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Rechtverdreht
29.06.2011, 00:12
Ach ja, und weil ich so gerne und so schnell tippe, doch noch was zu den Kosten, weil es wichtig ist:

Wer es bezahlen soll?

Die, die es jetzt auch bezahlen, aber nicht viel sehen für ihr Geld!

Anfangs 2 x 30 Min ambulant reicht, wenn man 'ne telefonische Erreichbarkeit dazu packt. Damit geht's, wenn's nicht die ganz schlimmen Fälle sind. Und sogar da kann es ambulant gehen und sogar indiziert sein, war bei mir so, stationär wurde als zu anstrengend und damit kontraindiziert aussortiert.

So, 2 X 30 Minuten pro Woche. Und später 1 x 30 Min.. Das wäre das Minimum, was der Patienten braucht, aber damit geht's auch bei vielen. Und gemeint ist nicht DBT. Was kostet das?

Wenn der Therapeut gut ist, geht das. Man kann nämlich nur die Diagnostik machen als Therapeut, dann anleiten und der Patient muss es allein lernen und umsetzen. Es ist sein Gehirn, also kann nur er sich heilen und der Therapeut sagt ihm, wie's geht. Aber dafür muss es der Therapeut selber kapiert haben und begriffen haben, nur dann kann er helfen. Das funktioniert nur über das heißeste Konzept von der strukturellen Dissoziation von O van der Hart.

Und was kosten über Jahre und Jahrzehnte hinweg immer wieder Kriseninterventionen und stationäre Aufnahmen, Therapieversuche ambulant mit x Abbrüchen und dazu noch obendrauf ein Haufen Medi. Und zusätzlich die Therapien für die Kindergeneration, die ebenfalls geschädigt wird?

Was kostet das? 4 Milliarden in Deutschland allein für Bl, wenn ich es noch recht erinnere?

Dafür kann man viel gute Therapie anbieten, die zur Abwechslung mal greift.

Das KostenARGUMENT ist keins. Wir schmeißen im Moment das Geld auch nur - mehr oder weniger - zum Fenster raus, weil ein Löwenanteil nur in kurzfristige Stabi fließt und nicht in mehr und damit das Problem nicht gelöst werden kann, sondern nur verteuert. Wenn sich die Leute umbringen würden, dann würden wir billiger fahren. Aber das kann's dann auch nicht sein.

Hier wird nur der Pharmaindustrie geholfen, sonst niemandem, zumindest überwiegend, hat ja auch Relaxometrie schon ganz treffend herausgearbeitet, dass wir beim Thema Heilung Aufholbedarf hätten.

So und jetzt ist es echt genug. Es braucht auch keiner meinen, dass ich wegen solchen Leuten hier rumhänge oder was schreibe oder mich mit denen wirklich rumschlagen würde, sondern ich schreib's für die, die anders sind als der User oben. Drücken wir es mal so aus, damit der Höflichkeit Genüge getan ist.

Was ist eigentlich heute mit der Technik los, die braucht länger, um einen Text abzuschicken, als ich brauche, um zehn zu schreiben...:-???

Sebastian1
29.06.2011, 00:58
Ah ja, und wenn der Kernberg dann ins Gras gebissen hat, was der stena... vielleicht zuviel geraucht hat, dann kann er sich mit ihm bei der Beisetzung verbrennen lassen, wie es sich für eine ordentliche Ehefrau gehört.

Das reicht dann mal für eine Woche Forenurlaub. Ist selbsterklärend, denke ich.

Relaxometrie
29.06.2011, 10:46
Das reicht dann mal für eine Woche Forenurlaub. Ist selbsterklärend, denke ich.
Leider hat Rechtverdreht sich den Forenurlaub echt "verdient". Bei allem Verständis für Rechtverdreht wird hier wieder mal klar, daß man einigen Patienten klare Grenzen setzen muß. Unzufriedenheit mit der Psychiatrie (mal so ganz pauschal gesagt) in allen Ehren, aber irgendwann reicht es. Die Erkrankungen/Traumata, die man mit auf den Weg bekommen hat, sind tragisch. Das ist jedoch kein Freibrief dafür, herumzuproleten, persönliche Angriffe zu starten und jede Lehrmeinung, die einem selbst nicht zu Paß kommt, nieder zu machen.

Colourful
29.06.2011, 12:25
Leider hat Rechtverdreht sich den Forenurlaub echt "verdient". Bei allem Verständis für Rechtverdreht wird hier wieder mal klar, daß man einigen Patienten klare Grenzen setzen muß. Unzufriedenheit mit der Psychiatrie (mal so ganz pauschal gesagt) in allen Ehren, aber irgendwann reicht es. Die Erkrankungen/Traumata, die man mit auf den Weg bekommen hat, sind tragisch. Das ist jedoch kein Freibrief dafür, herumzuproleten, persönliche Angriffe zu starten und jede Lehrmeinung, die einem selbst nicht zu Paß kommt, nieder zu machen.

Ja, schade, dass diese Diskussion jetzt so beendet werden muss.
Geht mir genauso - bei allem Verständnis - manche Dinge gehen einfach nicht. :-meinung

PsychoFan
30.06.2011, 19:47
Weshalb ich mich nie im Leben für den psychosomatischen FA entscheiden würde, wären fehlende Perspektiven im Ausland.

Sich freiwillig in der jetzigen Situation im Gesundheitswesen mir riesigem Ärztemangel auf der ganzen Welt, für die nächsten Jahrzehnte an das - für Fachärzte doch wenig atraktive und noch weniger lukrative - deutsche Gesundheitssystem zu binden, halte ich für keine gute Idee.

Versuch mal perspektivisch zu denken! Traust Du es Dir zu, im Alter von 65 Jahren noch 60-70 Stunden wöchentlich + Hintergrunddienste als Oberarzt zu arbeiten? Ich bin jetzt mit 35 und als Assi schon am Limit, dabei bin ich körperlich noch recht fit. Na gut, es gibt durchaus Alternativen zum Oberarzt- oder Chefarztposten, z.B. im ambulanten Bereich. Allerdings kann ich es mir auch schwer vorstellen, mit 65 Jahren auf dem Buckel noch acht Stunden lang durchgängig aufmerksam zuzuhören.

stennadolny
30.06.2011, 21:30
Psychosomatiker in Niederlassung dürfte selbst in D in Bälde keine Psychiater-Kassenzulassung bekommen. Und NUR die ist interessant, reine Psychotherapie-Zulassung hält keiner lange durch. Auch mit PP !

Die Sache mit dem Ausland stimmt - bis auf Österreich, da wurde der Psychsomatiker jüngst eingeführt, dürfte aber reell keine Zukunft haben, da praktisch keine Ausbildungsstellen.

Sonnenschein1985
07.03.2016, 10:06
Ist es aktuell auch noch so, dass Psychosomatiker keine Psychiaterkassenzulassung bekommen?
Warum ist eine reine Psychotherapie-Zulassung nicht durchhaltbar? Niedergelassene Psychologen machen doch genau das, oder?

EKT
07.03.2016, 18:53
Ist es aktuell auch noch so, dass Psychosomatiker keine Psychiaterkassenzulassung bekommen?

Ja. Warum sollten sie sie auch bekommen? Kriegen denn Urologen eine Gyn-Zulassung?
(Umgekehrt bekommen auch Psychiater keinen ausgeschriebenen Psychosomatiker-Sitz, sind eben formal unterschiedliche Abschlüsse, wenn auch in der Praxis häufig sehr ähnliches Klientel).


Warum ist eine reine Psychotherapie-Zulassung nicht durchhaltbar? Niedergelassene Psychologen machen doch genau das, oder?

Genau. Natürlich ist das "durchhaltbar". Die Frage ist, wer sich das antut, bis über 30 Gespräche à 50 min pro Woche zu führen. Möglicherweise leidet die Qualität der einzelnen Behandlung dabei auch....

Sonnenschein1985
07.03.2016, 21:19
Danke für deine Antwort EKT.

Muss man denn sovielmal Stunden machen damit man ein vergleichbares Gehalt wie ein Facharzt in der Klinik bekommt? Sechs Patienten für die man dann jeweils wirklich die Zeit hat, stelle ich mir gar nicht so schlecht vor. In der Somatik ist der Zeitrahmen ja deutlich kürzer bemessen, obwohl dort ja auch Gesprächsbedarf besteht.

EKT
08.03.2016, 12:19
Muss man denn sovielmal Stunden machen damit man ein vergleichbares Gehalt wie ein Facharzt in der Klinik bekommt?

Derzeit liegt der Stundensatz bei 86 Euro (Probatorik weniger, aufwändige Anträge noch schlechter). Multipliziert mit 30 Pat./Woche wären rund 10k im Monat. Davon abzuziehen sind alle gängigen Abgaben, Versicherungen, Steuern sowie Miete mit weiteren Kosten, evtl. Personal- und Servicekosten, so dass vielleicht 4-4,5k übrigbleiben. Darin ist Urlaubs- und Krankheitszeit natürlich nicht enthalten. Also: deutlich schlechter als ein OA in der Klinik (und das sollte mindestens das Vergleichsgehalt sein).

Sonnenschein1985
08.03.2016, 14:25
Das ist echt wenig, wenn man das mit einem angestellten Radiologen in der Praxis vergleicht bekommt dieser das Gehalt für eine Halbtagsstelle. Meinst du, dass sich das noch etwas anpassen wird?

EKT
08.03.2016, 17:59
Nur, wenn sich (berufs-)politisch durchsetzen wird, dass die sprechende Medizin deutlich mehr wert ist, als wie es sich jetzt in der Vergütung widerspiegelt. Je mehr über psychogene Verursachung von Störungen aller Art bekannt (u. a. erkennbar an - anscheinend - steigenden Zahlen psychisch Erkrankter) und über neurobiologische Wirkmechanismen von Psychotherapie erforscht wird, desto mehr sollte dies eigentlich so werden.

Allerdings muss ehrlicherweise gesagt werden, dass eine nicht unerhebliche Zahl an Psychotherapien als "Kaffeekränzchen" abläuft, mithin nicht mehr als bestenfalls einen Placebo-Effekt hat. Aber da äquivalenter Unfug auch in anderen Fachgebieten abläuft, dürfte sich dies wieder ausgleichen. ;-)

Sonnenschein1985
09.03.2016, 10:13
Das hört sich ja nicht so gut an. Ein Facharztgehalt/Oberarztgehalt sollte ja schon perspektivisch möglich sein.

Für den Einstieg in die Psychiatrie/Psychosomatik ist wahrscheinlich eher ein kleines Haus empfehlenswert, oder? Finde es schwierig da eine gute Klinik zu finden, wenn man Patientenberichte zu den Kliniken liest, klingt es wie in anderen Fachrichtungen zum Teil sehr erschreckend.

EKT
09.03.2016, 18:23
Auf die Größe des Hauses kommt es wohl nicht unbedingt an, denke ich. Und was erschreckend klingt, ist leider tatsächlich so: v. a. in peripheren Häusern ein überwiegender Anteil kaum deutschsprechender Assistenten, ein Großteil Deppen unter den OÄ und CÄ (in diesem Fach wohl eher möglich als in anderen) sowie eine "Behandlung" in Form von Pilleneinwerfen. Wenn man Glück hat, findet man Nischen (Spezialstationen, Ambulanzen) und gute Kollegen, auch Psychologen und Sozialarbeiter, von denen man etwas lernen kann.

Sonnenschein1985
17.03.2016, 10:10
Welche Kliniken sind denn empfehlenswert im Raum NRW(Köln, Düsseldorf, Ruhrgebiet).
Ein wenig abschreckend finde ich auch die zum Teil doch sehr langen Arztbriefe.

EKT
17.03.2016, 22:36
In dem Raum sieht es eher übel aus (vermutlich aber nicht anders als überall in DL). Die Kliniken des Landschaftsverbandes (LVR) sind bürokratische Monster und sehr kustodial geprägt. Vor den privaten, insbesondere vor den massenhaft aus dem Boden schießenden privaten Kleinkliniken in der Gegend, muss man dringend warnen, dort wird medizinisch und ökonomisch weit über das legal Vertretbare hinaus agiert (um es sehr vorsichtig auszudrücken). Blieben noch konfessionelle Häuser, die aber oft auch sehr den Landeskliniken ähneln, a. e. positiv sind vielleicht Huyssens-Stiftung Essen, St. Alexius Neuss oder Marienborn in Zülpich.

Was die Arztbriefe betrifft: Wer in die Psycho-Fächer will, muss Sprache mögen. Sprache ist eines der wichtigsten Diagnostik- und Therapiewerkzeuge, entsprechend spiegelt es sich in den Arztbriefen wider (wobei übermäßige Länge selbstverständlich kein Qualitätsmerkmal ist). Wille und wenigstens mäßige Begabung vorausgesetzt, ist dies erlernbar, auch nach Überstehen eines Studiums, dass einem den qualifizierten Umgang mit Sprache weitgehend abgewöhnt hat.

Übrigens, was Unikliniken betrifft: Wenn man klinisch etwas lernen will - dann meiden. Dort geht es lediglich um papers u. Ä., Patientenversorgung steht hintenan. Entsprechend sehen meist die Fähigkeiten der dortigen Verantwortlichen aus (soll früher wohl mal anders gewesen sein.)

Sonnenschein1985
18.03.2016, 18:56
Das klingt ja nach einer relativ eingeschränkten Auswahl. Die LVR Kliniken sind mir auch suspekt, die scheinen Dauerausschreibungen zu haben, spricht ja auch nicht unbedingt für das Haus.

Ist die Vergütung eigentlich am Ende im ambulanten Bereich gleich, wenn sich zum Beispiel ein Gynäkologe mit der Zusatzbezeichnung Psychotherapie niederlässt und Therapiestunden gibt oder ein Psychiater/Psychosomatiker?

EKT
18.03.2016, 20:55
Ist die Vergütung eigentlich am Ende im ambulanten Bereich gleich, wenn sich zum Beispiel ein Gynäkologe mit der Zusatzbezeichnung Psychotherapie niederlässt und Therapiestunden gibt oder ein Psychiater/Psychosomatiker?

Es hängt nicht vom Fachgebiet, sondern von den Ziffern ab, die abgerechnet werden. Im obigen Beispiel kann der Gyn eben nur Psychotherapie-Stunden und auch psychosomat. Grundversorgung abrechnen (ist bei denen ja Pflicht in der Weiterbildung). Ein Psychiater kann zusätzlich psychiatrische Ziffern geltend machen.
Letztendlich kann man mit Psychiatrie mehr Umsatz machen, hat aber auch allermeist Helferin(nen) zu bezahlen, die ein Psychotherapeut meist nicht oder nur sehr geringfügig hat.

Sonnenschein1985
19.03.2016, 15:52
Heißt das, dass ein niedergelassener Psychiater der nur Psychotherapie macht, genau so viel verdient wie ein Facharzt eines anderen Faches mit der Zusatzbezeichnung Psychotherapie?

EKT
08.04.2016, 13:07
So ist es.