Anmelden

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Katastrophen-Arztbriefe



Seiten : 1 2 3 4 5 [6] 7

Eilika
10.10.2014, 21:37
Falls mir nicht (bzw. niemand :-)) ) dazwischenkommt, gäbe ich ja aktuell viel Zeit... Kann sich halt ändern ;-)

Sebastian1
10.10.2014, 21:52
Mit den Textbausteinen ist das so eine Sache. Man sollte damit umgehen können. Ich habe mich neulich im NEF-Dienst wieder mal mit einer katastrophal vorbereiteten, hochelektiven Verlegung rumgeschlagen. Und der Brief dazu war ein "wie macht man es am besten NICHT".

Kein Empfänger drauf (wo soll der Patient überhaupt hin?), Textbausteine so ergänzt, dass der Brief völlig abstrus war ("Der Patient war komatös. Der neurologische Untersuchungsbefund war unauffällig.", auf Dinge, die einem im Detai auffielen wurde an keiner anderen Stelle eingegangen (Kumulativ eingesetzte Laborwerte mit deutlich erhöhtem Troponin, nirgendwo eine Diagnose, Erwähnung oder Therapie oder Medikation dazu).

Mich interessieren die Formulierungen recht wenig, solange die Sätze zusammenhängend und verständlich formuliert sind und solange ich nach dem Lesen des Briefes eine Vorstellung habe, warum der Patient gekommen ist, was mit ihm geschehen ist und was jetzt noch ansteht. Alles andere ist Kür ;-)

mary-09
10.10.2014, 22:49
Ich persönlich fand in der letzten Famulatur die Notaufnahme (Innere) ziemlich cool, um sich ans Briefe schreiben "ranzutasten". Durfte da immer die Briefe schreiben für Patienten, die ambulant belassen wurden. Solche Briefe sind dann natürlich relativ kurz, wenig kompliziert und nicht mit Briefen bei ewig stationär gewesenen Pat. zu vergleichen, aber für die ersten eigenen Briefe richtig gut! Es hatte auch immer schnell jemand Zeit, um am PC Korrektur zu lesen, dann wurde das Ding ausgedruckt und fertig. Hat mir zumindest Spaß gemacht, v.a. auch weils die letzte Famulatur war und ich da bisher auch immer schön drum rum gekommen war.

Weiß jetzt nicht, welches Fach du genau machst und ob du da auch Richtung Notaufnahme rotieren kannst.:-)

Kackbratze
10.10.2014, 22:51
Ich bin während einer OP über einen Arztbrief gestolpert, weil im letzten Arztbrief eine ganz andere operative Maßnahme beschrieben war, als vorher gemacht wurde, quasi eine OP neu hinzugefügt.
Blöd, wenn man dann etwas reparieren soll, was so garnicht da ist. :-kotz

Und einem der OA erstmal Desinteresse unterstellt, weil man "nur" die Bilder angeschaut hat und sich nicht mit der Materie beschäftigt hat. Blöderweise hat dann jemand Aussenstehendes es dann klargestellt so dass am Ende alle blöd dastanden.
Ich, weil ich die Literatur nicht zu 100% durchgearbeitet hatte, der OA, weil er es auch nicht getan hatte und mit Halbwissen rumprollte und der dritte OA, der den besagten Brief damals ungesehen unterschrieben hatte.

StellaMaris
11.10.2014, 12:04
Mit den Textbausteinen ist das so eine Sache. Man sollte damit umgehen können. Ich habe mich neulich im NEF-Dienst wieder mal mit einer katastrophal vorbereiteten, hochelektiven Verlegung rumgeschlagen. Und der Brief dazu war ein "wie macht man es am besten NICHT".
[...]

Textbausteine sind imho dann am sinnvollsten, wenn man viele Patienten hat, wo der Ablauf immer derselbe ist und die nur eine kurze Verweildauer haben, bei uns zum Beispiel die Patienten auf der Sucht, die zum qualifizierten Entzug kommen. Die bleiben in der Regel 14 Tage, entsprechend hoch ist die Durchlaufrate, da wäre es Zeitverschwendung, den Text jedes Mal komplett neu zu schreiben. Abweichende Dinge werden dann eben ergänzt bzw. der Text entsprechend angepaßt.
Bei Langliegern und Verläufen, die sich nicht so gut in ein Schema einpassen lassen, schreib ich mittlerweile aber lieber Freitexte, da ich die Textbausteine doch meistens soweit abändere, dass ich den Text auch gleich neu schreiben kann.
Ich verwende sie dann höchstens als Checkliste, um zu kontrollieren, ob ich alles drin habe.

LostSoul
11.10.2014, 12:47
Textbausteine sind imho dann am sinnvollsten, wenn man viele Patienten hat, wo der Ablauf immer derselbe ist und die nur eine kurze Verweildauer haben, bei uns zum Beispiel die Patienten auf der Sucht, die zum qualifizierten Entzug kommen. Die bleiben in der Regel 14 Tage, entsprechend hoch ist die Durchlaufrate, da wäre es Zeitverschwendung, den Text jedes Mal komplett neu zu schreiben.

LOL?...

Absolute Arrhythmie
11.10.2014, 12:50
LOL?...
Für die Psychiatrie ist das kurz und der Verlauf und die Behandlung sind häufig sehr ähnlich, was in anderen psychiatrischen Bereichen schon anders ist. Da können die Briefe schonmal länger werden...

Profihans
11.10.2014, 14:23
Könnt Ihr mir bitte Beispielbriefe und -diktate per PN oder an [email protected] senden?

Heuschrecke
11.10.2014, 14:41
Ein Unding ist es, wenn bei Eintritt der Austrittsbericht erstellt wird. Das ist dann während einer OP und ich Dinge nachlesen sollte als Anästhesist nicht so prickelnd.

Ich mag kurz gehaltene Formulierungen
- mit welchen Symptomen gekommen
- wie diagnostiziert
- wie behandelt
- krankheitsverlauf
- Zustand bei Austritt.

WackenDoc
11.10.2014, 14:49
@Profihans: Das wird dir nicht wesentlich weiterhelfen. Jedes Krankenhaus und jede Abteilung hat Besonderheiten.
Ein Intensivverlegungsbericht hat andere Schwerpunkte als der Entlassungsbericht an den Hausarzt.
Ein chirurgischer Brief wird sehr viel knapper sein als der psychiatrische.

Mal davon abgesehen, sollte eigentlich jeder Medizinstudent schonmal welche im Rahmen des Studiums gesehen haben.

Meistens gibt es auch schon Standardbriefe/Masken in den Abteilungen. Einfach die Kollegen fragen.
Und dann hat jeder Oberarzt und Chef so seine Lieblings-Formulierungen und NO-Gos.

Wie ich schon geschrieben hab: Das wird nicht die Abi-Klausur für den Deutsch-LK.

Christoph_A
11.10.2014, 16:08
Naja, aber bei manchem Deutsch in Arztbriefen, nicht nur von ausländischen Kollegen, frägt man sich ja schon, ob die betreffenden Menschen jemals etwas Deutschunterricht im Gymnasium gehabt haben. Miserabler Satzbau, haarsträubende Rechtschreibfehler und eine Semantik, daß es, auf gut bayrisch, der Sau graust.
Und dazu entweder unglaubliche Rumlaberei oder die beliebten Drei Wort Satz Briefe aus der chirurgischen Ecke.
Wie oben schon erwähnt, ein guter Arztbrief sollte prägnant sein, das Wichtigste in Kürze zu enthalten und weitgehend fehlerfrei zu sein. Und leider ist copy strg paste zwar bequem, aber nicht wirklich qualitativ förderlich.
Arztbriefe sind die Visitenkarte eines Hauses, deshalb sollte man darauf auch immer einen gewissen Wert legen und dies auch seinen Assis so vermitteln.

ninakatharina
11.10.2014, 16:19
bei manchem Deutsch in Arztbriefen, nicht nur von ausländischen Kollegen, frägt man sich ja schon...
:-))

Der Arztbrief ist ja auch in gewisser Weise die Visitenkarte nach außen und oft für die weitere Kontrolle/ den Verlauf des Pat. wichtig, schlimmstenfalls der ganze KH-Aufenthalt für die Katz..., ich versuche meine kurz und korrekt zu halten, wichtige Sachen wie Wiedervoratellungstermine oder Hauptdiagnose hervorzuheben und nichts unnötig zu wiederholen (zum Beispiel unter Befunden und Verlauf)... Bei uns darf man diktieren oder selber tippen, ersteres sollte man aber auch nachkontrollieren, nicht dass der Patient mit Falithrom als Bedarfsmedikation (bei Vorhofflimmern) entlassen wird oder orthopädische Diagnosen grauenvoll falsch geschrieben werden, da die sekretärin der Inneren das wohl nicht so oft hat und keine Lust zum googlen hat...

Christoph_A
11.10.2014, 17:35
Und wo is jetzt genau Dein Problem, in Süddeutschland frägt man sich eben manchmal...... :-)

ninakatharina
11.10.2014, 17:51
Und wo is jetzt genau Dein Problem, in Süddeutschland frägt man sich eben manchmal...... :-)
Na gar kein Problem, ein Grinsen wird in dem Kontext wohl gestattet sein. ;)

Christoph_A
11.10.2014, 17:57
Nö :-)

Gesocks
11.10.2014, 19:14
In schwache Verben gehören keine Umlaute reinkonjugiert... :-))

Christoph_A
11.10.2014, 20:35
Das sehen wir anders. Wie auch das Geschlecht des Butters..... ;-)
Und, by the way, fragen wurde sprachgeschichtlich nicht immer schwach gebeugt. Ist also nicht falsch, sondern eine ältere Form, die sich in manchen Sprachregionen erhalten hat.

WackenDoc
11.10.2014, 22:12
Heisst das Hauptwort dazu nicht "Fräge"?
Noch so lustige Besonderheiten: "Da wo" wird zeitlich gebraucht. "Da wo wir auf Malle waren"
"Fuss"bezeichnet das ganze Bein. Und "Teppich" bzw. "Debbich" ist eine Decke.
Und in der Eifel wird "holen" auch im Sinne von "nehmen" gebraucht. Im Sinne von "Ich hol Aspirin".
Im Saarland gibt es die Unart Mädchennamen mit "das" Zu versehen. "das Helga".

Und so ein paar No-GOs wenn man es mit Sprachfanatikern zu tun hat.
"Ich würde vorschlagen" hat man mir beim Bund ausgetrieben. Das heisst "Ich schlage vor" immerhin macht man es ja.
"Abklären" durfte ich bei meinen zivilen Chefs weder sagen noch schreiben.
"Vorbekannt" war auch Tabu. Weil doppelt gemoppelt.

Aber über sowas gibt es ein ganzes Buch.

StellaMaris
12.10.2014, 14:08
LOL?...

Verstehe nicht, auf was sich deine Erheiterung genau bezieht? 14 Tage ist für eine Entgiftungsstation eine absolut normale Durchschnittsverweildauer. Ansonsten ist es, wie Absolute Arrhythmie bereits geschrieben hat, in anderen psychiatrischen Bereichen durchaus anders, hier sind mehrere Monate Verweildauer keine Seltenheit. Was ist daran jetzt so lustig? :-???

WackenDoc
12.10.2014, 14:19
Ich glaub das waren eher die anderen Fachrichtungen, die etwas erheitert waren.
Da hat man durchaus Liegezeiten von 3-7 Tage