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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Japan: Erdbeben, Tsunami, AKW-Störfall



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Schimmelschaf
15.03.2011, 23:11
Solange die Regierungen sämtlicher Länder von der Kernkraftlobby quasi aufgekauft werden kann man eh nichts machen. Die Menschen sitzen weiterhin auf ihrem faulen Arsch und machen NIX.
Seht euch das doch mal an, es sind sechs Reaktoren die einen Defekt aufweisen, bei mind. zwei weiteren Blöcken funktionieren die Kühlungen nicht mehr und Schutzhüllen sind auc noch in Mitleidenschaft gezogen worden. Tschernobyl hatte gerade mal einen einzigen Block. Und sogar heute sind sie noch dabei, das in den Boden geschmolzene Material weiter mit Beton zuzukippen, weil es einfach noch so heiss ist und einige Zentimeter absacken wird.
In Japan hiess es noch vor ein paar Tagen, dass kein Grund zur Besorgnis bestehen würde. Das wäre jetzt mal der Moment, in dem man laut über die japanische Regierung lachen dürfte.
Bei solch einem verlogenen Pack reisst mir einfach mein Geduldsfaden.

Christoph_A
16.03.2011, 07:53
Irgendwie ist die Diskussion wieder typisch deutsch.
Klar, das, was da gerade in Japan passiert ist schlimm, aber bis jetzt doch objektiv noch ein gutes Stück von einem Super Gau a la Tchernobyl entfernt. Lehne mich jetzt mal aus dem Fenster und behaupte, daß die 10000 Toten der ursprünglichen Erdbebenkatastrophe nie und nimmer von den Reaktoren in Fukushima erreicht wird.
Daß irgendwann bei einem Erdbeben von 9,0 auf der Richterskala und anschließendem Tsunami auch mal ein Kernreaktor trotz bestmöglicher Sicherheitstechnik schlapp macht, sollte einen nicht im Geringsten überraschen.
Nur frage ich mich, was das jetzt genau mit unseren Kernkraftwerken zu tun hat-hier gibt es weder Erdbeben noch Tsunamis und die Wahrscheinlichkeit, daß ein Al Quaida Bomber ein Kernkarftwerk hier in die Luft jagen könnte ist irgendwo zwischen 0 und 0,0000005 Prozent.
Aber, jetzt geht sie wieder los, die typische "german angst", wie die Amis das so nett nennen.
Egal ob Waldsterben, Vogelgrippe, BSE oder jetzt Kernkraftgefahren-wir neigen dazu, alles sinnentleert aufzubauschen und zu fatalisieren.
Sehe es ähnlich wie evil, solange es nicht mglich ist, aus Energiegründen ganz auf Kernkraft zu verzichten, weil die regenrativen Energien nicht weit genug entwickelt sind, sollte man dies jetzt nicht reflektorisch im Anschluss an eine Naturkatastrophe am anderen Ende der Welt versuchen.
Bevor wir uns hier in eine sinnlose Atomdiskussion stürzen, sollten wir uns mal eher überlegen, wie wir den Opfern der eigentlichen Katastrophe helfen könnten.

airmaria
16.03.2011, 08:39
Seht euch das doch mal an, es sind sechs Reaktoren die einen Defekt aufweisen, bei mind. zwei weiteren Blöcken funktionieren die Kühlungen nicht mehr und Schutzhüllen sind auc noch in Mitleidenschaft gezogen worden. Tschernobyl hatte gerade mal einen einzigen Block...
In Japan hiess es noch vor ein paar Tagen, dass kein Grund zur Besorgnis bestehen würde. Das wäre jetzt mal der Moment, in dem man laut über die japanische Regierung lachen dürfte. Bei solch einem verlogenen Pack reisst mir einfach mein Geduldsfaden.
auch wenn hier immer und überall tschernobyl - verständlicherweise - herangzogen wird, so kann man aktuell nicht davon ausgehen, dass ein gleiches ausmass an strahlenexposition erreicht werden wird, oder gar mehr, weil es ja mehr reaktoren betrifft.
man kann das nicht einfach aufsummieren und vergleichen, tschernobyl lag nach einer explosion völlig frei und das graphit (250 tonnen) brannte über mehrere tage unter freiem himmel ab, dadurch wurden die radioaktiven isotope in grosse höhen abgegeben...

auch darf man die informationspolitik der japaner in keinster weise mit den vertuschungsversuchen aus tschernobylzeiten vergleichen, wo nach der explosion und offensichtlich freiliegendem und brennnendem reaktorkern noch lange behauptet worden war, dass die hülle intakt wäre (dieser umstand ist hauptverantwortlich für das tatsächliche ausmass der damaligen katastrophe!).

hier mal eine übersichtsgraphik zur aktuellen situation:
http://files.newsnetz.ch/upload/5/4/5431.jpg

fakt ist: wir müssen hier definitionsgemäss von einem SUPER-Gau sprechen!
airmaria

Kackbratze
16.03.2011, 09:04
Die deutsche Bundesregierung belügt weiter die Bevölkerung und betreibt Augenwischerei.
Die Japaner versuchen gerade, das Schlimmste zu verhindern, aber was wo wie genau passiert, wissen im Endeffekt nur die Arbeiter IN den AKWs zu Zeit.
Alles Andere ist meist Spekulation oder aufgebauschte No-News der sensationsgeilen Presse und Öffentlichkeit.
Hier im KH sind seit 2 Tagen alle Atom-Experten, wissen genau was in Fukushima I-VI passiert und waren schon seit Jahren gegen Atomstrom.
Is klar. Und morgen kaufen alle Geigerzähler und Jodtabletten, aber nur als Vorsorge :-kotz

Tschernobyl war absolutes menschliches Versagen gepaart mit Vertuschung durch ein totalitäres System, welches sich nicht zu Schade war, Menschen in den Tod zu schicken um den Mist zu verdecken.
In Japan hat die Natur die Grenzen unserer Technik aufgezeigt, aber es bestehen noch Chancen, den Schaden einzudämmen.

Im Endeffekt sind wir Kindergartenkinder, die mit Streichhölzern ein warmes (Atom-)feuerchen machen können, aber wenn dann plötzlich überall brennt, wissen wir nicht, wie wir es richtig löschen können.
Und die Presse lanciert mit Nachrichten, deren Bewertung dem Laien überlassen wird ("Jetzt wieder mehr Strahlung nachgewiesen" "jetzt wieder weniger" "jetzt irgendwas am AKW gesehen" "war doch nix" "oder doch?") eine latente Panik (keine Angst, weil Japan ist ja weit weg) die in blinden politischen Aktionismus führt, die am Ende der Atomlobby in die Hände spielt.

Die alten Meiler in Deutschland gehören nicht geprüft, die gehören, entsprechend dem Atomausstiegsgesetz abgeschaltet. Aktuell sind (angeblich) 7 Meiler vom Netz und bei uns ist immernoch nicht der Strom ausgefallen. Komische "Brückentechnologie"...

Ich wette, in 2 Monaten bezahlt die Bundesregierung das Abwracken der alten Meiler aus dem Steuersäckel und RWE und Co. verdienen sich weiter eine goldene Nase mit mittelalten Meilern, die schnell noch für "sicher" erklärt werden.

Strodti
16.03.2011, 09:17
wir [sollten uns] überlegen, wie wir den Opfern der eigentlichen Katastrophe helfen könnten.
Da stimme ich dir uneingeschränkt zu! Allerdings darf man trotzdem über das Thema "Reaktorsicherheit in Deutschland nachdenken.

Schnellschüsse sind grundlegend verkehrt. In beide Richtungen... ich finde eine strikt wirtschaftliche Energiepolitik zu Lasten der Umwelt und der Sicherheit genau so verkehrt wie ein plumpes "Alle AKWs heute ausstellen", ohne die Alternativen durchgeplant, gerechnet und überdacht zu haben.
Ich finde es gut, wenn alte, störanfällige Kraftwerke abgeschaltet werden, vor allem bei der momentanen Überproduktion. Es ist von der Auslastung her ohne weiteres Möglich Isar 1, Biblis A und Neckarwestheim 1 runterzufahren. Krümmel ist seit Juli 2009 vom Netz und Vattenfall bekommt hier die Probleme auch nicht im Griff.
Es braucht keine Erdbeben und Tsunamis um Reaktorunfälle herbeizuführen. Der Mensch reicht.

Mir ist klar, dass einige AKW noch eine ganze Weile laufen werden und ein Abschalten von AKW zugunsten von Kohle- oder Gaskraftwerken wäre nicht zielführend. Aber bei einer zu langen Laufzeit ist das Interesse der Stromwirtschaft an der Erforschung von Alternativen doch gemindert.

Der alte Atomkonsens aus dem Jahr 2000 war ein guter Mittelweg mit ausreichender Berücksichtigung der Wirtschaftsunternehmen.

komori
16.03.2011, 09:19
Irgendwie ist die Diskussion wieder typisch deutsch [...]
Bevor wir uns hier in eine sinnlose Atomdiskussion stürzen, sollten wir uns mal eher überlegen, wie wir den Opfern der eigentlichen Katastrophe helfen könnten.
Mit der Keule kann man gesellschaftliche Diskussionen natürlich gut erschlagen, aber vermutlich hast du mit der Aussage sogar recht. Im Moment stehen sicher wichtigere Dinge an.

Damit es am Ende des Tages nicht wie so oft läuft, wenn erst einmal die erste Betroffenheit durchlebt wurde, der Wunsch zu helfen befriedigt/erschöpft ist, und/oder man sich allmählich an die Ereignisse gewöhnt hat - braucht es aber wohl mehr als nur Tatendrang zu signalisieren, jedenfalls auf politischer Ebene.
Von daher betrachte ich eine wiederaufkommende breite gesellschaftliche Diskussion (zugegeben mit der nicht zu vermeidenden Überdosis an teilweise reißerischer Berichterstattung, parteipolitischem Kleinklein usw.) als begrüßenswert. Angesichts der traurigen Ereignisse in Japan besteht die Möglichkeit wirkliche energiepolitische Konsequenzen zu ziehen - sich Schritte zu überlegen, wie die Zukunft gestaltet werden kann. Der Punkt wurde in der Vergangenheit verpasst bzw. vertagt.
Als "typisch"^^ für diesen Prozess würde ich dann erst bezeichnen wollen, wenn sich am Ende nichts ändert, wenn alles weiter läuft, so wie bisher. Ich denke, die Finanzkrise war/ist dafür ein gutes Beispiel. Vollmundige Forderungen wurden aufgestellt, am Ende kam es zu ein paar kleinen, für die Finanzwelt hinnehmbaren Korrekturen, ansonsten dreht sich das "Rad" weiter, sogar schneller als zuvor (und der nächste Crash steht vor der Tür, doch das ist ein anderes Thema).

Linda.1001
16.03.2011, 10:34
Die alten Meiler in Deutschland gehören nicht geprüft, die gehören, entsprechend dem Atomausstiegsgesetz abgeschaltet. Aktuell sind (angeblich) 7 Meiler vom Netz und bei uns ist immernoch nicht der Strom ausgefallen. Komische "Brückentechnologie"...

Weil durch Atomkraft nur ca. 6 % eingespeist werden und teile davon sogar noch exportiert.

Alle Bedenken, die gegen ein Abschalten der AKWs vorgetragen werden, sind doch eher wirtschaftlich als alles andere begründet. :-nix

Christoph_A
16.03.2011, 10:44
Es sind doch deutlich mehr als 6% des nationalen Stroms, die über AKWS eingespeist werden....
Was die Brückentechnologie betrifft, klar, kann man CO2 Schleudern wie Kohlekraftwerke bauen, wofür, sofern es sich um Braunkohle handelt, noch ganz Landstriche umgegraben werden-super ökologische Technologie. Wasserkraftwerke verschandeln die Alpen, Solar- und Windenergie sind nicht so weit uns zu versorgen. Weitere regenrative Energien befinden sich in den Kinderschuhen. Wer sagt, aktuell ohne Kernkraft einen CO2 neutralen, verträglichen Energiemix durchziehen zu können ist ein Träumer.
Achja, was mir noch zur Sicherheitsdiskussion eingefallen ist-denken eigentlich die ganzen Schreier bei den Castor Transportern, die schön die Schienen schottern mal daran, was sie anrichten könnten, wenn so ein Ding mal entgleist und kaputt geht? Aber da wird dann schnell mit zweierlei Maß gemessen, was der linksalternative Gutmensch ja gerne tut.

Kackbratze
16.03.2011, 11:47
Ich würde empfehlen, die Punkte Gutmenschentum und Castor hier auszuklammern. Sie gehören zwar zum Themenkomplex, führen aber vom Hauptthema weg.

Evil
16.03.2011, 11:54
Hmmm... Ich bin nicht sicher ob ich Dich richtig verstehe: Plädierst Du dafür, einen technisch unausgereiften und störanfälligen Reaktor NICHT ständig zu prüfen und durch Auflagen sicherzustellen, daß nicht eine "Wird schon nichts passieren"-Mentalität regiert?
Du verstehst mich nicht richtig.
Ich plädiere dafür, eine zunächst vielversprechende Technologie nicht von vorneherein durch unsinnige Auflagen zu blockieren, "nur weil das ja Atom ist".
Natürlich müssen kritische Überwachungen durchgeführt werden, und es kann auch nicht angehen, daß sich RWE-Bonzen Reaktorlaufzeiten durch Gefälligkeiten erkaufen, aber Technikfeindlichkeit löst das langfristige Energieproblem genausowenig.
Die Diskussion als solche wird viel zu emotional geführt, und darin liegt die größte Gefahr.


Dann aber nochmal die Frage, was die Grünen damit zu tun gehabt haben sollen, die zum fraglichen Zeitpunkt nicht im Landtag und damit auch nicht in der aktiven Opposition waren.Stimmt, in NRW waren sie zum damaligen Zeitpunkt nicht im Landtag. Dafür aber Mitregierende in Hessen, wo der Kugelhersteller stillgelegt wurde, was letztendlich das Aus für Hamm-Uentrop bedeutete.


Von der Diskussion um Reaktortypen abgesehen finde ich persönlich die Abfallsituation problematischer als die mögliche Gefahr einer unkontrollierten Reaktion (die sich wahrscheinlich mit Kugelhaufenreaktoren bei entsprechender Forschung so gut wie eliminieren lassen könnte).Da hast Du vollkommen recht, ich bin aber bisher davon ausgegangen, daß quantitativ die Hauptreaktion im THTR nach der Thorium-Reihe abläuft und weniger nach der Neptunium-Reihe. Die Jülicher Ergebnisse waren mir neu, nachdem ich mich zugegebenermaßen jahrelang nicht mehr damit befaßt habe.

Strodti
16.03.2011, 11:56
Weil durch Atomkraft nur ca. 6 % eingespeist werden und teile davon sogar noch exportiert.
Es wird eine Menge exportiert, aber die AKW erzeugen 22,6% des Stroms. Die 6%, die man ab und zu liest, beziehen sich auf die 7 ältesten Meiler, die derzeit in der Diskussion stehen.


Achja, was mir noch zur Sicherheitsdiskussion eingefallen ist-denken eigentlich die ganzen Schreier bei den Castor Transportern, die schön die Schienen schottern mal daran, was sie anrichten könnten, wenn so ein Ding mal entgleist und kaputt geht? Aber da wird dann schnell mit zweierlei Maß gemessen, was der linksalternative Gutmensch ja gerne tut.
Also bitte... es sind >50% der Deutschen gegen die Atomkraft, es haben beim letzten Castortransport 50.000 Menschen friedlich demonstriert und es waren nur wenige hundert, die "geschottert" haben. Die Anti-Atom Bewegung ist nicht homogen radikal, die meisten lehnen diese gefährliche Sachbeschädigung an den Gleisen ab! Bitte verkläre nicht jeden Atomkraftgegner zum autonomen Steinewerfer.

Relaxometrie
16.03.2011, 12:00
Ich bin doch einigermaßen erstaunt darüber, mit welchen Nebenschauplätzen sich hier einige Leute aufhalten, und meinen, die Energiesituation beurteilen zu können, wozu Atomkraft nach deren Ansicht selbstverständlich vorerst noch dazu gehört.
Wer sich mit der "german angst" und anderen Nichtigkeiten aufhält, die Castor-Demonstrationen für ein Charakteristikum der Atomkraftgegner hält, verächtlich und süffisant von "Strahlenwahn" spricht, sollte sich auch mal mit einigen kritischen Fakten bezüglich der Atomkraft beschäftigen:
- Uranabbau
- Vertuschung von Störfällen, die zu Hauf vorkommen
- http://nukingtheclimate.com/filme/uranium/
In dem Film wird ab Minute 42:50 erwähnt, daß sich ein Atomkraftwerk nach 15-18 Jahren amortisiert hat. Ab Minute 43:20 wird gesagt, daß ein AKW-Betreiber nach der Amortisierung 1 Millionen Euro Gewinn pro Tag macht. Muß man da noch überlegen, wer hinter dem Wunsch, gefährliche und alte AKWs nicht abzuschalten, steckt???

Relaxometrie
16.03.2011, 12:09
Die Anti-Atom Bewegung ist nicht homogen radikal, die meisten lehnen diese gefährliche Sachbeschädigung an den Gleisen ab! Bitte verkläre nicht jeden Atomkraftgegner zum autonomen Steinewerfer.
Genau meine Meinung.
Als ich am Montag bei einem kleinen Antiatomkraftmarsch dabei war, habe ich mir genau das gedacht: das einzige, was die ca. 2000 Menschen vereint, ist eine Atomkraft-kritische Einstellung. Was aber genau in jedem der Mitstreiter vorgeht, sollte man nicht pauschal mit "Ökoträumer" abstempeln, sondern sollte sich ein differenziertes (oder gar kein) Bild von den Menschen machen. Die Gefahr, daß man aber als naives, ahnungsloses und verträumtes Lieschen Müller abgetan wird, ist groß.

Gersig
16.03.2011, 12:17
Stimmt, in NRW waren sie zum damaligen Zeitpunkt nicht im Landtag. Dafür aber Mitregierende in Hessen, wo der Kugelhersteller stillgelegt wurde, was letztendlich das Aus für Hamm-Uentrop bedeuteteDu meinst sicher NUKEM in Hanau, Evil. Diese Firma war am Betreiberkonsortium beteiligt und stellte Kernbrennstoff her. Es gab eine Reihe von Skandalen: Mal wurden Mitarbeiter verstrahlt, mal versickerte radioaktives Material im Grundwasser. Am Streit um NUKEM ist seinerzeit die rot-grüne Landesregierung unter Börner und Joschka Fischer als Umweltminister zerbrochen. Die Rücknahme der Betriebserlaubnis erfolgte aber nicht mehr unter Joschka Fischer, sondern unter der neuen CDU-geführten Regierung Wallmann und dem Bundesumweltminister Klaus Töpfer, ebenfalls CDU. Deine Ausführungen sind also nicht ganz korrekt: Den Schwarzen Peter musst du der CDU zuschieben

Christoph_A
16.03.2011, 14:59
@ Strodti:
Hab ich mit einem Wort was gegen friedliche Demonstranten gesagt? Aber ich hab massiv was gegen Leute, die Gefahren erzeugen und einige 100 Schreier sind nun mal einige hundert Schreier. Und wenn ich mich dann erinnere, wieviele Leute in Interviews Verständnis für solche Aktionen gezeigt haben, dann sehe ich meinen Einwand durchaus als berechtigt an.
Was die mehr als 50% der Leute angeht-eine Regierung muß auch mal unpopuläre Maßnahmen ergreifen. Möchte hier nur an die Wiederaufrüstung der Bundeswehr und konsequente NATO Anbindung der BRD unter Adenauer oder den NATO Doppelbeschluß unter Helmut Schmidt erinnern-beides höchst unpopuläre Maßnahmen, aber geschichtlich gesehen Meilensteine auf dem Weg zu einem Deutschland in Frieden und Sicherheit.
Meineserachtens gehört die Kernenergie mit allen ihren Risiken, deren ich mir durchaus bewusst bin, wie ihren Vorteilen (Stichwort CO2 Bilanz) so lange zu unserem Energiemix, als wir nicht weit genug auf dem Feld der regenerierbaren Energien sind. Deshalb halte ich rein gar nix von den derzeit von der Regierung durchgeführten populistischen Schnellschüssen.
P.s.: @ Relaxometrie: Was Du für Nichtigkeiten hältst, muß ein anderer noch lange nicht für selbiges halten. Und sag mir doch bitte, wie Du die knapp 23% Atomstrom von jetzt auf gleich ersetzen willst? Mit Braunkohle ausm Tagebau? Oder Strominporten aus der Ukraine? Oder kriegen wir jetzt alle ein Windrad innen Garten gestellt?

Evil
16.03.2011, 15:36
Du meinst sicher NUKEM in Hanau, Evil. Diese Firma war am Betreiberkonsortium beteiligt und stellte Kernbrennstoff her. Es gab eine Reihe von Skandalen: Mal wurden Mitarbeiter verstrahlt, mal versickerte radioaktives Material im Grundwasser. Am Streit um NUKEM ist seinerzeit die rot-grüne Landesregierung unter Börner und Joschka Fischer als Umweltminister zerbrochen. Die Rücknahme der Betriebserlaubnis erfolgte aber nicht mehr unter Joschka Fischer, sondern unter der neuen CDU-geführten Regierung Wallmann und dem Bundesumweltminister Klaus Töpfer, ebenfalls CDU. Deine Ausführungen sind also nicht ganz korrekt: Den Schwarzen Peter musst du der CDU zuschieben
Die Frage ist, inwieweit da tatsächlich Pfusch betrieben wurde, oder ob die Skandale nicht zumindest teilweise durch grüne Hetzkampagnen aufgebauscht wurden. Ich denke, da hat beides eine Rolle gespielt. Und letztlich blieb der CDU dann auch keine andere Wahl, außerdem konnten sie dadurch ihre Öko-Bilanz aufpolieren, so wie es die Quallen in Baden-Würtemberg und Bayern gerade versuchen.


Mir geht es auch nicht darum, irgendwem einen Schwarzen oder Grünen Peter zuzuschieben, weder der industriehörigen CDU noch den von Fachwissen leider oft unbeleckten Grünen. Sowohl der Atomausstieg als auch die Laufzeitverlängerung, E10-Einführung oder Öko-Steuer, das alles sind keine wirklich effektiven Maßnahmen, die anstehenden Probleme zu lösen. Da diskutieren viel zu viele Leute mit, die Fachwissen durch Leidenschaft/Emotionen ersetzen und außerdem die nächste Wahl im Auge haben. Von den Lobby-Vertretern sag ich gar nix...

Letztendlich muß man sich der Wahrheit stellen, daß zum momentanen Zeitpunkt weder in D noch europa-, geschweige denn weltweit ein Verzicht auf Atomenergie oder fossile Brennstoffe kurzfristig möglich ist.
Deutsche Alleingänge bezüglich eines schnellen Atomausstieges mögen uns hier ein sauberes Gewissen verschaffen und haben eventuell sogar eine kleine Signalwirkung, ändern aber an der Globalsituation kaum etwas. Und ein GAU ist immer auch ein globales Problem.

Wenn also kurzfristig wenig möglich ist, muß langfristig geplant werden; und das bedeutet, daß endlich verstärkt brauchbare Alternativen gefunden werden müssen.
Hier kann die Politik ansetzen, indem sie nicht nur die Forschung fördert (was viel zu wenig geschieht) sondern auch für die Energiekonzerne Anreize schafft. Für Letzteres war der Kompromiß zum Atomausstieg gar nicht schlecht, da hat Strodti ganz recht.
Ich bezweifle aber, daß ein Hauruck-Abschalten von ein paar kleinen deutschen Atom-Möhren mehr als eine kurzfristige PR-Aktion ist. Nachhaltigkeit geht anders.

airmaria
16.03.2011, 20:08
nachdem die presse inzwischen endlich mal den arbeitern vor ort gebührenden respekt zollt, anstatt der regierung unzulängliche informationspolitik vorzuwerfen, bleibt noch mit erstaunen festzustellen, dass selbst einige tage nach beginn dieser katastrophe regelmässig totaler unfug hinsichtlich der begrifflichkeiten transportiert wird, wie z.b. die gleichsetzung von totaler kernschmelze mit super-gau...

auch sehr interessant ist die deutsche politik: da wird zu katastrophenbeginn von entsprechenden oppositionellen vor laufender kamera der sofortige stop der älteren kraftwerke gefordert...
die regierung handelt - als einzige in europa - entsprechend der mehrheitlichen meinung der bevölkerung (auch wenn diese meiner meinung nach rein durch emotionale, denn reale argumente begründet ist) und ordnet die umgehende betriebseinstellung der sieben ältesten kernkraftwerke für drei monate im sinne eines moratoriums an.
respekt, da sage mal jemand, politiker seien träge, sesselpupser und bekämen ihren arsch nicht hoch... und was kommt jetzt? achtung, ein karton!!! erstens wird natürlich angezweifelt, dass diese massnahme zu längerfristigen änderungen führen würde und nach drei monaten alles wieder so wäre, wie vorher. klar, das muss man als oppositioneller wohl sagen, wenn man keine anderen argumente mehr hat und regelmässig selbst eigene versprechungen nicht einhalten konnte...
aber wenn dann jetzt genau diejenigen, die vorher einen stop gefordert haben, nun die rechtmässigkeit dieses schrittes anprangern und verurteilen (anstatt nun konsequent nach sinnvollen lösungen für die zukunft zu suchen), dann kann man wirklich nur noch mit dem kopf schütteln, willkommen in der welt der parteipolitischen kleingeistigkeit!
airmaria

gnuff
16.03.2011, 20:29
...die regierung handelt - als einzige in europa - entsprechend der mehrheitlichen meinung der bevölkerung...

was ist das denn jetzt bitte? Naivität oder totaler Realitätsverlust? Das Laienschauspiel ist selbst Unionspolitikern peinlich und Du nimmst Mutti den Käse ab?

airmaria
16.03.2011, 20:43
was ist das denn jetzt bitte? Naivität oder totaler Realitätsverlust? Das Laienschauspiel ist selbst Unionspolitikern peinlich und Du nimmst Mutti den Käse ab?

ich setze ein bier drauf, dass von diesen 7 kernkraftwerken (biblis A und B, neckarwestheim 1, brunsbüttel, isar I, unterweser und philippsburg) nicht alle wieder ans netz gehen werden...
airmaria

ps: im gegensatz zu den grünen z.b., die damals ihre grundsatzhaltung komplett über bord geworfen haben, nur um an der macht zu bleiben, glaube ich angie tatsächlich ab und an, da sie im wahlkampf auch unangenehme dinge klar und deutlich im vorfeld angesagt hat, wie z.b. die laufzeitverlängerung!

Linda.1001
16.03.2011, 20:47
Das Laienschauspiel ist selbst Unionspolitikern peinlich und Du nimmst Mutti den Käse ab?

:-meinung