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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Frust im Job - was tun?



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samigra
02.08.2010, 21:50
Hallo Ihr, in der Neuro sieht es leider nicht anders aus. Man schrubbt Tag für Tag die Stationsarbeit mit vielen Überstunden weg und soll dankbar sein, wenn die wenigstens bezahlt werden. Weiterbildung findet nur in Form sporadisch stattfindender Vorträge eines OA statt. Die Diagnostik (NLG, EMG, Doppler, EEG) wird ausschließlich von den OÄ durchgeführt - obwohl mir im Vorstellungsgespräch natürlich was ganz anderes versprochen worden ist.
In der Klinik, in der ich bis vor einem Jahr beschäftigt war, war's genauso, weshalb ich dort gekündigt habe. Letztendlich bin ich durch den Stellenwechsel aber nur vom Regen in die Traufe gekommen.
Jetzt könnte ich theoretisch bald die FA-Prüfung machen und habe das Gefühl, ich kann überhaupt nix. :(

DoFu
15.08.2010, 14:50
Hi!

Ich hab ein anderes Frust-Problem.
Habe vor sechs Wochen meine erste Stelle in der Inneren angetreten.
Vom ersten Tag an habe ich gemerkt, dass dieser Job nichts für mich ist. Die Kollegen sind überwiegend sehr nett und auch die Oberärzte sind eigentlich ganz ok.
Trotzdem bin ich mit diesem Job, genauer mit meiner Berufswahl totunglücklich!
Ich kann keine kranken Menschen, Patientenakten, Schwestern, Pfleger, Kollegen und Krankenhäuser mehr sehen.
Am liebsten würde ich alles hinschmeißen und was ganz anderes machen.

Die schönste Zeit in meinem Leben hatte ich, als ich noch meine teilweise recht stumpsinnigen Jobs im Rettungsdienst und in der Kneipe hatte.

Hat jemand von Euch schonmal ne Stelle nach zwei Monaten gekündigt?
Kennt ihr jemand der nach seinem Medizinstudium nochmal was ganz anderes gemacht hat?

Ich bin total fertig! :-heul

Sebastian1
15.08.2010, 16:16
Grade von Kollegen aus der Inneren habe ich persönlich das häufiger gehört. 6 Wochen sind nicht grad eine lange Zeit, aber wirklich glücklich klingst du nun gerade nicht. Fachrichtungswechsel? Wir haben einige Ex-Innere-Assis bei uns in der Anästhesie, von denen hat es noch keiner bereut :)

DoFu
15.08.2010, 16:30
Ich weiß, dass sechs Wochen nicht lange sind.
Aber es liegt wie gesagt nicht daran, dass ich mich noch nicht zurecht finde würde oder, dass alles zu viel wäre.
Es ist einfach diese Gefühl, dass es nicht im Ansatz das ist was ich die nächsten Jahre machen möchte.
Ein guter Freund, selbst Betäuber, hat mir auch die Anästhesie empfohlen. Arbeiten im OP oder auf Intensiv war allerdings noch nie mein Ding.

Selbst für Stellen im öffentlichen Gesundheitswesen, der Lehre, oder im Medizincontrolling braucht man klinische Erfahrung, ggf. sogar nen Facharzt.

Es ist zum Verzweifeln!

Feuerblick
15.08.2010, 16:50
Nun mal immer mit der Ruhe! Eine Stelle nach sechs Wochen zu kündigen, weil man nicht glücklich mit seinerWahl ist, ist kein Problem - hab ich durchaus einmal getan. Wichtiger ist aber ein Plan B! Ich persönlich kann nicht wirklich glauben, dass dir nach mindestens vier Famulaturen und einem Jahr PJ jetzt auffällt, dass du Krankenhäuser, Patienten und alles andere nicht leiden kannst.

Setz dich hin und überlege dir zwei Dinge:
1. Wo willst du hin? Willst du MedizinControlling oder öffentliches Gesundheitswesen als langfristiges Ziel angehen? Dann solltest du (mal abgesehen davon, dass eine gewisse Praxis in der Patientenversorgung halt auch dafür nötig ist) überlegen, welche zusätzlichen Qualifikationen du dir aneignen kannst, damit das mit dem Ziel klappt. Was wäre sonst noch für dich denkbar?
2. Welche Fächer kannst du dir vorstellen? Und sei es nur, um deine klinische Zeit hinter dich zu bringen. Innere wäre beispielsweise nie etwas für mich gewesen. Aber es gab durchaus Fächer, die mir für eine gewisse Zeit Spaß gemacht hätten. Unter anderem Radiologie (wenig ernsthafte Patientenkontakte), Gyn (Geburtshilfe hätte mich für vieles entschädigt)...
3. Komplett raus aus der Medizin? Welche Berufe würden dir denn Spaß machen? Was würdest du gerne tun?

--> Mach dir eine Liste und überlege dir Plan B. Mit einem Ziel vor Augen steht man nämlich oft auch das "notwendige Übel" mit der Patientenversorgung besser durch. UND: Große Lücken im Lebenslauf sind meist schwerer zu begründen als mehrfache Stellenwechsel. Also lieber Geld verdienen und nebenher den Absprung planen. :-meinung

DoFu
15.08.2010, 17:38
Kennt ihr jemand der nach Studium und Approbation seine ärztliche Tätigkeit komplett aufgegeben und stattdessen nen ganz anderen Job gemacht hat?
Würd mich mal interessieren.

Feuerblick
15.08.2010, 17:39
Ich kenne zumindest eine Person, die ihre ärztliche Tätigkeit für einige Jahre an den Nagel gehängt und etwas komplett anderes gemacht hat... Hat aber nach ein paar Jahren doch wieder in einer Klinik angefangen. Möglich ist das aber... warum auch nicht?

Muriel
15.08.2010, 18:10
Als ich im Blockpraktikum war, hatten wir einen Patienten, der jahrelang oberärztlich (Anästhesist) eine operstive ITS geleitet hatte, bis er die Medizin an den Nagel gehängt hat, um mit seiner Frau ein Cateringunternehmen aufzumachen. Das ist zwar etwas extrem, aber durchaus möglich ;-)

dreamchaser
15.08.2010, 18:12
Gerade mit einem Medizinstudium gibt es viele Möglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt. Ich würde mir jedoch überlegen, ob dieses Gefühl vielleicht aus einer Art Ohnmacht entsteht, dass du vielleicht mit allem überfordert bist und daher dieser Fluchtreflex entsteht. Natürlich besteht jederzeit die Möglichkeit zu gehen, aber das Team scheint ja völlig ok zu sein - vielleicht gibst du der Arbeit eine Chance. Wenn dich die klinische Tätigkeit komplett abgeschreckt hätte, dann hättest du das ja schon im PJ gemerkt. Aber vielleicht war das PJ ok, weil du da ohne Verantwortung zuschauen konntest. Ich habe mir am Anfang auch überlegt, ob der Job für mich das Richtige ist - mittlerweile macht es mir Spaß, weil ich Unterstützung von den Vorgesetzten und Kollegen bekommen und sehr viel gelernt habe.

WackenDoc
15.08.2010, 18:19
@DoFu: Vielleicht probierst du erstmal noch ne andere Fachrichtung aus, bevor du die Medizin ganz an den Nagel hängst.
Ich finde Innere auch eher unbefriedigend. Wenn ich überleg, wie wenig Patienten wir den Tags über durch die Ambulanz schleusen (erst recht, wenn wir mehrere Ärzte sind) und man dann doch den ganzen Tag zu tun hat- find ich echt doof.
Ist schon was anderes, wenn man an nem Tag 30 oder 40 oder noch mehr PAtienten hatte- da weiss man wenigstens warum man Abends platt ist.

Auf Station wars nicht viel besser-den ganzen Tag am Rödeln, ständig gestört werden, ständig die Angst was Wichtiges übersehen zu haben und keine Atempause in Sicht.
Richtig alleine und selbständig arbeiten kann man für ne lange Zeit auch nicht.

Himmel, bin ich froh, dass ich nicht noch auf Intensiv muss und nur noch knapp 11 Monate in der Inneren hab.

Allgemeinmedizin im öffentlichen Dienst ist echt mein Favorit. (Und dann irgendwann Notarzt fahren)

Tibia
15.08.2010, 19:31
Vor ein paar Jahren ging doch mal dieser Herzchirurg durch die Medien, Chefarzt einer Uniklinik und eine angesehene Koryphäe auf seinem Gebiet.
Der hat mit Mitte 50 seinen Job an den Nagel gehängt, um für ne Spedition LKW zu fahren und durch die halbe Welt zu kutschen - fand ich irgendwie cool :-)) Soweit ich weiß konnte ihn nichts und niemand zurückholen.

Muriel
15.08.2010, 19:34
Auf Tibias Tipp hin gerade gefunden (http://www.markus-studer.ch/) :-))

Die Niere
15.08.2010, 21:42
Kennt ihr jemand der nach Studium und Approbation seine ärztliche Tätigkeit komplett aufgegeben und stattdessen nen ganz anderen Job gemacht hat? Würd mich mal interessieren.Eine meiner besten Freundinnen, hatte nach 4 Jahren Arztdasein so dermassen die Sch*** gestrichen, dass sie jetzt auf medical engineering umgeschwenkt ist und diesen Schritt zu keiner Sekunde bereut. Aber ich würde nach 6 Wochen lieber erstmal über einen Fachrichtungswechsel nachdenken bevor du dich auf die Suche nach alternativen Berufsfeldern machst.

gruesse, die niere

Lava
16.08.2010, 08:22
Hab meine Frustursache etwas eingrenzen können: ich hasse die Station, auf der ich bin und ich HASSE meinen Oberarzt. Mit dem kann man nicht arbeiten. Ich komme nicht voran, ich mache nur noch Rückschritte. Aber: Augen zu und durch. Dreieinhalb Monate auf dieser furchtbaren Station habe ich hinter mir, vielleicht komme ich nach zweieinhalb weiteren wieder woanders hin.

konstantin
16.08.2010, 10:11
Reportage zum Dr. Fernfahrer (http://www.videoportal.sf.tv/flash/videoplayer.swf?mode=embed&segment_id=4b3952f2-0d44-4ca5-bb56-51c9df65a893&referrer=http://verlag.woerterseh.com/index.php%3foption=com_content&task=view&id=219&Itemid=102)

redsonja
16.08.2010, 14:27
So, ich überlege mir ernsthaft, von der UCH/Ortho in die Radiologie zu wechseln, ich werde jetzt anfangen, Bewerbungen zu schreiben. Ich habe auch WIRKLICH kein Bock mehr auf die Station/Ambulanz und die ganze Rumplackerei mit den Anträgen und dem ständigen Genörgle des Sozialdienstes/der Pflege usw.. Wie einige schon geschrieben haben, ich habe auch Angst etwas falsch zu machen, ich hab auch den Eindruck, als ich angefangen hatte war ich selbstsicherer und konnte irgendwie mehr, doch jetzt hab ich fast ständig Zweifel und Angst im Dienst. Nach fast 3 Jahren reichts mir, v.a. mit den Diensten, daß die einem reingedrückt werden und dann muß man noch nett tun und hochmotiviert sein....Neee!

Ist jemand in der Radiologie und kann mir sagen, ob sich der Wechsel rentiert? Sind die Bedingungen besser als auf den patientenführenden Stationen? Wie gestalten sich die Dienste? Mir strebt eine Stelle in einem großen KH vor, dort ist die Radiologie die größte Abteilung.

Danke für die Rückmeldung!:-))

Die Niere
17.08.2010, 14:30
Dir wird niemand verlässlich sagen können, ob die Bedingungen besser sind, denn auch dies ist von Abteilung zu Abteilung unterschiedlich...gleiches gilt für die Dienste. Ich kenne Spitäler, da stöhnen die Assistenten weil sie sich todarbeiten in den Diensten, in anderen krankehäusern zeigt sich genau das Gegenteil.

gruesse, die niere

sweeticetea
22.08.2010, 10:28
Hallo liebe Forum-Leser,

ich bin verzweifelt...ich brauche Rat...ich brauche Zuspruch...wie soll ich das noch durchstehen ?
Ich bin zur Zeit auf einer Station beschäftigt, die einfach eine Katastrophe ist. Der Umgang ist abartig, unter der Gürtellinie, ohne Respekt - und das geht von Seiten des Pflegepersonals, aber leider auch von Seiten des Oberarztes...Ich habe Dienstzeiten, die völlig konträr zu 'normalen' Arbeitszeiten sind. 24h Dienste bis zum Abwinken. Ich lerne NICHTS. Und wenn ich dann nachts allein vor dem instabilen Patienten stehe, dann liegt es an mir, was ich tue oder auch nicht. Eigentlich war ich am Anfang meiner Weiterbildung total motiviert, mit den richtigen Mitarbeitern zusammen hat es Spaß gemacht und selbst die Dienste habe ich sogar gern gemacht. Aber seit einigen Monaten geht alles den Bach runter. Ich bin nach den Diensten so angeschlagen, dass ich nur noch heulen könnte. Es sind wahrscheinlich nur noch ein paar Monate auf dieser Station, aber ich bin mir nicht sicher, ob ich überhaupt diese Zeit überstehe. Ich habe keinerlei Motivation mehr, keine Lust, bin eigentlich ein ganz anderer Mensch, wenn ich an der Arbeit bin. Ich schalte auf Durchzug. Nettigkeiten, Mitarbeitermotivation, Zuwendung - das sind alles Fremdwörter bei uns.

Ich denke, Ihr habt vielleicht auch schon ähnliche Erfahrung gemacht. Vielleicht könnt Ihr mir irgendwie helfen ?
Ansonsten danke für's Lesen.

- sweeticetea

Feuerblick
22.08.2010, 10:31
Hilf dir selbst und such dir eine neue Stelle... Wieso glauben eigentlich alle Leute immer noch, dass sie fürs "Durchhalten" irgendwie belohnt werden? Wenn die Arbeit auf die Psyche schlägt, ist spätestens (!!!) der Moment gekommen, in dem man sich eine Alternative suchen muss. Kein Mensch dankt es einem, wenn man widerwillig zur Arbeit geht, nicht vorhandene Weiterbildung und gesundheitliche Einbußen (bei sich UND bei Patienten) in Kauf nimmt!!!!:-meinung

sweeticetea
22.08.2010, 10:39
... ich bin schon dabei, mich woanders zu bewerben, aber ich möchte die nächsten Monate noch 'überstehen' wg. Weiterbildung usw....weißt Du, ich wollte einfach nur mal drüber schreiben und manchmal kommen ja Tipps rüber, an die man selbst noch nicht gedacht hat. Außerdem gibt es vielleicht ähnliche Leidensgeschichten...