Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Erfahrungen Psychosomatik?
dreamchaser
22.01.2011, 21:31
Wenn man über etwas herzieht, sollte man Ahnung davon haben...auch als Psychiater scheinen manche hier ja eher wenig über die Psychosomatik zu wissen...sehr sehr schade. Oder es liegt an den eher dünn besiedelten Psychososmatkgefilden, die von Leuten "regiert" werden, die ihr eigenes fach in den Abgrund treiben...auch schade.
In meinem haus gab es die Psychosomatikabteilung integriert im Zentrum für Innere Medizin, der Chef war Internist und Psychossomatiker, die Assistenten und OÄ größtenteils in erster Linie aus der Inneren und rotierten auch ganz normal durch andere Abteilungen. nachdem der Chef in rente ging wurde die Abteilung rein psychosomatisch und fast komplett ausgelagert...viele Assistenten wechselten in die anderen internistsichen Abteilungen, ich habe mit einigen längere Zeit im PJ und in meiner Anfangszeit arbeiten dürfen udn habe sie extrem zu schätzen gelernt...
Die Innere (und auch große Teile der Neurologie) bestehen aus Patienten, welche eine psychosomatische Komponente ihrer Erkrankung haben. Es handelt sich dabei NICHT ausschließlich um Essstörungen und Zwänge etc. Viele chronische Schmerzsyndrome, Kopfschmerzen insbesondere, Rückenschmerzen, Verdauungsstörungen, selbst Herzinfarkt- und Schlaganfallpatienten profitieren von einer psychosomatischen Herangehensweise...das hat nicht zwangsläufig was mit der Psychiatrie an sich zu tun...die Gesprächsführung und dann die nachfolgende Entlastung der Patienten waren oft sehr beeindruckend.
Ich würde gerne für mehr meiner internistischen Patienten eine psychosomatische MItbehandlung wünschen, das ist aktuell leider nicht mehr so einfach möglich, weil die Abteilung nun geschrumpft ist und sich zu einer Essgestörtenstation entwickelt hat.
Psychosomatik würde ich selbst nicht machen wollen...aber das fach (wie es sein könnte und sollte) hier als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme zu diffamieren udn die Ärzte dort als Drückeberger zu bezeichnen ist schon ein starkes Stück...ich bin an den meisten der deutlich psychosomatisch erkrankten Pat. regelmäßig verzweifelt und war froh, wenn die gingen...und was sollte ein Psychiater mit denen anfangen? Das ist quasi ein anderes Fach, wie Innere und Chirurgie....keine Psychiatrie kann psychosomatischen Patienten gerecht werden, andersrum genauso....
Und wenn ich einen Psychiater treffe, der durch Blut und Kotze watet, ohne mich zu rufen---:-top (wo find ich den, bei uns nicht:-)) )
LG Lee
Danke, ich habe mir ähnliches gedacht. Die Psychiater schicken uns sogar Patienten zum ZVK ziehen - ich bezweifle, dass die sich die Finger mit irgend etwas schmutzig machen. Und auch Psychosomatiker führen nachts um 2 Uhr Therapiegespräche und reorientieren die Dissoziativen (und dabei sind die allermeisten Psychiater völlig überfordert und erklären die Pat. kurzerhand für schizophren).
Macht uns arme Psychiater doch nicht so fertig ;-)
Leelaacoo
23.01.2011, 07:22
Aber nein, Apple, ich wollte damit nur sagen, dass man Psychiater UND Psychosomatiker braucht und dass es eigentlich unterschiedliche Fächer sind...und habe mich ja größtenteils auf EKT bezogen...aber er/sie scheint ja anderweitig frustriert zu sein:-nix
Wer kennt denn eine Psychosomatikabteilung in D, die noch internistisch geführt ist? Würd mich mal interessieren....
@dreamchaser: ihr habt Patienten mit ZVK in die Psych geschickt? Cool, bei uns würde der Sturm losbrechen...manchmal werde ich zur Viggo-Anlage gerufen...und zum auskultieren, weil kein Stethoskop aufzufinden ist ;-) (kommt auf den Assi an, natürlich).
LG Lee
Wer kennt denn eine Psychosomatikabteilung in D, die noch internistisch geführt ist? Würd mich mal interessieren....
In HD gibts ne Klinik für Allgemeine Innere Medizin und Psychosomatik, die mit einem Standort der Inneren und mit dem anderen der psychiatrischen Klinik angesiedelt ist. Dort arbeiten jeweils zum einen Internisten mit dem Schwerpunkt Psychosomatik und in dem anderen Standort Mediziner, die den Zugang von der psychiatrischen Ausbildung her gefunden haben :-top
dreamchaser
23.01.2011, 09:27
@dreamchaser: ihr habt Patienten mit ZVK in die Psych geschickt? Cool, bei uns würde der Sturm losbrechen...manchmal werde ich zur Viggo-Anlage gerufen...und zum auskultieren, weil kein Stethoskop aufzufinden ist ;-) (kommt auf den Assi an, natürlich).
LG Lee
Ja, haben wir mal gewagt ;-) Und einmal kam jetzt sogar ein Patient von dort mit der Bitte um ZVK-Anlage - sie haben scheinbar gelernt, was der komische Schlauch im Hals ist. Aber ob sie ihn wieder selbst entfernt haben, weiss ich nicht. Unsere Psychiatrie ist ein paar Kilometer weit entfernt, da kann kein Internist eben mal rüber gehen. Die werden alle mit KTW und ggf. Pfleger von dort gebracht und wieder mitgenommen.
Und ja: Psychiatrie und Pychosomatik haben ihre Berechtigung als Fachgebiet finde ich! Nur darum ging es mir.
Aber nein, Apple, ich wollte damit nur sagen, dass man Psychiater UND Psychosomatiker braucht und dass es eigentlich unterschiedliche Fächer sind...und habe mich ja größtenteils auf EKT bezogen...aber er/sie scheint ja anderweitig frustriert zu sein:-nix
Wer kennt denn eine Psychosomatikabteilung in D, die noch internistisch geführt ist? Würd mich mal interessieren....
@dreamchaser: ihr habt Patienten mit ZVK in die Psych geschickt? Cool, bei uns würde der Sturm losbrechen...manchmal werde ich zur Viggo-Anlage gerufen...und zum auskultieren, weil kein Stethoskop aufzufinden ist ;-) (kommt auf den Assi an, natürlich).
LG Lee
Da bin ich beruhigt ;-)
Die OÄ in unserer Psychosomatik ist Internistin, meinst du das ? (Direktor ist aber Psychiater)
*medimaus*
01.04.2011, 22:50
Hallo zusammen!
Ich habe mein PJ in der Psychosomatik gemacht und war begeistert. Hab auch mein Wahlfach in der Psychiatrie gemacht, weil ich eben den direkten Vergleich haben wollte.
Mein Eindruck zu den Unterschieden ist folgender:
In der Psychosomatik sind die Menschen weniger "neurologisch" oder organisch krank als in der Psychiatrie. Die meisten sind im Grunde normale Menschen mit echten psychischen Problemen, also wo man viel mit Gesprächen und kognitiver Umstrukturierung und ohne Medis erreichen kann. Das ist oft ein sehr intensiver Kraftakt, denn nicht selten muss man erstmal rausfinden, was im Leben des Patienten schief läuft und zum Symptom führt. Und dann muss der Pat auch noch beginnen, dies zu ändern.
In der Psychiatrie ist das Krankheitsbild meines Erachtens heraus sehr viel häufiger "in sich" begründet, hat evtl. sogar ein organisches Korrelat wie bei Psychosen oder Suchterkrankungen.
In der psychiatrie sind die Menschen oft schlimmer krank, brauchen mehr Medikamente und schaffen häufig nicht den psychsomatischen Therapiemarathon mit den ganzen Gruppen-, Einzel-, Bewegegungstherapien und sonstigen Angeboten.
Die Therapie-Zeit pro Patient ist in der Psychiatrie oft weniger, was für viele Akutpatienten oft eine Erleichterung ist. Psychosomatik-Patienten (und die entsprechenden FÄ) wollen in erster Linie reden, reden und reflektieren.
Wenn ich ein tiefgreifendes Problem mit meiner selbstwahrnehmung hätte und mich im Job immer Aufreiben müsste und irgendwann wegen chronischer Spannungsschmerzen im Rücken nicht mehr arbeiten kann, dann käme ich mir zwischen Psychotikern, Schizophrenen und SVVlern seltsam vor.
Andersrum kann man jemanden, der so depressiv ist, dass er keine einzige Therapiesitzung durchhält oder sogar suizidal ist, nicht in die PSO.
Bei uns gab es übrigens in der PSO genauso wie in der Psychiatrie eine medizinische Sprechstunde durch einen der Assis. Da werden Labore, EKGs und körperliche Untersuchungen sowie Medikamenteneinstellungen in Eigenregie durchgeführt und bewertet. (und glaubt mir, ich weiß was ******* und Kotze ist: Bulimie und Laxanzienmissbrauch ist in der PSO an der Tagesordnung)
Die Psychiatrie hat mich eher abgeschreckt. Viele Medis, wenig Gespräche, viele sehr, sehr beeinträchtigte Menschen.
Bin zur Zeit in der Inneren, mache meine 24h Dienste und habs ehrlich gesagt satt immer nur huschihuschi mit den Leuten zu reden. Der Alki macht seinen Entzug und ich hab kaum Zeit rauszufinden, warum er nun er rückfällig ist und wie er vorhat weiter zu machen. Klar: Alkoholkarenz und sozialarbeiterische Betreuung, ambulante Selbsthilfegruppe vor Ort. Aber jedem ist klar, der kommt wieder.
Genauso wie die Depressive mit ihren Asthmaanfällen, die immer in Begleitung einer Übermutter erscheint. Wenn du da das Wort "psychosomatische Beteiligung" in den Brief schreibst ist es fast ein verbrechen, dabei kann das noch so begründet und offensichtlich sein.
:-dagegen
stennadolny
02.04.2011, 06:47
In der Psychosomatik sind die Menschen weniger "neurologisch" oder organisch krank als in der Psychiatrie. Die meisten sind im Grunde normale Menschen mit echten psychischen Problemen, also wo man viel mit Gesprächen und kognitiver Umstrukturierung und ohne Medis erreichen kann.
Komisch, nicht wenige sagen: Das geht eigentlich auch in der Psychiatrie !
Komisch aber auch, daß die Psychosomatiker in der Regel NICHT mit Akutpatienten, akuten Krisen oder Suizidalität arbeiten.
Könnte es sein, daß sich die Psychosoamtik oftmals die "pfleglicheren" Pat. aussucht ?
Das ist oft ein sehr intensiver Kraftakt, denn nicht selten muss man erstmal rausfinden, was im Leben des Patienten schief läuft und zum Symptom führt. Und dann muss der Pat auch noch beginnen, dies zu ändern.
Bumm. Dafür ist die Psychiatrie, nicht mal die Forensik, echt nicht berühmt.
In der Psychiatrie ist das Krankheitsbild meines Erachtens heraus sehr viel häufiger "in sich" begründet, hat evtl. sogar ein organisches Korrelat wie bei Psychosen oder Suchterkrankungen.
Das ist - mit Verlaub- entweder psychsomatische Vorurteilsfreiheit oder aber Denken von Vorgestern.
Welche organische Korrelate haben den Schizophrene oder Alkoholiker ?
Psychosomatik-Patienten (und die entsprechenden FÄ) wollen in erster Linie reden, reden und reflektieren.
Das haben sie mit Psychsomatik-Therapeuten gemein. Oder auch nicht.
Wenn ich ein tiefgreifendes Problem mit meiner selbstwahrnehmung hätte und mich im Job immer Aufreiben müsste und irgendwann wegen chronischer Spannungsschmerzen im Rücken nicht mehr arbeiten kann, dann käme ich mir zwischen Psychotikern, Schizophrenen und SVVlern seltsam vor.
Bekomme aber akut und immer Hilfe. Übrigens: Kenne trotz viel Erfahrung in der Psychiatrie keinen, der wegen eines "tiefgreifenden Problems" in der Selbstwahrnehmung mit Rückenschmerzen sich jemals auf eine Geschlossene begeben hätte.
Die Psychiatrie hat mich eher abgeschreckt. Viele Medis, wenig Gespräche, viele sehr, sehr beeinträchtigte Menschen.
Wie man eben die Psychiatrie gestaltet: Psychsomatik dann wohl als Behandlung "light": Wenn jemand nicht "sehr beeinträchtigt" ist, dann ist er ein passender Pat.
Der Alki macht seinen Entzug und ich hab kaum Zeit rauszufinden, warum er nun er rückfällig ist und wie er vorhat weiter zu machen.
Dann solltest Du mal auf einer guten Suchtabteilung in der Psychiatrie hospitieren: Es geht sehr wohl !
Übrigens: Wenn Du Euren Entzug für zuwenig hältst, warum überweist Du die Pat. dann nicht in eine Suchtfachabteilung, die sehr wohl einen qualifizierten Entzug hinbekommt ? Oder redest mit den Oberen über Kooperation mit einer Psychiatrie, weil Internisten eigentlich nur dann Entzüge machen, wenn die Betten internistisch nicht gut belegbar sind......
Gibt es eigentlich in einem der somatischen Gebiete auch eine Aufteilung in einen entsprechenden Facharzt für Leichtkranke und einen für Schwerkranke?
Die sogenannte Psychosomatik ist eine fast ausschließlich deutsche Spezialität. Sie ist unsinnig und überflüssig, möchte sich ein angenehmes Leben mit "reflektierenden" Patienten gestalten und sich die Massen an schwer psychisch Erkrankten sowie die Akutmedizin vom Leibe halten. Das ist aus ethischer Sicht in höchstem Maße zweifelhaft!:-meinung
Colourful
07.04.2011, 19:39
Die sogenannte Psychosomatik ist eine fast ausschließlich deutsche Spezialität. Sie ist unsinnig und überflüssig, möchte sich ein angenehmes Leben mit "reflektierenden" Patienten gestalten und sich die Massen an schwer psychisch Erkrankten sowie die Akutmedizin vom Leibe halten. Das ist aus ethischer Sicht in höchstem Maße zweifelhaft!:-meinung
Na ja, ich kann das aber auch verstehen, es gibt auch genug Ärzte, die gern mit psychisch Erkrankten arbeiten möchten, denen aber die meisten psychiatrischen Patienten einfach "zu viel" sind.
Und die machen dann unter Umständen auch Psychosomatik.
Ich denke auch, dass gute Psychiatrie das genauso kann, aber gute psychiatrische Medizin zu machen, ist in vielen Fällen auch einfach schwierig.
Und ich finde das jetzt persönlich auch nicht toll, würde das aber auch nicht verurteilen.
LG!
*medimaus*
07.04.2011, 22:02
nun, die Aufteilung gibt es in der Somatik schon, wenn man mal über den Status eines Allgemeinmediziners im Vergleich zum Klinikarzt in der Inneren oder Chirurgie oder gar in der Intensivmedizin nachdenkt.
Ich finds gut, dass es so eine Trennung gibt und und erkenne auch an, dass die Psychiatrie durchaus ihren Teil zu leisten vermag.
Dennoch finde ich spezielle Settings sehr sinnvoll und frage mich, ob das eine Psychiatrie leisten kann...
Ist es in der Psychiatrie, zb bei einer Bulimie- oder Binge-Eating-Kranken tägliche Essbeaufsichtigungen mit Nachruhe, Essplanbesprechungen, Gruppentherapie zwei bis 3mal pro Woche, Genusstrainig, zweimal Einzel, zweimal Kunst, zweimal KBT und dann auch noch Jacobson anzubieten und gleichzeitig ein Setting zu schaffen, was ein geregeltes Essverhalten unterstützt (Verbote von Süßkram, Süßstoff usw. für alle Patienten)?
Gibt es eigentlich in einem der somatischen Gebiete auch eine Aufteilung in einen entsprechenden Facharzt für Leichtkranke und einen für Schwerkranke?
Die sogenannte Psychosomatik ist eine fast ausschließlich deutsche Spezialität. Sie ist unsinnig und überflüssig, möchte sich ein angenehmes Leben mit "reflektierenden" Patienten gestalten und sich die Massen an schwer psychisch Erkrankten sowie die Akutmedizin vom Leibe halten. Das ist aus ethischer Sicht in höchstem Maße zweifelhaft!:-meinung
*eyesroll*
Ach weißt Du, wenn ich an die ganzen Psychiater denke, die nur stundenlang mit den Patienten in irgendwelchen lang vergangenen Wunden wühlen, wonach sich der Patient nur noch viel schlechter fühlt, nichtsdestoweniger aber immer noch nicht weiß, wie er denn nun mit seinen Problemen umgehen soll, dann finde ich psychosomatische Kollegen dagegen richtig hilfreich ;-)
nun, die Aufteilung gibt es in der Somatik schon, wenn man mal über den Status eines Allgemeinmediziners im Vergleich zum Klinikarzt in der Inneren oder Chirurgie oder gar in der Intensivmedizin nachdenkt.
Dem kann ich nicht zustimmen. Ein Allgemeinarzt ist nicht jemand, der prinzipiell Leichtkranke versorgt. Er behandelt ja u. a. auch chronisch Schwerkranke im Nichtakutzustand sowie palliative Patienten. Überhaupt hat er grundsätzlich ein "spezielles" Fachgebiet mit eigenen Methodiken und Denkansätzen, er übt also keineswegs nur eine Art Verdünnungsmedizin der zahlreichen "richtigen" Fachgebiete aus!
Leelaacoo
13.04.2011, 12:47
Also ehrlich gesagt empfinde ICH die psychosomatisch erkrankten Patienten gerade in der Inneren eben nicht gerade als "leicht"...da ist mir die Pneumonie-Antibiose-Beatmung-Sepsis-Sache deutlich lieber und fällt mir leichter...an was machst du, EKT, denn die Erkrankungsschwere eines Patienten fest? SAPS-Score? Blödsinn...
Fakt ist trotzdem, es sind einfach 2 verschiedene Fächer...ebenso könnte man über den Unterschied Ortho/ Unfallchirurgie daherreden....ist halt so. Wenn du dich für übervorteilt hälst in der Psych, dann kannst du dir problemlos ein Jahr Psych auf die Psychosomatikweiterbildung anrechnen lassen.
Was mir zum Beispiel in der Psychosomatik bei uns besser gefällt...alle WB-Assis mach ein Jahr Innere und ein Jahr Psych...das täte den Kollegen der Psychiatrie auch ganz gut (ok, Neuro müssen die, aber inzwischen haben sich beide Fächer so weit voneinander wegentwickelt, dass dieses Fremdjahr meiner Ansicht nach keine große Berechtigung mehr hat...vor allem, nachdem ich gestern dem Psych-Kollegen zum wiederholten Male erklären musste, dass ich während einer Intubation nun mal NICHT kurz eben die QT-Zeit in einem EKG ausmessen kann...und auf die Bitte, das mal ausnahmsweise selbst zu machen- hätt ihm auch ein Lineal geschenkt:-D - bekam ich die Antwort: also, DAS wär nun wirklich zu viel verlangt und nicht seine Aufgabe...er wär schließlich für psychiatrische Probleme da...die Disskussion - mit dem Laryngoskop in der Hand und Telefon von Schwester ans Ohr gehalten - hat bei mir auch mal GANZ kurz psychiatrische Probleme ausgelöst).
LG Lee (schenkt allen Psychiatern zu Weihnachten ein lineal:-)) )
Fakt ist trotzdem, es sind einfach 2 verschiedene Fächer... Wenn du dich für übervorteilt hälst in der Psych, dann kannst du dir problemlos ein Jahr Psych auf die Psychosomatikweiterbildung anrechnen lassen.
In meiner psychiatrischen Klinik versorge ich unter anderem auch täglich sogenannte psychosomatische Patienten. Es ist ja gerade der große Irrtum, daß man diese Leute in einem Sondergebiet aussortiert. Sie sind essentieller Bestandteil des umfassenden Fachgebietes Psychiatrie, und das ist gut so!
(Psychiatrie hat nämlich tatsächlich verschiedene "Handwerksmittel" zur Verfügung - nicht nur Medis und EKT - ja wirklich!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!):-):-):-):-):-):-):-):-):-):-):-):-):-):-):-):-):-):-):-):-):-):-):-):-):-):-)
stennadolny
13.04.2011, 19:35
@ evil:
Ach weißt Du, wenn ich an die ganzen Psychiater denke, die nur stundenlang mit den Patienten in irgendwelchen lang vergangenen Wunden wühlen, wonach sich der Patient nur noch viel schlechter fühlt, nichtsdestoweniger aber immer noch nicht weiß, wie er denn nun mit seinen Problemen umgehen soll, dann finde ich psychosomatische Kollegen dagegen richtig hilfreich
Nun Evil, hier hast Du entweder im Medizinstudium nicht aufgepaßt oder bist generell nicht auf der Höhe der Zeit und der (mitteleuropäischen) Psychiatrie: Deine plakativen Vorurteile scheinen aus Woody-Allen-Filmen zu stammen.
Sie stellen wohl auf Psychoanalyse bzw. Gesprächstherapie ab - beides Psychotherapieschulen, die in Deutschland nicht nur stationär ein Nischendasein führen. Aus gutem Grund, wie ich meine.
In Deutschland, wo die Psychiatrie praktisch NIE (bis heute !) rasend psychotherapeutisch versiert war, sondern eher medikamenten - und vergasungsorientiert (in der NS-Zeit), hat man den Exodus der häufig jüdischen Psychoanalytiker (auch) in die britische und amerikanische Psychiatrie bis heute nicht verkraftet.
Stationär hat etwa in München am Forschungs"mekka" Max-Planck-Institut das zarte Pflänzchen der Psychoanalyse komplett abgewirtschaftet und wurde gegen den putzigen und grandios klinisch erfolglosen, aber sündteuren "wissenschaftlichen" Neuroendokrinozirkus von Holsboer ausgetauscht.
Nein, die psychotherapeutische Ausbildung der Psychiater in der Masse ist schlecht in Deutschland, aber immerhin nehmen immer mehr davon die lösungsorientierte Verhaltenstherapie für sich in Anspruch.
@Leelaacoo:-top
Was mir zum Beispiel in der Psychosomatik bei uns besser gefällt...alle WB-Assis mach ein Jahr Innere und ein Jahr Psych...das täte den Kollegen der Psychiatrie auch ganz gut (ok, Neuro müssen die, aber inzwischen haben sich beide Fächer so weit voneinander wegentwickelt, dass dieses Fremdjahr meiner Ansicht nach keine große Berechtigung mehr hat...
Das Problem mit vielen Psychiatern in D ist: Sie sind in der Psychiatrie gelandet, weil sie die Somatik nicht ausstehen können oder schlicht nicht checken. Das muß so auch mal gesagt werden. Selbstverständlich braucht man als Psychiater mind. 1 Jahr Innere (, was übrigens die meist völlig bescheuklappten Psychiatriechefs schon hassen wg. "Fremd"kompetenz und so....), die miserable Qualität des Neurojahres für Psychiater (und des Psychiatriejahres für Neurologen) liegt aber der Politik der Chefärzte und der Ärztekammern.
Ich bin auch immer wieder erstaunt mit welch rotzfrecher Imkompetenz Psychiater einfachste internistische oder orthopädische Sachverhalte an den KonsilFACHARZT delegieren- wohl auch aus Rache für die Verachtung, die viele Somatiker (mit Recht ?) den Psychiatern entgegenbringen.
Das kann soweit gehen, daß ein Nullachtfuffzehn-Psychiatriechef ohne jegliche fachliche Spezialkompetenz in einer Klitsche einen überregional bekannten Schlaganfallfuzzi, dabei habilitierten und klinisch überaus versierten Neurologen bei dessen "Antrittsbesuch" als Chefarzt eine halbe Stunde warten läßt, weil er noch "Patienten" hatte.
Außer Machtspiel ist da nicht viel Seelendoktorei.
Daß gerade in der Psychiatrie Bevölkerungsgruppen, Randgruppen auftauchen, die man dort somatisch wenigstens ansatzweise abgreifen/ durchchecken könnte, ist Psychiatern nicht beizubringen, weil es "von der Krankenkasse nicht bezahlt" wird. Ich kenne Beispiele in Bayern, wo noch nicht mal ein Konsilinternist mehr die Psychiatrie betritt, weil es "zu teuer kommt". Dafür werden die Pat. dann mir dem Rettungswagen "ambulant" bei den Somatikern vorgestellt, die Kosten für die Allgemeinheit sind enorm.
Wer freilich noch nicht gelacht hat, für den gibt es einen Brüller zum Schluß: In der Psychiatrie gilt in gewissen Kreisen allen Ernstes die (retrospektive) "psychologische Autopsie" als Forschungsansatz. Stichwort:Suizid. :-D
Rechtverdreht
04.05.2011, 14:48
Generell findet man sowohl in der Psychosomatik und Psychiatrie nur sehr wenige gute Leute; entweder mangelt es an den fachlichen oder den persönlichen Fähigkeiten oder an beidem. Ob's tatsächlich die Faulen und Unfähigen sind, die sich vor der somatischen Medizin scheunen, weiß ich nicht. Bei einem gewissen Prozentsatz (Höhe??) halte ich es aber für wahrscheinlich.
Die Psychiatrie leidet unter den Schwächen, die auf ihrer historischen Entwicklung beruhen. Die Ideen der Sozialpsychiatrie, die alle in einen Topf wirft, war für die Patienten eher ein Unglück als ein Glück.
Was sich unterscheidet, sind die Stellenschlüssel, die Ziffern meines Wissens und damit auch die angebotenen Leistungen und Abrechnungsmöglichkeiten, was dazu führt, dass in der Psychiatrie immer noch verstärkt Medikamente gegeben werden und Psychotherapie wenig bis kaum stattfindet. Die Psychosomatik arbeitet generell anders. Auch hier gibt's neben den Reha-Kliniken Akutkliniken. Aufgrund des zunehmenden Patientenaufkommens und der relativ wenigen Psychosomatik-Plätze geht's aber bei fast keiner Psychosomatik mehr, als Akut-Patient aufgenommen zu werden. Dafür stehen aber immerhin noch die psychosomatischen Ambulanzen von psychotherapeutischen Kliniken zur Verfügung.
Es kommt auf's Haus an, auf die Strukturen einer Einrichtung, auf die Leitung und auf's Störungsbild, ob Psychiatrie oder Psychosomatik besser helfen kann.
Wir brauchen dringend beides. Und in vielen Fällen, gerade da, wo's um die Krankheitsbilder geht, die wirklich psychisch bedingt sind, stecken viele Psychsomatiker die Psychiater mit links in die Tasche. Grade im Bereich Traumafolgestörungen sind sogar die allgemein ausgebildeten Psychotherapeuten und Psychosomatiker komplett überfordert. Wenn ich für jede von einem Psychiater im Bereich Trauma gestellte Fehldiagnose einen Euro hätte, wäre ich stinkreich.
Für Gespräche ist immer noch der Psychotherapeut (sowohl ärztliche als auch psychologische Psychotherapeuten) und für medikamentöse Therapie eher der Psychiater Ansprechpartner.
In einer optimalen Welt wäre sowohl die Psychiatrie als auch die Psychosomatik nicht wegzudenken. Allerdings müssen sich beide Fachrichtungen - wenn sie ehrlich sind - eingestehen, dass sie je nach Störungsbild dem anderen massiv unterlegen sind und sich, wenn sie reife und verantwortungsbewusste Ärzte sind, an die andere Fachrichtung im Bedarfsfall wenden.
Alles in allem: Es gibt in jedem Bereich Nieten und davon massig, als auch gute Leute.
Was beschissen und kontraproduktiv ist, ist Patienten aller Störungsbilder in eine Rieseneinrichtung zu stopfen, gemeinsam zu behandeln, als wären sie alle gleich (bekloppt). Dem ist nicht so. Und was dem Schizophrenen gut tut, das kann den Traumapatienten in den Suizid treiben.
Diese Gleichmacherei der Patienten zum Wohle von Schizophrenen, denen man gerne die Stigmatisierung abnehmen möchte, hat nur gebracht, dass jetzt alle psychisch Kranken ausgegrenzt werden. Super Lösung von der Psychiatrie!
Und ein paar Leute in der Psychiatrie kamen irgendwann auf den guten (!!) Gedanken, dass man nicht Menschen, die zwar Probleme haben, aber sonst normal ticken, mit Patienten zusammenstopfen kann, bei denen der Verstand komplett austickt. Die einen haben nämlich Angst vor den anderen!
Und irgendwann hat man diese Trennung durchgezogen und man kann nur sagen: Zum Glück ist es in Deutschland so, zum Glück gibt's hier diese Spezialität Psychosomatik, die sich auch zunehmend spezialisiert. Endlich haben Menschen die Chance, gesund zu werden, die sie in der Psychiatrie nicht hatten.
Eine internistisch-psychosomatische Klinik gibt's z.B. auch in Kaiserslautern, wo hauptsächlich Menschen in Krisen behandelt werden. Ist Akut-Einrichtung. Die Notdienste in der Nacht und am Wochenende werden von der Neurologie übernommen. Mit der Psychiatrie hat die Abteilung sehr wenig zu tun.
Und Psychosomatiker bewegen vielleicht nicht durch Kotze und Sch..., aber dafür sperren sie ihre Patienten nicht so schnell sicherheitshalber weg, wie das Psychiater tun und halten bei weitem größere persönliche Belastungen aus als die lieben Psychiater, weil sie mit ihren Patienten viel intensiver im Kontakt sind. Vor allem arbeiten sie aber mit den Patienten intensiv, die DIS, Borderline und alles aus dem PTBS-Spektrum haben, was sehr viel fachliches Know-How und viel Erfahrung verlangt. Die meisten dieser Patienten sind chronisch suizidal und ich persönlich möchte diese Belastung nicht aushalten. Weiterer typischer Bereich für Psychosomatik ist die Begleitung von Transplantations- und Krebspatienten, Hospizdienst, Konsiliardienst bei Unfallopfern, plötzlichem Kindstod, eintretenden Behinderungen usw..
Wie wertvoll die Arbeit der Psychosomatiker ist, merkt man erst, wenn man sie als Patient braucht. Da kann man die Psychiater nämlich regelhaft vergessen, wenn sie arbeiten wie üblich, also in eigener Praxis mit 15-Min-Fließband-Terminvergabe oder in einer Allgemein-Psychiatrie.
Wer sich als wirklich psychisch kranker Mensch mit Problemen unter Schizophrenen wiederfindet, die an Aliens glauben oder sonstige Wahnvorstellungen haben, hat allen Grund, sich die Pulsadern aufzuschneiden.
Daher gibt's die Psychosomatik, weil manche Ärzte so menschlich und so gescheit waren, solche Mechanismen zu begreifen und neue Wege zu gehen.
Psychisch krank ist nicht gleich psychisch krank. Und die Einrichtung der Psychosomatik trägt dem Rechnung. Wieviele Fachrichtungen gibt's im somatischen Bereich? Und die werden alle für sinnvoll und nötig erachtet? Und im psychischen Bereich sollen wir mit EINER EINZIGEN EINRICHTUNG FÜR ALLE auskommen können????
Vielleicht merkt man mal an der Gegenüberstellung, das im Gesundheitswesen gravierend was falsch läuft.
Aber wer's nicht glaubt:
Vielleicht wird sie oder seine Freundin ja irgendwann mal vergewaltigt, dann kann man die Vorteile der deutschen Psychiatrie kennenlernen, wenn sie oder seine Freundin in einer Gruppentherapie mit geistig Behinderten, Alkoholikern und Schizophrenen wieder in den Alltag zurückfinden soll mit ihrer PTBS.
Das das nicht im Interesse von Patienten sein kann, sollte ein normal denkender Mensch von allein begreifen. Wozu diese Diskussion hier geführt wird, ist für mich nicht nachvollziehbar.
Die Psychiater haben keinen Grund, sich hier als was Besseres darzustellen, sind sie nämlich nicht. Sie sind eine relativ schlecht ausgebildete Facharztgruppe, die oft schnell überfordert ist. In Heidelberg waren diejenigen, die von der Psychiatrie kamen, in der Psychosomatik die Rotation machten, die Ärzte, die im Notdienst die absolute Katastophe waren. Niemand hat solche Böcke geschossen, hat sich so daneben benommen und war gleichzeitig so inkompetent, wie die Typen von der Psychiatrie, faul, frech, desinteressiert und arrogant. Zum Glück waren die nie lange da. Dass das Zufall gewesen sein soll, darf glauben, wer naiv ist. Das mal als persönliche Erfahrung. Wie das heute dort ist, weiß ich nicht. Aber früher war's so. Und in der Psychosomatik haben die einen eigenen 24-Std.-Notdienst, den die Psychsomatik selber macht. Von wegen, Psychosomatiker machen nachts um 2 Uhr keine Gespräche!! Das kommt ganz drauf, wo jemand arbeitet. Und wieviele Psychotherapeuten im ambulanten Bereich ihre Handy-Nummer rausgeben, ist auch immer überraschend. Wenn der Psychiater in Weihnachtsurlaub sitzt, ist mein Therapeut via Mail erreichbar, 365 Tage im Jahr.
Die Psychiatrie will in der Regel nach Schema F behandeln und sich nicht verausgaben. Wer sich wirklich im Psy-Bereich anstrengen will, der versucht's mal mit dissoziativen Störungen und Akut-Krisenintervention in einer guten Traumaklinik. Da sitzen die Leute, die echt was können und was ab können.
Was jemand generell draus macht, liegt bei ihm, aber die Psychiatrie, wie sie derzeit noch im Durchschnitt arbeitet, ist eine Zumutung für Patienten und für engagierte Ärzte. Wer da mit Interesse ran geht, geht mit der Depression raus, weil man diese Leute gar nicht wirklich arbeiten lässt.
@Rechtverdreht
So viel undifferenzierten Schwachsinn, wie du hier verbreitest, liest man selten.
In der Psychiatrie wird niemand einfach weggesperrt, sondern nur, wenn es zum eigenen u./o. Fremdschutz sein muß. Und das wird dann auch noch bestens von unserem Justizsystem überwacht.
Vielleicht solltest du mal ein Praktikum in meiner Klinik machen.
Ich arbeite täglich sowohl mit den psychiatrisch angeblich so bevorzugten chronifizierten Schizophrenen, als auch "intensiv" mit Strukturgestörten (sogenannte Borderliner), mit Menschen in "normalen" Krisen und vor allem auch mit Konsiliarpatienten aus der Onkologie u. a. somatischen Fächern.
Das einzige, was leider richtig ist: Es gibt kaum kluge Nachwuchskräfte, und die, die es gibt, meinen, sich an der Uni verkrümeln zu können und sich aus der sehr schweren Basisarbeit heraushalten zu können, um dann irgendwann als Prof. wieder zu erscheinen, der von nichts Ahnung hat....
Rechtverdreht
04.05.2011, 16:36
@ EKT:
Soviel undifferenzierten Schwachsinn, wie Du hier verbreitest, hab' ich auch schon oft von Psychiatern gehört. Und das Justizsystem kenn' ich mit Sicherheit wesentlich besser als Du.
Nimm' Dein Handy, ruf' jemanden an, erzähl's dem, nicht mir, mich interessiert Deine Meinung nämlich nicht, bis Du mal von Deiner überheblichen Position Abstand genommen hast.
Ich sag' dazu abschließend nur eins:
EKT, DU gehörst absolut in die Psychiatrie!
Und ich mag mich mit Dir nicht unterhalten, noch von Dir angeschrieben werden. Ich kenn' Dich aus diesem Forum schon ein paar Tage und ich lege weder auf Dich noch auf Deine Meinung Wert. Also, lass' mich in Ruhe! Ich schreib' meine Meinung und Du kannst Deine schreiben, wenn Du willst oder es lassen. Und damit hat sich die Sache. Man muss sich mit Dir ja nicht abgeben.
Sebastian1
04.05.2011, 16:53
Kleiner Hinweis: in einem Diskussionforum ist eine Diskussion absolut erwünscht. Antworten auf eigene Beiträge sind dabei nicht notwendigerweise nur zustimmend. Insofern ist deine Reaktion unangemessen; näheres hast du bereits per PN erhalten.
Und jetzt bitte zurück zum Thema.
Sebastian1
Admin Medi-Foren
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