Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Katastrophen-Arztbriefe
Man denkt bei kurzer Verweildauer eigentlich eher in Kategorien unter 7 Tagen. Und wenn man dann "kurze Verweildauer" und "hohe Durchlaufrate" liest und danach folgt 14 Tage, schmunzelt man halt in der Somatik.
z.B. Patient kommt elektiv zur Coro und geht am nächsten Tag wieder. Und davon eine Station voll. Das ist hoher Durchlauf und kurze Verweildauer.
Stephan0815
12.10.2014, 14:55
[...] Und so ein paar No-GOs wenn man es mit Sprachfanatikern zu tun hat.
"Ich würde vorschlagen" hat man mir beim Bund ausgetrieben. Das heisst "Ich schlage vor" immerhin macht man es ja.
Naja, der Duden soll uns ja verklickern, was Hochdeutsch ist. Ein relativ theoretisches Konstrukt nämlich, daß nirgendwo real gesprochen wird, es gibt überall Abwandlungen, näherungsweise soll ja blattdeutsch dem noch am Ähnlichsten sein, bayerisch ist selbstverständlich weit davon entfernt.
Wie bei allem, worauf man sich einigt, ist es auch beim Hochdeutschen oft der kleinste Nenner geblieben... und gerade das Bayerische ist halt eine weitaus fortschrittlichere Sprache, als dieses Hochdeutsch. Interessanterweise wird es dann aber trotzdem als Dialekt behandelt, während die Nachbarn aus Austria oder der Schweiz sich das niemals bieten ließen.
In bayerischen Ohren hört sich nunmal das Wort fragen, in seiner strikten Konjugation, ohne die Abwandlung von a zu ä grausam an (und auch da gibt es Ausnahmen). Es klingt einfach nicht melodisch genug und wurde daher wohl dem bayerischen Sprachschatz entsprechend angepasst. Daß dies jetzt vom Duden reduziert wird auf eine Art "Landsprech" ist schon fragwürdig.
Naja und gegen das Beispiel "ich würde vorschlagen" kann man eigentlich nicht viel aussetzen. Es handelt sich eigentlich um eine Ellipse, wie zB. "ich würde vorschlagen (, falls sie endlich mal auf mich hören würden)"
Im Bayerischen hat man solche Ellipsen übrigens, im Vergleich zum stilistisch oft armen Hochdeutsch, relativ häufig.
Oft drückt man da mit einzelnen Kraftausdrucken schon aus, was ein Hochdeutscher in mehrere Sätze fassen müsste.
Wie zB. "Host mi?!"
LostSoul
12.10.2014, 17:10
Man denkt bei kurzer Verweildauer eigentlich eher in Kategorien unter 7 Tagen. Und wenn man dann "kurze Verweildauer" und "hohe Durchlaufrate" liest und danach folgt 14 Tage, schmunzelt man halt in der Somatik.
z.B. Patient kommt elektiv zur Coro und geht am nächsten Tag wieder. Und davon eine Station voll. Das ist hoher Durchlauf und kurze Verweildauer.
Danke, so war das auch gemeint. Eher ein mitleidiges Seufzen an mich selbst, da bei uns in der Neuro kaum ein Pat. länger als 1 Woche bleibt. In der Regel erfolgt eine Abklärung innerhalb von (1-)2-3 Tagen, Kortisonstoss o.ä. 5 Tage.
Ich frage mich, was ich in der Psychiatrie den ganzen Tag zu tun haben werde... *g*
Danke, so war das auch gemeint. Eher ein mitleidiges Seufzen an mich selbst, da bei uns in der Neuro kaum ein Pat. länger als 1 Woche bleibt. In der Regel erfolgt eine Abklärung innerhalb von (1-)2-3 Tagen, Kortisonstoss o.ä. 5 Tage.
Ich frage mich, was ich in der Psychiatrie den ganzen Tag zu tun haben werde... *g*
Verläufe schreiben, Briefe schreiben, Dich mit Konsilen rumschlagen und v.a. extrem viel telefonieren!
offtopic: Konsile wurden bei uns durch Fachärzte geleistet, und ich habe nicht den Eindruck, dass ich in der Psychiatrie besonders viel telefonieren musste, das kann aber auch an der Klinikorganisation liegen.
Mit Textbausteinen habe ich eher Schwierigkeiten, zumindest mit nicht selbst angelegten. Mir fällt es schwer den Rest des Aufenthalts daran anzupassen, so dass ich schneller den ganzen Text diktiert habe. So ganz den Standardverlauf gibt es bei mir gerade einfach nicht.
Wir haben letztens einen Patienten nach kurzer REA bei Kammerflimmern verlegt und am Folgetag mit einem rudimentären Brief zurückbekommen. Von 6 Diagnosen stimmte genau eine (lt Kollege hätten sie so vorgefertigte Diagnosen). Nur im Nebensatz wurde die Coro erwähnt, keine Seitenangabe. Laut Angehörigen sei auch ein neuer Stent eingesetzt worden, aber wir wissen nicht, ob das stimmt, zumindest steht davon im Brief nichts. Normalerweise würde ich denken, die Angehörigen hätten das falsch verstanden, aber bei dem Brief bin ich mir echt nicht ganz sicher.
offtopic: Konsile wurden bei uns durch Fachärzte geleistet, und ich habe nicht den Eindruck, dass ich in der Psychiatrie besonders viel telefonieren musste, das kann aber auch an der Klinikorganisation liegen.
Damit unsere Patienten konsiliarisch gesehen werden müssen wir teilweise richtig viel rum telefonieren. Dann mit dem Gericht, Ordnungsamt, Angehörige oder Betreuer rufen am laufenden Band an... Ich hab halt eine geschlossene Station, kann gut sein, dass es auf offenen Stationen anders läuft.
Btt: ich fände es hilfreich, wenn Name und Geschlecht den Brief durchgehend gleich blieben. Ansonsten habt Ihr ja alles eigentlich schon abgedeckt.
Wir haben letztens eine Patientin zurück übernommen, die zur Dialyse verlegt wurde.
Etwas irritiert war ich, dass ich 2 Verlegungsberichte bekam. Gut, einer war von den Anästhesisten, der andere von den Chirurgen. Der anästhesiologische war OK, damit konnte man arbeiten.
Der chirurgische war eine einzige Katastrophe! Es fing mit dem falschen Adressaten an, ging über die falsche Diagnose weiter (Patientin hatte eine Knie-TEP -> Chirurg schreibt: Hüft-TEP Narbe reizlos, die Klammern konnte gut entfernt werden, die Narbe sei bei Verlegung reizlos und nahezu vollständig verheilt... WTF!) und endete dann in Maßnahmen und Therapien, die definitiv nicht an DIESER Patientin durchgeführt wurden... :-wand
Wir haben lange überlegt, ob man da mal anruft und nachfragt, WER diesen Mist verzapft hat. Aber was kann man als kleines Provinzkrankenhaus dem Maximalversorger schon an die Karre pissen... :-kotz
Brutus, das kann auch mal daran liegen, dass den Brief jemand geschrieben hat, der den Patienten nie gesehen hat. Wenn dann auch noch schlampig dokumentiert wurde, ist es manchmal sehr schwer, einen vernünftigen Brief zu schreiben.
Das macht es nicht wirklich besser...
WackenDoc
12.10.2014, 20:40
Das ist ja noch harmlos. Versucht mal aus einer größeren Akte einen einzigen zusammenfassenden Bericht zu basteln und das Jahre nach einem Ereignis. Das wenn x verschiedene Abteilungen beteiligt sind, es zwar Briefe gibt, aber keinen, der mal umfassend wäre. Und jede Abteilung nur noch mehr oder wenig schlüssige und teils handschriftliche Verlaufsberichte zur Gesamtakte beisteuert.
Und das dann noch so ausgedrückt, dass es zwar umfassend, aber auch für medizinische Laien verständlich ist.
Das macht es nicht wirklich besser...
Nein. Aber in dem Fall bringt es nichts, den armen Menschen anzukacken, der dazu verdonnert wurde, diesen Brief zu schreiben.
Naja, nur wenn ich beide Briefe in einem Umschlag packe, quasi also den Brief der betreuenden Fakultät vorliegen habe, und nur noch einen dabeilege, weil es eben die chirurgische ITS ist, dann sollte ich doch zumindest mal gucken, ob die beiden Briefe zumindest in groben Teilen übereinstimmen.
Kackbratze
12.10.2014, 21:50
Naja, nur wenn ich beide Briefe in einem Umschlag packe, quasi also den Brief der betreuenden Fakultät vorliegen habe, und nur noch einen dabeilege, weil es eben die chirurgische ITS ist, dann sollte ich doch zumindest mal gucken, ob die beiden Briefe zumindest in groben Teilen übereinstimmen.
Du bist schon manchmal n Streber, oder?
Es stimmt absolut. Verlegungs/Entlassungsbriefe die sich maximal voneinander unterscheiden bei dem gleichen Patienten. ZUm k0tzen.
Wenn ich zu einem Brief vergattert werde, wird der Brief "kürzer", je umfangreicher der Fall war. Sowie so ein Mist in meinem Fach landet (mind. 2 Fachabteilungen und der entlassende Assi hats liegengelassen wegen Urlaub/Kündigung) ist der Brief nurnoch eine modifizierte Aufzählung der Fakten, die ich eruieren kann. Da bleibt sicherlich was auf der Strecke und manche Indikationen können nur zu 90% gesehen werden, aber immerhin sind alle Maßnahmen und alle Endbefunde drin.
Besser als nix, auch wenn es sich bloss wie eine Speisekarte bei McD liest.
Was soll man sonst tun? Lügen?
StellaMaris
14.10.2014, 18:28
Verläufe schreiben, Briefe schreiben, Dich mit Konsilen rumschlagen und v.a. extrem viel telefonieren!
Und extrem viel Doku und Papierkram. Manchmal habe ich das Gefühl, die haben mir den falschen Arbeitsvertrag gegeben und ich wurde eigentlich als Sekretärin eingestellt. :eek:
Was auch ganz toll ist: Wenn ein Patient entlassen wurde, der von einer anderen Station zu uns verlegt wurde. Ich hab meinen Verlauf schon geschrieben, die andere Station aber noch nicht, also geht der Brief noch nicht raus. Und natürlich landen alle Anrufe und Drängel-mails dann bei mir, weil ich den Patienten zuletzt hatte.
Und extrem viel Doku und Papierkram. Manchmal habe ich das Gefühl, die haben mir den falschen Arbeitsvertrag gegeben und ich wurde eigentlich als Sekretärin eingestellt. :eek:
Was auch ganz toll ist: Wenn ein Patient entlassen wurde, der von einer anderen Station zu uns verlegt wurde. Ich hab meinen Verlauf schon geschrieben, die andere Station aber noch nicht, also geht der Brief noch nicht raus. Und natürlich landen alle Anrufe und Drängel-mails dann bei mir, weil ich den Patienten zuletzt hatte.
Verläufe fordere ich, sobald der Patient zu mir verlegt wurde. Klappt inzwischen ganz gut. Bei geplanten Entlassungen bekommen meine Patienten inzwischen den fertigen Arztbrief mit. Die Akte wird von meiner Seite aus abgeschlossen, mein Verlauf ist dabei, wenn der Chef die anderen Verläufe haben möchte und die waren noch nicht angefertigt, geht die Akte mit einer Notiz von ihm an den entsprechenden Kollegen.
Skalpella
14.10.2014, 19:44
Ich finde am wichtigsten an Arztbriefen die tabellarische (und sinnvolle!) Aufstellung der Diagnosen und der therapeutischen Maßnahmen - im aktuellen Aufenthalt - und in früheren Aufenthalten, sofern relevant; ggfs. kleingedruckt falls nicht so relevant.
Es ist wirklich schade, wenn die aufnehmende Disziplin in der Anamnese wieder bei Adam und Eva beginnen muss bei Diagnosen und Verläufen die eigentlich bekannt sein könnten.
Die sinnvolle Anordnung der Diagnosen erleichtert vieles.
BEISPIEL:
AVK
- 1 - Gefäß- KHK, ED
- Aktuell: STEMI der Vorderwand, 2 DES der LAD am 12.10.2014
- pAVK
- Unterschenkeltyp, Stadium … 2013
- ...
Kardiovaskulaäre Risikofaktoren
- Diabetes mellitus Typ 2, ED 2010, medikamentös eingestellt, aktueller Hba1c ...
- Art. Hypertonie, ED 2010, Ausschluss Nierenarterienstenose 11/2011
- Nikotinabusus 40py…
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Empfehlung:
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-….
Das Freitextgeschwurbel interessiert mich dann gar nicht mehr so sehr
Wenn es sich um einen internistischen Brief handelt, können, ggfs kleingedruckt durchaus VorOps benannt werden, sofern sicher bekannt.
Wenn der Patient diesen Brief mit nach Hause bekommt, profitiert auch mal ein Notarzt davon. Oder der aufnehmende Arzt am Wochenende am Urlaubsort des Patienten. Dass der Patient einen Brief bekommt, sollte ohnehin Standard werden.
Ich meinte den endgültigen Arztbrief, da hab ich mich vielleicht missverständlich ausgedrückt. Einen Entlassbrief bekommen sie immer, da stand (bei uns zumind) bisher nicht, aus welchen Grund wir welche Medikation umgestellt haben, was für den nächsten Behandler durchaus eine wichtige Info ist.
Bei Verlegungsbriefen aus anderen Abteilungen aus anderen Kliniken nervt mich manchmal, dass da zwar unglaublich viel aufgelistet ist, was gelaufen ist etc. aber der Grund, den Patienten in die Psychiatrie zu verlegen ist da nicht zu finden...
Colourful
15.10.2014, 10:18
Damit unsere Patienten konsiliarisch gesehen werden müssen wir teilweise richtig viel rum telefonieren. Dann mit dem Gericht, Ordnungsamt, Angehörige oder Betreuer rufen am laufenden Band an... Ich hab halt eine geschlossene Station, kann gut sein, dass es auf offenen Stationen anders läuft.
Ja, das kenne ich auch. ;-)
Heute aus der Arztbrief-Anforderung unserer Stationssekretärin.
Bitte senden Sie uns den Arztbrief bezüglich der Beipass-Op der Pat. A. zu
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