Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Japan: Erdbeben, Tsunami, AKW-Störfall
airmaria
14.03.2011, 20:46
es gibt verschiedene blickpunkte, dieser erneuten unsäglichen naturkatastrophe:
- erdbeben und/oder tsunami und/oder vulkanausbrüche sind massive bio-katastrophen, welche vom menschen nicht oder nur unwesentlich beeinflusst werden können...
- der aktuelle monfokussierte strahlenwahn erscheint in anbetracht der zu erwartenden - selbst im unglücklichsten fall - massiv geringeren potentiell strahlenbedingten opferzahl im verhältnis zu bio-verursacht nüchtern betrachtet etwas unangebracht...
- der deutsche aktivismus in erwartung von erdbeben der stärke 9 einschliesslich haushoher über lokalen kraftwerken einbrechender tsunamiwellen erscheint ebenso unpassend...
- moderne kernkraftwerke wären selbst gegen solche kaum vorstellbaren katastrophen sicher, lediglich der strahlenwahn hat den neubau solcher anlagen verhindert, so müssen wir uns jetzt nicht über veraltete werke wundern...
- aber gut, wir deutschen können uns ein atomfreies gewissen kaufen, kostet nur etwas bruttoinlandsprodukt und ein paar arbeitsplätze (die direkt betroffenen würden selbstverständlich wieder kernkraft haben wollen, wenn sie es jetzt wüssten)...
- die stetig wachsende weltbevölkerung wird in naher zukunft ohne die kernkraft nicht in angemessener weise leben können, so werden in gewissen ländern auch in zukunft diese kraftwerke weiterhin massiv aus der erde schiessen, was juckt da ein kleiner freier kernenergiefreier minilandstrich...
- absoluter respekt und bedingungslose anerkennung gehört den arbeitern und ingenieuren vor ort, die - im gegensatz zu den ahnungslosen sowjetischen liquidatoren - genau wissen, dass sie in diesem moment ihr leben zum schutz der bevölkerung opfern!
airmaria
Feuerblick
14.03.2011, 20:52
Wäre die Sache selbst nicht so furchtbar und wäre ich ketzerisch veranlagt, würde ich sagen, dass diese Katastrophe dem momentanen Wahlkampf hierzulande mehr als gelegen kommt. Leider...
Es wäre auch in diesem Fall (wie so oft) intelligenter, JETZT mal die Ideen zum Thema alternative Energiequellen genauer zu beleuchten und ggf. umzusetzen statt in blinden Aktivismus zu verfallen. Aber... alles besonnene Handeln käme im Wahlkampf zu spät. Schade nur, dass erst was passieren muss, bis überhaupt mal uralte Sachen wieder ins Gespräch kommen. :-nix
Ich wünsche den Japanern jedenfalls, dass Tsunami und Erdbeben die einzigen wirklichen Katastrophen bleiben und nicht noch ein (Super-)GAU die Sache ins Unermessliche verschlimmert.
1. Wie kann man den Katastrophenopfern in Japan und den Nachbarländern helfen?
Hier ist die Einbindung des THWs und anderer Hilfsorganisation ein guter Beitrag Deutschlands. Ich habe eben eine Meldung von 45.000 vermissten gelesen... Da wird mir ganz anders. Hoffentlich funktioniert die Katastrophenhilfe in Japan. Scheinbar hat ja selbst die Regierung keine echte Übersicht.
Die Leute in der Umgebung des AKW sind besonders gebeutelt... Nasse Tücher vor dem Mund und Jodtabletten - absolute Hilflosigkeit in dieser Katastrophe
Hilfe durch Hilfsorganisationen wäre schön und gut. Ich selbst als Ehrenamtliche in einer Weltumspannenden Hilfsorganisation bin extrem gerne dabei wen Anfragen für Einsätze in Katastrophengebieten kommen. Aber Japan ist ein Ding da passe ich bei der derzeitigen Lage mit knirschenden Zähnen. Dafür ist unsere Schutzausrüstung nicht einmal annähernd ausgelegt da unsere Bundesregierung hier in Deutschland in den letzten Jahren extrem an der Ausrüstung des Katastrophenschutzes gespart hat und viele Hilfsorganisationen aus Kostengründen keinen Ersatz angeschafft haben für das vor 10 Jahren ausgemusterte Material. ABC Schutzausrüstung ist nur noch für bestimmte Einheiten vorgesehen und gehört nicht mehr zur persönlichen Helfer Ausstattung.
Ich hoffe und bette das die Japaner an schlimmerem vorbeikommen und das die THW Helfer gesund zurück kommen nach Deutschland.
emergency doc
14.03.2011, 22:04
es gibt verschiedene blickpunkte, dieser erneuten unsäglichen naturkatastrophe:
- erdbeben und/oder tsunami und/oder vulkanausbrüche sind massive bio-katastrophen, welche vom menschen nicht oder nur unwesentlich beeinflusst werden können...
- der aktuelle monfokussierte strahlenwahn erscheint in anbetracht der zu erwartenden - selbst im unglücklichsten fall - massiv geringeren potentiell strahlenbedingten opferzahl im verhältnis zu bio-verursacht nüchtern betrachtet etwas unangebracht...
- der deutsche aktivismus in erwartung von erdbeben der stärke 9 einschliesslich haushoher über lokalen kraftwerken einbrechender tsunamiwellen erscheint ebenso unpassend...
- moderne kernkraftwerke wären selbst gegen solche kaum vorstellbaren katastrophen sicher, lediglich der strahlenwahn hat den neubau solcher anlagen verhindert, so müssen wir uns jetzt nicht über veraltete werke wundern...
- aber gut, wir deutschen können uns ein atomfreies gewissen kaufen, kostet nur etwas bruttoinlandsprodukt und ein paar arbeitsplätze (die direkt betroffenen würden selbstverständlich wieder kernkraft haben wollen, wenn sie es jetzt wüssten)...
- die stetig wachsende weltbevölkerung wird in naher zukunft ohne die kernkraft nicht in angemessener weise leben können, so werden in gewissen ländern auch in zukunft diese kraftwerke weiterhin massiv aus der erde schiessen, was juckt da ein kleiner freier kernenergiefreier minilandstrich...
- absoluter respekt und bedingungslose anerkennung gehört den arbeitern und ingenieuren vor ort, die - im gegensatz zu den ahnungslosen sowjetischen liquidatoren - genau wissen, dass sie in diesem moment ihr leben zum schutz der bevölkerung opfern!
airmaria
Ich bin fassungslos über diese Aneinanderreihung von unglaublichem Blödsinn, der auch noch in konsequenter Verachtung der Groß-/Kleinschreibung hier ausgekotzt wurde.
1. Was um Himmels willen ist eine Bio-Katastrophe? Und was ist "Monfokussierung"
2. Du findest es in Anbetracht 10.000er Todesopfer eines Erdbebens mit Tsunami unangebracht über Folgen eines atomaren Super-GAU zu sprechen, wie er noch nie dagewesen ist? Haben jetzt alle zu schweigen und andächtig der segensreichen Atomtechnologie zu gedenken die ja gar nicht Schuld ist sondern nur zum Sündenbock gemacht wird?
3. Der deutsche Aktivismus rührt nicht daher, daß man hier mit Megaerdbeben oder Tsunamis rechnen muss. Vielmehr ist es so, daß es eine Reihe von alten sehr störanfälligen Reaktoren gibt, die eigentlich schon vom Netz sein sollten und nur aufgrund von lobbyistischer Verstrickung der aktuellen Regierung noch am Netz sind Vermutlich wurde Merkel und der Westerwellejetzt nur etwas klar: Bestenfalls merken sie tatsächlich, daß ihre Entscheidung für Laufzeitverlängerungen unkritisch und übereilt war, und sie wollen weitere Informationen abwarten. Realistischerweise muss man jedoch davon ausgehen, daß es ein verzweifelter Notbremsen-Versuch ist angesichts der anstehenden Landtagswahlen nicht als Atombefürworter abgewatscht zu werden.
4. Jaja, schon klar! Die bösen Grünen und die Anti-Atomkraft-Bewegung sind schuld daran, daß wir nicht die hochmodernen AKWs haben, die auch einen Meteoriteneinschlag wie beim Tunguska-Ereignis überstehen können. Auch wenn Du es wohl nicht glauben wirst: Technik hat ihre Grenzen und unsere moderne Technik - auch wenn sie schön glatt und hypermodern daherkommt - ist angesichts solcher Ereignisse wie derzeit in Japan machtlos.
5. Die Arbeitsplatzkeule ist in Deutschland ein sehr beliebtes Instrument zum Mundtotmachen. Nur wegen der Arbeitsplatzkeule hat das Ruhrgebiet beinahe den Strukturwandel und Ausstieg aus der Steinkohleförderung verpasst. Regionen die nicht rechtzeitig umsatteln sterben aus! Atomkraft wird selbst von den schärfsten Befürwortern nur als Brückentechnologie bezeichnet, also steh wieder auf und klopf Dir die Knie ab! Gleiches gilt Deiner Einschätzung der weltweiten Nutzung von Atomenergie.
6. Jetzt kommt das, was mich an Deinem Posting am meisten in Rage gebracht hat: Sowjet-Bashing ist zwar für manche chic und in, aber Deine unglaubliche Herabwürdigung der Liquidatoren bei der Tschernobyl-Katastrophe ist einfach unfassbar! Nur zur Info: Auch in der Sowjetunion gab es Universitäten und Leute konnten dort studieren und Ingenieure werden. Die Liquidatoren in Tschernobyl waren sehr oft junge Wehrdienstleistende, die ihr Leben und ihre Gesundheit gaben für eine Aufgabe, die erledigt werden musste. Das einfach so abzutun von Deinem bequemen Schreibtisch aus ist auf eine unglaublich infame Art menschenverachtend und arrogant.
:-meinung
Relaxometrie
14.03.2011, 22:38
Was um Himmels willen ist eine Bio-Katastrophe? Und was ist "Monfokussierung"
Was airmaria damit meint, ist relativ eindeutig:
Biokatastrophe = Erdbeben, Tsunami, Vulkansausbruch
Monofokussierung = in der aktuellen Japandebatte wird hauptsächlich über die radioaktive Strahlung gesprochen
Der deutsche Aktivismus rührt nicht daher, daß man hier mit Megaerdbeben oder Tsunamis rechnen muss. Vielmehr ist es so, daß es eine Reihe von alten sehr störanfälligen Reaktoren gibt, die eigentlich schon vom Netz sein sollten und nur aufgrund von lobbyistischer Verstrickung der aktuellen Regierung noch am Netz sind
Genau so sehe ich das auch.
Auf der Homepage der IPPNW (http://www.ippnw.de/) gibt es massenhaft seitenlange Aufzählungen von Sicherheitsmängeln (in dem Fall auf das AKW Biblis bezogen).
Daß Politiker versuchen, das wegzudiskutieren, ist schlicht indiskutabel.
Daß AKW-Betreiber derart rücksichtslos mit einer Hochrisikotechnologie umgehen, ist ebenfalls indiskutabel.
Das einfach so abzutun von Deinem bequemen Schreibtisch aus ist auf eine unglaublich infame Art menschenverachtend und arrogant.
Du kannst ja mal airmarias Meinung zu Stuttgart 21 lesen. Da habe ich mich ähnlich geäußert, wie Du es jetzt getan hast.
Ich war heute bei einer der deutschlandweit organisierten Mahnwachen. Hätte nie gedacht, daß ich mal zur Atomkraftgegnerin werde. Aber was zu viel ist, ist zuviel.
Ich würde AKWs akzeptieren, wenn:
- nicht korrupte Wissenschaftler sinnvolle Vorschläge zu Restrisiken machen würden
- sie nicht in Händen von geldgeilen Energiekonzernen lägen, die Gewinne einstreichen und die Gefahren (vor allem Strahlenschäden) auf die Bevölkerung abwälzen
- sie anständig gewartet werden würden
- das Endlagerproblem gelöst wäre
Da ich die oben aufgeführte Punkte in Deutschland (über alle anderen Länder zu diskutieren, würde den Rahmen sprengen) nicht gegeben sehe, bin ich inzwischen zum AKW-Gegner geworden.
Relaxometrie
14.03.2011, 23:02
Sorry, Doppelpost.
Linda.1001
14.03.2011, 23:20
Ich möchte nur mal das für mich ziemlich höhnisch klingende Stichwort (:-meinung) Brückentechnologie (http://www.greenpeace.de/themen/energie/presseerklaerungen/artikel/erdgas_ist_die_brueckentechnologie_fuer_deutschlan d/) in die Runde werfen.
Ich empfinde den aufkommenden Contra-Atomkraft-Hype nachdem was in Japan passiert ist zwar positiv, aber um ehrlich zu sein eher der Sache an sich nicht dienlich, denn so wird doch jetzt alles so lange ausdiskutiert bis die Kernidee an sich bald ausser Acht gelassen wird.
Jetzt wird also wieder alles auf den Wahlkampf geschoben....na großartig. :-nix So ähnlich war es doch auch schon bei Stuttgart 21.
Lange Rede, kurzer Sinn. Am besten, obwohl ich nicht immer alles so gescheit von ihr finde, fand ich heute eine Aussage von Frau Roth, nach der unsere Kanzlerin 'nicht aussetzen, sondern aussitzen' wolle. Fand ich ganz zutreffend.
Am besten, obwohl ich nicht immer alles so gescheit von ihr finde, fand ich heute eine Aussage von Frau Roth, nach der unsere Kanzlerin 'nicht aussetzen, sondern aussitzen' wolle. Fand ich ganz zutreffend.Ich sehe das als hilflosen Versuch, die Landtagswahl in BaWü mit Atom-Mappus nicht komplett an die Wand zu fahren. Wenn Mutti sich da nicht verrechnet hat...
airmaria
15.03.2011, 08:24
Jetzt kommt das, was mich an Deinem Posting am meisten in Rage gebracht hat: Sowjet-Bashing ist zwar für manche chic und in, aber Deine unglaubliche Herabwürdigung der Liquidatoren bei der Tschernobyl-Katastrophe ist einfach unfassbar! Nur zur Info: Auch in der Sowjetunion gab es Universitäten und Leute konnten dort studieren und Ingenieure werden.
merkwürdige interpretation meiner aussage, zumal mir sowjet-bashing als träger eines russischen namens und vorfahren aus königsberg/kaliningrad nun wirklich nicht nahe liegt...
vielleicht war mein begriff "liquidatoren" nicht präzise genug eingeschränkt:
ich meinte hiermit nicht alle über die jahre nach der katastrophe beschäftigten menschen (welche nach definition als liqudatoren zusammengefasst werden, n>100.000), sondern diejenigen, welche in den ersten stunden dort "verbraten" wurden... und diese dürften schon recht ahnungslos gewesen sein, weil es eben eine solche gruppe war, wie von dir selbst beschrieben:
Die Liquidatoren in Tschernobyl waren sehr oft junge Wehrdienstleistende...
nun sollte mit meiner aussage nicht die tasache herausgestrichen werden, dass sie nicht wussten, was sie taten (zu dieser zeit sind übrigens noch journalisten einen tag nach dem supergau mit dem heli im tiefflug über den zerstörten reaktor um fotos zu schiessen, nur mal als kleine anmerkung über das strahlenbewusstsein zu dieser zeit an jenem ort)...
sondern ich möchte die unglaubliche leistung der japanschen arbeiter betonen, welche gerade vor ort ihr leben geben - und zwar in vollem bewusstsein, dass sie dieses tun (eben auch aufgrund der erfahrung von tschernobyl, hier ist der intellekuelle link dazu) - und nicht einfach abhauen, was durchaus verständlich wäre...
ich denke daher nicht, dass diese sichtweise auch nur im ansatz deiner einschätzung entspricht:
Das einfach so abzutun von Deinem bequemen Schreibtisch aus ist auf eine unglaublich infame Art menschenverachtend und arrogant.
airmaria
http://www.3sat.de/page/?source=/3satextra/147144/index.html
Energieträger 2009
Atomkraft 22,6
Braunkohle 24,5
Steinkohle 18,3
Erdgas 12,9
Mineralölprodukte 2,1
Erneuerbare Energien 15,6
darunter: Wasserkraft 3,2
- Windenergie 6,3
- Biomasse 4,2
- Photovoltaik (Sonne) 1,0
- Müll 0,8
Übrige Energieträger 4,0
(Abweichungen in den Summen durch Rundungen)
Quelle: Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen (AGEB)
Was man bei Allem nicht ganz vergessen darf: Zur Zeit machen Kernenergie und Steinkohle rund 40% unseres Stroms aus! Wenn wir JETZT alle Meiler abschalten und 2018 die eh schon nur noch rudimentär vorhandene Steinkohleförderung eingestellt wird, spätestens DANN können wir unseren Strom aus den AKW in den europäischen Nachbarländern einkaufen gehen. Und die Braunkohle reicht auch nur noch bis 2045 (Garzweiler z.B.).
Also wenn jetzt die Opposition vollmundig den Ausstieg SOFORT fordert, dann bitte aber auch mit realistischen Zahlen und Zielen und nicht nur aus wahltaktischen Gründen.
Und NEIN! Ich würde auch gerne in einer AKW-freien Welt leben, aber ich sehe eben auch die momentanen Probleme. Z.B. will keiner neben einem Windkraftwerk wohnen, Die Netzleitungen sind für eine erhöhte Windenergieeinspeisung nicht ausgelegt, die 10000 Sonnenstunden/Jahr sind Wunschdenken, die Erdwärme verschlingt ganze Häuser(!), usw, usw.
Hier ist die Politik gefragt, endlich mal Arsc* in der Hose zu zeigen und die Probleme anzugreifen. Und sich nicht ständig von Lobbyisten schmieren zu lassen...
Die Liquidatoren in Tschernobyl waren sehr oft junge Wehrdienstleistende...
Die zudem die Wahl hatten: Zement auf den Reaktor zu schaufeln oder nach Afghanistan zu gehen (oder war es Tschetschenien?).
http://www.3sat.de/page/?source=/3satextra/147144/index.html
Energieträger 2009
Atomkraft 22,6
Braunkohle 24,5
Steinkohle 18,3
Erdgas 12,9
Mineralölprodukte 2,1
Erneuerbare Energien 15,6
darunter: Wasserkraft 3,2
- Windenergie 6,3
- Biomasse 4,2
- Photovoltaik (Sonne) 1,0
- Müll 0,8
Übrige Energieträger 4,0
(Abweichungen in den Summen durch Rundungen)
Quelle: Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen (AGEB)
Tatsache ist aber auch, dass knapp 1/3 des in Deutschland produzierten Atomstroms in den Export gehen. Das wird gerne vergessen...
- der aktuelle monfokussierte strahlenwahn erscheint in anbetracht der zu erwartenden - selbst im unglücklichsten fall - massiv geringeren potentiell strahlenbedingten opferzahl im verhältnis zu bio-verursacht nüchtern betrachtet etwas unangebracht...
Wenn du schon versuchst Opferzahlen aufzuwiegen bzw. eine blödsinnige "Kosten-Nutzen-Analyse" anzustellen, solltest du allerdings auch die "Kosten" eines atomaren Unfalls für die japanische Gesellschaft miteinbeziehen, die sich ja nicht nur auf die direkte "strahlenbedingte Opferzahl"^^ beschränkt, sondern auch noch die Nachfolgegenerationen in den betroffenen Gebieten betrifft in Form von erhöhten Krebsraten, Missbildungen usw., als auch die wirtschaftliche Bedeutung für Industrie und Landwirtschaft durch nichtnutzbare Flächen - und das auf Jahrzehnte/Jahrhunderte. Von der menschlichen/sozialen Dimension ganz zu schweigen. Der Betreiber der Atomkraftwerke wird dafür niemals aufkommen können - Gewinne werden eingefahren, Kosten werden dem Staat/der Gesellschaft aufgedrückt - wie bei so vielem ...
4. Jaja, schon klar! Die bösen Grünen und die Anti-Atomkraft-Bewegung sind schuld daran, daß wir nicht die hochmodernen AKWs haben, die auch einen Meteoriteneinschlag wie beim Tunguska-Ereignis überstehen können. Auch wenn Du es wohl nicht glauben wirst: Technik hat ihre Grenzen und unsere moderne Technik - auch wenn sie schön glatt und hypermodern daherkommt - ist angesichts solcher Ereignisse wie derzeit in Japan machtlos.
Das stimmt so nicht ganz. Wenn Du aus dem Ruhrpott kommst, wird Dir vielleicht die Geschichte des THTR in Hamm-Uentrop (Thorium-Kugelhaufen-Reaktor, der technisch bedingt nicht schmelzen KANN und als Abfallprodukt NICHT-radioaktives Blei produziert) etwas sagen. Und warum ist das Ding eine nie fertiggestellte teure Bauruine, die niemals ans Netz ging?
Richtig, weil die Grünen es unter fadenscheinigen Gründen torpediert haben.
6. Jetzt kommt das, was mich an Deinem Posting am meisten in Rage gebracht hat: Sowjet-Bashing ist zwar für manche chic und in, aber Deine unglaubliche Herabwürdigung der Liquidatoren bei der Tschernobyl-Katastrophe ist einfach unfassbar! Nur zur Info: Auch in der Sowjetunion gab es Universitäten und Leute konnten dort studieren und Ingenieure werden. Die Liquidatoren in Tschernobyl waren sehr oft junge Wehrdienstleistende, die ihr Leben und ihre Gesundheit gaben für eine Aufgabe, die erledigt werden musste. Das einfach so abzutun von Deinem bequemen Schreibtisch aus ist auf eine unglaublich infame Art menschenverachtend und arrogant.
:-meinung
Du hast mary nicht verstanden: er sagte, daß die Liquidatoren in Tschernobyl arme Schweine waren, die ahnungslos ins Verderben geschickt wurden. Aber die Leute in Fukushima sind Helden, die ganz bewußt ins Verderben gehen, um ihre Landsleute zu retten. Und das ist dann doch nochmal eine Nummer größer.
:-meinung
Und an alle, die jetzt hier die Grundsatzdiskussion um Atomkraft anfangen wollen:
ein simples "Nein zur Atomkraft" wird der Lage einfach nicht gerecht.
Denn wie sieht die Lage aus?
-Kernkraft ist derzeit gefährlich und erzeugt strahlenden Müll
-fossile Energieträger heizen den Klimawandel an, so daß demnächst die Holländer und Pazifik-Insulaner absaufen
-regenerative Energie ist nicht in der Lage, uns ausreichend und zuverlässig in absehbarer Zeit zu versorgen
-Fusionsreaktoren gibt es noch nicht
Was ist die Lösung? Ich weiß keine...
emergency doc
15.03.2011, 16:00
ich denke daher nicht, dass diese sichtweise auch nur im ansatz deiner einschätzung entspricht
Dann zieh ichs zurück, klang nur für mich so...
emergency doc
15.03.2011, 16:13
Das stimmt so nicht ganz. Wenn Du aus dem Ruhrpott kommst, wird Dir vielleicht die Geschichte des THTR in Hamm-Uentrop (Thorium-Kugelhaufen-Reaktor, der technisch bedingt nicht schmelzen KANN und als Abfallprodukt NICHT-radioaktives Blei produziert) etwas sagen. Und warum ist das Ding eine nie fertiggestellte teure Bauruine, die niemals ans Netz ging?
Richtig, weil die Grünen es unter fadenscheinigen Gründen torpediert haben.
Also ich kenne zwar die Geschichte des THTR nicht, aber hier kann man es nachlesen: http://de.wikipedia.org/wiki/THTR
Klingt für mich eher, als würdest DU die Geschichte nicht kennen.
Kurz für die, die zu faul sind zum Link anklicken: Der THTR in Hamm wurde 1983 fertiggestellt und ging in den Dienst. Er war aber insgesamt sehr wartungsintesiv und störanfällig. Als der Brennelementehersteller ausfiel war der Nachschub an Brennstoff nicht mehr gewährleistet. Aus sicherheitstechnischen und wirtschaftlichen Gründen wurde der Betrieb 1989 eingestellt.
Nix mit "bösen" Grünen... :-nix
Was hatten die Grünen, 1990 zum ersten Mal im Landtag in NRW, mit dem 1989 abgeschalteten THTR zu tun? Dass dieser "niemals ans Netz ging" ist nicht korrekt, die erste Einspeisung von dort produziertem Strom erfolgte am 16.11.1986, die erste Stromerzeugung war früher.
Ein Reaktor, der nur nicht-radioaktiven Müll produziert? Ich weiß nicht, wo du das her hast oder wie das technisch möglich sein soll. Kugelhaufenreaktoren erzeugen radioaktiven Müll, selbst wenn man als Augangsstoff Thorium einsetzt (aus dem dann Uran erbrütet wird). Eher ist das Abfallproblem bei Kugelhaufenreaktoren ein noch größeres, da eine Wiederaufarbeitung nur schwer möglich und damit nicht rentabel ist und der Außenmantel der Kugeln im Verhältnis zum tatsächlichen Brennstoff sehr groß ist.
Relaxometrie
15.03.2011, 19:18
Und an alle, die jetzt hier die Grundsatzdiskussion um Atomkraft anfangen wollen: ein simples "Nein zur Atomkraft" wird der Lage einfach nicht gerecht..
Meiner Meinung nach doch!
Denn wie sieht die Lage aus?
-Kernkraft ist derzeit gefährlich und erzeugt strahlenden Müll
-fossile Energieträger heizen den Klimawandel an, so daß demnächst die Holländer und Pazifik-Insulaner absaufen
-regenerative Energie ist nicht in der Lage, uns ausreichend und zuverlässig in absehbarer Zeit zu versorgen
-Fusionsreaktoren gibt es noch nicht
Was ist die Lösung? Ich weiß keine...
Das klingt nach einem herzhaften "jein". Verständlich, denn mir geht es auch so. Unter welchen Bedingungen ich für Atomkraft bin, habe ich weiter oben schonmal geschrieben. Da diese Bedingungen aktuell nicht gegeben sind (korrupte, machtgeile Politiker, gewinnorientierte Kraftwerkbetreiber), muß man sich meiner Meinung nach aber entscheiden, ob man jetzt ja oder nein sagt. "Ein bißchen Atomkraft" gibt es genau so wenig, wie "ein bißchen schwanger".
Deswegen mache ich aus meinem "jein" ein "nein" und halte das unter Berücksichtigung folgender Tatsachen auch für realistisch:
- Nutzung anderer Energieformen
- sich im Stromverbrauch einschränken
- Überlegung, ob die Welt insofern über ihre Verhältnisse leben soll, als daß die vermeintlich benötigte Energie nur unter unsicheren Bedingungen (Atomkraft) produziert werden kann
Ich musste zu Abi-Zeiten mal ein Referat darüber halten, deswegen habe ich mich damit ausführlich beschäftigt.
Und was eben nicht im Wikipedia-Artikel steht (und auch nicht in den verlinkten Artikeln vom Spiegel oder der Zeit), daß der Betrieb jahrelang durch immer strengere Auflagen und formale Einsprüche der Opposition verzögert wurde. Formal ging er zwar 1986 ans Netz, hat aber eigentlich nie zuverlässig arbeiten können, weil er einerseits technisch noch nicht ausgereift war und andererseits ständig neue Prüfungen und Auflagen gemacht wurden, die den Betrieb unwirtschaftlich machten.
Möglicherweise hätte man die Technologie zu einer tragfähigen Energieversorgung weiterentwickeln können, das Ganze wurde aber von Anfang an torpediert.
Ein Reaktor, der nur nicht-radioaktiven Müll produziert? Ich weiß nicht, wo du das her hast oder wie das technisch möglich sein soll. Kugelhaufenreaktoren erzeugen radioaktiven Müll, selbst wenn man als Augangsstoff Thorium einsetzt (aus dem dann Uran erbrütet wird). Eher ist das Abfallproblem bei Kugelhaufenreaktoren ein noch größeres, da eine Wiederaufarbeitung nur schwer möglich und damit nicht rentabel ist und der Außenmantel der Kugeln im Verhältnis zum tatsächlichen Brennstoff sehr groß ist.
Ok, der direkte Müll ist radioaktiv, die Thorium-Zerfallsreihe endet mit einer HWZ von knapp 7 (!) Jahren aber bei Blei (genauer Pb208). Im Vergleich zur Uran-Zerfallsreihe und den Problemen, die wir damit jetzt haben, ist das kurz.
Zugegebenermaßen problematischer sind die Zerfallsreihen von Plutomium und Uran233, soweit ich das damals verstanden habe, ist das jedoch quantitativ deutlich weniger (da lasse ich mich aber gerne von einem kernphysikalisch Kundigen eines Besseren belehren).
Und die vermeintlich schlechte Wiederaufbereitung ist sogar ein Vorteil: 1. kann der Reaktor das entstehende Plutonium gleich selber weiterverbrennen (höherer Abbrand), und 2. kann der Reaktor nicht zur Herstellung von Atomwaffen genutzt werden (im Unterschied zum Schnellen Brüter von Kalkar).
@Relaxo: konsequenterweise muß Du dann auch gleichermaßen NEIN zu fossilen Energieträgern sagen.
Langfristig ist das ebenso wie der Atomausstieg sicherlich erstrebenswert, kurz- und mittelfristig aber schlicht unmöglich.
emergency doc
15.03.2011, 20:56
Formal ging er zwar 1986 ans Netz, hat aber eigentlich nie zuverlässig arbeiten können, weil er einerseits technisch noch nicht ausgereift war und andererseits ständig neue Prüfungen und Auflagen gemacht wurden, die den Betrieb unwirtschaftlich machten.
Hmmm... Ich bin nicht sicher ob ich Dich richtig verstehe: Plädierst Du dafür, einen technisch unausgereiften und störanfälligen Reaktor NICHT ständig zu prüfen und durch Auflagen sicherzustellen, daß nicht eine "Wird schon nichts passieren"-Mentalität regiert?
Wusstest Du, daß Technik nicht ohne Fehler ist? Unfälle passieren, spätestens seit Eschede sollte man das in Deutschland wissen.
Und was eben nicht im Wikipedia-Artikel steht (und auch nicht in den verlinkten Artikeln vom Spiegel oder der Zeit), daß der Betrieb jahrelang durch immer strengere Auflagen und formale Einsprüche der Opposition verzögert wurde.
Dann aber nochmal die Frage, was die Grünen damit zu tun gehabt haben sollen, die zum fraglichen Zeitpunkt nicht im Landtag und damit auch nicht in der aktiven Opposition waren.
Ok, der direkte Müll ist radioaktiv, die Thorium-Zerfallsreihe endet mit einer HWZ von knapp 7 (!) Jahren aber bei Blei (genauer Pb208). Im Vergleich zur Uran-Zerfallsreihe und den Problemen, die wir damit jetzt haben, ist das kurz.
Das ist aber kein Argument... das Thorium wird dazu benutzt, 233U zu gewinnen, welches dann den Reaktor antreibt. Thoriumreaktoren sind bis heute nicht wirtschaftlich zu betreiben. Was bei Kugelhaufenreaktoren allgemein schief gehen zeigt sich am Beispiel des AVR Jülich. Der Reaktorkern lässt sich bauartbedingt nicht vernünftig überwachen und lief jahrelang mit Temperaturen etwa 200°C höher als geplant und erwartet. Der sich dadurch lösende Staub von beschädigten Kugeln hat den Reaktor so stark kontaminiert, dass er zur Zeit nicht abgebaut und eingelagert werden kann. In Südafrika wurde der Bau eines seit Mitte der 2000er geplanten Kugelhaufenreaktors auf unbestimmte Zeit verschoben (sprich: eingestampft), nachdem Investoren abgesprungen sind. Dies war auch eine Folge eines 2008 veröffentlichen Berichts des Forschungszentrums Jülich, der sich mit den Problemen von Kugelhaufenreaktoren beschäftigt (Link zum Bericht [PDF, englisch] (http://juwel.fz-juelich.de:8080/dspace/bitstream/2128/3585/1/Moormann-Juwel.pdf)).
Von der Diskussion um Reaktortypen abgesehen finde ich persönlich die Abfallsituation problematischer als die mögliche Gefahr einer unkontrollierten Reaktion (die sich wahrscheinlich mit Kugelhaufenreaktoren bei entsprechender Forschung so gut wie eliminieren lassen könnte).
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