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Feuerblick
11.01.2014, 09:28
*lach* Nee, is klar... von der Hand in den Mund und an nen Vollzeitjob gebunden. Dann schaut euch mal den "normalen" Angestellten oder gar Arbeiter an. Der arbeitet auch 40 Stunden und bekommt einen BRUCHTEIL eures Gehalts. Und hat auch außerhalb der Wochenenden kaum Freizeit. Das ist doch mal wieder Jammern auf arg hohem Niveau hier.
Ich habe ja nix dagegen, die Überstunden zu minimieren, die Arbeitsbedingungen zu verbessern und was auch immer noch. Aber irgendwie muss die Kirche auch im Dorf bleiben. Komisch, dass ich NIE auch nur einen meiner Verwandten mit überwiegend 40-Stunden-Wochen und viel weniger Gehalt jammern höre, aber ganz viele Ärzte, die diese Arbeitszeit bei vernünftiger Bezahlung als Zumutung und das Gehalt als gerade mal so den Grundbedarf deckend ansehen. Sorry, aber... :-wand :-kotz

McDreamy
11.01.2014, 10:01
*lach* Nee, is klar... von der Hand in den Mund und an nen Vollzeitjob gebunden. Dann schaut euch mal den "normalen" Angestellten oder gar Arbeiter an. Der arbeitet auch 40 Stunden und bekommt einen BRUCHTEIL eures Gehalts. Und hat auch außerhalb der Wochenenden kaum Freizeit.

1. Der Umstand, dass andere Menschen noch weniger verdienen, mehr arbeiten und in Lehmhütten wohnen, ist nicht die Lösung des Problems. Mit Relativierung lässt sich so ziemlich jeder Status Quo rechtfertigen. Die Aldi-Kassierering lebt eigentlich im Super-Luxus im Vergleich zur Textilarbeiterin in der indischen Pappkarton-Fabrik. Und die indische Textilarbeiterin hat noch Glück gehabt, denn auf dem Straßenstrich in Thailand wärs noch ungemütlicher...

2. Der Umstand, dass du nie Verwandte mit 40h-Job jammern hörst, legt nur nahe, deinen Horizont zu erweitern und dich mal da draußen in der restlichen Arbeitswelt umzusehen. Mein Post bezieht sich nicht nur auf den Arztberuf, der in der Tat auch meiner Meinung nach in vielen Dingen IN RELATION zu anderen Berufen privilegiert ist. Dennoch muss eine Diskussion darüber erlaubt sein, ob eine Work-Life-Balance mit 40h machbar ist oder vielleicht doch mit einer geringeren Wochenstundenzahl. Die 40h-Woche ist nicht gottgegeben. Das Relationsargument beendet so jede Diskussion. Genau so dürfte das ja auch gelaufen sein, als die Zeiten für Ärzte noch andere waren, als man froh sein musste, überhaupt irgendwo als AIP schuften zu dürfen, um "Erfahrung" zu sammeln... Denn hey, besser AIP als Taxifahren, oder?

Feuerblick
11.01.2014, 10:03
Ich glaube, MEIN Horizont ist durchaus weit genug. Bei deinem bin ich mir nicht so sicher ;-)
Gottgegeben ist nix, aber wenn jemand mit durchaus überdurchschnittlichem Gehalt jammert, dass er dafür auch noch arbeiten muss, dann ist das einfach nur albern.
Aber stimmt, es hilft nichts, darüber zu diskutieren. Unsere Lebensauffassungen sind definitiv sehr, sehr unterschiedlich, denn ich finde 40 Stunden/Woche absolut normal. Ist vielleicht so, wenn man mit Eltern aufwächst, die das auch normal fanden und finden. :-nix

Dr. Jekyll
11.01.2014, 10:11
*lach* Nee, is klar... von der Hand in den Mund und an nen Vollzeitjob gebunden. Dann schaut euch mal den "normalen" Angestellten oder gar Arbeiter an. Der arbeitet auch 40 Stunden und bekommt einen BRUCHTEIL eures Gehalts. Und hat auch außerhalb der Wochenenden kaum Freizeit. Das ist doch mal wieder Jammern auf arg hohem Niveau hier.
Ich habe ja nix dagegen, die Überstunden zu minimieren, die Arbeitsbedingungen zu verbessern und was auch immer noch. Aber irgendwie muss die Kirche auch im Dorf bleiben. Komisch, dass ich NIE auch nur einen meiner Verwandten mit überwiegend 40-Stunden-Wochen und viel weniger Gehalt jammern höre, aber ganz viele Ärzte, die diese Arbeitszeit bei vernünftiger Bezahlung als Zumutung und das Gehalt als gerade mal so den Grundbedarf deckend ansehen. Sorry, aber... :-wand :-kotz

ich würde schon sagen, dass der streß eines assistenzartes inkl. schichtdienst und 12h-24h stundenschichten höher ist, als der eines beamten am schreibtisch.


wir werden von medien, die die erfüllungsgehilfen der wirtschaft geworden sind, indoktriniert, die schnauze zu halten.
und falls mal wut aufkommt, dann soll sie sich bitte nach dem schema kanalisieren


Arm vs. reich
schwul vs hetero
ausländer vs. deutscher
junge menschen vs. rentner
mann vs. frau
frau vs familie

bloß nicht

bundesbürger vs. wirtschaft, medien oder politiker. In der gruppe bundesbürger könnte man ja etwas bewegen.


dieses "den anderen geht es viel schlechter" ist blödsinn. genau das sollst du ja denken. solange es mir nicht perfekt geht, habe ich das recht die schnauze aufzureißen und etwas zu verbessern.


wenn es nach helios und co geht, würden wir 100 stunden die woche für nen fünfer arbeiten.


wir bücken uns immer tiefer (ich meine alle deutschen, nicht nur ärzte) für unsere arbeitgeber und sollen uns jedes jahr noch ein stückchen tiefer bücken, während die politik beifall klatscht.

appeasement bis zur selbstaufgabe ist nicht drin.

wenn jemand 30h stunden arbeiten möchte, das ist das sein gutes recht, das möglich machen zu wollen
und alles daran zu setzen, es zu schaffen. warum auch nicht.

Ich will meine kinder aufwachsen sehen, das bringt mir menschlich mehr, als die 300€ netto in der tasche. und
ich schulde niemanden etwas, weder helios, noch der gesellschaft. ich werde auch probieren, als facharzt nur 30h
zu arbeiten.


andersrum wird ein schuh draus, feuerblick:
du kämpfst mit deinen lohnverhandlungen als gewerkschaftlich besser aufgestellter arzt auch für die löhne der schweigsamen, schlechtergestellten taxifahrer. die können dann nämlich sagen "die ärzte haben 5% mehr lohn bekommen, lasst uns probieren, die gleiche lohnerhöhung zu erreichen.

McDreamy
11.01.2014, 10:18
Feuerblick, wenn du und deine Eltern das normal finden - schön! Freu dich deines Lebens!



Gottgegeben ist nix, aber wenn jemand mit durchaus überdurchschnittlichem Gehalt jammert, dass er dafür auch noch arbeiten muss, dann ist das einfach nur albern.


Nirgendwo in diesem Thread jammert jemand, dass er überhaupt arbeiten muss für sein Gehalt. Es geht um die Frage einer sinnvollen Balance - steht ja schon im Titel ;-)

Es gibt auch auf meiner Seite Totschlagargumente - hast du Kinder?

Strodti
11.01.2014, 10:18
Es ist halt einfach total an der Realität vorbei, wenn du von "von der Hand im Mund leben" schreibst. Wenn du als Assistenzarzt im ersten Jahr(!) ein Bruttoverdienst von 4000 Euro/Monat hast, kannst du von der 50% Stelle immer noch leben. Wie??? Von 2000 Euro/Monat leben? Nach Steuern, Sozialabgaben, Kirche etc. bleiben gute 1300-1400 Euro übrig. Willkommen in der Einkommenswelt von Pflegern, Rettungsassistenten und Bürokaufleuten. Damit kann man leben, gerade wenn man nur für sich selber und nicht noch für Kinder sorgen muss. Man muss sich die Frage stellen, was einem wichtig ist.

Feuerblick
11.01.2014, 10:19
*seufz* Genau... deshalb streikt die Müllabfuhr, streiken die Lokführer, streiken die Leute bei Amazon. Ohne uns dauernd streikenden Ärzte würden die sich das ja nie trauen...

Nochmal: Ich finde durchaus, dass die Arbeitsbedingungen nicht immer okay sind. Ich finde auch, dass man sich im Job nicht von Verwaltungen gängeln lassen muss oder gar unbezahlte Überstunden machen sollte. Das sehe ich ganz genauso.

Ich finde es aber absolut albern zu behaupten, man verdiene zu wenig und eine Wochenarbeitszeit von 40 Stunden sei mal unzumutbar vom Feinsten.
Wie gesagt: 40 Stunden ohne übermäßige Überstunden, ohne dafür für zwei schuften zu müssen, damit die liebe Verwaltung keine roten Zahlen schreibt und an den Liegezeiten rummeckert... Dann würde es mit der Work-Life-Balance nämlich auch klappen. Nicht WENIGER Regelarbeitszeit sondern WENIGER Überstunden bei BESSEREN Bedingungen. DAS sollte das Ziel sein. Für jegliche andere Forderung tippt sich der schweigsame, schlecher gestellte Taxifahrer nämlich an die Stirn und zweifelt am Geisteszustand der Ärzte statt ihrem Beispiel zu folgen. ;-)

Evil
11.01.2014, 10:20
Eine Lösung für Euch wäre, reich zu heiraten! Dann kommt Ihr vielleicht auf noch weniger Wochenstunden bei mehr Kohle.

Feuerblick
11.01.2014, 10:20
Es ist halt einfach total an der Realität vorbei, wenn du von "von der Hand im Mund leben" schreibst. Wenn du als Assistenzarzt im ersten Jahr(!) ein Bruttoverdienst von 4000 Euro/Monat hast, kannst du von der 50% Stelle immer noch leben. Wie??? Von 2000 Euro/Monat leben? Nach Steuern, Sozialabgaben, Kirche etc. bleiben gute 1300-1400 Euro übrig. Willkommen in der Einkommenswelt von Pflegern, Rettungsassistenten und Bürokaufleuten. Damit kann man leben, gerade wenn man nur für sich selber und nicht noch für Kinder sorgen muss. Man muss sich die Frage stellen, was einem wichtig ist.
Danke! GENAU DAS meinte ich... :-nix

Coxy-Baby
11.01.2014, 10:21
Nicht WENIGER Regelarbeitszeit sondern WENIGER Überstunden bei BESSEREN Bedingungen. DAS sollte das Ziel sein.

Das kann man genau so unterschreiben.

Dr. Jekyll
11.01.2014, 10:41
Von 2000 Euro/Monat leben? Nach Steuern, Sozialabgaben, Kirche etc. bleiben gute 1300-1400 Euro übrig. Willkommen in der Einkommenswelt von Pflegern, Rettungsassistenten und Bürokaufleuten. Damit kann man leben, gerade wenn man nur für sich selber und nicht noch für Kinder sorgen muss. Man muss sich die Frage stellen, was einem wichtig ist.

leben können sie. aber wer behauptet denn das pfleger davon gut leben können? und mit gut meine ich eigene wohnung, auto,zwei urlaube im jahr, familie mit zwei kindern. wenn man den leuten das minimalprogramm nicht lässt, dann werden sie irgendwann komisch und gehen auf die barrikaden. den ganzen tag arbeiten, nur um zu überleben? Warum?

kinder sind kein luxus. kinder sind die erfüllung eines lebenszieles. das lebensziel kann doch nicht sein, für 1400€ sich das kreuz als pfleger kaputt zu machen. In was für einer welt lebst du denn? (zumal diese blöde evolution auf kinder ausgerichtet ist und nicht den gesetzen des marktes folgt)

sollen nur noch reiche kinder kriegen? der pöbel bitte nicht fortpflanzen?

aus dir sprechen die feministenklischees "selbsterfüllung durch den beruf" heraus. HAHA
"Anerkennung ist lohn genug. mehr brauchen wir nicht"
(liebe feministen, das könnt ihr natürlich so machen wie ihr es für richtig erachtet)
Kannst ja mal gucken, wie viel wertschätzung du durch deinen arbeitgeber erhälst, wenn
deine arbeitskraft mal ausfällt.


wir werden genauso die "working poor" wie in amerika, die sind uns nur 10 jahre voraus.

unser system ist darauf ausgelegt (und mittlerweile auch die produkte stichwort: obsoleszens) das wir alle paar jahre auch einen neuen golf kaufen oder eine waschmaschine. bloß von welchem geld, wenn am monatsende nichts übrigbleibt?


und ab da beißt sich die marktliberale katze in den schwanz. konsum ohne geld geht leider nicht.

Feuerblick
11.01.2014, 10:51
Komisch nur, dass die "Armen" in der Regel Kinder haben... Nach deiner Theorie ist das ja unmöglich.

firstdayofwinter
11.01.2014, 10:54
Ich fände es echt gut, wenn Dienste mit Freizeitausgleich (verpflichtend) ausgeglichen werden, Wochenenddienste mit 1 oder 2 Tage (je nachdem ob man beide Tage arbeiten musste) in der Woche *immer*, Nachtdienste nur 8 Stunden. Dafür würde ich ohne Probleme auf die Bereitschaftsgelder etc. verzichten, man kann auch nachts und am WE arbeiten ohne tatsächlich mehr zu arbeiten, die Arbeitszeit kann einfach umverteilt werden. Aber dafür braucht es wahrscheinlich noch mehr Leute und es gibt noch weniger Kontinuität auf Station. Überlege mir, obwohl ich gerade im 1. Arbeitsjahr bin, auf 75% zu reduzieren, einen riesigen Unterschied im Einkommen würde es denke ich nicht machen und dann würde ich vielleicht wirklich nur 40h pro Woche arbeiten?

Dr. Jekyll
11.01.2014, 11:05
Komisch nur, dass die "Armen" in der Regel Kinder haben... Nach deiner Theorie ist das ja unmöglich.

genau deswegen hast du 50% abgaben als kinderloser single. es wird was. so langsam blickst du da durch.

von bauern die zähneknirschend den zehnten abgeben mussten, zu eifrigen bürgern die 50% ihres lohnes abgeben und
sich freuen vom nettogehalt keine familie mehr gründen zu können. herzlichen glückwunsch.
unsere gesellschaft ist auf einem super weg:-top

(zumal du mit unbezahlten überstunden, schichtarbeit, etc. ja noch weniger als 50% verdienst.
und dann liebe feuerblick langt der staat ja noch weiter von deinem lieben netto zu: tabaksteuer, mehrwertsteuer, mineralölsteuer, kfz-steuer, hundesteuer, süßstoffsteuer, salzsteuer, leuchtmittelsteuer, etc.)

am ende hast du nicht für 4000€ gearbeitet, sondern für 800€. Das bleibt nach abzug aller steuern wirklich von deinem netto übrig.und mit deiner arbeitskrfaft hast du ja nicht 4000€ erwirtschaftet, sondern 8000€, dein arbeitgeber zahlt dir ja nur einen teil davon aus. der rest geht an seinen aktionär und ihn.

von 8000€ bleiben dir am ende real 800€. vom zehnten des bauern als abgabe hin zum zehnten für dich selbst. so funktioniert marktwirtschaft. (direkte und indirekte steuerlast betragen rund 80%)

und die kunst von arbeitgebern und medien ist es, es hinzukriegen, daß du damit noch zufrieden bist.

fairerweise muss man dazusagen: der großteil der menschen auf diesem planeten hat gar keine wahl. die laufen in diesem hamsterrad bis zu ihrem bitteren ende.
ich als arzt in einem 1.Welt Land muß mir das nicht geben. warum auch?

Feuerblick
11.01.2014, 11:12
Aha, ich hab 50% Abgaben, weil Menschen mit weniger Einkommen Kinder bekommen.... Kinners, ich bin hier raus. Meine Erwartungen ans Leben sind irgendwie zu niedrig gesteckt, weil ich mit meinem Hungerlohn eigentlich mehr als gut auskomme. :-nix

erdbeersoda
11.01.2014, 11:20
Es ist halt einfach total an der Realität vorbei, wenn du von "von der Hand im Mund leben" schreibst. Wenn du als Assistenzarzt im ersten Jahr(!) ein Bruttoverdienst von 4000 Euro/Monat hast, kannst du von der 50% Stelle immer noch leben. Wie??? Von 2000 Euro/Monat leben? Nach Steuern, Sozialabgaben, Kirche etc. bleiben gute 1300-1400 Euro übrig. Willkommen in der Einkommenswelt von Pflegern, Rettungsassistenten und Bürokaufleuten. Damit kann man leben, gerade wenn man nur für sich selber und nicht noch für Kinder sorgen muss. Man muss sich die Frage stellen, was einem wichtig ist.


Aber genau da liegt doch das Problem. Zu sagen, viele Leute verdienen nur 1400 Euro netto im Monat und müssen damit zurecht kommen. Diese Löhne sind einer Vollzeitarbeitsstelle einfach nicht angemessen und wenn man das hochrechnet, dann sind generell die Löhne in Deutschland zu niedrig und entsprechend müssten auch Ärzte mehr verdienen. Die guten Gehälter kommen ja nur durch die Mehrarbeit und Ausbezahlung von Diensten zustande. Ansonsten ist 4000 Euro brutto im Monat Grundgehalt nicht überdurchschnittlich viel finde ich dafür, dass man 6-7 Jahre studiert hat. Das verdienen auch andere locker.

Brutus
11.01.2014, 11:20
Ich fände es echt gut, wenn Dienste mit Freizeitausgleich (verpflichtend) ausgeglichen werden, Wochenenddienste mit 1 oder 2 Tage (je nachdem ob man beide Tage arbeiten musste) in der Woche *immer*
Pssst! Das steht sogar so im Tarifvertrag und im Arbeitszeitgesetz! :-nix


Überlege mir, obwohl ich gerade im 1. Arbeitsjahr bin, auf 75% zu reduzieren, einen riesigen Unterschied im Einkommen würde es denke ich nicht machen und dann würde ich vielleicht wirklich nur 40h pro Woche arbeiten?
E-ben! Beim Gehalt macht es wenig unterschied, WEIL die Bereitschaftsdienste mit einfließen! Und Du musst nicht glaube, dass Du deswegen "nur" 40h pro Woche arbeitest! Es kommt eben auf das Dienstplanmodell an. Da Du als Arzt verpflichtet bist, am Bereitschaftsdienst teilzunehmen, ist diese ganze Stundenberechnung pro Woche eher müßig. Wenn Du glaubst, dass Du mit einer 75% Stelle auch nur 30h pro Woche arbeiten musst, hmmmmmmm, lass mich kurz überlegen... NEIN!
Du wirst alleine über Dienste deutlich drüber kommen. Aber es gibt ja GSD auch alternative Arbeitszeitmodelle! In meiner alten Klinik haben fast alle 75% gearbeitet. Die sind 3 Wochen arbeiten gekommen (ganz normal 40h/Woche, 4-6 Dienste/Monat) und hatten dann eine Woche frei. Und die waren alle deutlich zufriedener als die Vollzeitler... Klar, wenn Dir mal wieder alle auf den Sack gehen, dann weißt Du: Hey, noch 3,2,1 Wochen und ihr könnt mir alle mal am Hobel blasen! :-))
Während wir uns dachten: der nächste Urlaub............ SCHEI$$E!


Aber genau da liegt doch das Problem. Zu sagen, viele Leute verdienen nur 1400 Euro netto im Monat und müssen damit zurecht kommen. Diese Löhne sind einer Vollzeitarbeitsstelle einfach nicht angemessen und wenn man das hochrechnet, dann sind generell die Löhne in Deutschland zu niedrig und entsprechend müssten auch Ärzte mehr verdienen. Die guten Gehälter kommen ja nur durch die Mehrarbeit und Ausbezahlung von Diensten zustande. Ansonsten ist 4000 Euro brutto im Monat Grundgehalt nicht überdurchschnittlich viel finde ich dafür, dass man 6-7 Jahre studiert hat. Das verdienen auch andere locker.
Naja, nun muss man aber auch sehen, dass die Löhne irgendwie bezahlt werden müssen! Klar sind 1400€ Netto nicht viel, gerade wenn die Preise des alltäglichen Lebens ständig steigen. Aber zu sagen, dass die Löhne in Deutschland generell zu niedrig sind, würde ich so nicht!
4000€/Brutto im ersten Jahr ohne Dienste finde ich soo schlecht jetzt nicht!
Aber gut, vll. bin ich da noch zu sehr oldschool... Ich habe mit 1500€ Brutto angefangen. Und ja, das war schon EURO! Als Vollassi gab es dann 2300€ Brutto, mit Dienste kam man knapp auf 3000-3300€ Brutto. Also ich finde schon, dass man zur Zeit genug verdient. Und wie gesagt, wem die Work-Life-Balance mit einer 100% Stelle nicht zusagt, der hat allemal mit den derzeitigen Löhnen die Möglichkeit zu reduzieren. Ob ich das in der WB machen würde, weiß ich nicht, weil ich ja dann auch deutlich länger zu schlechteren Konditionen arbeiten muss. :-nix

McDreamy
11.01.2014, 11:25
Jeder angestellte Klinikarzt unterhalb der hierarchischen Chefarztebene lebt von der Hand in den Mund. Da könnt ihr noch so viele Vergleiche mit Pflegekräften und Taxifahrern anstellen. Wenn ich im europäischen städtischen Umfeld leben und vielleicht sogar noch Kinder haben will, dann reicht das Einkommen gerade mal, um die Raten für das alles zu bezahlen (und ich rede hier NICHT vom Häuschen mit Garten in der Großstadt). Sicher, der Rett-ASS und der Taxler können sich halt nur ne WG leisten und müssen beim Sozialmarkt mit Ausweis einkaufen (= per se natürlich ein Skandal, aber um den geht es hier nicht.). Ich hingegen wohne, wenn ich Glück habe, in einer mit 30 % Anzahlung finanzierten Eigentumswohnung, die ich mit ca. 70 Jahren abbezahlt haben werde u. dann an meine Kinder vererben kann. Aber finanziell unabhängig und damit frei macht mich das in keiner Weise, weshalb auch ich von der Hand in den Mund lebe (auch wenn die Hand, die mich füttert, größer ist)

Wenn man schon alles in Relation rechtfertigen will, dann muss man auch Vergleiche nach oben anstellen: Willkommen in der Welt der Großaktionäre, Konzerneigentümer und Finanzmanager... (auch die Klinikeigentümer wollen wir nicht vergessen ;-) )

Fakt ist, dass so ziemlich alle Angestellten (mit einzelnen wenigen Ausnahmen auf der Top-Management-Ebene) von der Hand in den Mund leben. Und das ist ja auch gut so, zumindest für die Konzerne, die ja von diesem Umstand mehr als ausgezeichnet profitieren.

Relaxometrie
11.01.2014, 11:43
@ Brutus, da Du Dich ja mit den Tarifverträgen sehr gut auskennst:
Würdest Du einen bestimmten Verträg grundsätzlich ablehnen, also gar nicht erst eine Bewerbung verschicken, wenn Du wüsstest, nach welchem Tarifvertrag in der betreffenden Klinik bezahlt wird?
Oder werden die einzelnen Tarifverträge dann je nach Klinik doch wieder so angepasst, daß man aus dem Tarifvertrag alleine (z.B. "AVR-Caritas", ohne zu wissen, ob er an einen anderen Tarifvertrag angeglichen ist) erstmal keine voreiligen Schlüsse ziehen sollte?

Dr. Jekyll
11.01.2014, 11:43
dreamy hat recht. es geht nicht darum ob ich alleine von meinem gehalt durchkomme. als student bin ich auch von 400€ im monat gut klargekommen.

sondern wie sieht das nettogehalt in relation zu 2 kindern, haus, frau, auto, urlaub aus. und das wird jedes jahr dünner.