hausen und jedes Jahr im Winter die Rotaviren durch das Haus ziehen. Wenn multimorbide Kranke im Krankenhaus behandelt werden, dann sollte das Krankenhaus dafür auch entsprechend bezahlt werden.

Was man sollte, und wie es dann tatsächlich läuft sind aber zwei Paar Schuhe. Wenn ich den speziellen Fall meines Hauses sehe (Uniklinik einer westdt. Landeshauptstadt), dann muss ich leider sagen, dass die anderen Anbieter in unserer Stadt und im Umkreis alles, was halbwegs dankbar zu operieren oder konservativ zu führen ist, für sich einkassieren.

Wir sind dann die Ausputzer, für alle Casus, die den anderen a) in Diagnostik und Therapie zu aufwendig sind, b) zu teuer oder c) auf die aus irgendwelchen anderen Gründen niemand anders Bock hat. Werden wir dafür extra bezahlt? Pah!!

Zimmer mit Wohlfühlambiente, Rosenholz und Flatscreens sucht man bei uns vergebens, dafür haben wir einen wunderbares PVC Laminat im 70 er Jahre Look mit Gemeinschaftsklos. Rota macht bei uns auch gerne mal die Runde.

So, Off Topic Ende.

Ulle
04.02.2010, 14:35
Du unterstellst Lee, daß sie sich als selbstherrlich und Halbgott in Weiß sieht.
Du unterstellst mir, dass ich Lee unterstellen, dass...

Du musst mir erklären, wie Du das in meine Worte interpretiert hast.

Leelaacoo
06.02.2010, 11:40
Ich finde diesen Vergleich ziemlich hinkend, denn nicht der Arzt entscheidet über Art und Umfang der Behandlung, sondern der Patient (bzw. die Angehörigen) nach Beratung und Festlegung der Optionen - und letztendlich zahlen sie dafür (wenn auch aus einer Solidargemeinschaft heraus - da geht das große Thema der Krankenkassen auf).

Natürlich kann ein Krankenhaus rentabel geführt werden, das würde allerdings voraussetzen, dass man die erbrachten Leistungen auch angemessen an die Krankenkasse übertragen kann (da gehören sie hin und da muss auch die Kosten/Nutzen-Abschätzung erfolgen). Ich jedenfalls finde es zum kotzen, wenn ein privates Krankenhaus (elektive) Eingriffe im Hotelstil (auch bei Kassenpatienten) durchführt, ein paar Straßen weiter im öffentlichen Haus auf der Inneren vier Patienten in einem total runtergekommenen Zimmer hausen und jedes Jahr im Winter die Rotaviren durch das Haus ziehen. Wenn multimorbide Kranke im Krankenhaus behandelt werden, dann sollte das Krankenhaus dafür auch entsprechend bezahlt werden.

Selbstverständlich entscheidet der Arzt über die medizinische Behandlung...wer sollte es sonst tun? Dafür ist man da und hat das studiert (und trägt die Verantwortung...das ist vielleicht sogar am Wichtigsten). Und solche Entscheidungen werden zum Glück meist nicht mehr immer in den höheren Dunstkreisen der fachchinesisch sprechenden Mediziner geheimgehalten, sondern dem Patienten erklärt und mit dessen Einverständnis..ich glaube, du bringst da was durcheinander. Das ist kein "Bestellen-Liefern"-Ding, wie in der freien Wirtschaft..und gerade darum geht es mir, dass der Arzt die Therapiefreiheit behält, uns zwar (möglichst unaubhängig) von wirtschaftlichen Überlegungen...klar achten alle auf Sparsamkeit (ist ja auch korrekt), aber ich werde nicht mehr in Deutschland arbeiten wollen, wenn mir Leute aus rein wirtschaftlichen Gesichtspunkten eine Therapie, die medizinisch INDIZIERT ist, verweigern, weil unrentabel...das ist sicher in vielen Fällen so (siehe mein Beispiel), dennoch trage ich die Verantworten zuallererst für den Patienten und nicht für die Krankenkasse oder den Gesundheitsminister oder oder oder...
Mir geht es um kranke Menschen, nicht um IGEL-Leistungen und Gesundheitsprävention...die kann sich jeder so viel kosten lassen, wie er/sie will und in welchen Privatkliniken auch immer...
Und ich mache auch keine Therapien, die NICHT INDIZIERT sind, auch wenn diese noch so sehr verlangt werden...auch das ist Verantwortung des Arztes...(und kein toller Optimierungsberater welcher tollen Firma auch immer wird sich für dich in die Bresche werfen, wenn du medizinisch Sch*** baust...auch wenn es unter der Hand vielleicht so gewollt war).
Schau dir doch nur mal die Alterspyramide an...wie soll man da in der Bilanz was die Finanzen angeht, auf +/- 0 Euro kommen, geschweige denn in Zukunft rentabel sein...und wenn man diese Dinge komplett in die Hände von BWLern legt, dann hast du irgendwann genau die Verhältnisse, wie du sie befürchtest (und die in vielen Ländern Realität sind). Da bin und bleibe ich ein alter Sozialist...auch wenns out ist.

LG Lee

Ulle
06.02.2010, 13:25
Wir reden hier leider total aneinander vorbei - z.T. finde ich Deine Einschätzungen auch ziemlich befremdlich (man hat sicher keine Therapiefreiheit gegenüber dem Patienten, da läuft ohne dessen Zustimmung nichts).

Um es nochmal deutlich zu machen:

So...und nun nimm den 85jährigen multimorbiden Patienten mit einem malignen Grundleiden und der Pneumonie, zusätzlich diabetisches Fußsyndrom und Anämie...was sagt da der BWLer? Richtig...was sagt der Arzt...natürlich will ihn behandeln, jedenfalls soweit ich das kann und es keine unnötige Leidensverlängerung für den Patienten bedeutet.
Was der BWLer und der Arzt bezüglich der Kosten denken, ist völlig egal. Der Patient (aus einer Solidargemeinschaft heraus) bezahlt und sollte entscheiden, ob er noch "weitermachen" will. Und genau hier zielt Deine "Ein Krankenhaus darft nicht rentabel sein, sonst ist es unmenschlich" ins Nichts. Die Behandlung von multimorbiden Menschen sollte für ein Krankenhaus genauso rentabel sein, wie alles andere auch - und das kann man auch umsetzen.

netfinder
06.02.2010, 14:10
Manchmal laeuft sich eine Diskussion auch tot...

Leelaacoo
06.02.2010, 17:11
Wir reden hier leider total aneinander vorbei - z.T. finde ich Deine Einschätzungen auch ziemlich befremdlich (man hat sicher keine Therapiefreiheit gegenüber dem Patienten, da läuft ohne dessen Zustimmung nichts).

Du verstehst das Wort "Therapiefreiheit" leider nicht, das heißt nicht, dass du mit dem Patienten machen kannst, was du willst, sondern über Therapien entscheidest aufgrund des Krankheitsbildes und des Patientenwohls (und seiner Wünsche), und nicht aufgrund Vorgaben aus der Verwaltung und anderer Menschen, die mit Medizin nichts zu tun haben und nur finanzielle Aspekte sehen. In der Therapiefreiheit eines Arztes liegt auch die Pflicht, ohne Ansehen des Alters, der Religion, der Herkunft, des Vermögens und sonstiger Dinge das medizinisch sinnvolle und indizierte FÜR den Patienten zu tun.. also meinst du wahrscheinlich sowieso das Gleiche, wie ich, nur missverstehst du mich konsequent weiter...glaub mir, nichts läge mir ferner, als ohne die Einbeziehung des Patienten einfach mal wilde Therapien zu betreiben, weil ich "grad Bock darauf habe". Aber netfinder hat schon recht, das ist insgesamt sinnloses Gequatsche und schon sehr offtopic...bye bye, muss arbeiten.

LG Lee

Ulle
12.02.2010, 07:20
Über das Wort Therapiefreiheit brauchen wir hier nicht diskutieren, mir ist klar, was es im üblichen Sprachgebrauch meint. Aber was der eigentlich Inhalt des Wortes suggeriert, besteht in keiner Weise. Der Arzt ist in seiner Therapie sowohl an den Patienten als auch irgendwie geartete Leitlinien gebunden, sonst gäbe es keine Kunstfehlerprozesse. Aber ja, Therapiefreiheit wird in einem Kontext genutzt, der dem von Dir geschilderten sehr nahe kommt.

Mir geht es aber um den Vergleich Mediziner und BWLer im Krankenhaus - den Vergleich finde ich eben hinkend, weil der Patient einen Anspruch auf alle medizinisch indizierte Hilfe hat, also der Arzt da im eigentlichen keinen Entscheidungsspielraum hat. Vielleicht ein Vergleich, den ich für passender halte: Würde ein BWLer (in Vertretung des Patienten) sich selbst kündigen, weil er merkt, dass seine Tätigkeit nur Unsummen von Kohle verbrennt? Ich glaube, die Bankenkrise hat da eindrucksvoll gezeigt, wie sich die Wirtschaftsbosse in einem solchen Fall verhalten. Und weil der Arzt keinerlei Möglichkeiten hat, begründeten Anspruch auf medizinische Versorgung zu versagen und der Patient in der Regel kein Interesse hat, zu "kündigen", sollten die finanziellen Folgen eben nicht in der Praxis bzw. beim Krankenhaus liegen, sondern direkt bei der Solidargemeinschaft in Form der Krankenkassen.

Mir ist auch klar, dass sich das Thema schwierig gestaltet (und wahrscheinlich schlecht von mir präsentiert wird), aber es darf nicht sein, dass ein Krankenhaus/eine Praxis bei Patienten mit optimaler Versorgung (hier im Sinne von optimalen Prozessabläufen im Krankenhaus gemeint) draufzahlen muss - jedes Krankenhaus sollte in der Lage sein, rentabel zu wirtschaften.

Die Diskussion, was im Gesundheitssystem rentabel ist, wird früher oder später eh auf uns zukommen und wahrscheinlich wird es ein vergleichbares System wie in Großbritannien geben, aber das ist Sache der Solidargemeinschaft/Krankenkassen und die Ärzte sollten da nur beratend involviert sein.

pottmed
12.02.2010, 08:04
Prinzipiell habt ihr vollkommen Recht und jedes Krankenhaus und jede Praxis sowieso (dort trägt nämlich ein Individuum das Risiko) sollte in der Lage sein rentabel zu arbeiten.

Das Problem liegt, wie so häufig, in der Vergütungsstruktur und ich kann euch sagen, dass es dort die optimale Lösung kaum gibt.
Budgets oder DRGs führen zu einer Erlösdegression, die rentables Arbeiten ab einem gewissen Punkt unmöglich macht, von daher wäre eine Einzelleistungsvergütung wünschenswert.
Diese führt aber zu einem Phänomen, das man in der VWL Angebotsinduzierte Nachfrage nennt, sprich Ärzte erbringen mehr Leistungen als für eine effiziente Therapie eigentlich nötig wären um ihren Erlös zu optimieren.

Wie löst man dieses Vergütungsdilemma ? Bis zum heutigen Tag hat leider niemand die optimale Lösung (das englische System ist es mit Sicherheit nicht!) und alle Reformen die gemacht werden sind im Prinzip Praxisversuche von wissenschaftlichen Modellen mit ungewissen Ausgang :-nix

test
13.02.2010, 09:49
Hallo liebe angehende und bereits fertige Mediziner,

ich bin gerade dabei mir zu überlegen, ob ich kommenden Semester ein Medizinstudium beginnen soll. Ich bin mir vollkommen sicher, dass mir ein Medizinstudium und auch der danach folgende Arztberuf sehr viel Spaß machen wird.
Allerdings bin ich wirklich am Zweifeln aufgrund des relativ gesehen geringen Verdienstes, zumindest in den ersten Jahren der Laufbahn. Wobei man die Laufbahn ja auch erst mit Ende zwanzig beginnt ...

Ich will hier nicht die Gehaltsfrage breittreten oder dem Gehalt eine zu hohe Bedeutung zumessen. Aber meiner Meinung nach ist es auch nicht wahr, dass es das Wichtigste ist, dass der Job Spaß macht und das Gehalt ist mehr oder minder unwichtig.
Das merkt jeder, der schon einmal einen Job hinter sich hat. Der Spaß und die Freude an der Arbeit ist natürlich essenziell, aber eine schlechte oder unangemessene Bezahlung drückt doch ebenso deutlich auf die Laune und Motivation wie uninteressante Aufgaben im Job.


Bei mir (Abi 1,3) ist es momentan so, dass ein Medizinstudium bereits mein zweites Studium wäre und ich dafür meinen momentanen Job opfern müsste.
Ich habe Wirtschaftswissenschaften fertig studiert und nebenbei den IHK-Industriekaufmanntitel erworben. Nun bin ich frische 23 und arbeite beim größten Industriekonzern Deutschlands (7 grüne Buchstaben ;-)).
Momentan verdiene ich mit einem unbefristeten Vertrag und inkl. Weihnachtsgeld + Zusatzleistungen knapp 53.000 EUR/Jahr. Die weiteren Aussichten was Karriere und Gehalt angeht sind auch nicht schlecht.
Der Job macht Spaß, erfüllt mich aber nicht wirklich und Medizin hatte mir bereits vor dem Wirtschaftsstudium überlegt, weil es mich einfach fasziniert.

Wenn ich mir überlege, was ein Arzt zu Beginn seiner Karriere verdient und dass die Gehaltssprünge selten in gleicher Höhe ausfallen wie in der Industrie, dann komme ich aber schon ins Grübeln ...
Knapp 3000Eur brutto (netto wohl ca 1700- 1800) mit Ende zwanzig ... das ist vergleichbar mager mit anderen Akademiker-Berufen (vor allem in dem Alter, manche haben dann schon ihre ersten Beförderungen hinter sich und sind Teamleiter).

Im Prinzip ist es also die alte Frage "Geld oder Liebe (zum/im Beruf)" :-nix

Seid ihr bereit finanziell zurückzustecken für euren Traumjob? Welche Bedeutung hat das Gehalt für Euch?

Wenn ihr die Wahl habt zwischen
- einem Job, der nicht euer Traumjob ist, aber auch morgens keine Magenkrämpfe verursacht, wenn ihr zur Arbeit geht
- und eurem Traumjob, der allerdings wesentlich geringer bezahlt wird?
Wie würdet Ihr euch entscheiden?

Freue mich auf euren (ehrlichen) Antworten!

Tobi

P.S.: Bezüglich dieser ganzen Gehaltsthematik gibt es interessante psych. Studien aus Finnland. Dort hat man 300 Arbeitnehmer gefragt, welche Bedeutung das Gehalt unter 9 anderen Aspekten des Jobs (interessante Aufgaben, Verantwortung, usw.) hat.
Wurde der Arbeitnehmer gefragt "Was ist Ihnen persönlich am wichtigsten im Job?": so lag das Gehalt in 80% der Fälle an 8.-10. Stelle.
Wurde der Arbeitnehmer jedoch gefragt "Was denken sie ist IHREM KOLLEGEN im Job am wichtigsten?": lag das Gehalt in 85% aller Fälle auf den Plätzen 1.-3. :-D
Das Problem der "sozialen Erwünschtheit" lässt grüßen^^


Hatte gerade keine Zeit alle Antworten zu lesen aber ich weiß nicht, woher du die 3000 brutto her hast. An den meisten Kliniken fängt man mit knapp unter 4000 ohne Dienste an. Ca. ab dem 3.-4. Jahr kommt man ohne Dienste auf ein ähnliches Gehalt wie du, mit Diensten je nach Fach noch deutlich mehr. Desweiteren hast du jährliche Aufstiege + FA und OA Aufstiegsmöglichkeiten. Guck dir am besten mal die Gehaltstabellen des öffentlichen Dienstes und der Unikliniken an, damit du einen realistischeren Eindruck vom Gehalt bekommst.

Watson
20.02.2010, 15:25
Also 3891€ im ersten Jahr kommt mir schon sehr viel vor. Momentan (als Schüler) kann ich mir sehr schwer vorstellen, wie man bei solch einem noch relativ hohen Gehalt unzufrieden sein kann, wenn man doch machen darf, was einem Spaß macht, was einen interessiert.
Das Argument mit dem Zeitaufwand des Berufs kann ich nicht einschätzen, da mir auch kein vergleichbares Beispiel einfällt ....:-oopss

Hoffe mal jez nicht zuviele Leute verärgert zu haben :D

Grüße

Giant0777
20.02.2010, 16:11
Das Argument mit dem Zeitaufwand des Berufs kann ich nicht einschätzen, da mir auch kein vergleichbares Beispiel einfällt ....:-oopss

ja, hier scheint wohl das problem zu liegen, so hörte ich gestern von einem kollegen, dass es zwar toll ist, ein gutes gehalt zu erhalten, aber das der zeitaufwand ( 240h pro monat ) eben zu hoch sei.

ich denke selbst, dass sich die einkommenssituation für ärzte in dtl. in den letzen jahren sehr zum positiven entwickelt hat. man scheint schnell zu vergessen, dass die nachteile des berufs auch schon vor 10 jahren bestanden - nur gab es da noch 36h schichten, aip,...

mir scheint es, dass sich grade hier in dtl. sehr schnell wieder der duktus entwickelt hat, dass ärzte aufgrund ihrer bildung, ihrer verantwortung und ihrer dienstbelastung eben auch überdurchschnittlich bezahlt werden müssten. ABER: ärzte werden sehr gut bezahlt - grade im vergleich zu anderen berufen und mangels erfahrung vieler forenteilnehmer ( wer hat schon in 10 anderen berufen gearbeitet ) scheint das übersehen zu werden.

ich bleibe bei der eingangsfrage: ein medizinstudium lohnt sich aus vielerlei gründen, finanzielle gründe sprechen mit sicherheit jedenfalls NICHT dagegen.

lg, giant

John Silver
21.02.2010, 12:29
Bezahlung ist ein Thema, welchem man nicht durch den bloßen Vergleich absoluter Monatsgehälter nähern sollte, weil's schnell zu einer Milchmädchenrechnung verkommt. Klar, 4000 € Grundgehalt im Monat sind vergleichsweise gut für Leute mit 2-3 Jahren Berufserfahrung. Wenn man für dieses Geld aber 80 statt 40 Stunden pro Woche arbeitet, relativiert sich die Summe schon sehr. Andererseits gibt es immer mehr Kliniken, in denen die Arbeitszeiten sehr zivil sind, bei gleichen Gehältern. Es hängt also auch sehr von der Klinikwahl ab.
Ein weiterer Punkt, der gern in solchen Diskussionen missbraucht wird, sind die Dienste. Klar, durch Dienste steigt das absolute Gehalt; wenn man aber dabei bedenkt, dass die Nacht-, Wochenend- und Feiertagsarbeit (und das sind diese sogenannten "Bereitsschaftsdienste" in Wahrheit) in jeder Branche mit deutlichen Zuschlägen belohnt, bei Ärzten aber mit deutlichen Abzügen "bestraft" wird, relativiert sich auch dieser "Segen"; von der deutlichen Einschränkung fürs Privatleben rede ich gar nicht erst.
Und wenn man sagt, die Einkommen der Ärzte hätten in den letzten Jahren eine sehr positive Entwicklung genommen, ignoriert man unabhängige Studien, die über die letzten 20 Jahre einen durchschnittlichen Einkommensverlust von 50% bei Ärzten feststellen. Wir sind zwar nach wie vor Gutverdiener, aber von einer positiven Gesamtentwicklung kann ganz sicher keine Rede sein.
Die Aussichten für die Zukunft sind insgesamt jedoch recht gut, bedingt durch den schnell steigenden Ärztemangel. Es gibt mittlerweile Kliniken, die anfangen, deutlich übertariflich zu bezahlen, und da gute Fachleute immer rarer werden, wird sich dieser Trend sicher fortsetzen und ausweiten.