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Feuerblick
12.01.2014, 08:49
Wie viele Menschen arbeiten denn Teilzeit, wenn sie nicht Mama sind? Wenn 40 Wochenstunden wirklich 40 Stunden ohne haufenweise Überstunden sind, dann sollte das kein Problem sein. Und falls man sich gestresst fühlt, sollte man sich gut überlegen, ob's die Stundenzahl oder der Job selbst ist, der einen auslaugt. Ich war mit 35 Wochenstunden, freien Nachmittagen und freiem Wochenende fast genauso schlecht drauf wie mit 42 Stunden und Diensten. Job gewechselt zu einer gänzlich anderen Tätigkeit, derzeit auch knapp 40 Wochenstunden (mit Überstunden) und dennoch weniger gestresst und genervt. Reduktion der Arbeitszeit ist nicht immer alles. Und wie Muri schon sagt: Wer reduzieren will, der kann das meistens, muss aber mehr oder weniger hohe Gehaltseinbußen hinnehmen. Und wer einen Job möchte, bei dem er im Fall von Arbeitslosigkeit (und das ist in unserem Job dankenswerterweise selten!) seinen hohen Lebensstandard behalten kann, der muss halt sehen, dass er sein Gewissen an der Pforte abgibt und Spitzenpolitiker oder Vorstand großer Firmen werden. Alles andere ist realitätsfern, in keinem Land der Welt legal möglich und ganz sicher nicht die Definition von "von der Hand in den Mund leben".
][truba][
12.01.2014, 08:58
Es ging ja darum das man seinen Lebensstandard nicht halten kann (auf Dauer) wenn man seinen Job verliert und das dürfte selbst bei den meisten Vorstandschefs zutreffen. Denn auch der muss seinen (eventuell vorhandenen!) ausschweifenden Lebensstil dann deutlich einschränken wodurch diese Argumentation für mich total unsinnig ist.
Aber Politiker bekommen ja öfter auch nach ihrem Engagement noch Geld gezahlt! Ich mach was falsch ;)
Lieber Brutus,
die Welt in der ich lebe? Nur weil du gefragt hast:
Mit deinen 13 Berufsjahren kann ich locker mithalten - ich werf mal 15 in den Raum (14 davon in einem anderen Beruf, einkommens- und statusmässig durchaus auf Mediziner-Niveau... wir hatten auch sowas wie AIP - das dauerte aber 5 Jahre ;-).
Naja, wenn Du uns verräts, was Du vorher gemacht hast, könnten wir evtl. eine Relation herstellen. So ist es schlichtweg Apfel mit Birnen...
Zusätzlich hab ich noch Familie. Ich bin in einer Stadt aufgewachsen, wo die Wohnungskosten heute beinahe 50 % des Einkommens ausmachen (Die seriöse Quelle teil ich dir gern per PN mit, muss jetzt nicht jeder wissen, wo ich wohne). Naja, Pech gehabt, wirst du jetzt denken - Augen auf bei der Wahl des Geburtsortes oder einfach mal flexibel sein im Leben!
Naja, auch da kann man ja was dran machen. Wenn ich in diese Wohnung einziehe, kenne ich die Konditionen. Und egal welche Stadt, es gibt auch billigeren Wohnraum. Wie sonst könnten Studenten in München oder Frankfurt überleben? :-nix
1. Von der Hand in den Mund leben - Definition:
Die Redewendung "von der Hand in den Mund leben" impliziert NICHT - wie von vielen hier angenommen - ein bestimmtes Gehaltsniveau! Von der Hand in den Mund lebt man laut Definition dieser Redewendung dann, wenn man seine Rechnungen nicht mehr bezahlen kann, wenn man seinen Job verliert. Klar kann ich mir in 10 Monaten einen BMW ansparen, mir einen Pool in meinen Garten bauen und meinen Kindern ein Studium ermöglichen. Aber wenn ich meinen Job verliere, dann sieht es ganz anders aus. Trotz einiger Ersparnisse, die uns vielleicht für 1 Jahr lang über Wasser halten können - DAS ist meine Definition von "von der Hand in den Mund"... Und dabei bleibe ich: so geht es ca. 95 % aller Angestellten und wir Mittelbau Klinik-Ärzte gehören auch dazu. Und dass Rett-Assen und Taxler nicht zum Sozialmarkt rennen... Naja, die Hyperbel hast du zielsicher nicht erkannt, aber das lag wohl an meiner undeutlichen Ausdrucksweise.
Wenn Du so argumentierst, dann lebt jeder von der Hand in den Mund. Kennst Du Olaf Bodden? Einfach mal googlen.
Die wichtige und relevante Aussage von Dir habe ich mal fett markiert. Der Rest ist Spekulation. Vor allem, wenn man einfach mal bedenkt, dass wir in der komfortablen Situation sind, dass wir eine der wenigen Berufsgruppen sind, die nicht wirklich von Arbeitslosigkeit bedroht sind. Und in diesem Fall liegt die Betonung mal auf BEDROHT! Klar kann es sein, dass ich in München keine Anstellung in der Pädiatrie oder in Düsseldorf nicht in der Derma / Plastischen Chirurgie bekomme. Aber wenn ich wirklich auf einen Job angewiesen bin, ärztlich arbeiten geht immer!
2. Work-Life-Balance: nochmal zurück zum Thema:
Wenn 40h "völlig normal" sind - um Feuerblick und die bodenständigen Eltern zu zitieren - dann frag ich mich, weshalb beinahe 40% der erwerbstätigen Gesellschaft heutzutage teilzeit arbeitet. Sind die alle faul? Oder gibts da noch was anderes im Leben?
Moooment! Die Antwort ist sicher nicht sooo einfach! Erstens: weil sie es können! Zweitens: Weil sich die Prioritäten verschoben haben? Wir sind halt nicht mehr die Generation unserer Eltern und Großeltern, die jede Mark zweimal umgedreht haben und lieber in das Eigenheim gesteckt haben als zweimal im Jahr in den Urlaub zu fahren!
Du hast ja, so wie ich, anfangs noch das Praktikantengehalt bekommen, dann wirst Du Dich vll. zurückerinnern können, dass man da eben auch soviel wie möglich gespart hat, weil man ja nicht wissen konnte, was demnächst kommt. Das dürfte heute wohl auch etwas anders gelagert sein...
Du schreibst ja selbst, dass man mit Kindern halt dann auf ein Einkommen oder auf Karriere verzichten muss... ja warum denn? Wenn 40h doch eh die super Balance ausmachen?!
Nöö, warum? Und wo habe ich das geschrieben? Gerade in der heutigen Zeit, wo zunehmend auf Familie und Karriere geguckt wird, gibt es genügend Arbeitszeitmodelle, in denen Kind und Beruf vereinbar sind. Und immer mehr AG bieten auch eine Kinderbetreuung im eigenen Betrieb an (Kindergarten / Kita nebenan, etc.)...
Zu deinem Post hätte ich nur 2 Fragen:
1. Was würde passieren, wenn dein Mann oder ihr beide euren Job verliert? Wie lange könntet ihr überleben? Muss nicht im Häuschen am Pool sein, einfach nur überleben - wie lange?
In Deutschland? -> Sehr lange. Klar nicht mit dem Standard von heute, aber verhungern tut HIER niemand! Ist aber auch völlig am Thema vorbei, s.o.
2. Warum arbeitest du teilzeit? Was ich in diesem Thread gelernt habe, sind 40h/Woche doch die optimale Work-Life-Balance, oder etwa nicht?
Weil sie es können!
LasseReinböng
12.01.2014, 10:05
@ aton: Bist du nicht in der Anästhesie ? Gerade da sollte es doch möglich sein, das Ding mit der work/life balance. ;-)
Hab das letzte halbe Jahr sage und schreibe 2 Überstunden angesammelt ( Anästhesie), in der Inneren vorher waren es im Schnitt 2-3h täglich.
Ohne jetzt auf die Verdienst-/Teilzeitdiskussion groß einzugehen und mal zum Thema zurück:
Ich denke die Work-Life Balance hängt nicht einzig und allein von Stunden und Gehalt ab. Mit meinen 42,5h in der Woche habe ich seit einiger Zeit schon das Gefühl nichts mehr machen zu können. Das liegt sicher zum sehr großen Teil daran, dass ich regulär 40 Überstunden im Monat mache (mind.) und den diversen sozialunverträglichen Arbeitszeiten. Zum anderen ist es aber die Arbeitsweise. Bei meiner 1. Stelle hab ich teils mehr gearbeitet, hatte aber zumindest ne Frühstücks-/Mittagspause.
Hier heißt es durcharbeiten ohne Pausen (oder wenn, dann mit schlechtem Gewissen: 1.weil dadurch im Dienst der OP warten muss, weil man in ein Brot reinbeisst, statt den nächsten zu prämedizieren, oder 2. weil man von seiner Pflegekraft ausgelöst wird).
Dann wird man stets gedrängt schneller zu sein (und jede 2 Minuten guckt jemand rein und fragt: "Wie lange braucht ihr noch?").
Einarbeitung ist zwar da, aber trotzdem reicht es nicht aus, sodass man den ersten Diensten/Einsätzen mit leichter Panik entgegensieht. Wenn ich darüber nachdenke, dass ich ab morgen alleine auf Intensiv bin nach 6 Frühdiensten mit Kollegin zusammen, dann vergeht mir die Lust irgendwas anderes zu machen heute, als zu lernen und zu schlottern ;-) Und mir gehts ja schon gut mit der Einarbeitung, es gibt Kollegen, die keine hatten.:-?:-(
Bei diesen Voraussetzungen ist es für mich persönlich nicht möglich abends etwas anderes zu tun, als nach dem ersten Essen des Tages (in der Arbeit gings ja nicht) vor mich hinzuvegetieren auf der Couch. Und Wochenenden brauche ich dann, um mal ne Email zu schreiben, Papierkram zu erledigen, oder auch mal zur Post zu fahren, zu putzen etc. Sonntag Nachmittag ist frei, aber schon voller Gedanken an den nächsten Tag und Stress, da man ja gg. 21:30-22:00Uhr im Bett sein muss. Bei den Voraussetzungen würde ich mir zumindest mehr Geld wünschen, damit ich im Urlaub nicht mehr nachdenken und planen muss und sonst zB. ne Putzhilfe hab ;-)
Dabei weiß ich, dass es anders geht und dann machen die 40h wirklich nichts aus. Irgendwer hat Frankreich erwähnt (mit angeblich schlechterem Verdienst bei den Ärzten dort, was meine Freunde nicht bestätigen, die verdienen mehr als ich). Ich hab da mal PJ gemacht und meine Freunde arbeiten dort als Assistenzärzte. Auch die beschweren sich und die Gründe sind gleich, aber ich fand und finde, dass es dort mehr Balance gibt. Man fängt etwas später an, es gibt richtige Mittagspausen, zwischendurch kann man auch mal n Käffchen trinken. Und wenn etwas nicht so schnell ist, wie man will, dann wird man nicht angepflaumt, sondern alle bleiben entspannt (wodurch es ja auch öfter dann wieder schneller geht). Ich hab im PJ sicherlich nicht weniger gearbeitet und neue Eindrücke gehabt, trotzdem hatte ich dort deutlich mehr Lust und Kraft etwas zu machen nach der Arbeit. Auch in meinem 1. Arbeitsjahr hatte ich mehr gemacht, als jetzt und meine französischen Freunde schaffen es alle auch nach der Arbeit noch was konstruktives zu tun.
Ich denke also: entspannte 40h, oder weniger entspannt, aber mit richtigen Pausen würden schon reichen. 35h wären noch besser, aber ich hab keine Lust auf die Verlängerung der Weiterbildungszeit und bei uns wird Teilzeit eigentlich auch nur bei Kollegen/innen mit Kind bewilligt (steht aber auch so in der Weiterbildungsordnung, soweit ich mich erinnere: triftiger Grund/Kind als Teilzeiterklärung). So, wie es jetzt ist ist es nicht gut und ich fühle mich überfordert und unzufrieden, weil ich nur noch die Arbeit habe. Und dabei bin ich ja sonst sehr zufrieden mit dem Job (was Leute und Lernmöglichkeiten, selbstständiges Arbeiten angeht zB.). Ein Teufelskreis ist das! :-))
Mein Traum wäre es übrigens einen Kurs zu belegen, der über ein paar Wochen geht. :-love
Meine Bekannten und Freunde, die keine Ärzte sind arbeiten auch so um die 40h. Fast alle haben Gleitzeit, wodurch es natürlich schon sehr entspannt wird. Die meisten können zum Teil auch von zu Hause arbeiten. Alle haben Pausen. Wir verdienen ähnlich. Sie haben mehr Leben mMn, da sie auch nach der Arbeit meist entspannt nach Hause kommen und dann gehen sie zu ihren Kursen, in denen sie ihre Hobbies ausleben können und treffen sich mit Freunden. Das wäre ein wunderbares Leben! :-love
Feuerblick
12.01.2014, 11:00
Siehste... Nicht die Stundenzahl pauschal sondern die Bedingungen sind das, woran man arbeiten sollte. :-meinung
Thomas24
12.01.2014, 13:00
Lieber Brutus,
die Welt in der ich lebe? Nur weil du gefragt hast:
Mit deinen 13 Berufsjahren kann ich locker mithalten - ich werf mal 15 in den Raum (14 davon in einem anderen Beruf, einkommens- und statusmässig durchaus auf Mediziner-Niveau... wir hatten auch sowas wie AIP - das dauerte aber 5 Jahre ;-). Zusätzlich hab ich noch Familie. Ich bin in einer Stadt aufgewachsen, wo die Wohnungskosten heute beinahe 50 % des Einkommens ausmachen (Die seriöse Quelle teil ich dir gern per PN mit, muss jetzt nicht jeder wissen, wo ich wohne). Naja, Pech gehabt, wirst du jetzt denken - Augen auf bei der Wahl des Geburtsortes oder einfach mal flexibel sein im Leben!
Egal, was ich dir noch erklären wollte - und auch all den anderen hier, die vor lauter Aufregung über meine Meinung ständig Dinge unterstellen, die ich nie gesagt habe.
1. Von der Hand in den Mund leben - Definition:
Die Redewendung "von der Hand in den Mund leben" impliziert NICHT - wie von vielen hier angenommen - ein bestimmtes Gehaltsniveau! Von der Hand in den Mund lebt man laut Definition dieser Redewendung dann, wenn man seine Rechnungen nicht mehr bezahlen kann, wenn man seinen Job verliert. Klar kann ich mir in 10 Monaten einen BMW ansparen, mir einen Pool in meinen Garten bauen und meinen Kindern ein Studium ermöglichen. Aber wenn ich meinen Job verliere, dann sieht es ganz anders aus. Trotz einiger Ersparnisse, die uns vielleicht für 1 Jahr lang über Wasser halten können - DAS ist meine Definition von "von der Hand in den Mund"... Und dabei bleibe ich: so geht es ca. 95 % aller Angestellten und wir Mittelbau Klinik-Ärzte gehören auch dazu. Und dass Rett-Assen und Taxler nicht zum Sozialmarkt rennen... Naja, die Hyperbel hast du zielsicher nicht erkannt, aber das lag wohl an meiner undeutlichen Ausdrucksweise.
Da bin ich mal gespannt...In welchem Beruf ist ein 5 jähiges Praktikum erforderlich??! Sogar bei den WP sind nur 3 Jahre Tätigkeit vorgeschrieben (und die liegen -bei entsprechender Berufserfahrung und Status- einkommensmässig deutlich über dem was man als Feld- Wald- und Wiesenklinikarzt erreichen kann), fünf Jahre werden es höchstens, wenn man durch die Prüfung rasselt- und selbst dann kann man noch Leiter des Rechnungswesens irgendwo werden (=work Life Balance? Check!). Und psychologische Psychotherapeuten (5 Jahre Weiterbildung) liegen status- und einkommensmässig darunter.
@2: Ich kenne keinen einzigen Beruf, der es erlaubt, bei Wegfall der Erwerbsfähigkeit den Lebensstandard zu halten- :-((
@ Funkel: Genau so ist es!!
Das Geheimnis, wie man seinen Lebensstandard ohne Job haelt, wuerde ich gerne verraten bekommen.
Also ehrlich, wie absurd ist das denn?
Das Wie ist eine Frage, zu der es viele Antworten gibt, das Wer ist dagegen leicht zu beantworten: ein Privatier :-))
McDreamy
12.01.2014, 14:53
Also Leute, ich verrat euch jetzt mal was: ich bin total zufrieden mit meinem Job, mach keine (wirklich keine!) Überstunden und hab nach eurer Definition die top Work-Life-Balance mit nem 40h-Job. ICH bin demnach rundum glücklich - aber um mich geht es hier nicht. Der TE hatte den Thread mit einer Fragestellung begonnen, die durchaus legitim ist. Nämlich ob 40h nicht auch schon zu viel sind, wenn man nebenher noch ein erfülltes Leben haben möchte.
@Muriel: es ist weder neu noch "shocking", dass man seinen Lebensstandard nicht mehr halten kann, wenn man seinen Job verliert. Danke. Das wusste ich bereits. Ich wollte damit nur demonstrieren, was ich mit "von der Hand in den Mund" meinte... du kannst es auch als Hamsterrad, Tretmühle oder whatever bezeichnen. Fakt ist aber: Ist der Job weg hat man ein gröberes Problem. (Dass hier alle so tun, als würde das für eine Familie mit 2 Kindern und Raten für die Eigentumswohnung nur bedeuten, dass es dann statt Kaviar nur noch Räucherlachs gibt, ist nur ein interessantes Detail am Rande)
Du arbeitest also teilzeit, weil du 2 Kinder betreust. Aha. Dann ist es offenbar so, dass mit 1-2 Kindern also die Balance nicht mehr ganz so stimmt bei 40h. Ich gebe dir da vollkommen recht, denn genau darum geht es ja in dieser Diskussion.
@Brutus:
die Hälfte der Bevölkerung arbeitet teilzeit weil sie es können? An dieser Stelle musste ich laut lachen... die überwiegende Mehrheit macht Teilzeit, weil 40h zu viel sind, um das eigene Leben (und damit das der eigenen Kinder) unter einen Hut zu bekommen. Die Einkommen sind dabei so niedrig, dass es gerade so zum überleben reicht, von Altersarmut noch gar nicht zu reden.
Die ursprüngliche Frage des TE lautete: sind 40h nicht schon zu viel? Ich meine: Ja. Das ist weder verrückt noch realitätsfremd noch total abgefahren wie es hier von euch dargestellt wird. Und ich stehe mit dieser Meinung nicht alleine da, 44% teilzeitarbeitende Bevölkerung ist offenbar auch dieser Meinung.
Ich finde diesen Thread fast bezeichnend für die Situation der Ärzte in Deutschland, aber vielleicht haben wir in der Öffentlichkeit schon ein dermaßen schlechtes Image (z.B. als gierige Abzocker), dass man so etwas nicht mal mehr laut denken darf. Ich für meinen Teil empfinde es weder als unverschämt noch als realitätsfremd, wenn ich sage, mir würden auch 30h/Woche reichen. Ob das alles finanzierbar ist, steht auf einem ganz anderen Blatt aber hey, in den 90er Jahren dachte man noch, es sein nicht finanzierbar, wenn Ärzte plötzlich keine 48h-Dienste mehr machen (In der größten österreichischen Uni-Klinik denkt man gar noch heute so: http://derstandard.at/1376535422796/Schritt-fuer-Schritt)
Thomas: meinen früheren Beruf kannst du dir gerne zusammenreimen. Nach dem Studium stand ein 1-Jähriges Praktikum (40h-Woche zu AIP-Konditionen) an. Danach kamen 4 "Ausbildungsjahre", ähnlich wie beim Assistenzarzt: Null Einarbeitung, Full Work-Load, Null Ausbildung (außer die, die man sich selbst finanzierte) zu ungefähr der Hälfte eines Assistenzarztgehaltes. (Ach ja übrigens: Die per 1.1.2013(!) empfohlene Mindestentlohnung in meinem ExBeruf: € 1850 brutto - Quelle gerne bei PN) Das Wort "Überstunde" existierte nicht, man arbeitete durchwegs zu All-in-Konditionen Am Ende der Ausbildung stand eine Prüfung ähnlich der FA-Prüfung an.
@2: Ich kenne keinen einzigen Beruf, der es erlaubt, bei Wegfall der Erwerbsfähigkeit den Lebensstandard zu halten- :-((
!
Top-Manager, Investmentbanker, Politiker, Energy-Drink-Hersteller, Fast-Food-Ketten-Betreiber, griechischer Reeder... ok, sind alles keine Berufe :-))
Das Geheimnis, wie man seinen Lebensstandard ohne Job haelt, wuerde ich gerne verraten bekommen.
Also ehrlich, wie absurd ist das denn?
Wo hab ich das denn behauptet?
Naja, auch da kann man ja was dran machen. Wenn ich in diese Wohnung einziehe, kenne ich die Konditionen. Und egal welche Stadt, es gibt auch billigeren Wohnraum. Wie sonst könnten Studenten in München oder Frankfurt überleben? :-nix[/B]
Ach, erzähl mir mehr... willst du mir jetzt ein WG-Leben schmackhaft machen? Hm... vielleicht bin ich ja doch nicht zu alt dafür, und meine Kinder würden es bestimmt lustig finden :-))
Ohne jetzt auf die Verdienst-/Teilzeitdiskussion groß einzugehen und mal zum Thema zurück:
Ich denke die Work-Life Balance hängt nicht einzig und allein von Stunden und Gehalt ab. Mit meinen 42,5h in der Woche habe ich seit einiger Zeit schon das Gefühl nichts mehr machen zu können. Das liegt sicher zum sehr großen Teil daran, dass ich regulär 40 Überstunden im Monat mache (mind.) und den diversen sozialunverträglichen Arbeitszeiten. Zum anderen ist es aber die Arbeitsweise. Bei meiner 1. Stelle hab ich teils mehr gearbeitet, hatte aber zumindest ne Frühstücks-/Mittagspause.
Hier heißt es durcharbeiten ohne Pausen (oder wenn, dann mit schlechtem Gewissen: 1.weil dadurch im Dienst der OP warten muss, weil man in ein Brot reinbeisst, statt den nächsten zu prämedizieren, oder 2. weil man von seiner Pflegekraft ausgelöst wird).
Dann wird man stets gedrängt schneller zu sein (und jede 2 Minuten guckt jemand rein und fragt: "Wie lange braucht ihr noch?").
Einarbeitung ist zwar da, aber trotzdem reicht es nicht aus, sodass man den ersten Diensten/Einsätzen mit leichter Panik entgegensieht. Wenn ich darüber nachdenke, dass ich ab morgen alleine auf Intensiv bin nach 6 Frühdiensten mit Kollegin zusammen, dann vergeht mir die Lust irgendwas anderes zu machen heute, als zu lernen und zu schlottern ;-) Und mir gehts ja schon gut mit der Einarbeitung, es gibt Kollegen, die keine hatten.:-?:-(
Bei diesen Voraussetzungen ist es für mich persönlich nicht möglich abends etwas anderes zu tun, als nach dem ersten Essen des Tages (in der Arbeit gings ja nicht) vor mich hinzuvegetieren auf der Couch. Und Wochenenden brauche ich dann, um mal ne Email zu schreiben, Papierkram zu erledigen, oder auch mal zur Post zu fahren, zu putzen etc. Sonntag Nachmittag ist frei, aber schon voller Gedanken an den nächsten Tag und Stress, da man ja gg. 21:30-22:00Uhr im Bett sein muss. Bei den Voraussetzungen würde ich mir zumindest mehr Geld wünschen, damit ich im Urlaub nicht mehr nachdenken und planen muss und sonst zB. ne Putzhilfe hab ;-)
Dabei weiß ich, dass es anders geht und dann machen die 40h wirklich nichts aus. Irgendwer hat Frankreich erwähnt (mit angeblich schlechterem Verdienst bei den Ärzten dort, was meine Freunde nicht bestätigen, die verdienen mehr als ich). Ich hab da mal PJ gemacht und meine Freunde arbeiten dort als Assistenzärzte. Auch die beschweren sich und die Gründe sind gleich, aber ich fand und finde, dass es dort mehr Balance gibt. Man fängt etwas später an, es gibt richtige Mittagspausen, zwischendurch kann man auch mal n Käffchen trinken. Und wenn etwas nicht so schnell ist, wie man will, dann wird man nicht angepflaumt, sondern alle bleiben entspannt (wodurch es ja auch öfter dann wieder schneller geht). Ich hab im PJ sicherlich nicht weniger gearbeitet und neue Eindrücke gehabt, trotzdem hatte ich dort deutlich mehr Lust und Kraft etwas zu machen nach der Arbeit. Auch in meinem 1. Arbeitsjahr hatte ich mehr gemacht, als jetzt und meine französischen Freunde schaffen es alle auch nach der Arbeit noch was konstruktives zu tun.
Ich denke also: entspannte 40h, oder weniger entspannt, aber mit richtigen Pausen würden schon reichen. 35h wären noch besser, aber ich hab keine Lust auf die Verlängerung der Weiterbildungszeit und bei uns wird Teilzeit eigentlich auch nur bei Kollegen/innen mit Kind bewilligt (steht aber auch so in der Weiterbildungsordnung, soweit ich mich erinnere: triftiger Grund/Kind als Teilzeiterklärung). So, wie es jetzt ist ist es nicht gut und ich fühle mich überfordert und unzufrieden, weil ich nur noch die Arbeit habe. Und dabei bin ich ja sonst sehr zufrieden mit dem Job (was Leute und Lernmöglichkeiten, selbstständiges Arbeiten angeht zB.). Ein Teufelskreis ist das! :-))
Mein Traum wäre es übrigens einen Kurs zu belegen, der über ein paar Wochen geht. :-love
Meine Bekannten und Freunde, die keine Ärzte sind arbeiten auch so um die 40h. Fast alle haben Gleitzeit, wodurch es natürlich schon sehr entspannt wird. Die meisten können zum Teil auch von zu Hause arbeiten. Alle haben Pausen. Wir verdienen ähnlich. Sie haben mehr Leben mMn, da sie auch nach der Arbeit meist entspannt nach Hause kommen und dann gehen sie zu ihren Kursen, in denen sie ihre Hobbies ausleben können und treffen sich mit Freunden. Das wäre ein wunderbares Leben! :-love
Danke für diesen Beitrag. :-dafür
@Brutus:
die Hälfte der Bevölkerung arbeitet teilzeit weil sie es können? An dieser Stelle musste ich laut lachen... die überwiegende Mehrheit macht Teilzeit, weil 40h zu viel sind, um das eigene Leben (und damit das der eigenen Kinder) unter einen Hut zu bekommen. Die Einkommen sind dabei so niedrig, dass es gerade so zum überleben reicht, von Altersarmut noch gar nicht zu reden.
Sach mal. Liest Du eigentlich auch, was Leute auf DEINE Fragen antworten? Du hast gefragt, warum Muri und Seb Teilzeit arbeiten. Darauf habe ich geantwortet: Weil SIE es können. Damit habe ich NIX zu der Situation der 80Mio Deutschen gesagt, sondern lediglich auf die Situation der o.g. Ärzte Stellung bezogen...
Edit 1: Sag uns doch einfach, was Du vorher gemacht hast. Kann doch nicht sooo ein Geheimnis sein.
Edit 2: Man kann auch mehrfach zitieren, dann muss man nicht 4 Posts direkt nacheinander erstellen, ist auch für den Lesefluß viel angenehmer...
McDreamy
12.01.2014, 15:17
Brutus,
Was ich geschrieben habe:
Wenn 40h "völlig normal" sind - um Feuerblick und die bodenständigen Eltern zu zitieren - dann frag ich mich, weshalb beinahe 40% der erwerbstätigen Gesellschaft heutzutage teilzeit arbeitet. Sind die alle faul? Oder gibts da noch was anderes im Leben?
Was du geantwortet hast:
"Moooment! Die Antwort ist sicher nicht sooo einfach! Erstens: weil sie es können! Zweitens: ..."
Ich lese sehr genau, das hab ich in meinem 1. Beruf gelernt ;-)
][truba][
12.01.2014, 15:22
Also ich kenne eine MENGE Leute die Teilzeit arbeiten und alle, weil sie es können und nicht weil 40h zu viel sind.
Und die Meisten meinen sogar das der Gehaltsverlust gar nicht so groß ist.
McDreamy
12.01.2014, 15:23
PS: ist doch egal, was ich vorher gemacht habe. Ich habe jedenfalls Einblick in beide Welten bekommen und muss sagen, so unterschiedlich sind die nicht. Auch andere Akademiker-Berufe sind verdammt stressig, Klinikarbeit ist vielleicht ein bißchen stressiger als z.B. Controlling? (aber ich bin ja kein Statistik-Institut). Am Ende sind wir alle "on Payroll" und sind darauf angewiesen, dass der Scheck monatlich reinfalttert...
(leider weiß ich nicht, wie man mehrfach zitiert)
Moah. Wieder einmal ein Beispiel für selektives Zitieren. Schön aus dem Zusammenhang reißen und so hinbiegen, bis es passt!
Selbst auf Deinen neuen Post passt meine Antwort Du selbst sagst es ja: 40% arbeiten Teilzeit. Weil sie es können? Wahrscheinlich, sonst würden sie es nicht machen! :-nix
Ich bin übrigens davon ausgegangen, dass Du meine fettgedruckte Aussage meintest:
2. Warum arbeitest du teilzeit? Was ich in diesem Thread gelernt habe, sind 40h/Woche doch die optimale Work-Life-Balance, oder etwa nicht?
Meine Antwort:
Weil sie es können!
Und nochmal: Was hast Du gemacht, bevor Du Arzt geworden bist???
McDreamy
12.01.2014, 15:32
Lies doch mal 6 Absätze weiter oben in deinem eigenen Post!
Ich hab meine Frage und deine darauffolgende Antwort 1:1 zitiert, ohne irgendwas aus dem Zusammenhang zu reissen. Und zitiert hab ich es nur deshalb, weil du mir vorgeworfen hast, deine Antworten nicht genau zu lesen.
Aber Zitierkrieg ist langweilig. Also zurück zum Thema.
Und? Was hast Du vorher gemacht?
Es war mal irgendwo von Anwalt die Rede, wenn ich mich recht erinnere. Wo da die fünf Jahre Praktikum herkommen, weiß ich allerdings nicht. Zwei Jahre Referendariat kenne ich da.
also zum thema work life balance in frankreich kann ich sagen: ja, man faengt spaeter an zu arbeiten und muss zumindest in den nicht chirurgischen fächern nicht nachts im stockdunkeln aus dem haus (arbeitsbeginn 8.30 oder 9 h). das ist doch um einiges physiologischer, um diese uhrzeit aufzustehen...dadurch verschiebt sich der tagesablauf aber nach hinten und das macht es auch nicht besser. hier faellt in der tat das mittagessen selten aus und jeder macht seine pause und das ist auch überall akzeptiert und keiner hat ein schlechtes gewissen, wenn man sich 30-45 Minuten in ruhe zeit zum essen nimmt. das heisst aber gleichzeitig, dass diese mittagessenszeit tot ist und nichts funktioniert und man sich an diesen rhythmus anpassen muss. hat alles so seine Vorteile. grade gehts mir ziemlich auf den wecker und ich wuensche mir fast ein bisschen deutschlandklima her und wuerde gerne vor dem pc beim briefeschreiben ein baguett reinschlingen, um dafuer einfach frueher gehen zu koenne. die arbeit zieht sich so immer bis 19 h oder 19.30, dann noch heimweg und wenn man einkaufen und kochen will oder gar freizeitbeschaeftigungen wie sport hat, ist das alles nicht vereinbar. die mentatlitaet ist eben durchweg anders. in deutschland hat man das eine (arbeit so schnell wie moeglich machen und dann nichts wie nach hause, und das leider ohne Mittagessen, weil alle so ticken), hier vielleicht das andere extrem (alle essen zusammen, man macht noch eine Zigarettenpause...) selbst aerzte mit kleinkinder zu hause machen keine anstalten unbedingt puenktlich und früh gehen zu wollen. da wird dann gemaechlich die um 19 uhr die uebergabe zum nachtdienst gemacht und dabei gelacht. Freitag abends kommen bei uns um 19 uhr die oberaerzte mit Champagner und knabberzeug ins assistentenzimmer eingefallen, um das wochenende einzulaeuten...ich find das hat durchaus positive seiten, aber ich kann nicht gegen diesen rhythmus arbeiten, selbst wenn ich heim will und meine arbeit gemacht ist, weil der oa dann evtl doch um 18.30 vorbeischneit und nochmal zusammen einen patienten sehn will. das klingt jetzt alles nach super work life balance, weil die arbeit keine tot sondern lebezeit ist, in der man spass hat, alle moegen sich und trinken schampus zusammen, aber meine freunde und familie, die ich sehen will sind zu hause und nicht im krankenhaus...meinen sport mach ich nicht mehr, weil es abends nicht geht....ist auch keine loesung finde ich...ueberstunden und solche spaesse werden hier natuerlich auch nicht aufgeschrieben, das gibts bei den assistenzaerzten hier gar nicht (obwohl es doch angeblich die 35 h woche gibt...). und von der bezahlung will ich gar nicht anfangen, aber die ist in frankreich als Assistent deutlich geringer und die lebenskosten höher. karibe, ich bin verwundert, dass du sagst dass deine fruende mehr verdienen? sind die niedergelassen? was fuer einen posten haben die denn? ich kenne es, dass man als oberarzt hier sicher nicht mehr verdient, eher weniger. (es sei denn man macht sonntagsdiense, damit kann ziemlich viel geld machen). das lustige ist ja oft, dass man hier von einem nettogehalt redet, das gar kein echtes netto ist. Sozialabgaben sind gemacht, aber die steuern werden am ende des jahres abgezogen und nicht monatlich...
OT: yoann: das hört sich irgendwie krass an. Kann mir gut vorstellen, wie du das meinst. Ich werde auch manchmal ein bisschen unruhig, wenn Kollegen anfangen, über Gott und die Welt zu schwadronieren - und sich dabei aber die Arbeit auf dem Schreibtisch stapelt. Und dann hab ich wieder ein schlechtes Gewissen, Austausch ist ja auch wichtig…aber eben am liebsten erst, wenn die Arbeit erledigt ist.
Und was sagen deine Kollegen, wenn du sie fragst, wann sie IHRE Freunde sehen? Oder ist man generell nur mit Kollegen (mehr oder weniger) befreundet? Und macht keinen Sport/Hobbies?
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