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karibe
12.01.2014, 17:34
Hmmm.. Das mit dem Gehalt ist ja doof:
Ich habs mal gegoogelt, ist ja auch öffentlich und mein Gespräch mit Freunden über Gehalt schon ein gutes Jahr her. Arbeiten beide an Pariser Unikliniken und sind im 4. Jahr. Und: ja, ich glaube irgendwo haben sie vergessen es ins Netto umzurechnen, denn die Bruttobezahlung (also das, was du meintest als Netto bezeichnet wird) passt zu dem, was sie meinten. Nach Umrechnung verdienen sie ca. 500€Netto weniger, als ich (wenn ich jetzt mal 4-5 Dienste monatlich rechne) bei offiziell ja mind. 5h weniger in der Woche. Zumindest die in der Inneren hat wirklich nur ihre Stunden und kommt relativ pünktlich um 17:00-17:30 Uhr raus (Dienstbeginn 09:00).
Deine Arbeitsstelle hört sich spaßig an mit den Oberärzten :-)) Aber ich kanns verstehen, wenn man mal jemand anderes sehen will und lieber früher gehen würde, insb. wenn die Arbeit nicht so wirklich dolle und die Überstunden gar nicht bezahlt werden.
Ich finde auch trotz (oder grad wegen) deiner Erzählungen die franz. Arbeitsweise besser. Einfach, weil ich 10 Stunden mit Pausen und in netter Atmosphäre als weniger fertig machend erachte, als 10h ohne Pausen, unter Stress und mit Hetzen und in unfreundlichem Klima. Und ich gehe auch gerne mit Arbeitskollegen aus, das macht hier nur niemand, weil man halt immer so fertig ist.
Ist aber halt meine Sichtweise, muss ja nicht auf alle zutreffen. :-))

Thomas24
12.01.2014, 18:12
Thomas: meinen früheren Beruf kannst du dir gerne zusammenreimen. Nach dem Studium stand ein 1-Jähriges Praktikum (40h-Woche zu AIP-Konditionen) an. Danach kamen 4 "Ausbildungsjahre", ähnlich wie beim Assistenzarzt: Null Einarbeitung, Full Work-Load, Null Ausbildung (außer die, die man sich selbst finanzierte) zu ungefähr der Hälfte eines Assistenzarztgehaltes. (Ach ja übrigens: Die per 1.1.2013(!) empfohlene Mindestentlohnung in meinem ExBeruf: € 1850 brutto - Quelle gerne bei PN) Das Wort "Überstunde" existierte nicht, man arbeitete durchwegs zu All-in-Konditionen Am Ende der Ausbildung stand eine Prüfung ähnlich der FA-Prüfung an.



Hm...Patentanwalt?! Kann auch nicht sein...die mir bekannten Patentanwälte arbeiten nicht für 1850 Euro/ Monat. Und in der Industrie werden auch ordentliche sechsstellige Jahresgehälter gezahlt-
Aber egal, back to topic...

Wenn ich mit Knabberzeug und Schampus in der Hand Freitag nachmittag ins Untersuchungszimmer eingefallen wäre, hätten sich meine Assistenten höchstens gefragt, ob ihr OA ein Alkoholproblem hat :D

Solara
12.01.2014, 18:35
Das einzige was mir mit 5jährigem Praktikum einfällt ist Erzieher/in.

Aber am Ende eine Prüfung ähnlich FA-Prüfung?!? Hmm ...

Merlins Erbe
12.01.2014, 18:54
Mc ist Steuerberater. Glaube ich.

gnuff
12.01.2014, 19:20
Ich bin mir nicht ganz sicher ob es jemanden interessiert oder ob es noch jemand hören will, aber egal...

Angeblich lebe ich ja im Work-Life-Balance-Land schlechthin und eventuell trägt es was zur Diskussion bei. Ich arbeite als Facharzt momentan 100% bei 40h/Woche. Meine Frau arbeitet 75% als Bibliothekarin. Wir haben drei Kinder von 6 bis 11 Jahren. Ich habe 3 -5 Dienste pro Monat, meistens Rufbereitschaft für Intensivtransporte alternativ normale Anästhesie-Hausdienste. Für beide Dienste gilt 200% (in der Rufbereitschaft nur für die aktive Zeit). Den erarbeiteten Freizeitausgleich kann man entweder in Zeit oder in Geld bekommen.
Meine Töchter spielen alle Fussball (Sommer) und Innebandy (Winter), inkl. Turniere, Liga-Spiele usw., was für uns viel Fahrerei und Organisation bedeutet, meine Frau trainiert die eine Innebandy-Mannschaft, ich jage im Herbst und habe darüber hinaus gerade eine zweijährige Weiterbildung begonnen. Ich glaube dennoch, dass wir unser Leben und die Arbeit gut unter einen Hut bringen. Es mag oft eine organisatorische Herausforderung sein aber es funktioniert problemlos.
Warum? Hier wird nicht erwartet, dass irgendwer länger bleibt, früher kommt, Briefe in der Freizeit schreibt, in der Freizeit forscht oder sonst was. Sind die Kinder krank, bleibt man zu Hause, Punkt, keine Diskussion... auch als Arzt. Das schwedische Gesetz schreibt vor, dass ein Arbeitnehmer mind. 4 Wochen Urlaub im Sommer am Stück bekommen muss (man darf darauf verzichten, wenn man will, wird dann aber schräg angeschaut...), mein Arbeitgeber garantiert 5. Will ich mal eine Woche frei machen, funktioniert dass in den allermeisten Fällen, evtl. muss man ein bisschen schieben.
Geld war ja irgendwie wichtig... man bezahlt mir umgerechnet ca. € 84.000,- ohne Dienste ... wir kommen also zurecht...

Thomas24
12.01.2014, 19:40
@ Gnuff, danke für die Infos-

Wie hoch ist denn der jährliche Urlaubsanspruch insgesamt, wenn ihr in den Sommermonaten 4 Wochen am Stück bekommen müsst? Habt ihr noch zusätzlichen Fortbildungsurlaub?

Ich kann mir das bei einer personalstarken Abteilung wie der Anästhesie ja noch vorstellen, wenn Schwestern, Pfleger, Ärzte etc. im Sommer vier Wochen am Stück frei bekommen müssen- aber wie machen das die personalschwächeren Abteilungen in den Sommermonaten (HNO, Uro etc.)? Wird über den Sommer das Op- Programm reduziert? Oder werden die Ambulanzen runtergefahren? Gleiches gilt für die plötzlichen Erkrankungen von Kindern- wie schafft ihr das abzupuffern oder werden bei Grippewellen etwa elektive Eingriffe verschoben ?

gnuff
12.01.2014, 20:10
... Wie hoch ist denn der jährliche Urlaubsanspruch insgesamt, wenn ihr in den Sommermonaten 4 Wochen am Stück bekommen müsst? Habt ihr noch zusätzlichen Fortbildungsurlaub? ich habe 32 Tage... Fortbildungen beantragt man und dann wird das Fortbildungsbudget so verteilt, dass alle was abbekommen... für eine genehmigte Fortbildung wird man freigestellt und alle Kosten (Gebühr, Reise, Hotel) werden übernommen.


Ich kann mir das bei einer personalstarken Abteilung wie der Anästhesie ja noch vorstellen, wenn Schwestern, Pfleger, Ärzte etc. im Sommer vier Wochen am Stück frei bekommen müssen- aber wie machen das die personalschwächeren Abteilungen in den Sommermonaten (HNO, Uro etc.)? Wird über den Sommer das Op- Programm reduziert? Oder werden die Ambulanzen runtergefahren? Gleiches gilt für die plötzlichen Erkrankungen von Kindern- wie schafft ihr das abzupuffern oder werden bei Grippewellen etwa elektive Eingriffe verschoben ?

Im Sommer (8 Wochen) und zur Jahreswende (2 Wochen) gehen wir von 30 Sälen auf 10 und operieren nur Notfälle und Krebschirurgie. Bei zuviel krankem Personal wird erst improvisiert und dann wird eben ein Saal geschlossen.

Thomas24
12.01.2014, 20:23
Danke für die Infos!:-top

Miss
12.01.2014, 21:21
Der Arzt bei dem ich damals in Frankreich Famulatur gemacht habe und den ich immer noch fast jedes Jahr besuche :-) der hat auch richtig viel gearbeitet. Praxis, Belegbetten in zwei verschiedenen Krankenhäuser. Zwar auch sehr gut verdient, aber da war eigentlich auch nichts mit work-life-balance.

Naja, und irgendwie kommt Ausland für mich dauerhaft auch nicht in Frage :-nix bin total gern in der Welt unterwegs, aber hier ist halt meine Heimat...

tja, bis auf einige positive Ausnahmen hat sich die Diskussion auf ein Kindergartenniveau bewegt :-nix

Es ist doch so, daß die wenigsten Leute, die sehr viel Geld verdienen, das mit einer 20h Stunden-Woche erreichen :-nix für viele Unternehmer/Manager... ist das Geschäft/ihr Beruf ihr Leben. Die sind viel auf Achse, Geschäftsreisen, Geschäftsessen, Überstunden... Das ist fürs Privatleben und das Stresslevel mit Sicherheit auch nicht gut, auch wenn die z.T. vielleicht sehr viel mehr verdienen.
Diese Gerüchte, daß eigentlich die meisten Vielverdiener kaum was für ihr Geld tun, stimmen ja einfach nicht :-nix

Könnte mir auch vorstellen, meine Arbeitszeit um 10-25% zu reduzieren, die finanzielle Einbußen dabei sind nicht so gewaltig. Dann könnte man ja immer noch überlegen, was man mit der freien Zeit anfängt ;-) irgendwo Honorschlampendienste ausführen bei Lust und Laune oder auch mal die freie Zeit genießen :-)

MissGarfield83
13.01.2014, 04:48
@gnuff : Habt ihr wirklich 30 Säle in einem Haus ? Krass ...

Jan B.
19.01.2014, 17:55
was heißt teilzeit nur bei müttern akzeptiert? aus dir spricht die sozialisation (keine kritik an dir)

man hat gefälligst vollzeit zu arbeiten und damit basta. steht es deinen lebenszielen im wege? das haben die generationen vor dir aushalten müssen. basta. wir könne dir einfach keine halbstagsstelle anbieten (sprich: ist uns zu teuer) basta.

es ist für den chef schwieriger viele halbtagsstellen zu schaffen und für den staat ist es auch schwieriger,der muß mehr ärzte produzieren. das meinst du wahrscheinlich mit
"nur bei müttern akzeptiert"

wir leben ja gottseidank in einer demokratie. deswegen steht in wahrheit dem eigenen lebensentwurf, wenn er den teilzeit beinhaltet, nichts wirklich im wege.
wir denken nur da wären hindernisse, aufgrund der sozialisation.

du machst das, was dir gefällt und gut ist.


das ist immer die konfrontrierte alternativlosigkeit, die es gilt zu schlucken. bei ESM und Europapolitik genauso.



Ich hatte hier eher die mangelnde Akzeptanz von Teilzeitarbeit bei Chefs und Personalern gemeint, nicht so sehr in der Gesellschaft. In der Allgemeinheit ist Teilzeit glaube ich mittlerweile auf für Nichtmütter akzeptiert. Die Haltung der Gesellschaft ist mir aber auch reichlich egal.
Das Problem ist, dass die meisten Chefs so sozialisiert wurden, dass jeder Mann sich voll und ganz für den Beruf aufzuopfern hat. Teilzeit wird nur dann gestattet, wenn man einen absoluten Bewerbermangel hat und es nicht anders geht. Oder eben in den wenigen Häusern mit einem modern denkenden Chef.

Dem eigenen Lebensentwurf steht in unserer Demokratie tatsächlich nicht viel im Wege, außer eben der Chef. Der ist aber leider entscheidend.

Andere Branchen sind schon viel weiter. In vielen IT-Betrieben, oder auch in Schulen und sozialen Einrichtungen ist man als Teilzeitler ebenso willkommen wie alle anderen. Es muss ein Ziel sein, in der Medizin endlich auch eine modernere Arbeitswelt zu schaffen. Der Muff der alten Chefs vertreibt grundsätzlich motivierte junge Ärzte in Nischenfächer, alternative Berufsfelder oder ins Ausland und verstärkt so noch den Ärztemangel.

McBeal
19.01.2014, 18:06
Teilzeit ist doch auch zumindest für die Weiterbildung nur auf begründeten Antrag anrechenbar. Von daher sollte das für kinderlose und gesunde junge Ärzte problematisch sein.

LG
Ally

anignu
19.01.2014, 18:47
Leider...

In unserer Klinik arbeiten in einer anderen Fachrichtung von 7 Oberärzten (und -Innen) 5 in Teilzeit. Davon 2 zu 50% und 3 zu 75%. Mit denen hab ich öfter mal zu tun. Die sagen fast alle "mit dem Geld komm ich aus und dafür hab ich zusätzlich 1 Woche pro Monat frei".

Ich mein, mit dem Steuersatz den ich hab würde ich mit 75% Arbeit so gut auskommen, dass immer noch viel genug übrig bleibt. Aber ich brauch gar nicht drüber nachdenken, denn dann ist meine Weiterbildung halt versaut. Außerdem sollte ich ja noch Hausbauen usw...

erdbeersoda
19.01.2014, 18:50
Teilzeit ist doch auch zumindest für die Weiterbildung nur auf begründeten Antrag anrechenbar. Von daher sollte das für kinderlose und gesunde junge Ärzte problematisch sein.

LG
Ally

Nein, das stimmt nicht, dass teilzeit begründet sein muss. In der wbo steht davon nichts und ich kenne leute ohne kinder, die zb 80/90% arbeiten.

gnuff
19.01.2014, 18:50
@gnuff : Habt ihr wirklich 30 Säle in einem Haus ? Krass ...

Naja, da sind jetzt wirlich ALLE Aussenstellen mit dabei und sicherlich betreiben wir nicht Anästhesie an allen Stellen gleichzeitig, aber auf 25 - 26 im normalen Tagesgeschäft kommen wir schon...

CD95
19.01.2014, 19:52
Nein, das stimmt nicht, dass teilzeit begründet sein muss. In der wbo steht davon nichts und ich kenne leute ohne kinder, die zb 80/90% arbeiten.

Hier ist so ein Antragsformular für die Anerkennung der Teilzeit.

http://www.aekno.de/downloads/aekno/antrag_teilzeit2010.pdf

erdbeersoda
19.01.2014, 20:00
Hängt vielleicht von der Ärzte kammer ab. In bw steht auf der website, dass teilzeiz nicht mehr vorher beantragt werden muss

McBeal
19.01.2014, 21:33
Bei der ÄKWL steht es so auf der Seite und ich beantrage das auch gerade. Daher kam ich auch darauf.

LG
Ally

fritzline
21.01.2014, 07:59
Andere Branchen sind schon viel weiter. In vielen IT-Betrieben, oder auch in Schulen und sozialen Einrichtungen ist man als Teilzeitler ebenso willkommen wie alle anderen. Es muss ein Ziel sein, in der Medizin endlich auch eine modernere Arbeitswelt zu schaffen. Der Muff der alten Chefs vertreibt grundsätzlich motivierte junge Ärzte in Nischenfächer, alternative Berufsfelder oder ins Ausland und verstärkt so noch den Ärztemangel.

Also ich erlebe das eher andersherum, dass es in anderen Branchen teilweise noch viel weniger akzeptiert ist als in der Medizin?! Mein Mann (Physiker) kann sich nicht mal eben bei einem Unternehmen bewerben und Teilzeit wollen. In der Medizin gibt es inzwischen sogar ganze Abteilungen, die sich auf Grund des Ärztemangels auf Teilzeit spezialisiert haben! Aber hier wie dort: Man kann nicht alles haben. Zumindest in unserer Generation sind die Chancen auf nen Chefarztposten damit sehr gering. Womit man unter Umständen leben kann :-)

Dr-Pizza
22.01.2014, 19:01
Ich finde das Thema sehr interessant:

Im Alltag merke ich auch, dass ich unter der Woche fast gar kein Privatleben mehr habe. Bei einer regulären 40h-Woche mache ich noch mindestens 4 (-8) Dienste, wovon so gut wie immer 2 komplette Wochenenden betroffen sind (also 1x Samstags 24h-Dienst und 1x FR24h und So24h-Dienst). Dazu kommen dann noch rund 10 Überstunden im Monat oder auch mal "freiwillige" abendliche Fortbildungsveranstaltungen.Und wenn dann noch jemand der Kollegen krank wird, heißt es einspringen...

Auf der Arbeit selbst herrscht ein unheimlicher Zeitdruck. Manchmal kommt man den ganzen Tag nicht auf Toilette und wenn man eine Mittagspause einbaut, wird man entweder schief angeguckt oder kommt mit seinem Programm nicht durch. Gespräche mit Kollegen auf einen Kaffee sind total schwierig, weil jeder immer unter Zeitdruck steht. Dementsprechend bin ich abends dann auch platt, wenn ich nach Hause komme...

Auf den Stationen herrscht absolutes Chaos und wenn man freundlich nach der Erledigung der Anweisungen fragt, bekommt man oft nur ein "keine Ahnung, frag mal da und da, hab ich nicht gesehen, bin ich nicht für zuständig". Ich schicke EKG-Anforderungen mittlerweile lieber selbst weg und drucke Blutetiketten selber aus. Befunden, Akten/Kurven und sonstigen Dingen hinterherzulaufen oder zu telefonieren ist ja sowieso Standard. Das Motto ist wirklich: wenn du willst, dass es erledigt wird, mach es selber! Und delegieren bringt nix.

Zwischendurch wird erwartet, dass der gesamte DRG-Irrsinn perfekt beherrscht wird und jeder unnormale Laborwert kodiert wird und weitere Sekretariatsaufgaben neben der normalen Arbeit erledigt werden.

Und da es genügend willigen Nachwuchs gibt (ich verstehe jeden, der wegen der besseren Lebensumstände herkommt, weil es ja auch geht), die zumindest in den ersten Jahren alles mitmachen, wird sich an diesen Umständen auch nichts ändern.

Urlaub gibt es für Singles auch nur, wenn keine Ferien sind oder Feiertage und am liebsten nur im Februar und November :D

Dass in den Medien nur berichtet wird, dass Ärzte alle Porsche fahren, Abrechnungsbetrug betreiben und ihre Doktorarbeiten abgeschrieben haben, während man sich selber die Nacht um die Ohren schlägt, um multimorbide Patienten gut zu behandeln, macht das Ganze noch komplett.

Klingt irgendwie leicht gefrustet :)