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Trianna
28.06.2011, 11:36
Woher nimmt man denn eigentlich diese Zeit solche Post a) zu schreiben und b) zu lesen?? Also ich muss immer nach 1/3 den Zug verlassen, weil ich den Faden vergeblich suche. Dagegen ist Genette ja ein Mickey Mouse Comic...

Coxy-Baby
28.06.2011, 12:13
Nur jeder 1000. Borderline-Patient (sind ja der Hauptanteil der komplex traumatisierten Patienten) bekommt eine angemessene Therapie!!!!!!!!!!!

Besser hätte ich es nicht sagen können, vielleicht sollten Sie mehr Energie in das Finden einer Ihnen angemessenen Therapie stecken und weniger versuchen hier in einem Medizinerforum Kreuzzüge durchzuführen.

Relaxometrie
28.06.2011, 12:32
Besser hätte ich es nicht sagen können, vielleicht sollten Sie mehr Energie in das Finden einer Ihnen angemessenen Therapie stecken und weniger versuchen hier in einem Medizinerforum Kreuzzüge durchzuführen.
Dein Glaube daran, daß eine betroffene Person eine Therapie gegen Borderline-Störungen finden könnte, wo das doch tausenden von Psychiatern kaum gelingt, ist süß.
Vielleicht kann die DBT-Therapie mal etwas bewirken. Aber die ist teuer, da personalaufwändig. Ob sie der Weisheit letzter Schluß ist, kann ich nicht beurteilen. Aber eine unserer engagiertesten Oberärztinnen hat die Therapie angeboten und ich war beeindruckt vom Fachwissen dieser Oberärztin. Und selbst die ist immer wieder an Grenzen gestoßen.
Fazit: komplexes Thema, welches am allerwenigsten durch selbstgefälliges Meckern über Betroffene gelöst wird.

Rico
28.06.2011, 13:35
Liebe Rechtverdreht,

ich denke es Zeit das bisher gesagte in diesem Thread mal Revue passieren zu lassen und zusammenzufassen:
Im großen und ganzen lässt es sich IMHO darauf herunterbrechen, dass Du die Psychosomatik der Psychiatrie bei bestimmten Krankheitsbildern wie der PTBS für überlegen hälst und dafür hast Du auch durchaus plausible Argumente angeführt.
Das ist nun ein Standpunkt, den man mit gutem Recht einnehmen kann, aber die Diskutanten, die die Psychiatrie favorisieren haben da eben ihren eigenen Standpunkt, den man natürlich ebensogut annehmen kann - und sich nicht überzeugen zu lassen ist natürlich auch deren gutes Recht, so wie Du ja offensichtlich ebenso nicht gewillt bist, Dich der gegenteiligen Meinung anzuschliessen.
Soweit ist das ganze ja eine normale Diskussion, wie wir sie hier ständig haben, z.B. zuletzt über die Kompetenzen zwischen Herzchirurgen und Kardiologen (http://www.medi-learn.de/medizinstudium/foren/showthread.php?t=54192) bei verschiedenen Krankheitsbildern - auch hier hat man gesehen, dass es grundverschiedene Standpunkte gibt und keiner davon unbedingt "richtig" oder "falsch" sein muss - daraus muss man auch nicht zwingend Arroganz oder Borniertheit ableiten, bloß weil jemand die Sachlage anders bewertet und zu anderen Schlüssen kommt.

Was jetzt von meiner Warte aus betrachtet nicht ganz nebensächlich zum Konfliktpotential um Deine Posts beiträgt sind die teilweise - no offense - wirren oder unlogischen Gedankengänge, die Du bei der Untermauerung Deiner Thesen abschreitest.
Mal nur ein paar Beispiele aus dem letzten Post:
Die Ursprünge der Psychiatrie in einer auf "Wegsperren und auf physische und psychische Langzeitfolter von psychisch Kranken beschränkt" zu bezeichnen mag zwar sachlich richtig sein - ist aber beileibe kein Argument um die Vorteile der Psychsomatik oder Nachteile der Psychiatrie zu untermauern. Denn vor ein paar hundert Jahren sind auch die Chirurgen noch als Bader und Steinschneider über die Märkte getingelt und haben unter freiem Himmel irgendwelche mehr oder weniger erfolgversprechenden Operationen durchgeführt. Im Vergleich zur Gegenwart hat sich aber - wie in allen Zweigen der Medzin - einiges geändert und deshalb wäre eine Ablehnung der heutigen Chirugie mit Verweis auf die Steinscheider und Starstecher abstrus.
Wenn Du dann auch noch zwei Absätze später selber feststellst, dass die Psychosomatik ja aus der Psychiatrie hervorgegagen ist - also auch die identischen Wurzeln hat - dann kann man da beim besten Willen keinen argumentativen Faden mehr rauslesen, sondern es entsteht zusehens der Eindruck, dass Du alles was Dir vor's Rohr kommt als Argument gegen die Psychiatrie abfeuerst, sodas dadurch auch die guten Argumente untergehen und von Dir selbst durch die unsaubere Argumentationslinie abgeschwächt werden.

Der Postbotenhochstapler... merkst ja selber, dass es ein alter Hut ist... warum erwähnst Du den, aber nicht z.B. den "Notarzt" der kürzlich aufgeflogen ist? Oder die Hamburger "Kinderärztin," die sogar einen Forschungspreis gewonnen hat? Was sagt uns das über diese Fachrichtungen? Nix. Es sagt nur, dass es überall Hochstapler gibt... und v.a. sagt es uns, dass ständig welche auffliegen - so einfach scheint es also doch nicht zu sein, mal eben Arzt zu spielen.

Dazu noch solche Allgemeinplätze wie dass es in der Psychiatrie zu Misshandlungen kommen kann und kommt. Ist ja soweit auch gar nicht abzustreiten, aber das ist ja eher systemimmanent wo immer jemand in ein Abhängigkeitsverhältnis von jemand anderem gelangt. Das gibt es auch in Altenpflegeeinrichtungen, Kinderheimen, ja sogar in Familien - was natürlich alles beklagenswert ist und dringend Lösungsstrategien bedarf, aber eben nicht per se die Institution an sich in Frage stellt.

Vielleicht würde es Deinen prägnanteren Argumenten - auch in Hinblick auf diejenigen, die nur mitlesen - eher guttun wenn sie nicht in einem Meer aus solchen schlecht nachvollziehbaren Konstrukten schwimmen würden.
Und vielleicht auch zu aktzeptieren, dass man andere manchmal nicht überzeugen kann, auch wenn man sich ganz sicher ist, dass man doch die besten Argumente hat - denn letztlich landet die Debatte wenn die Argumente wirkungslos aneinander abprallen eigentlich immer auf der persönlichen Ebene.

Rechtverdreht
28.06.2011, 15:00
@ Rico:

Danke, Du bist der Erste, der es hier gepeilt hat, der vom Schubladendenken wegkommt. Alle anderen sehen ja nur "eine psychiatrische Patientin", weiter reicht's ja nicht. Das macht mich hier auch so frustriert, so grantig, weil man ja nicht dagegen ankommt.

Das ist bei Dir anders. Du bist der Erste, der wirklich gemerkt hat, worum es mir geht. Alles, was ich will, ist, dass psychisch Kranke in Zukunft besser und sachgerechter und mit suffizienteren Therapien behandelt werden. Und dafür habe ich eine Menge guter Argumente, ja, was auch nicht schwer ist, weil auch viele Profis es genau so sehen.

Dass die Lager da geteilt sind, ist soweit ok, kann ich auch akzeptieren, wenn auch mit viel Schlucken.

Dass Medizin über die Köpfe der Betroffenen hinweg gemacht wird, kann ich nicht akzeptieren. Wenn Patienten die Psychosomatik wollen und dadurch eine massive Stigmatisierung verhindert wird, dann finde ich, ist das zu respektieren. Schließlich geht's um die und um deren Lebens(chancen.). Die müssen dann das aushalten, was andere in ihrerm (angeblichen) Fachwissen ausgebrütet haben.

Und über solche Sachen kann man diskutieren, da ist es nicht nötig, mich auf Therapien oder sonstiges zu verweisen oder mich ständig als "Bekloppte" hinzustellen, so wie es alle anderen hier tun. Die Krankheit, die hier zu therapieren wäre, heißt SCHUBLADENDENKEN und die haben die meisten hier, die im Thread geschrieben haben.

Mit einer Ausnahme, die hier eigentlich den Ruf der Ärzte rettet, und die bist Du. Kann man nur den Hut vor ziehen! Mach' ich auch.

Was den Hochstapler angeht:

Ich fand einfach den Zeitraum, den dieser Mensch das abziehen konnte, so erschreckend: 20 Jahre.
Die anderen Fälle, die Du genannt hast, kannte ich nicht.

Und der Verweis auf die "Wurzeln der Psychiatrie" als grausamster Ort, wo ein Mensch landen konnte, hab' ich nur gebracht, weil das in den Köpfen der Bevölkerung immer noch haftet, also die Angst vor Psychiatrie ist da, auch bei Betroffenen. Man hört das vielfach von Leuten, die oft und wiederholt in Psychiatrien waren, oft örtliche, regionale kleine Häuser mit schlechter Leitung und unmotiviertem Personal.

Insofern: Da hast Du es ein bisschen missverstanden, wie ich es gemeint habe.

Insgesamt: Ich denke sehr schnell, deshalb sind manchmal Sprünge im Posting. Und im letzten Posting sind mir die Links durcheinander gerutscht. Wenn ich Lust und Zeit habe, korrigiere ich es vielleicht noch.

Jedenfalls wäre es mal schön, wenn eins hier in den Köpfen ankommt:

Wenn ich einen psychisch kranken Menschen vor mir habe, muss der nicht irre sein, sondern er hat halt seine Probleme. Möchte wissen, wenn jemand von den hier anwesenden Leuten nach einem Verkehrsunfall eine PTBS bekommen würde und alle Welt würde ihn fortan als "Idioten" darstellen und behandeln, was die dann machen würden. Würden die nicht auch über andere schimpfen, dass sie alle Ignoranten und arrogante ... sind?

Ich glaube schon, dass sie das täten...

Ich hab' jedenfalls genug hinter mich gebracht, um kompl. traumatisiert zu sein. Und wenn man mich in einer Psychiatrie mit Manikern und akut Psychotiker zusammengesperrt hätte, hätte ich das nicht überlebt. Und mancheiner hat auch einen Job, der so'ne Stigmatisierung nicht verträgt. Das sind alles Dinge, die gute Ärzte beachten.

Genau deshalb gibt's die Psychosomatik. Und so extremer Psychiater-Gegner bin ich nicht mehr, seit ich meinen Therapeuten kennengelernt habe. Der ist auch eingefleischter Psychiater, aber eben mit Psychotherapeutenausbildung und "quasi neue Generation", der eben vieles so sieht wie ich und es für mich da als Juristin, für die Selbstbestimmungsrecht und Menschenwürde ganz extrem wichtige Begriffe sind, auch leicht fällt, ohne Streit und ohne Feldzüge Konsens zu schaffen. Ich bin auch nicht gegen Ärzte, solange, wie man mit ihnen vernünftig reden kann und sie auf Augenhöhe bleiben, wie es sich für die Kommunikation unter erwachsenen Menschen gehört.

Das war hier leider nicht umsetzbar, weil der Großteil "nur" eine "psychiatrische Patientin" gesehen hat, die mal kurzerhand abgestempelt wird und in Therapie geschickt wird, aber nicht den Menschen und erst recht wurden nicht mehr die Argumente gesehen.

Tatsache ist aber, dass wir alle Menschen sind und keiner hier über mir steht, so, wie ich nicht über anderen stehe, die eben nicht meinen Beruf ausüben, sondern einen anderen.

So einfach ist das eigentlich. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit... Aber im medi-learn-Forum immer ganz schwierig, weil es auf die Ebene "Psychisch Kranke sind Spinner, die man eh nicht ernst nehmen kann!" runtergezont wird.

Ich freu' mich aber, dass es bei Dir anders ist! Darauf, dass es jemand schafft eben über dieses "Arzt-psychisch Kranker"-Schubladendenken raus kommt, hab' ich gehofft. Und es war mehr als frustrierend, wenn man erleben musste, wie lange das hier gedauert hat.

Danke jedenfalls!

PS Was man daraus lernen kann, ist, dass man sich - egal, wie vernünftig man ist - nicht normal mit einem anderen unterhalten kann, wenn der das nicht zulässt und Dir den Verstand abspricht. Das ist das Problem hier mit vielen:Einer psychisch Kranken unterstellt man von vornherein, dass sie spinnt.

Und das ist halt ein Trugschluss.

Da kommt man aber hier nicht dagegen an, dass man als Spinner abgestempelt und schließlich gemobbt wird.. Und genau gegen diese Art mit Menschen umzugehen, bin ich hier - nicht zum ersten Mal - Sturm gelaufen.

Ob's was bringt? Sehr wahrscheinlich nicht oder nicht viel. Aber wenn man alles einfach so laufen lässt, wie es ist, wie es ist, dann wird doch auch nix besser, dann gibt's ja gar keine Chance auf Veränderung. Und so wenigstens eine klitzekleine, minimale, mikroskopisch kleine, wenn man es real einschätzt..

So und jetzt genieße ich meinen Urlaub, bald muss ich wieder arbeiten. Dort gibt's diese Probleme nicht, weil andere überhaupt nicht auf die Idee kämen, mich so zu behandeln wie manche hier. Und im Job hat man ja die Kontrolle, ob man spinnt oder nicht. Ich würde sicher nicht mehr in meinem Job arbeiten, wenn ich eine Meise hätte. Da würde man sehr schnell auffliegen und das ist auch gut so, weil man dort immer viel Verantwortung trägt, insbesondere für andere Menschen. Wenn ich die Realität nicht einschätzen könnte oder sonstige ernstzunehmende Defekte hätte, wäre es unmöglich in diesem Bereich zu arbeiten. Das ginge keine zwei Wochen gut.

Von daher finde ich es absolut krass, wie ich hier von manchen behandelt werde.

@ Relaxometrie:
DBT bringt viel, dient aber nur zur Stabilisierung. Gleiches kann man mit anderen Formen von VT besser erreichen oder mit Stabilisierungselementen nach PITT. Heilung erreicht man dadurch nicht. Sofern Borderline traumatisierungsbedingt vorliegt, braucht's für die Heilung Traumatherapie. Was auch sehr gute Ergebnisse gebracht hat, ist Schematherapie. Insbesondere Schematherapie-Gruppe war sehr erfolgreich, Daten kommen derzeit aus den USA und Niederlanden.

So, nur der informierte Mensch kann sich kompetent behandeln lassen. Die anderen irren rum.

Und ja:
Jeder 1000. BL-Patient kriegt nur eine angemessene Therapie. Dh bei 100.000 Erkrankten sind das 100 Leute!

Ich finde, die Psych-Szene hat allen Grund, dass sie ihre Arbeitweise verbessert und Konzepte entwickelt, die mehr können als jetzt.

Was mich persönlich angeht: Ich gehöre zu den glücklichen Menschen, die der 1000. Patient sind, der eine adäquate Therapie bekommt. Und mir tun die verdammt leid, die da leer ausgehen, und deren Kinder und sonstige Mitbetroffene. Letztlich schadet das aber der gesamten Gesellschaft.

Aber irgendwie ist das im medi-learn-Forum was ganz Schlimmes, wenn man einfach will, dass Ex-Opfer besser behandelt werden als bisher.

Ein PTBSler gehört - meiner Meinung nach (wie Rico richtig zusammengefasst hat) - nicht in eine Psychiatrie zwischen Menschen gesteckt, die ausrasten und sich nicht unter Kontrolle haben. Genau aus solchem Umfeld kommt der Großteil der Traumapatienten und für die sind solche Rahmenbedingungen pures Gift. Und auch die Stigmatisierung tut ihnen nicht gut und ist nicht nötig; die Psychosomatiken können das gut behandeln.

Wenn man schon das Geld ausgibt, dann sollte es gut investiert sein und auch das bringen, was sich alle wünschen, nämlich dass die Leute davon profitieren und sie schnellstmöglichst aus dem Gesundheits-und Versorgungssystem wieder rauskommen und zwar dauerhaft. Und obendrein dadurch nicht weitere Generation geschädigt werden und sich die volkswirtschaftlichen Schäden durch Fehltage am Arbeitsplatz, Frühberentungen runterfahren....

Und ich finde, die Betroffenen müssen ganz entscheidend daran beteiligt werden, was mit ihnen passiert. Es ist ihr Leben, sie werden behandelt, sie müssen mit den Folgen leben...Nicht ihre Ärzte, nicht andere!!

Wenn hier manche die Psychiatrie gut finden, dann sollen sie hingehen, wenn sie psychisch krank geworden sind. Das können sie ja für sich entscheiden.

Wenn andere das nicht wollen im Ernstfall, dann sollen sie ihnen andere Behandlungszweige lassen und sich nicht da einmischen. Die Psychosomatiker und die Psychosomatik-Patienten kommen gut miteinander aus. Die Psychiater brauchen sich da nicht einmischen. Die sollen die nehmen, die zu ihnen wollen. Und die Psychosomatik soll die nehmen, die zu ihr wollen. Dann sind alle glücklich. Psychiatrie für alle kann's nicht sein, wenn sie so extrem von vielen abgelehnt wird. Und dagegen, dass sie nicht mehr abgelehnt wird, kann sie nur selber was tun.

So, wenn irgendwo Fehler sind, Rächtschaibvehler sowieso, holprige Sätze, bitte nachsehen, ich schreib' immer soviel und wenn ich noch alles x-fach durchkorrigiere, werde ich hier alt und grau.

Rechtverdreht
28.06.2011, 15:54
@ Rico:

Noch was vergessen:

Generell hab' ich kein Problem damit, andere Meinungen einfach hinzunehmen, stehen zu lassen. Soll ja auch so sein.

Aber was die Psychiatrie und Ärzte, insbesondere Psychiater angeht, ist es so:

Sie haben sehr viel Macht. Wir wissen, was sie an rechtlichen Möglichkeiten haben. Und Psychiatrie ist vielfach freiheitsentziehende Maßnahme, sowas kann sonst nur ein Richter anordnen. Das muss man sich echt überlegen, hier geht's um Verantwortung, um Menschenrechte... Ich hab' oft den Eindruck, das Ärzte gar nicht wissen, oder sich nicht drüber bewusst sind, welche Verantwortung sie da tragen, dass sie die Patientenrechte gar nicht sehen, nicht ernst nehmen. Wenn ich mit dem Eindruck richtig liegen sollte, dann wäre das ein furchtbarer Zustand.

Es wird schwer, bestimmte Meinungen zu akzeptieren, wenn man diesen Meinungsträgern vielleicht mal ausgeliefert wäre und sie würden allein nach ihrem Gutdünken entscheiden ohne Rücksicht darauf, was der Patient will und braucht. Und davor graust es mir, wenn ich manche hier lese, dann hab' ich das Gefühl, dass sie vom Selbstbestimmungsrecht von Patienten nie gehört haben und sie es auch null interessiert.

Man sollte sich als Arzt im Psy-Bereich schon drüber im Klaren sein, dass man für einen Patienten vielleicht die einzige und letzte Chance ist und wieviel man verderben kann, wenn man falsch vorgeht.

Ich hatte Glück, meine Therapeuten haben mich vor der Psychiatrie immer beschützt. Ich möchte nicht wissen, was aus mir geworden wäre, wenn ich dort gelandet wäre...

Und die Chance, die ich hatte, hätte ich auch gerne für andere.

Aber es sagt sich so leicht daher, dass man halt Leute in die Psych schickt, solange man selber nicht betroffen ist.

Ich war auch mal jung und dumm, war am Vormundschaftsgericht und hab' mich kaputt gelacht über die Betreuten. Heute schäm' ich mich dafür und kann als einzige Verteidigung meine Jugend und Unerfahrenheit zum damaligen Zeitpunkt vorbringen.

Man lernt nie aus. Und keine einzige Ausbildung ersetzt Lebenserfahrung, keine einzige. Das war auch was, was ich mal lernen musste. Ebenso, dass man über Menschen nicht bestimmen kann, weil man meint, es besser zu wissen. Des Menschen Wille ist sein Himmelreich. Da ist viel Wahres dran.

Uns Menschen geht's nicht gut, wenn wir zum Objekt von anderen bzw. deren Entscheidungen gemacht werden, das gilt noch mehr für psychisch kranke Menschen und extrem für Traumapatienten; nur wenn wir als Subjekt behandelt werden, dass auch Recht hat und diese wahrnehmen kann, sich frei entfalten kann, nur dann geht's uns gut. Alles andere macht auf Dauer verdammt krank. Und genau der Kontrollverlust ist das, was Trauma ausmacht und leider, leider neigen ganz viele in der Psychiatrie Tätige, die Kontrolle an sich zu reißen, nicht, dass ihnen die Patienten auf der Nase rumtanzen.

In der Psychosomatik hat man längst gecheckt, dass man den Patienten die Freiheit lassen muss, damit sie ihr Potential nutzen können und eben die Konrolle über sich selber zurückkriegen.

Das sind komplett entgegen gesetzte Ansätze. Der erstere mag für bestimmte Patientengruppen richtig sein, für andere ist er grottenfalsch und schädlich.

Psychosomatik hat ihre volle Berechtigung.

Und es wäre nett, wenn die Leute, die sich in diesem Forum und auch sonst dafür interessieren, nicht mehr mit Schauermärchen verjagt würden, sondern mal das rausgestellt wird, was gut ist.

In der Psychosomatik ist es wesentlich anders als in der Psychiatrie. Das sind verschiedene Welten. Und man sollte den Leuten die Chancen lassen, sich das anzuschauen und sich zu informieren.

Jedem, der an diesem Fach interessiert ist, der soll mal kurz irgendwo Praktikum da machen, PJ, Famulatur, was weiß ich, da kennen sich die Mediziner ja aus, ich nicht, was man machen kann.

Ich find's echt ein Unding, warum man hier Psychosomatik so "wegschiebt", andere da nicht drin unterstützt, wenn sie das anpeilen wollen....Das fand ich echt extrem ärgerlich hier.

LG + Danke!

SarahT.
28.06.2011, 16:21
Ich hoffe wenigstens, dass du mit 10 Fingern schreiben kannst. :-oopss Nichts für ungut.

Relaxometrie
28.06.2011, 16:47
Ich hoffe wenigstens, dass du mit 10 Fingern schreiben kannst. :-oopss Nichts für ungut.
Und einfach mal etwas Inhaltliches beitragen? Genug Stoff dazu bietet der Thread.

EKT
28.06.2011, 17:12
@ Rechtverdreht:
Ein klein wenig vermute ich, daß du mit deinen Anwürfen auch meine Beiträge gemeint hast.
Einiges von dem dort Geäußerten ist das Resultat der täglich als unerträglich erlebten Zustände in meiner Klinik. Keineswegs bin ich "gegen" eine Psychosomatik, ich wehre mich nur gegen eine Aufteilung des (einen breiten) Faches, die mir das weite Spektrum der Patienten, die ich behandeln möchte und der Therapiemöglichkeiten, die ich anwenden möchte, de facto verwehrt.

Und weil ich das so extrem satt habe (nach fünf Jahren in der Psychiatrie), an einer Klinik, an der 20 Assistentenstellen unbesetzt sind und man täglich nur noch Notstandsversorgung macht (einschließlich all des einschlägig Angeprangerten: Leute wegsperren, mit Medis vollkippen, Betreuungen veranlassen), außerdem einer extrem hohen Dienstbelastung ausgesetzt ist usw. usw. usw.,
deshalb werde auch ich bald an eine gemütliche psychosomatische Klinik gehen, wo man sein Zimmer mit rosa Tüchern und Kerzen ausstaffiert (so gesehen in Psychologenzimmern meiner Klinik) ... und es mir gut gehen lassen.:-party

Pech für die "harten" Psychiatrie-Patienten: Schizophrene, Demente, Suchtkranke und chronisch Depressive haben keine Lobby, können sich nicht wehren oder ihre Lage in Forumstexten schildern.

Gruß,
EKT

Colourful
28.06.2011, 17:32
Hm, Rechtverdreht - ich kann leider zeitlich nicht auf alles eingehen, was du geschrieben hast, aber ich glaube, dass ich deinen Grundtenor verstehe -
Eine Borderline-Persönlichkeitsstörung ist eben auch eine sehr komplexe Angelegenheit, die eben auch durch Traumata begründet ist (würde jetzt gern hier irgendetwas Sinnvolles zitieren, um das zu untermauern, habe das aber gerade nicht im Kopf) und dementsprechend schwierig ist es, da eine Therapie zu finden, noch schwieriger eine, die dann auch einem Großteil der Patienten hilft.
(So wie es immer ist - was dem einen hilft, muss dem anderen noch immer nicht helfen.)

Und ich habe in verschiedenen Famulaturen und auch im Freundes/Bekanntenkreis gesehen, wie schwierig es für alle Beteiligten (Angehörige, Freunde, Ärzte und auch den Betroffenen selbst) ist, damit umzugehen und sich angemessen zu verhalten.

Eine Borderline-Störung ist ja nun auch mit viel Zeit und Wissen sehr schwierig zu behandeln, und wie EKT schon schrieb, dann wird es eben in der Akutpsychiatrie unmöglich, weil da nicht mal die Zeit da ist und der Patient mit der Psychose, der zweifelsohne auch sehr krank ist, die Einrichtung aus dem Fenster wirft. Da bleibt keine Zeit, da sind so viele andere Sachen.

Und das ist auch total bescheuert, aber daran ist auch das System Schuld, das keine Zeit lässt, und nicht die Fachrichtungen und auch nicht die Psychiater, die das nicht ernst nehmen.

Desweiteren habe ich den Eindruck, dass man so eine Persönlichkeitsstörung auch nicht komplett heilen kann, es gibt sicher individuelle Mittel und Wege damit umzugehen und ein normales, stabiles Leben zu führen, aber Heilung?

Hm. Just my two cents.

Liebe Grüße!

Antracis
28.06.2011, 19:41
Und dass man Psychiater ist, heißt auf gar keinen Fall, dass man nicht selber eine manifeste psychiatrische Störung hat, ist sogar gar nicht selten der Fall.

Aber auch das ist alles nur böser Verriß... Nee, es ist in Studien rausgefunden worden. Ist auch logisch, wer würde sich ohne persönlichen Anlass für so ein Fach interessieren...

Wie jetzt ? Der andere Psychiatrie-Experte hier im Forum hatte doch erst jüngst erklärt, man wird Psychiater, weil man faul ist und keine Peilung von Physiologie hat ? Was stimmt denn nun, mittlerweile blicke ich gar nicht mehr durch. :-))

Weiterhin geht mir ganz offen gestanden dieses "Alle stellen mich als Irre hin" ziemlich auf den Drops. Ich bin nicht als Arzt hier, sondern als Foren-User - und so "behandle" ich hier auch andere Personen, nämlich als Foren-User.

Und wenn jemand seinen Privatfeldzug gegen die Psychiatrie hier führen möchte, nervt es mich zwar, ist aber Sache der Mods, zu entscheiden, ob das weiter so gehen soll oder nicht. Wo anders hört vermutlich keiner mehr hin, ist ja oft so. Papier ist geduldig und Foren sind es auch. :-)

Ansonsten kann ich nur die eigene Erfahrung beisteuern, dass mir die Psychiatrie nach 2 Jahren noch sehr viel Spaß macht und von den 27 Assistenzarztkollegen (alle Stellen besetzt) lege ich für 80% die Hand ins Feuer, dass es auch so ist. Und so lange sich Patienten sich noch für die Hilfe bedanken und auch freiwillig zu uns in die Klinik kommen (darunter auch PTBS und schwere Persönlichkeitsstörungen), werde ich mir auch nicht so leicht einreden lassen, das meine Arbeit überflüssig ist.

Und ich stelle sehr in Frage, ob wirklich schwer kranke Menschen wie jene akute Psychosen wirklich menschlicher außerhalb ihrer Heimatstation behandelt werden...

So long
Antracis

Rechtverdreht
28.06.2011, 20:43
@ Sarah T:

Ich kann mit zehn Fingern schreiben und zwar blitzschnell (Euer Pech! Tja, so ist das Leben). Und ich kann aber immer noch nicht so schnell schreiben, wie ich denken kann, deshalb wird's ab und zu etwas holprig in den Statements.

@ Relaxometrie:

Tob' Dich mal aus in der Somatik. Und vielleicht kriegst Du ja mal wieder Lust auf was anderes?

@ EKT:

Das weiß ich alles schon lange. Und mir ist noch mehr deshalb zum Heulen als Dir. Die Bedingungen sind sch.. und ich frag' mich echt, wer da mehr verheizt werden, die, die drin durchgeschoben werden oder die, die drin arbeiten müssen. Alle in der Psychosomatik, die ich kenne, die auch den FA für Psychiatrie und Psychotherapie haben hat's dort gestunken, sie wollten so arbeiten können, wie man sich das idealerweise vorstellt. Das kriegt man auch in der Psychosomatik nicht hin, auch dort ist es suboptimal und ein Haus nicht wie das andere. Aber die Einstellung ist doch generell anders. Das liegt aber an der Aufspaltung. Die Hardcore-Psychiatrie-Patienten brauchen was anderes, die haben andere Baustellen und andere Bedürfnisse. Man kann das nicht am selben Ort und an der selben Stelle verarzten. Colurful hat da recht, die Bedingungen stimmen nicht, entweder es passt für die einen, oder es passt für die anderen.

Ich kann Deinen Wunsch, so viel Auswahl an Störungsbildern zu machen verstehen, aber es tut den Patienten nicht gut. Du willst alles, Patienten wie ich wollen Schutz vor anderen Patientengruppen. Und es ist nicht nur wollen, sondern sie brauchen ihn auch. Ich glaube, man muss sich eben entscheiden, was einem wichtiger ist, so wie in andern Fächern auch: Machst Du Orthopädie oder Chirurgie oder was weiß ich was... Du kannst nie alles haben, auch als Allgemeinmediziner nicht.

Aber unterschätze die Psychosomatik nicht, Du musst dort auch arbeiten und die Belastungen sind hart. Wenn's soweit ist, kannste hier berichten, wenn ich grade um die Ecke bin, dann werde ich ganz neugierig lesen.

Ich hab' Dich oft zusammengestiefelt. Das wollte ich gar nicht, hat keinen Spaß gemacht. Schön, dass wir jetzt doch mal noch anderes miteinander umgehen können.:-)

Und vergess' bloß nicht, Dir auch so schicke Tücher vorm Umzug zu holen, nicht, dass Du dort dann abstinkst bei den neuen Kollegen...

Aber ich hab' - muss ich zugeben - noch nie in einer psychosomatischen Klinik welche bei den Therapeuten gesehen...:-nix

Gruß zurück!

@ colurful:

Hi Du!:-)

Ich weiß leider nur zu genau, wie's in der Psychiatrie zugeht, wenn's schlecht läuft, wenn die Kompetenz fehlt, zu wenige Leute da sind, die lieben nicht gerade einfachen Mitpatienten... Genau deshalb wettere ich ja.

Borderline? Hat einen sehr schlechten Ruf, sehr verkannt. Die meisten Therapueten haben Borderline nie verstanden. Da musste Borderline-Frau das schon selbst in die Hand nehmen. Nachdem BL bei Fachleuten völlig als Abschaum gezählt war, gab's irgendwann die DBT. Entwickelt von Marsha Linahan, die sich kürzlich selbst als (Ex-)Borderlinerin geoutet hat.

Borderline ist im Prinzip ganz einfach zu verstehen und sehr logisch. Und wenn man es erfasst hat, ist es doch ziemlich gut in den Griff zu kriegen. Wenn aber Therapeuten gemeinsam mit Patienten rumirren, dann wird's nix. Natürlich ist Borderline auch eine Erkrankung mit tausend Gesichtern, aber grundsätzlich ist es heilbar und zwar komplett. Ein damit Leben müssen und in den Griff kriegen gilt eher für chronifizierte Fälle, die zu lange nicht oder schlecht oder falsch therapiert wurden.

Es ist sehr viel im Umlauf darüber. Aber Vieles stimmt nicht und wenn man die Therapiemöglichkeiten verbessern würde, würde sich auch die Prognose verbessern.

LG

@ Antracis:

Ich weiß nicht, ob ich Dir noch was schreiben soll. Warum? Weil Du immer noch provozierst, während andere hier zu einer anderen Kommunikation gefunden haben.

Da hängst Du hinterher. Und ich weiß nicht, ob Du was anderes willst. Ich will nicht streiten, nicht fighten. Ich hab' genug davon.

Aber ich sag' Dir was:

Du hast Deine Erfahrungen. Ok. Du legst für 80 % Deiner Kollegen die Hand ins Feuer. Auch ok. Die anderen 20 % machen mir aber Sorgen. Verstehst Du?

Und die Stigmatisierung macht mir Sorgen.

Und dass Menschen, die durch Gewalterfahrung krank wurden, in ein Umfeld geschickt werden, wo wieder aggressive Menschen in der unmittelbaren Umgebung sind, das macht mir auch Sorgen.

Wie gesagt: Du kannst hingehen, wenn Du eine PTBS bekommen solltest. Deine Patienten, die freiwillig kommen, die können auch hingehen. Wenn sie sich bedanken, umso besser.

Aber viele wollen nicht dorthin. Und ich will auch nicht dorthin.

Und nachdem ich über zwei Jahrzehnte von meinem geistig behinderten austickenden Bruder geschlagen wurde, wenn er seine Ausraster hatte bzw mein Daddy im Suff die Wohnung demoliert hat und ich nicht nur einen Fernseher und Mikrowelle in den Garten fliegen sah, oder Pfannen und die Erbsen drin an mir wie Planeten in Zeitlupe vorbeischwebten als ich noch nicht mal in der Schule war, will ich mit den Irren, die hier manche so lieben einfach um's Verrecken nix mehr zu tun haben.

Und zum Gesundwerden kann ich mir die als Mitpatienten auch einfach nicht vorstellen.

Und wieviel die Psychiatrie kann und tut, hat sie gezeigt, als Angehörige von mir dort behandelt wurden und die dort so einen Murks abgeliefert haben, dass die Kollegen in der Psychosomatik nur noch den Kopf geschüttelt haben und gesagt haben:"Was arbeiten denn da für Flaschen?!".

Einzelfall oder nicht? Keine Ahnung. Ich hab' mit Psychiatrie nur eins erlebt: Inkompetenz, Unwillen, ausweglose Hoffnungslosigkeit, weil's die Behandler nicht gebracht haben, und katastrophle Fehlentscheidungen.

Wenn es heute anders sein sollte, ok. Aber soweit ich weiß, hat sich hier in dieser Psychiatrie nix geändert. Das hab' ich gesehen, als meine Freundin vor Kurzem da war. Selbes Bild. Und ich hab' öfter Freunde in der Psychiatrie besucht, auch Uniklinik.Sie wurde von einer Therapeuten behandelt, die gestunken hat, weil sie offensichtlich die Hygiene vernachlässigt hat. Das ist leider eine Tatsache. Katastrophe.

Ich hab' Rotationspsychiater erlebt bei Notdiensttelefonaten, die nebenher Bummibärchen gefuttert haben und Dich ausgelacht haben, wenn Du völlig am Ende warst... Das ist alles passiert. Da braucht weder das Papier geduldig zu sein, noch ein Forum.

Scheinbar lebe ich dort, wo die schlechtesten Psychiatrien Deutschlands existieren....???

Keine Ahnung. Aber solche Läden sind unzumutbar. Und was immer bleibt, ist die Stigmatisierung.

Ich könnte mir das in meinem Job nicht leisten. Da wird Psychosomatik schon zum Fallstrick.

Dh nicht, dass ich Euch alle als blöde, faule, desinteressierte Deppen sehe, aber es gibt leider auch genug von der Sorte. Das darfst Du mir schon glauben. Einen Vorteil hab' ich nämlich. Ich bin jemand, der nicht lügt, ich bin knallhart ehrlich und direkt, zu mir, aber auch zu anderen. Das man sich damit nicht beliebt macht, ist auch klar.

Allerdings: Wieviel davon wieder auf bekloppte Arbeitsbedingungen zurückgeht, weiß ich nicht. Aber dass sich letztlich alle miesen Faktoren kummulieren und dann als eine Art Massenkarambolage beim Patienten als letztem Glied in der Kette zum Totalschaden mutieren, kann man nicht mehr tolerieren.

Und wenn Dir Deine Patienten so wichtig sind, wie Du hier erklärst, das glaube ich auch, dann wird's Dir nicht so schwer fallen, meine Sicht der Dinge zu verstehen. Denk' ich mal....

Und die Kritik an Einzelpersonen ist was anderes als die Kritik an einem System und ihren Schwachstellen, die auch personeller Natur sein können und oft sind. Und die einzelnen Psychiater hier habe ich nie direkt kritisiert, weil ich ihre Arbeit nicht kenne. Und wenn Du sagst, dass es bei Dir nicht so läuft, wie das, was ich erlebt habe, dann glaub' ich Dir das. Aber dann glaub' Du auch mal was und sei nicht so misstrauisch. Vielleicht liegst's grade daran, dass die, die ordentlich ihren Job machen, dann gar nicht auf die Idee kommen, dass andere sich so anders in ihrer Arbeit zeigen, vor allem, wenn die Leute mit Patienten dann mal allein sind und jede soziale Kontrolle weg ist?

Ich bin echt ein vernünftiger Mensch und ich kann Dir versichern, dass es nicht wenige Psychiater gibt, die - aus welchen Gründen auch immer - ihren Job in übelster Weise absolvieren und ihre Macht missbrauchen und die bieten nach außen ein ganz anderes Bild. Mir wäre das anders auch lieber, kannste gerne glauben. Die Bedingungen, die Gesellschaft, die Einrichtungen...

Alles gleich noch ein Grund, um sich umzubringen... Ich hab' mich oft gefragt, wie da jemand überleben soll...

Im Grunde funktioniert's nur, wenn man als Patientin "niedlich" genug ist, damit sich jemand findet, der sich überengagiert. Anders hat man gar keine Chance, weil man in diesem alltäglichen Wahnsinn der Psy-Szene einfach untergeht...

Und ich denke, man kann für's Geld doch was Besseres kriegen...

Aber ich bin mir ziemlich sicher, Antracis, dass wir auch sehr verschiedene Vorstellungen davon haben, was genug für Patienten ist und wie das aussehen soll...Das, was ich meine, kostet Zeit und braucht sehr gut qualifizierte Leute mit Erfahrung. Ich glaube nicht, dass eine Psychiatrie das schaffen kann.

Ich glaube einfach, dass ein "normaleres" Umfeld besser geeignet ist als eine Psychiatrie zum Gesundwerden.

Wenn ich bei Dir in der Psychiatrie gelandet wäre, wäre das nicht gut gegangen. Und es hätte am Ende nur geheißen:Typisch BL! Mit Deiner Einstellung und mir hätte das nicht geklapppt.

Aber es geht halt auch anders. Und dann geht's gut, auch mit BL. BL ist nicht halb so problematisch wie alle denken. Es ist einfach nur logisch, aber man muss wissen, wie es funktioniert.

Falls Du Bock hast?

http://www.trauma-informations-zentrum.de/download/Schreckgespenst.pdf

Rechtverdreht
28.06.2011, 21:17
Ach, noch was vergessen:

@ EKT:

Von Deinem Nick krieg' ich fast Flashbacks, konnte ich deshalb nie leiden.

Wenn jemand keine Lobby hat, dann sind das BL.

Und mein Therapeut ist Chef in der Psychosomatik. Der arbeitet... keine Ahnung wieviele Stunden die Woche. Ich hab' mal was von 55+ Stunden die Woche gesagt und dann hat er beinahe einen Ohnmachtsanfall bekommen und wurde ganz verklärt und hat gemeint:"55 +?! Wenn ich nur soviel arbeiten müsste, dann hätte ich eine erhebliche Arbeitsentlastung!!!".

Ich weiß nicht, wieviel er arbeitet. Er kommt morgens um 8 Uhr, geht nie vor 19 Uhr, oft erst um 22 Uhr. An den Wochenenden Vorträge und was weiß ich...

Aber das macht der. Jedenfalls: Wenn nochmal einer was gegen Psychosomatiker sagt, dann macht Rechtverdreht die Giftzähne richtig scharf!!

So, schönen Abend noch!:-dafür

@ Antracis:

Ich glaub' Dir das alles wirklich, was Du sagst. Wahrscheinlich bist Du deshalb so sauer, weil Du es dann natürlich als ungerecht emfpindest, wenn andere kritisieren.

Ich kenn' das Gefühl. Ist nich schön...:-???

So fühlt man sich auch, wenn andere einen für bekloppt halten und so mit einem umgehen.

Aber ich versteh' Dich schon. Ich würde nicht in der Psych arbeiten wollen, könnte ich nicht.

Colourful
28.06.2011, 21:43
Schön, dass wir auf eine vernünftige Ebene gefunden haben! :-top

Rechtverdreht
28.06.2011, 22:08
:knuddel:

Jaaaa, RICO ist schuld, der hat die schöne Keilerei hier kaputt gemacht....:-top

Heheheheheee...

Nee, Rico ist ein ganz netter, da darf Rechtverdreht keine dummen Sprüche drüber machen.

Na ja, ich hätte ja noch ganz viele böse Sachen auf Lager gehabt, aber ich hab's mir verkniffen, weil es dann immer weitergeht mit den Fieslichkeiten...Wie im Sandkasten früher: Haut Dir einer mit seiner Schaufel auf den Kopf, wirfst Du ihm Sand in die Augen... Ja, ja, so ist das halt mit Aktion-Reaktion...:-? Man muss halt üben, wie gestern Hulk im TV, sich kontrollieren damit man nicht explodiert und die Klamotten vom Leib gesprengt werden und man nicht grün wird...:-))

Aber was lustig ist, ist das Verwarnungssystem bei medi-learn mit Punkten...

Hehehehee, wirklich lustig. Wenn's jetzt Punkte in Flensburg wären, ja dann, aber im medi-learn-Forum ist das halt ein kastriertes Druckmittel, find' ich irgendwie. Ohne Lappen wäre ja schlimm....Ohne Forum kann ich's gut aushalten....

stennadolny
28.06.2011, 22:24
Ich hab mal in einer recht berühmten Psychosomatik in Bayern gearbeitet. Da wurde vom Chefarzt Privatpatienten (am besten mit Chefarztbehandlung) JEDE Bestätigung ausgestellt, die diese haben wollten.

In der Regel über das Nichtvorhandensein einer schweren psychischen Störung, z.B. Alkoholabhängigkeit (Pat. war etwa selber Chefarzt) oder aber auch darüber, daß man NICHT chronisch wahnhaft sei (Pat. etwa hoher Staatsbeamter..).

Die vermeintlich nicht vorhandenen Diagnosen waren vorhanden - und das mehr als deutlich ausgeprägt.

Die Klinik hat Pat. mit riesigen gelben Enten durch den Ort geschickt, um sich zu blamieren. Therapeutisch selbstverständlich. Beschwerden von Privatpat. waren grundsätzlich wortwörtlich richtig und die Mitarbeiter hatten dann binnen kürzester Zeit ein Entschuldigungsschreiben an die Pat. zu richten.

"Spezialität" des ehemaligen Chefs war Tinnitus (!), eine Oberärztin war selbst gestörter als jeder gestörte Psychiater, den ich bisher erleben durfte.

Anorexiepat. wurden bis aufs Blut "verhaltenstherapeutisch" gequält und gedrillt, auf daß einige spätestens am Entlassungstag Suizid oder schwerste Suizidversuche begingen. Ein Fachpfleger, der lange mit Anorexiepat. dort gearbeitet hatte, wurde schließlich wegen regelm., "übergriffiger" Kontakte mit diesen Pat. gegangen. (In einer anderen Klinik hat er schließlich Selbstmord verübt, nachdem er wiederholt wegen Mobbings (!) von ärztlichen Mitarbeiterinnen und auch Pflegekolleginnen abgemahnt und versetzt worden war.)

Privatpat. wurden unter der Hand "suboptimal" behandelt, damit sie möglichst bald wiederkommen - was bei den meist komplett therapieresistenten Störungen (wurde Pat. naturgemäß verschwiegen oder schöngeredet) ohnehin kein Problem war.

Akut "psychotisch dekompensierende" Borderliner wurden in die Geschlossene Psychiatrie unter DBT o.Ä. verlegt, weil man damit nicht umgehen konnte. Suizidalität wurde schleunigst in die nahegelegene Versorgungspsychiatrie abgeschoben (ausg. Privatpat., die dann schon auch mal über den Jordan gingen).

In einer anderen Psychsomatik, die ich gut kenne, ist der Arzt "Körperarzt" und hat JEDE noch so minimale Medikamentenänderung (z.B. Dosierung BEDARFSMEDIKATION Benzo....:-)) ) "im Team" zu besprechen und absegnen zu lassen. Psychodynamisch ist der Therapeutendurchlauf in dieser Veranstaltung hoch.

Wenn Rechtsverdr. an das Borderlinekonzept und Linehan glaubt, ist er nicht mehr auf Höhe der Zeit bzw. hat seinen Kernberg weder gelesen noch verstanden.

Allerdings finde ich Kernberg für das Verständnis der Phänomenologie von Rechtsverdr. durchaus hilfreich.

Übrigens: Erst seit es die Borderline-Mode gibt, verhalten sich Menschen wie Borderliner. Mal etwas in der Historie oder bei Kernberg nachlesen.

Und die Psychotraumanummer ist die Black Box jener, denen garnichts mehr einfällt zu verpfuschtem Leben, subj. hohem Leidensdruck oder schlicht quäleneder Verhaltensoriginalität.

Und wenn Rechtsverdr. mit seiner angeblich so dramatischen Kindheit hier ankommt, sei er herzlich eingeladen, mal äußerst komplexe Störungsbilder in einer Forensischen Psychiatrie zu psychsomatisieren, etwa den hochaggressiven Down-Pat., dem schon als Kleinkind Pornos zum Zeitvertreib vorgesetzt wurden, vom sexuellen Mißbrauch will ich garnicht reden. Oder den schwerst komplex persönlichkeitsgestörten Muttermörder und Arzt. Nicht zu reden von der schwerst autoaggressiven, intelligenzgeminderten Pyromanin.

Dann reden wir weiter.

Wenn bei den Psycho-Narren die Clowns mit den Pinocchios streiten, wer der Bessere sei, ist das unterhaltsam für`s Publikum, den sogenannten Patienten hilft es keinen Deut.

Zur EKT: Bin auch kein Fan von, aber immer noch besser, damit binnen 8 Wochen aus der Zwangsbehandlung wieder in Freiheit zu kommen als ein Jahr in der Fixe zu schmoren. Selbst am Pat. erlebt, vielleicht Extrembeispiel bei übler Psychose, jedoch recht eindrucksvoll. :-D

Wir haben übrigens eine phasenweise verdammt selbstverstümmelnde und in ihrem Falle dann auch irre fremdgefährliche "Borderlinerin" mit EKT wiederholt recht gut hinbekommen. :-top

Rechtverdreht
28.06.2011, 22:37
@ Antracis:

Kuck' nach oben, dann kannst Du Dir nochmal überlegen, ob das, was ich gepostet habe, stimmen könnte, und ob's in der Ärzteschaft Kaliber geben kann, wie ich sie beschrieben habe?

Es gibt leider nur allzu viele Ärzte oder Ärzteanwärter, die nur durch sadistische Züge und Roheit glänzen und auf nix anderes aus sind, als andere zu vera...

Jeder normale Mensch würde sich an der Stelle auskliniken und das mach' ich dann hiermit auch.

@ stena..-dingsbums:

Mehr Wasser hätte mir keiner auf die Mühlen kippen können.

Vielen Dank für den absolut konstruktiven Beitrag, der hier so richtig schön deutlich macht, worum es geht!!!

Das logische Schlüsse ziehen überlasse ich den Lesern.

stennadolny
28.06.2011, 22:59
Tja, bestimmte Naturen sind eben doch noch schön vorhersagbar - falls damit die Postings von Rechtsv. abgestellt bzw. deutl. kürzer werden konnten, habe ich meine Schuldigkeit getan.

Ach ja, eins noch: Wer soll denn die psychosomatische Breitbandversrogung nach Gusto Rechtsv. bezahlen ? Die Steckdose ? :-oopss

Rechtverdreht
28.06.2011, 23:37
REINGEFALLEN!!

:-))

Und zu Kernberg:

Seine TFT schmiert doch wunderbar ab, im Vergleich zu DBT und Schematherapie erst recht.

http://www.isst-online.com/pressroom

Kannste Englisch, kannste lesen??

Wenn's jemand gut beschrieben hat, war's Kernberg. Gerafft hat er - nach meinem Dafürhalten - gar nix. Nur Leute runterputzen unter'm fachlichen Deckmäntelchen kann er ganz gut.

Wenn man sich da Anleitung holt, klar, dann wird man wohl wie Du?

Allerdings wird ja neuerdings Front gemacht gegen Herrn Kernberg. Wie nennen in manche "Contergan der.." Borderline-Therapie oder Psychotherapie oder was weiß ich...Ich hab' das irgendwo gelesen und fand's traurig-witzig.

http://www.oedipus-online.de/kernberg.htm

Ja, das war's. Ein Verhaltenstherapeut macht massiv Front gegen ihn. Wurde auch Zeit meiner Meinung nach, weil die Thesen, die dieser Mann vertritt wirklich jedem Pädophilen wie Öl runtergehen müssten. Immerhin wird da einer Grundschülerin angedichtet, dass sie den sex. MB gewollt hat, um über die Mutter zu trimphieren... So irgendwie war's, ganz kranker Schwachsinn auf alle Fälle, was da unter dem wissenschaftlichen Anstrich faktisch drunter ist.

Prof. Ruppert hat ebenfalls Kritik an Kernbergs Thesen geübt, an der Methodik, an der Verwechslung von Ursache und Wirkung, an seinem mangelndem Verständnis von Trauma, wenn ich es noch richtig weiß (?). War ein langer Text, nennt sich:

"Borderlinestörung, die vielfältigen Folgen von Bindungstraumata"

kann man gogglen, Seite 9 z.B.

Kernberg geht in absehbarer Zeit ins Grab, da kann er dann ins Gammelfleisch-Stadium überwechseln und seine Thesen mit ihm verfaulen. Manche Menschen sind kein Verlust.

Die TFT, worauf er sich so viel eingebildet hat, ist der Loser unter den spezifischen BL-Therapien, soviel zum großen Kernberg. Aber so geht's, wenn man die Grundlagen nicht verstanden hat...Dann kann man auch keine passenden Therapien entwickeln...

Und jetzt bleib' ich grade da, weil's so gemütlich ist und da ich soviel und so schön tippen kann, wird's noch gemütlicher.

Mitten in der Nacht noch so'n Brüller... Über Kernberg?

Gesoffen oder was???

Rechtverdreht
28.06.2011, 23:45
Ah ja, und wenn der Kernberg dann ins Gras gebissen hat, was der stena... vielleicht zuviel geraucht hat, dann kann er sich mit ihm bei der Beisetzung verbrennen lassen, wie es sich für eine ordentliche Ehefrau gehört.

Punkt!

Die A 5 ist nicht die größte Psychiatrie Deutschlands....Zumindest kommt's mir grade jetzt so vor...

Und der battle ging weiter und weiter und wenn sie nicht gestorben sind, dann batteln sie noch heute, weil einer im medi-learn-forum immer für Stunk sorgen muss und provozieren muss und so lange blöde meckert, bis der vernünftige Mensch geht und ihm den Rücken zudreht...

Aber wie ich schon sagte: Wer so einen Persönlichkeitsstil hat, wird selber noch bitter dafür zahlen...

DENN: Er wird einsam sein und sein Leben wird leer sein, weil keiner mehr mit ihm mehr was zu tun haben will....