Anmelden

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Frust im Job - was tun?



Seiten : 1 2 3 4 [5]

Absolute Arrhythmie
23.08.2010, 10:44
@ Thomas24: Und was ich mit meinem Post verdeutlichen wollte: Es gibt in jedem Beruf Unzufriedenheit. Und es gibt in jedem Beruf manchmal schlechte Arbeitsbedingungen. Die einzige Möglichkeit, wenn man seine n erlernten Beruf weiter ausüben will, ist die, die hier schon oft genannt wurde. Man sucht so lange die richtige Stelle, bis man sie gefunden hat. Man wechselt bis man ein Team gefunden hat, in dem man sich wohlfühlt. Und dann macht einem auch ein schlechter Tag mal nichts aus.
Mir bricht kein Zacken aus der Krone wenn ich etwas für nen Arzt tue, wenn ich sehe dass der Stress hat. Andererseits kommt es auch vor dass unser Stationsarzt nicht so viel zu tun hat, und dafür das Pflegepersonal Stress. Dann kommt es bei uns auch vor dass ein Arzt mal ne Perfusorspritze wechselt...
Und in nem Team, in dem man sich hilft, lassen sich schlechte Arbeitsbedingungen besser aushalten.

Von daher finde ich es blödsinnig anderen Leuten vom Medizinstudium abzuraten, wer im Krankenhaus arbeitet weiß wie das manchmal abgeht. Und wer 12 WS wartet, der wird wohl auch net mehr so ganz naiv sein.
Und außerdem muss man ja nicht zwingend in die Innere gehen ;)

Moorhühnchen
24.08.2010, 21:18
Mit dem ehemaligen Opripramol-Einnehmer in diesem Thread kenne ich damit insgesamt schon 5(!) Medikamentenjunkies im Medizinbereich und mein Horizont ist, dank Chirurgie, echt beschränkt.

Irgenwie ist dieser Job krank.
:-meinung
Ja, was soll ich sagen - hatte mir das damals eben auch anders vorgestellt. ;-)
Kann Dir aber sagen, daß der ehemalige Opipramol-Einnehmer sehr froh war, den Grund der Einnahme 2 Wochen später schon wieder losgeworden zu sein (mittels Kündigung). Ich seh mich da nicht als Junkie, sondern als jemand, der es halt eine kurze Zeit als Hilfe angenommen hat (ob es in der kurzen Zeit überhaupt was gebracht hat, ist ja eh fraglich, aber der Kopf spielt da ne ganz entscheidende Rolle!).

Ganz wohl war mir in der damaligen Situation eh nicht, alle Verwandten/Bekannten hielten mich für verrückt, daß ich meine Wunschstelle nach so kurzer Zeit hinschmeißen wollte und es gab nur eine einzige Person (außer den Leuten hier im Forum), die mir geraten hat, das alles aufzugeben und lieber nochmal neu (anderes Haus, anderes Fach) anzufangen. Hat ja auch gut geklappt - nur was, wenn's in die Hose gegangen wäre???

Kackbratze
24.08.2010, 22:07
Das Wort "Junkie" wird von mir nicht so negativ behaftet verwendet, wie es der allgemeine Sprachgebrauch tut.
Falls das zu Irritationen geführt hat oder sich jemand damit angegriffen fühlt, tut mir das Leid!!!

Sebastian1
24.08.2010, 22:41
Naja, ich finde es auch schon bedenklich, wenn der eigene Job, zumal als Berufsanfänger nach wenigen Wochen/Monaten, solche Auswirkungen auf einen hat. Und solche Berichte vermeine ich aus der Medizin tatsächlich überdurchschnittlich häufig wahrzunehmen. Ob es daran liegt, dass ich nunmal weniger mit BWLern, Juristen oder Einzelhändlern als mit Ärzten zu tun habe oder dass die Affinität zu und Beschaffbarkeit von entsprechenden Medikationen in den medizinischen Berufen einfach da ist, weiss ich nicht. In den USA scheinen, zB laut einer Reportage auf WDR5 (oder Deutschlandfunk?) vor einigen Wochen, die Einstellungen zB zu (vermeintlich?) leistungssteigernden Mittelchen wie zB Ritalin, die EInstellungen dazu erheblich laxer zu sein, sprich, die Hürde und Bereitschaft zur Einnahme wird offenbar wesentlich unkritischer gehandhabt. Ich finde sowas äusserst bedenklich, denn Medikamente sollten meiner Meinung nach einen krankhaften Zustand behandeln, und das eben auch nur so lange, wie dieser anhält. Aber das führt weit weg von der hier eigentlichen Situation.
Achja, bevor es Missverständnisse gibt: Ich wollte den Abusus nicht gleichsetzen zB mit der gerechtfertigten Behandlung mit opipramol o.ä.; in Bezug darauf finde ich es nur bedauerlich, dass es offenbar so oft dazu zu kommen scheint, dass diese Berechtigung vorhanden ist.

Narcanti
24.08.2010, 22:49
...,daß ich meine Wunschstelle nach so kurzer Zeit hinschmeißen wollte...

Wurden dir damals falsche Tatsachen vorgespielt, oder warum entpuppte sich deine Wunschstelle dann als Alptraum?
Vielleicht magst du mal erzählen, was du bei der neuen Stellensuche anders gemacht hast, oder ob du auf andere Dinge wert gelegt hast, um nicht wieder sowas zu erleben, als Tipp für zukünftige Anfänger? Das wäre nett:-)

John Silver
25.08.2010, 10:27
Wurden dir damals falsche Tatsachen vorgespielt, oder warum entpuppte sich deine Wunschstelle dann als Alptraum?
Vielleicht magst du mal erzählen, was du bei der neuen Stellensuche anders gemacht hast, oder ob du auf andere Dinge wert gelegt hast, um nicht wieder sowas zu erleben, als Tipp für zukünftige Anfänger? Das wäre nett:-)

Auch wenn man kein Anfänger mehr ist, kann es einem passieren, dass man bestimmten Leuten auf den Leim geht. Klar, eine Hospitation zeigt einem schon auf, ob es in der Abteilung insgesamt ein gutes Arbeitsklima gibt oder ob sich einige stets gegenseitig an die Gurgel gehen. Aber so mancher Chef schafft es recht erfolgreich, sich im Vorstellungsgespräch als ein Supertyp zu verkaufen, und entpuppt sich später als ein Riesenpopoloch. Das kriegt man vorher kaum raus, es sei denn, man verfügt über Insiderwissen oder kann Leute befragen, die sich auskennen. Dafür ist die Probezeit geschaffen. Wenn man merkt, dass die Stelle doch nicht so toll ist wie man dachte, ist es besser, gleich zu gehen, als durchzuhalten. Man muss nicht unbedingt die Fachrichtung wechseln, aber heutzutage ist es in den meisten Fachrichtungen nicht gerade ein Riesenproblem, eine Stelle zu finden.

Leelaacoo
25.08.2010, 10:42
Dinge, die ich gelernt habe:

1. Niemand bedankt sich im KH, wenn man sich zu Tode schuftet...egal, welch gutes Klima herrscht und wie nett der Chef ist...es ist MEIN Leben, ich muss nicht lebenslang höheren Mächten dafür dankbar sein, Arzt zu sein und da arbeiten zu dürfen, wo ich ausgenutzt werde...ich hab studiert, ich arbeite, basta...das ist nichts, weshalb man vor Dankbarkeit auf dem Boden zerfließen müsste...

2. Die (v.a. "neuen") Chefs sind nicht deshalb Chefs, weil sie toll mit Personal umgehen können oder eine gute Lehre machen...sondern weil sie unglaublich viel Zeit in einem universitär-abgehobenen Umfeld und vielen Kriechern und mit viel Bla-bla verbracht haben, kaum Privatleben hatten und manchmal einfach von basaler Patientenversorgung und wirklichem Leben viel zu weit weg sind, um überhaupt zu MERKEN, was in ihrer Abteilung los ist (oder wie wird man mit 40 Jahren sonst Prof?)...deshalb braucht man gute Oberärzte (meiner Meinung eh die wichtigste Berufsgruppe im KH für eine gute Weiterbildung und Zufriedenheit der Assis). Also werde ich mir von nun an mehr die OAs anschauen als den Chef...

3. Wenn man in den letzten Wochen lauter halb-tote (und dann auch leider ganz tote) junge und auch ältere Leute aus zerquetschten Autos geholt/ unter Straßenbahnen herausgezerrt hat und plötzlich der oder die eine Kollege(-in) von einem auf den anderen Tag fehlen, weil krank/ depressiv/ tot (auch aus somatischen Gründen)...da fragt man sich doch, vor WEM zum teufel man denn Rechenschaft darüber ablegen muss, weil man sich plötzlich doch entscheidet, ein Cafe zu eröffnen/ mittelmäßiger Autor zu werden/ auf Hundetrainer zu schulen oder whatever...und diese Denkweise entspannt ungemein...auch wenn man erst mal in der Tretmühle weiterarbeitet...niemand hat meine Seele mit dem Arbeitsvertrag erkauft:-meinung

LG Lee (heute rebellisch..sch*** auf die Innere:-kotz )

WackenDoc
25.08.2010, 10:59
sch*** auf die Innere )

Amen:-meinung

Noch 10 Monate und 5 Tage

Allona
25.08.2010, 11:14
Dinge, die ich gelernt habe:

1. Niemand bedankt sich im KH, wenn man sich zu Tode schuftet...egal, welch gutes Klima herrscht und wie nett der Chef ist...es ist MEIN Leben, ich muss nicht lebenslang höheren Mächten dafür dankbar sein, Arzt zu sein und da arbeiten zu dürfen, wo ich ausgenutzt werde...ich hab studiert, ich arbeite, basta...das ist nichts, weshalb man vor Dankbarkeit auf dem Boden zerfließen müsste...

2. Die (v.a. "neuen") Chefs sind nicht deshalb Chefs, weil sie toll mit Personal umgehen können oder eine gute Lehre machen...sondern weil sie unglaublich viel Zeit in einem universitär-abgehobenen Umfeld und vielen Kriechern und mit viel Bla-bla verbracht haben, kaum Privatleben hatten und manchmal einfach von basaler Patientenversorgung und wirklichem Leben viel zu weit weg sind, um überhaupt zu MERKEN, was in ihrer Abteilung los ist (oder wie wird man mit 40 Jahren sonst Prof?)...deshalb braucht man gute Oberärzte (meiner Meinung eh die wichtigste Berufsgruppe im KH für eine gute Weiterbildung und Zufriedenheit der Assis). Also werde ich mir von nun an mehr die OAs anschauen als den Chef...

3. Wenn man in den letzten Wochen lauter halb-tote (und dann auch leider ganz tote) junge und auch ältere Leute aus zerquetschten Autos geholt/ unter Straßenbahnen herausgezerrt hat und plötzlich der oder die eine Kollege(-in) von einem auf den anderen Tag fehlen, weil krank/ depressiv/ tot (auch aus somatischen Gründen)...da fragt man sich doch, vor WEM zum teufel man denn Rechenschaft darüber ablegen muss, weil man sich plötzlich doch entscheidet, ein Cafe zu eröffnen/ mittelmäßiger Autor zu werden/ auf Hundetrainer zu schulen oder whatever...und diese Denkweise entspannt ungemein...auch wenn man erst mal in der Tretmühle weiterarbeitet...niemand hat meine Seele mit dem Arbeitsvertrag erkauft:-meinung

LG Lee (heute rebellisch..sch*** auf die Innere:-kotz )
Das unterschreibe ich Dir 1:1.:-meinung

sweeticetea
25.08.2010, 16:31
Hey Lee,

hast alles auf den Punkt gebracht !

Unsere Seele haben wir nicht verkauft !

Und unser Leben auch nicht !

- sweeticetea

Evil
25.08.2010, 17:55
Selbst wenn man wie ich eine Stelle gefunden hat, wo vergleichsweise ideale Bedingungen herrschen, ist irgendwann die Luft raus... das normale Arbeiten macht zwar schon noch Spaß, aber von Vordergrund-Diensten habbich jetzt nach gut fünfeinhalb Jahren die Nase sowas von voll, da freu ich mich dann doch auf die demnächstige Niederlassung.

Moorhühnchen
25.08.2010, 19:46
@ Bratze und Sebastian: ich hab mich nicht angegriffen gefühlt. :-)

@ John und Leelaa: sehr gute Beiträge, so in etwa stehe ich auch zu dem Thema, auch wenn mich mich letzte Woche schon wieder dabei erwischt habe, mit wirklich dickster Erkältung zu arbeiten, da mir der Personalmangel dezent unter die Nase gerieben wurde (zum anderen aber auch, weil ich dachte, so einen Frühdienst an einem bestimmten Tag durchsetzen zu können, an dem ich zum Spätdienst eingeteilt war).
So habe ich mich eine Woche krank in die Klinik geschleppt, darunter noch 2 minder schöne Dienste gerissen - einer davon samstags 18 h non-stop-OP - und am Ende war ich zwar nicht mehr wirklich krank, dafür aber fertig. Aber was war passiert?
Wir waren so unterbesetzt (krank/schwanger/unbesetzt), daß wir am Ende nur noch mit 4 Assistenten gearbeitet haben (von eigentlich so um die 20) und trotzdem alle Säle liefen!!!

Gut, wenn andere ersetzbar sind - ICH bin es auf alle Fälle! Hab mich dann 2 Tage krankgemeldet.


Wurden dir damals falsche Tatsachen vorgespielt, oder warum entpuppte sich deine Wunschstelle dann als Alptraum?
Vielleicht magst du mal erzählen, was du bei der neuen Stellensuche anders gemacht hast, oder ob du auf andere Dinge wert gelegt hast, um nicht wieder sowas zu erleben, als Tipp für zukünftige Anfänger? Das wäre nett:-)
Nein, eigentlich war es meine eigene Dummheit und Verblendetheit.
Nach 2 Famulaturen in der Inneren an dem KH, wo ich auch schon Pflegepraktikum gemacht hatte, wurde ich quasi in die Neuro eingeladen. Die Famulatur war klasse, ich durfte viel machen und habe viel gelernt. Das Klima in der Abteilung fand ich sehr angenehm und mir war relativ schnell klar, daß ich mir Neuro als Fach vorstellen könnte. Und daß ich genau DORT gerne PJ machen will.

Hab mich also angestrengt und meine PJ-Stelle ein paar Jahre später dort bekommen. Ich habe wieder sauviel gelernt, weil eben viele Altassis in der Abteilung, die Stimmung in der Abteilung war allerdings schon in Schieflage geraten, da leicht unterbesetzt und anderes Arbeitszeitmodell in der Abteilung (alle Assis hatten 90% Stellen mit längerer Arbeitszeit, aber viel Urlaub). Die Assis rieten mir damals schon davon ab, mich dort zu bewerben, "Du bist ja total verrückt, willst Du Dir DAS HIER wirklich antun?"

Ich war so blöd und wollte, ich fand immer noch Fach, Abteilung, Arbeitsumfeld totaaaaal toll, hab mich nach dem Examen dort beworben, bin genommen worden und durfte nach 2 Tagen meine Station alleine schmeißen..... eingearbeitet war ich ja quasi schon, haha.

Viele der Altassis waren mittlerweile im Psych-Jahr, niedergelassen oder woanders hingegangen. Ein neuer Kollege war in der Probezeit gekündigt worden, eine andere Kollegin im Dauer-krank, mit mir haben noch 2 Neue angefangen. Das Arbeitsaufkommen gefühlt noch höher als im PJ und die Liegezeiten natürlich immer kürzer (wie überall), Überstunden mindestens 3 bis 4 pro Tag (eher mehr, bei einer 90%-Stelle) und dann war gerade so das Nötigste erledigt. Möglichst schnell "dienstfit" gemacht zu werden, war das einzige Ziel..... nach 4 Wochen hab ich einen Monat lang täglich Spätdienst auf der Stroke gemacht und habe gleichzeitig alle Konsile der Notaufnahme abarbeiten müssen. Dort mußte ich nach telefonischer Rücksprache mit dem OA entscheiden, ob ein Patient bleibt oder geht, dh. die neurologische Untersuchung mußte sitzen. Die Patienten wurden nur in Ausnahmefällen vom OA gesehen.

Nach der zweiten Woche wußte ich schon nicht mehr, wo mir der Kopf steht, ich hatte eine PJ'lerin, die von den praktischen Fähigkeiten eher mau war (aus einer Braunüle kann man Blut abnehmen??), aber sonst sehr interessiert und der ich wenig bieten konnte, da ich genug mit mir selbst beschäftigt war.

Eine meiner neuen Kolleginnen hatte ebenfalls nach 3 Monaten ihre erste Stelle an einer anderen Klinik aufgegeben und zu uns gekommen, ihr war es nach ihren Erzählungen dort noch schlimmer ergangen und sie fand es bei uns vergleichsweise "idyllisch". Auch wenn ich Geschichten von Freunden an der Uni hörte, war da alles "noch viel schlimmer".... mir hat's da allerdings schon gereicht. Mein größtes Problem waren die Visiten und die ellenlangen Briefe, sowie die Aktenstapel im Schrank. Deswegen hab ich mir ein Fach gesucht, in dem ich das alles (erstmal) nicht habe.

Hat sich gelohnt! :-))